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Üblicherweise ist das erste Monat im neuen Jahr, bevölkert von verspätet gestarteten Oscar-Hoffnungen aber auch von nicht ganz so tollen Möchtegern-Blockbustern. In Form von „All is Lost“ auf der einen sowie „47 Ronin“ auf der anderen Seite, bekommt man genau dies geliefert. Zudem gab es die Roger-Ebert-Doku „Life Itself“ und den Start der „Up“-Reihe zu bestaunen.

Neuzugänge
Mit vielen Vorschusslorbeeren gelangt die Komödie „Computer Chess“ (2013) von Andrew Bujalski in das heimische Gartenbaukino, nachdem auch schon die Viennale diesen Film gezeigt hat. Stilistisch hat Bujalski alles Erdenkliche getan um eine authentische Atmosphäre zu erzeugen, doch die im Stil einer Semi-Dokumentation gedrehte Geschichte eines Computerschachturniers und der nerdigen Programmierer, die es besuchen, versprüht weder Witz noch Charme.
Mit Spannung wurde das Biopic „Diana“ (2013) erwartet, doch Oliver Hirschbiegel liefert eine äußerst schlichte und oberflächliche Parade der Boulevard-Schlagzeilen. Naomi Watts kann, ebenso wie Naveen Andrews, nicht dagegen anspielen. Sie gehen in der simplen Geschichte schlicht unter. Hier gehen Yolanda und ich dem Film ein wenig nach.
Apropos Untergehen. J.C. Chandor präsentiert mit „All Is Lost“ (2013) eine Überlebensgeschichte auf hoher See, beinahe ohne Dialog und getragen von einer grandiosen Leistung von Robert Redford, der selten so gut zu sehen war. Chandors Drama ist in den besten Momenten, ein Werk, das an einen klassischen Roman á la Melville oder Conrad erinnert. Doch manche Wendung in den 105 Minuten passt dann nicht so ganz zum Gesamteindruck und auch die Filmmusik arbeitet zeitweise gegen den großartigen Film. Nichtsdestotrotz eines der beeindruckendsten Werke der letzten Monate.
Nicht ganz so überragend aber sehr sympathisch ist die Romantikkomödie „Enough Said“ (2013). Nicole Holofcener kann sich auf die hervorragende Leistung ihrer beiden Hauptdarsteller Julia-Louis Dreyfus und James Gandolfini verlassen, die aus der etwas konventionellen Grundlage, heraus ragen und immer wieder für wunderbare, humorvolle und ehrliche Momente sorgen.
Deutsche Großproduktionen, auf Basis internationaler Erfolgsromane, das war in der Vergangenheit die Spezialität des verblichenen Bernd Eichinger. Mittlerweile scheint Nico Hofman diesen Markt abzugrasen, und schielt neben der erfolgreichen Kinoauswertung vor allem auf eine längere Fernsehfassung (wie es Eichinger auch bei „Der Untergang“ vormachte). Ob zusätzliches Material dem unglaublich öden „Medicus“ allerdings wirklich hilft, ist mir nicht klar. Eine abgeschmackte Liebesgeschichte, eine klischeebeladene Handlung in der erst der weise Weiße aus dem Westen, den Persern neue Wege und Lösungen aufzeigt, garniert mit steifen Performances (Tom Payne und Emma Rigby) oder unterhaltsamen Routiniers im Autopilot (Stellan Skarsgard, Ben Kingsley und Olivier Martinez).
Stefan Ruzowitzky kann man eines sicher nicht vorwerfen, mangelnde Ambition. Sein essayistisches Doku-Drama „Das radikal Böse“ versucht sich daran, die Frage zu beantworten, wie Durchschnittsbürger und einfache Soldaten beim Holocaust der NS-Armee tätig werden konnten, sich stur in Befehle fügten. Die Tagebucheinträge der Soldaten sind eindrucksvolle und zum Teil verstörende Dokumente der Verleugung und der Rechtfertigung. Auf der Tonebene ist dies ein spannender Film, doch die Bildebene ist voller Experimente, Überlegungen und Spielereien, die oftmals dem Film zuwider laufen. Oft ist der Blick zu sehr auf den Stil und weniger auf den Inhalt gerichtet.
