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Langsam kommt das Kinojahr in Fahrt. Riskante Hollywood-Blockbuster wie „Noah“ und „Transcendence“, sowie heimische Fernsehevents wie Andreas Prochaskas „Das Attentat Sarajevo 1914“ prägten dieses Monat. Persönlich kamen noch Film-Marathons zu Michael Mann und Woody Allen hinzu, und viele Filmdialoge, die auch hier verlinkt sind.

Neuzugänge
Es ist seit Jahren ein Herzensprojekt von Darren Aronofsky gewesen und dies sieht man auch. „Noah“ ist erfüllt von Ambition und interessanten Zugängen, doch was fehlt, ist eine interessante Ausarbeitung der gesamten Geschichte, inklusive der Charaktere. Neben einem tollen Russell Crowe in der Titelrolle, gibt es kaum etwas zu betrachten. Zumindest die Sintflut ist beeindruckend geraten. YP hat eine positivere Meinung zu „Noah“ und genau darüber haben wir uns unterhalten.
Nick-Hornby-Adaptionen sind ein einträgliches Geschäft. Die Bücher des Briten sind alle Bestseller und selbst wenn man keines gelesen hat, so kennt man den Namen des Autoren und seinen Stil. Das lockt prominente Darsteller zu einer Adaption und das Publikum in den fertigen Film. „A Long Way Down“ kommt aber über diese Reize nicht hinaus. Basierend auf einer tollen Grundidee – vier Menschen wollen sich von einem Hochhaus stürzen und laufen sich dabei zufällig über den Weg – gelingt es Regisseur Pascal Chaumeil nicht, mehr daraus zu machen. Die Darsteller bleiben in ihren bekannten Film-Images stecken und die Kameraarbeit macht aus einem Kinofilm, einen mittelprächtigen Fernsehfilm. Zu diesem und weiteren Nick-Hornby-Verfilmungen haben YP und ich uns unterhalten.
Scott Cooper verhalft mit seinem Country-Musik-Drama „Crazy Heart“ dem stets grandiosen Jeff Bridges endlich zu seinem Oscar. Doch wies in dem Film nichts auf einen harten Macho-Film wie „Out of the Furnace“ hin. Die Besetzung ist fantastisch (Christian Bale, Woody Harrelson, Casey Affleck, Forest Whitaker, Willem Dafoe) und liefert auch großartige Darbietungen, doch das Geschehen mäandert nach einer ansprechenden ersten halben Stunde zu einem vorhersehbaren Ende hin.
Es ist kaum zu glauben, aber der „Lego Movie“ hat es zu einem weltweiten Blockbuster geschafft. Dabei ist dies nicht mehr als eine Deluxe-Ausgabe der bereits bekannten Lego-Computerspiele und Kurzfilme. Dass die Handlung eine Botschaft der gelebten Individualität und Kreativität transportiert, ist lobenswert, gerät gegen Ende aber etwas zu kitschig. Interessant jedoch, wie unter den hektisch geschnittenen Action-Szenen der Body Count die Ausmaße eines knallharten Actionfilms erreicht, ohne dass man es jedoch wirklich bewusst wahr nimmt.
Wally Pfister hat für seine Kameraarbeit an Christopher-Nolan-Filmen Berühmtheit und einen Oscar („Inception“) erlangt. Sein Debüt auf Basis eines Drehbuchs von Drehbuchdebütant Jack Paglen ist ein ambitioniertes Sci-Fi-Experiment, rund um künstliche Intelligenz, Nano-Technologie und vor allem Liebe. „Transcendence“ versucht sehr viel auf einmal zu erreichen, und schafft es doch nur oberflächlich bei den vielen Punkten hängen zu bleiben. Kernproblem ist ausgerechnet die Liebesgeschichte zwischen Johnny Depp und Rebecca Hall, die einfach viel zu viel Raum einnimmt und dennoch kaum einnimmt. Ein nobler Versuch, aber leider nur ein Versuch. In unserem Dialog versuchen wir den Film noch einmal von allen Seiten aufzuarbeiten.
