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Der Jänner war vollgestopft mit guten Filmen und brachte zum Großteil die Begegnung mit aktuellen Oscar-Kandidaten und einigen Werken, die leider durch das Radar der verschiedenen Preis-Verleihungen fielen wie etwa „Bernie“ oder „De rouille et d’os“.

Neuzugänge
David O. Russell hat mit „The Fighter“ den Weg zurück in die Spur der geachteten und mit Prestige bedachten Filmemacher geschafft. Seine romantische Komödie „Silver Linings Playbook“ zeigt ihn erneut im Oscar-Modus, was allerdings auch bedeutet, dass seine Inszenierung in äußerst vorhersehbaren Bahnen verläuft. Es liegt an den gut aufgelegten Darstellern Bradley Cooper, Jennifer Lawrence und vor allem Robert De Niro, die aus der etwas Überraschungsarmen Komödie, eine humorvolle Romanze machen.
Richard Linklater hat mich bislang mit jedem Film gut unterhalten und so ist es auch mit „Bernie“ (2011). In Wien hat ihm das Österreichische Filmmuseum bereits einmal eine Retrospektive gewidmet und mit „Bernie“ seine jüngste Regiearbeit in einer Sondervorführung präsentiert. Leider ging die sympathische Komödie um einen grundguten Bestatter (eine inspirierte Performance von Jack Black) dessen Leben von einer unsympathischen alten Witwe (Shirley MacLaine in Hochform) unerträglich gestaltet wird, in den USA an den Kassen unter und ist im Rest der Welt nur auf DVD zu finden, wenn überhaupt. Linklater vermischt Interviews mit realen Personen mit seiner sympathisch-skurrilen Inszenierung. Getragen von Jack Black ist „Bernie“ ein kleines Filmjuwel, trotz seiner Längen und Fehler.
Die Komödie „The Sessions“ ist ein wunderbares Beispiel wie gute Darsteller aus einer potentiell kitschig-unangenehmen Geschichte, einen sehenswerten Film machen. Der von mir sehr geschätzte John Hawkes arbeitet sich in seiner Rolle als vom Hals abwärts gelähmte Journalist und Poet Mark O’Brien durch alle möglichen Gefühlslagen, die der Mensch zu bieten hat und liefert eine grandiose Performance ab. An seiner Seite agieren die Routiniers Helen Hunt als Sextherapeutin und William H. Macy als Pfarrer ebenfalls hervorragend. Gemeinsam mit den anderen Nebendarstellern (unter anderem Adam Arkin), ist es ihnen möglich die etwas zu gefühlige Inszenierung Ben Lewins zu überwinden.
Kathryn Bigelow gilt seit „The Hurt Locker“ (2008) als Expertin für den modernen Kriegsfilm und verdeutlicht dies mit ihrer spannenden Thriller-Analyse „Zero Dark Thirty“. Die Jagd nach Osama Bin Laden wird als frustrierender Hürdenlauf, mit wenig Action, präsentiert, zusammengehalten durch eine famos aufspielende Jessica Chastain, die sich in einer Männerwelt durchsetzen muss.
Ben Affleck gilt mittlerweile als etablierter Regisseur, wenngleich sein Talent als Darsteller noch immer eher gering zu sein scheint. Dies zeigt sich auch in dem unterhaltsamen „Argo“, der auf der wahren Geschichte der im Iran festgehaltenen Geiseln der US-Botschaft basiert. Affleck vermischt dabei aktionsreichen Agenten-Thriller mit Mediensatire, wobei die Erinnerungen an „Wag the Dog“ (1997) verdeutlichen, wie oberflächlich die kompetente Inszenierung Afflecks bleibt. Ein spannender und unterhaltsamer Film, der es sich aber ein wenig zu einfach macht.
