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Das Jahr neigt sich seiner Halbzeit zu und so langsam ist ein Trend zu erkennen. Neben kompetenten Blockbusterwerken, die aber ebenso schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden, wie sie auf die Leinwand gehievt wurden, sind es ausgewählte Independent-Juwele wie „Before Midnight“ oder „Laurence Anyways“, die verzaubern.

Neuzugänge
Alles was bei „The Tree of Life“ funktionierte, läuft bei Terrence Malicks Melodram „To the Wonder“ irgendwie schief. Trotz des für Malick typischen Stils, bleibt die Geschichte eines Mannes (stoisch: Ben Affleck) und die Höhen und Tiefen des Beziehungslebens mit zwei Frauen (Olgy Kurylenko & Rachel McAdams) durchlebt, überraschend schal.
Womöglich der letzte Teil, vielleicht aber auch nur ein Zwischenstopp. Jedenfalls ist „Before Midnight“ der traurigste und melancholischste der drei Filme die von Jesse (Ethan Hawke) und Celine (Julie Delpy) handelt. Ihre Beziehung, ihre verlorenen Träume und Hoffnungen und der Alltagstrott werden von Richard Linklater grandios eingefangen und das Drehbuch liefert wunderbare Dialogduelle auf hohem Niveau.
Einen interessanten aber insgesamt etwas unbefriedigenden Film legt Rodney Ascher mit „Room 237“ vor. Die Ansammlung an Verschwörungstheorien und Über-Analysierungen zu Stanley Kubricks „The Shining“, sind zu Beginn aufgrund ihrer abstrusen Natur sehr humorvoll doch mit der Zeit würde man sich lieber mit den Menschen auseinander setzen die sich so sehr in diese Welt hineinsteigern.
Der Spanier Miguel Larraya liefert mit seinem Meta-Horrorfilm-Versuch „Afterparty“ ebenfalls einen unbefriedigenden Ausflug in die Horrorwelt. Die Geschichte um einen arroganten Soap-Star, der seine gerechte Strafe erhalten soll, ist nicht schlecht inszeniert aber es mangelt an originellen Ideen damit man länger hängen bleibt.
Das kanadische Regie-Wunderkinder Xavier Dolan zeigt in seinem epischen dritten Film „Laurence Anyways“ dass er kein One-Hit-Wonder ist. Die Liebesgeschichte zwischen dem Lehrer Laurence, der sich als Frau im Körper eines Mannes gefangen fühlt (Melvil Poupaud) und der sensiblen Fred (Suzanne Clemént), die ihm in jeglicher Lage beistehen will, es aber nicht immer kann, wird auf knapp 160 Minuten erzählt, dabei nutzt Dolan jeglichen Stilismus der ihm in die Finger gerät. Das ist nicht immer konsistent aber unglaublich beeindruckend.
Nachdem Bryan Singers „Superman Returns“ von Fans negativ aufgenommen wurde, war klar, dass es eines Neustarts bedurfte, um den Ur-Superhelden zu neuem filmischen Leben zu erwecken. „Man of Steel“ unter Regie von Zack Snyder (und Aufsicht von Christopher Nolan) erledigt seine Arbeit kompetent aber ohne große Innovationen. Manch guter Einfall (die Auswirkungen der Superkräfte auf den kindlichen Clark), sowie die Erzählstruktur mittels Rückblenden ist abgeschwächt durch endlose Showdowns, die ein schlichtes „Been-there-done-that“-Gefühl erzeugen. Dass Henry Cavill als Superman seinen Job gut erfüllt und daneben Routiniers wir Kevin Costner, Russell Crowe und Diane Lane glänzen, erhebt einen Allerweltsfilm noch knapp über das Mittelmaß des Blockbusterkinos und lässt auf bessere Fortsetzungen hoffen.
