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Der März ist üblicherweise mit weniger attraktiven Filmangeboten angefüllt. So wundert es auch nicht dass die wirklich interessanten Werke aus dem Arthouse-Sektor kommen („Spring Breakers“, „Paradies: Glaube“) oder im Falle von „A Village by the Sea“ sich gar im Museum wieder finden.

Neuzugänge
Die Oscar-Saison ist zu Ende und nun sieht man auch Filme, die sonst eher unter dem Preisregen vergessen werden. So etwa Jonathan Levines „Warm Bodies“, der mit einer starken ersten halben Stunde zu unterhalten weiß. Aus der Sicht des Zombies R (Nicholas Hoult) wird die Welt nach der Zombieapokalypse präsentiert. Die Begegnung mit der süßen Julie (Teresa Palmer) lässt aus der Zombie-Komödie eine Romantik-Komödie mit vorhersehbarem Verlauf werden. Da kann auch der Gastauftritt John Malkovichs nichts daran ändern. Unterhaltsam ist es dennoch allemal.
Unter den Neuvorstellungen gab es zufällig einen Österreicher-Block, beginnend mit dem bildenden Künstler Mathias Poledna, der seine Hollywood-Re/Dekonstruktion „A Village by the Sea“ in der Secession ausstellte. Inmitten des völlig dunklen und leeren Hauptraumes, erstrahlt auf der Leinwand die – an und für sich – sehr dünne Musicalszene in der ein Paar sich gegenseitig ansingt und dabei den Konventionen des Musik- und Tanzfilms der Fred Astaire-Ginger Rogers-Ära entspricht.
Ulrich Seidl hat mit seiner „Paradies“-Trilogie bereits seinen Platz in der europäischen Filmgeschichte. Der von „Sight & Sound“ als Moralist bezeichnete Filmemacher, zeigt im zweiten Teil „Glaube“ wieder sein besonderes Interesse für religiöse Aufopferung, hin zum Fanatismus. Dank Maria Hofstätter und Nabil Saleh als zerstrittenes Ehepaar, kann „Paradies: Glaube“ über die etwas redundante Form hinweg trösten und auch als österreichisches „Szenen einer Ehe“ reüssieren.
…und dann war da noch Marko Doringer der nach seinem Überraschungserfolg mit „Mein halbes Leben“ nun mit „Nägel mit Köpfen“ eine Quasi-Fortsetzung vorlegt. Erneut dokumentiert er sein eigenes Leben und Zaudern und stellt, um die Fragen nach Familie und Beziehung zu beantworten, sich befreundeten Paaren, die mit ihren Problemen, Fragen und Antworten ein unterhaltsames Gesellschaftsbild der aktuellen Mit-Dreißiger abgeben. Formal etwas näher an der Arte-Fernseh-Ästhetik und durch eine zweite Kamera der Unmittelbarkeit des ersten Filmes ein wenig beraubt, ist es dennoch humorvoll und interessant, was Doringer zu erzählen hat.
Nicht dokumentarisch aber mit dem Anspruch eine wahre Geschichte zu erzählen, zeigt sich das Spielfilmdebüt des Dokumentarfilmers Sacha Gervasi. „Hitchcock“ erzählt die gut dokumentierte Geschichte der Dreharbeiten zu „Psycho“. Anthony Hopkins schlüpft überzeugend (und unterstützt von nicht immer überzeugendem Make-up) in die Rolle des Regie-Meisters und Helen Mirren brilliert an seiner Seite als dessen Frau Alma. Die tolle Besetzung (Scarlett Johansson, Michael Stuhlbarg, Danny Huston) rettet mit ihrer Spielfreude über die etwas oberflächliche und unentschlossen zwischen Psychodrama und Ehekomödie hin und her pendelnde Inszenierung hinweg.
