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Die Blockbuster-Saison hat begonnen. Mit den Fortsetzungen „Iron Man 3“ und „Star Trek: Into Darkness“ sind die Filmstudios offiziell in die Saison gestartet. Daneben haben es kleinere Werke schon schwerer zu bestehen, doch vom Action-Bombast erschlagen, zeigen sich Filme wie „Stoker“ als stilbewusste Alternative. Im Heimkino überraschte ein Ausflug auf YouTube und Vimeo um Filmen wie „Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos“ oder „7:35 de la manana“ eine Plattform zu bieten.

Neuzugänge
Mit „Iron Man 3“ von Shane Black, ist die Blockbuster-Saison offiziell eröffnet und es ist ein würdiger Auftakt. Wenngleich der dritte Teil nur über wenige humorvolle Zusätze verfügt, die Black hinein geschmuggelt hat und die Darstellung Ben Kingsleys als Bösewicht Mandarin ein Highlight innerhalb des Marvel-Universums darstellt, ist dieser Film erneut ein unterhaltsamer aber keineswegs sehr guter Film geworden. Eskapismus der kompetenten aber nicht inspirierenden Art (wie es etwa Joss Whedons „The Avengers“ war).
Unterhaltsamer aber sich auch zu sehr auf den eigenen Kanon verlassend ist der zweite Teil der neu auferstandenen „Star Trek“-Reihe „Star Trek: Into Darkness“ (2013). Mehr damit beschäftigt einen düsteren Unterton einzubauen und dennoch mit genügend Anspielungen und Insider-Gags versehen, zeigt J.J. Abrams erneut dass er die richtigen Ideen hat für die Neuauflage. Dass man sich sowohl beim Bösewicht als auch bei der Auflösung zu sehr auf bereits bekannte Schemen verlässt, mindert jedoch den Gesamteindruck.
Geradezu aufreizend langweilig ist der US-Litauische-Zombiefilm „War of the Dead“ (2011). Im Zweiten Weltkrieg eingebaute Zombies sorgen zunächst für etwas trashigen Humor, doch der verfliegt äußerst schnell.
Der chilenische Oscar-Beitrag „No“ (2012) von Pablo Larrain erzählt auf intelligente und humorvolle Weise von der Werbekampagne die zum Erfolg des Referendums zum Sturz des Diktators Pinochet führte. Gael García Bernal ist der prominente Star und trägt den – merkwürdigerweise gerade in den intimen Momenten langatmigen – Film ohne Probleme.
Der Südkoreaner Chan-wook Park feiert mit „Stoker“ (2013) sein US-Debüt und lässt dabei alle möglichen stilistischen Spielchen vom Stapel. Die nicht sehr logische (und in ihrer Auflösung auch etwas enttäuschend platte) Geschichte des wunderlich wirkenden Mädchens India (gut wie immer: Mia Wasikowska), ihrer Mutter (eine glänzend-aristokratische Nicole Kidman) und ihrem bis dahin unbekannten Onkel Charlie (großartig: Matthew Goode) glänzt vor allem durch Parks Regie, die immer eine Atmosphäre des Unbehagens aufzubauen versteht. So sind manche Sequenzen beängstigend gut…und werden später vom ambitionierten aber inkonsequenten Drehbuch abgeschwächt.
Baz Luhrmann ist ein interessanter Filmemacher. Seine Visionen die er in  „Romeo + Juliet“, „Moulin Rouge!“ und „Australia“ präsentierte, waren zumeist visuell beeindruckend und bei den ersten beiden Filmen – vor allem aber bei dem ironisch-kitschigen Musical „Moulin Rouge!“ – in sich geschlossen und immer zugänglich. Mit „Australia“ begann der Lack von Luhrmann abzubröckeln, da er sich nicht entscheiden konnte, welchen Film er denn nun drehen wollte – australischen Feminismus-Western oder doch Weltkriegs-Melodram oder einfach beides? – und mit seiner Adaption von „The Great Gatsby“ gerät er wieder zwischen die Stühle. Ein überraschend sympathischer Tobey Maguire führt als Nick Carraway hervorragend durch die bekannte Handlung und Leonardo DiCaprio gibt den mysteriösen Jay Gatsby als glänzend-glitzernden Entrepreneur während ihm jedoch die innere Leere fehlt. Luhrmann bietet großartig choreografierte Party-Sequenzen und vermag auch die erste Begegnung von Gatsby und Daisy (eine bemühte aber überraschend öde Carey Mulligan) äußerst humorvoll umzusetzen, doch fehlt im Laufe des Films ein Gespür für die Tragik die Fitzgerald in seinem Roman einbaute. Ein wunderschön anzusehender und in Teilen sehr guter Film, der aber nie wirklich hält was er verspricht.
