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Langsam merkt man, wie das Qualitätskino (oder was sich dafür hält) wieder seinen Platz erobert. Xavier Dolan, David Cronenberg und Anton Corbijn bringen neue Werke in unsere Kinos. Daneben haben aber auch noch Ausläufer des Sommer-Spektakels ihren Platz. Viel Raum nahmen und nehmen derweil auch die Kurz- und Spielfilme mit Stan Laurel und Oliver Hardy ein. Zudem sorgt der in Österreich gestartete Dienst Netflix für ein Aufkommen neuer Filme und der so genannte Horrorctober sorgt auch für einige interessante Zugänge im Katalog diesen Monat.

Neuzugänge
Xavier Dolan ist das Liebkind des internationalen Feuilletons. Mit seinem vierten Spielfilm, der Theateradaption „Tom à la ferme“, präsentiert der Frankokanadier nicht nur seinen vierten Spielfilm (im Alter von 24 Jahren!), sondern zugleich seinen ersten Ausflug ins Thrillergenre. Bei der Geschichte um Tom, der zur Beerdigung seines Partners Guillaume fährt und dort mit dessen Bruder Francis auf einen geradezu psychopathisch veranlagten Gewalttäter trifft, ist Dolan mehr an den Brechungen des Genres und an den dramatischen Zwischentönen innerhalb der Beziehungen zwischen Tom (Dolan), Francis (Pierre-Yves Cardinal) und dessen Mutter Agathe interessiert, statt den klassischen Thrillerplot auszuarbeiten. Dabei bietet Dolan einen zuweilen faszinierenden, manchmal aber auch ein wenig zu selbstverliebten Thriller, der mehr Psychodrama darstellt. In unserem Dialog, haben wir uns noch ein wenig intensiver damit befasst.
Bei Filme wie „Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu“ von Philippe de Chauveron, packt mich oft die Verzweiflung. Weshalb ist dieses boulevardeske Rassismusstück so erfolgreich? Wie kann es sein, dass ein Film, der ganz offensichtlich eine noble Botschaft verbreiten will, dies mit geradezu auffallend unlauteren Mitteln (ein Film über Rassismus und Vorurteile, der dem nur Rassismus und Vorurteile entgegensetzt?) und noch dazu völlig uninspirierter Handlung macht? Christian Clavier spielt die Rolle des gutbürgerlichen Gaullisten, dessen Töchter allesamt Männer mit Migrationshintergrund ehelichen (wollen) gut und ist auch der Anker für das Publikum. Ansonsten regieren oberflächliche Klischees, die in vermeintliche Witze verpackt werden. Das funktioniert hin und wieder überraschend gut, zumeist aber ist es ärgerlich.
Es schmerzt immer noch, Philip Seymour Hoffman auf der Leinwand zu sehen und zu wissen, dass es keine neuen Werke mehr mit ihm geben wird. In „A Most Wanted Man“ ist  er als deutscher Geheimagent Günther Bachmann, in Hamburg den Umtrieben des Wohltäters Dr. Abdullah und seiner Hilfsorganisationen auf der Spur. Hoffman spielt seinen vom Leben und der Arbeit gezeichneten Agenten, mit einer Schwere und Melancholie, die zu Tränen rührt. Um ihn herum agieren deutsche Qualitätsschauspielerinnen wie Nina Hoss oder Daniel Brühl. Zudem dürfen Rachel McAdams und Robin Wright sowie ein hervorragender Willem Dafoe den Film veredeln. Der auf einem Roman von John le Carré basierende Thriller braucht zwischenzeitlich zu lange um auf den Punkt zu kommen und McAdams ist auch nicht gerade die überzeugenste Schauspielerin, weshalb die Szenen mit ihr im Zentrum besonders langatmig ausfallen können, doch Corbijn gelingt es nach „The American“ erneut, einen an das europäische Autorenkino der 70er-Jahre gemahnenden Thriller zu schaffen.
Nach „Cosmopolis“ widmet sich David Cronenberg in „Maps to the Stars“ erneut der wahnwitzigen Welt der Schönen und Reichen. Erneut fährt Robert Pattinson in einer Limousine durch die Gegend, doch diesmal ist Pattinson als Möchtegern-Schauspieler/Autor Jerome am unteren Ende der Nahrungskette. Hoch oben stehen die von Geheimnissen, Selbstzweifeln und Exzentrität zerfressenen Stafford und Christina Weiss (ein fantastischer John Cusack und Olivia Williams), die mit ihrem Kinderstar Benjie (Evan Bird) in Hollywood das große Geld machen, sowie die alternde Diva Havannah Grant (Oscar-reif: Julianne Moore). Cronenberg lässt durch das Auftauchen der geheimnisvollen, von Brandnarben zerfressenen Agatha (glänzend: Mia Wasikowska) sich eine Ereigniskette in Gang setzen, die auf zu offensichtlichen Wegen dahin marschiert und von Cronenberg in einer Art Vakuum inszeniert wird, abgekapselt vom wahren Leben. In diesem Paralleluniversum sind es vor allem die großartigen darstellerischen Leistungen, die immer wieder hinreissen. Das Drehbuch von Bruce Wagner hingegen stapft durch ausgetretene Pfade und weiß nur wenig Neues oder Originelles hinzuzufügen. In unserem Dialog, haben wir Cronenbergs neuestes Werk ein wenig ausführlicher behandelt.
Der letzte Film des großen Hayao Miyazaki unter dem Titel „Kaze tachinu“ ist eine Ode an die Vorstellungskraft und die Aeronautik. Genau deshalb langweilte mich dieser wunderschön animierte Film zuweilen sehr. Die technischen Fachbegriffe wechseln ab, mit der „Hans-guck-in-die-Luft“-Mentalität der Hauptfigur Jiro, der als visionärer Flugzeugingenieur durch die Handlung führt. Die Liebesgeschichte wirkt aufgesetzt und die historischen Hintergründe des Zweiten Weltkrieges tauchen nur ein wenig am Rande auf. Demgegenüber steht die wunderschöne Animation, sowie die Leichtigkeit mit der Miyazaki die Geschichte erzählt. Es fehlen die fantastischen Elemente seiner berühmtesten und besten Werke, weshalb „Kaze tachinu“ stärker abfällt. Wer jedoch zuvor keinen seiner Filme gesehen hat, wird überwältigt sein, schlicht von den poetischen Bilderwelten, die er entstehen lässt.
Nach langem Zögern habe ich mich doch dazu eingefunden und mir „Guardians of the Galaxy“ von James Gunn angesehen. Der neueste Beitrag im Marvel-Universum ist eine überraschen selbstironische und lustige Actionkomödie, die aber dennoch mit denselben Mitteln und Methoden zu Werke geht, wie auch alle anderen Filme im Marvel-Kanon. Die Effekte sind großartig, die Komik stimmt und so ist dies eine Spur über den Fortsetzungen zu „Thor“ oder „Captain America“ anzusetzen.
Vor neun Jahren zeigten Robert Rodriguez und Frank Miller mit „Sin City“ der Welt, wie eine Comic-Verfilmung aussehen kann. Die Werkgetreue Adaption, wirkte wie ein Motion-Comic, direkt aus den Büchern heraus geholt und doch mit einer eigenen Dynamik. Die viel zu spät ins Kino geschickte Fortsetzung „Sin City: A Dame to Kill For“, basiert einerseits auf der besten (dem Film den Titel gebenden) Geschichte aus Millers Universum aber auch auf neuem, zuvor nicht publiziertem, schwachem Material. So schwächelt der gesamte Film, trotz beeindruckender Passagen, da die schwachen Momente, geradezu einschläfernd und wie eine Parodie auf sich selbst wirken. Drüben, bei „Film im Dialog“ besprechen YP und ich den Film ein wenig eingehender.
