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Seltener als gewohnt ging es in diesem Monat ins Kino und wenn dann dominierte der österreichische Dokumentarfilm. Beeindruckt hinterließen mich allerdings ältere Werke, etwa Satyajit Ray und die ersten beiden Teile der „Apu-Trilogie“ oder der wieder einmal gesichtete Thriller „M“ von Fritz Lang.

Neuzugänge
Anja Salomonowitz gilt seit ein paar Jahren als aufstrebende Filmemacherin und als wichtige Stimme innerhalb der österreichischen Filmszene. Ihr neuester Dokumentarfilm „Die 727 Tage ohne Karamo“ nimmt sich eines äußerst wichtigen Themas an – Bi-nationale Ehen im Kampf mit den Behörden – und räumt mit vielen Vorurteilen auf, so wie auch einige neue Aspekte beleuchtet werden. In ihrer Aufarbeitung der Thematik, stützt sich Salomonowitz auf eine essayistische Form und reiht Vignette an Vignette. Dies sorgt für ein Kaleidoskop der einzelnen Schicksale, die sich zu einem großen Missstand verdichten, doch wäre mir persönlich die Konzentration auf drei oder vier ausgewählte „Geschichten“ lieber gewesen.
Völlig anders gelagert ist die Sci-Fi-Komödie „The World’s End“ von Edgar Wright. Der als Abschluss zur inoffiziellen „Blood and Ice Cream“- oder auch Cornetto-Trilogie gedachte Film, beginnt mit einer äußerst humorvollen und beherzten Eingangsphase, in der die einzelnen Charaktere durch die Vergangenheit und Gegenwart begleitet werden. Simon Pegg ist als in seiner Jugend stecken gebliebener Gary King sehr gut aber es sind seine großartig agierenden Kumpane (vor allem Nick Frost und Eddie Marsan) die der plötzlich in Sci-Fi-Body-Snatcher-Gefilde geratenden Geschichte, ihren besonderen Reiz geben. Leider erliegt Wright diesmal am Ende den Mechanismen des Genres und reiht Action-Sequenz an Action-Sequenz, ehe ein äußerst bittersüßes Ende, den Zuseher wieder versöhnt. Nach dem genialen „Hot Fuzz“ ein kleiner Schritt zurück aber im Paket mit „Shaun of the Dead“ und dem zuvor genannten Film, ein unterhaltsames Comedy-Paket.
Werner Boote hat mit „Plastic Planet“ einen Überraschungshit erzielt und mit seinem neuesten Dokumentarfilm „Population Boom“ begibt sich Boote auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie gefährlich die Überbevölkerung für den Planeten ist. Antworten erhält Boote, doch bleibt er zu sehr an der Oberfläche, doch es gibt einige Einsichten und interessante Fakten, die das Bild der „Überbevölkerung“ als Mythos entlarven. Alleine dafür ist Bootes Film zu beachten.

Die 727 Tage ohne Karamo / http://tubestatic.orf.at/static/images/site/tube/20130311/13-diagonale-727-tage-ohne-karamo-body2.5130564.jpg

David O. Russell erschien auf meinem Filmradar mit der Kriegssatire „Three Kings“. Ein humorvoller und intelligenter Film. Mit „The Fighter“ und „Silver Linings Playbook“ hat er nun auch die Oscar-Juroren langsam auf seine Seite gezogen…was eigenartig erscheint, wenn man sich seinen zweiten Film „Flirting with Disaster“ (1996) ansieht. Im Grunde ist dies bereits „Silver Linings Playbook“, nur ein wenig verschrobener und weniger kommerziell ausgerichtet. Die Darsteller sind sehr gut, von Ben Stiller über Richard Jenkins bis Alan Alda und das Drehbuch vermag den Roadtrip mit absurdem Humor zu würzen. Es bleibt das ungewöhnliche Gefühl, das Original zu einem Remake gesehen zu haben.
Jeff Nichols konnte in kürzester Zeit mit Filmen die in seiner Heimatregion angesiedelt sind („Take Shelter“, „Mud“) sich zum Kritikerliebling entwickelt. Sein Debüt „Shotgun Stories“ (2007) zeigt bereits die Elemente der folgenden Filme. Michael Shannon in der Hauptrolle, die Landschaft als wesentlichen Teil der Erzählung und eine eher einfach gehaltene Handlung, die für Charakterstudien genutzt wird. „Shotgun Stories“ ist aber doch ein wenig zu langatmig erzählt, so intelligent der Aufbau auch ist.