Der Zombiefilm hat endgültig den Mainstream erobert. Als unblutiges Spektakel zeigt sich die Adaption des humorvollen Romanes „World War Z“ von Marc Forster mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Ganz unterhaltsam aber dann auch nicht mehr als eine Hochglanz-Variation altbekannter Genre-Traditionen.
Roger Christian ist Oscar-Preisträger (für seine Arbeit an „Star Wars IV: A New Hope“) und Preisträger der Goldenen Himbeere für einen der schlechsten Filme, die diese Auszeichnung je erhalten mussten („Battlefield Earth“). Seine Regie-Karriere hat sich seitdem nicht mehr erholt und der auf DVD veröffentlichte, in Wien im Rahmen des Midnight Movies aber auf der großen Leinwand präsentierte Sci-Fi-Horror „Stranded“ (zu deutsch: „The Ark“) ist ein weiterer Beweis dafür, dass Mr. Christian womöglich besser in der Special Effects-Abteilung aufgehoben ist. Das völlig inkompetent zusammen gebastelte Wirrwarr an Sci-Fi-Mechanismen ist nicht nur langweilig sondern auch noch grottenschlecht und womöglich nur mit sehr viel Alkohol im Blut unterhaltsam.

Before Midnight / http://peoniesandpancakes.files.wordpress.com/2013/06/before-midnight.jpg

Nachdem ich Alexander Kluges „Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos“ sichtete, war es soweit und ich sah endlich seinen wohl berühmtesten Film: „Abschied von gestern“ (1966). Seine Schwester Alexandra spielt Anita G., die auf der Suche nach Liebe, Freiheit und beruflichem Erfolg von einer sie unterdrückenden Autorität zur nächsten stolpert. Ich bleibe weiterhin bei seinen TV-Arbeiten.
Ingmar Bergman überrascht mit der Komödie „Djävulens öga“ (1960) in welcher der Teufel Don Juan auf die Erde schickt, um eine jungfräuliche Pfarrerstochter zu verführen. Das eklig-moralische Werk ist überraschend langweilig und Spannungsarm und wohl Bergmans schwächster Film, trotz der guten Leistung von Hauptdarstellerin Bibi Andersson.
Ebenfalls langweiliger als erwartet entpuppte sich „The Evil of Frankenstein“ (1964), der dritte Film in der Frankenstein-Reihe der britischen Hammer Studios. Peter Cushing spielt routiniert den Baron Frankenstein, während Regisseur Freddie Francis vor allem durch einen schlampigen Erzählstil „glänzt“.
Zoe Saldana ist ein kommender Star in Hollywood. Als Racheengel in Olivier Megatons ambitionslosen Thriller „Colombiana“ (2011) zeigt sie sich von ihrer taffen Seite. Eine lachhaft aufbereitete Handlung mit netten Actionsequenzen aber nichts wirklich erwähnenswertes.
Musikvideo-Regisseur Antony Hoffman hat im Jahr 2000 mit dem Sci-Fi-Film „Red Planet“ seinen ersten und einzigen Hollywoodfilm präsentiert. Der etwas konfus aufbereitete Film über eine schief gegangene Marsmission, hat mit Val Kilmer, Terence Stamp und Carrie-Anne Moss ansehnliche Darsteller zu bieten, doch sind die Special Effects nicht immer geglückt und hangelt sich die Handlung von einer vorhersehbaren Etappe zur nächsten.
William Castles „House on Haunted Hill“ (1959) ist ein Klassiker des Gruselfilms. Castle baut eine wohlig-schaurige Atmosphäre auf, in der Vincent Price als Gastgeber eine feine Show abliefert. Dass mit dem Hintergrundwissen etlicher Genre-Werke, Castles Arbeit nicht länger überraschen kann, ist zwar schade aber nicht weiter bedauernswert.
Bedauernswert hingegen ist die Langeweile die „The Informers“ (2008) verbreitet. Die Bret Easton Ellis-Adaption hat mit Winona Ryder, Mickey Rourke und Billy Bob Thornton tolle Schauspielroutiniers in weniger tollen Auftritten zu bieten. Dazu gibt es Amber Heard, die knapp 80 Prozent des Filmes nackt herum läuft. Wer nun wirklich wissen möchte, worum es in diesem Film geht, ist bei mir falsch.