Sam Raimi meldet sich nach seinem gelungenen Ausflug in die Horror-Nostalgie („Drag Me to Hell“) mit dem Eskapismus-Fantasma „Oz: The Great and Powerful“ zurück. James Franco gibt einen hervorragenden Zauberer, der über sich hinaus wachsen muss. Zach Braff ist eine Bereicherung sowohl als Stimme des fliegenden Affen Finley als auch als menschlicher Assistent Frank und Raimi versteht es, die dünne Handlung in wunderbare Bilder zu kleiden. Merkwürdigerweise sind es gerade die drei Hexen (Mila Kunis, Rachel Weisz, MIchelle Williams), die den Film voran bringen sollen und doch den größten Schwachpunkt bilden. So ist „Oz“ nur ein hübsch anzusehender Film in 3D.
Bill Murray ist in „Hyde Park on Hudson“ ein toll anzusehender Präsident, doch seine Interpretation des Franklin D. Roosevelt ist der einzige Höhepunkt eines viel zu offensichtlich auf Oscar-Meriten schielenden Filmes, der versucht eine humorvolle amerikanische Variation von „The King’s Speech“ zu sein. Die sonst verlässliche Laura Linney nervt noch dazu mit einer uninspirierten Voice-Over.
Überraschend gut präsentierte sich hingegen Richard Gere in dem Finanz-Thriller „Arbitrage“ von Nicholas Jarecki. Während sowohl die Handlung als auch die Inszenierung eher vorhersehbar dahin plätschern, ist es das intensive Spiel Geres, der dem Investor in Not das nötige Charisma verleiht, welches den Film immer wieder über den Durchschnitt hebt. Dass an seiner Seite die engagiert aufspielenden Routiniers Tim Roth und Susan Sarandon zum Vergnügen beitragen, rundet einen überraschend guten Film ab.
Harmony Korine ist einer der eigenwilligsten Filmemacher den die USA zu bieten haben. Mit dem oberflächlich betrachtet knallbuntem Fiebertraum „Spring Breakers“ hat er sich nicht nur in kommerziell neue Höhen begeben, sondern auch seinen Stempel der Alltags-Trash-Kultur aufgedrückt. Ein irrwitzig seine stilistisch wie inhaltlich seine Pirouetten drehender Thriller mit avantgardistischem Touch.

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Lange wurde um eine Adaption des Frank Miller-Comics „The Dark Knight Returns“ gerungen und Jay Oliva konnte 2012 mit seinem zwei-geteilten Animationsfilm endlich eine Version vorlegen. Diese schwächelt vor allem durch Handlungsänderungen im ersten Teil und die schwache Animation, die oft an einen Motion Comic erinnert und weniger an einen Animationsfilm. Im zweiten Teil hingegen steigert sich der Film zu ungeahnten Höhen und vermag auch die schwächeren Passagen der Vorlage hervorragend zu transportieren.
Christian Petzold hat mit „Barbara“ im Vorjahr einen der besten Filme des Jahres vorgelegt. Der 2008 entstandene „Jerichow“ ist ambitioniert und stilistisch äußerst strikt gehalten, doch gelangt nicht im Ansatz an die Qualität seiner Werke wie „Barbara“ oder „Yella“.
Steven Soderbergh hat seine Kino-Karriere (zumindest zunächst) ad acta gelegt und so heißt es, die Filme die mir noch fehlen, aufzuarbeiten. Darunter ist auch die sehr persönliche Dokumentation „And Everything Is Going Fine“ (2010) der sich dem Künstler Spalding Gray widmet. Mittels gesammelter Interviews montiert Soderbergh eine sehr persönliche und eindrückliche Dokumentation.
Saul Bass ist vor allem für seine Vorspann-Arbeiten an Hitchock-Filmen bekannt. Sein einziger Spielfilm ist der faszinierend irre Endzeit-Thriller „Phase IV“ (1974) um eine Ameisen-Kolonie, die eine Farm angreift. Zwei Wissenschaftler und eine junge Frau versuchen den immer intelligenter werdenden Ameisen sich entgegen zu stellen. Die hervorragend inszenierte Endzeitvision komibiniert mit Tieraufnahmen, packen von der ersten Minute an und lassen auch die etwas wirre Story und das nicht immer überzeugende Schauspiel vergessen.