„Zardoz“ (1974). Sean Connery im roten Lederhöschen, ein fliegender Steinkopf der religiöse Sätze von sich gibt wie „The Penis is evil! The Penis shoots seeds…“. John Boorman hat wirklich alles in seiner Macht stehende getan um eine absurde Zukunftsvision zu kreieren. Dass diese eher durch ihren Trashfaktor gefällt, denn durch ihre Handlung, ist wohl sekundär. Bei knapp 100 Minuten Laufzeit, nimmt sich der Trashfaktor allerdings doch ein wenig zu mild aus um über die gesamte Dauer zu tragen.
Fünf Möchtegern-Terroristen sind der Fokus der galligen Farce „Four Lions“ (2011). Chris Morris porträtiert den Weg von vier Muslims, die sich als Märtyrer opfern wollen. Dabei steht ihnen ihre unsagbare Inkompetenz im Weg, was zu allerlei komischen Situationen führt. Morris mag nicht den intelligentesten Film zum Thema Terrorismus gedreht haben, doch sein furchtloser Zugang sorgt für Lacher, wo sonst nur Unbehagen herrscht.
Einen Kurzauftritt in „Four Lions“ hat auch Benedict Cumberbatch und dieser spielt in dem gut gemachten Kurzfilm „Inseparable“ (2007) von Nick White eine Doppelrolle als Zwillingsbruderpaar. Als Joe von erfährt, dass er sterben wird, kontaktiert er seinen Bruder Charlie. Die Handlung ist äußerst dünn und vorhersehbar, aufgewertet allerdings durch eine konzentrierte Inszenierung und vor allem das tolle Spiel von Cumberbatch. Es überrascht dass White bis heute keinen Spielfilm gedreht hat.
Das griechische Kino hat durch die Filme von Giorgos Lanthimos neuen Aufschwung erfahren. Er spielt auch in dem international beachteten Film „Attenberg“ (2010) seiner Landsfrau Athina Rachel Tsangari mit und dass die beiden Filmemacher einen ähnlichen Zugang zur Filmwelt haben, ist unübersehbar. Jedoch bleiben die einzelnen Episoden von „Attenberg“ ein wenig ziellos in der Luft hängen und verströmen nicht die beklemmend-intensive Atmosphäre der Filme von Lanthimos.
Shane Carruth ist das neue US-Independent-Darling. Mit „Primer“ setzte er eine erste – mich weniger beeindruckende – Duftmarke und mit dem eigenwilligem Melodram „Upstream Colour“ (2013) hat er nun endgültig einen Platz in der Szene gefunden. Die Handlung wieder zu geben ist eigentlich sinnlos, da so viele verschiedene Eindrücke auf den Zuseher einprasseln. Die Liebesgeschichte zwischen Kris (Amy Seimetz) und Jeff (Carruth) wird unterbrochen, aufgefettet oder auch völlig in die Irre geführt, durch die Figur des „Sampler“ (Andrew Sensenig). Schweine-Doubles, Würmer, Fremdbestimmungs-Experimente und schließlich Liebe. Carruths Film ist eine große Metapher, aufbauend auf den Schriften von Henry David Thoreau (insbesondere „Walden“), mit vielen einprägsamen Momenten.
Ingmar Bergmans „Jungfrukällan“ (1960) gilt als Inspiration für Wes Cravens Horrorklassiker „The Last House on the Left“ und bescherte dem Schweden einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Die im Mittelalter angesiedelte Geschichte um eine junge Maid, die auf ihrem Weg vergewaltigt und ermordet wird, ist von einer ungeheuren Intensität geprägt und lässt die blutigen Taten umso schmerzlicher wirken, da es Bergman hervorragend versteht, Empathie für die einzelnen Charaktere aufzubauen. Ein kleines Juwel, welches in der reichhaltigen Filmographie Bergmans allerdings oft übersehen wird.
