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Die Schlagzahl guter Filme erhöht sich und wenn die Multiplex-Kinos mit Filmen wie „The Hunger Games: Catching Fire“ locken, sind Alternativ-Werke wie „Blue Jasmine“ gegen Ende eines Jahres auch nicht weit. Zudem gibt es zu dieser Zeit des Jahres immer die Aussicht auf das eine oder andere Special in Form eines Stummfilmabends im von mir geschätzten Breitenseer Lichtspiele.

Neuzugänge
Die Marvel-Schiene rollt weiter und hat mittlerweile (nach „Iron Man 3“) den zweiten Teil des „Avengers“-Abenteuers im Auge. Deshalb wird die Welt nun mit Filmen wie „Thor: The Dark World“ beglückt. Alan Taylor inszeniert einen unterhaltsamen, sich seiner eigenen Unsinnigkeit bewussten Action-Blockbuster, der qualitativ auf einer Stufe mit „Iron Man 3“ steht, dabei aber über eine größere Prise Humor verfügt. Zudem ist es immer eine Freude Tom Hiddlestone bei seiner Darstellung als böser Loki zuzusehen.
Mit Interesse blickte ich dem unter Bill Condons Regie entstandenem Film „The Fifth Estate“ entgegen. Basierend auf den Büchern von Ex-WikiLeaks-Intimus Daniel Domscheit-Berg und Guardian-Journalist David Leigh, enttäuscht Condon mit einer gut gemeinten aber völlig zerfahrenen Inszenierung, in der einzig die guten Darsteller – vor allem Benedict Cumberbatch als Julian Assange und Daniel Brühl als Domscheit-Berg – überzeugen.
Woody Alles Spätwerk ist geprägt von „Hit and Miss“-Arbeiten. Für jedes „Match Point“ gibt es ein „Scoop“ und so weiter. Mit „Blue Jasmine“ ist Allen wieder in Bestform unterwegs und dies obwohl sein Drehbuch nicht mehr denn eine Modernisierung des Tennessee Williams-Stück „A Streetcar Named Desire“ darstellt. Cate Blanchett gibt eine Oscar-würdige Performance als Dame der feinen Gesellschaft New Yorks, die zu ihrer Schwester nach San Francisco ziehen und sich dort ein neues Leben aufbauen muss. Umgeben von einem gut aufspielendem Cast (vor allem Sally Hawkins als Blanchetts Schwester überzeugt) und gespickt mit großartigen Dialogen, verzeiht man Allen auch die eine oder andere etwas schlampig inszenierte Sequenz.
Die Sucht nach Pornografie wurde von Steve McQueen eingebettet in eine Sex-Sucht und die intensiv gespielte Erzählung „Shame“. Joseph Gordon-Levitt widmet sich ebenfalls der Sucht nach Internet-Pornografie, stellt sie aber dem ebenso irrealen Bild der Romantik-Komödien gegenüber. Daraus entsteht eine amüsante und kurzweilige Farce mit dem Titel „Don Jon“, die allerdings zu viele Klischees und schlecht ausgearbeitete Charaktere bietet um wirklich begeistern zu können. Schade, denn Gordon-Levitt spielt hervorragend und weiß einige gute Ideen bei seiner Inszenierung umzusetzen, doch sein Drehbuch hätte noch eine weitere Überarbeitung benötigt. Hierzu gibt es auch den ersten Dialog in dem von Yolanda Puschkin und mir geführten Blog „Film im Dialog“.
In den letzten Jahren wurde die von den Produktionsstudios vernachlässigte „graue“ Seherschaft entdeckt. Filme wie „The Best Exotic Marigold Hotel“ zeigten, dass es ein Publikum gibt und der charmante aber inhaltlich furchtbar schlampige „Last Vegas“ von Jon Turteltaub, vereint vier Oscar-Preisträger von enormen Publikumsinteresse – Robert De Niro, Morgan Freeman, Michael Douglas und Kevin Kline – auf der Leinwand. Die Darsteller sind sichtlich gut gelaunt und sorgen für Kurzweil. Das Drehbuch von Dan Fogelman ist allerdings von Drehbuchbausätzen und Kitschelementen durchzogen, Turteltaubs „auf Nummer sicher“-Regie hilft hier auch nicht. So bleibt der fade Beigeschmack, eine „Hangover über 60“-Version gesehen zu haben.
