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Der Kino-Sommer geht zu Ende und hatte mit „Pain & Gain“ einen Überraschungsgewinner im Kampf um den Titel „subversivster Mainstreamfilm der Saison“. Da kann sich „Elysium“ noch so intellektuell geben. Ebenfalls Überraschungshits waren Entdeckungen wie „The Intruder“ von Roger Corman oder „Mud“ von Jeff Nichols und schließlich gab es auch noch das Wiedersehen mit Werken von Zach Braff, Jason Reitman und James Cameron.

Neuzugänge
James Wan hat sich heimlich, still und leise zum führenden Horror-Regisseur der Gegenwart entwickelt. Während mich seine Werke zumeist kalt lassen, konnte ich schließlich dem altmodisch wirkenden Exorzisten-Thrill „The Conjuring“ nicht widerstehen. Lily Taylor und Ron Livingston als Ehepaar mit fünf Töchtern in einem offenbar verfluchten Haus, suchen die Hilfe der professionellen Dämonenjäger Patrick Wilson und Vera Farmiga (als Ehepaar Warren). Wan baut Atmosphäre auf, wartet mit den großen Schockeffekten (die im Vergleich zu Blutorgien wie „Evil Dead“ recht zahm wirken) bis zum Schluss und hat ein Auge für den richtigen Gag zur richtigen Zeit. „The Conjuring“ erfindet nichts neu, sondern bleibt in bekannten Gefilden und unterhält auf ansehlichem Niveau.
Von Anfang an war die Produktion von „The Lone Ranger“ (2013) mit großen Problemen behaftet. Zunächst suchte Produzent Jerry Bruckheimer über Jahre nach einem Titelhelden, dann fand er Johnny Depp der den nunmehr etwas wichtigeren Sidekick Tonto spielen soll und als alles starten sollte, stoppte Disney aufgrund überbordender Kosten die Produktion. Nach ein paar Nachverhandlungen, konnte gedreht werden und endlich ist das Werk auf der großen Leinwand zu bestaunen und so sehr man sich auch bemüht, die Produktionsprobleme sind zu sehen. Während Johnny Depp wieder eine gute Leistung hinlegt, hat man das Gefühl diesen Charakter schon zum x-ten Mal zu sehen, während Armie Hammer kaum die Freiheiten erhält, die er als Titelheld benötigen würde. Hinzu kommt ein mit viel zu vielen losen Enden, Sub-Plots und Eskapismus-Orgien belastetes Drehbuch, welches scheinbar während der Dreharbeiten unzählige Male umgeschrieben wurde. So ist „The Lone Ranger“ ein wild gewordenes, überlanges Action-Western-Spektakel mit Kannibalismus, Fleisch fressenden Hasen, Elfenbein-Fetischismus und vielem mehr, dass irgendwie nicht dazu passt.
Neill Blomkamp hat mit „District 9“ (2009) das Sci-Fi-Kino ein wenig aufgerüttelt. Dabei übersahen viele, wie dünn die Handlung war und wie oberflächlich die politischen Hintergründe abgehandelt wurden. Mit mehr Budget aber derselben Vorgehensweise, ist „Elysium“ ausgestattet. Erneut zeigt Blomkamp eine Sci-Fi-Dystopie geprägt von Ungerechtigkeiten. Doch so lobenswert der Handlungsrahmen, das Setting und die Effekte sind, so dünn sind die Charaktere (da helfen auch die guten Leistungen von Damon, Copley und Foster nicht) und so oberflächlich die Handlung.
Ebenfalls oberflächlich aber dafür gewollt ist Sofia Coppolas „The Bling Ring“. Die Geschichte von Teenagern die in die Häuser von Hollywood-Prominenz einsteigen und sich mit dem Diebesgut eine schöne Zeit machen, ist ein oberflächlicher Film über oberflächliche Menschen und ihre hohlen Lebenswelten. Da fällt es schon schwer sich darauf einzulassen, vor allem da Coppola nur selten interessante Bilder für ihre Geschichte findet.