Stilistisch oberflächlich gesehen einfacher, und doch ebenso viel klarer, eindrucksvoller und bestimmter ist Steve McQueens „12 Years a Slave“ (2013). Angeführt von Chiwetel Ejiofor als versklavter Solomon Northup, zeigt McQueen ein grandioses Ensemble in einem unbarmherzigen Film, dem nur Kleinigkeiten vorgeworfen werden können (etwa ein stellenweise zu klischeehafter Soundtrack, zu wenig ausgearbeitete Nebenfiguren).
Problematischer ist da schon Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (2013). Wie eine Dampfwalze rollt Scorsese seine Finanz- und Gier-Satire mit einem famos aufspielenden Leonardo DiCaprio auf den Zuseher los. Die drei Stunden lange Mischung aus absurd anmutender Gier, Gewalt und Obszönität, ist bitterböse und unglaublich unterhaltsam. Wenngleich der lustigste Auftritt jener von Matthew McConaughey in den Anfangsminuten darstellt.
Zu den drei nun genannten Filmen, gibt es auch Beiträge bei Film im Dialog. „Das radikal Böse“, „The Wolf of Wall Street“ und „12 Years a Slave“.
Die dänisch-schwedische Adaption des Romans „Kvinden i buret“ (2013) wird bei Liebhabern von Skandinavien-Krimis für Begeisterung sorgen. Ich war von der Klischeefülle und den vorhersehbaren Abläufen teilweise ein wenig genervt, obwohl Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares ein gutes Team abgeben. Zudem überraschte mich Sonja Richter positiv.
Als Kickstarter-Unterstützer der „Life Itself“-Kampagne, kam ich in den Genuss, einer Online-Sichtung der Dokumentation von Steve James über das Leben und Sterben der Filmkritik-Ikone Roger Ebert. James zeigt eine sehr mitfühlende und sympathische Sicht auf Leben und Werk Eberts und hält die Kamera auch in den schmerzhaften Momenten im Krankenhaus drauf. Die Ecken und Kanten des, von seinen Freunden und Kollegen zwischendurch als nicht immer sympathisch beschriebenen Ebert, werden nur selten sichtbar. Dafür nimmt seine Partnerschaft und Hassliebe zu Gene Siskel einen großen Teil ein. Im Endeffekt ist „Life Itself“ (2014) ein wenig zu konservativ aufgebaut und behält es sich vor, geradezu erbarmungslos liebenswürdig zu sein. Doch es funktioniert. Steve James liefert nicht nur einen herzerreißenden Tribut an Roger Ebert, sondern schafft es auch, die Filmkritik an sich zu thematisieren.
Die Hintergrundgeschichte zu „47 Ronin“ (2013) ist womöglich interessanter denn der fertige Film. So wie auch die dem Film zugrunde liegende Geschichte, interessanter ist, denn das Fantasy-Samurai-Epos, welches einen vor Langeweile zu ersticken droht. Schlechte Effekte, fade Charaktere und ebenso fade Action.
Nur ungleich interessanter ist der Thriller „Jacob“ (2011). In Rückblenden wird die Geschichte eines etwas zurückgeblieben wirkenden Mannes erzählt, der den Tod seiner Schwester rächen will, als diese von ihrem Stiefvater (versehentlich) getötet wird. Was auf 40 Minuten öde Charakterentwicklung folgt, ist ein unfreiwillig komischer Splatter. Unglaublich unsinnig und gerade deshalb irgendwie sehenswert.

All Is Lost / http://www.sloveniatimes.com/modules/uploader/uploads/Aktualno/Podobe1/all-is-lost-redford.jpg

Als Regisseurin hat Julie Delpy bislang vor allem mit Komödien überzeugen können („2 Tage Paris“, „2 Tage New York“), doch die Geschichte der mythischen Erzebeth Bathory (die auch die Blutgräfin genannt wurde) scheint perfekt für Delpy zu passen. Sie macht daraus mit „The Counters  (2009) einen Film über Macht, Jugendwahn und Skrupellosigkeit. Delpy überzeugt in der Hauptrolle, während an ihrer Seite Daniel Brühl, William Hurt und Sebastian Blomberg können ebenfalls ihr Können aufzeigen. Doch das Drehbuch und die Inszenierung geraten zu betulich und verharren in starren Dialogen.