Das Remake des Horror-Klassikers „Evil Dead“ überrascht durch eine ansprechende Qualität und einen geradezu absurd hohen Blutgehalt. Während das Original und der Nachfolgefilm mit Slapstick-Humor punkteten, zeigt sich das Remake von Fede Alvarez als harter Horrorschocker, dessen überbordender Einsatz von Kunstblut jedoch immer wieder für Lacher sorgt. Ob gewollt oder nicht bleibt dem Zuseher überlassen. Unterhaltsam ist es allemal.

Stoker / http://independentcinema.files.wordpress.com/2013/03/1_e_park-chan-wook-_stoker.jpg

Brandon Cronenberg ist der Sohn des großen David Cronenberg. Insofern überrascht es nicht dass der Debütfilm des Sohnes sich zum Teil derselben Body-Horror-Aspekte annimmt, durch welche der Vater berühmt wurde. „Antiviral“ (2012) handelt von einer Celebrity-besessenen Gesellschaft, derart nach Kontakt suchend, dass sich Menschen Krankheiten verabreichen lassen, an denen Berühmtheiten leiden oder gar starben. In Caleb Landry Jones hat Cronenberg einen passenden Hauptdarsteller, doch neben einigen imposanten Szenen und der intelligenten Grundidee, leidet „Antiviral“ an Beliebigkeit.
Es heißt, Ridley Scotts Karriere habe nach seinen frühen Meisterwerken einen stetigen Weg nach unten beschrieben, zumindest bislang. Nach Ansicht von „The Duellists“ (1977) ist man geneigt dieser oberflächlichen These zuzustimmen. Keith Carradine und Harvey Keitel als französische Offiziere die sich über Jahre hinweg in mehreren Duellen gegenüberstehen, untermalt von den Wirren der Napoleonischen Kriege, zeigt Scott in Hochform und gleichzeit in purer Anonymität. Es ist kaum zu sehen, was diesen Film zu einem Scott-Werk macht. So unterhaltsam und ansehnlich „The Duellists“ auch ist, so austauschbar scheint der in Frage kommende Regisseur. Etwas was sich in späteren Filmen keineswegs so einfach sagen ließe.
Rainer Werner Fassbinder hat in seinem kurzen Leben ein unglaubliches Konvolut an Filmen erschaffen. Da fällt es schwer einzelne Werke losgelöst vom großen Ganzen zu betrachten. Wohl deshalb ist „Liebe ist kälter als der Tod“ (1969) für mich eine Enttäuschung. Der minimalistische Stil, die strenge Schwarzweiß-Optik und die gestelzten Dialoge. Nichts davon konnte mich ansprechen.
Noch viel weniger sprach mich das Horror-Remake „Black Christmas“ (2004) an. Wenn bei einem Horrorfilm der Schlaf die einzige Konstante ist, dann läuft etwas schief.
Die Filme von David Mamet sprechen mich immer wieder an und so war es eine angenehme Überraschung mit „State and Main“ (2000) eine leichte Komödie präsentiert zu bekommen, in der sich Mamet über die Abgehobenheit des Business lustig macht und zugleich die Sinnkrise des Autoren ausformuliert. Ein schön ausbalanciertes Ensemble demonstriert seine Fähigkeiten (speziell Mamet-Intimus William H. Macy) und Mamet kann seine humorvolle Seite präsentieren.
Rian Johnson hat im Vorjahr mit dem Sci-Fi-Thriller „Looper“ ein Ausrufezeichen gesetzt, doch bereits sein Debüt „Brick“ (2005) sorgte für Aufsehen. Die Vermengung von High-School und Noir funktioniert bei Johnson auf überraschend einnehmende Weise. So absurd ein Film in der Art eines Dashiel Hammett an einer High School wirken mag, so sehr ist es den Darstellern (ein großartiger Joseph-Gordon Levitt) und einer konzentrierten Regie, sowie einem toll geschriebenem Drehbuch zu verdanken, dass „Brick“ zu den erinnerungswürdigen Filmdebüts zu zählen ist und mit „Looper“ hat Johnson mittlerweile bewiesen, dass er kein One-Hit-Wonder ist.