Ein Film der keine Langeweile aufkommen lässt, ist der knapp 10-minütige Kurzfilm „The Punisher: Dirty Laundry“ (2012), in welchem Thomas Jane erneut in die Rolle von Frank Castle schlüpft. Auch wenn Phil Joanou in seiner Inszenierung ein wenig zu zynisch verfährt, so macht es Spaß Jane bei der Arbeit zuzusehen. Cooler Typ.
Über YouTube verfügbar ist der Nazi-Propaganda-Film „Jud Süß“ (1940). Veit Harlans Machwerk verdient genau genommen keine weiteren Worte…
Orson Welles durfte mit seiner Bearbeitung des Shakespeare-Stücks „Othello“ (1952) bei den Filmfestspielen von Venedig die Goldene Palme abholen. Völlig zurecht, denn Welles weiß wie er das Stück, welches nicht immer leicht zu verfolgen ist, adäquat inszeniert. Die strenge Schwarzweiß-Optik, die Kameraaufnahmen und schließlich das tolle Spiel des Egomanen Welles. Ein Genuss…auch wenn er als Falstaff noch besser war.
Ebenfalls die Goldene Palme sowie zwei Oscars konnte Claude Lelouch für sein avantgardistisch angehauchtes Liebesdrama „Un homme et une femme“ (1966) einheimsen. Die grundsätzlich simple Geschichte eines Mannes (Jean-Louis Trintignat) und einer Frau (Annouk Aimée), die sich langsam näher kommen, ist von Lelouch sehr sensibel inszeniert, doch der Mangel an „Plot“ lässt den Film immer still stehen und den Zuseher nach „mehr“ verlangen.
Ethan Hawke konnte ich in diesem Monat bereits drei Mal als Jesse betrachten, ehe ich seine erste Kollaboration mit James DeMonaco sichtete. „Staten Island“ (2009) ist das ambitionierte Debüt des Drehbuchautoren DeMonaco, der drei Geschichten ineinander verwebt und dabei nur selten den richtigen Ton trifft. Zwar fühlen sich Vincent D’Onofrio als Mafiaboss, Ethan Hawke als liebenswerter Verlierer und Seymour Cassel als taubstummer Mann in ihren Rollen sehr wohl, doch sind die Geschichten zu klischeebeladen und vorhersehbar, als dass sie wirklich fesseln könnten.
„Nude Nuns with Big Guns“ (2010). Der Titel dieses Filmesist dann auch schon sein ganzes Kapital. Joseph Guzman versucht einen Film á la Robert Rodriguez zu kreieren (und nutzt dabei auch eine Variation des „Planet Terror“-Themas), doch fehlt ihm der Charme und der Humor. Stattdessen gibt es billige Gewaltszenen, billige Nacktszenen und billige Emotionalisierung durch Mord und Vergewaltigung. Somit funktioniert der Film auf einem sehr niedrigem Niveau doch bei diesem Titel, durfte man auf mehr hoffen.
Das Remake des Achtzigerjahre-Kultfilms „Maniac“ (2012) mit Elijah Wood in der Hauptrolle des irren Serienmörders, ist aufgrund des Kniffs die gesamte Handlung durch die Augen des Mörders zu erzählen und des gewitzten Castings von Wood äußerst gelungen. Natürlich gibt es so manche Länge aber die intensiven Gewaltszenen und das gute Spiel des Hauptdarstellers machen dies wieder wett.
Ebenfalls um Mord und Totschlag geht es in dem ungarischen Film „Hukkle“ (2002) von György Pálfi. Der so gut wie ohne Dialog auskommende Film reiht skurrile Bilder an skurrile Bilder und fasziniert aufgrund seiner Machart. Die Handlung bleibt – leider – sekundär. An den anderen ungarischen Meister Bela Tarr kommt Pálfi noch nicht heran.
