Home

Die Oscars stehen vor der Tür und so waren auch etliche Preiswürdige Filme oder solche die dafür gehalten werden, in den heimischen Kinos zu betrachten. Von „Dallas Buyers Club“ über „American Hustle“ bis hin zu „Philomena“. Doch auch etliche weniger beachtete Neuentdeckungen erfreuten mich dieses Monat. Dafür war der Februar erstmals „frei“ von Filmen des 1001 Project oder der Oscar-Liste.

Neuzugänge
Nach seinem Oscar-gekrönten Familiendrama „Jodái-e Náder az Simin“ blickte die Filmwelt gespannt auf den neuesten Film von Asghar Farhadi. Doch sein in Paris angesiedeltes Familiendrama „Le Passé“ wirkt zu großen Teilen wie eine Neuauflage seines Vorgängerfilmes. Vor allem Hauptdarstellerin Bérénice Bejo überzeugt als zwischen zwei Männern stehende und vom Patchwork-Familienalltag zerrissene Frau, doch man meint all dies bereits in besserer Ausarbeitung gesehen zu haben.
In den letzten Jahren schaffte es Matthew McConaughey sich vom Star oberflächlicher romantischer Komödien, hin zum Liebling des Independentkinos zu wandeln und sein Anfang März wohl mit einem Oscar gekrönter Auftritt als homophober Aidskranker Cowboy in Jean-Marc Vallées „Dallas Buyers Club“ ist der vorläufige (populäre) Höhepunkt in dieser Wandlung. Die Nacherzählung der wahren Geschichte von Ron Woodroof und seines Kampfes gegen die Gesundheitsbehörde, wird von Vallée ein wenig zu simpel erzählt, aber dafür sind die sehr eingängigen ersten 30 Minuten hervorragend und das Darstellergespann McConaughey und Jared Leto faszinierend. Trotz seiner Schwächen, ein unterhaltsamer und empfehlenswerter Film.
In diesem Beitrag bei „Film im Dialog“ beschäftigen wir uns mit „Dallas Buyers Club“.
Auf den ersten Blick ist der Actionthriller „Homefront“ von Gary Fleder ein austauschbares Routineprodukt, welches wohl seine Kundschaft in den Videotheken dieser Welt finden würde. Doch dann sieht man, dass Sylvester Stallone das Drehbuch schrieb und James Franco den Bösewicht spielt. Hinzu kommen überraschend gute Leistungen von Kate Bosworth und Winona Ryder und schon ist aus einem Routinewerk ein überraschend unterhaltsamer Genrefilm geworden, dessen Action wie aus einem Achtzigerjahre-Film scheint und dessen Handlungsverlauf ebenfalls dieses Retro-Gefühl mit aktuellen Stars aufgepeppt auf die Leinwand zaubert. Kein wirklich guter Film, aber ein Film der aus der Masse der dumpfen Actionfilme heraus sticht. Das besprachen wir auch bei „Film im Dialog“.
Die Oscar-Saison bringt all die prominenten, nominierten Werke in die heimischen Kinos. Darunter auch den etwas überraschend für den Oscar als Best Motion Picture nominierte neue Streich von Alexander Payne. „Nebraska“ baut auf den hervorragenden Leistungen der Routiniers Bruce Dern und June Squibb auf, doch während mir in früheren Filmen von Payne die langsame Entwicklung der Charaktere sehr viel Freude bereitete, erschien mir hier, keinerlei Entwicklung abseits von ausgelatschten Klischees stattzufinden. Das mindert den Sehgenuss.
Ebensolche Probleme hat das gefeierte „American Hustle“ von David O. Russell. Hier sind es ebenfalls die großartigen Darsteller (allen voran Christian Bale und Amy Adams), die über inszenatorische Schwächen hinweg spielen. David O. Russell konzentriert sich auf Details um ein Gefühl für die 1970er hervor zu rufen und nutzt viele musikalische Einlagen, um Montagen zu erstellen. Doch dabei geht jeglicher Erzählfluss verloren und die ohnehin konfuse Geschichte, wird dadurch nur noch undurchsichtiger. Das erschwert jegliche Freude daran, sich in die Trickbetrügereien und Gaunereien zu vertiefen. In unserem Beitrag bei „Film im Dialog“ vertiefen wir noch die Eindrücke zu diesem Oscar-Kandidaten.