Italien Ende der Sechziger und Anfang der Siebzigerjahre. Ein Sammelbecken politischer Radikalisierung und geradezu paranoider Vorstellungen gegenüber der marxistischen Gefahr. Der betont links stehende Filmemacher Elio Petri zeigte wohl am deutlichsten, wenngleich vielleicht gar nicht mal am gewitztesten, in seiner Satire „Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto“ (1970) wie Obrigkeitsdenken, Autoritätswahn und ideologische Verblendung funktionieren. Gian Maria Volonté brilliert in der Rolle des „Dottore“, der einen Mord begeht und diesen auch noch so stümperhaft, dass seine Verhaftung nur eine Frage der Zeit sein müsste. Doch als Chef der Polizei und mit den Ermittlungen betraut, gelingt es ihm, oft sogar ohne sein Zutun, die Ermittlungen auf andere (linke) Individuen zu lenken. Wenn der Dottore gegen Ende seine eigene Schuld lauthals eingesteht und ihm noch nicht einmal mehr der linke Klassenfeind bei seiner Verhaftung behilflich sein will, ist Petri zwar ein wenig zu platt aber dafür wirkt die Satire umso mehr. Humorvoll und zugleich beängstigend konsequent.
Ist es bereits ein Trend wenn zwei populäre Arbeiten sich der Form des Stummfilms zuwenden? Wohl noch nicht aber zumindest ein schönes Zeichen für Freunde des Stummfilms. Nach dem Erfolg von „The Artist“ (2011) zog der Spanier Pablo Berger mit seiner Schneewittchen-Variation im Stierkämpfer-Milieu 2012 nach. „Blancanieves“ wirkt, bis auf wenige Sequenzen, auch wie ein Werk aus den goldenen Zwanzigern. Darin liegt aber auch ein Problem. Berger überdehnt seine stilistisch hervorragende Grimm-Variation und lenkt von der eigentlichen Geschichte durch eingestreute Mätzchen (SM-Spiele hinter verschlossenen Türen) ab. Ohne Frage großartig ist Hauptdarstellerin Maribel Verdú als „böse Hexe“.
Über die Website HomeMovieCorner traf ich auf den Kurzfilm „5-Finger-Rabatt“ (2013) von Daniel M. Paul und Patrick Wallochny. Der im Rahmen eines Seminars der Theater-, Film- und Medienwissenschaft entstandene Kurzfilm, zeigt auf pointierte und kompakte Weise den Alltag des jugendlichen Taschendiebs Anton und wie er durch eine Entdeckung, auf die moralische Probe gestellt wird. Zwar hätte ich persönlich mir gewunschen, dass der knapp 5-minütige Film am Ausgangspunkt (Naschmarkt) bleibt aber auch so gibt es nicht viel zu meckern.
Robert Duvall erfüllte sich mit „The Apostle“ (1997) einen Herzenswunsch. Die von ihm geschriebene, inszenierte und in der Hauptrolle selbst gespielte Odyssee eines texanischen Predigers, der nach dem Verlust seiner Gemeinde und seiner Ehefrau in Rage seinen Nebenbuhler erschlägt und nach Louisiana flieht, ist ein Beispiel für die Bandbreite des Oscar-Preisträgers. Seine Auftritte sind geprägt von Energie, Charisma und in ihm brodelnder Wut, vor allem wenn er von Liebe spricht. Doch leider kann Duvalls Inszenierung nicht ganz Schritt halten und so bleibt eine famose Darstellung in einem ansehnlichen Film.
Die Viennale steht vor der Tür und somit ist auch ein neuer Trailer zu besichtigen. Die iranische Filmemacher Shirin Neshat, die bereits mit „Zanan-e bedun-e mardan“ (2009) die Kritikerwelt überzeugte, inszeniert Natalie Portman in ihrem Trailer „Illusions & Mirrors“ (2013), einer mysteriösen Reise in Zwischenwelten. Stilistisch ansprechend und einnehmend. Einer der besten Trailer die ich bislang zur Viennale sehen durfte.
Bei dieser Gelegenheit sah ich auch erstmals den von Martin Arnold kreierten Trailer aus dem Jahr 1997: „Psycho“. Der Duschkopf, die Schreie, die Musik und vor allem die Erinnerung an einen großen Filmklassiker. Das ist zwar humorvoll aber ein recht schaler Schmäh mit dem Arnold hier arbeitet.
