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Im Kino fand sich in diesem Monat eher wenig berauschendes (abgesehen vom imposanten Spiel Mads Mikkelsens in „Jagten“), dafür konnte das Monat mit einer Vielzahl an Filmen auf DVD aufwarten, die sich einprägten oder einfach nur gute Darsteller mit guten Leistungen zeigten.

Neuzugänge
Thomas Vinterberg ist immer noch am bekanntesten für seinen Dogma-Film „Festen“ (1995), in dem zur Geburtstagsfeier der alte Familienvater von seinem Sohn des Missbrauchs bezichtigt wurde. Wie die Familie mit diesen Vorwürfen umgeht, war der Kern der Handlung. Nach demselben Schema arbeitet Vinterberg in „Jagten“ (2012), der einen beeindruckenden Mads Mikkelsen in der Rolle als Kindergartenpädagoge Lukas zeigt und wie sein Leben auseinander bricht als ein Kind falsche Vorwürfe des Missbrauchs erhebt. Die Dorfgemeinschaft und ihre Reaktion auf diese Vorwürfe sowie die Eigendynamik die diese entwickeln, stehen im Zentrum. Vinterberg konstruiert dabei hin und wieder ein wenig zu gewollt auf den Empörungseffekt hin und kann sich doch auf seinen heraus ragenden Hauptdarsteller verlassen, der auch über so manche Ungereimtheit hinweg spielt. Ein Film der wie ein Schlag in die Magengrube wirkt aber bei Kenntnis des Oeuvres Vinterbergs dennoch ein wenig wie eine aufgewärmte Version bereits abgearbeiteter Themen aussieht.
Joseph Kosinski zeigte schon mit „TRON: Legacy“, dass er sich auf gut aussehende Sci-Fi versteht. So ist auch „Oblivion“ ein blendend aussehender Sci-Fi-Reißer mit einem engagierten Tom Cruise in der Hauptrolle und einem völlig überladenen Drehbuch belastet, welches intellektuell und doch voller Action sein will. Dabei bleibt vor allem die Handlung auf der Strecke, die sich aus vielerlei anderen Sci-Fi-Filmen bedient und am Ende nur noch langweilt.
Von vorne bis hinten langweilt „G.I. Joe: Retaliation“ von Jon Chu. Zwar habe ich den ersten Teil nicht gesehen, doch war dies ganz offensichtlich auch nicht nötig. Die Handlung rund um die Welteroberungspläne der bösen Organisation Cobra hat zwar genügend Potential für einen „so schlecht es ist wieder gut“-Film aber dafür dauert der Action-Reißer zu lange. Zumindest zeigen sich Dwayne Johnson und Bruce Willis von ihrer routinierten Seite und Jonathan Pryce darf sich als Bösewicht wieder einmal ein wenig ausleben.
Der Brite Ben Wheatley hat sich in seiner Heimat zu einer großen Zukunftshoffnung empor gearbeitet. Filme wie „Kill List“ (2011) haben es auch außerhalb Großbritanniens geschafft, ihm eine gewisse Reputation zu verschaffen. Mit der bitterbösen Komödie „Sightseers“ wagt Wheatley die Vermischung einer schrägen Romantikkomödie mit einem überaus blutigen Slasher. Chris (Steve Oram) und Tina (Alice Lowe) wollen mit ihrem Wohnmobil einige eher unbekannte Sehenswürdigkeiten England bereisen. Doch während für Tina die Romantik im Vordergrund steht, entpuppt sich ihr Geliebter langsam als psychopathischer Serienkiller, der ihm lästige Menschen kalt lächelnd ermordet. Doch auch Tina steht irgendwann nicht ganz unbeteiligt daneben, sondern findet selbst Opfer. Während das Drehbuch im Grunde nur aus der Grundkonstellation besteht und sich das Geschehen aus dem mitreißenden Spiel von Oram und Lowe (die das Drehbuch schrieben) speist, zeigt Wheatley eine sichere Hand bei der Inszenierung und lässt den galligen Humor mit großer Verve in blutigen Fontänen hervor spritzen. Nicht ohne Fehler aber doch äußerst lustig.