Wenn Ulrich Seidl eine neue Arbeit in die Kinos bringt, dann ist beinahe immer mit ein wenig medialem Gebrüll zu rechnen. Dass aber seine Dokumentation „Im Keller“ zum Rücktritt zweier ÖVP-Gemeinderäte, inklusive Diskussion darüber, ob sie von Seidl reingelegt wurden oder nicht, führen würde, war dann schon überraschend. Was Seidl dokumentiert, ist eine Parallelwelt, in die sich die Menschen zurückziehen. Im Keller finden sich Nazi-Devotionalien, Schießanlagen, rechtslastige Diskussionforen und mit viel Nostalgie verbrämte Partykeller, in denen einst viel gefeiert wurde. Natürlich gibt es auch die Domina und den Sklaven und den Prostituiertenbeglücker mit dem Gynäkologenstuhl. Bei manchen Personen, fühlt man sich unwohl, da man das Gefühl nicht los wird, Seidl führe sie unnötig lange vor (die Dame mit den Babypuppen). An anderen Stellen glaubt man, in einer bitterbösen Komödie zu sein und manchmal, in einem schockierenden Horrrorfilm. Dabei bleibt nie klar, was Seidl hiermit eigentlich zeigen oder aussagen will. Diese Ambivalenz, gepaart mit manch unnötig lang ausgewalzten Episoden, lassen für mich „Im Keller“ auf halbem Weg scheitern.

Tom à la ferme / http://www.spietati.it/public/tomferme3.jpg

Aaron Paul ist aktuell ein Name, mit dem ein Film finanziert werden kann. Seine Beteiligung an „Hellion“ (2014) von Kat Candler hat sicher geholfen, noch ein bisschen Geld aufzutreiben, auch wenn er bereits vor seinem „Breaking Bad“-Ruhm mit Candler zusammenarbeitete. So wird denn auch das Jugenddrama über Paul, der den überforderten Vater zweier Teenager spielt, sowie Juliette Lewis verkauft. Der Fokus liegt jedoch auf dem 13-jährigen Motocross-Fan Jacob (Josh Wiggins) und seiner Clique. Leider überzeugten mich die Jugend- und Kinderdarsteller nicht vollständig, während die Szenen mit den Erwachsenen sehr gut funktionierten. Ein geradliniger Blick auf emotional vernachlässigte junge Burschen, und die Konsequenzen die verfehlte oder auch fehlende Erziehung haben kann.
Apropos verfehlte Erziehung. Der in den USA den Status einer Legende inne habende Mordverdacht rund um Lizzie Borden, ist die Basis eines überraschend unterhaltsamen aber insgesamt viel zu billig produzierten und sich selbst zu billig verkaufenden Fernsehfilm mit überraschend prominenter Besetzung. „Lizzie Borden Took An Axe“ (2014) von Nick Gomez kann mit Christina Ricci als mögliche Elternmörderin Lizzie Borden und Clea DuVall als Schwester auftrumpfen. Zudem überzeugen Stephen McHattie als Vater/Mordopfer sowie Gregg Henry als ermittelnder Detective und Billy Campbell als Lizzies Verteidiger. Ricci ist, vergleicht man die historischen Fotos, viel zu hübsch für die Rolle, doch sie ist auch eine äußerst talentierte Darstellerin, die in den vergangenen Jahren leider aus dem Fokus Hollywoods verschwand und nur mehr in Billigproduktionen zu sehen ist. Dieser Film wird kein Comeback für sie bedeuten, doch es ist schön, sie befreit aufspielen zu sehen.
Voriges Monat begann ich damit die Frühwerke von Stan Laurel und Oliver Hardy zu sichten und wollte mich aufgrund der Fülle, nur noch bei außergewöhnlichen Werken melden. Ganz so außergewöhnlich ist „Two Tars“ (1928) von James Parrott gar nicht, aber er gehört zu den interessanteren Kurzfilmen, neben dem für „Sons of Desert“ als Pate stehende „We Faw Down“. Stan und Ollie geraten als Matrosen auf Landurlaub in eine geradezu unglaubliche Fülle an Auffahrunfällen, wobei ihrem Wagen und ihnen selbst nichts passiert. Die Handlung ist sehr dünn, doch die Ausführung ist ein glänzendes Beispiel für Ideenreichtum und Witz. In späteren Spielfilmen sollten die besten Filme aus eben dieser Freude am simplen Szenario entstehen.
Es ist länger her, dass ich Arthur Millers „Death of a Salesman“ las, und zwar in der Übersetzung von Volker Schlöndorff. So war es nur konsequent sich auch irgendwann einmal der Inszenierung des Fernsehfilms (1985) zu widmen. Vor allem da Dustin Hoffman als definitiver Willy Loman gilt und dies ist auch keine Übertreibung. Hoffman mag nicht die Statur gehabt haben, die sich Miller vorstellte, doch er verkörpert perfekt den Selbstbetrug und die Verzweiflung, die ihn schließlich in den Tod treiben. An seiner Seite ist es vor allem ein überraschend zurückhaltender John Malkovich, der als Biff in den richtigen Momenten gegenüber seinem Vater aufbegehrt. Schlöndorff hat im Grunde ein Theaterstück auf Film gebannt und dies verleiht dem Fernsehfilm eine raue Atmosphäre, und bringt die Charaktere dem Zuseher nahe. Einzig die nicht immer ganz überzeugenden Mitspieler kann man als Kritikpunkt sehen.
Nachdem im Vormonat Kelly Reichardts „Night Moves“ besprochen wurde, stieß ich auf ihren experimentellen Kurzfilm „Travis“ (2004). In geradezu psychedelischen Farben verbindet sie das Gespräch einer Mutter, die in einem NPR-Radioprogramm über den Tod ihres Sohnes im Irak, mit dem Farbenmeer. Ein Film der vor allem als Loop in einer Ausstellung oder Galerie funktioniert, als allein stehendes Werk, ohne jeglichen Kontext, aber ein wenig befremdlich und beliebig wirkt.
Erneut stieß ich auf einen grandiosen Kurzfilm mit Laurel & Hardy. „Unaccustomed As We Are“ (1929) wurde später zu „Block-Heads“ umgearbeitet und bereits in dieser frühen und kurzen Version, zeigt sich die wunderbare Komik, die in dem Zusammenspiel von Laurel & Hardy liegt. Ein Kleinod des frühen Tonfilms.
Viel zu lange ließ ich die Kurz-Doku „The True History Of The Traveling Wilburys“ (2007) unbeachtet herum liegen. Erst vor kurzem stieß ich wieder auf die beiden Alben und so war es auch an der Zeit, dieses Homevideo der Entstehung des 1. Albums zu betrachten. Es ist eine charmante und kurzweilige Angelegenheit und man merkt allen Beteiligten die Freude an der Arbeit an, doch es ist auch wirklich nicht mehr als ein Homevideo mit prominenten Mitspielern. Zum Glück heißen die aber nun einmal George Harrison, Bob Dylan, Tom Petty, Jeff Lynne und Roy Orbison.
Village at the End of the World“ (2012) von Sarah Gavron liefert einen unterhaltsamen und charmanten Blick auf Grönland und das so genannte „Naturverbundene Leben“, welches im Grunde eine reine Touristenattraktion ist.
