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Frühwerke von und mit Charlie Chaplin, britische Mini-Serien und Filme die noch vor kurzem im Oscar-Rennen um die Trophäen stritten, standen im Fokus in diesem Monat. Hinzu kamen mit „Todspolka“ und „Heile Welt“ zwei österreichische Produktionen, die ich schon lange sehen wollte und die sich als sehenswerte Beiträge junger und unabhängig arbeitender Filmemacher entpuppten.

Neuzugänge
Ursprünglich hätte George Clooneys Weltkriegsdrama „The Monuments Men“ (2013) bereits im Dezember des Vorjahres starten sollen, und galt als Oscar-Kandidat. Dann wurde der Film überraschend in den Februar verschoben, weit von allen Preisverleihungen weg. Man begründete dies mit der besseren Marktaussicht (á la „Shutter Island). Das Einspielergebnis ist bislang wirklich passabel, doch Clooneys fünfte Kinoregie, ist auch seine schwächste. Der unentschlossen zwischen Gangsterkomödie und ernsthaftem Weltkriegsthementhriller schwankende Film, hat einen sehr unterhaltsamen Start, den typisch-eigenwilligen Clooney-Humor und eine tolle Besetzung. Doch nach dem ersten Akt, fällt der Film in sich zusammen, gerade da nicht klar scheint, was nun wirklich wichtig ist. Die ernsthafte Thematik, oder der Gag.
Die Politsatire „Todespolka“ (2010) ist beinahe vier Jahre alt, doch endlich kam ich dazu, den ambitionierten Independent-Film von Michael Pfeifenberger im Kino zu sichten. Die knapp 80-minütige Darstellung eines Österreichs in der Hand einer rechtsradikalen Partei unter der Führung der volkstümmelnden Kanzlerin Sieglinde Führer, ist streckenweise sehr gelungen und bietet auch einige humorvolle und verstörende Momente. Doch funktioniert Pfeifenbergers Werk mehr als krude Farce (die noch dazu unter einem schwachen Drehbuch leidet), denn für eine Satire fehlt ihr der Biss.
Eine imposante Starbesetzung (allen voran die Oscar-nominierten Meryl Streep und Julia Roberts), ein tolles Drehbuch (Tracy Letts, der sein eigenes Theaterstück adaptierte) und eine unsichtbare Regie. „August: Osage County“ (2013) hat sehr viel was für das scharfzüngige Familienmelodram spricht, doch die Inszenierung von John Wells ist derart anonym geraten, dass die schwächeren Phasen des Buches geradezu hervor stechen und der Film sich allzu sehr auf die tollen Darsteller und die starken Dialoge verlässt.
Ruth Beckermann konnte mich mit ihrem letzten Dokumentarfilm „American Passages“ nicht gerade überzeugen, aber das Konzept nahm mich ein. Ihr Essayfilm „Those Who Go – Those Who Stay“ (2013) ist hingegen eine Sammlung kleiner (manchmal politischer, manchmal pointierter) Vignetten, die sich mir so gar nicht erschließen will. Aufgesetzt und mit behauptetem Tiefgang, der sich schlicht nicht offenbaren will.
Nicht sonderlich tiefgründig, aber umso lustiger ist Wes Andersons „The Grand Budapest Hotel“. Im typischen Anderson-Stil, wandelt man durch das luxuriöse Hotel, welches eine nicht minder luxuriöse Hollywood-Starbesetzung in verschiedensten Rollen beherbergt. Noch mehr denn bei dem Vorgängerwerk „Moonrise Kingdom“, verliert sich die rudimentär aufgebaute Geschichte, im Hagel der humorvollen Aktionen. Wunderschön anzusehen, kurzweilig und toll gespielt (Ralph Fiennes in der Hauptrolle als Gustave H. ist einfach entzückend).
Ebenfalls toll gespielt aber unter der Last seiner eigenen Süße geradezu erstickend, ist „Saving Mr. Banks“ (2013) von John Lee Hancock. Emma Thompson als Autorin der berühmten „Mary Poppins“, wird geradezu als Karikatur englischer Verbortheit gezeigt, während Tom Hanks einen allzu umgänglichen Walt Disney spielt. Kein Wunder, der Film wurde von Disney produziert. Das ändert nichts daran, dass dennoch unterhaltsame Passagen zu sehen sind, und die beiden Hauptdarsteller (wie auch Paul Giamatti in einer kleinen Rolle) einem schnell ans Herz wachsen.
