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Wenn mich der Juli etwas gelehrt hat, dann dass ich mich auf John Cassavetes verlassen kann. Zumindest wenn man von „Gloria“ absieht, doch seine Filme waren das Highlight dieses Monats, welches geprägt war von Kino-Besuchen die kaum im Gedächtnis haften blieben. Das Heimkino hat einen klaren Punktesieg davon getragen.

Neuzugänge
Derek Cianfrance hat mit „Blue Valentine“ einen Independent-Hit geschaffen, der für Hauptdarstellerin Michelle Williams immerhin eine Oscar-Nominierung nach sich zog. Umso gespannter konnte man auf den Nachfolgefilm „The Place Beyond the Pines“ sein. Mit Ryan Gosling als kriminellem Motorradstuntfahrer und Bradley Cooper als eifrigem Polizisten hat Cianfrance zwei ambitionierte Darsteller in den Hauptrollen. Sein moralisches Lehrstück über Vater-Sohn-Beziehungen ist ambitioniert, besticht durch seinen Stilwillen und hat mit Gosling und Ben Mendelsohn ein tolles Duo, welches das erste Drittel prägt. Danach zerfällt das Werk und wird zudem konfus erzählt.
James DeMonaco muss man eines lassen: Er zieht sein Ding durch. Der Low-Budget-Sci-Fi-Horror „The Purge“ erzählt mit einfachsten Mitteln von einer Zukunft, in der Verbrechen für 12 Stunden legal sind. Genau in diesem Zeitraum siedelt DeMonaco seinen schließlich zum Home-Invasion-Thriller mutierenden Film an. Ethan Hawke und Lena Headey müssen sich nicht großartig bemühen und überzeugen dennoch. Manch erschreckendes Zukunftsbild wird durch die simple Horrorauflösung stark abgeschwächt. Eine vergebene Chance.
Pedro Almodóvar ist Spaniens bekanntester Filmemacher der Gegenwart. In den letzten Jahren begann sich sein Filmverständnis ein wenig abzuwetzen. In hochambitionierten und deshalb umso anstrengenderen Werken wie „La mala educación“ (2004) oder „Los abrazos rotos“ (2009) fanden sich vor allem die guten Ansätze. Dazwischen folgte immer wieder ein neues Meisterwerk und so bleibt zu hoffen, dass nach dem auffällig banalem Sexklamauk „Los amantes pasajeros“ nun wieder mit einem faszinierend gutem Film zu rechnen sein wird. Die Geschichte um ein Flugzeug, welches über Toledo kreist und einer Notlandung entgegenfiebert, ist in der Theorie der perfekte Ausgangspunkt für eine Gesellschaftssatire, in der Almodóvar, niemanden ungeschoren davon kommen lässt. In der Praxis folgt auf einen bemühten Witz der nächste und außer einer amüsanten Musical-Einlage, bleiben nur noch die fröhlich kopulierenden Gäste und Besatzungsmitglieder in Erinnerung. Ein missglückter Almodóvar.
Viel unterhaltsamer, obwohl mit einer furchtbar unlogischen und aufgeblasenen Handlung versehen, ist Louis Leterriers Magier-Action „Now You See Me“. Eine wunderbare Besetzung (Jesse Eisenberg, Isla Fisher, Woody Harrelson, Dave Franco, Michael Caine und Morgan Freeman) wird von der Chemie der beiden ermittelnden Polizisten Mark Ruffalo und Melanie Laurent gekrönt. Vor allem Ruffalo sorgt mit herbem Charme dafür, dass die völlig unlogischen Sequenzen wie im Flug am Zuseher vorbei ziehen und unterhaltsam bleiben. Spaßiges Sommerkino.
Das Regie-Duo Abe Levy und Silver Tree bedient sich bei seinem überraschend unterhaltsamen Drama „Deep Dark Canyon“ großzügig beim Klassiker „Butch Cassidy and the Sundance Kid“, was allerdings weniger stört denn angenommen. Ted Levine gibt als Sherrif und Vater in Nöten, der seine beiden flüchtigen Söhne vor den Gewehrläufen eines verfeindenten Clans und der Exekutive schützen muss, eine gute Vorstellung. Kein besonderes Filmhighlight aber ein durchaus unterhaltsamer Krimi.