Ganz und gar nicht einfach machte es sich Joe Wright mit seiner Adaption von „Anna Karenina“. Die auf einer einzigen Theaterbühne positionierte Inszenierung, versucht mit den Mitteln des Theaters das kompakt dargestellte Geschehen zu vermitteln. Dabei scheitert Wright in seinem Anspruch einen Baz Luhrmann-Klon ohne Musik zu erstellen. Knightley in der Titelrolle und Jude Law als gehörnter Ehemann überzeugen, doch ist dies nicht genug bei einer wie wahnhaft von einem Effekt zum nächsten hüpfenden Film.
Der Animationsfilm „Frankenweenie“ von Tim Burton ist ein Remake eines seiner frühen Kurzfilme und diese Nostalgie ist dem fertigen Werk auch anzusehen. Voller Liebe für Details und in schwarz-weiß hat Burton die richtige Mischung aus Horror-Parodie und rührigem Familienfilm geschaffen, auch wenn der etwas zu rührselige Schluss dann doch einen schalen Beigeschmack hinterlässt.
Womöglich fehlt mir die tiefere Einsicht aber die Adaption des Muscials „Les Misérables“ wirkte auf mich wie ein bemüht bombastisches Unterfangen, in welchem die meisten Songs nicht haften blieben und die zum Teil großartigen Darsteller von einem unentschlossenen Regisseur im Stich gelassen wurden. Zwar weiß Tom Hooper die Soli von Anne Hathaway, Hugh Jackman und Russell Crowe äußerst effektiv in Szene zu setzen, doch bleibt das restliche Geschehen kaum haften. Zu sehr verdecken großzügig aufgebaute Sets und wuchtige Songarrangements den Blick auf die Handlung.
Jaques Audiard konnte bereits in der Vergangenheit seinen Mix aus amerikanischen Genre-Traditionen und Melodramatik reüssieren und mit dem großartigen Duo Marion Cotillard/Matthias Schoenaerts wird aus dem zum Teil etwas zu melodramatisch ausgefallenen „De rouille et d’os“ ein eindrucksvoller Liebesfilm, der zugleich als Charakterstudie funktioniert.
Quentin Tarantinos „Django Unchained“ hat eine etwas zu simpel gestrickte Handlung und nicht jeder Charakter ist ihm vollends gelungen. Doch dank hervorragender Darsteller wie Christoph Waltz, werden auch eher eindimensionale Figuren zu lebendigen Personen. Ansonsten ist auf den Drehbuchautor Tarantino Verlass, ebenso wie auf Leonardo DiCaprio als Plantagenbesitzer, Samuel L. Jackson als dessen unterwürfiger „Onkel Tom“ und Jamie Foxx als – im Vergleich zum restlichen Cast – eher wortkargen Django. Trotz einiger Rhythmus-Probleme ist „Django Unchained“ ein hervorragender Film, voller Witz und dem für den US-Amerikaner typischen musikalischen Stil.
Der Besuch des EYE Film Institutes in Amsterdam brachte die Gelegenheit eine Ausstellung zum Werk des heute nur noch wenig bekannten Oskar Fischinger zu betrachten. Unter dem Titel „Experiments in Cinematic Abstraction (1926 – 1947)“ wurden alle Filme des deutschen Tüftlers und Sturkopfs (der geradezu manisch den Kontakt zu Fritz Lang, Walter Ruttmann oder Cecil B. DeMille suchte, in Hollywood aber von den Arbeitsbedingungen bei Disney zermürbt wurde) präsentiert. Ein beeindruckender Überblick über die Entwicklungen im abstrakten Film, die bis in die heutige Werbespots hinein reichen.
Die Geschichte des Musikers Sixto Rodriguez wird in der Dokumentation „Searching for Sugar Man“ auf humorvolle und äußerst optimistische Weise erzählt. Dabei beginnt der Film nach der Entdeckung des Mannes durch südafrikanische Bewunderer in der zweiten Hälfte langsam in sich zusammen zu fallen und genau da beginnen Zweifel an der Erzählung zu reifen. So scheint es, als ob die Filmemacher ihrer Erzählung wegen (Rodriguez war in Südafrika in den Siebzigerjahren während der Apartheid ein Superstar, galt aber als vergessen, verschollen und womöglich sogar tot) einige wichtige Details ausgeblendet hätten. Einen guten Überblick bietet dieser Artikel.