Eine nur selten zu sehende Arbeit, ist die TV-Adaption von Franz Kafkas Romanfragment „Das Schloß“ (1997), mit Ulrich Mühe in der Hauptrolle. Ein zu diesem Zeitpunkt noch vor seiner Weltkarriere stehender Michael Haneke, packt mit einem ironischen Erzähler, den Roman in passende Bilder, doch während Mühe brilliert, ist Haneke ein wenig zu nahe am Text und spult das Fragment schematisch runter. Das ist immer noch schön anzusehen aber leider doch weniger als erhofft.
Eran Creevy gilt als aufstrebender Thrillerregisseur, doch sein „Welcome to the Punch“ (2013) ist nicht mehr denn eine in London angesiedelte Vermengung verschiedener Thrillerklassiker wie etwa „Heat“. Zumindest James McAvoy und  Mark Strong sind gut besetzt, ebenso wie Andrea Riseborough. Ein Film der so sehr damit beschäftigt ist, cool auszusehen, dass die Geschichte dabei völlig untergeht.
James Cagney als sich über Vorgesetzte und Regeln hinweg setzender FBI-Agent, das ist das Bild welches man von „G Men“ (1935) im Kopf behält. William Keighley präsentiert einen, für seine Zeit, rasanten und Actionreichen Thriller, der vor allem vom Charisma seines Hauptdarstellers lebt.
Der Omnibus-Film „42 One Dream Rush“ (2010) vereint eine Vielzahl von Filmemachern (darunter David Lynch, Harmony Korine, Abel Ferrara u.v.m.), die sich in einminütigen Clips mit dem Thema „Traum“ auseinander setzen. Dass der völlig unzusammenhängende Film einige sehr schöne und aufregende Passagen aufweist, ist bei der gebotenen Menge an Regie-Talenten geradezu unumgänglich.
Mirjam von Arx bietet in ihrer Dokumentation „Virgin Tales“ (2012) einen interessanten, aufregenden und teilweise sprachlos machenden Einblick, in die Welt radikal evangelikaler Christen und ihren Vorstellungen zu Ehe, Sexualität und Politik (die selbstverständlich nur auf Basis der Bibel funktionieren kann). Zwar sind die Einsichten nicht überraschend, jedoch benötigt man stellenweise viel Durchhaltevermögen, um den Aussagen der Familienoberhäupter und ihrer Kinder ohne großen Ärger zuzuhören.
Dank der auf arte gezeigten Dokumentation „Bettie Page Reveals All“ (2012) von Mark Mori und dem Spielfilm „The Notorious Bettie Page“ (2005) von Mary Harron, gewann ich einige Einblicke in das Leben und Schaffen der ersten berühmten amerikanischen Pin-Up-Ikone. Während Mori in seiner Dokumentation hauptsächlich in Clip-Show-Bahnen verweilt, zeigt Harron einige humorvolle Szenen und hat mit Gretchen Mol auch die passende Darstellerin. Interessant, wenngleich beide Arbeiten nicht gerade aufgrund ihrer hohen Qualität im Gedächtnis bleiben.
Richard Bates Jr. schafft mit „Excision“ (2012) einen überraschend einnehmenden und unterhaltsamen Horrorfilm, der wie eine moderne Variante von Stephen Kings „Carrie“ wirkt. Die Vermischung von blutigen sexuellen Fantasien und der scheinbar selbst gewählten Außenseiterrolle des Teenagers Pauline (AnnaLynne McCord), ist ebenso bizarr wie humorvoll. Eine positive Überraschung.
Mit Klaus Kinski ist das so eine Sache. Seine Darstellungen sind ohne jeden Zweifel einzigartige Kunstgebilde, die sich vor allem in den besten Arbeiten Werner Herzogs hervorragend einfügten. Als Regisseur hat sich der exzentrische Mann allerdings heillos übernommen. Die völlig zerfahrene und unfassbar eitle Clipshow „Paganini“ (1989) ist so offensichtlich als Quasi-Autobiografie gedacht, dass einem der Kopf schwirrt. Einer der wenigen Filme, die ich nicht ganz schaffte (nach 45 Minuten war für mich Schluss).