Nacho Vigalondo beeindruckte mich bereits mit seinem Kurzfilm „7:35 de la manana“ und mit dem Zeitreise-Thriller „Los cronocrímenes“ überrascht er mit der verworrenen Geschichte von Héctor (Karra Elejalde), der durch die Zeit reist und im Endeffekt gegen sich selbst oder zwei oder vielleicht drei Versionen ankämpfen muss, um seine Frau und sich selbst zu retten. Sehr humorvoll.
Weniger humorvoll und eher bemüht war Ralph Bakshis „Fritz the Cat“ (1972) nach den Comics von Robert Crumb. Oft bleibt Bakshi nah an der Vorlage heran und ändert diese dann doch in entscheidenden Momenten, was dem Charakter von Fritz ein wenig die Schärfe nimmt. Zudem funktioniert der unmoralische Kater in Schwarzweiß besser denn in Farbe.
Alex Gibney versucht sich mit seinem neuesten Dokumentarfilm „We Steal Secrets: The Story of WikiLeaks“ (2013) an einem psychologischem Profil über den berühmten Internet-Aufdecker Julian Assange sowie dessen Zulieferer Bradley Manning. Wäre er dabei geblieben, wäre der WikiLeaks-Film ein herausragendes Werk. Vor allem zu Bradley Manning gäbe es noch viel mehr zu erzählen, doch stattdessen ist es dann nur eine Nacherzählung bekannter Ereignisse. Ein wenig uninspiriert.
Pawel Pawlikowski irritiert in „La femme du Vème“ (2012) mit Ethan Hawke und Kristin Scott Thomas in den Hauptrollen. Hawke brilliert als Literaturprofessor dessen Familienleben kriselt und der sich mit einem Job beim undurchsichtigen Sezer (Samir Guesmi) durchschlagen muss. Dabei schlägt die Handlung immer wieder überraschende Haken. Das ist nicht immer logisch oder durchschaubar aber immerhin spannend.
Ebenso undurchschaubar ist Shane Carruths Debüt „Primer“ (2004). Der Sci-Fi-Film behandelt das Geheimnis der Erfindung zweier Techniker, die erst langsam dahinter kommen dass es sich um eine Zeitmaschine handelt. Im Kern dem ungleich unterhaltsameren „Los cronocrímenes“ sehr ähnlich, verwirrt Carruth mit Fachbegriffen und endlosen Dialogen.
Steven Soderberghs Biopic „Behind the Candelabra“ (2013) hingegen ist recht geradlinig und baut auf den großartigen Leistungen von Michael Douglas als Liberace und Matt Damon als seinem Toyboy. Soderbergh inszeniert dies mit sehr viel Verve, Stil und Humor. Ein leuchtendes Werk in Soderberghs imposanter Filmografie.
In memoriam James Gandolfini, betrachtete ich das Thriller-Remake „The Taking of Pelham 123“ (2009). Der mittlerweile verstorbene Tony Scott inszeniert in seinem üblichen Stil die Geiselnahme eines U-Bahn-Zuges. Denzel Washington als Mitarbeiter der U-Bahn ist souverän wie üblich, während John Travolta als Gangster zu Overacting-Hochform aufläuft. Gandolfini darf als Bürgermeister von New York einige starke Momente durchleben doch im Großen und Ganzen ist es kein sonderlich beeindruckender Film.
Viel schwächer hingegen ist „Snow White and the Huntsman“ (2012) von Rupert Sanders. Stilistisch an Ridley Scotts furchtbaren „Robin Hood“ angelehnt, erzählt Sanders in eindrucksvoll-langweiligen Szenerien von Schneewittchen (öde: Kristen Stewart), dem Jäger (warum auch immer als Australier angelegt: Chris Hemsworth) und der bösen Königin (einzig beeindruckende Leistung: Charlize Theron). Dank der (rein britisch besetzten) Zwerge und einiger toller Effekte ein klein wenig unterhaltsam.