Es gehört mittlerweile zu den Standards eines Blockbusters, ein animiertes Prequel anzufügen. Was bei den „Matrix“-Filmen mit der „Animatrix“ zum Teil großartig funktionierte, langweilt bei „Inception“ mit „Inception: The Cobol Job“ (2010). Ian Kirby durfte für die Inszenierung des animierten Vorfilms verantwortlich zeichnen. Die an Motion Comics gemahnte Bonusarbeit, hat den Charme eines DVD-Extras und kann als eigenständiger Film kaum standhalten.
Viel unterhaltsamer ist da schon der Disney-Klassiker „Steamboat Willie“ (1928), in welchem Mickey Mouse ihren ersten populären Auftritt hat. Wenngleich Handlungsarm, so doch mit viel Witz und Charme.
Nicole Kidman kann, wenn sie unter einem guten Regisseur agiert, glänzen. In dem deprimierenden Drama „Rabbit Hole“ (2010) weiß sie als vom Verlust ihres Kindes geplagte Mutter zu überzeugen und kann gemeinsam mit einem herrlich aufspielenden Aaron Eckhart den Schmerz, die Verzweiflung und die Orientierungslosigkeit eines Ehepaares greifbar machen.
Ebenfalls äußerst erdrückend ist das Schicksal von Ray Eddy (zurecht Oscar-nominiert: Melissa Leo) in „Frozen River“ (2008). Während ihr Mann das wenige Geld im Casino verspielt, versucht sie mit Menschenschmuggel über die kanadische-amerikanische Grenze genug Geld zu verdienen um ihren beiden Kindern ein Dach über dem Kopf zu bieten. Trotz so mancher positiver Sequenz, ist der Grundton erschreckend deprimierend, selbst wenn man den realistischen Ansatz von Courtney Hunt (Regie und Drehbuch) einbezieht. „Frozen River“ kann kaum aus seiner traurigen Ecke heraus und erzeugt somit im Grunde nur Mitleid.
Béla Tarr ist eine Fixgröße des europäischen Kunstfilms. Mit „A torinói ló“ (2011) erzählt er beginnend mit einer Anekdote über das Mitleid welches Friedrich Nietzsche für ein misshandeltes Pferd hegte, erzählt Tarr von eben diesem Pferd und seinem Besitzer. Ein ruhiger, dialogarmer und streng inszenierter Kunstfilm, der von Beginn weg – auch durch seinen tollen Soundtrack – in seinen Bann zieht.
In den Bann zieht auch „Bug“ (2006) von William Friedkin. Die Verfilmung eines Bühnenstücks von Tracy Letts bietet zwei wunderbare Hauptdarsteller (Ashley Judd und Michael Shannon) und eine interessante Aufbereitung der um sich greifenden Paranoia zweier Menschen, die schließlich nicht mehr aus ihrem Wahn heraus können.
In einer Art Wahn steckt auch Siegried Müller. Interviewt von zwei Filmemachern aus der DDR, bietet Müller in „Der lachende Mann“ (1966) erschreckenden Einblick in die Seele eines Massenmörders, der für die Wehrmacht sowie als Söldner im Kongo Truppen befehligte und dabei in seiner eigenen Welt lebte. Die Darstellung seiner Weltsicht (inkl. Fotoalben mit Erinnerungsbildern ermordeter Kongolesen) ist filmisch simpel aber äußerst effektiv.
Mit Klassikern des Blaxploitation-Kinos ist es so eine Sache. Manche Filme sind tatsächlich lustig („Blacula“) andere hingegen idiotisch („Blackenstein“). Wirklichen Ruhm ernten konnte nur „Shaft“, doch zu einem gewissen Kultstatus schaffte es auch Pam Grier als „Foxy Brown“ (1974). Der von Jack Hill inszenierte Film beschäftigt sich hauptsächlich mit den kurvigen Reizen von Pam Grier und der klischeehaften Zeichnung der Bösewichte. Kein großer Wurf, allerdings innerhalb der Blaxploitation-Ära ein – allein schon wegen seiner Hauptdarstellerin – erinnerungswürdiges Werk.
Überzogen mit den Erinnerungen an Tarantino- und Rodriguez-Filmen ist Álex de la Iglesias „Perdita Durango“ (1997) vor allem ein Beispiel dafür, wie weit komödiantische Gewaltdarstellung (auch sexuelle Gewalt) Ende der Neunzigerjahre ging. de la Iglesia versteht es, seine beiden Hauptdarsteller ebenso absurd wie beängstigend und zugleich anziehend zu zeigen, während etwa James Gandolfini als Polizist auf deren Jagd für lustige Szenen sorgt aber niemals sympathisch wirkt. „Perdita Durango“ erstickt regelrecht in seinem Streben, den großen Vorbildern ebenbürtig zu sein und ist dennoch „nur“ ein sehenswerter Action-Trip.