Dasselbe Urteil lässt sich über Brad Andersons „The Call“ fällen. Abigail Bresling spielt die Teenagerin die entführt wird und Halle Berry die emotional gezeichnete Notruf-Mitarbeitern, die während der Entführung alles in ihrer Macht stehende tut, um sie zu retten. Neben einem Gastauftritt von Michael Imperioli ist es vor allem das kompakt und rasant inszenierte zweite Drittel, welches dem Film seine Spannung verleiht. Das allerdings scheinbar aus einem völlig anderem Film stammende Finale, ruiniert den positiven Gesamteindruck nachhaltig.
Die Kombination Ryan Gosling und Nicolas Winding Refn hat in „Drive“ (2011) hervorragend funktioniert, doch im überstilisierten „Only God Forgives“ überschlagen sich die Ambitionen Refns, während Gosling reine körperliche Anwesenheit verströmt. Im Vergleich zum stilistisch ähnlich gelagerten „Valhalla Rising“ (2009), fehlen Refn in seinem in Thailand angesiedelten Rache-Thriller Charme und überraschenderweise Stilwillen. Denn außer kitschigem Bombast zeigt sich in „Only God Forgives“ wenig.
Bombast liefert auch Guillermo del Toro in „Pacific Rim“. Damit ist er auch schwer beschäftigt, denn die Handlung wurde aus Versatzstücken von „Independence Day“ und „Top Gun“ zusammen geklaut. Die Actionsequenzen machen zwar Spaß aber nicht so viel, dass man die unsinnige Handlung und die nicht ausbalancierte Tonart des Sci-Fi-Spektakels vergessen könnte.
Unsinnig aber auch humorvoll ist die Horrorkomödie „Strippers vs Werewolves“ (2012) von Jonathan Glendening. Der Kampf zwischen einer Bar voller Stripperinnen und einer Gruppe von Werwölfen ist nicht osnderlich originell aber humorvoll umgesetzt.
Voller guter Vorsätze sind die jüngsten Filme von Robert Redford. Ob „Lions for Lambs“ (2007) oder „The Conspirator“ (2010) so auch sein jüngstes Regie-Werk „The Company You Keep“. Ein beeindruckendes Ensemble – angeführt von Redford und einem sich als seriösen Charakterdarsteller positionierenden Shia LaBeouf – führt durch eine Handlung, die oberflächlich von der anarchischen Terrorgruppe „Weather Underground“ handelt und am Ende sich als durchschnittlicher Thriller rund um Verantwortung und Sünden der Vergangenheit entpuppt. Doch statt dies auszuarbeiten, wie etwa Christian Petzold in „Die innere Sicherheit“, begnügt sich Redford mit einigen Seitenhieben gegen die New Media-Gesellschaft und lässt seine Darstellerriege mal mehr (Richard Jenkins, Susan Sarandon) und mal weniger motiviert (Brendan Gleeson, Stanley Tucci) agieren.

Deep Dark Canyon / http://www.qwipster.net/deepdarkcanyon.jpg

John Cassavetes-Festspiele zu Beginn des Monats. In seinem Diven-Drama „Opening Night“ (1977) fasziniert Gena Rowlands als am Randes Nervenzusammenbruchs stehende Schauspielerin, die mit dem Unfalltod eines glühenden Fans nicht zurecht kommt. Ihre wechselhaften Stimmungen gefährden das Theaterstück in welchem sie auftritt. Rowland dominiert das Geschehen aber Cassavetes weiß das Ensemble rund um ihre tolle Leistung herum grandios einzusetzen. Noch eine Spur besser ist seine Komödie „Husbands“ (1970), in welcher Ben Gazzara, Peter Falk und Cassavetes zunächst um ihren verstorbenen Freund trauern und danach auf eine Odyssey losziehen, in der sie ihre Frauen betrügen und sich wie große Kinder benehmen. Das klingt banal, ist aber hervorragend gespielt und wunderbar inszeniert.