Lucio Fulci ist einer der Großmeister des italienischen Horrors. Mit „Black Cat“ (1981) wagte er sich nach England und konnte mit Patrick Magee einen charismatischen Hauptdarsteller verpflichten. Der wahre Star ist jedoch eine schwarze Katze, die für allerlei merkwürdige Todesfälle verantwortlich zeichnet. Ein Scotland Yard-Inspektor und eine Journalistin versuchen die Morde aufzuklären. Ein netter wenn auch völlig unsinniger Horrorfilm.
Nach Jahren überwand ich mich das „Prequel“ zu David Lynchs „Twin Peaks“ zu sehen. In „Fire Walk With Me“ (1992) ergründet Lynch nur oberflächlich die Vorgeschichte des Mordes an Laura Palmer. Viel mehr entwirft er ein Paralleluniversum, in welchem der Ort Twin Peaks wie eine gespiegelte Version des Serien-Ortes wirkt. Dies irritiert und ist doch spannend. Doch auch mit all diesen Qualitäten ist der Ballast der Serie zu gewichtig.
Endlich wieder einmal ein Film mit Al Pacino. Nachdem Pacino zuletzt eher in HBO-Filmen für Aufsehen sorgte, waren seine Kino-Auftritte von der eher routinierten und ein wenig gelangweilten Sorte. In Fisher Stevens Krimi-Komödie „Stand Up Guys“ (2012) brillieren Pacino und Christopher Walken als gealterte Gangster und erhalten schließlich Unterstützung von einem toll aufgelegten Alan Arkin. Während die Handlung um den aus der Haft entlassenen Val (Pacino) und den auf ihn angesetzten Freund Doc (Walken) äußerst vorhersehbar seine Bahnen zieht, gefällt das ambitionierte Schauspiel und zeigt, wie sich drei große Altstars gegenseitig anspornen.
Ebenfalls von dem hervorragenden Schauspiel profitiert Terence Davies‘ Bühnenadaption „The Deep Blue Sea“ (2011). Davies zeigt in matten Farben das Leben einer zwischen zwei Männern hin und her gerissenen Frau im London der 1950er-Jahre. Rachel Weisz (und neben ihr Tom Hiddlestone) ist großartig in einem Film, der sich vor allem dem Verlassen widmet. Die sehr nüchterne Inszenierung fördert allerdings keineswegs die Spannung und erschwert ein wenig den Zugang zu den Charakteren.
Ulrich Seidls internationaler Durchbruch „Hundstage“ (2001) ist ein sehr unangenehmes Seherlebnis. Im Gegensatz zu den „Paradies“-Filmen, fehlt hier ein „geordnetes“ Schauspiel. Die rohen Kräfte die hier walten, lassen einen erschaudern und zugleich die völlige Tristesse beklagen, die hier herrschen. So grandios etwa Maria Hofstätter und Georg Friedrich sind, so schwer fällt es dieses ingesamt sehr beeindruckende Werk fair zu beurteilen.
Stanley Kubricks Frühwerke waren lange nicht zu sichten, vor allem da Kubrick diese nicht in der Öffentlichkeit sehen wollte. Nun sind sie zu sehen und die Qualtiät ist tatsächlich äußerst schwankend. Die RKO-Kurzdokumentation „Flying Padre“ (1951) ist technisch solide aber die Handlung um einen fliegenden Pfarrer ist selbst für 8 Minuten kaum interessant genug. „Day of the Fight“ (1951) zeigt bereits das Talent Kubricks und die Inszenierung des Boxkampfes ist sehr gelungen, einzig die monotone Narration zieht den Film runter. Wirklich schlimm ist einzig der als Dokumentarfilm getarnte Werbeclip „The Seafarers“ (1953) der tatsächlich nichts zu bieten hat außer dem Kuriositätenfaktor dass es sich um ein Kubrick-Frühwerk handelt. Der Kriegsfilm „Fear and Desire“ (1953) ist Kubricks erste Arbeit in Spielfilmlänge und hat einige interessante Sequenzen zu bieten, leidet allerdings unter dem steifen Schauspiel.