Andreas Prochaska hat es geschafft, sich als Mainstream-Filmemacher im österreichischen Kino zu etablieren. Eine Nische die bis dahin quasi unbesetzt war, denn Prochaska versucht sich als Genrefilmemacher und hatte sowohl Komödien, Thriller und zwei Horrorfilme inszeniert. Mit dem Alpen-Western „Das finstere Tal“ liefert er seine reifste Arbeit, entkommt aber nicht den Schwächen, die schon frühere Filme auszeichneten. Sam Riley ist ein toller Anti-Held, der mit wenig Dialog viel aussagt, während Tobias Moretti seine Szenen als Bösewicht sichtlich genießt. Prochaska gelingt der Transport des US-Western in die Alpen, doch einige Kniffe (vor allem die Musik) funktionieren gar nicht und nach einem schwach inszenierten zweiten Akt, zieht sich das Finale dahin.
Das Opus Magnum von Lars von Trier…schon wieder. Man meint regelmäßig das Opus Magnum des Dänen vorgesetzt zu bekommen, doch der, in seiner aktuellen Kinofassung, zweigeteilte knapp vierstündige Trip in das Innere der von Charlotte Gainsbourg und Stacy Martin gespielten Nymphomanin Joe, ist ebenso humorvoll wie herausfordernd. Vor allem Vol. 1 von „Nymphomaniac“ weiß zu begeistern, doch die künstlich herbei geführte Pause und Teilung in Vol. 1 und Vol. 2, zwingt geradezu, aus dem Geschehen auszubrechen und sich vom Film zu distanzieren. Dabei liefert von Trier eine einprägsame Studie zu Sexualität und Begehren, ohne jedoch in die Psyche der Hauptfigur vorzudringen. Stilistisch meisterhaft aber im Endeffekt nicht eindringlich genug.
Dennoch gibt es in den vier Stunden sehr viel zu bewundern…auch wenn der unglaublich banale Schluss beinahe den Gesamteeindruck vollständig ruiniert.
Roger Michell ist kein Richard Linklater. Dies ist das Fazit des sympathischen und stellenweise hervorragenden „Le Week-End“. Jim Broadbent und Lindsay Duncan spielen mit viel Witz und Gefühl ein Ehepaar in seinen „Goldenen Jahren“, welches versucht in Paris, dem Ort ihrer Hochzeitsreise, wieder alte Gefühle aufleben zu lassen. Doch stattdessen trudelt das sich immer weiter distanzierende Paar weiter auseinander, bis sie die Begegnung eines alten Studienkollegen machen, gespielt von einem hoch motivierten Jeff Goldblum.
Michell überzieht das amüsante, bewegende und schmerzende Geschehen, mit derart viel Kitsch, Schmalz und Klischees, dass man kaum zu den Qualitäten des leisen Dramas vordringen kann. Schade, denn Broadbent, Duncan und Goldblum spielen hervorragend.
Joshua Oppenheimers eindringliche Dokumentation „The Act of Killing“ (2012) ist ein beeindruckendes Dokument der Fähigkeit des Menschen zur Qual und Niedertracht. Indem Oppenheimer die noch immer frei herum laufenden Folterer und Mörder die zwischen 1966 und 1968 Kommunisten töteten. Der Film kommt teilweise zu äußerst unangenehmen Wahrheiten, über das Bild, welches er über die Männer in der Öffentlichkeit zeichnet und hat mit Anwar Congo eine Person im Mittelpunkt, der sogar so etwas, wie eine Wandlung durchläuft und beginnt, sich mit den Taten auseinander zu setzen. Dennoch wandelt Oppenheimer an manchen Stellen über das erträgliche Maß hinaus und springt in den rekonstruierten Szenen in „torture porn“ hinein.