Im Rahmen des Sommerkinos am Karlsplatz, konnte Robert Floreys sehr freie Adaption der Edgar Allan Poe-Kurzgeschichte „Murders in the Rue Morgue“ (1932) betrachtet werden. Bela Lugosi spielt routiniert einen verrückten Wissenschaftler, mit dem wunderbaren Namen Doktor Mirakel. Ansonsten herrscht 30er-Jahre-Langeweile, die nur durch unfreiwillige Komik und Lugosis beherrschte Darbietung durchbrochen wird.
Oscar-Preisträgerin Jane Campion ist immer noch für ihren mittlerweile 20 Jahre alten Film „The Piano“ am bekanntesten. Nun meldet sie sich mit einer neuseeländischen Version der Mini-Series zurück. In „Top of the Lake“ lässt sie Elisabeth Moss in ihre Heimatstadt zurückkehren und das Verschwinden eines 12 Jahre alten Mädchens untersuchen. Dabei kreuzt sie die Wege des lokalen Gangsterbosses Matt (ein großartiger Peter Mullan) sowie der Kommunenführerin GJ (souverän: Holly Hunter). Campion präsentiert großartige Landschaftsaufnahmen, eine verführerische Atmosphäre und einen Hauch Twin Peaks. Ein Thriller der sich ebenso mit den gesellschaftlichen Zuständen ihres Heimatlandes auseinander setzt, wie mit der oberflächlichen Handlung.
Bruce Campbell ist eine B-Movie-Legende. Sein Regiedebüt „Man with the Screaming Brain“ nimmt sich allerdings wie ein sehr schwacher Aufguss des Achtzigerjahrefilms „All of Me“ (mit Steve Martin und Lily Tomlin) aus. Nur mit schlechteren Witzen und viel schlechteren Dialogen. Leider keine Großtat von Campbell.
Derek Ciafrance begann seine Karriere mit einer Reihe von Kurzfilmen, einer davon ist der auf Vimeo verfügbare „Lately There Have Been Many Misunderstandings in the Zimmerman Home“ (2006), für welchen er den Chrysler-Preis erhielt. Selbstredend steht ein Fahrzeug von Chrysler im Mittelpunkt eines Familienstreits, der sich durch das Auto scheinbar auflöst. Doch eben nur scheinbar. Zwar ist das kurzweilige Geschehen sehr vorhersehbar und nicht jeder Gag zündet, doch zeigt Ciafrance bereits hier sein Händchen für Musik-Bild-Kompositionen und setzte hier einen hervorragenden Off-Sprecher ein, der dem Geschehen die nötige märchenhafte Atmosphäre verleiht.
Im Rahmen des Kino unter Sternen-Sommerkinos am Karlsplatz, hatte ich endlich die Gelegenheit Kurt Steinwendners „Der Rabe“ (1951). Die Adaption des Gedichtes von Edgar Allan Poe gilt als erster österreichischer Avantgardefilm und ist aus historischen Gründen hoch interessant. Doch haben sich so einige Mechanismen dieses Filmes mit der Zeit überholt und so verliert der – zu seiner Zeit bahnbrechende – Avantgardefilm leider einiges von seiner Wirkung.
Mit dem Goldenen Löwen von Venedig ausgezeichnet und somit auch seinen Platz in der Filmhistorie gesichert, hat sich „Sanxia haoren“ (2006) von Zhangke Jia. Die Geschichte um den Bau des Drei-Schluchten-Damms und wie er die Schicksale der Bewohner beeinflusst, ist gediegen inszeniert, bietet einige eindrucksvolle Bilder und verfügt über manch ansehnliche darstellerische Leistung. Dennoch. So wirklich warm wurde ich mit diesem Film nicht.
Louis Malles „Black Moon“ (1975) ist ein märchenhafter Ausflug in eine Welt, in der ein Krieg zwischen Männern und Frauen herrscht. Lily (Cathryn Harrison) versucht aus diesem Konflikt zu flüchten und landet auf einem Landgut. Die Vorgänge dort sind am besten mit „willkürlich aneinandergereihte Vorgänge“ zu beschreiben. Was Malle dem Publikum damit sagen wollte, ist mir verborgen geblieben.