Irving Pichels „She“ (1935) ist ebenso eine Kuriosität, mit den Stilmitteln des frühen Sci-Fi- und Fantasy-Films. Die Suche nach der Flamme des ewigen Lebens wird in schönen Kulissen dargeboten und ist kompetent inszeniert. Die Oscar-Nominierung für „Best Dance Direction“ fügt sich nahtlos in die „Trivia“-Abteilung.
Apropos Kuriositäten. Lee Daniels‘ „The Paperboy“ (2012) ist womöglich der beste betont schlechte Film der letzten Jahre. Der von Schweiß und Sex strotzende Südstaatenthriller bietet großartige Darsteller die innerhalb einer eigenartig Amok-laufenden Inszenierung ihr Bestes geben (Nicole Kidman, Matthew McConaughey) und etliche erinnerungswürdige Sequenzen, in denen das gesamte Ensemble (Zac Efron, John Cusack, Macy Gray uvm.) sich austoben dürfen. Ein Juwel des gut gemachten schlechten Geschmacks.
Walter Ruttmann hingegen gilt als einer der großen Denker des frühen Avantgarde-Films. Mit seiner Montage „Berlin. Die Sinfonie einer Großstadt“ (1927) zeigt er nicht nur den Alltag Berlins in den 1920er-Jahren, sondern auch die Möglichkeiten der Montage.
Zwei Horrorfilme haben es an zwei Abenden geschafft, gesichtet zu werden. Zum Einen der Psychhorror „Angels Crest“ (2002) von J. Michael Couto, welcher überraschend eindringlich das Duell zweier Männer in einem einsamen Waldstück darstellt. Chris Bauer und Currie Graham werden von Couto mit dem Horror der Psyche und vergrabener Geheimnisse konfrontiert. Viel platter und blutiger ist hingegen Olaf Ittenbachs „Legion of the Dead“ (2001). Der völlig konfus inszenierte „From Dusk till Dawn“-Abklatsch, schafft es kaum den Zuseher für sich zu gewinnen. Viel zu offensichtlich sind die besseren Vorbilder und viel zu lustlos das Werk Ittenbachs.
Werner Herzog hat sich in den USA als Dokumentarfilmer bereits vor Jahren einen Namen gemacht und mit dem Gesprächsreigen „Into the Abyss“ (2011) – in welchem er mit Täter, Opfer und Verwandten beider Seiten des Mordes spricht – zeigt Herzog eine neue und nachdenklichere Seite. Während Herzog zumeist im Zentrum seiner Dokumentarfilme steht, ist er diesmal als ruhiger und sensibler Fragensteller im Hintergrund. Zwar stellt er bereits zu Beginn seine Ablehung der Todesstrafe klar dar, doch moralisiert er nicht. Überraschend einnehmend sind alle Interviewten, allen gesteht Herzog auf ihre Weise Würde zu und macht auf diese Weise deutlich, weshalb die Todesstrafe kein probates Mittel der Justiz sein kann.
Die Dokumentation „Am Anfang war das Licht“ (2010) von P.A. Straubinger ist ein Ärgernis. Ein naiver Propagandafilm und keine weitere Zeile wert.
„The Spy Who Came in from the Cold“ (1965) ist ein stilsicherer Agentenfilm, der jegliche Bond-Ahnung verwirft. Robert Mitchum ist hervorragend als Alex Leamas und es ist eine Freude Oskar Werner zuzusehen. Wie so oft bei John le Carré-Adaptionen ist aber auch die allererste nicht vor der Kälte und Unnahbarkeit seiner Charaktere gefeit. So fällt es schwer, sich hinein zu versetzen.