Der Piraterie-Thriller „Captain Phillips“ (2013) beginnt, wie für Greengrass typisch, nüchtern, kühl und im Stile eines Doku-Dramas. Die Dualität, die er herstellt, bei der Charakterisierung von Captain Richard Phillips (Oscarwürdig: Tom Hanks) und dem somalischen Piraten Muse (ebenso ein Oscar-Kandidat: Barkhad Abdi), ist sehr schön heraus gearbeitet und die erste Hälfte des Films ist ein unglaublich spannendes Geduldsspiel. Sobald es allerdings ins Rettungsboot und hin zur Geiselnahme geht, wird „Captain Phillips“ zu einem etwas zu typisch verlaufendem Geiseldrama. Greengrass kann natürlich nicht die realen Vorgänge nicht einfach nach seinem Gusto umändern, doch die Dialoge die er zum Teil den Geiselnehmern und der Geisel in den Mund legt, sind zu altbacken und schmälern ein wenig den Genuss an diesem ansonsten erstklassig inszeniertem Thriller. Hierzu auch ein Dialog auf „Film im Dialog“.
Nicht gerade erstklassig aber halbwegs unterhaltsam inszeniert ist der Sylvester Stallone/Arnold Schwarzenegger Actioner „Escape Plan“ von Mikael Hafström. Das Drehbuch steckt voller Klischees und vorhersehbarer Handlungsstränge aber zumindest macht es Spaß, den beiden alternden Action-Heroen bei der Arbeit zuzusehen. Vor allem Schwarzenegger schafft es, seinem Charakter eine unerwartet humorvolle Note zu geben.
Die überraschend erfolgreiche Young-Adult-Adaption „The Hunger Games“ sieht in seiner Fortsetzung „Catching Fire“ eine geradezu finanzielle Explosion. Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence brilliert wieder als Katniss Everdeen, doch weshalb ausgerechnet die von Suzanne Collins geschriebenen Bücher, als Filme einen derartigen Popularitätsschub erfahren, erschließt sich auch nach dem zähen und wie von Roboterhand inszenierten zweiten Teil nicht. Lawrence gibt ihr Bestes, vor allem Schauspielroutiniers wie Donald Sutherland verleihen dem Geschehen ein wenig Würde. Das bereits x-mal durchgespielte Szenario ist auch hier interessant, doch die Dialoge sind papieren und – wie erwähnt – ist die Inszenierung (diesmal: Francis Lawrence) völlig austauschbar. Ein durchkalkulierter Blockbuster, vorangetrieben vom Charisma seiner Hauptdarstellerin.
…und auch hierzu gab es einen Dialog zwischen Yolanda Puschkin und mir.
Eine der Entdeckungen bei den Filmfestspielen von Cannes war Alain Guiraudies „L’inconnu du lac“. Der hervorragend inszenierte Mix aus Melodram-Thriller-Porno fasziniert einerseits durch die sehr nüchterne Darstellung der Vorgänge an einem See, der von homosexuellen Männern zum Aufriss und schnellen Sex genutzt wird, dient dazu, die drei Hauptcharaktere näher kennen zu lernen. Pierre Deladonchamps spielt den jungen Franck als sorglosen Träumer, der im Angesicht von Tod und Leidenschaft nicht weiß, was er tun soll. Christophe Paou gibt einen überzeugenden Verführer, während Patrick d’Assumcao als Strand-Außenseiter Henri die wahre Entdeckung darstellt. Ein faszinierender Film, der in seinem nüchternen Stil auch bei den expliziten Sexszenen (die sehr schnell blanke Provokation hätten sein können) überzeugt.
Der „Film im Dialog“-Beitrag vom 13. Dezember behandelt noch einmal diesen aufregenden und interessanten Film.
Das Breitenseer Lichtspiele erfreut immer wieder mit Stummfilmkonzerten, wobei Gerhard Gruber für die passende musikalische Untermalung sorgt. Die vier Kurzfilme von und mit Charlie Chaplin überraschen, da ihre Qualität langsam zunimmt und dies obwohl man beim ersten Film mit dem Titel „The Tramp“ (1915) im Grunde bereits den Höhepunkt erwartet, doch gerade dieser wirkt noch ungeschliffen. Der ohne jegliche Handlung versehene „One A.M.“ (1916) ist eine faszinierende Darstellung des Slapstick-Clowns Chaplin, der sich in diesem Film mit Keaton oder Harold Lloyd messen kann. In „The Pawnshop“ (1916) verbinden sich eine amüsante Handlung und Chaplins Slapstick zu einem schönen Ganzen, wobei „Easy Street“ (1917) der ausgereifteste Film ist. Chaplin als Polizist auf der härtesten Straße der Stadt ist ein Genuss.