Vor einigen Jahren wollte ich „Safety Last!“ (1923) sichten. Der wohl berühmteste Film des heute langsam wieder entdeckten Harold Lloyd ist eine hervorragend inszenierte Geschichte, um einen jungen Mann, der in der Großstadt zu Erfolg kommen will, ehe er seine Frau ins Bild setzt. Er will ihr ein schönes Leben bieten, und so ist er auch dazu bereit, eine irrwitzige Werbeaktion einzufädeln, bei der er schließlich selbst die berühmte Kletterei (und noch viel berühmteren Beinahe-Absturz) auf sich nehmen muss. Lloyd war nie mein Favorit, doch hier ist er geradezu unwiderstehlich. Die Inszenierung der Missgeschicke in die er sich verstrickt und doch wieder mit heiler Haut heraus kommt, gehört zu den besten Arbeiten der Stummfilmkomödie…und ich bin erstaunt, dass ein anderes Lloyd-Vehikel Eingang in den „1001“-Kanon fand und nicht „Safety Last!“.
Dank der überraschend intelligenten Serie „The Fall“ wurde mein Blick wieder einmal auf die Arbeiten mit Gillian Anderson gelenkt. Darunter ein Selbstjustiz-Thriller, der nicht unbedingt den besten Ruf hat. „Straightheads“ (2007) von Dan Reed hat sich die schlechte Reputation leider hart erarbeitet. Es könnte eine interessante Studie über männliches Aggressionsverhalten sein, doch stattdessen bekommt man einen hässlichen (auch visuell unansehnlichen) Rache-Thriller, der sich als Psychodrama verkleidet, und doch keinerlei tiefgründigen Erkenntnisse liefern kann. Die groß aufspielende Gillian Anderson hat sich besseres Material verdient.
Das Musikvideo „College Boy: Indochine“ (2013) von Xavier Dolan qualifiziert sich aufgrund seiner stilistischen Eigenheiten sehr wohl als allein stehender Kurzfilm. Dolan unterfüttert die Geschichte eines Schülers, der von seinen Mitschülern gequält und schließlich ans Kreuz genagelt und getötet wird, mit allzu viel religiöser Symbolik. Dennoch gelingt das Zusammenspiel von Dolans Inszenierung und der Musik von Indochine richtig gut.
„Supervenus“ (2014) von Frédéric Doazan ist ein positive Beispiel für eine Arbeitsmethode, die scheinbar bereits perfektioniert und somit für nachkommende Künstler „besetzt“ wurde. Der an Terry Gilliams Cut-out-Sketche aus „Monty Python’s Flying Circus“ erinnernde Kurzfilm, greift die Schönheitsideale und ihre absurden Ansprüche an die Frauen auf. Humorvoll und voller galligem Humor.
Der französische Filmemacher Pitof hat zwei erstaunliche Filme gedreht, die ich beide bislang mied. Einerseits den Karriere zerstörenden Flop „Catwoman“ und andererseits „Vidocq“ (2001). Letzterer ist das französische Equivalent zu einem Fantasy-Blockbuster Marke Hollywood, weshalb Pitof dann wohl auch den Job für „Catwoman“ erhielt. Seine Effektarbeit für „Vidocq“ ist auch herausragend, läuft sich aber mit der Zeit tot. So wie auch seine Inszenierung, die viel zu oft viel zu nah an den Gesichtern dran ist, und das Geschehen rund um sie herum verzerrt. Anfangs interessant, später nur noch irritierend. So wie auch die Handlung, die in abstruser Fantasy-Horror-Logik verläuft und keinerlei Anspruch auf Intelligenz erhebt. Wenigstens Gerard Depardieu (zu einer Zeit, als er noch als vorzeigbarer Star galt) verleiht der Titelfigur seine natürlich Autorität, auch wenn er selbst eher zurückgenommen agiert.
Apropos „noch vorzeigbarer Star“. Mel Gibson war 2010 bereits an einem Punkt, an dem er nicht mehr so ganz der A-Liga angehörte. Seine privaten Ausbrüche und Skandale, beschädigten sein Image nachhaltig und der große öffentliche Zusammenbruch sollte da erst noch folgen. Es ist deshalb schwer zu sagen ob der zunächst vielversprechend startende und später in langweiligsten Thriller-Klischees mündende Verschwörungsreißer „Edge of Darkness“ aufgrund des angekratzten Images von Mel Gibson ein Flop war, oder weil der Film schlicht nicht gut ist. Womöglich eine Mischung aus beiden Faktoren, denn Gibson selbst, macht das, was er am Besten kann: den grimmigen Anti-Helden. Seine Szenen mit dem Geheimnisumwitterten Ray Winstone sind fantastisch, doch der Rest des knapp 2 Stunden langen Remakes einer britischen Serie (unter der Regie des Serienmachers Martin Campbell) ist vorhersehbar, langweilig und zeitweilig unglaublich unlogisch gestaltet.
Der erste Spielfilm mit Stan Laurel und Oliver Hardy unter dem Titel „Pardon Us“ (1931) ist eine kompetent ausgeführte Variation der Themen und Methoden, die bereits in den Kurzfilmen zu sehen waren. Regisseur James Parrott lässt das Duo zu Zeiten der Prohibition wegen des Verkaufes einiger Flaschen Bier ins Gefängnis stecken und führt die beiden auf ihren Weg zu unerwartetem Heldentum. Unterhaltsam und als Spielfilmdebüt recht vielversprechend.
Ungleich gelungener ist hingegen der Kurzfilm „Beau Hunks“ (1931) von James W. Horne, in dem Laurel und Hardy der Fremdenlegion beitreten. Auch hier führt sie ihr Weg vom Spott der Truppe zu zufällig erfahrenen Ruhm, indem sie ihrer Armee bei der Verteidigung eines Forts behilflich sind. Das Thema sollte später noch in Spielfilmlänge ausgearbeitet werden, doch schon in „Beau Hunks“ zeigen sich die beiden Männer in Höchstform.
Demnächst startet die 2. Staffel von „The Blacklist“. Ein Grund um sich wieder einiger Filme mit ihm anzunehmen. Der erste davon war „White Palace“ (1990) von Luis Mandoki mit Spader als vom Unfalltod seiner Frau gezeichneten Anwalt und Susan Sarandon als beinahe 20 Jahre älterer Kellnerin. Die ungleiche Liebesgeschichte folgt ausgetretenen Genrepfaden, doch eine beeindruckend aufspielende Sarandon und der nicht minder imposante Spader, machen daraus eine unterhaltsamen und humorvollen Film, der leider in der Schlussszene sich den immer wieder einbrechenden Kitsch-Fantasien hingibt.
Darauf folgte „Dream Lover“ (1994) von Nicholas Kazan. Spader als in der feinen Gesellschaft gut situierter Architekt verfällt der wunderschönen Lena (Mädchen Amick), nur um im Laufe ihrer Ehe, dahinter zu kommen, dass sich hinter seiner Traumfrau, ein dunkles Geheimnis verbirgt. Wie zu dieser Zeit (rund um „Fatal Attraction“ und „Basic Instinct“) üblich, ist natürlich die Frau eine Bedrohung für den Mann, und nur darauf aus, ihn um sein Vermögen und seine Freiheit zu bringen. In diesem Fall ist es Mädchen Amick, die (noch mit dem Nimbus aus ihrer „Twin Peaks“-Zeit ausgestattet), den Film dominiert, während Spader eine kontrollierte Performance hinlegt, in der er langsam in den Wahn übergleitet.
Den Abschluss bildete „Endless Love“ (1981). Die Roman-Verfilmung von Franco Zeffirelli rund um ein junges Paar, deren Leidenschaft zu intensiv für die Eltern wirkt, ist ein einziges Desaster. Furchtbar inszeniert und auch teilweise schlicht grauenvoll gespielt, gibt es kaum etwas, was man aus diesem Film mitnehmen könnte. Einzig der erste Leinwand-Auftritt von Tom Cruise bleibt in Erinnerung. Spader ist als Bruder der heillos verliebten Jade (Brooke Shields) eine Randnotiz.