Mit Peter Berg habe ich so meine Probleme. Man sieht seinen Filmen den Anspruch auf großes Kino an, selbst Oberflächenkino wie „Hancock“. Doch wenn er sich ins militärisch-politische Aktionskino begibt, wird es unangenehm. Schon „The Kingdom“ bestach durch toll inszenierte Action, die ideologisch eine unangenehme Schlagrichtung entwickelte. So ist es auch bei „Lone Survivor“ (2013), das eine schief gegangene Navy-Mission zeigt. Das Ensemble rund um Mark Wahlberg spielt gut, doch Berg ist im Gegensatz zu etwa Ridley Scotts „Black Hawk Down“ schlicht nicht davor gefeit, eigenwillige politische Botschaften auszusenden. Wärhend Scott seine Soldaten als unpolitische Werkzeuge zeigte, ist bei Berg immer wieder der eine oder andere Seitenhieb nicht zu entdecken. Da kommen auch die netten afghanischen Menschen, die sich gegen die Taliban stellen, ein wenig spät in die inszenatorische Gleichung. Auch wenn dies auf wahren Begebenheiten beruht, so ist die etwa 90 Minuten lang eingeschlagene Stoßrichtung, zu sehr festgesetzt, als dass sie durch die Ereignisse am Ende noch in irgendeiner Weise relativiert werden könnte. Schade. Ein wenig mehr Ridley Scott hätte nicht geschadet.
Eine Fortsetzung zu einer zum Kultfilm gewachsenen Komödie wie „Anchorman“, ist eine heikle Angelegenheit. Die Fortsetzung zu „Blues Brothers“ etwa, machte beinahe alles falsch, was man nur falsch machen konnte. Die Truppe um „Anchorman 2: The Legend Continues“ (2014) hingegen, weiß um die Stärken des Vorgängers. Adam McKay und Will Ferrell rekreieren die traumhafte Atmosphäre rund um das News Team von Ron Burgundy erneut, auch wenn, wie schon Teil 1, der Film zu lang gerät und nicht alle Gags zünden. Ein willkommenes Wiedersehen mit Ron Burgundy.
Selten war eine künstliche Intelligenz in einem Sci-Fi-Film so betörend und einnehmend wie Scarlett Johansson als Samantha in Spike Jonzes wunderbarem Liebesfilm „Her“ (2013). Völlig zurecht mit einem Drehbuch-Oscar ausgezeichnet und für mehrere Kategorien nominiert (etwa Bester Film), zeigt sich Jonze von seiner sensiblen Seite und spielt in einer dezent aber einprägsam gestaltetenen Zukunftsvision als großer Romantiker. Joaquin Phoenix brilliert als nach einer Trennung zurückgezogen lebender Theodore und wird flankiert von der immer tollen Amy Adams und den in kleinen aber feinen Rollen auftrumpfenden Rooney Mara und Olivia Wilde.
Es war wieder einmal Zeit für ein Midnight Movie und der per Crowdfunding finanzierte Post-Apokalyptische Horrorfilm „Falls the Shadow“ (2011) – mit dem irritierendem deutschen Titel „Zombie Warz“ – versucht sich an einer nachvollziehbaren Endzeitvision, doch die schwach ausgearbeiteten und schwach gespielten Charaktere, lassen kaum ein Gefühl für diese Horroversion aufkommen. Die völlig Sinnbefreit in die Inszenierung geworfenen Zombies helfen auch nicht …

August: Osage County / http://media.npr.org/assets/img/2013/12/24/osage-resize_wide-bd382d7396888cc783451ac4a395ac5f758afff4-s6-c30.jpg

Vor 100 Jahren feierte Charlie Chaplin sein Leinwanddebüt. In dem nur leidlich unterhaltsamen „Making a Living“ (1914), spielt er einen Gauner und Halunken, noch weit weg von seinem bekannten Tramp. Manch typischer Keystone-Gag funktioniert, doch meist ist es nur ein „Malen nach Zahlen“ im frühen Stummfilm.
Seine erste eigene Regiearbeit – „Caught in the Rain“ (1914) – ist eine Spur besser und zeigt Chaplin auch schon als Tramp, und bietet einen kleinen Blick in eine glorreiche Zukunft.