Fünf Jahre hat es gedauert ehe „South of Pico“ (2007) des gebürtigen Tirolers Ernst Gossner in den heimischen Kinos landete. Das Independent-Melodram dreht sich um eine Handvoll Kalifornier, deren Leben schließlich auf ein dramatisches Ereignis hin zu steuert. Die Mechanismen sind bekannt und so erinnert „South of Pico“ vor allem an Paul Haggis‘ „Crash“ (2004). Die Darsteller (Henry Simmons, Gina Torres, Christina Hendricks) sind allesamt engagiert am Werk, während die Kinder eher negativ auffallen. Etliche Stellen im Drehbuch hätte man kürzen können, denn so erlahmt der knapp 90-minütige Film immer wieder.
Ursula Meier konnte schon mit ihrem Film „Home“ (2008) für Aufsehen sorgen. Das Kino der Schweiz gilt als so gut wie inexistent doch Meier zeigte auf und mit ihrem jüngsten Werk – „L’enfant d’en haut“ (2012) – etabliert sie sich als eine kommende Vorzeigefilmemacherin in Europa. Die Geschichte des jungen Simon (Kacey Motett Klein), der in einem Nobelskiressort als Dieb tätig ist und die Gegenstände verkauft um seiner Schwester (Léa Seydoux) zu helfen, ist geprägt von grimmigem Witz, klugen Alltagsbeobachtungen und tief-traurigen Momenten. Dass so nebenbei Gillian Anderson in einer Nebenrolle zu sehen ist, vergrößerte den Filmgenuss für mich erheblich.

L'enfant d'en haut / http://www.berlinale.de/media/filmstills/2012_1/wettbewerb_7/20122182_2_IMG_FIX_700x700.jpg

Offizielle Weltpremiere in Cannes, 3D-Technik und dazu einer der berühmtesten Texte der Weltliteratur als Vorlage. „Dracula“ (2012) von Dario Argento sollte ein spätes Meisterwerk des völlig außer Form geratenen italienischen Horrormeisters sein. Doch heraus kam ein behäbig inszeniertes, mit furchtbaren Special Effects versehenes und hölzern gespieltes Horrormachwerk, welches noch dazu durch die schaurig schlechte Videooptik jeglichen Reiz verliert. Zumindest ein wenig Trash-Vergnügen liefert die neueste Stoker-Adaption.
Harmony Korine konnte im vorigen Monat mit „Spring Breakers“ überzeugen und mit „Trash Humpers“ verstören. Sein an die Dogma 95-Regeln angelehntes Werk „Julien Donkey-Boy“ (1999) ist eines dieser eigenartigen Werke, welches zwar kaum einen sinnvollen Zusammenhang zu haben scheint aber aufgrund seiner starken einzelnen Momente alles überstrahlt. Die Sicht des schizophrenen Julien (Ewen Bremner) wird von Korine wunderbar dargestellt und Werner Herzog als verhaltensauffälliger Vater ist ein Ereignis.
Endlich zu Gesicht bekam ich „A Movie“ (1958) von Bruce Conner. Die großartig zusammen gestellte Kompilation ist ein Blick auf all die Arbeiten die er später noch abliefern soll. Beeindruckend.
Larry Clark wurde berühmt durch den Film „Kids“, den er auf Basis eines Drehbuchs von Harmony Korine drehte. Während Korine seinen eigenen und vor allem eigenwilligen Weg beschreitet, scheint Clark aus der Ecke des sensationslüsternen Teenie-Thrills nicht mehr raus zu kommen. „Bully“ (2001) hätte das Potential (tolle Darsteller, eindringliche Handlung) ein guter Film zu sein, doch die Geschichte einer Gruppe Teenies die einen der ihren töten will, ist geradezu ärgerlich auf den Sensationseffekt hin inszeniert.