Rust and Bone / http://thesevensees.com/wp-content/uploads/2012/12/Rust-and-Bone-Schoenaerts-fighting1.jpg

Stan Laurel ist heute vor allem als ein Teil des Laurel & Hardy-Duos bekannt. Seine Karriere umfasst allerdings auch etliche Solo-Kurzfilme aus der Stummfilmzeit. In der etwas zu bemühten Verballhornung von Robert Louis Stevensons „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ wird Laurel zu „Dr. Pyckle & Mr. Pryde“ (1925). Während Stan Laurel mit vollem Körpereinsatz versucht Komik zu erschaffen, bieten die Regisseure Scott Pembroke & Joe Rock recht einfältige Zwischentexte und eine ansonsten konservative Komödie.
Während die „Fantastic Four“ durch zwei Großproduktionen geehrt wurde und die Gerüchte um einen Reboot nicht verstummen wollen, kursiert unter Filmfreaks und Comic-Fans vor allem eine 1994 entstandene Produktion unter dem Dach von Roger Corman. Die rein aus rechtlichen Gründen gedrehte Sci-Fi-Billigproduktion (siehe Hintergrundgeschichte) hat so manch charment-trashigen Moment, ist aber schlussendlich nicht mehr als ein Filmhistorisches Kuriosum.
Die animierten DC- und Marvel-Filme zu Batman, Superman und Co. haben sich im Zuge des Comicfilm-Booms einen eigenen Markt erobert. Lauren Montgomerys „Justice League: Doom“ (2012) versammelt die DC-Garde an Superhelden und verwirrt damit hauptsächlich den Zuseher, der sich nicht sonderlich gut in der Comic-Mythologie auskennt. Die Actionszenen sind gelungen, doch hat die Handlung auch große Löcher und zugleich zu viele Anspielungen, die nur eingefleischten Fans von Begriff sind.
Asger Leth hat zuletzt mit einem Werbefilm für T-Mobile Aufmerksamkeit erregt. Zuvor zeigte sich der mit Musik-Videos bekannt gewordene Däne mit der Dokumentation „Ghosts of Cité Soleil“ (2006) von seiner investigativen Seite. Ganz nah klebt er mit der Kamera an den Gangleadern des haitianischen Slums Cité Soleil und driftet dabei unversehens hinein in die unreflektierte Heldenverehrung. Die Widersprüchlichkeit dieser Gesellschaft wird kaum dargestellt, doch bietet Leth einen intimen und interessanten Einblick in das Leben eines politisch verbandelten Gangsters.
Die auf ARTE zur Verfügung gestellte Dokumentation „The Hollywood Complex“ (2011) von Dylan Nelson und Dan Sturman porträtiert auf humorvolle Weise, die Zustände im „Kinderstars in the making“-Heim in Oakwood, Los Angeles. Die Indoktrination durch Casting Direktoren, der geradezu geifernde Ehrgeiz unter den Kindern…die Dokumentation zeigt interessante Einblicke, droht aber immer wieder in Monotonie zu versinken, da sich die Vorgänge zwangsweise wiederholen.
Der Avantgardefilm „aim“ (2005) von Björn Kämmerer und Karoline Meiberger erweitert die Idee des Klassikers „Shot-Countershot“ (1987) und zeigt zwei Duellanten, im ungleichen Kampf. Äußerst humorvoll landet der Angegriffene im Gegenangriff in einer endlosen Schleife, die sich so lang hinzieht, dass der Angreifer sein Vorhaben aufgibt und von dannen zieht.
Der Werbespot „Humanic Varese“ (1959) von Hans Albala nimmt etliche Animationsformen des modernen Werbespots vorweg und zeigt, wie auch der Avantgardefilm innerhalb der kommerziellen Filmproduktion zu bestehen weiß.