Der essayisitsche Dokumentarfilm „Leviathan“ (2012) erntete geradezu ungeteiltes Lob vom Feuilleton und steht etwa auch in der Liste der besten Filme des Jahres 2013 im Sight & Sound. Auf der großen Leinwand wirken die Bilder auch sicher sehr eindrucksvoll, doch schon bald beginnt man sich zu fragen, was hinter dem Projekt steckt und welchen Zweck die gezeigten Szenen vom Treiben auf einem Schiff auf Fischfang haben. So bleibt ein teilweise visuell beeindruckendes aber insgesamt etwas leeres Seherlebnis.
Als Gérard Depardieu noch eine Schauspielgröße war, und nicht ein im Boulevard gefangener Steuerflüchtling, war eine fürs Fernsehen aufbereitete knapp 400-minütige Adaption des „Grafen von Monte Christo“ (1998) ein Spektakel. Josée Dayan zeigt in vier Episoden einen gut aufbereiteten Überblick über das Geschehen im Roman, auch wenn man dem Werk öfter doch ansieht, dass es für den kleinen Fernsehschirm produziert wurde, zudem ist die Filmmusik von der arg pathetischen Sorte. Das hinderte Depardieu aber nicht, eine grandiose Leistung abzuliefern, die den Zuseher packt und über die gesamte Spielzeit mitfiebern lässt.
Als Bob-Dylan-Fan ist es kaum möglich der Dokumentation „Dont Look Back“ (1967) von D.A. Pennebaker aus dem Weg zu gehen, dennoch dauerte es sehr lange, bis ich mir diesen Pflichtfilm endlich zu Gemüte führte. Das Porträt welches Pennebaker dank seiner Nähe erstellen kann, ist für Dylan nicht immer charmant. Oft wirkt Dylan – wohl auch in einer seiner künstlerisch wichtigsten Phasen – schwierig und herablassend und dennoch, sobald er auf der Bühne steht, kann man ihm nicht mehr widerstehen.
Sam Rockwell in der Hauptrolle, Jeffrey Wright, William H. Macy und andere bekannte Gesichter in den Nebenrollen. Das ruhig erzählte Drama „A Single Shot“ (2013) von David M. Rosenthal hat auf der Darstellerebene vieles was für eine hohe Qualität spricht, doch die langsame Erzählweise lässt jegliches Interesses sehr schnell erlahmen. Einzig die Darsteller vermögen noch ein wenig die Geschichte am Leben zu erhalten.
Eine Balett-Adaption von „Dracula“? In den Händen von Guy Maddin wird daraus das visuell famose „Dracula: Pages from a Virgin’s Diary“ (2002). Die Handlung wird in fein inszenierten Tableaus untergebracht und so bleibt Zeit dem stummen Tanz zu beobachten. Ein hervorragender Zugang zu einem „ausgelutscht“ geglaubtem Thema.
Die Dokumentation „Tales from the Organ Trade“ (2013) von Ric Esther Bienstock ist ambitioniert und versucht das Thema Organhandel nicht mit Schwarzweiß-Ansichten abzuwürgen. Doch bei seinem Hin und Her geht ein wenig die inhaltliche Schärfe verloren und so fallen einige Interviews ein wenig zahm aus, offenbar von der Furcht getragen, dass der schwer erreichbare Gesprächspartner sonst einfach abbricht.
Gespannt war ich auf die Komödie „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ (1937), doch die nur teilweise humorvolle und schwungvolle Bearbeitung der Charaktere von Arthur Conan Doyle, krankt an Revuenummern und einfallsloser Komik. Da können auch die Stars ihrer Zeit – Hans Albers und Heinz Rühmann – wenig daran ändern. Im Zuge dieser Erstentdeckung sah ich mir auch „Gold“ (1934) und „F.P.1 antwortet nicht“ (1932) an, die beide Hans Albers in der Hauptrolle zeigen, wobei das Niveau ungefähr auf demselben Level blieb und vor allem „Gold“ mit einigen interessanten Sequenzen ausgestattet wurde.
Viel humorvoller gestaltete sich dagegen die Dokumentation „Good Hair“ (2009) von und mit Chris Rock. Der US-Comedian begab sich auf die Suche nach der Ursache für den Wunsch seiner Tochter, gutes Haar (also, glattes, europäisches Haar) zu haben. Seine Einsichten sind überraschend und zum Teil sehr amüsant, doch man merkt Rock auch an, dass er keinen wirklichen journalistischen Spürsinn hat und die Thematik oft dem Gag zuliebe opfert. Charmant aber nicht ohne Makel.