Manch für den Oscar nominierter Film, lässt mich ratlos zurück. Doch während ich bei „American Hustle“ und „Nebraska“ einige Qualitäten erkennen kann, die einfach nur mich nicht ansprechen, so bin ich bei dem belgischen Kandidaten „The Broken Circle Breakdown“ (2012) nicht wirklich in der Lage den Reiz dieses Melodrams zu sehen. Regisseur Felix Van Groeningen inszeniert mit sicherer Hand die Liebesgeschichte von Didier (Johan Heldenbergh) und Elise (Veerle Baetens). Doch während die fein ausgewählten Country-Songs gut dargeboten werden, wirft das Drehbuch (basierend auf einem Theaterstück) jeden möglichen Konflikt auf die Leinwand. Ungewollte Schwangerschaft, Krebs, Tod und so weiter. Selbst die glücklichen Momente sind derart schmalzig inszeniert, dass man vor Wut sich abwenden möchte. Womöglich war es ja dieser Mut zum Melodram, der die Oscar-Juroren und so viele Zuseher faszinierte.
Der österreichische Avantgardefilmemacher Gustav Deutsch hat vor allem mit seiner „Film ist.“-Reihe Bekanntheit erlangt. Umso gespannter war ich, als sein erster Spielfilm in die Kinos kam, doch erst Monate später sollte ich tatsächlich die Zeit finden, um die zum Leben erweckten Gemälde von Edward Hopper in „Shirley – Visions of Reality“ (2013) betrachten zu können. Stephanie Cummings spielt Shirley, die von 1931 bis Mitte der 1960er ihren Träumen und Hoffnungen von einer Karriere am Theater hinterher jagt und sich und ihre Ideale auf die Probe stellt. Vom Setdesign, der Ausstattung und der Kamera her gesehen, ist Deutschs Film ein Meisterwerk, doch er schafft es nicht, eine emotionale Bindung zu den zum Leben erweckten Figuren aus den Hopper-Gemälden zu erschaffen.
Judi Dench brilliert in der Titelrolle von Stephen Frears humorvollem Drama „Philomena“ (2013), in dem sie eine Frau spielt, die sich 50 Jahre nachdem ihr ihr unehelich geborener Sohn genommen wurde, auf die Suche nach diesem begibt. An ihrer Seite überrascht ein hervorragender Steven Coogan als Journalist Martin Sixsmith. Das gegensätzliche Paar (er Agnostiker, sie zutiefst gläubig, er gebildet, sie bauernschlau) sorgt für einige humorvolle und anrührende Momente, die einem die Tränen aufsteigen lassen. Doch Frears‘ Inszenierung ist sehr rührselig gerarten und so aufwühlend die Taten der irischen Nonnen auch sind, so sehr versucht der Film eine Balance zwischen der Wut von Sixsmith und der christlichen Vergebung von Philomena zu erschaffen. Das ist zu sicheres Filmemachen, welches den gemütlichen Kompromiss einer klaren Position vorzieht.

Shirley - Visions of Reality / http://www.skip.at/media/_versions/filme/18253/aufm03_zoom.jpg

Nachdem ich im Vormonat mit „7 Up“ (1964) die Up-Filme begann zu sichten, konnte ich es nicht mehr abwarten, die nächsten Teile zu sehen. Dabei zeigte sich, dass einzelne Filme auch für sich hervorragend bestehen („28 Up“), doch im Großen und Ganzen, ist die „Up“-Series (1964-2012/bislang) vor allem in seiner Gesamtkonzeption ein überraschend unterhaltsames und sehr interessantes Dokument, über das Leben und die verschiedenen Wege, die Menschen aus unterschiedlichen Klassen gehen.
Die Installation „RP31“ (2012) der bildenden Künstlerin Lucy Raven, faszinierte mich im MUMOK. Die Abfolge von 31 Projection test patterns ist ein Fest für die Augen und in Verbindung mit dem prominent im Saal platzierten Projektor, ein schöner Zugang zum Medium Film.
Cristi Puiu konnte mit dem Tod des Herrn Lazarescu die internationale Filmwelt begeistern, sein sehr nüchtern gehaltener Abstieg in die Gedankenwelt eines von ihm selbst gespielten Mannes in „Aurora“ (2011), verweigert sich einfachen Zugängen. Puiu lässt das Publikum geradezu quälend lange, dem Alltag des Mannes beiwohnen und streut dann umso schockierende Szenen der Gewalt ein. Bei drei Stunden, benötigt man viel Sitzfleisch um sich durch die langwierigen Passagen zu kämpfen.