Kein Genuss war am selben Abend der Horrorfilm „Bigfoot: The Lost Coast Tapes“ (2012). Corey Grant hatte die Idee aus dem „Blair Witch Project“ ein „Bigfoot Project“ zu machen. Das funktioniert nur bedingt und gegen Ende ist es geradezu ärgerlich wie sich langweiliges im Wald herumlaufen mit billiger Effekthascherei verknüpfen und zu einem unbefriedigenden Ende finden.

Blue Jasmine / http://2.bp.blogspot.com/-HrjgGbgswbk/UhLJJaX9c3I/AAAAAAAAVeQ/dtRRBzc2YA0/s1600/blue_jasmine_465.jpg

Lars von Triers erste Arbeit in Spielfilmlänge konnte mich nicht überzeugen. „Forbrydelsens element“ (1984) zeigt die Ermittlungen im Fall einer Reihe von Morden, auf Basis der Schriften des in Ungnade gefallenen Mentors unseres „Helden“. Der Däne zeigt eine Dystopie, bevölkert von unsympathischen und unzugänglichen Charakteren. Stilistisch interessant aber ohne jeglichen Bezugspunkt für den Zuseher.
Der mit satirischen Elementen angelegte Action-Reißer „Mean Guns“ (1997) zeigt Christopher Lambert routiniert einen Meisterkiller spielen, der im perversen Spiel eines Gangsterbosses (Ice-T) versucht zu überleben. Langweilig.
1993. „Jurassic Park“ erobert die Welt und natürlich gibt es genügend schlechte B-Movies, die sich am Ruhm des Spielberg-Werkes anhängen und ein wenig vom Profit abhaben wollen. „Carnosaur“ von Adam Simon und Darron Moloney (unter der Produktionsägide von Roger Corman) gehört zu den unterhaltsameren Machwerken dieser Sorte. Schlechte Effekte, viel Kunstblut und eine hanebüchene Geschichte (ein genetisch manipulierter Dinosaurier entkommt) die im Kern viel böser und abgründiger denn jene von „Jurassic Park“ ist. Kein guter Film aber ein lustiger schlechter Film.
Ebenfalls nicht gut, leider auch nicht unterhaltsam, ist „Alien Hunter“ (2003) von Ron Krauss. James Spader spielt seine bereits in „Stargate“ etablierte Persönlichkeit des nerdigen Wissenschaftlers mit ungewöhnlichen Ansichten. Rund um Spaders akzeptable Darstellung herum, weiß Krauss aber nicht zu überzeugen, zu überraschen oder auch einfach nur auf simpelstem Niveau zu unterhalten.
Spike Lee hat im Laufe seiner Karriere eine Unzahl an Filmen produziert. Eher hoch budgetiertes Mainstreamkino („Inside Man“) über Dokumentationen („When the Leeves Broke“) und Oscar-Glorie („Malcom X“) bis hin zu günstigen Schnellschüssen („Red Hook Summer“). Das 1999 produzierte Serienkiller-Drama „Summer of Sam“ liegt irgendwo zwischen Mainstream und Oscar-Glorie. Der Anspruch von Lee, anhand der Mordserie im Sommer 1977 in New York, ein Porträt der Italo-Amerikanischen Community zu erstellen, ist offensichtlich. Doch Lee übernimmt sich mit viel zu vielen Handlungssträngen (das Drehbuch stammt aus der Feder von „The Sopranos“-Star Michael Imperioli) und visuellen Spielereien, sodass die einzelnen Geschichten kaum wirken können.
Seth Rogen und Evan Goldberg haben in der Meta-Komödie „This is the End“ (2013) ihren Spaß mit dem Image welches jeder der Darsteller mit sich herum schleppt und parodieren zugleich das Genre des Apokalypse-Films. Dabei wirkt das Geschehen wie ein riesiger SNL-Sketch, der mal besser und mal schlechter funktioniert.
Überraschend schlecht funktioniert die hoch gelobte Dramedy „Frances Ha“ (2013) mit der umwerfenden Greta Gerwig in der Titelrolle. Abgesehen von einer toll aufspielenden Gerwig und dem stilsicheren Baumbach gibt es jedoch kaum interessante Ansatzpunkte in diesem Porträt einer End-Zwanzigerin auf dem Weg ins erwachsene Leben. Nicht nur ist Frances ein unglaublich unsympathischer Charakter, auch ihr gesamter Freundes- und Bekanntenkreis strotzt vor arroganten und überheblichen Typen. Da hilft es auch nicht, dass Gerwig sich in dieser „Girls“-Variation beweist und für weitere Aufgaben in Hauptrollen empfiehlt.