Harmony Korine ist ein Regie-Außenseiter und er gefällt sich in dieser Rolle. Mit „Trash Humpers“ (2009) hat er wohl seinen radikalsten Film vorgelegt. Die Handlungslose Aneinanderreihung der Abenteuer vierer Menschen, die sich die Masken alter Menschen übergezogen haben und auf VHS aufgenommen, allerlei anarchischen Unsinn treiben. Kunst? Schund? Auf jeden Fall ein Film über den man brütet.
Julian Jarrold durfte für die BBC/HBO-Ko-Produktion „The Girl“ (2012) einen anderen Blick auf Alfred Hitchcock werfen, denn Sacha Gervasi. In der Fernsehproduktion ist es Toby Jones der adäquat in die Rolle Hitchs schlüpft. Imelda Staunton ist seine Frau Alma und Sienna Miller spielt überraschend gut die letzte „große“ Hitchcock-Blondine Tippi Hedren. Während „Hitchcock“ ist eher leichtfüßig unterwegs, zeigt sich „The Girl“ von der geradezu psychotischen Seite. Es verwundert in diesem gut gemachten und gut gespielten Film, wie ein offenbar dem Wahnsinn nahe stehende Regisseur derartige Macht gewinnen konnte.
Im selben Jahr erzählte Jay Roach mit „Game Change“ (2012) ebenfalls eine wahre und unglaubliche Geschichte. Der Präsidentschaftswahlkampf 2008 dient als Ausgangsbasis um den unwahrscheinlichen Aufstieg der Senatorin Sarah Palin (eine famos aufspielende Julianne Moore) zur Hoffnung und Nemesis der republikanischen Partei und ihres „Chefs“ John McCain (routiniert: Ed Harris). Getragen wird die flotte und kompakte Inszenierung von wahnwitzigen realen Begebenheiten (Wer erinnert sich nicht an Sarah Palins Ausspruch, sie könne von der Küste Alaskas bis nach Russland sehen?) und dem äußerst motivierten Woody Harrelson der als Wahlkampfleiter Steve Schmidt immer im Zentrum der Ereignisse stand.
David Mackenzie ist einer der interessantesten Filmemacher der britischen Insel. MIt der Apokalypse-Vision „Perfect Sense“ (2011) wagt er sich aber auf dünnes Terrain. In äußerst selbst-referentiellen Stills, kombiniert mit der Liebesgeschichte des Chefkochs Michael (Ewan McGregor) und der Wissenschaftlerin Susan (Eva Green), pendelt immer wieder von faszinierenden Aufnahmen einer durch den Verlust seiner Sinne zusammenbrechenden Gesellschaft zu den durch Voice-Over Greens unterlegten Fotoaufnahmen. Diese Zerrissenheit schadet dem Film, auch wenn es theoretisch sicher toll aussah. Dennoch ein hoch interessanter Sci-Fi-Film, der ohne Spezialeffekte auskommt und im Kern von einer bedingungslosen Liebe erzählt.
Otto Preminger gilt als (nicht nur aufgrund seines Körpers) Koloss des Hollywood-Films. Ein eben solcher Koloss war die Romanadaption „Exodus“ (1960), welche die Gründung des Staates Israel aufarbeitete. Mit prominenten Darstellern im Ensemble (Paul Newman, Sal Mineo, etc.) gelingt es Preminger zumindest ein ursprüngliches Interesse an der Handlung wach zu halten. Allerdings zerfällt das über 3 Stunden lange Epos immer mehr in einzelne (und vor allem langweilige) Episoden.