Noch enttäuschender zeigte sich Andrew Niccols „In Time“ (2011), welches er selbst als Bastard von „Gattaca“ beschrieb. So kann man es auch bezeichnen wenn man die guten Ideen, eines tollen Filmes recycelt und schließlich nur einen lauwarmen Aufguss kreiert.
Victor Flemyng gilt aufgrund „Gone with the Wind“ als Regie-Legende. Dass er zumindest einen Sinn für imposante Szenerien hatte, zeigt sich in dem bombastisch-lustlosen „Joan of Arc“ (1948), welcher nur aus dem einzigen Grund existiert, damit Ingrid Bergman einen Oscar bekommen sollte. Die Nominierung gab es, doch gerade sie enttäuscht in einigen Schlüsselmomenten und so bleiben die zwar etwas angestaubt wirkenden aber doch wieder mit Retrocharme versehenen Kulissen des alten Hollywood, um diesen Film zu retten.
István Szabó hat mit „Mephisto“ (1981) sein Meisterwerk vorgelegt. Der ungarische Regisseur inszenierte die ebenso tragische wie universelle Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen als Typus des Mitläufers, der im Zuge der Nazi-Herrschaft, nur den eigenen Vorteil im Auge behielt und so zum Mittäter wurde. Klaus Maria Brandauer liefert eine unglaublich einnehmende Darbietung und war danach nie wieder besser. Zuweilen ein wenig langatmig und nicht immer mit den besten Dialogen versehen, fasziniert Szabós Darstellung der Nazizeit.
Sidney Lumets glänzend besetzte Verfilmung von Agatha Christies „Murder on the Orient Express“ (1974) erlaubt sich keinen Milimeter Freiheit und bleibt sehr nah an der Vorlage. Dies ist sehr schön für die Darsteller (speziell Albert Finney fasziniert mit seiner Interpretation des Hercule Poirot) aber führt zu eher theaterhaften Dialogmarathons, die von Lumet recht statisch in Szene gesetzt wurden. Ein unterhaltsamer aber eher auf die Darsteller fokussierter Film, der mehr davon zeugt, wie unterhaltsam doch das Buch zu lesen ist.

Mephisto / http://filmfanatic.org/reviews/wp-content/uploads/2007/02/Mephisto-Brandauer.jpg

The 1001 Project
Orson Welles und William Shakespeare. Eine hervorragende Kombination. Als Falstaff ist Welles in der Rolle seines Lebens zu sehen. Mit „Chimes at Midnight“ (1965), liefert er eine Adaption der beiden Teile des Stückes „Henry IV.“ und schließlich „Henry V.“. Darin zeigt Welles nicht nur eine äußerst inspirierende Adaption der Shakespeare-Stücke, sondern auch noch eine in ihrer Absurdität großartige Schlachtsequenz und schließlich eine hervorragende Leistung als Sir John Falstaff.
Peter Watkins‘ Mockumentary „The War Game“ (1965) ist die erste und einzige Arbeit die als Bester Dokumentarfilm mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, die im Grunde eine Fiktion ist und „nur“ die möglichen Folgen eines Atomkrieges erzählt. Die Eindringlichkeit mit der dies Watkins schafft ist beeindruckend und geradezu erschütternd. Ein Film den man gesehen haben muss.
John Cassavetes ist der Säulenheilige des Independent-Film und sein Thriller „The Killing of a Chinese Bookie“ (1976) ist eine gekonnte Abrechnung mit dieser Rolle, wie auch mit dem System „Hollywood“. Ben Gazzara glänzt als Stripclub-Besitzer Cosmo, der einen chinesischen Buchmacher ermorden soll. Doch im Grunde erzählt Cassavetes von der Stripclub-Familie, welche Cosmo zu schützen gedenkt, indem er eine Tat begeht vor der er sich mit allen Kräften drückt.