International bekannt ist wohl vor allem Arnold Schwarzenegger als „Running Man“, doch auch in Europa entstanden Jahre zuvor, Filme, die sich der zynischen Fernsehwelt und dem Wunsch nach Spektakel widmeten. Darunter die überraschend eindringliche Satire „Das Millionenspiel“ (1970) von Tom Toelle, mit Dieter Hallervorden in einer ungewöhnlich ernsten Rolle. Zwar sieht man dem TV-Film seine finanziell bedingten Grenzen an, doch funktioniert die Inszenierung zumeist und ist auch gut besetzt.
„Jack Goes Boating“ (2010) ist das Regiedebüt des kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffman. Er inszeniert unspektakulär und lässt seinen Mitspielern viel Raum, um die Rollen, die sie gemeinsam bereits auf der Bühne spielten, in aller Routine erneut zum Leben zu erwecken. Ein sympathischer Film (mit manch sehr unwahrscheinlichem Handlungsverlauf), der aber kaum länger hängen bleibt.
Die Grundidee zu Nanni Morettis „Habemus Papam“ (2011) ist großartig. Ein Kardinal, der zum Papst gewählt wird und diese Wahl mit Depression und Panik aufnimmt. Michel Piccoli brilliert als neu gewählter Papst, der am liebsten verschwinden möchte und den Druck des Vatikan kaum erträgt, während Moretti als Therapeut überraschend enttäuschend im Geschehen herum steht und für so manchen Schmunzler sorgt, der dem Film aber kaum etwas an Substanz bringt. So bleibt eine tolle Grundidee, ein gut aufspielender Altstar und viel verschwendetes Potential.
In der Dokumentation „Life Itself“ war Filmemacher Ramin Bahrani zu sehen, der seinen Durchbruch mit „Man Push Cart“ (2005) feierte und dies auch auf die Unterstützung durch Roger Ebert zurückführte. Nun, ein Blick musste gewagt werden und das nüchterne, sehr auf eine realistische Darstellung des harten Arbeitsalltages für Migranten in den USA interessierte Drama, ist ein interessanter Blick in die Welt eines pakistanischen Migranten. Doch während eine Liebesgeschichte mit einer spanischen Kollegin ein wenig deplatziert wirkt, hätte eine früher in die Wege geleitete Eskalation dem Tempo der Handlung gut getan.
Nachdem ich Thornton Wilders Roman „The Bridge of San Luis Rey“ las, musste ich mir die Adaption von Mary McGuckian aus dem Jahr 2004 ansehen. Überrascht stellte ich fest dass ein wahres Star-Ensemble (Robert De Niro, Gabriel Byrne, Kathy Bates, F. Murray Abraham, etc.) sich hier die Ehre geben. Doch schnell wird klar, warum diese Arbeit keinen prominenten Platz in den Filmografien der jeweiligen Darsteller einnimmt. Mit viel Melodramatik inszeniert McGuckian die Vorgänge um den tragischen Tod der Menschen auf der Brücke von San Luis Rey. Während Wilder in seinem Roman aber anhand der einzelnen Schicksale, Fragen über Lebensentwürfe und die Möglichkeit eines vorherbestimmten Lebens als auch Todes sinnierte, plätschert die Adaption in fein ausgestattenen Szenerien vor sich hin, ohne auch nur an der Oberfläche zu kratzen.
Mit der Adaption des Theaterstücks „The Winslow Boy“ (1999), geht David Mamet etwas ungewohnte Wege. Schließlich sind seine Charaktere zumeist kleine Gangster, oder Angestellte, die vom Leben geradezu überrollt werden und legendär ist natürlich Mamets fulminant vulgäre Sprache, die etwa in „Glengarry Glen Ross“ am besten zur Geltung kam. Bei „The Winslow Boy“ handelt es sich jedoch um einen Gerichtsfall aus dem beginnenden 20. Jahrhundert, in dem der Sohn einer angesehenen Familie des Diebstahls bezichtigt wird und vor Gericht um seine Unschuld kämpft. Nicht nur verlagert Mamet das Geschehen beinahe ausschließlich außerhalb des Gerichts, sondern ergeht sich auch in fein gesetzten Dialogen innerhalb der Familie und mit dem Anwalt, die vor allem verdeutlichen, welchen schädlichen Einfluss alleine die Anschuldigung auf das Ansehen der Familie hat. Ein sehr gut gemachtes Gerichtsdrama, welches beinahe völlig ohne Gerichtsszenen auskommt.