Erfolgreicher verlief hingegen Joon-ho Bongs Adaption der französischen Graphic Novel „Snowpiercer“ (2013), die in Südkorea zum teuersten und zugleich erfolgreichstem koreanischen Film (bislang) avancierte. Im Grunde ist die Geschichte eines Zuges, der den letzten Rest der Menschheit beherbergt und durch das ewige Eis gondelt, ein einfacher B-Movie. Unter der sicheren Hand von Joon-ho Bong wird daraus ein unglaublich selbstsicheres, großartig aussehendes und mit viel bitterbösem Humor versehenes Genre-Stück, welches sich hin und wieder ein wenig zu sehr in Sentimentalitäten verliert. Tilda Swinton gebührt für ihre feine Darstellung, jeder Darstellerpreis verliehen, den man finden kann. Einen Dialog in dem von beiden Seiten sehr viel Lob über den Film ausgeschüttet wird, gibt es auch noch zu lesen.
Andreas Prochaska ist in einem Karrierehoch. Sowohl im Kino- als auch im TV-Bereich feiert der vielseitige Filmemacher Erfolge. Sein Historiendrama „Das Attentat Sarajevo 1914“ kann sich auf eine interessante Thematik (das Attentat auf Franz Ferdinand und die historisch-politischen Hintergründe und Folgen) stützen, macht daraus aber nicht mehr, als einen brav inszenierten Verschwörungskrimi. Doch weder ist Heino Ferch ein deutscher Donald Sutherland, noch kann Prochaska wirklich frei von der Leber weg inszenieren. Stattdessen sieht man ein adäquates TV-Event, welches viel richtig macht, aber wenig Neues bietet.

Snowpiercer / http://collider.com/wp-content/uploads/snowpiercer-tilda-swinton-1.jpg

Die Achtziger-Actionfilme feiern ein ironisches Revival und so entdeckt man auch lachhaft-formelhafte Machwerke wie „Cobra“ (1986) von und mit Sylvester Stallone. Stallone spielt einen Elite-Polizisten (dessen Status innerhalb der Polizei ein wenig unklar bleibt), der einer merkwürdigen Geheimorganisation von Serien-Axt-Mördern auf der Spur ist. Der Film wird nicht plausibler.
Es war an der Zeit, die noch fehlenden Filme in der Michael-Mann-Filmografie nachzuholen. Beginnend mit der Fernsehfassung von „Heat“, dem Thriller „L.A. Takedown“ (1989). Die vor dem Klassiker entstandene Fernsehfassung zeigt vor allem, dass man für gutes Genrekino die entsprechenden Mittel und Darsteller benötigt. Noch viel merkwürdiger ist jedoch der Weltkriegs-Horrorfilm „The Keep“ (1983) in dem Jürgen Prochnow eine Nazi-Einheit anführt, die in Rumänien versehentlich einen Dämon freisetzen und diesen nun bekämpfen müssen. Eine fantastische Besetzung und eine absurd-humorvolle Handlung, genügen nicht um daraus auch einen wirklich interessanten Film entstehen zu lassen. Ganz anders verhält es sich mit „The Last of the Mohicans“ (1993), in dem Daniel-Day Lewis eine fantastische Leistung als Hawkeye liefert und inmitten der britischen, französischen und indianischen Fronten festsitzt, um eine Frau zu retten, in die er sich verliebt (Madeleine Stowe). Großartige Kameraarbeit, eine intelligente Regie, die durch eine etwas absurde Handlung führt und tolle Darsteller. Wären da nicht die etwas zu gedehnt ausgefallenen Slow-Motion-Sequenzen und der Soundtrack, wäre dies ein weiterer Klassiker in der Liste von Michael Mann.
Ebenfalls nicht zum Klassiker schafft es sein zu zelebrierend geratenes Biopic „Ali“ (2001), in dem Will Smith eine hervorragende Darbietung liefert und von einem tollen Ensemble (vor allem Jamie Foxx und Jon Voight) unterstützt wird. Doch Mann, der sich vor allem auf die religiöse Erweckung die zivilrechtlichen Streitigkeiten zwischen Ali und den USA konzentriert, gefällt sich auch hier, zu sehr in Slow-Motion-Sequenzen, die den Titelcharakter in ein zu unreflektiert-heroisches Licht tauchen.
Nachdem ich „Rashomon“ erneut sichtete, entdeckte ich, dass es ein Western-Remake von Martin Ritt gibt. „The Outrage“ (1964) kann aber in keiner Weise an das japanische Original heran kommen, was schon mit der etwas ausladenderen Inszenierung beginnt und im unnötig-prominenten Casting (Paul Newman) endet. Kein Vergleich zu Kurosawa.