Alexander Klug ist vor allem durch seine Arbeit als Autor und TV-Produzent/Regisseur bekannt. Seine Interviews mit Helge Schneider in verschiedenen Rollen (auf YouTube zu finden) sind immer wieder herrlich und Kluge vermengt interessante Schnitttechniken zu Bild- und Ton-Collagen die faszinieren. Zuvor war er aber vor allem Mitglied der „Oberhausener Gruppe“ die eine Revolution im deutschen Film einläutete. Seine eigenen Kino-Arbeiten wurden mit Preisen geehrt, kamen beim breiten Publikum jedoch nie an. So ist etwa der Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig 1968 – „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ – ein Paradebeispiel für Kluges Arbeit und funktioniert gerade deshalb am ehesten als Vorlauf für seine TV-Arbeiten und monumentalen DVD-Essayfilme. Hannelore Hoger hält die jegliche Narration verweigernde Collage zusammen und ist das unbestrittene Highlight, während Kluge die späten Arbeiten eines Jean-Luc Godard bereits 40 Jahre zuvor vorweg nimmt.
Ridley Scott hatte vor der Produktion seines „Robin Hood“ (2010) – eine Art inoffizielles Prequel – mehrere interessante Ideen. Etwa Robin als Bösewicht und der Sheriff von Nottingham als Held oder auch die beiden als ein und dieselbe Person. Heraus kam ein quälend langweiliges „Robin Hood Begins“ mit manch netter Actionsequenz, ein paar Lachern und vielen vielen Leerläufen.
Antonio Banderas hatte eine illustre Karriere in Spanien, bevor er nach Hollywood zog um dort ein Superstar zu werden. Unter seinen vielen – außerhalb Spaniens kaum bekannten – Auftritten ist etwa eine Hauptrolle in dem zynischen Thriller „El placer de matar“ (1988). Matthieu Carrière und Banderas spielen zwei Killer, die einen Finanzier töten sollen. Relativ lustlos taumelt der Film seinem überraschend zynischem Finale entgegen.
Ebenfalls überraschend lustlos arbeitet sich die – auf wahren Ereignissen basierende – Geschichte des Korea-Veterans Emmett Foley (ein engagierter Gary Oldman) in „Chattahoochee“ (1989) von Mick Jackson bis zu seinem vorhersehbarem Ende ab. Ein missglückter Amoklauf, ein Aufenthalt in einer unwürdig geführten Nervenheilanstalt und etc.. Neben den tollen Darstellern (Oldman, Pamela Reed und Dennis Hopper) bietet Jackson kaum eindrückliches.
Viel mehr Spaß machte da schon die Fußball-Dokumentation „Once in a Lifetime“ (2006) über den US-amerikanischen Fußballclub New York Cosmos, der Ende der Sechzigerjahre bis Anfang der Achtzigerjahre als Musterbeispiel für den Versuch Fußball in den USA populär zu machen, stand. Pele, Franz Beckenbauer, Carlos Alberto, Johann Cruyff und viele mehr tauchen in der Dokumentation auf und zeigen ein humorvolles, schillerndes und vor allem missverständliches Bild von einem Sport, der in den USA bereits in der Art und Weise geführt wurde, wie er heute in Europa geführt wird. Einzig der überbordende Einsatz von Archivmaterial und Talking Heads sorgt für eine Fernseh-Ästhetik, die der Dokumentation ein wenig zuwider läuft.
Manchmal ist Twitter richtig hilfreich. So kam ich über einen Tweet zum Oscar-nominierten Kurzfilm des Spaniers Nacho Vigalondo. „7:35 de la manana“ (2003) ist eine humorvolle Musical-Thriller-Komödie, die innerhalb von sieben Minuten ein ebenso bedrohliches wie witziges Szenario einer Geiselnahme mit singendem Geiselnehmer und zum Gesang gezwungene Gäste eines Lokals aufbaut. Vigalondos Kurzfilm wirkt zuweilen wie eine komprimierte Version von „The American Astronaut“.

Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos / http://images3.cinema.de/imedia/4991/2794991,LWK2bUWkft6i4LJIFSsF3v9KH3NTrUHSAZrIclfZ9SLkVUq9W+JKT9BlwZlbKpjXhtif20dDTVwt0hAGXmX58Q==.jpg

The 1001 Project
Chantal Akerman gilt als ganz Große des feministischen Films. Mit ihrem 200-minütigem „Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ (1975) hat sie sich in die Filmbücher eingetragen. Der erbarmungslos langsame Film, zeigt in aller Dringlichkeit das langatmige und langweilige Alltagsleben der allein erziehenden Hausfrau Jeanne Dielman, die sich durch Gelegenheitsprostitution ein kleines Zubrot verdient. Akerman lässt in dem Dialogarmen Film hauptsächlich Rituale (Abendessen zubereiten, Briefe vorlesen, Kunden empfangen) zu und hält diese Stilistik bis zum letzten Bild aufrecht. Ein beeindruckendes Werk, getragen von einer großartigen Regisseurin und ihrer kongenialen Hauptdarstellerin Delphine Seyrig.
Jean-Luc Godard und ich werden keine Freunde mehr. So sehr mir etwa „À bout de souffle“ (1960) gefallen hat, so wenig kann ich mit beinahe allen anderen seiner Filme anfangen. Während etwa Truffaut meist meinen Geschmack trifft, sehe ich bei Godard zumeist großartige Ideen, deren Ausführung hin und wieder Genialität versprüht, zumeist aber geradezu in Langeweile erstickt. So war es bei dem mir mit der Zeit regelrecht verhassten „Pierrot le fou“ (1965) oder späteren Arbeiten wie „Notre musique“ (2004) und so ging es mir nun mit „Alphaville“ (1965). Einfach nicht meine Welt.
Es ist geradezu bizarr zu sehen, dass Wolfgang Petersen einerseits für Filme wie „Air Force One“ und „Troy“ verantwortlich ist, vor seinem Umzug nach Hollywood allerdings ein intensives Anti-Kriegs-Drama wie „Das Boot“ (1982) erschaffen konnte. Nach einer ausgelassenen Einführungssequenz, spielt der Film beinahe ausschließlich innerhalb des U-Boots und lebt von der speziellen Psychologie an Bord eines Kriegsschauplatzes, abgeschnitten von der Außenwelt, auf Angriffe reagierend, mit der Zeit zermürbt und am Ende psychisch gebrochen. Ein intensives und beeindruckendes Werk.

Jeanne Dielman / http://filmfanatic.org/reviews/wp-content/uploads/2006/11/Jeanne.jpg

Re-Visited
„The Last Kiss“ (2006) ist das gut geschriebene aber fahrig inszenierte Remake eines italienischen Filmes aus dem Jahr 2001. Ein talentiertes Ensemble (Zach Braff, Casey Affleck, Tom Wilkinson, Blythe Danner) spielt hervorragend und auch wenn die Charaktere kaum zu Sympathieträgern geeignet sind, so ist man an ihrem Schicksal interessiert. Erst der furchtbar-kompromisslerische Schluss lässt die Qualität des Filmes abstürzen und versenkt beinahe einen gut gemachten Film über Selbstfindung und Beziehungsängste.
Fernando Meirelles hat mit „Cidade de Deus“ (2002) seinen internationalen Durchbruch geschafft und zugleich bis heute keinen gleichwertigen Film erschaffen. Das jede Sekunde lang geradezu vor Energie vibrierende Geschehen wirbelt den Zuseher durch die Jahrzehnte und führt in das gefährliche Leben des Slums von Rio de Janeiro ein.
Hugh Hudson hat seine Karriere – und auch beinahe jene von Hauptdarsteller Al Pacino – mit „Revolution“ (1985)  beinahe versenkt. Jetzt ist das Werk der Revision unterworfen und gilt vielen als verkanntes Meisterwerk. Der Director’s Cut, mit der ansprechenden manchmal aber auch etwas aufgesetzten Voice Over eines 20 Jahre älteren Al Pacino, weiß einige Schwachstellen auszubessern, bleibt aber dennoch vieles schuldig. Trotz aller interessanten Ansätze, zeigt sich auch in der neuen Fassung (ohne Happy End) das Kriegsepos rund um den Unabhängigkeitskampf der Amerikaner gegen das britische Empire als langatmige und zum Teil richtig langweilige Angelegenheit.
„Powers of Ten“ (1977) sah ich zuerst im Rahmen einer Weltraum-Ausstellung und habe diesen neun Minuten langen Filmessay seitdem mehrmals betrachtet. Ein reines Vergnügen.
Gérard Corbiau mag mit „Le roi danse“ (2000) einen fehlerhaften Film vorgelegt haben, doch ist dieser einfach zu schön anzusehen und bietet großartige Darbietungen, etwa von Benoit Magimel und Tcheky Karyo, um sich zu sehr über die Mängel und Längen zu ärgern.

Le roi danse / http://mfdb.eu/rcs_auth/foto1_18.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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