Ebenfalls nicht ganz frei von dem Showeffekt ist die düstere Literaturadaption „Red Riding Trilogy“ nach den Bücher von David Peace. Dabei wurden aus Kostengründen nur drei der vier Bücher umgesetzt. Die Regisseure Julian Jarrold (1974), James Marsh (1980) und Anand Tucker (1983) bringen die Geschichte von Mädchenmorden, einer korrupten Polizei und dem tristen Leben im englischen Yorkshire sehr eindrucksvoll auf Zelluloid. Doch während Jarrold und Marsh dem düsteren Treiben auch noch ein wenig Gesellschaftskritik abnötigen können, verläuft bei Tucker das zu einem Schlusspunkt hinlaufende Geschehen im Sand. Einzig die Darsteller (Andrew Garfield, Sean Bean, David Morrissey, Mark Addy und Paddy Considine) können völlig überzeugen. Eine britische Variante eines James Ellroy-Thrillers.
Deprimierend ist es, wenn man Stars aus seiner Kindheit in furchtbaren Machwerken zu Gesicht bekommt. So ist George Takei der Oberbösewicht im Martial Arts-Machwerk „The Red Canvas“ (2009). Der überlange Actionfilm versucht mit Kampfchoreografien zu beeindrucken und langweilt doch nur.
Gut gemachte Kurzfilme konnten in den letzten Jahren innerhalb der Industrie und vor allem über YouTube große Aufmerksamkeit erregen. Sowohl der aus Uruguay stammende Fede Alvarez mit seinem amüsanten aber nicht gerade lang anhaltenden Roboter-Invasions-Showdown „Ataque de pánico!“ (2009) als auch Dan Trachtenbergs gewitzte Adaption des PC-Spiels „Portal: No Escape“ (2011) führte für beide, zu großen Hollywood-Engagements.
Roger Eberts Tod schockierte die Filmgemeinde, weshalb es für viele auch an der Zeit war, sich mit der von ihm geschriebenen und von seinem Freund Russ Meyer inszenierten Hollywood-Hinter-den-Kulissen-Komödie „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) auseinander zu setzen. Leider bietet das Werk außer den typischen Russ Meyer-Schauwerten, kaum unterhaltsame oder intelligente Unterhaltung. Stattdessen einige absurd-schöne Momente und viel Leerlauf in allzu bekannten Fahrwassern.
John Sayles ist der große Außenseiter des US-Films, der durch Drehbuchaufträge für Filme wie „The Mummy“ zu Geld kommt und dieses in Projekte wie „Lone Star“ investiert. Das Baseball-Drama „Eight Men Out“ (1988) dagegen ist ein richtig Prestigeträchtiges Studioprojekt, rund um den Bestechungsskandal der Chicago White Sox, die die World Series verkauften, da sie selbst vom Clubeigner nur ungenügend entlohnt wurden. Hervorragend besetzt (David Straitharn, John Cusack, Christopher Lloyd, u.a.) aber doch einiges an Baseball-Wissen voraussetzend, zeigt Sayles dass er nicht nur ein großartiger Autor sondern auch Regisseur ist.
Ein noch größerer Außenseiter ist Cory McAbee, dessen bekanntester Film das Sci-Fi-Western-Musical „The American Astronaut“ (2001) ist. Eine wilde Melange aus Verfolgungsthriller, absurden Musical-Nummern und geradezu avantgardistischen Montagen. Dennoch liegt die größte Stärke in den konzentrierten ersten 30 Minuten, während danach das Geschehen zu sehr zerfasert wirkt.
Zwei bekannte Stummfilme wurden auch endlich nach Jahren gesichtet. Sowohl Paul Wegeners „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) als auch Robert Wienes „Orlacs Hände“ (1924) bestechen durch ihre düstere Atmosphäre, wobei Wiene es besser verstand, aus dieser Atmosphäre auch Spannung zu beziehen. Während „Der Golem“ schnell an Unterhaltungswert verliert und aus rein historischen Gründen betrachtet wird, zeigt sich „Orlacs Hände“ als immer noch frischer Thriller, mit einem großartigen Conrad Veidt in der Hauptrolle.