Während Spike Jonze mit „Her“ soeben international für Aufsehen sorgt, geriet ich auf der Website zum Film zu einem – nennen wir die Feature Presentation begleitenden – Kurzfilm unter seiner Regie, nach einem Drehbuch von Lena Dunham. „Choose You“ (2013) ist ein die Reality-TV-Gewohnheiten pervertierender Blick auf ein Beziehungsdrama, inmitten einer Disco, welches unter Mithilfe des enthusiastischen Publikums ein bitteres Ende nimmt. Die Grundidee ist charmant, die Umsetzung kompetent, doch wirklich packend ist nur Michael Shannon als etwas dämlicher DJ.
Er ist ein zweifach Oscar-nominierter Schauspieler und gilt dennoch kaum als guter Darsteller, viel mehr als Boulevard-Liebling. Doch wer Jude Law in „Dom Hemingway“ (2013) sieht, wird dies vielleicht noch einmal überdenken. Seine Leistung ist der Hauptantrieb einer merkwürdig antriebslosen Handlung rund um den Safeknacker Dom Hemingway, der nach 12 Jahren wieder aus dem Gefängnis kommt. Neben Law ist es ein zurückgenommener Richard E. Grant, der für die nötige Balance sorgt, während Law in bester „Bronson-Tom-Hardy“-Manier die Leinwand sprengt. Dass Richard Shepard merkwürdig wenig mit diesem Charakter anzufangen weiß, ist schade.
In meinem Wunsch, alle Woody Allen-Filme mit der Zeit endlich gesehen zu haben, habe ich mich nun auch zwei Frühwerken genähert. Zum einen der „Neubearbeitung“ eines japanischen Thrillers, aus dem Allen mit neuem Dialog und ein paar eingefügten humoristischen Meta-Szenen eine absurde Agentenfarce macht. „What’s Up, Tiger Lily?“ (1966) beginnt amüsant, verliert aber zunehmend an Unterhaltungsfaktor. Ganz anders verhält es sicht mit „Take the Money and Run“ (1969), einer Mockumentary mit ihm selbst als erfolglosem Gangster. Ein Film der bereits erahnen lässt, was Allen später in „Zelig“ oder „Broadway Danny Rose“ erschaffen sollte.
Jahrelang verfolgte mich nun schon der hoch gelobte deutsche Kurzfilm „Staplerfahrer Klaus“ (2001) und nun war es soweit und ich sah ein brillantes Ereignis. In Form eines Ausbildungsfilms, wird der erste Arbeitstag des frisch zum Staplerfahrer ausgebildeten Klaus gezeigt und wie er mitten in einem Massaker landet.
Erst jüngst erfuhr ich hingegen von der Existenz der TV-Produktion „Medea“ (1988) von Lars von Trier, der auf Basis eines Drehbuchs von Carl Theodor Dreyer eine hoch artifizielle Welt erstehen ließ und dabei immer wieder auch die Anklänge an Dreyer wieder gibt. Bei einem etwas höherem Budget, wer weiß was von Trier heute, oder ein Nicolas Windig Refn daraus machen könnten. Dabei ist der TV-Film auch in der vorliegenden Form, ein beeindruckendes Werk.
Leider weniger beeindruckt hat mit Roman Polanskis „La Vénus à la fourrure“ (2013) mit Emanuelle Seigner und Mathieu Amalric als Darstellerin und Autor, die sich vom Vorsprechen für eine Rolle in einem Stück basierend auf Leopold von Sacher-Masochs Roman „Venus im Pelz“ hin zu einem devoten Rollenspiel weiter entwickeln. Klingt spannend, ist es aber nur bedingt, da Polanski seinen Figuren kaum nennenswerten Hintergrund oder Motivation mitgibt.
