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Michael Haneke zeigte erneut zu welcher Meisterschaft er es mittlerweile gebracht hat, während junge US-Filmemacher wie Rian Johnson mit den hohen Erwartungen zu kämpfen haben. Hinzu kam die erneute Sichtung des Avantgarde-Kleinods „Double Take“.

Neuzugänge
Der erste Kino-Neuzugang des Monats ist der schon seit ein paar Wochen vor mir her geschobene neue Film von Michael Haneke: „Amour“. Zwei Stunden lang sieht man dabei dem Verfall eines Ehepaares zu und dass man dabei nicht völlig in Depressionen verfällt liegt zum einen an der Mischung aus kühler Distanzierung und gefühlvoller Beobachtung, die Haneke an den Tag legt sowie natürlich an dem intensiven Spiel Jean-Louis Trintignants und Emanuelle Rivas.
Ohne großes Niveau zeigt sich die Adaption der humorvoll gedachten Biografie „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ von Timur Bekmambetov. Aufbauend auf dem Buch von Seth Grahame-Smith, erzählt Bekmambetov unter ausgiebigem Einsatz der Slow Motion, die Lebensgeschichte Abraham Lincolns, mit dem Bonus, er wäre ein Vampirjäger gewesen. Hin und wieder recht Stimmungsvoll aber im Großen und Ganzen ein humorloser Schmarrn.
Viel interessanter zeigte sich da schon Rian Johnsons Zeitreisedrama „Looper“ mit einem großartigen Joseph Gordon-Levitt sowie einem endlich wieder mal motivierten Bruce Willis. Johnson setzt sich über die aufkommenden Paradoxien der Handlung hinweg und unterhält auf hohem Niveau. Zwar nicht ganz so clever wie erhofft aber dennoch ein Sci-Fi-Juwel. Oliver Stone wiederum hat schon seit beinahe 15 Jahren kein Juwel mehr abgeliefert. Sein gut gespielter und mit viel galligem Humor unterlegter Drogen-Thriller „Savages“ zeigt Stone wieder auf der Höhe seines Könnens. Man mag die Erzählerin O (Blake Lively) zu banal finden aber zum Glück funktioniert das Drumherum umso besser.
Schwierig gestaltete sich „On the Road“, die lang geplante Adaption des Jack-Kreouac-Romans mit einem passablen Sam Riley in der Hauptrolle. Riley rettet über manche Passage mit den unsympathischen Charakteren hinweg, während in Nebenrollen Viggo Mortensen & Amy Adams (dem Burroughs-Ehepaar nachempfunden) und Kirsten Dunst wahren Glanz verströmen.
Der Dokumentarfilm „More Than Honey“ von Markus Imhoof geht in einer interessanten Mischung aus Alltagsgeschichten und wissenschaftlichen Fakten dem industriellen Imkern sowie dem Bienensterben auf den Grund. Abgesehen von der zu kitschigen Musik ein sehr guter Dokumentarfilm.

Bei meinem Aufenthalt in Stockholm stieß ich in einem kleinen Comic-Laden auf eine billige DVD mit zwei Horrorfilmen des schwedischen Independent-Regisseurs Daniel Lehmussaari. „The Grief“ (2009) ist genau genommen ein aus zwei Kurzfilmen zusammen gesetzter Spielfilm, der verzweifelt versucht auf Spielfilmlänge zu gelangen. Eine recht langweilige, zuweilen unfreiwillig komische Variation des „Blair Witch Project“.
Johnny Depps Regiedebüt „The Brave“ (1997) um einen Indianer der sich für einen Snuff-Film opfert um seiner Familie ein schönes Leben zu bescheren, konnte ich erst im zweiten Anlauf ganz betrachten. Depp inszeniert mit viel zu viel Pathos und untergräbt durch seine melodramatischen Töne sowohl seine eigene Leistung als auch die tollen Auftritte seiner Mitspieler wie etwa Marlon Brando.
Der kanadische Film „The High Cost of Living“ (2010) hat eine äußerst unglaubwürdige Handlung (Drogendealer überfährt Schwangere, fährt davon, sie verliert ihr Baby, er sucht sie wegen seiner Gewissensbisse auf und die beiden verlieben sich ineinander) aber zwei großartige Hauptdarsteller. Zach Braff überzeugt als kleiner Dealer und Isabelle Blais zeigt eine gute Leistung als „beinahe-Mutter“. Deborah Chows Inszenierung hat einige schöne Momente, krankt aber an der arg konstruierten Handlung.
Vor kurzem noch auf den Filmfestivals dieser Welt und dann plötzlich im Fernsehen für eine Spezialschiene zu Michael Jackson: Spike Lees Dokumenation „Bad 25“ (2012). Die Freude war groß und zu sehen bekam man eine völlig unkritische Lobhudelei zu Ehren des einflussreichen Jackson-Albums. Ja, das Album war ein Mega-Hit und ist einflussreich aber ein wenig mehr kritische Distanz hätte man sich schon erwartet. Ein Werbevideo der besonderen Art.