Apropos Außenseiter. Der Kanadier Steven Kostanski hat mit dem bewusst billig gehaltenem „Manborg“ (2011) einen Szene-Liebling kreiert. So sehr ich dem Werk auch den Willen und die bewusst gesetzten Stilelemente ansehe, so ist die Handlung doch wieder zu konservativ geraten und nur oberflächlich absurd. Humorvoll aber bei weitem nicht so anregend wie erhofft.
Ebenfalls viel zu weit hinter den hohen Erwartungen zurück steht „The Incredible Burt Wonderstone“ (2013). Während das Ensemble sich hervorragend von schwach geschriebenem Gag zu schwach geschriebenem Gag hangelt und viele sogar äußerst gelungen gestaltet, ist sowohl die Handlung geradezu kriminell vorhersehbar und inszeniert Regisseur Don Scardino ohne eigene Ideen. Eine vertane Chance.
Ebenfalls ein wenig vertan war für mich die Chance, die Ulrich Köhler in „Schlafkrankheit“ (2011) hatte. Die Geschichte um einen deutschen Arzt, der als Entwicklungshelfer in Kamerun arbeitet, ist ein in der Theorie famoser Exkurs zu Vorurteilen und kolonial geprägten Sichtweisen, getragen von zwei tollen Darstellern – Pierre Bokma als Ebbo Velten und Jean-Christoph Folly als Alex Nzila – doch schleppt sich das Geschehen zu sehr dahin, und dies trotz nur knapp 90 Minuten Laufzeit.
Peter Lorre war schon immer der Mann, den man besetzte wenn es ein wenig verrückt und obskur werden sollte. So auch in „Mad Love“ (1935), welches sich denselben Roman zur Vorlage nimmt, wie „Orlacs Hände“. In der US-Version ist allerdings sehr viel vom deutschen Stummfilmkino erhalten geblieben, da Regisseur Karl Freund mit Stilmitteln des expressionistischen Filmes arbeitet und Lorre mit aller Macht seinem verrückten Doktor die notwendige Raserei verabreicht. Nur ein klein wenig schwächer denn die stumme Version.
Ang Lee ist seit diesem Februar zweifacher Oscar-Preisträger. Wenn seine Karriere im Rückblick betrachtet wird, wird der Bürgerkriegs-Western „Ride with the Devil“ (1999) wohl als vertane Chance Eingang in die Biographie erhalten. Angenehm ist Lees Zugang, die Bürgerkriegskämpfe als persönliche Schlachte und lokale Auseinandersetzungen zu inszenieren, in denen die große Politik nur als Randnotiz erwähnt wird. Andererseits ist sein Fokus auf die jungen Männer (Tobey Maguire, Skeet Ulrich, Jeffrey Wright) immer wieder der Punkt, an dem das Geschehen geradezu erlahmt. So bleibt es bei einem gut gemeinten aber insgesamt recht langweiligen Western.
Keine Langeweile kommt bei David Mamets Gerichts- und Psychodrama „Phil Spector“ (2013) auf. Dies liegt zunächst an den tollen Leistungen von Al Pacino als des Mordes angeklagter Musikproduzent und Helen Mirren als dessen Anwältin, als auch an der kurzen Laufzeit und der damit verbundenen Beschleunigung der Erzählung. Dennoch bleibt Mamet in seinen Dialogen und seiner Inszenierung merkwürdig distanziert und schafft es nicht, dass man mit den Charakteren mitfiebert. Stattdessen beobachtet man aus der Ferne das Verhalten dieses merkwürdig wirkenden Mannes.