Nachdem ich diese beiden Viennale-Trailer gesichtet habe, begab ich mich auf die Viennale-Website und bekam dort das gesammelte Archiv von 1995-2012 vor die Nase gesetzt. So arbeitete ich mich durch. Etwa durch Gustav Deutsch beide Arbeiten „Film Spricht Viele Sprachen“ (1995) und „Film ist mehr als Film“ (1996). Ersterer ist eine Collage aus verschiedenen französisch und arabisch untertitelten Szenen eines indischen Melodrams, die Deutsch zu einer neuen – aber für mich nicht sonderlich effektiven – Erzählung verknüpft. Zweiterer ist ein reduziertes Assoziationsspiel zu Begrifflichkeiten des Films mit der Tonebene. Ebenfalls amüsant aber nicht so beeindruckend wie von Gustav Deutsch zu erhoffen war. Bruce Baillie demonstriert mit „Pietà“ (1998) dass mit drei knappen Einstellungen schon viel mehr an Wirkung zu erzielen ist. Die allerdings recht kitschig eine „Rückkehr zur Natur“-Einstellung vermittelnden Sequenzen, hinterlassen aber einen schalen Nachgeschmack. Der üblicherweise mit Christoph Girardet zusammenarbeitende Matthias Müller, kreierte mit „Breeze“ (2000) einen wunderschönen Trailer, der im Farbenrausch versinkt und das Bild Ingrid Bergmans verfremdet. Der zuletzt auf eine Kinoleinwand gerichtete Blick ist dann aber doch äußerst banal geraten. Die nächsten beiden Werke – „Elvis“ (2001) und „Wien & Mozart“ (2001) – entstanden beide durch die Hand Jonas Mekas‘. Während „Elvis“ eine feine Collage eines späten Elvis-Konzerts zu Walzerklängen ist, zeigt sich „Wien & Mozart“ als eher behäbige Collage, bei der Walzerkitsch aus den Bildern trieft. Beeindruckt hinterließ mich hingegen Stan Brakhages konsequent-reduziertes „SB“ (2002), welches ganz im Stil seiner früheren Arbeiten verläuft. Ein spannendes Erlebnis.
Weniger spannend sondern eher ermüdend waren dann das völlig konträr gepolte „Carte de Visite“ (2003) von Ernie Gehr, welches eine sich kaum verändernde Wolkenbildung zeigt und Agnès Vardas „Viennale Walzer“ (2004), welches in essayistischer Form dem Verhältnis von Kunst und Alltag nachgeht, dabei aber wenig Erhellendes oder Spannendes zu Tage fördert.
Viel spannender war dagegen wieder Jem Cohens „A Tale of Two Cities“ (2007), welches es schafft in düsteren Schwarzweiß-Aufnahmen Wien völlig zu verfremden und zum Schauplatz eines Film Noir zu transformieren.
Die restlichen Trailer finden sich unter Re-Visited.
David Mamet gehört zu den interessanteren Filmemachern der Independent-Szene, da er sich nicht vor Genre-Produktionen fürchtet und diese mit seiner ihm eigenen Form versieht. So ist auch das Jiu-Jitsu-Drama „Redbelt“ (2008) zwar ein mit Kampfszenen gespicktes Drama um Verrat und Ehre, doch vor allem ist es ein Dialoglastiges Moralspiel mit einem großartigen Chiwetel Ejiofor in der Hauptrolle. Leider trägt diesmal aber die Hauptfigur die moralische Last des Geschehens beinahe ganz alleine und so bleibt „Redbelt“ trotz aller Ansätze leider nur ein interessantes Experiment.
Steve Jobs und die Entstehungsgeschichte von Apple Computers ist selbstverständlich ein interessantes Thema für einen Kinofilm, doch Joshua Michael Stern und Konsorten bringen mit „jOBS“ (2013) einen äußerst halbherzigen Schnellschuss auf die Leinwand, dessen größter Vorteil die optische Ähnlichkeit seiner Darsteller zu den realen Personen ist. Hinzu kommt dass Ashton Kutcher (Jobs), Josh Gad (Wozniak) und Dermot Mulroney gute Leistungen abliefern, allerdings nicht über das Niveau eines 90er-Jahre-TV-Films hinaus wachsen und sich somit dem Film anpassen.