Martin Arnold gilt als Wegbereiter des Avantgarde-Booms ab den 1990er-Jahren. Mit „Passage à l’acte“ (1993) legte er den Grundstein und es ist deutlich zu sehen, wie die in seine Einzelteile zerlegte Szene aus „To Kill a Mockingbird“ aufgrund ihrer Komposition und dank Arnolds in sich wohnenden Humors, sowohl intellektuell als auch emotional die Filmwelt ansprach und immer noch anspricht.
Die „Fantomas“-Filmreihe von Louis Feuillade konnte ich mit dem fünften Teil „Le faux magistrat“ (1914) abschließen und auch wenn einige Szenen verloren gingen, ist der finale Film ein passendes Beispiel für die gesamte Reihe. Der Super-Gangster Fantomas (René Navarra) steht im Mittelpunkt und während einige aktionsreiche Sequenzen – die Flucht aus dem belgischen Gefängnis oder am Glockenturm – von überaus großem Interesse sind, zerfällt die Erzählung in Einzelepisoden, die nur lose zusammengehalten werden. Die Leichtigkeit mit der Fantomas auch immer wieder die Polizei austricksen kann, trägt nicht unbedingt zur Spannung bei. Insgesamt ein interessanter Stummfilm-Thriller, der allerdings den Vergleich mit anderen Werken aus dieser Zeit nur schwer besteht.
In Sachen Kurzfilm hatte ich schon lange keine aktuellen neuen Werke zu Gesicht bekommen. Die für meinen Geschmack ein wenig zu derb ausgefallene Komödie „Vincent vs. Clowns“ von und mit Michael Niegel hat es allerdings verdient, gesichtet zu werden. Über YouTube kann man sich den Kampf zwischen dem arroganten Vincent und einer gewalttätigen Horde Clowns zu Gemüte führen. Wenngleich mir mancher Gag zu plump ausfiel, so ist die Gagdichte sagenhaft hoch und die acht Minuten vergehen viel zu schnell.
John Hillcoat und Nick Cave konnten mich mit dem Australien-Western „The Proposition“ sowie dem Apokalypse-Drama „The Road“ völlig von sich überzeugen. Leider ist der in der Prohibition innerhalb der „Moonshine“-Banden angesiedelte Thriller „Lawless“ (2012) zu sehr auf die persönlichen Konflikte des jungen Jack (Shia LaBeouf) sowie des älteren Bruders Forrest (Tom Hardy) konzentriert. Somit wirken die äußerst blutigen Auseinandersetzungen mit dem Gesetz (ein herrlich outrierender Guy Pearce) oder dem Gangster Floyd Banner (Gary Oldman) wie Fremdkörper.
Die Verfilmung des Arthur Schnitzler-Stücks „Liebelei“ (1933) durch Max Ophüls ist ein frühes Beispiel, für die Fähigkeiten des später international bekannten und angesehenen Filmemachers. Ruhige Kamerabewegungen, dezentes (bis auf die eine oder andere Ausnahme) Schauspiel und ein effektiv inszeniertes Finale, in welchem die eigentlichen Vorgänge nicht zu sehen sondern nur zu erahnen sind, machen aus „Liebelei“ einen heute noch bewundernswerten Film.
Im Zuge der Vorbereitung auf Tarantinos „Django Unchained“ sah ich mir Sergio Corbuccis „Il grande silenzio“ (1968) an und wurde nicht nur durch Jean-Louis Trintignants tollen stummen Kopfgeldjäger sondern auch durch das Setting in der winterlichen Weite und ein sehr grimmiges Finale überrascht. Einen Klaus Kinski innerhalb seines üblichen Rahmens zu einer konzentriert-überdrehten Leistung zu bewegen, muss auch als große Leistung Corbuccis angesehen werden, da fallen einige eher langweilige Passagen (etwa die unvermeidliche Liebesgeschichte) kaum mehr negativ ins Gewicht.