Wenn es um Stummfilmkomik geht, dann muss man auch Stan Laurel und Oliver Hardy nennen. Ihr erster gemeinsamer Auftritt war in dem Stan Laurel-Vehikel „The Lucky Dog“ (1921), einem langgezogenem und relativ humorlosen Verwechslungsspiel. Dagegen ist der 1927 entstandene „Putting Pants on Philip“, mit Laurel und Hardy bereits als Duo beworben, um einiges humorvoller. Erste Gags, die zünden, erste Manierismen, die sich langsam festigen sollten. Auch wenn es sich bei diesem Kurzfilm um eine nicht sonderlich originelle Geschichte handelt, ist auch diese ein enormer Fortschritt im Vergleich zu ihrem ersten gemeinsamen Auftritt.
Steven Moffat konnte „Dr. Who“ neu beleben und hat mit „Sherlock“ ein richtiges TV-Phänomen kreiert, doch zwischen diesen beiden TV-Erfolgen, lag die Quasi-Fortsetzung zu Robert Louis Stevensons „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. James Nesbitt ist famos in „Jekyll“ (2007) und trägt über die sechs Episoden andauernde Mini-Serie. Manche Kürzung wäre nicht schlecht gewesen, manch Konzentration auf den historischen Hintergrund hätte mir mehr gefallen. Stattdessen gibt es viel zu oft das Abkippen in Monster-Horror, was niemals überzeugend oder erschreckend wirkt. Doch so bleibt es eine unterhaltsame und intelligente Neu-Interpretation.
Der mit dem Oscar gekrönte Animationskurzfilm „Mr Hublot“ (2013) von Laurent Witz & Alexandre Espigares ist ein visuell ansehnliches Werk, das inhaltlich auf sehr sicherem und konservativem Boden bleibt. Mir gefiel zwar „Get a Horse!“ besser, doch „Mr Hublot“ weiß seinen Charme zu entfalten, auch wenn er mich nicht gepackt hat.
Mein Versuch den gefeierten Kleinstadtroman „Empire Falls“ (2005) zu lesen, endete bei Seite 30. Nun habe ich mich über den zweiteiligen HBO-Film gewagt, und bin immer noch nicht überzeugt. Die Darsteller sind hervorragend gewählt und spielen, als wären sie in einer Fünfziger- oder Sechzigerjahre Prestigeproduktion. Paul Newman und Robin Wright Penn liefern die feinsten Leistungen ab, doch auch Ed Harris überzeugt. Am Ende der betulichen Inszenierung von Fred Schepisi, sieht man dann einen Handlungstwist, der sich zwar angekündigt hat, dennoch wenig überzeugend bleibt. So ist „Empire Falls“ eine Filmstadt, die man gerne kurz besucht, aber in der man nicht zu lange verweilen möchte.
Das Kino-Debüt von Michael Mann bietet bereits alles, was in späteren Werken, bis zur Perfektion ausgearbeitet wird. „Thief“ (1981) ist ein Film, der vor Achtzigerjahre Noir geradezu strotzt und mit James Caan den perfekten Hauptdarsteller bietet. Man mag die Machohafte Geschichte als simpel abtun, doch im Kern ist es eine profunde Analyse zu Machtstrukturen und zudem äußerst unterhaltsam.
Weniger humorvoll oder unterhaltsam ist leider das Remake des südkoreanischen „Oldboy“ (2013) durch Spike Lee geworden. Während Josh Brolin eine sehr passende Hauptrolle abgibt, liefert Lee kaum einen Grund dafür, weshalb man sich einen in die USA versetzten Neuaufguss ansehen soll. Stattdessen spielt er vor allem auf Kameraebene derart herum, dass er den dynamischen Szenen, jegliche Dynamik entzieht. Die Beziehung zwischen Brolin und der von Elizabeth Olson gespielten Marie ist zudem noch schwächer/konfuser ausgearbeitet, denn im Original.
Schon länger las ich über die Dokumentation „Die Mondverschwörung“ (2011) von Thomas Frickel, in der eine ganze Armee an Verschwörungstheoretikern zu Wort kommt und sich dabei meist selbst entlarvt. So humorvoll und oft auch erschreckend die einzelnen Passagen teilweise geraten sind, so schwer scheint es Frickel, die Episoden zusammenhängend zu erzählen und zu einer fortlaufenden Dokumentation auszuarbeiten.