Robin Hardy hat mit „The Wicker Man“ (1973) ein Meisterwerk des Horrorfilms geschaffen. Hauptverantwortlich war dafür das großartige Drehbuch von Anthony Shaffer. Die von Hardy selbst geschriebene Fortsetzung „The Wicker Tree“ (2011) hingegen, kommt mit ein paar blutigen Kannibalismusszenen und einem recht sinnfreien Christopher Lee-Cameo kaum über gepflegte Langeweile hinaus. Die schablonenhaften Charaktere tragen nicht unbedingt zur Spannung bei und so wartet man auf das Unvermeidliche, welches sich schon in den ersten 10 Minuten abzeichnet. Hardy hätte sich das Drehbuch von Shaffer noch einmal ansehen sollen, ehe er solch eine schwache Fortsetzung hinlegt.
Nach „Perfect Sense“ gelüstete mich den wohl bekanntesten Film von David Mackenzie zu sichten: „Young Adam“ (2003). Mit prominenter Besetzung (Ewan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan, Emily Mortimer) adaptierte Mackenzie auf äußerst nüchterne (gar kalte) Weise die Geschichte des Herumtreibers und Hafenarbeiters Joe (McGregor) dessen düstere Vergangenheit seine Affäre mit der Frau seines Vorgesetzten überschattet. Ein nicht immer angenehm anzusehender Film, mit dem Mackenzie offenbar die Kälte und den Schmutz der Hafenarbeit und der Vorkommnisse auf die Zuseher übertragen wollte. Es ist ihm gelungen.
Ein Dario Argento-Spezialtag brachte mich einigen seiner Filme näher. „Inferno“ (1980) ist eine Quasi-Fortsetzung zu seinem Meisterwerk „Suspiria“ und ist der visuell wohl ansprechenste Film den Argento je gedreht hat. Dass dabei die Geschichte rund um die Aufklärung merkwürdiger Morde zurück stehen muss ist ein wenig ärgerlich. Zudem ist das Finale eher Budenzauber denn Grusel. Der Abschluss der so genannten Trilogie folgte mit „La terza madre“ (2008) und ist ein reines Ärgernis. Furchtbare Schockeffekte, eine unmotiviert wirkende Hauptdarstellerin (Asia Argento) und eine hanebüchene Geschichte, die einzig von einem Gastauftritt Udo Kiers zusammen gehalten wird. Dazwischen entstand der großartige Thriller „Tenebre“ (1982) in dem eine Mordserie auf Basis der Bücher eines amerikanischen Autors durchgeführt werden. Die Morde übertreffen sich in Sachen Kreativität, auch wenn die Handlung eher vorhersehbar abgehandelt wird. Fazit: Argento war Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger auf seinem kreativen Höhepunkt.
Vermeintlich auf seinem Höhepunkt sehen viele den Stummfilmstar Abel Gance, der 1919 das Anti-Kriegs-Werk „J’accuse!“ der Welt präsentierte. Das Epos zeugt von dem Gestaltungswillen Gances aber hat doch eher eine behäbige Handlung zu bieten und leidet unter dem „J’accuse!“-Mantra, welches gar zu oft eingesetzt wird.
Ärgerlich waren dann zwei Genre-Produktionen. Die 1934 enstandene Sci-Fi-Dystopie „Things to Come“ ist ein Blick auf die Menschheit und wie sie sich nach dem Zusammenbruch der Zivilisation langsam wieder aufbauen und im Endeffekt wieder selbst zerfleischen würde. Die Ideen sind da aber die Ausführung ist nicht nur fade sondern zum Teil ärgerlich plump auf den reinen Schaueffekt der Kulissen ausgelegt. Noch nicht einmal diesen Effekt zu bieten hat die deutsch-südafrikanische TV-Produktion „Dracula 3000“ (2004) von Darrell Roodt. Im Weltraum ist Graf Orlock wieder am Werk, dazu macht er Coolio zum Vampir, Casper Van Dien gibt den wieder geborenen Van Helsing und Udo Kier darf durch Rückblenden von dem bevorstehenden Chaos verkünden. Ein Debakel auf ganzer Linie.