Thematisch ähnlich gelagert wie „The Bling Ring“ (und der schon früher in diesem Jahr zu sehende „Spring Breakers“), behandelt Michael Bay in „Pain & Gain“ die Suche einer Gruppe oberflächlicher Menschen nach dem American Dream und wie sie in einen Albtraum hinein stolpern. Wie Coppolas Film, basiert auch Bays Action-Komödie – mit einem brillianten Trio bestehend aus Mark Wahlberg, Dwayne Johnson und Anthony Mackie – auf einer wahren Geschichte, doch verlässt sich Bay zu sehr auf diesem Gimmick um Abkürzungen zu nehmen, Unklarheiten herzustellen und stilistisch einfach alles in die Waagschale zu werfen, was ihm in den Sinn kommt. So bleibt „Pain & Gain“ ein unterhaltsamer aber beileibe nicht großartiger Film, trotz des in der Geschichte wohnenden subversiven Anspruchs.

Pain & Gain / http://collider.com/wp-content/uploads/pain-and-gain-tony-shalhoub-mark-wahlberg-dwayne-johnson.jpg

Nachdem ich mich lange wehrte, habe ich nun doch „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ (2010) gesichtet. Andreas Prochaskas in Graz angesiedelte Komödie hat Charme, Mut zum derben Witz und mit Michael Ostrowski und Andreas Kiendl ein groß aufspielendes Duo. Dass sich der Charme aber durch einen zu gedehnten Erzählstil leider verliert und am Ende in einem absurden Musical-Finale gänzlich verloren geht, ist nach dem guten Beginn schade aber dennoch funktioniert der Überraschungs-Erfolg als Vertreter des österreichischen Mainstream.
Die Roman-Adaption „Die Vermessung der Welt“ (2012) von Detlev Buck macht hingegen beinahe alles falsch, was man nur falsch machen kann. Die Ausstattungsorgie und hübschen Aufnahmen aus Südamerika können einen holprigen Erzählrhythmus und schwache Zoten, die einfach nicht zünden wollen, nicht überdecken.
Wieder per YouTube sorgt der Kurzfilm „#truthinjournalism“ (2013) von Joe Lynch für Furore. Wie der Vorgänger-Film „The Punisher: Dirty Laundry“, ist auch hier der Zugang zum Comic-Universum ein sehr humorvoller und gewitzter. Ryan Kwanten wird, im Stil der belgischen Mockumentary „C’est arrivé près de chez vous“ (1992), von einem französischen Dokumentarteam bei seiner Arbeit begleitet. Doch Kwanten zeigt als übereifriger Reporter einige dunkle Seiten und entpuppt sich schließlich als ein ganz besonderer Charakter. Dies ist auch der Witz an dem Film. Kwantens gute und humorvolle Darbietung sorgt für Kurzweil, doch im Vergleich zu Thomas Janes Punisher ist diese Arbeit ein wenig dünn.
Aleksandr Sokurov durfte mit seiner freien Adaption von „Faust“ (2011) in Venedig den Goldenen Löwen einheimsen. Die von flämischen Gemälden inspirierten Tableaus und der schräge Witz scheinen für die Auszeichnung genug gewesen zu sein, doch die über 2 Stunden lange Reise in menschliche Abgründe ist eine Schnitzeljagd für „Faust“-Fans, mehr jedoch nicht.
Ben Stiller ist breitenwirksam als harmloser 08/15-Typ bekannt, der sich in Ausnahmesituationen blamiert. In Noah Baumbachs „Greenberg“ (2010) hingegen, ist er ein außergewöhnlicher Mensch, dessen Leben in einer Sackgasse gelandet ist. Als griesgrämiger Beschwerdebriefschreiber macht Roger Greenberg mehr oder weniger gar nichts und einzig die Begegnung mit Haushaltshilfe Florence (eine wunderbare Entdeckung: Greta Gerwig) bringt etwas Abwechslung in seinen Alltag. Baumbachs Porträt des am Nullpunkt angekommenen Mannes ohne Perspektive, verliert an Wirkung, als er mitten in eine Teenager-Party geworfen wird.
Party ohne Ende feiern Lindsay Lohan und James Deen in dem Crowdfunding-Projekt „The Canyons“ (2013) von Paul Schrader und Bret Easton Ellis. Was von diesem noblen Versuch einer kalten Sektion des „Systems Hollywood“ übrig bleibt, ist eine ambitionierte Leistung Lohans, die unverkennbare Handschrift Ellis‘ und einige gute Szenen. Doch bleibt der Film zu distanziert um wirklich zu überzeugen.