1988 war noch eine Zeit als Julia Roberts eine aufstrebende junge Darstellerin war, und an der Seite von Annabelle Gish und Lili Taylor in dem humorvollen aber zu sehr mit Klischees durchtränktem Melodram „Mystic Pizza“ ihr Können unter Beweis stellte. Das Potential der drei Darstellerinnen ist offenkundig und der Debütfilm von Donald Petrie ist sehr sympathisch, allerdings auch mit vielen Wendungen, die man aus viel zu vielen ähnlichen Filmen kennt.
Der teilweise verschollene Kurzfilm „The Battle of the Century“ (1927) von Clyde Bruckman, ist eine der frühesten Arbeiten von Stan Laurel und Oliver Hardy als offizielles Team. Der an breit ausgespieltem Slapstik interessierte Film, hat einige sehr humorvolle Szenen, zeigt erste Anzeichen für später fest etablierte Manierismen des Duos, doch für sich alleine, ist dieser Film ein wenig zu lang geraten.
Dank der Doppel-DVD „King of Slapstick“, war es mir möglich eine ganze Reihe von frühen Kurzfilmen von und mit Charlie Chaplin zu betrachten. Dabei zeigt sich aber auch, dass auch Chaplin viele Arbeiten erschuf, die heute dem Qualitätsmaßstab nicht mehr stand halten. In „Cruel, Cruel Love“ (1914) ist Chaplin noch nicht als Tramp zu sehen, ebenso in „Recreation“ (1914). Beide Werke bieten somit einen Blick auf einen etwas anderen Chaplin. Doch auch die Filme in denen er bereits in der Rolle des Tramp zu sehen ist, sind Entdeckungen, da er den Charakter noch mit viel mehr Hinterlist ausgestattet hatte. Highlights sind, im ersten Sichtungsblock, der „Hinter den Kulissen“-Film „A Film Johnnie“ (1914) sowie „His New Profession“ (1914), während „The Property Man“ (1914) und „His Musical Career“ (1914) zu wenig aus seinen guten Ausgangslagen macht. Vor allem „The Property Man“ enttäuscht nach einem guten Beginn.
In einer zweiten Sichtung türmten sich wenig unterhaltsame Propagandafilme wie „The Bond“ (1918) und Verwechslungskomödien wie „A Busy Day“ (1914) und „Gentlemen of Nerve“ (1914) sowie der erste Auftritt Chaplins im Tramp-Kostüm mit „Kid Auto Races at Venice Beach“ (1914). Doch dem gegenüber stehen gelungene Arbeiten wie das sehr unterhaltsame „Police“ (1916) sowie „A Night Out“ (1915) und „Dough and Dynamite“ (1914). Auch der verwirrende aber nicht minder komische Liebesreigen „Those Love Pangs“ (1914) gehört zu den besseren Arbeiten aus dieser Zeit.
Der Beginn des 21. Jahrhunderts war keine glorreiche Zeit für Woody Allen. Filme wie das schamlos nostalgische „The Curse of the Jade Scorpion“ (2001) zeigen Allen in einer Schaffenskrise. In der Hauptrolle wie auch als Autor und Regisseur, liefert Allen bekannte Gags und Handlungsverläufe, die nur deshalb mehr oder weniger unterhaltsam sind, da den Film ein gewisser Charme durchzieht. Der Rückgriff auf Gaunerstücke der Dreißiger und Vierziger rettet die ansonsten sehr langweilige Krimikomödie.
Ingmar Bergmans Fernsehfilm „Trollflöjten“ (1975) entpuppt sich als eigenwillige Erfahrung. Zunächst, da Bergman eine Bühnenaufführung aus allen möglichen Blickwinkeln inszeniert. Nachdem die Konzentration auf dem Publikum ruhte, versinkt er regelrecht im Bühnenzauber der Mozart/Schikaneder-Oper, um sich dann immer wieder Pausen zu gönnen, in denen er das Leben hinter der Bühne zeigt. Wo die Kinderdarsteller Donald Duck zur Entspannung lesen. Dies alles noch dazu auf Schwedisch. Vor allem dies war sehr ungewohnt, da ich das Libretto und die Inszenierungen bisher nur auf Deutsch kannte. Diese Sprachbarriere und Bergmans eher konservative Bühnenregie schmältern ein wenig mein Vergnügen. Da ist mir Peter Ustinovs Inszenierung aus 1971 eine Spur sympathischer.