Nach vielen Vorschusslorbeeren freute ich mich auf den Horrorfilm „The Last Horror Movie“ (2003) in welchem ein VHS-Band einen billigen Horrorfilm zeigt, nur um durch die „echten“ Morde und Geständnisse eines Serienkillers unterbrochen zu werden. Was in der Theorie reizvoll klingt, wird in der Praxis nur zu einem billigen Abklatsch der großartigen belgischen Satire „C’est arrivé près de chez vous“ (1992). Julian Richards geht über die Hommage hinaus und kupfert im Grunde das gesamte Grundkonzept der Erzählung ab, weshalb „The Last Horror Movie“ relativ langweilig zu Ende geführt wird.
Skeptisch blickte ich hingegen dem Pixar-Film „Brave“ (2012) entgegen. Die Vorgeschichte – die ursprüngliche Regisseurin Brenda Chapman wurde während der Produktion durch Mark Andrews ersetzt – und die eher mauen Rezensionen ließen mich von einem Kinobesuch absehen. Zu Hause zeigte sich ein meisterhaft animierter aber inhaltlich relativ konservativer und banaler Film über die Kraft der Familie und die sich wieder erstarkende Mutter-Tochter-Beziehung.
Ebenfalls nicht ins Kino zog mich Martin McDonaghs „Seven Psychopaths“ (2012), allerdings eher durch verunglückte Werbespots, wie ich im Nachhinein zu sehen bekam. Statt eines billigen Guy Ritchie-Abklatsches, handelt es sich hier um einen clever und verschachtelt gebauten Film über den kreativen Prozess. Colin Farrell gibt den frustrierten Drehbuchautor auf der Suche nach einer Handlung mit Verve, während an seiner Seite Sam Rockwell und Christopher Walken zu Höchstform auflaufen. Tolle Dialoge und überraschende Wendungen runden das Filmvergnügen ab.
Dank eines DVD-Pakets als Geschenk, verfüge ich nun über eine Reihe billiger Horrorfilme, die mir die Nächte versüßen sollen. „Vodoo Lagoon“ (2006) von Nick Cohen begann relativ ansprechend und entpuppte sich dann doch als langweilig gebauter Teenie-Slasher mit bemüht originellen Todesarten (Ratten die einen im Käfig steckenden Kopf eines Menschen annagen, etc.). Vor allem das sehr langatmige Eingangsdrittel lassen aber jeglichen Reiz verfliegen.
Im Netz macht soeben der Kurzfilm „R’ha“ (2012) von Kaleb Lechowski die Runde. Verschiedene Artikel (etwa beim HomeMovieCorner, der Zeit Online oder dem Spiegel Online) befassen sich mit der wundersamen Online-Erfolgsgeschichte eines Sci-Fi-Kurzfilms, der zunächst auf Vimeo und nun auch in Hollywood für Aufsehen sorgt. Vor allem aufgrund des Umstandes, dass der inhaltlich passable, visuell aber erstaunliche Film von Lechowski in Eigenregie und ohne Hilfe weiterer Mitarbeiter entstand. Der 6-minütige Ausflug in Lechowskis Universum macht definitiv Lust auf mehr.
Kirby Dick gelangte durch die Dokumentation „This Film Is Not Yet Rated“ (2006) auf mein Radar und mit der aufrüttelnden, in diesem Jahr für den Oscar nominierten, Dokumentation „The Invisible War“ zeigt er sich als thematisch vielseitiger Filmemacher. Die skandalösen Praktiken im US-Militär im Zusammenhang mit Vergewaltigung weiblicher wie auch männlicher Rekruten, wird niemals plakativ ausgeschlachtet, sondern durch die Erzählungen betroffener Frauen langsam aber dafür immer intensiver ins Zentrum gerückt.
Seit Jahren wollte ich den Actionthriller „Fulltime Killer“ (im Original: Chuen jik sat sau) von Johnny To (2001) sehen. Doch erst jetzt packte mich erneut die Neugier und ich wurde nicht enttäuscht. Ein mit überbordend vielen Anspielungen auf die Profikiller-Filmgeschichte aufwartender Hong Kong-Thriller, der sich in Zeitlupen und stilisierten Auftragsmorden gefällt. Auch wenn zum Ende hin aufgrund des verschobenen Fokus auf den ruhigen Killer O (Takashi Sorimachi) an Schwung verliert, so genügt jeder kurze schillernde Auftritt von Andy Lau als Herausforderer Tok um das Geschehen wieder interessanter zu gestalten.