Ein Dokumentarfilmdoppel der besonderen Sorte lieferten die griechische Produktion „Exomologiseis enos oikonomikou dolofonou“ (2007), basierend auf dem autobiografischem Sachbuch von John Perkins, sowie Errol Morris Politikerporträt „The Unknown Known“ (2013) über und mit dem ehemaligen Verteidigungsminister der USA Donald Rumsfeld. Wer das Buch, zu ersterer Arbeit, gelesen hat, erkennt einige nette stilistische Ideen, doch bleibt der Film eine groß angelegte Beichte, wie schon das Buch, und kippt trotz aller interessanten Informationen (und Widersprüche) ins Selbstgefällige, was aber mehr an Perkins liegt. Bei Errol Morris hingegen ist es faszinierend einem die Welt beinahe völlig durch seine Brille hindurch blickende Person zu sehen, ein ehemaliger Minister, der nicht einmal im Angesicht unwiderlegbarer Fakten seine Meinung ändert. Nicht ganz so außergewöhnlich wie das McNamara-Porträt „The Fog of War“, aber dennoch eine interessante und sehr einnehmende Arbeit.
Ausgerechnet die hoch gelobten Arbeiten von Denis Villeneuve – „Incendies“ und „Prisoners“ – haben mich ein wenig skeptisch, wenngleich beeindruckt ob ihrer Kraft, zurückgelassen. Das schwarz-weiß Drama „Polytechnique“ (2009) hingegen, überzeugte mich, mit seiner Intelligenz und seinen bildgewaltigen Sequenzen, eines Schulmassakers. Auch wenn hin und wieder ein wenig zu viel Melodram (wie auch bei anderen Villeneuve-Filmen) hinein spielt, so bleiben die schockierenden Bilder im Kopf hängen.
Noch beängstigender, kafkaesker und eindringlicher ist dann „Enemy“ (2014), nach einem Roman von José Saramago, in dem Jake Gyllenhaal einen Uni-Professor spielt, der zufällig über seinen Doppelgänger stolpert. Die Wendungen und Haken, die die Handlung schlägt, werden von Villeneuve in experimentell angehauchte Sequenzen gehaucht, mit einer dunklen Farbpalette. Großartig, wenngleich es oft schwer fällt, der verwirrenden Handlung zu folgen.
Zufällig stieß ich auf den einmintügen Kurzfilm „Mickey Mouse in Vietnam“ (1966) von Lee Savage. Die stumme 16mm-Arbeit zeigt die Disney-Ikone fröhlich in die Armee einziehend, fröhlich nach Vietnam fahrend und ebenso fröhlich bei Ankunft im Land niedergeschossen. Erst im letzten Moment verschwindet das Grinsen aus Mickeys Gesicht. Eine bitterböse Arbeit, die auch genauso gut die Hurra-Mentalität der europäischen Nationen vor dem 1. Weltkrieg hervorragend treffen würde.
Als Fernsehaufzeichnung zu Gesicht bekam ich nun endlich auch Michael Hanekes Bearbeitung von Mozarts „Cosí fan tutte“ (2013). Die Inszenierung an der Madrider Oper ist betont modern gehalten, aber wie so oft bei Opernaufzeichnungen, kippe ich einfach nicht hinein. Es fehlt das Erlebnis direkt vor Ort zu sein…und zudem mangelt es mir an Verständnis für die Kunstform Oper. Eine zusätzliche Distanz die sich vor dem Fernsehschirm kaum aufheben lässt.
Zwei Dokumentationen über große Schauspieler liefen mir zufällig über den Weg. Zunächst die von Richard Shepard inszenierte „I Knew It Was You: Rediscovering John Cazale“ (2009), die sich in knapp 45 Minuten der kurzen aber umso intensiveren Karriere von John Cazale widmet. Der Theaterakteur, der eher zufällig beim Film landete, und dabei zwar nur in fünf Filmen in wichtigen Nebenrollen agierte, wobei alle Filme für den Oscar als Bester Film nominiert wurden. Im Rückblick erscheint es geradezu kriminell, dass Cazale nicht für „Dog Day Afternoon“ für einen Oscar nominiert wurde. Bei den persönlichen Erinnerungen an Cazale, driftet die Doku leider immer ein wenig ins Rührselige ab und liefert zudem auch nicht allzu viel Neues über Cazale. Eher ein herzlicher Rückblick, für Menschen, die das Gesicht aber den Namen dazu nicht kannten. Etwas ambitionierter ist da schon „Brando“ (2007) von Mimi Freedman. Die knapp dreistündige Chronik nimmt sich in famosen Archivaufnahmen, seiner frühen Karriere an und versucht eine Brücke zu seinem Privatleben zu schlagen. Bei der ausufernden Karriere die Brando hatte, ist dies beinahe unmöglich in drei Stunden abzudecken und auch hier wird zu oft der Rührseligkeit Tür und Tor geöffnet. Schade auch, dass seine weniger geglückten Filme und Darstellungen beinahe ohne jede Kritik übergangen werden. Gerade was „The Godfather“ angeht, sind aber diese beiden Dokumentationen mehr als empfehlenswert.