Der Start von Netflix in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist eine groß beworbene Angelegenheit. Das Probemonat habe auch ich mir nicht entgehen lassen und der erste betrachtete Film, war die Umwelt-Doku „Tapped“ (2009) von Stephanie Soechtig und Jason Lindsey. Die Gefahren der Ausbeutung des Trinkwassers für kommerzielle Zwecke und der Verbreitung von PET-Trinkflaschen, wird mit viel Wut im Bauch zur Schau gestellt, doch hin und wieder fühlt man sich ein wenig einseitig in eine Richtung gedrängt. Die Vertreter der Gegenseite, scheinen geradezu unwissende Opfer zu sein.
Die nächste Netflix-Doku war Rick  Rowleys Oscar-nominierter „Dirty Wars“ (2013), über die Recherchen des Journalisten Jeremy Scahill, die zur Aufdeckung geheimer Einsätze einer verdeckten US-Militäreinheit in Afghanistan zum Thema hat. Das Material ist streckenweise erdrückend und der Mut von Scahill beeindruckend, doch oft genug hat man das Gefühl, eher einem Werbefilm für den Journalisten und weniger einer politischen Dokumentation beizuwohnen. Das ändert jedoch nichts an der Schwere und Wichtigkeit der Informationen die Rowley und Scahill zu Tage förderten.
Im Rahmen des so genannten #Horrorctober, der auf Twitter und Letterboxd begangen wird, sah ich mir „La manoir du diable“ (1896) von und mit Georges Méliès an. Der französische Meister des Fantasyfilms, taucht als Fledermaus auf, die sich in den Teufel verwandelt und schließlich mit der Hilfe einiger Hexen zwei Ritter in einem Schloss bekämpfen. Aus heutiger Sicht eher eine humorvolle und filmhistorisch unterhaltsame Angelegenheit.
Als vor einigen Jahren für den auf angeblich wahren Begebenheiten beruhenden „Killer Elite“ (2011) nicht nur Jason Statham als Hauptdarsteller sondern Robert De Niro als dessen Mentor und Clive Owen als Antagonist aufgeboten wurden, war mein Interesse so hoch wie nur irgend möglich. Unter der Regie von Gary McKendry, ist aber die Geschichte um die Verwicklung der britischen SAS in Vorgänge im Oman. Dies wird allerdings in recht uninspirierter Action-Routine dargeboten und einzig das Charisma der Stars hilft, den Film während der Laufzeit halbwegs unterhaltsam zu gestalten.
So langsam gelange ich in meiner „Laurel and Hardy“-Reihe in die Zeit, in der sie sich endgültig von Kurzfilmen verabschiedeten und auf Langfilme konzentrierten. „Pack Up Your Troubles“ (1932) ist allerdings noch ein Werk, welches mitten in einen Schwung, von mal großartigen und dann wieder mal unglaublich öden und handwerklich unsauberen Kurzfilmen fiel. Dass Laurel und Hardy widerwillig in der US-Armee und im 1. Weltkrieg landen, ist noch Teil von nachdenklichem Humor, doch die Versuche, das recht dünne (wenngleich unterhaltsame) Geschehen mit einem süßen Waisenkind aufzupeppen, misslingen. Zwar scheitert „Pack Up Your Troubles“ nicht, doch ist es kein besonders herausragendes Werk des Duos.
Der zweite Teil der „Drei Farben“-Trilogie, trägt den Titel „Trois couleurs: Blanc“ (1994), und handelt vom Polen Karol Karol (Zbigniew Zamachowski), dessen Ehe mit seiner französischen Frau Dominique (Julie Delpy) geschieden wird. Karol landet ohne Geld auf den Straßen von Paris und kämpft sich, mit Hilfe einer Zufallsbekanntschaft wieder zurück. Obwohl Zamachowski hervorragend spielt und Kieslowski seiner subtilen Inszenierungsweise treu bleibt, vermag der Mittelteil der Trilogie nicht so ganz zu überzeugen. Möglicherweise, da dem Racheplot von Karol, aufgrund der Inszenierung Kieslowskis, ein wenig die Wucht fehlt. Wer genau aufpasst, wird einem sehr fein ausgearbeiteten Muster auf die Spur kommen, doch wirkt dieses auch bei näherer Betrachtung nicht ganz so stark, wie etwa die langsame Trauerarbeit von Juliette Binoche in „Bleu“.
Eine der besten Sequenzen in den vielen vielen Road Runner und Wile E. Coyote-Cartoons, ist die „In Heaven’s Name“-Szene, aus „There They Go-Go-Go!“ (1956). Chuck Jones schuf im Grunde immer denselben Cartoon, und doch ist jeder einzelne Austausch zwischen Road Runner und dem mit der Zeit immer mitleidiger wirkenden Wile E. Coyote eine große Freude.
Nachdem ich nun alle Episoden des Flying Circus gesichtet habe, stand einer Sichtung der so frenetisch beworbenen letzten LIve-Show der verbliebenen Pythons an. Die TV-Aufzeichnung von „Monty Python Live (Mostly)“ (2014) entstand unter der Bühnenregie von Eric Idle, und das sieht man. Viele Gesang- und Tanznummern, versuchen als Brücken für die Sketche zu dienen, doch die Sketche selbst, leiden hin und wieder unter dem fortgeschrittenen Alter der Darsteller. So viel Freude es bereitet, Michael Palin wieder als Kardinal im Auftrag der Spanischen Inquisition zu sehen, so wenig können sie die Energie auf die Bühne transportieren. Die Show ist ein unterhaltsames und gleichzeitig melancholisches Wiedersehen, doch auch mehr eine Erinnerung daran, wie grandios die Serie und die Filme aus vergangenen Zeiten sind.
Danach war die Zeit gekommen, um sich mit dem neuen Sci-Fi-Abenteuer von Ex-Python Terry Gilliam zu beschäftigen. Sein visuell beeindruckender „Suche nach dem Sinn des Lebens“-Trip „The Zero Theorem“ (2013) scheitert im Endeffekt aufgrund der etwas übermotivierten Handlung bzw. der Nebenhandlungen. Christoph Waltz ist in einer etwas ruhigeren Performance als Computerprogrammierer Qohen Leth zu sehen. Um den etwas stoischen Charakter von Leth auszugleichen, sieht man einen großartig aufspielenden David Thewlis als Vorgesetzten, sowie eine ganze Riege an tollen Schauspielern in kleinen aber unglaublich nervigen Nebenrollen. Tilda Swinton als Online-Therapeutin, Mélanie Thierry als verführerische Bainsley und den jungen Lucas Hedges als Computerwunderkind. Einzig Matt Damon in sporadischen Auftritten als Management fügt dem Geschehen etwas hinzu, anstatt in immer längeren Nebenpfaden völlig den Faden zu verlieren. Dennoch ein stellenweise sehr unterhaltsamer und intelligenter Sci-Fi-Film, der sich aufgrund des niedrigeren Budgets um einiges lebhafter anfühlt, denn die CGI-Schlachten á la „Transformers“.