Bislang ebenfalls kaum überzeugen konnten mich die DC-Animationsfilme. Das neueste Werk mit dem Titel „Justice League: The Flashpoint Paradoxon“ (2013) von Jay Oliva bietet eine nette „Was wäre wenn“-Grundidee die sich mehr oder weniger in einem parallelen Universum abspielt. Doch das Abhaken verschiedener Charaktere hin zum Finale hat nur wenig Unterhaltungswert, es sei denn man ist ein heillos verfallener Comic-Fan.
Jean Dujardin, Bérénice Bejo und Michel Hazanavicius gelangten mit „The Artis“ (2011) zu Weltruhm, doch schon zuvor waren es die Agenten-Parodien OSS 117, die sie über die französischen Grenzen bekannt machten. Der erste Teil „OSS 117: Le Caire, nid d’espions“ (2006) zeigt Dujardin als großartigen Connery-Parodisten und Hazanavicius stilsicher. Doch immer wieder schleichen sich Gags ein, die einfach nicht zünden wollen und so bleibt die Agenten-Parodie ein wenig zu zahm. Genügend amüsante und gewitzte Momente für ein humorvolles Filmerlebnis sind dennoch zu finden.
Lange lag „The Adjustment Bureau“ (2011) – das Regie-Debüt von George Nolfi – auf meinem DVD-Stapel herum. Nach einer Geschichte von Philipp K. Dick wurden schon viele Filme verbrochen, doch Nolfis Debüt beginnt vielversprechend, mit einem einnehmenden Matt Damon als Jung-Politiker und Emily Blunt als Frau seiner Träume. Wirklich Spaß macht es allerdings John Slattery zuzusehen, der im Grunde seinen aus „Mad Men“-erprobten Charakter zum Besten gibt. Die ständigen Engels- und Gottes-Anspielungen sowie die nicht gerade elegant servierte Moral, lassen aber die Begeisterung schnell schwinden.
Jean-Luc Godard mag nicht unbedingt mein Favorit zu sein – schon gar nicht seine jüngsten Arbeiten – doch sein beeindruckender Trip quer durch die Filmgeschichte mit „Histoire(s) du cinéma“ (1998) ist ein Muss für jeden Filmfan. So irritierend Godards Stil und Egozentrik wirken mögen, so interessant ist seine Collage denn auch.
Ebenfalls ein Muss für jeden Filmfan ist im Grunde jeder einzelne Film von Orson Welles. Auch wenn ich seine Kafka-Interpetation „The Trial“ (1962) nur in einzelnen Aspekten gelungen finde, diese sind dafür hervorragend. Anthony Perkins ist perfekt besetzt als Josef K. und Welles selbst gibt eine feine Darstellung als Advokat, doch bei den Freiheiten die sich Welles nahm, kippt das Geschehen immer wieder ins selbstgefällig-surreale, ohne eine Verbindung zu der Verwirrung von Josef K. oder dem labyrinthischen Hergang des Prozesses herzustellen. Dennoch sehr interessant.
Don Coscarelli hat sich bei mir mit „Bubba Ho-Tep“ (2002) einen Platz im Filmherzen gesichert. Sein Nachfolgefilm „John Dies at the End“ (2012) ist äußerst verspielt, birst geradezu über vor abstrusen Ideen und hat mit Paul Giamatti einen selbstironisch aufspielenden Gaststar. Schade dass auch hier der Selbstzweck über die Handlung gewinnt und so „nur“ humorvolle Ansätze bleiben.
Bevor Neill Blomkamp durch Unterstützung von Peter Jackson den Durchbruch schaffte, drehte er in Südafrika verschiedene Kurzfilme und Testmaterial. Der etwas mehr als eine Minute lange Clip „Tetra Vaal“ (2004) ist einer dieser Testfilme, die nun – im Zuge des Erfolges Blomkamps – zur Vorlage für einen Spielfilm herhalten. Dieser Clip zeigt aber auch schon deutlich die Probleme in Blomkamps Arbeitsweise. Die Effekte sind gelungen, die Ideen sind klar ersichtlich aber selbst bei der kurzen Dauer, beginnen die grundlegenden Ideen abzublättern und es bleibt nur die Technik übrig.