Keinerlei Botschaft vermittelt das Trash-Spektakel „Sharknado“ von Anthony C. Ferrante. Im Auftrag des SyFy-Channels, begeben sich unter anderem Iain Ziering, Tara Reid und John Heard in den Kampf gegen Haie, die durch merhere Tornados über Los Angeles verstreut werden. Ein mit viel Spaß inszeniertes B-Movie welches alle Zutaten für einen Kultklassiker hat.
Ein Film wie „Burn Hollywood, Burn“ (1998) ist einer jener Fälle, in welchen man sich schlicht der Folter aussetzen lassen muss, um wirklich zu glauben, dass es derart inkompetent gemachtes Kino gibt. Die Menge an talentierten Menschen, die sich rund um Regisseur Arthur Hiller und Autor Joe Eszterhas formiert hat, lässt es kaum glaubhaft erscheinen, was man zu sehen bekommt. Mitleid erweckt vor allem Eric Idle in der Titelrolle als Regisseur Alan Smithee, der seinen Namen nicht vom fertigen Film entfernen kann da das Pseudonym exakt sein Name ist. Die Idee daraus eine Hollywood-Insider-Satire zu machen ist ja schön und gut, doch die Ausführung spottet jeder Beschreibung. Ein schrecklicher Film.
Da erscheint ein eher schlampig inszenierter und geschriebener Film wie „The Watch“ (2012) schon wieder urkomisch. Ben Stiller, Vince Vaughn (beide im Autopilot) sowie Jonah Hill und Richard Ayoade (beide mit wesentlich mehr Einsatz als das Material verdient) bilden nach dem Mord an einem Sicherheitsmitarbeiter, eine Bürgerwehr und stolpern dabei über eine Invasion von außerirdischen Lebewesen. Was folgt ist eine unausbalancierte Mischung aus derben Gags und manch blutigem Special Effect. Zumindest Hill und Ayoade sorgen für manchen Lacher.
Wenig zu Lachen gibt es in Ulrich Seidls filmischem Beichtstuhl „Jesus, du weisst“ (2005). Man mag zunächst über das Ausmaß an Gottglaube schmunzeln, doch die innigen Gespräche, die die Betenden mit einem nicht antwortenden Partner führen, sind – eingefangen in ihrer filmischen Schlichtheit – zuweilen berührend.
Ebenfalls schlicht eingefangen ist Chris Hegedus & D.A. Pennebakers politische „Hinter den Kulissen“-Dokumentarfilm „The War Room“ (1993). Auf den Spuren der Bill Clinton-Präsidentschaftskandidatur gibt es interessante Eindrücke von der Arbeit, die in einen politischen Kampf in den USA gesteckt wird. Filmisch bleibt Pennebaker mit Regie-Partner Hegedus bei seinem seit „Don’t Look Back“ (1967) etablierten Stil.
Jacques Audiards Thriller-Remake „De battre mon coeur s’est arreté“ (2005) – basierend auf James Tobacks „Finger“ (1978) – zeigt Romain Duris in einer Traumrolle als zwischen Verbrechen und Kunst hin und her gerissener junger Mann, dessen Leben durch den übermächtigen Vater beeinträchtigt wird. Audiard vermengt, wie später bei den noch besseren Werken „Un prophete“ (2009) und „De rouille et d’os“ (2012) Genre-Methoden aus dem Thriller und dem Melodram zu einer eigenen Mischung.
Die erst nach seinem Tod in aller Vollständigkeit publizierte Novelle „Billy Budd“ von Herman Melville wurde beinahe ebenso oft verfilmt oder adaptiert, wie sein Hauptwerk „Moby Dick“. Peter Ustinov adaptierte seine Filmversion auf Basis eines Theaterstücks von Louis O. Coxe und Robert H. Chapman und selbst ohne dieses Hintergrundwissen, ist der theaterhafte Zugang mehr als überdeutlich zu erkennen. Ustinov bietet in seinem „Billy Budd“ (1962) dem herausragenden Ensemble (neben Ustinov etwa John Neville, Melvyn Douglas und Robert Ryan auch noch in seinem Debut Terence Stamp) eine Spielwiese um die geschliffenen Dialoge darzubieten. Vor allem der junge Terence Stamp zeigt deutlich das naive Wesen von Billy und fasziniert. Im Vergleich zu mutigeren Adaptionen wie etwa Claire Denis‘ Meisterwerk „Beau travail“ (1999) nimmt sich Ustinovs Version allerdings etwas zahm aus.