An meinem Oskar-Werner-Tag, war endlich auch die Sichtung des Oscar-gekrönten „Ship of Fools“ (1965) an der Reihe. Der mti einer eindrucksvollen Starriege gespickte Film von Stanley Kramer, ergötzt sich geradezu in der Aneinanderreihung famoser darstellerischer Gustostückerl. Ob von Lee Marvin über Simone Signoret zu Jean Ferrer und Heinz Rühmann und natürlich dem für einen Oscar nominierten Oskar Werner. Die Geschichte eines Schiffes voller Deutscher, Spanier, Amerikaner und vor allem Juden, vor dem Hintergrund des langsam um sich greifenden Antisemitismus, ist ambitioniert, aber aufgrund seines Fokus‘ auf die Strahlkraft der Darsteller im Endeffekt auch ein wenig belanglos.
Die italienische Satire „La grande bellezza“ (2013) von Paolo Sorrentino, stürmt von Auszeichnung zu Auszeichnung und erhält womöglich Anfang März den Oscar als „Best Foreign Language Film“. Mal schauen ob dieser allgemeine Jubel auch gerechtfertigt ist. Das Kurzurteil: Zum Teil. Ohne jeden Zweifel ist die Leistung von Hauptdarsteller Toni Servillo beeindruckend und Sorrentino schafft in dem an Fellini erinnernden Wirbel an Sequenzen von Parties, feinsinnigen Dialogen und Kunstinstallationen, ein Gefühl für eine sich selbst aufgebende Stadt und Gesellschaft zu erschaffen. Bei knapp 150 Minuten Laufzeit, mäanderd das Geschehen aber oft auch selbstverliebt dahin und scheint außer der Schönheit gewisser Kameraeinstellungen, wenig aussagen zu wollen.
Durch den homemoviecorner-Blog aufmerksam gemacht, sah ich mir nun auch endlich die beiden Kurzfilme „Plan B“ (2007) und „Sophie“ (2007) von Vlado Priborsky an, die genau genommen, verzahnt sind. Dabei zeigt sich aber „Sophie“ als die bessere Arbeit und wirkt reifer, denn der auf einen etwas vorhersehbaren Schlussgag abzielende „Plan B“.
Welch großartiger Film der Menschheit vorenthalten geblieben ist, zeigt die interessante und zuweilen grandios mitreißende Dokumentation „L’Enfer d’Henri-Georges Clouzot“ (2009) von Serge Bromberg und Ruxandra Medrea. Wie ein mit allen Freiheiten ausgestatter Könner seines Fachs, sich in Details verrennt und das Projekt durch seine Persönlichkeit geradezu in den Abgrund reißt, ist nur ein Teil des interessanten Filmes, der das gescheiterte Projekt anhand erhalten gebliebenem Materials nachstellt und mit Hilfe von Bérénice Bejo und Jacques Gamblin in den Rollen die einst für Romy Schneider und Serge Reggiani gedacht waren, Passagen aus dem Drehbuch nachspielt. Hin und wieder ein wenig zu sehr Nabelschau, aber dafür ein Beweis, welch visuelle Kraft Clouzot innewohnte.
Wie lustig und mitreißend hätte doch „The League of Extraordinary Gentlemen“ (2003) sein können, hätte man sich ein wenig mehr an der Graphic Novel von Alan Moore und Kevin O’Neill orientiert. Stattdessen wurden neue Charaktere eingefügt, bestehende Charaktere umgearbeitet und die Handlung des ersten Bandes mit derartig vielen Twists versehen, dass man ab etwa der 50-Minuten-Marke schlicht nicht mehr länger aufpasst, wer mit wem und weshalb. Schade um Regisseur Stephen Norrington, dessen Karriere damit endete und schade, dass sich Sean Connery mit einem derart schwachen Film in den Ruhestand verabschiedete.
Die Filmreihe „Up“ gehört zu den interessantesten Dokumentarfilmprojekten, die man entdecken kann. Anfgefangen mit „7 Up“ (1964) unter der Leitung von Paul Almond und Michael Apted, werden quer durch die britische Gesellschaft, Kinder im Alter von 7 Jahren porträtiert und ihre Sicht auf die Welt. Dieser erste kurze (knapp 30 Minuten) Film, zeigt bereits das Potential und ist zudem erstaunlich unterhaltsam.