Michael Shannon ist aktuell einer der Kritikerlieblinge und in der Independent-Szene auch ein Publikumsliebling. Filme wie „Take Shelter“ sind bester Beweis für sein Können. Auch in Ariel Vromens Mafia-Biopic „The Iceman“ (2012) überzeugt Shannon in einer sehr guten Darstellung des Mafia-Killers Richard Kuklinski. Um ihn herum entfaltet Vromen hingegen ein eher biederes Biopic, das hauptsächlich von der Spielfreude seines Ensembles (Chris Evans speziell) profitiert.
Qualitativ höher einzuschätzen ist Jeff Nichols‘ „Mud“ (2012) mit einem famosen Matthew McConaughey in der Titelrolle. Die an Mark Twain erinnernde Geschichte der beiden Burschen Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland) die den flüchtigen Mud (McConaughey) auf einer kleinen Insel finden und versuchen ihm bei seiner Flucht mit seiner von ihm getrennten Freundin Juniper (Reese Witherspoon) zu helfen, ist mit einem guten Auge für die Umgebung in Szene gesetzt. Die Landschaft ist ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte, in der auf den ersten Blick alles ein wenig zu familiär und glatt abläuft, nur um sich immer wieder mit Zwischentönen in lichte Höhen zu erheben. Hier ist in einer Nebenrolle Michael Shannon zu sehen und selbst in diesen kurzen Auftritten, merkt man ihm die Spielfreude noch deutlicher an, als unter Ariel Vromen.
Roger Corman ist eher für trashige Monster- und Fantasyfilme bekannt, deshalb überrascht es ein wenig, wenn man sich „The Intruder“ (1962) – auch bekannt unter den Titeln „Shame“ und „I Hate Your Guts“ verliehen – zu Gemüte führt. Ein seriöses Rassendrama mit William Shatner als Aufwiegler und Verbreiter von Rassenhass, der gegen die farbige Bevölkerung hetzt. Shatner gibt eine seiner eindrucksvollsten Darstellungen, während Corman mit einer – vor allem für seine Zeit – intelligent-dezenten Regie glänzt. Trotz einiger Schwächen (die vor allem den reduzierten Produktionsmitteln geschuldet sind) ein eindrucksvoller Film.
Die Dokumentation „Colossi of Love“ (2010) von Nikos Mystriotis ist dank ARTE auf meinem Schirm gelandet und brachte mir einen amüsanten und erhellenden Einblick in die Welt des „Sex-Tourismus“, wie er in den Siebziger und Achtzigerjahren in Südeuropa (hier Griechenland) organisiert wurde.
Als Matt Damon nach drei Filmen keine Lust mehr hatte, wurde die Bourne-Saga um Figuren erweitert, die rund um ihn parallel existierten. So etwa Jeremy Renner als Aaron Cross. Tony Gilroy inszeniert einen akzeptablen Actionfilm, der allerdings im Grunde nichts anderes macht als den ersten Film mit Matt Damon erneut zu erzählen. Zumindest gibt es ein Wiedersehen mit Edward Norton, bevor man gelangweilt einschläft.
Christian Petzold ist einer der wichtigsten Filmemacher Deutschlands. Mit seinem beeindruckenden Drama „Barbara“ (2012) überzeugte er im Vorjahr, doch schon zuvor zeigte er seine Klasse. Etwa in „Die innere Sicherheit“ (2000), in dem ein Ehepaar gemeinsam mit seiner Teenie-Tochter quer durch Europa auf der Flucht ist. Im Film wird es langsam klar, dass das Ehepaar einstige RAF-Terroristen sind und durch die Augen der Tochter (großartig: Julia Hummer) erscheint die ständige Paranoia noch viel bedrohlicher. Manch langatmige Sequenz sei verziehen. Weniger verzeiht man dafür in „Gespenster“ (2005), der die Entführung eines kleinen Mädchens aus der Sicht der suchenden Mutter und einer Ausreißerin erzählt. Petzold liefert genügend Hinweise auf eine Verbindung, doch lässt er sich bei seinen unaufgeregten Episoden derart viel Zeit, dass dem Zuseher oft einfach die Geduld verloren geht und am Ende die Auflösung kaum mehr interessiert.