Nachdem ich einige Berichte über den 1. Weltkrieg und auch über das Weihnachtswunder von 1914 gelesen hatte, entdeckte ich die Französisch-Englisch-Deutsche Produktion „Joyeux Noel“ (2005) von Christian Caron, die für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert war und mit einer ansprechenden Besetzung arbeitet. Doch während Daniel Brühl oder Dany Boon sehr gut in ihre Rollen passen, sehen Diane Kruger und Benno Führmann geradezu lächerlich aus, wenn sie Opernsänger darstellen müssen. Sobald das Playback einsetzt, bricht der gut gemeinte Film unter dieser fehlgeleiteten Episode zusammen. Dabei gelingt es Caron oft genug, die Absurdität des Krieges aufzugreifen. Leider nicht gut genug, um über derart schlecht inszenierte Momente zu retten.
Das TV-Experiment „Dreileben“ (2011) vereint die beiden deutschen Regie-Größen Christian Petzold und Dominik Graf mit dem aufstrebendem Filmemacher Christoph Hochhäusler. In drei lose zusammenhängenden Filmen, wird der Ausbruch eines Straftäters und die Jagd auf ihn dokumentiert. Christian Petzold nutzt dies um in „Etwas Besseres als den Tod“ die Liebesgeschichte von Medizinstudent Johannes und Putzfrau Ana zu porträtieren. Nicht unbedingt eine von Petzolds besten Arbeiten, da er den Kriminalfall völlig vernachlässigt. Domink Graf zeigt in „Komm mir nicht nach“ ein wenig mehr vom Thrillergeschehen, obwohl er sich dann auch mehr mit der Beziehungsdynamik von Polizeipsychologin Johanna (Jeanette Hain) und ihrer besten Freundin Vera beschäftigt. Dennoch überzeugt Grafs Mix aus Melodram und Thriller, der vor allem die Polizeiinternen Vorgänge beleuchtet. Christoph Hochhäusler nutzt dann die Gelegenheit das Geschehen zum Abschluss zu bringen kaum. In „Eine Minute Dunkel“ sieht man vor allem die Perspektve des flüchtigen Straftäters Frank Molesch (Stefan Kurt), doch wird man kaum ins Geschehen gezogen. Der vor sich hin brabbelnde Molesch ist eine bedauernswerte Figur und so sehr sich auch Stefan Kurt bemüht, ihn interessant darzustellen, so langweilt vor allem die Inszenierung zu großen Teilen.
Großer Woody-Allen-Marathon.
Halbwegs chronologisch ging ich dabei vor und begann mit „A Midsummer Night’s Sex Comedy“ (1982), der klarerweise sehr viel von Shakespeare einbezieht, sich aber auch an Allens eigenem Oeuvre festhält („Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“). Leider ist dieser Film eher ein Beweis dafür, weshalb aus Mia Farrow keine Oscar-Preisträgerin wurde, auch wenn sie allerhand Unterstützung erhielt. Ihre langweilige Darstellung steht stellvertretend für einen unentschieden zwischen albernen Sex-Possen und anspruchsvollem Dialogfeuer hin und her pendelnden Film. Noch eine Spur schwächer ist der Fernsehfilm „Don’t Drink the Water“ (1992), basierend auf einem Theaterstück von Woody Allen. Die Handlung spielt sich in einer US-Botschaft in einem nicht genannten kommunistischem Land, am Höhepunkt des Kalten Krieges, ab. Die Besetzung ist ansprechend, aber die Inszenierung könnte biederer nicht sein. An manchen Stellen lässt Allen die Kamera an Ort und Stelle verweilen, als säße man im Theater, und nimmt seinen Darstellern jegliche Chance ihr Können zu zeigen.