Arnold Schwarzenegger hat sich mit seiner Nebenrolle in „The Expendables 2“ offiziell aus dem Zwischen-Ruhestand zurück gemeldet und liefert in „The Last Stand“ (2013) seine erste Hauptrolle seit zehn Jahren. Als Sheriff in dem verschlafenen Grenzstädtchen Somerton, führt er ein geruhsames Leben, ehe die spektakuläre Flucht des mexikanischen Gangsters Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) die Stadt in Aufruhr versetzt. Schwarzenegger beweist genügend Sinn für Humor während die Nebendarsteller-Riege (Luis Guzman, Johnny Knoxville, Rodrigo Santoro, Peter Stormare, Jaime Alexander und Forest Whitaker) ihre Stichwortzeilen abliefern. Regisseur Jee-woon Kim zeigte in der Vergangenheit („Joheunnom nabbeunnom isanghannom“) mehr Lust zum Genre-unterlaufenden Risiko. In seinem US-Debüt variiert er Western-Stilelemente und liefert was gefragt war.
Nach Ansicht von „Sightseers“ war es an der Zeit, sich auch ein anderes Werk von Ben Wheatley zu Gemüte zu führen. Der schräge Profikiller-Thriller „Kill List“ (2011) beginnt wie eine Variation von „The War of the Roses“ oder „Who’s afraid of Virginia Woolf?“. Ehepaare die sich beim Abendessen wortreich bekämpfen, ehe dann plötzlich die beiden Ehemänner als Profikiller ihrer Arbeit nachgehen. Was dann im Schlussakt folgt, ist derart ungewöhnlich, dass es zugleich fasziniert und abstößt. Wheatley liefert keinerlei Hinweis auf was kommen wird und auch keine Erklärung was es zu bedeuten hat. Dies ist einerseits interessant und andererseits nervig. Zumindest zeigt sich hier erneut die inszenatorische Brillanz von Wheatley, trotz aller Mängel im Drehbuch.
Dominik Graf durfte vor kurzem im Filmmuseum einer Retrospektive beiwohnen. Die 10-teilige Mini-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010) gehört zu den jüngeren Großtaten des Genre-Spezialisten. Wie eine deutsche Variation auf „The Sopranos“ vermengt mit „The Wire“, zeigt Graf den Kampf der deutschen Polizei gegen die russische Mafia, die sich mit Glückspiel, Drogenhandel und Prostitution eine goldene Nase verdient. Mittendrin erzählt Graf die Geschichte einer jüdischen Familie mit Fokus auf die Geschwister Marek (Max Riemelt), der bei der Polizei arbeitet und Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangster geheiratet hat. Hin und wieder verzettelt sich Graf dabei in bereits anderweitig besser aufgearbeiteten Klischees und sind auch die Darsteller nicht immer überzeugend. Dennoch ein spannender und intelligenter Genre-Entwurf aus Deutschland.
David Barrett zeichnete sich bislang als Regisseur für TV-Serien aus und lieferte mit „Fire with Fire“ (2012) sein Spielfilmdebüt. Dass dieses nur auf DVD veröffentlicht wurde, liegt vor allem an der uninspirierten Handlung. Barrett leistet sich zwar einige „Freiheiten“ bei der Inszenierung (Logik und Darstellerführung gehören hier nicht zu den Stärken) aber die durch die Handlung schlafwandelnden und dennoch überzeugenden Routiniers (Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Rosario Dawson) liefern gerade noch genügend Gründe um nicht vorzeitig abzudrehen.
Lexi Alexander hatte die Aufgabe nach dem misslungenen „The Punisher“ (2004) eine aufregende Fortsetzung zu liefern. „Punisher: War Zone“ (2008) ist bemüht, den Comic-Tonfall durch eine düster-brutale Note zu vermischen und so sowohl Comic- als auch Action-Fans zu überzeugen. Dies gelingt allerdings nicht, denn die Mischung bewirkt nur Langeweile. Comic-Brutalität (sowie völlig überzogene Darsteller wie Dominic West als Bösewicht Jigsaw) vermischt sich mit betont drastisch-realistischen Sequenzen und einzig Ray Stevenson als Frank „The Punisher“ Castle vermag zu überzeugen.