Robert Altman verfilmt „Popeye“ (1980). Auch über 30 Jahre nachdem die Live-Action-Version des Comic-Strips rund um den Spinat essenden Seemanns in den Kinos war, ist das einfach eine Kombination auf die ich niemals gekommen wäre. Altman machte aus „Popeye“ eine Musical-Komödie, die zwar über ein beeindruckendes Set und manch gute Darstellung (Williams als Popeye funktioniert, hätte aber besser sein können, während Shelley Duvall als Olivia restlos überzeugt während Paul L. Smith als Bluto begeistert) verfügt, aber überraschend langweilig ausgefallen ist. Altman versucht die Welt von Seehaven zu untersuchen und greifbar zu machen, doch steht ihm die langweilige Handlung im Weg und auch die Songs wollten bei mir keinerlei Freude aufkommen lassen. Ein kurioser Fehlschlag.
Der Horrorctober ging bei mir in großen Schritten voran und Film Nr. 4 war das Asylum-Trash-Werk „Mega Shark vs. Crocosaurus“ (2010). Es ist schwer über solche Filme viel zu schreiben. Was auffällt, ist dass immer wieder einstige TV-Stars dort ein Auskommen gefunden haben. In diesem Fall Jaleel „Steve Urkel“ White und in einer Nebenrolle Robert „Der Holo-Doc von der Voyager“ Picardo. Beide leihen dem mitunter extrem langweiligen (und selbstverständlich sehr dumpfen) Tierhorror-Streifen ein wenig von ihrem Starruhm und ihrem Charisma. Das genügt leider nicht, um hieraus einen besonderen Trash-Film zu machen.
Wer an Jack Nicholson denkt, vergisst, dass er nicht immer ein Superstar war und nicht mit Filmen wie „The Shining“ oder „Easy Rider“ die Welt betrat. Zuvor war er unter Roger Corman oder Monte Hellman tätig, und die beiden Western die er mit Hellman drehte, sind wunderschöne Außenseiter-Werke aus den 1960ern. „Ride in the Whirlwind“ (1966) basiert auf einem Drehbuch von Nicholson, und so gern man ihn als Darsteller hat, als Autor beschränkte er sich hier hauptsächlich auf Archetypen und kaum ausgearbeitete Klischees. Den Reiz machen dann auch die spielfreudigen Darsteller (neben Nicholson überzeugen Cameron Mitchell und Harry Dean Stanton) und die spröde Kameraarbeit aus.
Besser ist das nach einem Drehbuch von Carole Eastman entstandene „The Shooting“ (1966), in dem Warren Oates und Millie Perkins sich ein Psychoduell liefern, zu dem Nicholson mit all seinem Glanz und seiner Glorie hinzustößt. Eine einfache, aber äußerst effektiv inszenierte Handlung, die mit einem konsequenteren Ende versehen ist, denn „Ride in the Whirlwind“.
Vor Jahren konnte ich die Bühnenversion von „Szelíd teremtés – A Frankenstein-terv“ (2010) sehen. Das Stück war in einem Container angesiedelt und Autor und Regisseur Kornél Mundruczó spielte die Rolle des Regisseurs, der für sein Stück einen Hauptdarsteller sucht, und auf einen mysteriösen jungen Mann trifft. Im Stück konnte Mundruczó viel Reiz aus dem engen Raum und der eingebundenen Kameraarbeit ziehen. Die Kinoversion verliert durch das realistische Setting jeglichen Reiz. Die Handlung erscheint völlig wirr und die Darsteller noch im theatralen Modus, während rund um sie herum, alles nach Natürlichkeit schreit. Ein missglückter Versuch ein interessantes Theaterstück, auf die Leinwand zu schaffen.
Die Adaption der Operette „Fra Diavolo“ war ein Traumprojekt von Produzent Hal Roach, der unter dem Titel „The Devil’s Brother“ (1933) gemeinsam mit Charley Rodgers die Geschichte um den berüchtigten Bandidten Fra Diavolo, der als Marquis di San Marco die Reichen bestiehlt. An seine Seite gesellen sich, unfreiwillig, die beiden Möchtegern-Bandidten Stanilo und Ollio. Laurel und Hardy erschaffen in der etwas zwiegespalten wirkenden Musikkomödie, einige ihrer bekanntesten Gags. Darunter das Kniechen-Näschen-Öhrchen-Spiel. Wenn Stanilo und Ollio in Hochform agieren, ist „The Devil’s Brother“ ein Meisterwerk. Wenn die Handlung sich eher um den Bandidten Fra Daviolo dreht, dann wird daraus ein etwas uninteressantes und recht beliebiges Ganovenstück mit Musik. Die beiden Teile gemeinsam ergeben einen der größten Hits des Duos mit vielen großartigen Momenten, wenngleich nicht den stärksten Film den sie je drehten.

The Shooting / http://deeperintomovies.net/journal/image09/shooting6.jpg

The 1001 Project
Wie oben bereits beschrieben, ist „Safety Last!“ ein Meisterwerk und hätte sich den Platz hier in dieser Sparte verdient. Dennoch ist es „The Kid Brother“ (1927), dem diese Ehre zuteil wurde. Die Western-Komödie zeigt Lloyd als jüngsten Sohn eines Sheriffs, der dessen Männlichkeit anzweifelt und ihn im Grunde wie eine Ersatzfrau behandelt und den Haushalt schmeißen lässt. Natürlich gelingt es Lloyd sich zu beweisen und wider aller Umstände die Stadt vor dem Verlust ihres gesamten Vermögens zu erretten. Handwerklich sauber, mit einigen gut platzierten Gags, aber im Grunde nur eine weitere Stummfilmkomödie.
Jean-Luc Godard sorgt bei mir immer für Bauchweh. Zu oft schon, haben mich seine Filme enttäuscht oder gar verärgert. Doch mit „Week End“ (1967) hat er sich (wieder einmal) in mein Herz eingefunden. Der Ausflug eines gut bürgerlichen Paares mit dem Wagen, beginnt mit erotischen Geständnissen im heimischen Schlafzimmer und absurden Streitereien am Parkplatz. Die darauf folgende Fahrt, vorbei an einem endlos lang scheinendem Stau mündet in einer Assoziationskette, mit der Godard den Beginn eines wirklich neuem Kinos, einer neuen Filmgrammatik ankündigt. Heute mögen mich seine Arbeiten wie „Notre musique“ eher nerven, doch „Week End“ ist ein famoser Entwurf, den man über Stunden diskutieren und analysieren kann.
Mir immer schon näher, war der etwas konventioneller wirkende, romantischere und zugleich auch ironischere (im Vergleich zur aggressiven Komik Godards) Francois Truffaut. Nach seinem Erfolg mit  „Les quatre cents coups“ adaptierte er den Kriminalroman „Tirez sur la pianiste“ (1960) mit Charles Aznavour in der Hauptrolle, als Konzertpianisten, dessen Vergangenheit unklar scheint, und der in die Fänge zweier äußerst lächerlich wirkender Gangster gerät. Truffaut interessiert der Thrilleraspekt nur am Rande, viel mehr scheint er am Innenleben von Charlie Kohler (Aznavour) teilzuhaben, den er wie ein Alter Ego inszeniert. Zudem lässt er klassische Krimiszenen mit viel absurdem Humor auffüllen. Einzig der finale Shoot Out folgt Genreregeln.
Überraschend oberflächlich gerät sein größter Erfolg: „Le dernier métro“ (1980). Mit 10 Cesars und einer Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film geehrt, scheint die Geschichte eines Pariser Theaters zu Zeiten der Nazi-Besetzung, eine Steilvorlage für Truffaut zu sein, um über die Leiden und Opfer der Kunst zu sinieren. Doch leider bleiben all diese Gedanken oberflächlich, so wie auch die Liebesgeschichte zwischen Bernard Granger (ein famoser Gerard Depardieu) und Marion Steiner (Catherine Deneuve). Dass sich ihr Ehemann Lucas (Heinz Bennent) im Keller verstecken und so der Inszenierung seines jüngsten Stücks im Geheimen beiwohnen muss, stört die Inszenierung kaum. Truffaut lässt zum Glück keine Schwarzweiß-Malerei aufkommen, doch manche Konflikte wirken sehr oberflächlich und es scheint, dass die Thematik mehr zum damaligen Erfolg beitrug, denn die Machart des Films, der trotz einiger interessanter Passagen, wie ein Werk der vergebenen Chancen wirkt.