James Franco ist nicht nur ein talentierter Schauspieler, er ist auch bildender Künstler und versucht sich seit Jahren als Regisseur. „Interior. Leather Bar.“ konnte im Vormonat gesichtet werden und auch seine Faulkner-Adaption „As I Lay Dying“ (2013) verströmt diese Mischung aus Museumsinstallation und Meta-Film. Franco hat definitv viele gute Ideen, doch er übertreibt gerne ein wenig und er zieht seine Filme mit der Selbstverständlichkeit eines Kurators auf. Dabei wartet man als Zuseher auf einen Begleittext oder zusätzliches Material, um die eine Arbeit mit etwas in Verbindung setzen zu können. Für sich genommen, bleibt „As I Lay Dying“ somit ein wenig verloren.
Dieser Film gilt als Urvater aller schlechten Kultfilme. Der Anti-Marihuana Propaganda-Streifen „Reefer Madness“ (1936) ist derart überzogen, fehlinformiert und schlicht und ergreifend schlecht gemacht, dass man hofft, dass schon zur Entstehungszeit, das Publikum hauptsächlich in schallendes Gelächter ausgebrochen ist. Alles andere wäre viel zu deprimierend.
Im Zuge der Aufarbeitung des Todes von Philip Seymour Hoffman, gelangt man nun auch dazu, sich Filme anzusehen, die länger auf dem Radar waren, aber stets irgendwie an einem vorbei glitten. So auch das hervorragend gespielte Melodram „A Late Quartet“ (2012) von Yaron Zilberman. Die Spannungen innerhalb eines Streicherquartetts, werden von Zilberman ein wenig arg konstruiert dargestellt. Kaum eine Krise die diesen vier Menschen nicht zustößt, doch aufgrund der tollen Leistungen von Hoffman, Catherine Keener, Mark Ivanir und vor allem einem perfekt aufspielenden Christopher Walken, sieht man über derlei Mängel ein wenig hinweg und genießt die Dialoge und die gute Musik.
Billige B-Western aus den 1930ern sind ein zweifelhaftes Vergnügen. Irgendwie noch in der Stummfilmzeit steckend (was die Darsteller und die Produktionsumstände angeht) aber doch dem Tonfilm sich anbiedernd, sind Filme wie „Lawless Valley“ (1932) Zeugen für eine Produktionsart, die Werke produzierte, die heute als „Direct to DVD“-Filme ein Dasein fristen würden.
In „Patton“ haben Franklin J. Schaffner und Hauptdarsteller George C. Scott famoses geschaffen, umso höher sind die Erwartungen dass diese Kombination aus einer posthum veröffentlichten Hemingway-Novelle auch ein Seherlebnis machen würde. Doch „Islands in the Stream“ (1977) lebt tatsächlich nur von den schönen Karibikaufnahmen und dem perfekt besetzten George C. Scott als Hemingway-Ersatz (so in etwa wie Matt Dillon der perfekte Bukowski-Ersatz im bemühten „Factotum“ war). Diese Vorzüge sorgen gerade noch dafür, dass man sich die zähen 100 Minuten zwischen Familienzerrüttung, Eheprobleme und Kriegswirren antut. Denn wirklich interessant ist das Geschehen nicht…
Während Richard Linklater aktuell bei der Berlinale mit seinem neuesten Film „Boyhood“ für Furore sorgt, war mir danach, seine Frühwerke zu sichten. Der Start ist mit dem minimalistischen „It’s Impossible to Learn to Plow by Reading Books“ (1988) äußerst zäh. Linklater zeigt sich selbst als Collegestudent, auf einer Reise quer durch die USA. Erste Motive späterer Filme sind zu erkennen, aber es ist hauptsächlich anstrengend und wenig lohnenswert diesem Inhaltlosen Treiben zuzusehen. Viel unterhaltsamer ist dagegen sein Durchbruch „Slacker“ (1991), welcher fantastisch verschiedenste Charaktere präsentiert und ihre zum Teil sehr verschrobene Sicht auf die Welt, inklusive allen möglichen Verschwörungstheorien. Ein wenig glatt gebügelter in seiner Inszenierungsform aber nicht minder unterhaltsam, ist die High School-Komödie „Dazed and Confused“ (1993), in der Linklater die zu Ende gehenden 1970er sehr einprägsam wieder zum Leben erweckt. Angelehnt an George Lucas‘ „American Graffiti“ zeigt Linklater eine Vielzahl an Schülern und ihren Alltag sowie ihre Gespräche über eine noch unklar wirkende Zukunft.