„Gloria“ (1980) ist der seltene Versuch von John Cassavetes, einen kommerziellen Film zu drehen. Deshalb sollte er eigentlich auch nur das Drehbuch liefern und landete schlußendlich doch wieder am Regiestuhl. Die Mischung aus Cassavetes-Indie-Merkmalen und dem kommerziellen Anstrich, funktioniert leider nicht. Einzig die famos aufspielende Gena Rowlands vermag sich über das eher bescheidene Material zu erheben.
Der Comic „Black Hole“ von Charles Burns gilt seit Jahren als Kandidat für eine Realverfilmung. 2010 versuchte sich Rupert Sanders mit einem Kurzfilm daran und wollte damit beweisen, dass er dies schaffen könnte. Weshalb nach seinem gut gemachten Kurzfilm kein Studio den Film finanzieren wollte, liegt wohl am großen Anteil von Body Horror, den Sanders in bester Cronenberg-Manier einzufangen versteht. Aufgrund seiner Kürze und des Anspruchs ein Werbevideo für ein Hollywood-Studio zu sein, zwar kaum mit Geschichte „belastet“ aber dafür äußerst stimmungsvoll umgesetzt.
Stimmungsvoll ist auch das beeindruckende „Werckmeister harmóniák“ (2000) von Belá Tarr. Der ungarische Meister zeigt einen Ort, wie aus der Zeit gefallen, fasziniert von einem Zirkus und dem dort ausgestellten riesigen Wal. Lars Rudolph ist großartig in der Hauptrolle und während man sich von der Stimmung gefangen nehmen lässt, wähnt man sich in feinster David-Lynch-Kost.
Während sein neuer Film „Only God Forgives“ mich nicht überzeugen konnte, ist „Bronson“ (2008) ein Tipp für alle Filmfreunde. Wie sich Tom Hardy in die Rolle des brutalen Häftlings Michael Peterson (der sich selbst Charles Bronson nennt) hinein versetzt, ist atemberaubend.
Atemberaubend aber von völlig anderer Intensität ist das senegalische Werk „Touki Bouki“ (1973). Der regelmäßig in Aufzählungen von großen Filmemachern aufscheinende Film von Djibril Diop Mambéty ist ein Beispiel für den typisch afrikanischen Film (in all seiner Gediegenheit was Erzählrhythmus angeht), der sich als Vertreter einer eigenen Nouvelle Vague versteht. Humorvoll, flirrend vor lustigen Einfällen und völlig wirr in seiner Handlung. Eine Entdeckung.
Don Bluth hat mit „An American Tail“ (1986) und „The Land Before Time“ (1988) Animationsklassiker erschaffen, doch je älter er wurde, desto unansehnlicher wurden die Werke. So übernahm er sich – in Zusammenarbeit mit Gary Goldman – bei der Arbeit an dem Sci-Fi-Abenteuer „Titan A.E.“ (2000) ordentlich. Die episch angelegte Saga rund um die Suche der Menschen nach einer neuen Heimat erinnert in manchen Motiven geradezu schmerzhaft an Waterworld und während einige Sequenzen vor Ideen geradezu übergehen, bleiben die Charaktere eher nervig denn amüsant und die Handlung bietet vorhersehbare Twists, die dann beinahe den letzten Nerv ziehen.
Der billig produzierte Werwolf-Horror „The Beast Must Die“ (1974) von Paul Annett ist eine überraschend humorvolle Vermengung von Kriminalspiel und Horror. Auf einem Anwesen versammelt, soll der Zuseher mitraten und rätseln, wer denn die monströse Kreatur ist und bis zum Ende macht es Spaß, sich der Rätselei hinzugeben.