Endlich habe ich die neue DVD von Peter Tscherkassky in Händen und komme dazu, mir frühe Filme des Avantegardefilmemachers zu Gemüte zu führen. Dabei kamen so hoch gelobte Werke wie „Shot – Countershot“ (1987) zu sehen wie auch „Erotique“ (1982), die Auftragsarbeit „Nachtstück“ (2005) und als Bonusfilm die hervorragende Montage „Ballet 16“ (1984). Während die ersten beiden Werke an meinen überzogenen Erwartungen ein wenig zu leiden hatten, sind die beiden letzten Werke umso humorvoller und ansehnlicher. Insgesamt einfach der Beleg der Kunstfertigkeit Tscherkasskys.

Phil Spector / http://media.thelineofbestfit.com/wp-content/media/2013/02/al-pacino-phil-spector-hbo.jpg

The 1001 Project
Lee Marvin war wohl nie besser denn als Walker in „Point Blank“ (1967). Unter der Regie des Briten John Boorman, ist Kalifornien weit weg von den Bildern des Sonnendurchfluteten Strandidylls. Die Mode der Sechziger dringt durch jede einzelne Aufnahme und der non-lineare Schnitt trägt zur psychidelischen Aura des Thrillers bei, in welchem beinahe alle Charaktere wie Geister wirken. So bleibt Boormans Thriller auch seltsam unnahbar.
John Travolta feierte mit „Saturday Night Fever“ (1977) seinen Durchbruch und dies völlig zurecht. Der zwar etwas schlampig inszenierte und geschnittene Film von John Badham ist überraschend düster, zeichnet aber ein eindrucksvolles Bild einer ziellosen Jugend, die von einer Samstagnacht zur nächsten lebt. Der tolle Soundtrack und Travoltas imponierende Leistung beeindrucken dabei immer wieder.
Nach „Mùi du du xanh“ (1993) hatte sich der Vietnamese Tran Anh Hung als frische Stimme des asiatischen Kinos etabliert. Mit „Xich lo“ (1995) zeigte er erneut sein Bildverständnis und seine ruhige Hand beim Erzählen, zugleich überraschen die gewalttätigen Einlagen (sei es ein Brandanschlag oder die Ermordung mittels durchschnittener Kehle) und menschlichen Abgründe, die sich hier auftun. „Xich lo“ ist ein wunderschöner Film voller Ekel und Gewalt, der im Vergleich zum zarten „Mùi du du xanh“ kaum Raum für Hoffnung lässt und dennoch nicht deprimiert.
David Bowie als androgyner Alien in Nicolas Roegs „The Man Who Fell To Earth“ (1976). In der Form eines sehr blassen, sehr schlanken und sehr attraktiven Menschen, ist Bowie die Idealbesetzung. Sein zurückhaltendes, geradezu passives, Spiel ist eine großartige Bereicherung für den mit Zeit und Raum jonglierenden Roeg. Das Problem: Roeg führt so viele interessante Gedanken und Ideen ein, dass sich keine wirklich festzusetzen weiß. Bowies Präsenz und die Moral des verkommenen menschlichen Daseins – schließlich geht der Alien an Alkohol und Überfluss zugrunde – sind alles was haften bleibt.
King Vidor ist einer der ganz großen US-Stummfilmregisseure und mit „The Crowd“ (1928) hat er ein überraschend nüchternes Melodram abgeliefert. Die all zu normale Geschichte des normalen Lebens eines Mannes, der von großen Taten träumt. Im Grunde würde wohl Alexander Payne heute eine Geschichte wie diese verfilmen, wenngleich mit weniger Melodram. James Murray und Eleanor Boardman liefern als Ehepaar mit all den Hochs und Tiefs des Alltags ein durch das Zusammenspiel erst wirkende großartige Leistung. Vidor inszeniert kontrolliert aber auch immer wieder mit zu viel Melodramatik. So wirkt die zu Herzen gehende Geschichte oft doch ein wenig schal.