Als Meister neuer filmischer Formate, zeigt er sich in „Tape“ (2001). Ein auf Digitalvideo aufgenommener Film, der in einer theaterhaften Umgebung (der Film spielt in einem Motel-Zimmer) spielt, und in dem die Darsteller (Ethan Hawke, Robert Sean Leonard und vor allem Uma Thurman) glänzen können. Es dauert (beinahe zu langen für diesen kurz gehaltenen Film) bis die Inszenierung mit den Reißschwenks ihren Charme entfaltet, doch dann kennt die Begeisterung kaum noch Grenzen.
Per Zufall stieß ich auf den Avantgardefilm „T, O, U, C, H, I, N, G“ (1969) von Paul Sharits. Die knapp 13 Minuten lange Montage wirkt wie ein seine unterschwellige Botschaft von Zerstörung und Blut verbreitender Werbeclip. Sehr effektiv. Ebenso effektiv aber schlicht und ergreifend nicht so ganz mein Interesse erweckt die Dokumentation der „Maria-Empfängnis-Aktion Hermann Nitsch“ (1969) von Ed & Irm Sommer. Mehr Interesse hingegen erweckte Kurt Krens „10/65: Selbstverstümmelung“ (1965) mit Günter Brus. Künstlerisch anspruchsvoll und mit unangenehm berührenden Bildern, zeigt Kren die Aktion von Brus.
Nach der britischen „Up“-Reihe, fiel der Blick auf sein amerikanisches Pendant, welches 1991 ansetzt und somit meine Generation porträtiert. In „Age 7 in America“ (1991) wird auch ein interessanter Blick auf die Kinder geworfen, doch spätestens bei „21 Up America“ (2006) sind die Unterschiede zum britischen Original zu sehen. Weniger strukturiert und vor allem ohne klare Zielsetzung, folgt die amerikanische Reihe mit viel Sympathie für die Heranwachsenden, ihren Wegen.
Ein Film über die quasi erste Reality-Sendung, der „An American Family“-Serie, sollte doch einiges an Unterhaltung und intellektueller Vertiefung des Themas bieten können. Vor allem wenn das „American Splendor“-Duo Berman/Pulcini Regie führt, oder? Leider nein. Die Darsteller sind in feinster Spiellaune (Diane Lane, Tim Robbins & James Gandolfini), doch der knapp 90-minütige HBO-Fernsehfilm „Cinema Verite“ (2011) kann kaum die Tragweite der Ereignisse vermitteln und hakt einen Konfliktpunkt nach dem anderen einfach ab. Selbst für mich, der zuvor von der Sendung keine Kenntnis hatte, scheint hier einfach viel zu viel zu fehlen.
David Gordon Green ist mir hauptsächlich als Regisseur von schrägen Komödien wie „Pineapple Express“ bekannt, doch bevor er sich in dem Mainstream zuwandte, war er auch Regisseur spannender Indie-Werke wie „Snow Angels“ (meine erste Begegnung mit Green) und vor allem „George Washington“ (2000). Der Film über eine Gruppe von Kindern, denen Green scheinbar ohne großen Plan bei ihren Gesprächen über Liebe, Sex und Zukunftsträumen folgt, wird regelrecht durchgeschüttelt, als ein tragisches Ereignis die Psyche dreier Kinder auf die Probe stellt. MIch konnte der nüchterne Film, der offenbar großteils improvisierte Dialoge beinhaltet, nicht fesseln, zeigt aber deutlich das Talent des US-Filmemachers für naturalistisches Kino.