Fellinis Werk ist ohne das Wort „Exzess“ kaum zu beschreiben und so ist seine Adaption der Lebensgeschichte des großen Verführers und Lebemanns „Casanova“ (1976) natürlich auch nicht ohne allerlei exzessive Betrachtungen und Ausschweifungen zu haben. Doch während Donald Sutherland in dem wunderschön anzusehenden Setting glänzt, wirkt Fellini diesmal merkwürdig ziellos. Ein Fest für die Augen, dem ein wenig mehr Fokus auf die Zeit des Casanova im Kerker vielleicht besser getan hätte.
Geradezu eingekerkert ist die großartige Martina Gedeck in Julian Pölslers „Die Wand“ (2012) nach dem Roman von Marlen Haushofer. Eingeschlossen im wunderschön anzusehenden oberösterreichischen Bergpanorama, sind sowohl Kamera- als auch Tonarbeit herausragend, doch Pölsler zieht in zu lang verweilenden Totalen auf eben diesen Panoramen, dem Zuseher mit der Zeit den Nerv und wenn er dramatische Sequenzen auch noch mit kitschig-klassischer Musik unterlegt, dann hat der Film leider „nur“ das Prädikat „Gut“ verdient.
Wo Pölsler scheinbar zu wenige Ideen hatte und zu eintönig blieb, da ist Ben Wheatley – Englands Regie-Shootingstar – zu überdreht. Die Geschichte von Soldaten, die von einem Schlachtfeld der Cromwell’schen Kriege flüchten und dabei über allerlei menschliche Abgründe und vor allem ein paar Mushrooms stolpern, ist vollgestopft mit visuellen Spielereien und eindrucksvollen Sequenzen. Die Handlung von „A Field in England“ (2013)? Völlig undurchsichtig. Das Gestammel der Schauspieler ist, wie auch ihr Spiel, kaum richtig einzuordnen und so bleibt ein Trip in Schwarzweiß, der so vor sich hin plätschert.
Benjamin Heisenbergs „Der Räuber“ (2010) ist eine faszinierend kühle und distanzierte Betrachtung des kriminellen Daseins eines Mannes, der sich zugleich auch als Marathonläufer einen Namen macht. Weshalb der sehr eindringlich von Andreas Lust dargestellte Johann Rettenberger (basierend auf dem Fall des Johann Kastenberger) sich überhaupt zu Banküberfällen hinreißen lässt, bleibt unklar. Seine ganze Motivation bleibt ein Rätsel, ebenso wie seine Beziehung zu Erika (Franziska Weisz). Einzig seine immer offensichtlicher werdenden Aggressionen gegen seinen Bewährungsbeamten (überraschend einnehmen: Markus Schleinzer) sind deutlich zu erkennen. Heisenberg bleibt bei seiner Inszenierung nur in Grundzügen innerhalb von Genre-Konventionen und liefert eine kühle Studie, die aber ebenso als klassischer Thriller funktioniert. Mit einem Anti-Helden wie aus einem Film-Noir.

Touki Bouki / http://s3.amazonaws.com/auteurs_production/images/film/touki-bouki/w448/touki-bouki.jpg?1317412085

The 1001 Project
Lars von Trier ist es gewohnt sein Publikum zu schockieren. Die Rolle des Provokateurs liegt ihm und so überrascht es auch nicht, dass sein Dogma-Beitrag „Idioterne“ (1998) das Publikum durch die sehr freizügig inszenierte Geschichte einer Studenten-„Kommune“, die sich als geistig behindert ausgibt, aufwühlt. Dabei überschreiten die Charaktere immer wieder die Grenzen der Normalität und entblößen auch die scheinheiligen Moralvorstellungen unserer Gesellschaft. Ein großartiger Film.
Sich noch ein wenig über das hohe Niveau von Triers hebend, ist John Cassavetes mit „A Woman Under the Influence“ (1974). Sein packendes Beziehungsdrama versteht es geschickt, den Zuseher davon zu überzeugen, dass einzig Gena Rowlands die Wurzel aller Probleme ist und mit ihren Ticks und wütenden Ausfällen scheint sich diese These auch zu bewahrheiten. Wer genau hinsieht, erkennt aber auch in Peter Falks Nick deutliche Anzeichen einer Depression und eines seelischen Ungleichgewichts, welches die Familie an den Rand ihrer Kräfte drängt.