Peter Strickland gilt – neben Ben Wheatley – als einer der wichtigsten jungen Filmemacher Großbritanniens, dabei hat Strickland seine beiden ersten Filme nicht in der englischen Heimat gedreht. Für „Berberian Sound Studio“ (2012) begab er sich nach Italien und lässt den großartigen (und stets unterschätzten) Toby Jones als Tontechniker an einem Giallo arbeiten. Eine Studie wie der von Jones dargestellte Techniker langsam in den Wahnsinn abgleitet und zugleich ein Protokoll über die Arbeit der „Foley Artists“ und Toningenieure, die kaum jemals Beachtung finden. Ein beeindruckender und äußerst unterhaltsamer Film.
Einer der wichtigsten längst etablierten britischen Filmemacher ist Danny Boyle. In dem Paranoia-Thriller „Trance“ (2013) beginnt alles mit einer sehr schmissig inszenierten Analyse der heutigen Kunstauktions-Szene und der entsprechenden Maßnahmen, die eine Diebesbande anstellen müsste. James McAvoy gibt eine süffisante Darbietung als in die Fänge krimineller Elemente geratener Auktionär. An seiner Seite sind Vincent Cassell und Rosario Dawson für weitere darstellerische Glanzpunkte zuständig. Boyle inszeniert „Trance“ denn auch mit all seiner Könnerschaft und überaus stilistisch, doch das Drehbuch ist viel zu dünn geraten und die ewigen Twists nehmen dem Zuseher schließlich die Spannung.
Das Debüt-Werk von Scott Walker basiert auf der wahren Geschichte eines Serienkillers in Alaska. John Cusack als Mörder Robert Hanson und Nicolas Cage als State Tropen geben dem routinierten und wenig aufregenden Thriller die nötige Qualität, während Vanessa Hudgens als Prostituierte nach „Spring Breakers“ erneut positiv auffällt. Einzig 50 Cent als Zuhälter/Gangster überschreitet wieder einmal die Grenze des Glaubwürdigen.
Giorgos Lanthimos faszinierte mit „Kynodontas“ (2009) die Filmwelt und konnte sich über eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film freuen. Sein Nachfolgewerk „Alpeis“ (2011), rund um eine Gruppe von Menschen, die als Ersatz für kürzlich Verstorbene fungieren und so den Schmerz der Hinterbliebenen abschwächen sollen, ist nicht minder absurd, schräg und nachdenklich, wie sein Vorgängerwerk. Doch trotz all seiner merkwürdig wirkenden Protagonisten und Vorgänge, ist es doch ein sehr einfacher Film, dem ein wenig die Tiefe fehlt. Womöglich will Lanthimos aber auch auf Dinge hinaus, die ich einfach nicht verstehe.
Cary Fukunaga gilt seit seinem Spielfilmdebüt „Sin nombre“ (2009) als aufstrebendes Regie-Talent. Mit „Jane Eyre“ (2011) wagte er sich doch überraschend der Adaption eines bereits x-fach adaptierten Romanes zu, von dem man glaubte, doch schon alles gesehen zu haben. Fukunaga hat allerdings eine sehr düstere Sicht auf die Welt die Charlotte Bronte in ihrem fantastischen Roman erfasst hat. Hinzu kommen gute Leistungen von Mia Wasikowska in der Titelrolle, Michael Fassbender als Edward Rochester und Jamie Bell als St John Rivers.

The Intruder / http://forgottenfilmcast.files.wordpress.com/2012/12/the-intruder-5.png?w=560

The 1001 Project
Martin Scorsese verfilmt ein Buch von Edith Wharton? Eine ungewöhnliche Kombination doch zeigen bereits die ersten Kamerafahrten in „The Age of Innocence“ (1993) die Handschrift Scorseses ohne jedoch das grundlegende Material zu verdrehen. Es ist eine beeindruckende Kombination aus präzisen Beobachtungen, unglaublich schöner Ausstattung und gekonntem Schauspiel. Auch wenn das gesellschaftliche Regelwerk einiges an Konzentration erfordert, so lohnt es sich Daniel Day-Lewis, Michelle Pfeiffer und einer wunderbaren Winona Ryder bei diesen Ränkespielen zuzusehen.