Die Geschichte einer jungen Frau (Stephanie Sigman), die nur Schönheitskönigin von Tijuana werden möchte und schließlich in den Fängen eines Drogenkartells landet, wird von Gerardo Naranjo in „Miss Bala“ (2011) – lose auf einem wahren Fall basierend – mitreißend inszeniert. Zwar ist das Geschehen von ihm zu sehr in die Länge gezogen und es fehlt die dramatische Dichte und Tiefe eines Filmes wie etwa „Maria Full of Grace“ (2004), doch entschädigen dafür die packenden Passagen und die Aura des Unausweichlichem.
Der Horrorfilm „Livide“ (2011) baut langsam und selbstbewusst eine Geschichte von habgierigen jungen Menschen auf, die nach dem Schatz einer bettlägerigen Frau suchen. Doch etwa zur Filmhalbzeit wird das Geheimnis gelüftet und der Horror kann beginnen…wenn denn dieser nur der visuellen Brillanz des Films standhalten könnte. Was das Potential zu einem an „Suspiria“ erinnernden Film hatte, verkommt zu einer sich zäh dahin schleppenden Thrillparade, die aber nie richtig schockiert oder mitreisst.
Wer je das Stück „Glengarry Glen Ross“ oder den auf dem Stück von David Mamet basierenden Film gesehen hat, wird nicht umhin kommen in der Dokumentation „Salesman“ (1968) eine Parade derselben „Typen“ zu finden. Zwar sind die Bibelverkäufer, die von Tür zu Tür wandern und um ihre Verkäufe kämpfen, nicht mit einer derartigen Parade an Schimpfworten ausgestattet, wie die Charaktere von Mamet, doch schimmert durch ihr Verhalten genau dieselbe Angst, derselbe Kampf und dieselbe Verzweiflung.
…und dann erinnert man sich wieder: Dies hier ist eine Dokumentation und ist von Neuem beeindruckt davon, wie die Brüder Maysles und Charlotte Zwerin es schafften, so nahe dran zu sein, an diesem täglichen Kampf.
Dieses Jahr wurde Paolo Sorrentino für „La grande bellezza“ für einen Oscar nominiert, dabei ist seine zuvor in Italien gedrehte Politfarce „Il Divo“ (2008) der stärkere und imposantere Film. Toni Servillo brilliert als Kopie des gefürchteten und geschätzten italienischen Senators auf Lebenszeit, Guido Andreotti, mit minimaler Mimik. Sorrentino versucht gar nicht, einen Filmessay zu drehen, um die vielen offenen Fragen zu den möglichen Verbindungen Andreottis zur Mafia, zu politischen Morden, Intrigen und Korruption zu klären. Stattdessen erstellt er ein Zerrbild eines Politsystems, im Stil einer Gangsterkomödie. Dabei schießt Sorrentino allerdings teilweise über das Ziel hinaus. Viele Anspielungen, Details und Namen sind kaum zu erfassen, ohne das nötige Hintergrundwissen und so verschließt sich „Il Divo“ an vielen Stellen einem nach Führung lechzendem Publikum.
Als Unterstützer einer Indiegogo-Kampagne von James Franco, kam ich in den Genuss des von Franco selbst erzählten Kurzfilms „Camp“ (2014). Auf der Audioebene, zeigt sich Franco als toller Erzähler einer Geschichte, die  sich mit Kindheitserinnerungen beschäftigt und dabei immer wieder unerwartete Wendungen einbaut. Auf der Bildebene wird jedoch kaum damit korrelierendes Material geliefert. Etwas wahllos werden Bilder zusammen geschraubt und so bleibt man unsicher zurück, was nun die von Franco erzählte Geschichte mit der Bildcollage zu tun haben soll.

Il Divo / http://noi.caserta.it/userfiles/2014/01/13/toni%20servillo%20divo.jpg

Re-Visited
In meiner Jugend, habe ich den Actionfilm „Speed“ (1994) wohl 20 mal gesehen. Seitdem hatte ich kein Interesse mehr, dieses Actionjuwel erneut zu sehen, zu frisch waren die Erinnerungen. Im Angesicht von Keanu Reeves‘ Flop „47 Ronin“, war es aber notwendig, sich erneut in Erinnerung zu rufen, dass der mäßig begabte Mime, sehr wohl in tollen Actionfilmen dabei sein kann. Es ist der prototypische Film der 1990er, mit entsprechend Comichaften Credits, überraschend lachhaften Dialogen, die dennoch funktionieren und High-Concept-Stories, die jeden Realismus-Check nicht überstehen würden. Doch wenn Reeves, Bullock und Hopper gemeinsam in Richtung Showdown marschieren, sind all diese Kritikpunkte vergessen.