Roger Cormans „The Raven“ ist mein unübertroffener Lieblingsfilm aus seiner Werkliste, doch in die Liste der nicht zu missenden Filme, schafft es die elegantere, seriösere und luxuriösere Verfilmung von Edgar Allan Poes „The Masque of the Red Death“ (1964). Vincent Pryce ist in Hochform anzutreffen und Corman versteht dem mysteriösen Geschehen eine humorvolle Note zu verleihen, dennoch sackt das Erzähltempo nach einem interessanten Start ab und erholt sich erst zum Finale hin wieder.
Als Pedro Almodóvar mit „La piel que habito“ heraus brachte, kamen bei vielen Kritikern und Filmliebhabern, Erinnerungen an Georges Franjus „Les yeux sans visages“ (1960) auf. Endlich kann ich dies auch bestätigen und während ich Almodóvars Film hervorragend finde, ist Franjus Vision einer Familie, die ihrer entstellten Tochter ein neues Gesicht schenken möchte und zu diesem Zweck zu allem bereit ist, von einer düsteren Atmosphäre und Dringlichkeit, die Almodóvar ein wenig fehlt. Ein großartiger Film, mit beeindruckenden Effekten und überraschenden aber niemals unlogischen Wendungen in der Handlung.
Das Ehe-Drama „Faces“ (1968) von John Cassavetes, war nach seinem Durchbruch mit „Shadows“ der nächste wichtige Schritt in seiner Regiekarriere. Der unverkennbare Stil schlägt sich bei „Faces“ vor allem in famosen Darstellerleistungen nieder. Seien es die explosiveren Darbietungen von Seymour Cassel oder John Marley oder die etwas ruhigere von Lynn Carlin. Dabei rückt die Handlung in den Hintergrund und es bleibt ein interessantes Panoptikum, menschlicher Verhaltensweisen innerhalb zu Ende gehender Beziehungen.
Akira Kurosawas „Rashomon“ (1950) behandelt ebenfalls die Handlungsweisen von Menschen und die Undurchdringlichkeit von Lügen und persönlichen Wahrheiten. Dass Kurosawa dies auch noch in einen spannenden Mord- und Vergewaltigungs-Thriller verpackt, in welchem Toshiro Mifune einen seiner glänzenden Auftritte hat, steigert die Qualität dieses nur oberflächlich als Samuraifilm einzuordnenden Klassiker umso mehr.
Mit Louis Malle komme ich noch nicht so ganz klar. Nach dem träumerischen „Black Moon“ ist sein vielfach preisgekröntes Portrait von „Atlantic City“ (1980), der nächste Film, der sich verschiedener Genre-Topois annimmt und diese in einem Schwebezustand präsentiert, der es zumindest mir schwer macht, einen Zugang zum Geschehen zu finden. „Atlantic City“ ist allerdings geradliniger und bietet Burt Lancaster und Susan Sarandon in Hochform. Ein Filmjuwel, für welches ich noch nicht ganz die Wertschätzung aufbringe, die es ganz offensichtlich verdient.
…und endlich war es so weit. Federico Fellinis legendärer Filmfiebertraum „8 1/2“ (1963) wurde gesichtet. Fellini fasziniert mit seiner äußerst persönlichen Traumdarstellung. Es lässt sich kaum sagen, wie man die Motive einordnen soll, ohne sich nicht mit Fellini zu beschäftigen. Marcello Mastroianni bietet als Alter Ego eine hervorragende Darstellung und Fellini fliegt wie wild geworden durch die einzelnen Motive. Ein Beispiel für einen Filmemacher, der beinahe zu viel zu erzählen hatte und sich von diesem „Ballast“ einfach befreien musste.
Zur Zeit seiner Entstehung war „Fantasia“ (1940) nicht nur ein Flop, sondern auch einfach zu avantgardistisch. Beginnend mit der „Toccata und Fuge“-Animation nach Konzepten und Motiven des großen aber leider vergessenen Oskar Fischinger, ist „Fantasia“ mehr ein Film mit erzieherischem Gestus. Das Publikum wird derart mit der Nase auf den Sound gestoßen, dass es wohl auch besser wäre, den Großteil des Geschehens nur zu hören. Denn mit kitschigen Einfällen ist „Fantasia“ geradezu überladen. Wären da nicht die Entstehung des Universums, Mickey Mouse als Zauberlehrling oder eben die herrliche „Toccata und Fuge“-Darbietung, so müsste man „Fantasia“ heute als völlig überholt abtun.