Im krassen Gegensatz steht dazu der Stummkurzfilm „Big Business“ (1929) mit Stan Laurel und Oliver Hardy als Verkäufer von Weihnachtsbäumen. Die zu Beginn harmlose Slapstick-Komödie steigert sich in einen wahren Zerstörungsrausch und zeigt das Comedy-Duo von seiner hinterhältigsten und destruktivsten Seite. Kein Meilenstein aber ein äußerst vergnügliches Werk.
Ein Film der immer auf meinem Radar war aber dennoch stets übersehen wurde: „The Wacher“ (2000). Joe Charbanic hat das Vergnügen Keanu Reeves auf dem Höhepunkt seiner Popularität in der Rolle als emotionsloser Serienkiller zu inszenieren. Dabei ist Reeves sogar einer der Höhepunkte des völlig zerfahrenen Thrillers, der vor allem aufgrund des intensiven Spiels von James Spader als traumatisiertem Polizisten in Erinnerung bleibt.
Ebenfalls aufgrund seiner Darsteller in Erinnerung bleibt Olivier Assayas Meta-Film „Irma Vep“ (1996) rund um das fiktive Remake des Stummfilm-Klassikers „Les vampires“. Maggie Cheung in der Hauptrolle und vor allem Nathalie Richard als Kostümbildnerin sorgen für Spannungen und unterhaltsame Wortwechsel, zudem ist Jean-Pierre Léaud als exzentrischer Regisseur ein Genuss. Doch bis auf ein paar nette Einsichten in den Filmbetrieb und eine sehr schön geschnittene Schlussequenz, bleibt „Irma Vep“ überraschend ohne Nachwirkung.
Noch viel schwächer zeigt sich das lang in Arbeit befindliche Biopic „Lovelace“ (2013) von Rob Epstein und Jeffrey Friedman. Amanda Seyfried als Linda Lovelace und Peter Sarsgaard als der sie in die Pornobranche führende Chuck brillieren in dem oberflächlichen, zumeist auf den billigen Lacher zielenden Drama, das gegen Ende auch noch mit schlecht geschnittenem Archivmaterial verärgert.
Nachdem Woody Allen mit „Blue Jasmine“ einen neuen Hit in die Kinos brachte, war es Zeit, das Werk auf Filme zu durchsuchen, die man noch nicht kennt. „Shadows and Fog“ (1991) geht dabei beinahe unter, denn zu Zeiten seiner Veröffentlichung war ihm kein großer Erfolg beschieden. Dies verwundert nicht, denn während Allen ein paar amüsante Einzeiler in eine toll aufgebaute Atmosphäre von geradezu expressionistisch wirkenden nebeligen Straße hinein wirft, bleibt die eigentliche Jagd nach einem Serienmörder merkwürdig langweilig und belanglos.
Ein wenig unterhaltsamer und vor allem auch spannender ist der Oscar-Gewinner „El secreto de sus ojos“ (2009). Der argentinische Thriller rund um Morde, politische Einflussnahme und die dunkle Vergangenheit Argentiniens stolpert aber unversehens in melodramatische Gefilde und arbeitet sich in bekannten Bahnen hin zum gar nicht so überraschendem finalen Twist. Wie der handwerklich ansprechende, inhaltlich aber banale Thriller gegen Filme wie „Das weiße Band“ oder „Un prophète“ bei der Oscar-Verleihung triumphieren konnte, scheint rätselhaft.
James Spader macht es mir wirklich nicht leicht. Während er vor allem in TV-Arbeiten zu glänzen vermag (The Pentagon Papers, Boston Legal) und in einer Handvoll Independent-Filmen nicht nur großartig spielte, sondern dabei auch noch innerhalb eines großartigen Films agierte (Sex, Lies and Videotape, Secretary), so oft ist er Teil eines unglaublich schwachen Films (Critical Care, Alien Hunter). In dem geradezu unfassbar schwachem „Supernova“ (2000) agiert Spader auf ungewohnt schwachem Niveau und begnügt sich mit einem Gesichtsausdruck. Dass selbst Routiniers wie Robert Forster und Angela Bassett sich diesem Niveau anpassen ist erschütternd bei einer 90-Millionen-Dollar-Produktion, die Fragen aufwirft, wohin denn das ganze Geld geflossen ist, denn in den Special-Effects findet man keinerlei Mehrwert. Der Sci-Fi-Thriller wurde von Walter Hill inszeniert und nach Studio-Bedenken von Francis Ford Coppola umgeschnitten. Wie zwei Filmgrößen derartigen Sci-Fi-Mist verantworten können, bleibt ein Rätsel der Filmgeschichte und wäre eine eigene Dokumentation wert.