Ein Dankeschön an Netflix, welches mich daran erinnerte, doch endlich einmal die „Trois couleurs“-Filme zu sichten. Den Anfang machte Juliette Binoche als trauernde Witwe in „Bleu“ (1993). Kieslowski und Binoche, das passt hervorragend zusammen. Ihr Spiel ist von kleinen Andeutungen und Gesten geprägt, während Kieslowski den Zuseher mit ebenso fein stilisierten Sequenzen und nur scheinbar platten Schwarzblenden dazu verführt, sich rein auf Binoche zu konzentrieren.
Der abschließende Teil „Trois couleurs: Rogue“ (1994) ist der kraftvollste und eindringlichste der drei Filme. Dies liegt vor allem an der Spannung die sich zwischen dem Fotomodell Valentine (Irène Jacobi) und einem pensionierten Richter (Jean-Louis Trintignant) aufbaut. Kieslowski setzt die Farbe Rot in allen möglichen Variationen ein. Die sich aufbauende Spannung, symbolisiert durch einen Sturm und schließlich die zufällige Zusammenkunft aller Hauptcharaktere am Ende der Trilogie, zeigen die Meisterschaft des viel zu früh verstorbenen Kieslowski. So wenig mich auch der zweite Film („Blanc“) für sich einnehmen konnte, so gespannt wartete ich auf jeden Austausch zwischen den beiden Protagonisten in diesem Film.

Trois couleurs: Rogue / http://images3.cinema.de/imedia/0979/1750979,TfpHoAlyl6FoVNR2ljANu6zfG6xNplQYfKbP39Vm3ZJu2RQHW4sKfzsj2AsvumbwL3UuYvlrJWg_SYbB+Tc8tA==.jpg

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Nachdem ich den Comic „Berlinoir“ zu Ende las, erwachte in mir wieder der Wunsch, Neil Jordans „Interview with the Vampire“ (1994) zu sehen. Auch gut 20 Jahre später, ist das kein geniales Vampir-Melodram. Dafür spielt Brad Pitt einfach nicht gut genug und gibt es Passagen die schlicht und ergreifend langweilen. Doch immer wieder gelingen fantastische Momente, gibt Tom Cruise eine sehr verspielte Darbietung als Lestat und fasziniert eine junge Kirsten Dunst mit einer erstaunlich reifen Darstellung. Jordans schön anzusehende Adaption des Anne-Rice-Klassikers hat seine starken Momente, doch insgesamt verblassen diese hinter den Schwachpunkten. Selbst 20 Jahre später.
Als Tomas Alfredson den vor allem auf der britischen Insel beliebten Spionageroman „Tinker Tailor Soldier Spy“ (2011) fürs Kino neu auflegte, waren die Erwartungen riesig und im Endeffekt blieben auch einige enttäuschte Gesichter zurück. Schon damals war ich zwar verwirrt von der verschachtelten Erzählstruktur aber genauso hingerissen davon und vom tollen Schauspiel aller Beteiligten. Bei der erneuten Sichtung war es natürlich wieder Gary Oldman als George Smiley, der mich in seinen Bann zog, doch diesmal war es vor allem die hervorragende Kameraarbeit von Hoyte Van Hoytema und die einnehmende Kadrierung. So wirkten die Charaktere meist wie Schachfiguren und sind so genau im Geiste der Erzählung eingesetzt. Ein unterschätzter und sehr eleganter Spionagethriller, dessen Action sich in den Gesprächen zwischen den Agenten abspielt.
Wie auch „La manoir du diable“, so wurde auch „The Execution of Mary, Queen of Scots“ (1895) zwecks des #Horrorctober betrachtet. Weiterhin ein effektiver Splatterfilm, ganz im Stile einer Jahrmarktsattraktion.
Ebenfalls im #Horrorctober auf dem Programm stand für mich Tod Brownings Klassiker „Freaks“ (1932). Heute kennt man Browning hauptsächlich als Regisseur von „Dracula“ mit Bela Lugosi. Doch seine ganze Klasse sieht man hier, in dem sensibel inszenierten „Freaks“, der sehr leicht auch in einen ungustiösem Exploitatoinsumpf hätte landen können. Doch wie auch zuvor in „The Unknown“, zeigt sich Browning als feiner Beobachter und ebenso großer Stilist. So manch darstellerische Leistung ist zwar nicht sonderlich geglückt, doch das trübt das Seherlebnis nur wenig.
Während der zweite Teil von „Sin City“ über die Leinwand lief, kam mir immer wieder „Dick Tracy“ (1990) in den Sinn, den ich zuletzt vor gut 10 Jahren sah. Warren Beattys knallbunte Detektiv-Comic-Adaption, die zwar sein finanziell erfolgreichster Film, aber zugleich mit den Jahren auch einer seiner am stärksten kritisierter war. Beatty hat auch so manchen Stolperstein eingebaut, und sich den Konventionen des Spät-Achtziger/Früh-Neunziger-Mainstreamkinos angepasst. Doch man beachte nur das in Roy Lichtenstein-Farben gehaltene Set-Design, die fantastischen Kostüme, die noch besseren Masken und die tollen Darsteller. Allen voran natürlich ein die Leinwand zersprengender Al Pacino, der hier zeigt, dass er sehr wohl auch komisch sein kann. Madonna wirkt zwar heute wie ein Fremdkörper in der Handlung, jedoch trägt auch sie dazu bei, dass Beattys Vision einer Comic-Verfilmung im Stil eines 1930er-Comic-Strips in großen Teilen gelingt.
Nachdem ich mir alle drei Staffeln der Original Series angesehen habe, war nun die Zeit gekommen, um sich die Kino-Abenteuer erneut zu Gemüte zu führen. Das von Robert Wise in Szene gesetzte „Star Trek: The Motion Picture“ (1979) ist denn wohl auch der ambitionierteste und zugleich ödeste aller Filme mit der Original-Crew. Mit an „2001“ gemahnte Kameraeinstellungen und hervorragender Special-Effects-Arbeit von Douglas Trumbull, ist es die schwerfällige Inszenierung, die dem tendentiell intelligenten Film, beinahe jeglichen Reiz nimmt.
Viel unterhaltsamer nahm sich da schon die Fortsetzung „Star Trek II: The Wrath of Khan“ (1982) aus. Nicholas Meyer holt Ricardo Montalban als Erz-Bösewicht zurück und lässt ihn ein famoses Duell mit Captain Kirk austragen. Die Handlung ist überraschend düster und lässt auch kaum Wünsche offen. So ganz konnten mich aber bei der erneuten Sichtung, die Kostüme und vor allem der Epilog mit dem Genesis-Projekt (der schließlich zu Teil 3 führt) überzeugen. Was den Unterhaltungswert und den strahlenden Bösewicht angeht, müssen sich aber die Star Trek-Filme (und im Grunde auch alle Sci-Fi-Werke) an dieser Fortsetzung hier messen.