Rashomon / http://thevoideck.files.wordpress.com/2010/12/screen-shot-2010-09-22-at-am-09-47-44.png

Die Oscar-Liste
Es ist geradezu eine Schande. Um Cecil B. DeMille offenbar doch noch seinen Oscar-Triumph zu ermöglichen, wurde sein megalomanisches Melodram „The Greatest Show on Earth“ (1952) mit den Preisen für „Best Picture“ und „Best Writing“ – ironischerweise aber nicht für „Best Director“ – bedacht. Das episodische Zirkus-Melodram versucht sich in einer Darstellung des Alltags hinter der Fassade eines Zirkus, gleitet dabei aber trotz so mancher guter Darstellerleistung (vor allem James Stewart als Clown) in Klischees ab, die vielleicht in einem Werbevideo der Fünfziger noch modern waren aber in einer Hollywood-Großproduktion einfach nur noch altbacken wirken. Bedenkt man die Konkurrenz die es gab – „The Quiet Man“, „High Noon“, „The Bad and the Beautiful“, „Viva Zapata“ und nicht zuletzt „Singin‘ in the Rain“(!!) – dann muss man sich wieder einmal die merkwürdige Logik der Academy-Politik vor Augen führen, um zu verstehen wie es zu derartigen Entscheidungen bei den Oscars kommen kann.
„The Greatest Show on Earth“ steht in einer Reihe mit verstaubten Best Picture-Gewinnern wie „The Broadway Melody“ oder „Cimarron“

Re-Visited
Immer wieder mal, zieht es mich zu Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: A Space Odyssey“ (1968). Außer dass er einer meiner Lieblingsfilme ist, kann man kaum noch etwas dazu sagen. Einfach ein wunderbares, die Zeit überdauerndes Werk.
Die Zeit überdauert hat auch Buster Keatons (und Clyde Bruckmans) „The General“ (1926). Zur Zeit seiner Entstehung wohl am ehesten als „Stummfilm-Waterworld“ zu bezeichnen, hat der damalige Kassenflop (mit exorbitantem Materialaufwand) sogar manchen Chaplin-Klassiker in seiner Wirkung überrundet und ist nicht nur aufgrund seiner technisch makellosen Inszenierung, sondern auch aufgrund des wie üblich perfekt zurückhaltenden Spiels von Keaton sowie der tollen Gags ein immer wieder fein anzusehender Film. Wenngleich mir andere Filme von und mit Keaton eher ans Herz gewachsen sind („Sherlock Jr.“ und „Our Hospitality“), so zeigt „The General“ am intensivsten was seinen Zugang zur Welt des Films ausmachte.
Wer immer an der Kunst des Roger Corman zweifelt, möge sich bitte „The Raven“ (1963) ansehen. Die äußerst humorvolle Horroradaption, die Edgar Allan Poes Gedicht nur als Ausganspunkt für einen wüsten Streit von Magiern (Vincent Pryce, Boris Karloff und Peter Lorre) dient, glänzt durch fein gesetzte Gags, haarsträubende Dialoge und herrlich outrierendes Spiel seiner Hauptdarsteller. Selbst ein junger Jack Nicholson darf sich einbringen und für eine unvergeßliche Sequenz sorgen, in der er als vom Wahnsinn befallener Mann mit der Kutsche beinahe durchgeht und dabei bereits das für Nicholson typische Grinsen aufsetzt. Ein (herrlich komischer und simpler) Genuss.
Der Episodenfilm „Peur(s) du noir“ (2007) ist ein gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener Animationskünstler. Die stilistisch ansprechenden Episoden brennen sich ins Gedächtnis, wenngleich gerade inhaltlich weniger geboten wird. Ein Film, geschaffen wie für eine Kunstgalerie…in welcher ich diesen auch erstmals zu sehen bekam.

The Raven / http://hilobrow.com/wp-content/uploads/2010/03/raven1-thumb.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt

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