Inferno / http://whatculture.com/wp-content/uploads/2010/09/Inferno06_0.jpg

The 1001 Project
Wenn der US-Amerikaner Todd Solondz einen neuen Film präsentiert, wird dieser immer mit großer Spannung erwartet. An seinen größten Erfolg – die bitterböse Komödie „Happiness“ (1998) – kam er bislang nicht mehr heran. Ausgestattet mit einem hervorragenden Drehbuch und unterstützt von einer perfekten Besetzung (u.a. Jane Adams, Philip Seymour Hoffman, Dylan Baker, Lara Flynn Boyle, Ben Gazzara) gelingt Solondz ein sehr weiser Film über diesen schweren Weg hin zu einem glücklichen Leben. Ein unangenehmer aber sehr lohnender Film.
Gus Van Sant mag für „Good Will Hunting“ und „Milk“ seine Oscar-Nominierungen eingeheimst haben aber es ist „My Own Private Idaho“ (1990) mit dem sich Van Sant in die Filmgeschichte eingeschrieben hat. Avantgardistisch in der Inszenierung (man beachte die gekünstelte – an Shakespeare gemahnte – Sprache die sich in manchen Szenen immer wieder einschleicht oder die Sexszenen die als Stillleben organisiert wurden), intensiv in der Darstellung (River Phoenix war nie besser und Keanu Reeves kann seine Hölzernheit einige Male ganz ablegen), ist die Geschichte zweier homosexueller Prostituierter ein wunderschönes und bewegendes Filmerlebnis.
Milos Forman hat vor seiner Flucht in die USA in der Tschechoslowakei seinen Beitrag zur nationalen Filmgeschichte geleistet. Das zum Teil mit Laien besetzte Sittenbild „Horí, má panenko“ (1967) zeigt auf äußerst verdichtete Weise, die Vorgänge bei einem Feuerwehrball. Ein aus dem Ruder laufender Schönheitswettbewerb, die bereits im Ansatz scheiternde Übergabe eines Geburtstagsgeschenks sowie ein humorvoller Hausbrand sind nur die wichtigsten Eckpunkte einer Komödie der menschlichen Schwächen.
Kurz-, Experimental- und Avantgardefilme sind er „1001 Films“-Liste nicht viele vertreten und nicht alle die in dem Kanon stehen, scheinen dafür geeignet. So ist Luis Bunuels naturalistische Dokumentation „Las Hurdes“ (1933) über die Mühen und das Leiden der spanischen Landbevölkerung ein zwar aufwühlendes filmisches Dokument, allerdings eher kein Avantgardefilm denn eher eine ansprechende Dokumentation. Die iranische Dokumentation „Kaneh siah ast“ (1963) von der Dichterin Forugh Farrokhzad wiederum überwindet die Grenze reiner Dokumentation und verbindet diese mit poetischen Ansichten, inklusive eines Off-Vortras eines Gedichts der Regisseurin. Die dargestellte Lepra-Kolonie wird so nicht rein als Lepra-Kolonie dargestellt sondern weist darüber hinaus auf die Möglichkeiten des würdevollen Lebens in unwirtlicher Umgebung hin. Michael Snow dagegen kann am ehesten als Avantgardist bezeichnet werden. Sein scheinbar still stehender 45-minütiger Trip „Wavelength“ (1968) bietet auf der Meta-Ebene reichlich Action und wenn die Kamera am Ende auf das Foto einer Aufnahme von Meereswellen blickt, liegt es im Auge des Betrachters, welche Bilder sich nun vor ihm bilden, während auf der Tonebene das monotone Summen vor sich geht. Anstrengend aber lohnend.

Horí, má panenko / http://1.bp.blogspot.com/-Mrc_U6-uJco/UGnDZW2H7CI/AAAAAAAAGEU/I_kElBF_9jU/s1600/BAILE+DOS+BOMBEIROS.jpg

Die Oscar-Liste
Nach einem Monat Pause, in welchem aktuelle Oscar-Projekte gesichtet wurden, hatte ich wieder Zeit und Lust für einen Best Picture-Gewinner von anno dazumal. Das Weltkriegs-Melodram „Mrs. Miniver“ (1942) von William Wyler hat alle Zutaten eines klassichen Oscar-Films. Große Gesten, große Gefühle, eine ordentliche Dosis Kitsch, den aktuellen politischen Hintergrund und schließlich tolle Darsteller die all ihr Können aufbieten. Überraschend war nur dass die BBC-Serie „Downton Abbey“ offenbar einige Anleihen an diesem Film genommen hat. Ein erstaunlich jung gebliebenes Werk.