Nach Ansicht der Tim Burton-Version von „Sweeney Todd“, war mir danach eine frühe Verfilmung des Theaterstücks zu sichten. George Kings „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ (1936) ist ein simples Melodram mit typisch britischem Humor, dessen Hauptaufgabe zu sein scheint, den hervorragenden Hauptdarsteller Tod Slaughter(!) mit manischem Grinsen zu zeigen. Es fehlen psychologische Ansätze, die Figur Todd zu erklären und so beschränkt sich King auf eine simple Gruselgeschichte mit galligem Humor.

Blancanieves / http://img.blogdecine.com/2012/10/Blancanieves-Pablo-Berger-Macarena-Garcia.jpg

The 1001 Project
Die von Satyajit Ray inszenierte „Apu-Trilogie“ zählt zu den wichtigsten Filmen der indischen Filmkultur. Der Auftakt ist mit „Pather Panchali“ (1955) aber mehr auf Apus Schwester gelegt und auf die widrigen Lebensumstände im Indien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Vater, ein Poet und Möchtegern-Bühnenautor, muss sich mit Hilfsarbeiten herum schlagen um seine größer werdende Familie zu ernähren. Ray zeigt in ruhigen Bildern seine eigene Poesie der Einsamkeit und Langsamkeit. Für meinen Geschmack hätte aber auch ein wenig Mehr an Handlung dabei sein können. Dieses Mehr an Handlung bietet der zweite Teil „Aparajito“ (1957), der die Adoleszenz Apus zeigt und seine Entfremdung von seinem Elternhaus und seiner Mutter. Intensiver und „lebhafter“ ist dieser Teil der „Apu-Trilogie“ und das Gefühl einen Einblick in das Leben in Indien Anfang des vergangenen Jahrhunderts bekommen zu haben, erheben dieses Werk.

Aparajito / http://www.telegraphindia.com/1130130/images/sequel4.jpg

Re-Visited
Seit dem Oscar-Triumph mit „No Country for Old Men“ gibt es einen Run auf die Bücher von Cormac McCarthy. Die eher kalte und distanzierte Prosa seines großartigen Apokalypse-Romans „The Road“ (2009) lässt sich jedoch nur schwer auf Film bannen. So ist zwar Viggo Mortensen in der Rolle des Vaters beeindruckend (wie immer) aber das Geschehen treibt eher zäh von einer Episode zur nächsten. Das ist alles technisch beeindruckend doch Hillcoat kann der Erzählung nur wenig Leben einhauchen. Ein großer, toter Film mit exzellenten Schauspielern und einer atemberaubenden Atmosphäre.
Alfred Hitchcocks „The Lodger“ (1927) wieder zu sichten, ist vor allem ein filmhistorisches Vergnügen. Der Film, der als der erste echte Hitchcock gilt, glänzt durch gekonnten Spannungsaufbau, das Charisma von Hauptdarsteller Ivor Novello und einprägsame Szenen, wie die durch eine Glasplatte gefilmte Sequenz, in welcher der Mieter beim Herumwandern durchs Zimmer zu sehen ist.
Nachdem „Terminator“ (1984) den Eindruck aus meiner Erinnerung bestätigte (grimmiges, verspieltes, kompaktes B-Movie), war ich überrascht wie viel lustiger doch „Terminator 2“ (1991) war, denn ich es in Erinnerung hatte. Äußerst humorvoll und die Gewaltszenen äußerst gekonnt einsetzend, zeigt Cameron Arnold Schwarzenegger in einer seiner besten Darstellungen (ein Cyborg der im Laufe des Films immer menschlicher wird…was für eine Metapher auf Arnies Karriere) und zudem eine in ihrer schieren Größe beeindruckende Zukunftsvision. Dass diese viel zu lang ausfiel (gute 20 Minuten zu lang) trübt den Gesamteindruck ein wenig. Auch wenn es schön anzusehen ist, wie Robert Patrick als T-1000 immer wieder Löcher in den Flüssigmetallkörper geschossen bekommt.