Es war wieder einmal Zeit, sich einen Billy-Wilder-Tag zu gönnen. Neben dem Klassiker „Some Like It Hot“ (1959), sah ich mir auch die schmählich unterschätzte Komödie „One Two Three“ (1961) an. Über den Klassiker mit Jack Lemmon, Tony Curtis und Marylin Monroe lässt sich kaum etwas sagen, was man nicht schon gehört hat. Einzig, die Liebesgeschichte zwischen Joe und Sugar hätte unter Umständen flotter inszeniert werden können. Die Kalte-Kriegs-Farce mit einem fantastischen James Cagney wieder, hat sich mir nie so recht ins Herz spielen können. Bei der erneuten Sichtung hingegen, fasziniert der Schwall an Dialogen im Howard-Hawks-Stil und die Spielfreude der Darsteller.
Nach meiner ersten Sichtung von David Cronenbergs Skandalfilm „Crash“ (1996) sind gut 15 Jahre vergangen. Ein Skandal, denn erneut zeigte sich, welch kühles, analytisches und avantgardistisches Meisterwerk sich hinter dem oberflächlich als Skandalfilm abgehefteten Werk verbirgt. Cronenberg soll später noch bei „Cosmopolis“ ähnliche Zugänge offen legen, doch so radikal wie in „Crash“ (mit grandiosen Leistungen von Elias Koteas und James Spader) war das bislang nicht mehr.
Albtraumhafte Bilder von aufgespießten Rittern, Inzest und sich im finalen Kampf gegenseitig tötende Vater-Sohn-Gespanne blieben mir für 20 Jahre erhalten. „Excalibur“ (1981) von John Boorman hat aber mehr zu bieten. Die Bildgewaltige, eindringliche aber auch bis zum Exzess opulent inszenierte und gespielte Variation der Artus-Sage, bietet viel fürs Auge und kann auch den Geist begeistern. Doch am Ende bleiben vor allem die Bilder, die Farbgebung, die Kostüme und der Sinn für das Endgültige, welcher dieses Epos durchzieht…und ein sehr verspielter Nicol Williamson als hart am Rande zur Monty Python-Figur spielenden Merlin.
Wenn ich einen Film brauche, der mich unterhält und zugleich aufgrund seiner Machart amüsiert, dann muss es etwas von Ed Wood sein. Wie so oft landete ich an einem Abend, bei einer Wood-Produktion. Diesmal war es mit „Bride of the Monster“ (1955) sein womöglich bester und kompaktester Film.
Während die Kontroverse um Woody Allen langsam wieder abzuebben scheint, wagte ich in der Vorbereitung auf einen neuen Beitrag zu „Film im Dialog“ einen erneuten Blick auf „Blue Jasmine“ (2013). Cate Blanchett ist faszinierend als Frau der besseren Gesellschaft, die plötzlich vor dem Nichts steht. Ihre angeschlagene Psyche, ihre Probleme mit Alkohol und Tabletten, ihre Unfähigkeit sich in ein „Arbeiter“-Leben einzufügen. Sally Hawkins als Schwester brilliert ebenso, einzig Allens Blick auf die Arbeiterklasse ist etwas antiquiert und erinnert eher an die 1950er, denn an die Gegenwart.
…und da mich die Darstellung und die Handlung rund um Cate Blanchetts Jasmine so sehr an Vivien Leigh in „A Streetcar Named Desire“ (1951) erinnert, sichtete ich auch diesen Klassiker wieder einmal. Elia Kazans Inszenierung ist zwar eher dem Theater verhaftet, doch die Darsteller sind fantastisch, Tennessee Williams‘ Adaption seines eigenen Theaterstücks ist äußerst komplex und die Kamera- und Lichtarbeit passen sehr gut in das von Kazan arrangierte Szenenbild, welches geradezu erdrückend erscheint und die männliche Brutalität sowie Blanches langsamen psychischen Abstieg perfekt einfangen.

Crash / http://www.moviepilot.de/files/images/article/file/9915626/StudiocanalArthaus.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s