…und dann gibt es im Vergleich dazu Filme wie „Ikarie XB 1“ (1963). Der in der Tschechoslowakei produzierte Sci-Fi-Film basiert auf einem Roman von Stanislaw Lem und wird von Jindrich Polák trotz offensichtlicher Mängel beim Setdesign mit viel Liebe zum Detail und Mut zur Komplexität inszeniert. Ein überraschend unterhaltsamer und intelligenter Film über die Suche nach außerirdischem Leben, der ganz ohne Aliens auskommt.
Ebenfalls mit einem geringen Budget arbeitete Tim Fehlbaum bei seinem Spielfilmdebüt „Hell“ (2011). Das Szenario einer Welt, welche durch die Klimaveränderungen ins Chaos gestürzt wurde, erweckt Erinnerungen an „The Road“ aber vor allem an Florian Flickers „Halbe Welt“, welcher ebenfalls von einer Welt erzählte, die durch eine aggressive Sonne unbewohnbar gemacht wurde. Unterhaltsam aber zu sehr auf Mechanismen aufbauend, die in anderen Filmen besser ausgearbeitet wurden.
Philipp Stölzls „Nordwand“ (2008) funktioniert gar nicht, ohne das Vorwissen der berühmt-berüchtigten Bergfilme von und mit Luis Trenker und Leni Riefenstahl. Doch dies bildet nur die Basis für einen technisch sauber gemachten aber auf jeder anderen Ebene unglaublich melodramatischen und kitschigen Nazi-Bergfilm.
Mel Brooks‘ „Silent Movie“ (1976) ist ein sympathischer, alberner Versuch den Slapstick-Humor aus den Keystone-Filmen wiederzubeleben. Das gelingt leider nicht immer, da Brooks‘ Humor, nun ja, nicht unbedingt der intelligenteste ist. Am meisten Spaß macht „Silent Movie“, wenn sich die größten Stars seiner Zeit – allen voran Paul Newman und Burt Reynolds – herzhaft über sich selbst lustig machen.
Robert Rodriguez‘ „Machete Kills“ (2013) ist der Versuch, aus einer beliebten Figur, Kapital zu schlagen. Wie schon der Fake-Trailer und der nachfolgende Film, versucht sich auch Teil 2 der angestrebten Trilogie, Danny Trejo einerseits als den coolsten aller B-Movie-Helden zu zeigen (was ohne Zweifel gelingt) und zugleich eine ganze Kavalarie an prominenten Schauspielern in derber Action-Komik zu verstricken. Dies gelingt weniger. Wie schon der erste Teil, überdehnt „Machete Kills“ seine Erzählung, packt zu viele unnötige Gags ein (die zumeist ohnehin nicht zünden) und beginnt bis zum absurden Finale schließlich zu langweilen. Schade. Bei einer Kürzung des Geschehens und einer Konzentration auf einen Hauptbösewicht, wäre mehr Spaß drinnen gewesen.
Der Sci-Fi-Film „Der schweigende Stern“ (1960) von Kurt Maetzig, basierend auf einer Arbeit von Stanislaw Lem, hätte für die Defa-Studio ein Prestigeprojekt werden sollen. Es war auch der damals teuerste Film der DDR, doch was zunächst noch charmant wirkt (hölzerne Darsteller, schlechte Effekte) langweilt auf Dauer.
Online verfügbar ist nun auch der Kurzfilm „Aningaaq“ (2013) von Jonás Cuarón, dem Sohn von Alfonso, und wäre ein nettes Extra auf einer „Gravity“-DVD, doch als allein stehender Film, bleibt wenig Substanz übrig. Selbst als DVD-Extra erscheint nicht ganz klar, wozu man die andere Perspektive des per Funk geführten Dialogs zu sehen bekommt.