Sozusagen als Bonusmaterial sah ich mir sogleich Kar Wai Wongs „Fallen Angels“ (Duo luo tian shi) aus dem Jahr 1995 an und wurde durch die wirre Mischung aus grüblerischem Profikiller-Thriller, Melodram und Slapstick zunächst irritiert und schließlich wohl überfordert. Die einzelnen Handlungsstränge wirkten wie aus separaten Filmen und ergaben für mich kein großes Ganzes.
Im Doppelpack sah ich frühe Abenteuerfilme. Zunächst den spannenden und trotz der schwachen Dialoge effektiven „The Most Dangerous Game“ (1932), in welchem Joel McCrea gemeinsam mit Fay Wray dem bösen russischen Grafen Zaroff (Leslie Banks) als Jagdmaterial dient und diesem zu entkommen versucht nur um danach die Stummfilmadaption von Arthur Conan Doyles „The Lost World“ (1925) zu bestaunen, die heute noch mit ihren Stop-Motion-Effekten von verschiedenen Dinosaurieren erstaunt, wenngleich die Darsteller dagegen äußerst blass bleiben.
Voller Vorfreude beobachtete ich die Entwicklung der Adaption des effektiven Krimi-Romans „Der Kameramörder“ von Thomas Glavinic. Unter der Regie von Robert-Adrian Pejo – dessen „Dallas Pashamende“ (2006) mich nachhaltig beeindruckte – erwartete ich mir nicht mehr als ein Meisterwerk. Heraus gekommen ist ein atmosphärisch dichter Thriller, der die strikte Ich-Perspektive des Romans in ein sexuell aufgeladenes Kammerspiel umwandelt und sich dabei in den erotischen Ränkespielen der beiden Paare verheddert. Die Verdächtigungen und Paranoia rund um den Mord an drei ungarischen Kindern, wird zu oft von nicht sonderlich spannend geschriebenen Beziehungsdramen überdeckt. Den Darstellern sowie Kameramann Gergely Pohárnok ist wenig vorzuwerfen und mit dem absehbaren Schlusstwist kann „Der Kameramörder“ (2010) sicher einige Freunde dazu gewinnen, während ich mir eine weniger melodramatische Auflösung gewünscht hätte.
Der Kurz-Animationsfilm „Paperman“ (2012) von Deübtant John Kahrs wurde von Disney Animations in voller Länge auf YouTube dem geneigten Zuseher zur Verfügung gestellt. So kommt man in den Genuss einer wunderschön animierten schwarzweiß-Romanze, die zum Ende hin leider mit zu viel Kitsch aufwartet. Der sechsminütige und für den Oscar nominierte Kurzfilm verzichtet auf Dialoge und funktioniert in der ersten Hälfte hervorragend, verspielt dann aber das Potential zu einem ganz großen Wurf zum Ende hin.

Fulltime Killer / http://www.hkcinemagic.com/en/images/movie/large/FulltimeKiller_AndyLau_46cba03ef358e096817c2abf21df1bd7.jpg

The 1001 Project
George Kuchars berühmtester Film „Hold Me While I’m Naked“ (1966) erzählt in zusammenhanglos wirkenden Szenen von der Frustration eines Filmemachers (Kuchar), während sein Star sich unter der Dusche mit einem Mann vergnügt. Die Technik und das Können sind deutlich zu sehen, doch sprachen mich weder Inhalt noch die Ästhetik an.
Chris Markers letzte Arbeit war ein Trailer für die Viennale 2012 und ich konnte nicht glauben wie furchtbar dieser geriet. Umso schöner die ganze Poesie des Franzosen in dem assoziativen Bilderreigen „Sans soleil“ (1983) zu sehen. Das Japan der 1980er gibt den Hintergrund für die Beobachtungen zu Leben und Leiden und zum Teil kuriosen Gedankenspielen in Sachen Computertechnologie.