The 1001 Project
Noch so ein hoch gelobter und mit Preisen überhäufter Film (Goldene Palme von Cannes, Oscar für Beste Regie und Bester Hauptdarsteller), den ich vor mir herschob: „The Pianist“ (2002). Roman Polanski erzählt die Geschichte des jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman (ein großartiger Adrien Brody) und seines Überlebenskampfs im besetzten Warschau, als untypisch anti-heroisches Stück. Ein klein wenig Pathos schwingt in dem Holocaust-Film, doch gelingt es Polanski nicht ins rührselige abzugleiten.
„L’Age d’Or“ (1930) ist der bizarre und äußerst lustige Nachfolgefilm von Luis Bunuel zu „Un chien andalou“. Skelettierte Bischöfe, sexuelle Ekstase und Dokumentarmaterial zu Skorpionen. Ein vergnüglicher Bilderreigen.
Michael Powell und Emeric Pressburger gehören zu den einflussreichsten Filmemachern Großbritanniens und ihre epochale Mischung aus Melodram und Satire „The Life and Death of Colonel Blimp“ (1943) ist ein großartiger Einstieg in ihr vielschichtiges Werk. Getragen von einem charismatischen Roger Livesey in der Hauptrolle und versehen mit der richtigen MIschung aus Pathos und Satire, analysiert der knapp dreistündige Film die sich wandelnde Bedeutung von Patriotismus und Kriegsführung über die Burenkriege hin zum Zweiten Weltkrieg.
Yasujiro Ozu gilt mit „Tokyo monogatari“ (1953) als Monument der Filmkunst. Völlig ungekünstelt fängt er den Besuch eines alten Ehepaares bei ihren Kindern, in der großen Stadt ein. Es mag dauern bis das unspektakulär und zum Teil relativ banal wirkende Geschehen packt, doch das zuweilen gar grausam-ehrliche Schwarzweiß-Melodram fasziniert aufgrund seiner Stille und Konzentration.
Nach „Citizen Kane“ konnte Orson Welles mit „The Magnificent Ambersons“ (1942) erneut seinen Launen freien Lauf lassen. Wenn auch die Geschichte um einen verzogenen Adelsspross nicht ganz so sehr packt wie das berühmte Vorgängerwerk, zeigt sich Welles auch hier in bestechender Form. Das von Warner Bros. willkürlich und geradezu brutal drangepappte Happy-End (10 Minuten Freude statt der verlorenen originalen 50 Minuten von Welles) ist in seiner unpassenden Steifheit beinahe genauso grotesk wie das Ende von Murnaus „Der letzte Mann“.

Die Oscar-Liste
Die Frühphase der Oscar-Filme habe ich mit dem 1929 entstandenen Musical „The Broadway Melody“ von Harry Beaumont abgeschlossen. Ganz im Geiste des sich langsam durchsetzenden Tonfilms, erzählt dieses Musical eingeschlossen durch Tanz- und Gesangsnummern von zwei Schwestern, die ihr Glück am Broadway suchen. Der Film ist ein Beispiel für ein unschön gealtertes Werk, welches zu seiner Zeit geradezu vorbildlich wirkte, heute allerdings durch überzogenes Spiel und eine äußerst holprige Dramaturgie auffällt.

Re-Visited
Louis de Funès hat meine Kindheit geprägt wie sonst nur Laurel & Hardy. Doch meine liebsten Filme sind nicht seine Auftritte als Gendarm von St. Tropez, sondern „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“, „Brust oder Keule“ und das flotte „Hasch mich…ich bin der Mörder“ (1971, Originaltitel: „Jo“). de Funès spielt Antoine Brisebard der aus Versehen einen Mann erschießt und versucht die Leiche los zu werden. Das Ergebnis ist eine extrem amüsante Boulevardnummer, wie sie heute nur noch auf Vorstadttheaterbühnen zu sehen ist, wenngleich nicht in dieser hohen Qualität. Natürlich hat der Film Staub angesetzt und über die Darsteller kann man geteilter Meinung sein, doch Szenen wie diese, bringen mich einfach immer wieder zum lachen.
Zwei Kurzfilme haben es – dank YouTube – geschafft wieder einmal von betrachtet zu werden. Sowohl der an der Filmakademie Wien entstandene Kurz-Thriller „Spaziergang“ (2008) von Monja Art als auch „Arnulf Rainer“ (1960) von Avantgarde-Superstar Peter Kubelka konnte ich zuvor in angemessenen Rahmen betrachten. „Spaziergang“ punktet durch seine dichte Atmosphäre und wirkt auch am kleinen PC-Bildschirm, während Kubelkas Arbeit durch die Digitalisierung viel von ihrem Reiz verliert.
Im Rahmen einer Ausstellung über den Kalten Krieg konnte ich vor Jahren Johan Grimonprez‘ „Double Take“ (2009) bestaunen. Bei der erneuten Ansicht zeigt sich die Vermengung von Found Footage zu Alfred Hitchcock und der Paranoia des Kalten Krieges, welch kleines Filmwunder dem Belgier da geglückt ist. Eine staunenswerte Collage.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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