Als 1989 Euzhan Palcy die Romanadaption „A Dry White Season“ in die Kinos brachte, herrschte in Südafrika noch das Apartheid-Regime. Das mit guten Intentionen versehene Melodram rund um den Kampf der schwarzen Bevölkerung gegen ihre weißen Unterdrücker, profitiert von einem ernsthaft aufspielendem Ensemble rund um Donald Sutherland und Marlon Brando in einer kleinen aber sehr fein gespielten Rolle als Bürgerrechtsanwalt. Doch die Moral wird mit sehr schwerfälligem Gestus vorgetragen. So bleibt die gute Intention und eine bis hin zur Karikatur vorangetriebene Schwarzweiß-Malerei (insbesondere in Form des von Jürgen Prochnow gespielten Bösewichts).
Daniel Radcliffe hat nach seiner lang andauernden Karriere als Harry Potter beinahe alles richtig gemacht, um das Image des jungen Zauberers abzuschütteln. Darunter etwa die Rolle als junger Allen Ginsberg in John Krokidas unterhaltsamen, Comicartigen „Kill Your Darlings“ (2013). Radcliffe ist Teil eines hervorragend zusammen gestellten Ensembles (Dane DeHaan, Jack Huston, Ben Foster, Elizabeth Olsen und Michael C. Hall in wichtigen Rollen), welches durch die Anfänge der Beat-Bewegung wandelt.
Um die Jahrtausendwende herum, war Woody Allen in einem tiefen kreativen Loch gefangen. Sein Kurzfilmbeitrag 2001 zur moralischen Wiederherstellung des Gemüts New Yorks – „Sounds from A Town I Love“ – hat alle Eigenheiten eines Allen-Films und doch keinerlei Mehrwert oder nachhaltigen Moment zu bieten. Noch schlimmer steht es um seine Komödie „Hollywood Ending“ (2002). Auf einem einzigen Gag aufgebaut (ein Regisseur wird blind und dreht den Film dennoch), entspinnt sich eine träge Angelegenheit, die so manch guten Gag zu bieten hat, aber insgesamt den genauen Moment zeigt, an dem Allen eine Neuausrichtung nötig hatte.
Die vom Franzosen produzierte Dokumentation „Ellis Island“ (2013), ist ein perfekter Beleg dafür, weshalb Arte immer wieder einen Blick wert ist. Die Mischung aus Interviews mit Experten und Archivmaterial sowie Spielfilmszenen (etwa Chaplin), erzeugt ein stimmiges Bild des Lebens auf der berühmten „Einwandererinsel“. Auch wenn sie eine Spur zu lang geraten ist, ist die Doku eine Empfehlung.
Nach der Ansicht der „Ellis Island“-Dokumentation von Michael Prazan, war es fast unumgänglich den berühmten Kurzfilm „The Immigrant“ (1917) von und mit Charlie Chaplin erstmals zu sehen. Chaplin startet seinen Film sehr effektiv und humorvoll, wie auch dramatisch, auf einem Schiff, voller Immigranten und trägt das Geschehen in die Straßen New Yorks, wo Chaplin als der Tramp, sich ein Mahl leisten möchte, mit einer gefunden Münze. Ein ungemein lustiger und anrührender Film, der bereits die besten Eigenschaften seiner späteren Spielfilmarbeiten in sich trägt.
Die Achtziger und frühen Neunziger hatten ein Talent dafür, harmlose Komödien mit furchtbar unnötigen Gewaltausbrüchen zu „würzen“. So auch die charmante aber sich zu sehr auf seine Ausgangsidee verlassende Slapstickkrimikomödie „Pure Luck“ (1991) mit Martin Short und Danny Glover als ungleiches Ermittlerpaar. Short als Unglücksrabe und Glover als knallharter Detektiv, auf der Suche nach der verschollenen Tochter des Firmenmagnaten, verläuft genau so, wie man es sich von der ersten Minute an erwartet. Die beiden Hauptdarsteller erzeugen aber genügend Interesse, dass man sich doch immer wieder amüsiert zurücklehnt.
Dominic Cooper ist perfekt besetzt als Ian Fleming, doch die vierteilige Mini-Serie „Fleming“ (2014) unter der Regie Mat Whitecross versucht nicht nur die Parallelen zwischen Fleming und seiner Romanfigur James Bond aufzuzeigen, sondern stürzt sich auch immer wieder in manchmal humorvolle, meist aber wenig überzeugende Bond-Abenteuer, die vor allem aufgrund Coopers‘ Charisma funktionieren.