Die algerisch-italienische Produktion „La battaglia di Algeri“ (1966) von Gillo Pontecorvo beeindruckt durch ihren dokumentarisch anmutenden Zugang zur Rebellion der algerischen Bevölkerung gegen die französische Kolonialmacht. Auf den Spuren des Kleingangster Ali (Brahim Hadjadj) der langsam in die FLN aufsteigt und schließlich zum Mythos der Rebellion wird, folgt Pontecorvo den Auswüchsen der Gewalt und spart dabei auch nicht mit kritischer Darstellung auf beiden Seiten.
Jean-Luc Godard und ich, darüber habe ich mich schon einmal ausgelassen doch mit „Histoire(s) du cinéma“ und seinem Komrpomiss-Projekt „Le mépris“ (1963) beginne ich die Arbeit des Franzosen wieder höher zu schätzen. Das Spannende an „Le mépris“ ist vor allem der hinter dem Projekt immer deutlich spürbare Konflikt mit den Produzenten. Das gesamte Werk ist ein großer Kampf zwischen dem Regisseur und den Geldgebern und Godard hat keine Skrupel dies in etlichen Szenen mit Jack Palance als amerikanischen Produzenten deutlich auszuarbeiten. Dabei bleibt die Romanverfilmung allerdings dann doch ein unbefriedigender Hybrid aus künstlerischem Gestaltungswillen und kommerziellen Erwägungen die sich in eigenwilligen Nacktaufnahmen Brigitte Bardots zeigen.
Gerade aufgrund seiner Natur – eine gelangweilte Hausfrau wird zur Prostituierten – war Bunuels „Belle de jour“ (1967) ein großer Erfolg, so war zumindest Bunuels Meinung. Dass das unter die Haut gehende Drama zudem mit Catherine Deneuve und Michel Piccoli großartig besetzt ist und Bunuel sich nicht auf schlüpfrige Details konzentriert sondern die innere Zerrissenheit von Deneuves Séverine heraus arbeitet, hat sicher geholfen.
La Battaglia di Algeri / http://warmovieblog.com/wp-content/uploads/2007/11/battle3.jpg

Re-Visited
Die Filme von Alexander Payne folgen einer mittlerweile eingespielten Formel. Von „Election“ (1999) über „About Schmidt“ (2002) und „Sideways“ (2004) hin zu „The Descendants“ (2011) stehen Männer in ihren besten Jahren im Mittelpunkt, die durch persönliche familiäre Krisen wandern müssen. George Clooney brilliert als hawaiianischer Anwalt und Quasi-Familienvorstand eines Clans, der darunter leidet, dass seine Frau im Koma liegt. Die damit verbundenen Reibereien mit seinen beiden Töchtern (eine großartige Shailene Woodley und eine charmante Amara Miller) nutzt Payne um sich der Psyche von Matt King (Clooney) zu widmen. Dabei verliert Payne – auch aufgrund einiger etwas zu lang ausgewalzter Naturaufnahmen – immer wieder mal den Faden, doch sein Ensemble überspielt dies meist hervorragend. Beim zweiten Mal nicht mehr ganz so beeindruckend wie bei der ersten Ansicht im Kino aber immer noch ein unterhaltsamer und intelligenter Film.
Ein wenig ist auch bei „Sin City“ (2005) der Lack ab. Bei der erneuten Sichtung kommt erschwerend hinzu, dass ich die Comics von Frank Miller wieder gelesen habe und die Schwächen des Realfilms hin zum Comic auffallen. Vor allem in der Dwight-Episode. Doch sind diese Schwächen leicht zu übersehen, denn Mickey Rourke als Marv oder Bruce Willis als Hartigan verbreiten derart viel Noir-Freude, dass man schnell wieder vergisst, was einen genau an der Adaption stört und freut sich auch wieder auf die kommende Fortsetzung.
Die bittersüße Komödie „Little Miss Sunshine“ (2006) von Jonathan Dayton und Valerie Faris ist auch nach Jahren in denen versucht wurde dieses Subgenre des „dysfunctional family“-film zu verbessern, der beste Vertreter. Ein großartiges Ensemble spielt auf Basis eines gewitzten Drehbuches und unterstützt von einer flotten Inszenierung alle kleinen Schwächen weg und schafft es zudem, den Beauty-Contest-Wahnsinn zu hinterfragen und satirisch zu überhöhen. Ein Meisterwerk.