Andrey Tarkovskij hat es sich selbst sehr schwer gemacht. Filme wie „Solyaris“ und „Stalker“ legen die Latte ziemlich hoch und „Zerkalo“ (1975) kann trotz eindringlicher Handlung und wunderschönen Bildkompositionen nie an die Intensität der beiden zuvor genannten Werke heran kommen.
Der 1940 gedrehte Anti-Nazi-Film „The Mortal Storm“ von Frank Borzage besticht vor allem durch die Darstellung des Leiden im Privaten. Ob es Söhne sind die sich aufgrund der NSDAP gegen ihren Vater wenden oder Liebespaare, deren Beziehung durch die Nazis auf die Probe gestellt wird. Ein zu damaligen Zeiten sicher aufwühlender Film, der heute vor allem als gut inszeniertes Zeitzeugnis überzeugt.
Der US-Komiker W.C. Fields war mir nur aus Erzählungen und Artikeln bekannt. Doch ihn in seinem angeblich besten Film „The Bank Dick“ (1940) aufspielend zu sehen, übertrifft alle aus zweiter Hand überbrachten Erkentnisse. Fields murmelt und grummelt sich, mehr betrunken denn nüchtern, durch eine Reihe grotesker Erlebnisse, ist zwischendurch Ersatz-Regisseur und Detektiv. Unter der Regie von Edward F. Cline ist es auch gar nicht wichtig, was passiert sondern vielmehr, wie Fields und seine Umgebung agieren. Großartig!

Re-Visited
Hugh Grant und Sarah Jessica Parker in der Mark Lawrence-Komödie „Did You Hear About the Morgans?“ (2009). Ein Film der so schmerzlich vorhersehbar ist, dabei von Darstellern bevölkert wird, die überzeichnete Versionen ihrer bekannten Leinwand-Images darbieten. Dies sind die Zutaten für einen Film, der derart schlecht ist, dass er bereits wieder lustig erscheint. Ein Film perfekt für Trink-Spiele.
Ganz im Gegensatz dazu „Wallace & Gromit in The Wrong Trouser“ (1993). Hierbei handelt es sich womöglich um den besten Film von Nick Park mit dem Knetduo. Ein knallharter Thriller und zugleich sehr sehr lustig. Immer wieder schön sich einen Film aus der „Wallace & Gromit“-Reihe anzusehen. Im Grunde genau was „Did You Hear About the Morgans?“ sein wollte.
Gemeinsam mit „aim“ und „Humanic Varese“ sah ich, quasi als Auftakt, zur Langen Nacht der Avantgarde (welche im Oktober im ORF von Virgil Widrich präsentiert wurde) auch wieder einmal Peter Tscherkasskys Auftakt zur CinemaScope-Trilogie „L’Arrivée“ (1998). Ein hervorragendes Intro für die danach in lichte Materialhöhen und Tiefen strebenden Arbeiten „Outer Space“ und „Dream Work“.
Immer wieder gerne sehe ich mir die britische Komödie „The Full Monty“ (1997) an. Die charmant und mit viel Herz inszenierte Geschichte sechs Arbeitsloser Männer aus Sheffield, die mit einer Stripshow ein wenig Geld verdienen und ihre Selbstachtung zurückgewinnen wollen, ist großartig gespielt, kompetent inszeniert und leistet sich kaum melodramatische Ausrutscher.
Wieder einmal gereizt hat mich ein Blick auf den wohl ersten Western der Filmgeschichte. Mit „The Great Train Robbery“ (1903) konnte sich Edwin S. Porter seinen Platz in der Filmgeschichte sichern auch wenn vom heutigen Standpunkt aus, die Handlung sehr zerfahren wirkt und die darstellerischen Leistungen natürlich äußerst schwach.

L'arivée / http://www.kunst-der-vermittlung.de/static/content/2008/05/arivee.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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