Geradezu magisch hingegen ist „The Purple Rose of Cairo“ (1985) in dem Mia Farrow als etwas naive, das Kino liebende Kellnerin geradezu perfekt besetzt ist. Auch Jeff Daniels brilliert sowohl als eitler Schauspieler auf der Suche nach einer Karriere, wie auch als Charakter, der von der Leinwand herab steigt. Ein wunderschöner, melancholischer und romantischer Film, dessen Meta-Humor immer wieder für herzhafte Lacher sorgt.
Ein wenig schwächer nimmt sich dann das nicht minder melancholische „Radio Days“ (1987) aus, in dem Allen von der Kindheit des kleinen Joe erzählt, und dessen Verbindung zu den Radiospielen der Dreißiger. Man könnte die beiden Filme auch als „back-to-back“-Produktionen ansehen, spielen sie doch in etwa zur selben Zeit und haben denselben melancholisch-romantischen Grundton. Doch „Radio Days“ zerfällt zu sehr in einzelne nostalgische Vignetten, ohne großen Zusammenhang.
Ebenfalls „back-to-back“ anzusehen sind „September“ (1987) und „Another Woman“ (1988). Beides sind Versuche von Allen, im dramatischen Fach zu reüssieren, nachdem er mit „Interiors“ bereits 1978 einen Vorstoß ins Bergman-Fach wagte. „September“ wirkt, wie auch Allen selbst meint, wie ein abgefilmtes Theaterstück, was eine passende Beschreibung ist. Leider ist das Stück nicht sonderlich interessant. Die intensiv gespielten Dialogduelle entschädigen aber. „Another Woman“ hingegen könnte von John Cassavetes sein, das liegt auch an der Besetzung von Gena Rowlands in der Hauptrolle als Autorin, die an einem Buch arbeitet und durch ihren Nachbarn, einen Psychotherapeuten und seine Patienten, gestört oder auch in neue Richtungen getrieben wird. Rowlands gibt eine fantastische Darstellung, Mia Farrow bleibt eher im Hintergrund (ernsthaft: In Nebenrollen gefällt sie mir einfach besser) und Allen schafft es in gerade einmal 80 Minuten das Porträt einer komplexen Frau und ihres Liebes- und Arbeitslebens zu entwerfen. Auch wenn Allen nicht die Intensität eines Cassavetes entwickelt, so arbeitet er hier auf hohem Niveau.
So skeptisch ich Mia Farrow gegenüber stehe, hin und wieder passt sie perfekt in die Filme, die Allen dreht. So auch in das auf den ersten Blick wie eine unwichtigere Arbeit wirkende „Alice“ (1990). Farrow spielt eine Dame der gehobeneren Gesellschaft, die nach dem Besuch bei einem asiatischen Heiler, ihr gesamtes Leben überdenkt. Allen mixt in das bekannte Geschehen (vieles erinnert an das später etwas stringentere „Blue Jasmine“) magische Elemente und viel Allen-typischen Humor. Farrow glänzt in der Rolle einer Frau, die ihr gesamtes Leben in Frage stellt. Schwerer zu behandeln ist der Omnibus-Film „New York Stories“ (1989), in dem Martin Scorsese („Life Lessons“), Francis Ford Coppola („Life without Zoe“) und Allen („Oedipus Wreck“) klassische New-York-Geschichten zum Besten geben. Die drei Filme hängen überhaupt nicht zusammen und sind qualitativ sehr unterschiedlich. Scorsese bietet ein großartiges Porträt eines gealterten Künstlers (fantastisch: Nick Nolte), der einer geradezu manischen Liebe zu einer jüngeren Künstlerin und Assistentin (Rosanna Arquette) verfallen ist. Coppola arbeitet mit einem Drehbuch, das er mit seiner Tochter Sofia verfasst hat. Dieses ist jedoch ohne einen einzigen interessanten Charakter und die Handlung ist schlicht langweilig. Allen hingegen arbeitet sich an altbekannten Themen ab, und in den besten Momenten, wirkt sein 40-Minüter wie eine inspirierte Kurzgeschichte. In dem Moment, in dem Allen wieder in die magischen Elemente (wie etwa in „Alice“) einbaut, fällt der Film auseinander.