Eine Mammutaufgabe stellt die 15-teilige (á etwa 60 Minuten) Dokumentation „The Story of Film“ (2011) von Mark Cousins dar. Die ungeheure Materialfülle beeindruckt zunächst, doch im Laufe der 15 Episoden, stört immer öfter die Singsang-Narration von Cousins, ebenso wie seine nicht immer ganz einleuchtenden Querverbindungen, die er herstellt. Dennoch eine hervorragende Dokumentation, die eine ungeheure Menge an Anstößen bietet, sich neuer Filme zuzuwenden oder alte Filme neu zu sehen.
Nach seiner Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig und einer raschen aber kurzlebigen Kinoauswertung  in den USA, beglückt „Parkland“ (2013) von Peter Landesman rechtzeitig zum 50. Todestag von John F. Kennedy, die Fernsehwelt. Positiv an dem Ensemblestück ist der auf die wichtigen aber so gut wie nie ins Blickfeld gerückten „Nebenfiguren“, wie Lee Harvey Oswalds Bruder Robert (James Badge Dale) und seiner Mutter Marguerite (Jacki Weaver) sowie Dr. James Carrico (Zac Efron) und Abraham Zapruder (Paul Giamatti). Doch Landesman verfügt nicht über die Fähigkeiten das hektische und tragische Geschehen mit dem danach beinahe still stehenden und geschockten Leben zu verbinden. Zudem bröselt der Film in viele kleine Vignetten auf, ohne einen tieferen Einblick in ihre Leben zu vermitteln. Ein Film der sich eventuell nur auf Abraham Zapruder oder die Familie Oswalds beschränkt hätte, wäre womöglich lohnender geworden.
Die Karriere von M. Night Shyamalan ist ein einziges Mysterium. Er begann mit kaum gesehenen Komödien und wurde mit „The Sixth Sense“ schlagartig berühmt und auch berüchtigt. Denn das „Twist-Ending“ wurde zum Markenzeichen und Mühlstein. Der enorm erfolgreiche Sci-Fi-Thriller „Signs“ (2002) ist ein Beispiel für einen damals gefeierten Blockbuster, der einfach nur vom guten Ruf der Beteiligten lebt. Mel Gibson als desillusionierter Priester, umgeben von seinen beiden Kindern (lebloser könnte eine Performance gar nicht sein als jene von Rory Culkin) und seinem Bruder, tobt sich Shyamalan in endlos zähen Sequenzen aus und präsentiert eine der lächerlichsten Alien-Invasionen der jüngeren Filmgeschichte. Nur so viel. Das Ende ergibt keinerlei Sinn und zerstört die wenigen guten Momente.
Filme die sich mit der Zukunft der Menschen beschäftigen, sind zumeist negative Ausblicke. So auch „Die kommenden Tage“ (2010) von Lars Kraume. Die Besonderheit an seiner dreigeteilten Dystopie ist die Konzentration auf die Gegenwart, von welcher aus sich die pessimistische Vision Kraumes entwickelt. Getragen wird die Vision einer Welt, die aufgrund wirtschaftlich motivierter Kriege in den Abgrund stürzt, von Bernadette Heerwagen, die ihre gutbürgerliche Studentin derart interessant gestaltet, dass man trotz vorhersehbarer Seifenopern-Logik hängen bleibt. August Diehl und Daniel Brühl überzeugen wie immer und Kraumes Drehbuch ist auch mit interessanten Szenarien angefüllt, doch wird zu viel Gewicht auf die immer wieder und wieder ausgebreiteten zwischenmenschlichen Konflikte gelegt, die nur bei besserer Ausarbeitung interessant genug wären.
Anfangs ebenfalls von vorhersehbaren Drehbuchkniffen und Dialogen gepeinigt, ist die Heinrich Böll-Adaption „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975). Doch je tiefer Blum (gut: Angela Winkler) in den Strudel von Polizeiwillkür und Medienhetze gerät, desto intensiver und dichter wird die filmische Aufarbeitung (gemeinsam geschrieben und inszeniert von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta) der großartigen Gesellschaftskritik Bölls.
Ein interessantes Szenario bietet die Romanverfilmung „Die Tür“ (2009) von Anno Saul. Mads Mikkelsen überzeugt als Künstler, der den Unfalltod seiner Tochter nicht verwinden kann und durch eine geheimnisvolle Tür fünf Jahre in die Vergangenheit reist. Dort verhindert er den Tod seiner Tochter…doch ist dies nur Beginn etlicher Verwicklungen die immer unglaubwürdiger und geradezu lächerlich werden. Schade, denn Mikkelsen gibt wieder mal eine gute Leistung und die Grundidee ist interessant.