Länger schon wollte ich David Finchers famoses Generationenportrait „The Social Network“ (2010) von Neuem besichtigen. Nun gelang es mir und der kompakt erzählte, großartig geschriebene und von einem brillianten Ensemble (man beachte nur die Doppelperformance des unterschätzten Armie Hammer) getragene Film über die recht turbulente Entstehung von Facebook, erweist sich immer noch als hervorragender und äußerst unterhaltsamer Film. Einzig die Anonymität in der Inszenierung, fällt ein wenig ab. Einerseits ist es schön zu sehen, dass sich David Fincher nicht zu sehr in den Vordergrund drängt, doch deutet in diesem Film nur sehr wenig auf den Regisseur hin und mehr auf Drehbuchautor Aaron Sorkin.
Wenn es Nacht wird, dann steht mir oft der Sinn nach dumpfem Horror. Der von Scott Thomas recht humorvoll inszenierte Flugzeug-Zombie-Horror „Flight of the Living Dead“ (2007) greift das „Snakes on a Plane“-Motiv einer Gefahr im Flugzeug ganz gut auf, braucht aber zu lange um in die Gänge zu kommen. Bis die ersten Zombies unterwegs sind, ist man beinahe schon eingeschlafen und das mindert dann doch das Sehvergnügen.
Wie man Zombiehorror besser in Szene setzt, zeigt Altmeister George A. Romero mit „Survival of the Dead“ (2009). Womöglich sein allerletzter Zombiefilm und wenn man sich die miesen Einspielergebnisse und geradezu boshaften Reaktionen der Horrorfans betrachtet, wohl auch der letzte Film überhaupt. Doch auch Jahre später (erstmals habe ich diesen Film bei der Viennale gesehen) zeigt sich Romero als sozialkritischer und kompetenter Horrorregisseur. Zwar sind die CGI-Effekte wenig gelungen und waren die Handlungen auch schon intelligenter, doch funktionieren seine Filme für mich immer noch.
…und genau genommen war auch der heute so gelobte „Day of the Dead“ nicht viel besser als alles was er heute produziert. Man belasse die Kirche also im Dorf und genieße.
Einer der größten Thriller aller Zeiten: Fritz Langs „M“ (1931). Immer wieder ein Genuss sich den Obsessionen des Kindermörders (grandios dargestellt von Peter Lorre) hinzugeben und zugleich einer Stadt in Angst und Wut bei der Jagd nach ihm zuzusehen. Vor allem aber ist „M“ ein Exemplar jener Filme, die sich am Schnittpunkt zwischen Stumm- und Tonfilm befinden. Auch deshalb ein stilistisch reizvoller Film.
Die Zeit meinte es gut mit dem als Horrorfilm klassifizierten „Freaks“ (1932) von Tod Browning. Dabei ist Brownings Film mehr eine Studie über Außenseiter und gesellschaftliche Normen, weshalb er auch heute nicht durch Schockwirkung sondern durch seine präzise Darstellung des Alltags der „Freaks“ besticht.
Als Tim Burton das Musical „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ (2007) auf die Leinwand brachte, war ich zunächst skeptisch, nach dem Kinobesuch hoch erfreut und nun, bei der erneuten Sichtung, beinahe euphorisch. Kleine Mängel (etwa die etwas zu süßliche Liebesgeschichte zwischen Johanna und Anthony) werden übersehen, die großartige Inszenierung, das aufregende Schauspiel aller Beteiligter und schließlich die wunderbar düstere Atmosphäre, machen dieses Filmmusical zu einem meiner Lieblinge in diesem so schwierigem Genre. Dass Tim Burton dereinst bei der Oscar-Verleihung übergangen und nicht einmal nominiert wurde (so wie der Film zwar von Kritikern gelobt aber dennoch kaum mit Ehrungen bedacht wurde), erscheint im Rückblick höchst unfair.
Die Spielfilme mit Oliver Hardy und Stan Laurel sind immer wieder ein Vergnügen, doch bei der erneuten Sichtung des Western-Abenteuers „Way Out West“ (1937) zeigte sich, dass die kindliche Nostalgie hier größer war als bei anderen Werken. Ein humorvoller und unterhaltsamer Film aber leider nicht ganz so gut wie andere Werke (etwa „Block-Heads“).