„Star Trek III: The Search for Mr. Spock“ (1984) ist das Regiedebüt von Leonard Nimoy, der einen Großteil der Handlung nicht sichtbar ist, da er ja am Ende von Teil 2 starb. In vielen Aspekten, könnte man diesen Teil als überdimensionierte Serien-Episode sehen, denn weder hat der Bösewicht (ein gut aufgelegter Christopher Lloyd) das nötige Format, noch scheint die Handlung gut durchdacht worden zu sein. Der 3. Akt besteht im Grunde aus der Wiederauferstehung von Spock, und vielleicht geht es ja nur mir so, aber die Ritual-Szenen auf Vulkan durften für mich, immer kurz ausfallen. Mir gingen die nie ab.
Während Teil 3 noch nicht so ganz überzeugte, konnte Nimoy mit Teil 4 zeigen, was er drauf hat. „Star Trek IV: The Voyage Home“ (1986) hat eine schamlos hanebüchene Handlung, rund um die Rettung der Wale, und Nimoy nutzt alle Möglichkeiten aus, um den Darstellern ein freies Feld für ihre Tics und Tricks zu überlassen. Humorvoller sollte (bislang) kein weiterer Teil werden, da verzeiht man auch die hin und wieder etwas zu langen Szenen zwischen Kirk und der Meeresbiologin Gillian (Catherine Hicks).
Den Horrorctober trieb ich Ende September mit ein wenig Nachdruck voran, wohl wissend dass ich lieber früher denn später meine „Halloween-Schuld“ erfüllt haben möchte. So sah ich nach vielen Jahren wieder einmal „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ (1931) von Rouben Mamoulian. Die elegante und hervorragend gespielte Adaption des Klassikers von Robert Louis Stevenson, ist immer noch ein überzeugender Beweis für die Kraft des Horrorkinos der 1930er-Jahre. Fredric March ist sowohl als Dr. Jekyll wie auch als Mr. Hyde vollends überzeugend. Das Makeup ist aus heutiger Sicht natürlich nicht mehr beängstigend, aber die Transformation ist beeindruckend. Eine „definitve“ Version, die bislang nicht übertrumpft werden konnte.
Ganz andere Wege beschritt die „Piranha“-Fortsetzung „Piranha 3DD“ (2012) von John Gulager. Ein betont geschmackloses Trash-Spektakel mit Cameo-Auftritten von gut gelaunten Stars wie Christopher Lloyd, Ving Rhames und David Hasselhoff. Hätte Gulager sich auf den Charme des Films und der Spielfreude seiner Darsteller verlassen, hätte dies ein charmanter B-Movie sein können. Doch seine Ausflüge ins Geschmacklose und die zu viel zu lange ausgewalzte Liebesgeschichte zwischen Barry und Maddy (eine würdevoll das Geschehen überstehende Danielle Panabaker) reißen den Film in den Abgrund.
…und mit einer kleinen Pause, geht der „Star Trek“-Marathon weiter. Nach dem charmanten und leichtgewichtigen Höhepunkt den Teil 4 darstellte, gelangt die Filmreihe in Teil 5 an ihren Tiefpunkt. Die alberne Handlung von „Star Trek V: The Final Frontier“ (1989) begibt sich auf eine eigenwillige Suche nach Gott und landet am Ende schließlich bei einem feindseligen außerirdischen Wesen. Dazwischen gibt es einige Momente, in denen die Crewmitglieder sich ein wenig austauschen dürfen, und zum Teil wie die Karikaturen ihrer selbst agieren. Das Drehbuch und die Regie von Shatner sind nicht im Geringsten in der Lage, ein glaubhaftes Sci-Fi-Universum zu erschaffen. So bleibt dieser Teil, auch ein wenig, ein legendärer Flop, der auf seine eigene Art und Weise aus der Reihe heraussticht.
Ein glänzender Abschluss für die Original-Crew ist hingegen „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ (1991). Die von Nicholas Meyer mit viel Liebe zum Detail und einer schön ausgewogenen Charakterdarstellung inszenierte Parabel auf den Kalten Krieg, hat all das, was viele andere Filme in der Reihe vermissen ließen. Neben einem hervorragenden Bösewicht (ein Shakespeare zitierender Christopher Plummer als böser klingonischer General Chang), einem äußerst unterhaltsam aufgearbeiten Mordkomplott und dem Gefängnisaufenthalt von Kirk und McCoy, ist es vor allem die Frieden bejahende Botschaft, die diesen Film, zu einem der besten der Reihe und einem meiner Favoriten innerhalb des Genres macht.
Im Zuge des Horrorctober, ergab sich nun auch wieder die Gelegenheit, um den österreichischen Horrorfilm „In 3 Tagen bist du tot“ (2006) erneut zu betrachten. Andreas Prochaska kommt die Ehre zu, einen heimischen Genre-Beitrag zu erschaffen. Was bei erster Ansicht ganz unterhaltsam und passabel wirkte, erscheint nach so vielen Jahren, aber ein wenig billig und rein auf den Dialekt und das Setting vertrauend. Die Handlung ist uninspiriert, und an mancher Stelle auch nicht wirklich logisch. Sieht man den Film ohne den „Österreich“-Bonus, sieht man einen reichlich uninspirierten Slasher-Film.
Langsam bin ich mit den vielen vielen Kurzfilmen mit Laurel & Hardy am Ende und gelange zu den Spielfilmen, von denen ich einige kenne. Vor allem natürlich ihren wohl populärsten: „Sons of the Desert“ (1933). Der auf dem Kurzfilm „We Faw Down“ aufbauende Streifen um die beiden Verbindungsbrüder, die ihren Frauen vorschwindeln aus gesundheitlichen Gründen nach Honolulu zu fahren, nur um heimlich an einem Verbindungstreffen der Wüstensöhne teilzunehmen, ist zurecht ein Klassiker. Ein famoses Spiel mit einem genau genommen recht altbackenem Plot, der im Grunde nicht komplexer ist, denn eine Episode der Familie Feuerstein. Die äußerst konzentrierte Regie, die jeden Handlungsstrang aufs Äußerste ausreizt (man denke nur an die vielen Kurzfilme, die sich in Nebenhandlungen verlieren und dies trotz ihrer kurzen Laufzeit) und natürlich das Zusammenspiel von Laurel und Hardy und deren Filmehefrauen Mae Busch und Dorothy Christy machen aus der simplen Übung, ein Comedy-Meisterwerk.
Die Original-Crew tritt ab, die Next Generation tritt an. „Star Trek VII: Generations“ (1994) ist derart beschäftigt, mit dem Übertritt von einer Generation von Enterprise-Kapitänen hin zur nächsten Generation, dass man kaum dazu kommt, die Handlung zu genießen. Dies ist aber besser so, denn David Carson inszeniert einen großteils recht langatmigen Film, der als Doppelepisode in der „Next Generation“-Serie kaum auf Resonanz gestoßen wäre. Hier sei auch angemerkt, dass ich zwar große Teile der Serie gesehen habe, allerdings alle Staffeln im Gesamtpaket erst nachholen muss.