Bevor Ulrich Seidl begann mit Spielfilmen im dokumentarisch-fiktivem Graubereich erfolgreich zu sein, sorgte er mit seinen Dokumentation für Aufsehen. „Tierische Liebe“ (1996) ist dabei eine zuweilen verstörende allerdings nicht immer überzeugende Arbeit, die sich der Tierliebe verschiedener Protagonisten annimmt. Seidl zeigt in aller Schonungslosigkeit die Einsamkeit und wie Haustiere zum Ersatz werden. Dabei überschreiten die Besitzer oftmals Grenzen im Verhältnis zu ihren Haustieren. Es ist, im guten wie im schlechten Sinne, eine typische Seidl-Arbeit.
Die modernen Wege der Kommunikation unterzubringen und zum Teil der Handlung zu machen, ist keine einfache Aufgabe. Henry Alex Rubin versucht in seinem Spielfilmdebüt „Disconnect“ (2012), Twitter, Facebook und Online-Identitätsdiebstahl unter einen Hut zu bringen. Das engagierte Ensemble (u.a. Jason Bateman und Alexander Skarsgaard) macht das beste mit dem melodramatischen Material, doch wenn Rubin die verschiedenen Handlungsstränge in Zeitlupe zur Auflösung bringt, fällt jeglicher Anspruch in sich zusammen.
Demnächst steht der Kinostart für Spike Jonzes neuestes Werk „Her“ an, doch zuvor gilt es, den seit mittlerweile drei Jahren Online verfügbaren Kurzfilm „I’m Here“ (2010) nachzuholen. Die Liebesgeschichte zwischen zwei Robotern, in einer Welt, in der Menschen und Roboter zusammen leben, mit den Robotern als Hilfskräfte ohne Rechte. Jonze bringt in dem etwas zu langem (30 Minuten) Film eine charmante Geschichte zustande, doch abgesehen von dem humorvollen Beginn und dem berührenden Finale, herrscht doch ein wenig zu viel Leerlauf, der mit guter Musik kaschiert wird.
Joe Dante musste mehrere Jahre warten, bis sein neuester Film „The Hole“ (2009) in Kinos zu sehen war. Die Geschichte zweier Brüder die in ihrem neuen Haus auf ein Loch ohne Boden stoßen, welches offenbar ein Tor zu ihren eigenen Ängsten ist, ist humorvoll aufgebaut aber auch wenn Dante genau weiß, wie er seine jungen Darsteller zu führen hat, so sorgt „The Hole“ eher für manch einen Schmunzler aber niemals für Schrecken.

Ikarie XB 1 / http://www.mzv.cz/public/8/61/bf/414882_358650_Ikarie_XB_1_02.jpg

The 1001 Project
Ein unglaublicher Hit mit acht Oscar-Nominierungen gekrönt, zeigt sich Sydney Pollacks „Tootsie“ (1982) als hoffnungslos kitschige Komödie, die vor allem von Dustin Hoffmans großartiger Darstellung und dem „tongue in cheek“-Humor lebt. Ein perfektes Beispiel für das gehobene Mainstreamkino der USA in den 1980ern.
Lars von Triers Serie „Riget“ (1994) ist ein Beispiel für ein gehyptes Ereignis, welches mich dann schließlich völlig kalt ließ. Zwar hatte ich meinen Spaß am schwedischen Oberarzt Stig Helmer (großartig: Ernst-Hugo Järegard), doch die Vermischung von Soap-Opera, Horror und Thriller beeindruckte mich eher auf akademischer Ebene, unterhielt mich jedoch weniger als es hätte sollen.
Schon lange hatte ich den Robert-Bresson-Film „Au Hasard Balthazar“ (1966) im Visier und nun gelang es mir endlich die Lebens- und Leidensgeschichte des Esels Balthazar zu besichtigen. Bresson gelingt es ganz ohne die üblichen „süßes Tier“-Aufnahmen, eine Bindung zu Balthazar herzustellen und zugleich die Besitzer und auch seine Peiniger im gleichen nüchternen Stil zu porträtieren. Darin liegt die einzige kleine Schwäche, denn ich hätte lieber noch mehr von Balthazar denn von den Menschen gesehen.