Eines der Vorbilder für das wunderbare „Before Midnight“ ist Robert Rossellinis „Viaggio in Italia“ (1954), in welchem Rossellini ein distinguiertes Ehepaar am Rande des Zusammenbruchs und des Selbsthasses durch Italien reist und vor dem Hintergrund der Ruinen alter römischer Kultur zur Zerfleischung ansetzt. Ein intelligenter und den Magen umdrehender Film, der die Desillusionierung einer langen Beziehung hervorragend analyisert. Wenngleich mir aus nostalgischen Gründen Jesse und Celine doch näher stehen.

Chimes at Midnight / http://pixhost.me/avaxhome/04/57/00145704_medium.jpeg

Re-Visited
Richard Linklater hat mit „Before Sunrise“ (1994) den Startschuss zu einer eindrucksvollen Romanze produziert, in der Ethan Hawke als Jesse und Julie Delpy als Celine sich in einer Nacht in Wien näher kommen. Heute noch fasziniert der naive Grundton, wenngleich die pseudo-intellektuellen Dialoge eher Antipathie erwecken. Doch muss man nicht bedingungslos an diesem Paar hängen, um ihre sich entwickelnde Beziehung spannend, humorvoll und charmant zu finden. Noch eine Spur besser gefällt mir die Fortsetzung „Before Sunset“ (2004), in welcher in Echtzeit das zufällige Zusammentreffen nach neun Jahren aufgearbeitet wird. Durch Paris schlendernd, über Liebe, Beziehungen und sich ändernde Lebensmaxime sprechend, entwickelt sich einer der schönsten Liebesfilme den ich kenne. Nicht von der Naivität des ersten Filmes geprägt, sondern von einer etwas weiseren Sicht der Dinge.
Immer wieder ein Genuss ist auch Stanley Kubricks „The Shining“ (1980). Der bei seiner Premiere von Kritikern zwiespältig aufgenommene, von Stephen King gehasste und vom Publikum gefeierte Horrorfilm, zeigt Kubrick in Bestform. Jack Nicholson irrlichtert durch ein Hotel, dessen Grauen Kubrick zwar nie ganz erfasst, dafür aber die Mechanismen des Horrorfilms umso konsequente decodiert.
Angesichts des Kinostarts von „Man of Steel“ war es notwendig einige Vorgängerwerke erneut zu sichten. „Superman“ (1978) von Richard Donner ist ein heute noch sehr unterhaltsamer Sci-Fi-Film, der vor allem aufgrund der ironischen Performance Christopher Reeves und dem Donners Sinn für Verspieltheit funktioniert. Da können die Effekte noch so angestaubt wirken und die Handlungslöcher so riesig sein. Dieser Superman macht viel mehr Spaß denn „Man of Steel“.
Noch viel mehr gilt dies für den nicht ganz so intelligenten aber noch humorvolleren „Superman II“ (1980) von Richard Lester. Terence Stamp als General Zod, Gene Hackman in Comedy-Hochform als Lex Luthor sowie Reeve und Kidder erneut in Bestform. Dies alles untermalt von Lesters guter Inszenierung, die trotz allen Humors, mehr Sinn für die Zerstörung und Gefahren der Kämpfe zwischen Zod und Superman hat, denn „Man of Steel“. Erneut ein Punktesieg für den Reeve-Superman. Noch viel besser jedoch ist der Richard Donner-Cut von „Superman II“, der 2006 im Zuge der Veröffentlichung des äußerst enttäuschenden „Superman Returns“ von Bryan Singer präsentiert wurde. Auch wenn der Donner-Cut nicht mehr als ein aufpolierter Rough Cut ist, so zeigt sich hierin die ganze Bandbreite des Superman-Universums, mit aller Komik und Tragik. Die Singer-Version hingegen langweilt und bleibt – außer bei Kevin Spaceys Darstellung von Lex Luthor – distanziert.

Before Sunset / http://daily.greencine.com/archives/before-sunset-big.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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