Aufgrund eines Standard-Interviews mit dem dänischen Filmemacher Mads Brügger, stieß ich auf seine beiden Dokumentarfilme „Det rode kapel“ (2009) – in welchem er als Kopf einer dänisch-koreanischen Theatergruppe nach Nordkorea reist und die dortigen Verhältnisse beschreibt – und „The Ambassador“ (2011) – in welchem Brügger sich als Botschafter Liberias ausgibt, um in Zentralafrika Diamanten zu schmuggeln. Beide Filme ruhen auf den Guerilla-Taktiken von Brügger, dabei ist „The Ambassador“ der gelungenere, was auch vor allem daran liegt, dass Brügger in „Det rode kapel“ wenig Neues zu berichten hat. Kein Wunder, reist er schließlich immer mit Aufpassern durch das Land. In „The Ambassador“ lehnt er sich weiter aus dem Fenster und porträtiert ein marodes System, in welchem er seinen Weg zu machen versucht.
Genau genommen ist „Boeing (707) Boeing (707)“ (1965) eine sexistische Angelegenheit. Tony Curtis als Reporter, der mit drei Stewardessen liiert ist (alle drei, reinste Karikaturen der Länder aus der sie stammen – England, Frankreich, Deutschland) und Jerry Lewis als Kollege, der sich in seiner Wohnung einnistet und seine Position einnehmen will. Unterstützt von Thelma Ritter als gehetzte Haushälterin, ist die boulevardeske Komödie ein einziger großer Spaß. Nicht immer politisch korrekt, aber mit großartigen Darbietungen von Curtis (dessen komödiantische Seite heute noch gern übersehen wird) und dem ewig unterschätzten Jerry Lewis.
Der spanische Thriller „Mientras duermes“ (2011) ist ein Beleg für die inszenatorischen Fähigkeiten von Jaume Balagueró und die Klasse seines Hauptdarstellers Luis Tosar. Der ruhig aufgebaute Thriller arbeitet sich langsam und gekonnt zu seinen Enthüllungen voran, dabei bleibt er allerdings auch öfters zu sehr an Klischees hängen, wie etwa dem bösen kleinen Kind.
Der früh verstorbene Satoshi Kon gilt in der Anime-Szene als Großmeister. Da ich selbst nur selten Animes sichte, war der visuell überbordende Sci-Fi-Fantasy-Trip „Paprika“ (2006) eine Offenbarung. Zwar nahm die Handlung die eine oder andere Abzweigung, die mich weniger interessierte, doch hatte man dafür immer wieder aufregende Tableaus zu betrachten, die auch für sich selbst stehend, wie ein kunterbunter Rausch wirken.
Das Regiedebüt von Schauspieler Todd Field war einer der überraschenden Oscar-Kandidaten im Jahr 2001. „In the Bedroom“ ist das ruhig vor sich hin brodelnde Drama, rund um Eifersucht, Trauer und die Wege, Trauer zu verarbeiten. Ein hervorragend aufspielendes Ensemble (Sissy Spacek, Tom Wilkinson, Marisa Tomei, Nick Stahl und William Mapother), eine sehr konzentrierte Inszenierung und ein selbstbewusster Erstlingsregisseur, der keine überraschende aber dafür umso eindringlichere Geschichte präsentiert, die seit den Oscar-Nominierungen leider zu wenig Beachtung gefunden hat.
Während Jakob M. Erwa mit seinem per Crowdfunding finanziertem „Homesick“ kurz vor der Fertigstellung steht, konnte man im ORF seinen ersten richtigen Hit bewundern. „Heile Welt“ (2007) ist ein eindringliches Portrait einer Gruppe sehr unsympathischer Jugendlicher und der sie umgebenden, vom Leben geschlagenen und teils überforderten Eltern. Teilweise sind die Charaktere, vor allem die Jugendlichen, zu unsympathisch um das Interesse hoch zu halten, doch die Inszenierung Erwas sorgt für eindringliches Kino.
Noch eine Spur eindringlicher ist Jan Ole Gersters „Oh Boy“ (2012) mit einem perfekt besetzten Tom Schilling in der Hauptrolle, als durchs Leben driftender zielloser junger Mann. Die Woody-Allen-Anleihen sind überdeutlich und Gersters feiner Einsatz von Schwarzweiß-Fotografie und Musik passen sich perfekt dem Spiel von Schilling an. Es ist im Grunde die deutsche (und männliche) Version von „Frances Ha“. Dieselben Charaktere, ein ähnliches Umfeld, dieselben (finanziellen) Probleme und doch funktioniert Gersters Version viel besser, denn jene von Baumbach.