Riget / http://www.planetpulp.dk/billeder/film/riget/riget_02_stor.jpg

Re-Visited
David Cronenbergs Werke aus den 1980ern wieder zu sichten, ist wie ein Blick in die wilde Jugend. Der Kanadier, der heute mit geradezu unterkühlt wirkenden Filmen wie „Cosmopolis“ und „A Dangerous Method“ reüssiert, hatte in seinen Horror-Glanzzeiten Filme wie „Videodrome“ (1983) auf dem Tapet. Der heute noch gültige Kommentar auf Gesellschaftspolitik bietet immer noch erschreckend gute Effekte, die mit der Idee des „New Flesh“ hervorragend spielen und einen James Woods in Hochform. Hoch interessante Arbeit die so viel mehr, denn simples Genrekino darstellt.
Schon als „Wall-E“ (2008) in die Kinos kam, wurde der Animationsfilm als moderner Klassiker gefeiert. Die Anklänge an Charlie Chaplin und die beinahe Wortlose erste Hälfte, verzaubern immer wieder und selbst wenn „Wall-E“ schließlich in etwas konventionellere Fahrbahnen gerät, ist es immer noch sehr komisch, rührend und einfach wunderschön gemacht.
…und beinahe dasselbe lässt sich über Charlie Chaplins „The Circus“ (1928) sagen. Chaplin erwähnte diese Stummfilm-Perle in seiner eigenen Autobiographie nicht, warum auch immer. Der Tramp im Zirkus, der die geschundene Tochter des Zirkusdirektors begehrt, ihr dann zum Glück mit dem attraktiven Seiltänzer verhilft und sich wieder in die weite Welt hinaus begibt. Ein wunderschöner Film.
Nachdem vor ein paar Wochen „The World’s End“ in den Kinos zu sehen war und ich zu Halloween „Shaun of the Dead“ erneut sichtet, war es nun an der Zeit sich wieder einmal den zweiten Teil der Cornetto-Trilogie einzuverleiben. Mein Lieblingsfilm der Reihe: „Hot Fuzz“ (2007). Eine großartige Parodie auf Action-Komödien, die es hervorragend versteht auch als eigenständige Arbeit innerhalb des parodierten Genres zu wirken.
Dank der Übertragung bei arte, konnte ich die tolle neuseeländische Serie „Top of the Lake“ (2013) mit Elisabeth Moss und Holly Hunter innerhalb kürzester Zeit erneut sichten. Auch in der deutschen Fassung (die nur sechs statt sieben Teile umfasst) fasziniert die an „Twin Peaks“ erinnernde Serie um eine Kindesentführung, mit seinen Abstiegen in den Morast der Gesellschaft.
Zu einer erneuten Sichtung von „Sharknado“ (2013) kam es, da wieder einmal über diesen Film gesprochen wurde. Was soll man sagen. Auch innerhalb kürzester Zeit, hat sich die Qualität des SyFy-Streifens nicht gebessert, der Unterhaltungswert ist aber immer noch überraschend hoch. Jetzt warte ich auf „Avalanche Sharks“.
D.W. Griffith, ein Filmemacher dem man sich immer wieder von Neuem zuwenden muss. Im Zuge der „The Story of Film“-Dokumentation, stieg die Neugierde auf „The Birth of a Nation“ (1915) und „Intolerance“ (1916). Jahre nachdem ich die beiden Werke erstmals sah, nun also eine erneute Sichtung. Die Ku-Klux-Klan-Glorifizierung in „The Birth of a Nation“ war mir gar nicht so stark in Erinnerung, doch während technisch besehen, Griffith einen Meilenstein nach dem anderen abliefert, ist die dem Film zugrunde liegende Ideologie (der glorreiche Süden, die wilden Schwarzen, der alle rettende Clan) schlicht ekelhaft. In „Intolerance“ zeigt sich Griffith wohl auch aufgrund des Furors der rund um seinen Klan-Film entsprang, von seiner liberalen Seite. Große Sets, parallel laufende Handlungen und die große Geste der LIebe, die die Intoleranz besiegen soll. Es ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen aber doch scheint „Intolerance“ einen noch größeren Einfluss auf die Filmgeschichte genommen zu haben, denn sein notorischer Vorgänger und dies völlig zurecht.
Mel Brooks hatte zum Zeitpunkt von „History of the World: Part 1“ (1981) seine beste Zeit bereits hinter sich, doch noch konnte er das Publikum erheitern. Bei der erneuten Sichtung des in verschiedene Episoden eingeteilten Filmes über die Geschichte der Welt, gelingen Brooks einige sehr humorvolle Momente (die Spanische Inquisition) aber im Großen und Ganzen bleibt es eine eher lose Clipshow mit vielen derben Gags, die oft nicht zünden.

Top of the Lake / http://collider.com/wp-content/uploads/elisabeth-moss-top-of-the-lake.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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