Re-Visited
…und zum Abschluss des Star Wars-Marathons gab es natürlich „Episode VI – Return of the Jedi“ (1983) von Richard Marquand. Auch wenn ich mich in der Minderheit befinde, so zähle ich den (vorläufigen) Abschluss der Star Wars-Saga zu den schwächeren Filmen. Nicht nur die nervigen Ewoks, sondern auch Gesangseinlagen, endlos dahin ziehende Actionsequenzen und ein völlig überzogener Showdown zwischen Luke, Darth Vader und dem Imperator, zehren immer wieder an meinen Nerven. Für mich könnte das Star Wars-Universum auch nur aus den Episoden III-V bestehen.
„Opération lune“ (2002) ist wohl William Karels bekanntester Film. Die Mockumentary rund um die Mond-Verschwörung ist ein klassisches Beispiel, wie man eine Arbeit beinahe bis zur Perfektion durchzieht. Karel lässt erst sehr spät seine Lügen auffliegen und selbst dann bleibt ein Hauch von Zweifel. Wann genau und wo genau begann Karel von der Wahrheit zur Lüge zu wechseln? Ein großartiger Film.
Als William Friedkin und Al Pacino den in den New Yorker Lederclubs angesiedelten Serienkiller-Film „Cruising“ (1980) der Öffentlichkeit präsentierten, war der Skandal vorherzusehen. Mittlerweile kann man sich den Thriller unbelastet ansehen und sieht vor allem einen vor Ambitionen übergehenden Wust an Szenen, die nie so ganz zusammenpassen. Eine Darstellerleistung, die sich nie so recht in den Film fügen möchte und ein Ende, das einfach nur der Schockwirkung wegen eingebaut wurde. Im Grunde ein ziemliches Debakel und doch sind es hier die nicht zusammenpassenden Einzelteile, die einen anziehenden Film ergeben. Niemals wirklich schlecht, niemals wirklich gut aber immer unglaublich interessant.
Einer meiner liebsten Laurel & Hardy-Filme ist die „Kommen wir in die Wohnung“-Odyssee „Block-Heads“ (1938). Angefangen von Stans stur befolgtem Auftrag im Schützengraben die Stellung zu halten, obwohl der Krieg längst beendet ist, bis hin zu den ständigen Aufs und Abs im Wohnhaus, die schließlich zur Eskalation mit einem Jagdfreudigen Nachbarn führen. Ein wunderbarer Film.
„Almost Famous“ (2000) von Cameron Crowe kann dies auch für sich beanspruchen. Nach mehr als 10 Jahren diesen beschwingten und sympathischen Musik-Film wieder zu sehen, erfreut das Herz. Die Geschichte des jungen William, der die Band Stillwater auf ihrer Tour begleitet um seinen ersten Artikel für das Rolling Stone-Magazin zu schreiben, ist geprägt von guter Musik, tollen Darstellern und lustigen Dialogen. Ein würdiger Drehbuch-Oscar für Cameron Crowe.
Ein erfreuliches Wiedersehen gab es auch mit „Crossroads“ von Bruce Conner. Die Darstellung des Atombombentests aus dem Jahr 1976 wurde im Zuge der Ausstellung „Wolken“ im Leopold Museum dargebracht. Ein geradezu sinnliches Erlebnis, auch wenn mir etwa der „Cosmic Ray“ von Conner noch besser gefällt.

Cruising / http://sincemybabyleftme.files.wordpress.com/2013/02/pacino-flirting.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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