Bei der Durchsicht der Viennale-Trailer, stieß ich natürlich auf Werke, die ich bereits kannte und zum Teil mit Freude wieder sichtete. Zunächst Peter Tscherkasskys vor Energie geradezu zerberstende Verfolgungsjagd „Get Ready“ (1999), die noch immer zu den besten Werken unter den Trailern gehört und zugleich ein großartiges Beispiel für die Arbeiten ist, die rund um die Zeit von „Get Ready“ entstanden.
Ken Jacobs‘ „Incendiary Cinema“ (2005) faszinierte mich damals im Kino und wirkt auch heute noch. Die Vermengung des stroboskop-artigen Farbspiels mit Journal-ähnlichen Szenen von einem Spielplatz, ist immer wieder faszinierend. Leos Carax „My Last Minute“ (2006) hingegen, baut schlicht auf einem guten Witz auf. Carax spielt einen Mann, der mit dem Rauchen aufhören will und sich erschießt. Die danach zu sehenden Aufnahmen eines kleinen Kindes (der Mann als Kind?) verstärken nur den Eindruck eines schalen Witzes…so gut er auch dargebracht ist.
Carax‘ Landsmann Jean-Luc Godard bietet mit „Une catastrophe“ (2008) einen Blick auf die Art von Kino, die er speziell mit den „Histoire(s) du cinéma“ kreierte. Eine Collage, jener von Gustav Deutsch nicht unähnlich, allerdings viel konsequenter und „schmissiger“ gedacht und inszeniert.
James Bennings „Fire & Rain“ (2009) verärgerte mich damals und auch heute stehe ich diesem Trailer, der im Grunde ein Trailer für seinen eigenen Dokumentarfilm „Ruhr“ ist, mit zwiespältigen Gefühlen gegenüber. Zweifellos eine schöne Sequenz aber es bleibt die Überlegung, dass Benning schlicht irgendeinen schönen Clip auswählte und sich der Arbeit für den Viennale-Trailer somit recht flott entledigte, nur um damit zugleich auf seinen neuesten Film zu verweisen.
Der thailändische Filmfestivalliebling Apichatong Weerasetakhul präsentiert in „Empire“ (2010) einen Blick auf den Meeresboden und lässt die Gedanken des Zusehers schweifen. Nicht ganz so intensiv wie etwa Sequenzen aus seinem 20-Minüter „Ashes“ aber vom Grundgedanken her, sehr ansprechend.
Sehr viel Freude habe ich dafür immer wieder mit David Lynchs „The 3 Rs“ (2011), mit dem sich Lynch in gewohnter Hochform zeigt. Ein absurdes Vergnügen, bei dem die blutende Gummiente nicht nur für einen völlig veränderten Tonfall innerhalb des Trailers steht, sondern auch zeigt, dass Lynch die Ideen noch nicht ausgegangen sind.
Viel weniger Freude hatte ich mit Chris Markers „Kino“ (2012), der zum 50-jährigem Jubiläum der Viennale eine Collage zum Thema „Perfect Viewer“ erstellte. Was ansprechend beginnt, ist schlussendlich ein lahmer Witz, zur Tötung Osama bin Ladens und der Entdeckung, dass er in seinem Versteck oft und gerne Fernsehen sah.
Bela Lugosi als Dracula ist eine Ikone und die Popularität des Tod Browning-Meisterwerkes führte logischerweise zu einer Fortsetzung. „Dracula’s Daughter“ (1936) – unter der Regie von Lambert Hillyer, der unter anderem die erste Batman-Serial-Reihe zu verantworten hat – legt den Fokus diesmal auf die weibliche Seite des Vampirismus. Gloria Holden spielt ihre Vampir-Gräfin routiniert und so fühlt sich auch der fertige Film an. Ein Routineprodukt, der noch viel besser hätte ausfallen müssen, denn obwohl die Fortsetzung geradezu Sekunden nach dem Ende des ersten Filmes anknüpft, fühlt sich das Werk nur lose mit Tod Brownings Klassiker verbunden.

M / http://travsd.files.wordpress.com/2013/06/peter-lorre.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt

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