Erstaunlich unterhaltsam ist auch das vielfach mit Preisen und Lob überschüttete rumänische Werk „Moartea domunului Lazaraescu“ (2005) von Cristi Puiu. Angesichts der Tatsache, dass man genau genommen dem langsamen Tod eines Alkoholikers beobachtet, der von einem Krankenhaus ins nächste abgeschoben wird, überrascht vor allem die Leichtigkeit und die bittere Süße dieses Films.
William S. Burroughs wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden, zu diesem Zweck zeigte arte die Dokumentation „A Man Within“ (2010), die sich äußerst kompetent dem Leben und Werk des streitbaren Autoren annimmt. Wenngleich für Kenner von Burroughs nicht allzu viel Neues darin steckt, so ist sie doch unterhaltsam genug geraten, um sich einen Überblick über sein Leben liefern zu lassen. Im Grunde funktioniert der Film, wie eine animierte Museumstour, bevölkert von prominenten Interviewpartnern.
Seitdem bekannt gegeben wurde, dass James Franco und Travis Mathews einen Film über die verschollenen geschnittenen 40 Minuten Material aus WIlliam Friedkins „Cruising“ drehen, war ich aufgeregt. Diese Aufregung ist auch in dem semi-dokumentarischen Essayfilm „Interior. Leather Bar.“ (2013) zu spüren und zu sehen. Im Zentrum steht jedoch Francos Schauspielkollege und Freund Val Lauren, der mit sich selbst kämpft, ob er an einem Film, der zum Teil drastisch-pornografische Aufnahmen zeigen will, teilnehmen soll. Dem Film kommt zuweilen seine eigene Selbstbewusstheit und Arroganz in die Quere, ist aber alleine aus Filmhistorischer Sicht, sehenswert.

Interior. Leather Bar. / http://glasgay.co.uk/wp-content/uploads/2013/08/Interior.-Leather-Bar.-.jpg

The 1001 Project
Der brasilianisch-amerikanische Independentfilm „Kiss of the Spider Woman“ (1985) von Hector Babenco, war die erste unabhängig finanzierte Arbeit, die als Bester Film für den Oscar nominiert war. Eine Ehre die er sich vor allem aufgrund der grandios gespielten Szenen in der Gefängniszelle zwischen William Hurt und Raul Julia (den ich bislang noch nie so gut sah) verdiente. In einem nicht näher genannten südamerikanischen Land, herrscht eine diktatorische Macht, die sich auch im Gefängnis Bahn schlägt. Dieser Konflikt steht über der Annäherung zwischen Hurt (der den Oscar für die Beste Hauptrolle gewann) und Julia. Ein Film, der stellenweise wie ein hervorragendes Theaterstück wirkt und ein wenig an seinen finanziellen Engpässen leidet, jedoch einen näheren Blick Wert ist.

Die Oscar-Liste
Es ist schon ein Weilchen her, seit mich ein Gewinner des „Best Picture“-Oscar überzeugen konnte. Franklin J. Schaffners Kriegsepos „Patton“ (1970) schafft dies mit überraschender Leichtigkeit. George C. Scott gibt eine fantastische Performance als vom Krieg und der Schlacht geradezu getriebener Kriegsheld, dessen Leben eintönig und schal erscheint, wenn er nicht im Gefecht seine Männer kommandieren kann. Dabei wird aber auch der Blick frei auf die Manie, die ihn antreibt, denn nur in seinen Augen, scheint ein heroischer Tod, etwas ehrenwertes. Zudem kommen auch noch überzeugende Kampfsequenzen die mit großem Aufwand arrangiert wurden. Zwar kann das knapp drei Stunden lange Epos schon mal ein wenig langatmig werden (vor allem bei der x-ten historisch korrekt durchgeführten Schlachtbesprechung) aber vor allem die Szenen die Scott mit Karl Malden teilt, heben das Sehvergnügen wieder gewaltig an.