Star Trek IV: The Voyage Home / http://1.bp.blogspot.com/-eER9rlhRxko/Uiz5e-4oloI/AAAAAAAAJeA/ukEY-TEUVkU/s1600/st4.jpg

Serien-Überblick
Damon Lindelof gilt für viele TV-Fans immer noch als der Mann, der mit Schuld am desaströsen Ende von „Lost“ trägt. Auch wenn ich ebenso enttäuscht vom Ende dieser, zum Ende hin auch stark abbauenden, Myster-Erfolgsserie war, so war ich dennoch gespannt, wie sein neuestes Werk werden würde. „The Leftovers“ ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Tom Perrotta. In der 1. Staffel (2014) verschwinden ohne ersichtlichen Grund und ohne weitere Spuren 2% der Weltbevölkerung. Die Hinterbliebenen versuchen mit dieser Tatsache fertig zu werden und ihr Leben neu aufzubauen. Gerade darin liegt dann auch die Stärke dieser, hin und wieder ein wenig wirr inszenierten, Serie. Justin Theroux als Polizeichef Kevin Garvey Jr. ist das Gesicht dieser Serie und der Stadt Marpelton, zumindest für den Zuseher. Es ist auch Theroux, der die Serie trägt und die stärkste Leistung abliefert. Daneben sind es vor allem Christopher Ecclestone als gefallener Priester und Ann Dowd als Führerin des (äußerst merkwürdigen) Kults „Guilty Remnant“, die überzeugen. Die geradezu depressive Natur von „The Leftovers“, kann einen auf die Probe stellen, doch im Großen und Ganzen, überzeugt die 1. Staffel. Vor allem da der Grund für das Verschwinden zwar nicht unwichtig, aber doch eher im Hintergrund zu stehen scheint.
Eine Mini-Serie, ein Film oder doch eine TV-Serie? Schwer zu sagen. „Dr. Horrible’s Sing-Along-Blog“ (2008) erlebte seine Premiere als Webserie und startete von dort aus seinen Siegeszug. Mittlerweile ist das Kleinod ein Geheimtipp unter Freunden der schrägen Komödie. Joss Whedon lässt den großartigen Neil Patrick Harris als nach Anerkennung unter den großen Bösewichten suchende Dr. Horrible los und baut ihn als Sympathieträger auf. Ihm gegenüber steht Whedon Intimus Nathan Fillion als arroganter Superheld Captain Hammer. Beide buhlen um die Gunst von Penny (Felicia Day). Immer wieder in unterhaltsame Songs ausbrechend, lässt Whedon alle Superheldenklischees vorkommen und stellt sich auf den Kopf, um am Ende zu einem überraschend bitteren Schluss zu gelangen. Erwähnenswert ist noch Dr. Horribles Assistent Moist, der vom späteren „The Big Bang Theory“-Star Simon Helberg gespielt wird.
Die High-Concept-Serie „Crisis“ (2014) hatte ein recht kurzes Leben. Schon während der 1. Staffel wurde das Ende des von Rand Ravich erdachten Thrillers um die Entführung einer Gruppe Kinder mit sehr einflussreichen Eltern (darunter der Sohn des Präsidenten) bekannt gegeben. Zwar finde ich dies schade, doch wäre ohnehin unklar, wie das Konzept halbwegs logisch hätte fortgeführt werden können. Als Mini-Serie hätte das hier besser funktioniert. Dabei geben Dermot Mulroney als Ex-CIA-Analyst, Rachael Taylor als FBI-Agentin, Lance Gross als Secret Service Agent und Gillian Anderson als Inhaberin einer dubiosen mit der Regierung verbandelten Firma ihr Bestes. Leider macht die immer abstruser werdende Handlung ihnen einen Strich durch die Rechnung.
Ebenfalls nach einer Staffel wohl beendet, wurde die Sci-Fi-Produktion „Extant“ (2014). Das Ende ist noch nicht beschlossen, doch nach einem amüsanten Beginn ist das kein Verlust. Halle Berry als Astronautin die nach einer Mission zur Erde zurückkehrt und unerklärlicherweise schwanger ist, spielt zum Teil so, als müsste sie beweisen, dass sie diese Serie tragen kann. Dabei gäbe es einige Elemente, die für sich funktioniert hätten. Der Roboterjunge Ethan und seine Beziehung zu anderen Menschen, oder auch die mögliche Invasion durch Außerirdische. Doch stattdessen erhält Berry einen niemals nachvollziehbaren Mutterinstinkt verpasst, werden Handlungsstränge (Yasumotos Schicksal bleibt völlig unklar) einfach fallen gelassen und beendet die Serie auf einer „Womöglich gibt es ja doch eine 2. Staffel“-Note.
Eine Sci-Fi-Serie die ebenso glücklicherweise beendet wurde, war „Star Trek“. Die 3. Staffel (1968) zeigte vor allem, dass den Autoren die sinnvollen Ideen auszugehen schienen. Einige inspirierte Episoden und regelrechte Klassiker, wechselten sich mit lächerlichen Handlungen um vermeintliche griechische Götter und esotherisch angehauchte New-Age-Romantik ab. So unterhaltsam die ersten zwei Staffeln auch waren, die dritte Saison konnte in keinster Weise mithalten.
Eine 3. Staffel die auch mehr Schatten denn Licht zu bieten hatte, war jene des „Monty Python’s Flying Circus“ (1972). Der Absprung von John Cleese, der erst in Staffel 4 wirklich sichtbar aber bereits hier spürbar war, und die recht unispirierten Wiederholungen bekannter und erfolgreicher Gags, sorgten für eine schwache Staffel, die nur hin und wieder mit Genieblitzen aufzeigen konnte.
…und noch eine 3. Staffel. Jene von „How I Met Your Mother“ (2007). Diese hingegen, zeigt eine zur Hochform auflaufende Darstellerriege auf, während die Drehbücher sich manchmal ein wenig zu sehr im Schmalz verlieren, vor allem wenn es um die Romanzen von Ted (Josh Radnor) geht. Daneben brillieren vor allem Neil Patrick Harris als Barney, während Cobie Smulders und das Serienpaar Jason Segel und Alyson Hannigan groß aufspielen. Hier haben sich fünf Darsteller in ihren Rollen grandios eingelebt.
Zu meiner großen Überraschung gab es zum Abschluss von „Monty Python’s Flying Circus“ nur sechs Episoden. Die 4. Staffel (1974) – die genau genommen nur unter dem Titel „Monty Python“ firmiert – ist gekennzeichnet von der Absenz von John Cleese, und der Hinwendung der Pythons zu geschlossenen Handlungen, anstelle der losen Sketch-Struktur der ersten drei Staffeln. Ein intelligenter Schritt, der auch die großartigen Filme vorweg nimmt und der Serie nach der etwas zerfahrenen dritten Staffel auch wieder ein wenig Leben einhaucht.
Die leider recht kurzlebige Serie „Enlightened“, kam zuallererst in mein Blickfeld, als Laura Dern für ihre Rolle als nach einem Nervenzusammenbruch und einem Selbsthilfeseminar „erweckte“ Amy einen Golden Globe gewann. Böse Zungen schrieben damals, ob denn irgendwer diese Serie gesehen hätte? Tatsächlich hatte die 1. Staffel (2011) von Beginn an sehr schwache Quoten. Gerade einmal 240.000 Zuseher, sahen die Pilotfolge und die Zahl sank bis zum Staffelfinale wieder ein Schwung nach oben einsetzte. Dabei hätte sich die von Mike White (der Derns Kollegen Tyler spielt) und Laura Dern erdachte bittere Komödie, einen größeren Zuspruch verdient. Zwar können manche von Amys selbstzerstörerischen Weltverbesserungslitaneien etwas redundant wirken, doch ist das Zusammespiel mit ihren Arbeitskollegen (welches ein wenig an den Büroalltag in der ebenfalls zu kurzlebigen Serie „Dead Like Me“ erinnert) erfrischend, und vor allem die Beziehungsstränge die von Amy wegführen, sehr interessant gestaltet. Ob ihr Drogensüchtiger Ex-Mann Levi (Luke Wilson) oder ihre vom Leben isolierte Mutter (eine großartige Diane Ladd), sie geben den Handlungen rund um Amy und ihren Versuchen ein neues und erfülltes Leben zu führen, ein wenig mehr Komplexität.

Monty Python's Flying Circus / https://gravybread.files.wordpress.com/2008/08/bicycle-repairman3-60pct-crop.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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