Xich lo / http://2.bp.blogspot.com/-xyhUNX3WWzU/ToI44m5Da6I/AAAAAAAABTE/bTFtooGFJj4/s1600/Cyclo1.jpg

Die Oscar-Liste
William Powell ist einer der großen Stars des 1930er-Hollywood. Dennoch hat er nie einen Oscar gewonnen und für seine charmante und eindrucksvolle Darstellung des Revuemeisters Florenz Ziegfeld in „The Great Ziegfeld“ (1936) war er noch nicht einmal nominiert. Das erscheint geradezu grotesk, ist an dem Musicalfilm doch einzig Powell wirklich von Interesse. Das Setdesign und die Tanznummern zeugen vom Können der Crew aber unterhaltsam ist das alles nicht. Ein mit drei Stunden noch dazu sehr lang geratenes und lähmend langweilig inszeniertes Biopic.

The Great Ziegfeld / http://media-2.web.britannica.com/eb-media/13/90613-004-3EDD3837.jpg

Re-Visited
Laurel & Hardy sind immer ein Gewinn und so macht es auch Freude sich immer wieder Kurzfilme anzusehen, die die Basis für ihre Langfilme boten. „We Faw Down“ (1928) war im Grunde die Generalprobe für das großartige „Sons of the Desert“ (1933). Der Kurzfilm hat immerhin den großen Leo McCarey hinter der Kamera und einige gute Gags zu bieten, doch fügen sich die einzelnen Ideen noch nicht zu einem kohärenten Ganzen. Der legendäre Langfilm hingegen sprüht vor Ideen, Spielfreude und der Selbstsicherheit des hervorragend eingespielten Komiker-Duos. Ein Meisterwerk der Komödie und ein würdiger Eintrag in den „1001 Films“-Kanon den ich immer wieder gerne sichte, auch wenn mein sentimentaler Favorit „Block-Heads“ bleibt.
Ed Wood-Filme bleiben meine „Guilty Pleasure“. Dabei ist „Plan 9 from Outer Space“ (1959) der ungekrönte König unter den schlechten Filmen. Genug wurde über dieses Sci-Fi-Debakel mit dem Herzen am rechten Fleck geschrieben. Es bleibt schlicht die Inkompetenz und gleichzeitig sichtbare Freude zu genießen. Die Filme von Wood mögen als Genre-Beiträge nie wirklich funktioniert haben, als Testament an die Liebe zum Film, sind sie umso beeindruckender.
Ein anderer Kandidat für den Titel „Mein liebster schlechter Film“ ist der Schlangenhorror „Boa vs. Python“ (2004) von David Flores. Der einst als studentische Nonsense-DVD in den Player gelangte Film, erfüllt mit seinen furchtbaren Effekten (die selbst Mitte der 2000er bereits billig aussahen), den sinnlosen Oben Ohne-Szenen und herrlich blöden Dialogen einfach alle Erwartungen an einen unterhaltsamen schlechten Film, den man sich gerne immer wieder und wieder ansieht.
Abel Ferrara mag nicht mein Lieblingsregisseur sein, doch mit seinem philosophischen Schwarz-Weiß Vampirfilm „The Addiction“ (1995) hat er einen meiner liebsten Horrorfilme gedreht. Ferrara spornt Lili Taylor als Philosophiedoktorandin die zum Vampir wird, zu einer Höchstleistung an und bietet so nebenbei einen grandiosen Christopher Walken in einem Kurzauftritt sowie eine finale Blutorgie, die mir immer wieder kalte Gänsehaut beschert.

The Addiction / http://images3.cinema.de/imedia/1212/1212,aT_FNvNOxUOSJfpeuB1ThsoAN_OUVLuQBRikkPYB_KrLUiAqkAXxkJMsmuoJYNQHtGeAMcKK97fbpLbH+rGI6g==.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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