Wenn man etwas von Allen eher nicht erwartet hätte, dann ein Musical und es nicht nur ein Musical, es ist im Geiste alter Hollywood-Musicals wie sie Fred Astaire oder Gene Kelly kreierten. Unschuldig, mit hübsch choreograftierten Tanzszenen und Darstellern, die zum Teil überhaupt nicht singen können, was aber dem Charme von „Everyone Says I Love You“ (1996) keinen Abbruch tut.
…und so lande ich bei meinem letzten Film, im Woody-Allen-Marathon. Dem lange vermiedenen „Celebrity“ (1998). Ein wenig „Stardust Memoires“, ein wenig Fellini, und sehr viel zweitklassiges Allen-Material. Kenneth Branagh macht sein Bestes, um als Woody-Allen-Surrogat durchzugehen, doch er verschwindet in einem Film, der sich mit Berühmtheiten, Sexualität und Kreativität beschäftigt. Leider ist der Film zu lange und unryhthmisch geraten und liefert den Beweis, dass nicht erst seit der Jahrtausendwende, immer wieder auch schwächere Phasen das Schaffen des großen Künstlers durchzogen.

Enemy / http://www.sfstation.com/wp-content/uploads/2014/03/Enemy-2.jpg

The 1001 Project
Hier bleibt mir nur, noch einmal auf „The Purple Rose of Cairo“ (1985) hinzuweisen, den ich weiter oben bereits besprochen habe. Da ich diesen wunderschönen Film im Rahmen eines Woody-Allen-Marathons gesehen habe, wollte ich den Eintrag nicht aus dem Fluss der anderen Werke heraus reißen.

Re-Visited
Welch ein Juwel. Welch eine Freude die dieser Film bei mir verströmt, immer wenn ich ihn sehe. „Fargo“ (1996) von den Coen-Brüdern, war der Film, der mir die filmische Welt dieser beiden grandiosen Filmemacher näher brachte und immer wieder bin ich erstaunt, wie wunderbar dieser Film doch ist.
Beinahe auf demselben hohen Niveau ist F.W. Murnaus „Sunrise“ (1927), ein Meisterwerk des Stummfilms, eine technische Glanzleistung, aber mit einem kleinen inhaltlichen Durchhänger, wenn das Ehepaar in der Stadt auf Vergnügungsjagd ist. Bei „Film im Dialog“ würdigen wir Murnaus Werk.
Angesichts des bevorstehenden Kinostarts von „Transcendence“, war es wieder an der Zeit einen unbekannteren, kleineren und in diesem Fall auch schmutzigeren Film erneut zu sichten. Die Adaption des Theaterstücks „The Libertine“ (2004) profitiert von der Konsequenz, nichts darin schön oder ansehnlich zu gestalten und hat zudem mit Johnny Depp in der Hauptrolle einen großartigen Darsteller zu bieten, der sich geradezu furchtlos in die Rolle stürzt. Zwar arbeitet Dunmore nicht alles aus, was die Handlung anbietet (politische wie persönliche Intrigen und Wirren), doch sind die per Handkamera abgefilmte Handlung und Depps Darstellung Grund genug um sich immer wieder in „The Libertine“ zu stürzen.
Ein Ed-Wood-Abend mit seinem persönlichsten Film „Glen or Glenda“ (1953) und seinem missglückten Gangster-Melodram „Jail Bait“ (1954). Immer wieder ein Genuss.
Wenn es um Horrorfilme geht, dann gibt es den einen oder anderen Markstein, den man einfach gesehen haben muss, oder einfach nach einer gewissen Zeit wieder sehen sollte. So auch „The Exorcist“ (1974) von William Friedkin. Was mich bei der erneuten Sichtung verwunderte war, wie sehr mir der von Ellen Burstyn gespielte Charakter der Mutter missfiel. So sehr ihr Schicksal und jenes ihrer von einem Dämon besetzten Tochter auch mitreisst, so wenig mochte ich die Mutter. Das ändert natürlich nichts an dem ruhig vor sich hin brütenden, am Ende umso schockierenderen Exorzismus, der mich immer wieder packt.

Sunrise / http://www.dvdbeaver.com/film/DVDReviews17/a%20F.W.%20Murnau%20Sunrise%20A%20Song%20of%20Two%20Humans%20DVD%20Review/2%20F.W.%20Murnau%20Sunrise%20%20A%20Song%20of%20Two%20Humans%20DVD%20Review.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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