Cobra

Heile Welt / http://www.allesfilm.com/pics/heilewelt_gang.jpg

The 1001 Project
Der letzte Kinofilm von Ingmar Bergman, wurde einer seiner größten Triumphe. „Fanny och Alexander“ (1982) ist eine reichhaltige und klug aufgefächerte Familiengeschichte, angesiedelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts inmitten einer gut situierten bürgerlichen Familie. Beinahe jedes Familienmitglied wird derart einprägsam in die Handlung eingeführt, dass man sie nicht wieder vergisst. Die beiden Kinder, vor allem Alexander, erhalten eine tragische Note, durch den Einbezug des diesen Film umschwebenden „Hamlet“. Großes, intelligentes Kino.

Re-Visited
Heute betrachtet, wirkt es geradezu wie eine Schande, dass der für HBO produzierte „The Second Civil War“ (1997) keine größere Aufmerksamkeit erhielt. Seit seinen Erfolgen mit den „Gremlins“-Filmen, scheint dies geradezu der rote Faden in der Karriere von Regisseur Joe Dante zu sein. Womöglich liegt die Geringschätzung dieses kleinen, wenngleich fehlerhaften Juwels gerade in der Tatsache, dass die etwa 90 Minuten lange Satire vor Ideen geradezu übergeht und diese nicht alle gebührend ausarbeiten kann. Zudem werden plattere Gags zu lange ausgespielt und ihrer Wirkung beraubt. Ein wenig mehr Zeit, ein etwas höheres Budget und wir würden von einem Meisterwerk sprechen.
Alfonso Cuarón ist dank „Gravity“ nun mehrfacher Oscar-Preisträger, doch schon zuvor zeigte er mit seiner dystopischen Sci-Fi-Adaption „Children of Men“ (2006), dass er ein Auge für fantastische Stoffe hat, die er noch dazu mit einem einnehmenden Realismus umsetzt. „Gravity“ mag Cuarón seinen Oscar verschafft haben, doch das unterschätzte britische Wunder (wenngleich mit manch kleiner Schwäche auf Soundtrackebene…so wie auch bei „Gravity“) gehört ebenso bewundert.
Akira Kurosawa und „Rashomon“ (1950). Erneut eine wunderbare Erfahrung, weit weg von den Samurai-Spektakeln die er später inszenieren soll und voller doppelter Böden. Ein Genuss.
Mein zweiter Versuch sich „Frances Ha“ (2013) anzunähern. Erneut sehe ich, was mich berühren soll und erneut sehe ich nicht, was daran interessant sein soll. Der „Film im Dialog“-Beitrag bietet zwei sehr unterschiedliche Ansichten dazu.
Je öfter ich mir Filme von Michael Mann ansehe, desto mehr merke ich, wie sehr ich seinem Kino verfallen bin. So auch dem hervorragendem Thriller „Collateral“ (2004), der neben der großartigen Atmosphäre vor allem ein tolles Duell zwischen Jamie Foxx als Taxifahrer und Tom Cruise als Auftragskiller bietet. Ihre Dialoge – und auch viele andere Wortduelle mit anderen Charakteren – sind das Herzstück dieses Thrillers, der leider, so wie beinahe jeder Film von Mann, zu wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Das Finale mag sich zu sehr in Genre-Klischees verlieren, aber der Weg dorthin, ist eine Augenweide.
Es lag wohl am bevorstehenden Finale der 4. Staffel von „The Walking Dead“, dass der Sinn nach einem Horrorfilm stand und so griff man wieder zu James Wans kompetent gemachten und ansprechend inszenierten Gruselthriller „The Conjuring“ (2013). Die Einflüsse von Filmen wie „Der Exorzist“ sind überdeutlich, doch Wan bringt ein paar eigene Ideen in das Geschehen und es schadet auch nicht dass mit Lili Taylor, Vera Farmiga und Patrick Wilson arrivierte Darsteller, das vorhersehbare Geschehen vorantreiben.

Collateral / http://iv1.lisimg.com/image/5137973/600full-collateral-screenshot.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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