In der Hoffnung bei der ersten Ansicht einfach nur nicht in der richtigen Stimmung gewesen zu sein, sah ich mir den Anime „Jin-Ro“ (1999) erneut an und wurde wieder enttäuscht. Die gute Ausgangslage und spannende erste 20 Minuten genügen einfach nicht um eine sehr langatmig erzählte „Rotkäppchen“-Variation über die Zeit zu bringen. Bei allem Anspruch…
Zach Braff hat 2004 mit seinem Regie-Debüt „Garden State“ die Filmwelt verzaubert. Die Erzählung der Heimkehr eines Mit-Zwanzigers in seinen Heimatort und wie er und seine Altersgenossen mit dem Erwachsenwerden kämpfen, war einfach zu charmant inszeniert. Knapp zehn Jahre später, ist der Charme ein wenig gewichen. Es ist ein bisschen wie bei „Before Sunrise“. Die Naivität der Charaktere mag einen (zumindest mich mit Anfang 30) nicht mehr ganz so in seinen Bann ziehen. Während „Before Sunrise“ aber durch die intensiven Dialogszenen heute noch ein sehr hohes Niveau hält, fällt „Garden State“ ein wenig ab, da sich Braff mehr auf inszenatorische Details stützt, die zwar sehr viel über die Charaktere aussagen, wohingegen einige Dialoge eher schwächer ausfallen. Was nicht heißt dass Braffs Debüt ein schlechter Film wäre, es fehlt einfach nur der Zauber der Erstentdeckung und womöglich sehe ich den Film in zehn Jahren wieder im etwas entspannteren und besseren Licht.
Ridley Scott kehrte mit „Prometheus“ (2012) in die Gefilde von „Alien“ und „Blade Runner“ zurück. Angeblich hat „Prometheus“ allerdings nichts mit den beiden Filmen zu tun und ist ein eigenständiges Filmuniversum. Dadurch verliert das Werk allerdings umso mehr von seiner Wirkung, denn die Anspielungen sind überdeutlich, zum Teil wirken manche Szenen und Dialoge wie ein Remake des Sci-Fi-Klassikers „Alien“. Nichtsdestotrotz sorgt Scott für eindrucksvolle Bilder, hat in Michael Fassbender einen hervorragenden Hauptdarsteller im Aufgebot und weiß schließlich immer noch wie man einen unterhaltsamen Sci-Fi-Blockbuster inszeniert.
Nachdem die bemühte aber doch auch ein wenig mühsame Serie „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ (die nur zwei Staffeln lang produziert wurde und mehr auf die Logiklöcher hinwies, denn die Faszination der Geschichte zu vertiefen) zu Ende gesehen wurde, stieg natürlich das Interesse daran, die Originalfilme von James Cameron wieder zu sichten. „The Terminator“ aus 1984 ist auch heute noch ein sehr unterhaltsamer und spannender Sci-Fi-Film mit einer tollen Atmosphäre und genau der richtigen Balance aus B-Movie- und Blockbuster-Ästhetik.
Jason Reitman hat sich in den letzten Jahren zum Meister des satirischen Mainstream-Unterhalters gemausert. So ist auch „Young Adult“ (2011) mit den fantastisch aufspielenden Charlize Theron und Patton Oswalt eine nur oberflächlich angenehm zu betrachtende Satire. Das hinterfotzige Drehbuch von Diablo Cody („Juno“) lässt zwar einige mögliche Schärfen und Spitzen vermissen, ist aber in der Charakterzeichnung von Mavis (Theron) und Matt (Oswalt) sehr ausgefeilt und lässt in etlichen Andeutungen die wahre Natur der Geschichte heraus blitzen. In manchen Sequenzen mag man bei der gerade Roboterartig durch die Landschaft wandlende Jugendbuchautorin Mavis an Bill Murray Don Johnston in „Broken Flowers“ denken. Es wäre mehr möglich gewesen und zum Ende werden noch ein paar zu offensichtliche Drehbuchkniffe eingebaut, doch allein die tollen Darsteller machen diesen Film immer wieder zu einem Vergnügen.

Garden State / http://www.leavemethewhite.com/caps/albums/movies/gardenstate/Garden_State_010.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt

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