Patton / http://www.gonemovies.com/WWW/MyWebFilms/Oorlog/PattonPistool.jpg

Re-Visited
Der erste Film des Jahres, war in der Silvesternacht bzw. am Neujahrsmorgen, die Ed Wood-Produktion „Jail Bait“ (1954). Wie üblich macht es einerseits Spaß, andererseits bleibt es dennoch ein schlechter Film und gerade das Film Noir-Melodram, schwächelt nicht nur bei der Inszenierung, sondern auch bei den Darstellern, die relativ lustlos ihren Text runter spielen.
Wo wir doch gerade bei Thriller waren. Fritz Langs „M“ (1931) ist beinahe ohne jeden Makel (auch wenn mir bis heute die Organisation der Bettler ein wenig an den Haaren herbei gezogen wirkt) und vor allem Peter Lorre fasziniert als Kindermörder, der trotz seiner furchtbaren Taten beinahe selbst kindliche Unschuld bewahrt. In unserem „Film im Dialog“-Beitrag beschäftigen wir uns, eben mit diesem zeitlosen Klassiker.
Während „Inside Llewyn Davis“ in den Kinos läuft, war es wieder mal an der Zeit, einen älteren Film der Coen-Brüder zu sichten. Wobei „A Serious Man“ (2009) kaum als „alt“ gelten kann. Während bei der Erstsichtung zunächst die Leistung von Michael Stuhlbarg faszinierte (und völlig zurecht zu seinem Durchbruch führte), sind all die Elemente aus der jüdischen Kultur, das Lebensgefühl der Sechzigerjahre und die an Hiob gemahnenden Unglücke die über dem armen leidenden und all das Leid ertragenden Larry Gobnik (Stuhlbarg) herein brechen, nicht nur unsagbar komisch, sondern sehr intelligent miteinander verwoben. Es bleibt sogar Zeit, für eine Prise Antisemitismus, in Form eines Halsstarrigen Nachbarn, der zu viel Rasen mäht und zu viel Grund beansprucht. Großartig!
Während meiner Schulzeit, wurde der Versuch unternommen, die Klasse für das „Nibelungenlied“ zu interessieren. Zu diesem Zweck gab es die Vorführung von „Die Nibelungen, Teil 1: Siegfried“ (1966) und „Die Nibelungen, Teil 2: Kriemhilds Rache“ (1967). Die deutsch-jugoslawische Produktion von Harald Reinl (am ehesten bekannt für die Winnetou-Filme) hat sich im Laufe der Jahre gut gehalten und bei der Wiederansicht, zeigt sich vor allem Teil 1 als unterhaltsame Einführung in den Text, während Teil 2 in nicht überzeugenden Schlachtszenen und Ansprachen endet. Zumindest ist Karin Dor eine überzeugende Brunhilde und Terence Hill zeigt sich noch unter seinem bürgerlichen Namen Mario Girotti als Giselher. Nostalgisches Vergnügen, zumindest in Teil 1.
James Spader erscheint auf den heimischen TV-Schirmen in „The Blacklist“ und so war die Gelegenheit passend, sich wieder einmal einen älteren Film mit ihm anzusehen. In der Horror-Satire „Wolf“ (1994) von Mike Nichols spielen Jack Nicholson und Michelle Pfeiffer die Hauptrolle, doch Spader gibt einen wunderbar intriganten Gegenspieler, zu Nicholsons Helden, der erst durch einen Wolfbiss zu neuem Leben erwacht und die junge Konkurrenz attackiert. Mehr ein Kommentar zu gesellschaftlichen Vorgängen, vor allem in der Geschäftswelt, denn ein Horrorfilm und daher auch ein wenig arg ruhig im Ton, doch nichtsdestotrotz unterhaltsam.
Der Oskar-Werner-Tag begann mit der erneuten Sichtung von „Fahrenheit 451“ (1966). Ein Truffaut-Film, den ich zwar respektiere aber den ich nicht abgöttisch liebe…so in etwa wie den Roman von Ray Bradbury. Das Set-Design ist gelungen, Oskar Werner brilliert als Guy Montag und die mit wenigen Mitteln erschaffene Vision einer totalitären Zukunft, gelingt Truffaut geradezu mühelos. Dennoch, wirklich packen konnte mich der Film auch diesmal wieder nicht.

Fahrenheit 451 / http://www.marthagarzon.com/contemporary_art/wp-content/gallery/fahrenheit451/fahrenheit_451_truffaut9.png

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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