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Die Filmfestivals ziehen in die Stadt ein. Neben dem „Let’s CEE“ natürlich auch die Viennale und beide konnte ich heuer besuchen. Zudem zeigte David Fincher seinen neuesten Streich und eine ganze Reihe an interessanten Serien wurde gesichtet. Steven Soderberghs „The Knick“ ragte dabei als eine meiner neuen Lieblingsserien sofort heraus. Heraus geragt hat aus der Reihe an Filmen auch „Pulp Fiction“, welches ich zum 20-jährigen Jubliäum wieder einmal genossen habe.

Neuzugänge
Als „Fehér isten“ von Kornél Mundruczó in Cannes seine Weltpremiere feierte, begann sich meine Vorfreude aufzubauen. Eine Tierparabel auf Ausgrenzung vom interessanten, wenngleich nicht immer überzeugenden ungarischen Regisseur, musste ich unbedingt sehen. Dank des „Let’s CEE“-Filmfestivals, musste ich auch nicht auf einen DVD-Start warten. Im Zentrum stehen Lili (Zsófia Psotta) und ihr Mischlingshund Hagen. Lili, die einige Monate bei ihrem Vater verbringen muss, und Hagen werden früh das Ziel von Anfeindungen und Konflikten. Als Hagen von ihrem Vater ausgesetzt wird, beginnt für beide eine Odyssee durch das autoritär geprägte Klima. Als Parabel funktinioniert „Fehér isten“ hervorragend, doch noch effektiver ist der Hundefilm, wenn er sich tatsächlich rein auf das Schicksal Hagens und anderer Hunde konzentriert. So sehr auch die menschliche Perspektive nötig zu sein scheint, sie sorgt immer für Ungeduld, da die Erlebnisse von Lili in keinster Weise die Intensität von Hagen erreichen.
Bevor David Fincher sich der Adaption von „Gone Girl“ annahm, hatte ich weder etwas von dem Roman noch von Autorin Gillian Flynn gehört. Dabei handelt es sich offenbar um einen veritablen Blockbuster aus dem Krimi-Sektor und Fincher sorgt dafür, dass daraus ein interessanter Blockbuster für ein anspruchsvolleres Publikum wurde. Die Inszenierung ist voller Widerhaken, das Casting ging nie den einfachsten Weg, sondern suchte sich Darsteller aus, die nicht durch einen allzu großen Starfaktor blendeten (Rosamund Pike, Patrick Fugit, Kim Dickens) und die Musik sorgt für eine reichlich experimentelle Stimmung. Das Spiel mit Sein und Schein ist auch der größte Pluspunkt in einer viel zu sehr an immer neuen Twists interessierten Krimihandlung. Womöglich steigt die Anerkennung für „Gone Girl“ im Laufe der Zeit, doch momentan ist es ein unterhaltsamer und respektabler, aber keineswegs bahnbrechender neuer Wurf von Fincher. In unserem Dialog besprechen wir etwas ausführlicher die Bestseller-Adaption.
Gut zehn Jahre nach seinem einflussreichen Regiedebüt „Garden State“ kehrt Zach Braff mit „Wish I Was Here“ zurück auf die heimischen Leinwände. Seine Kickstarter-Kampagne sorgte für die nötige Aufmerksamkeit, aber auch für ebenso viel mediale Häme. Wochen nachdem in den USA sich der Sturm gelegt hat, kann man Braffs Erzählung um einen um Aufträge ringenden Schauspieler, seine Ehe, seine beiden Kinder und seinen an Krebs sterbenden Vater (Mandy Patinkin) sehen. Wenn Braff sich auf herzerwärmende Komik und zwischenmenschliche Späße konzentriert, ist „Wish I Was Here“ ein sehr schöner und sympathischer Nachfolger-im-Geiste von für „Garden State“. Wenn jedoch die Gespräche rund um Familie, den Tod und Religion die Oberhand gewinnen, wird es zu melodramatisch. Damit reißt Braff seinen gut gemeinten Film ein wenig in den Abgrund und beraubt ihn einer größeren Wirkung.
20 Jahre lang wollte Jeff Bridges den Jugendroman-Klassiker „The Giver“ auf der großen Leinwand sehen. Mir stellt sich die Frage: Weshalb? Womöglich wirkte die heute ach so vertraute Handlung damals frisch und spannend, doch nach „The Hunger Games“, „Divergent“ und Co. wirkt die Reise des zum neuen Hüter der Erinnerung berufenen Jonas (Brenton Thwaites) zu vertraut. In einer utopischen Nachkriegs-Gesellschaft, wurden Erinnerungen, Emotionen und Individualität verbannt. Als Jonas unter die Fittiche des alten Hüters (Jeff Bridges) gerät, beginnt er die Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen und bringt sie auch in Gefahr. Phillip Noyce zeigt eine Welt, ganz in Grau, die erst durch die Augen des „wissenden“ Jonas an Farbe gewinnt. Eine kluge und interessante Entscheidung, mit der sich „The Giver“ von vergleichbaren Filmen des Genres abhebt, doch gleichzeitig erinnerte es mich an „Pleasantville“ und wie gern ich diesen Film mochte. Das Problem bei „The Giver“ ist der löchrige Plot (Wirklich niemand hat jemals die Ordnung in Frage gestellt? Wie genau werden Emotionen freigesetzt wenn er die „Barriere“ durchquert?) verbunden mit einer zu melodramatischen und mit dem Vorschlaghammer vermittelten Botschaft. Da können Meryl Streep und Jeff Bridges nur wenig helfen.
Die Viennale steht an, und so bekommt man auch den neuen Trailer in den Kinos zu sehen. „Chafariz das Virtudes“ von Manoel de Oliveira zeigt in etwa einer Minute einen Brunnens und das fließende Wasser. Damit gehört der Spot auch zu den etwas simpleren Trailern, die im Viennale-Archiv zu finden sind.
Ein geradliniger, harter Western mit dem großen Mads Mikkelsen in der Hauptrolle, Eva Green und Jeffrey Dean Morgan in Nebenrollen. „The Salvation“ klang von Beginn weg wie ein großer Wurf. Leider kann der dänische Regisseur Kristian Levring aus dem interessanten Setting (dänischer Auswanderer heißt seine Familie willkommen, die sogleich getötet wird) nicht viel Neues herausschlagen. Es ist ein routinierter Western, dessen Showdown Erinnerungen an den ebenso geradlinigeren aber effektiveren „Open Range“ von Kevin Costner wach ruft. Gerade aus dem Migrations-Hintergrund hätte man viel mehr machen können, doch Levring ist mehr an Old-School-Genremechanismen interessiert. Das funktioniert, und fühlt sich dennoch etwas hohl an.
Mit „The Help“ landete Tate Taylor einen Überraschungshit bei Kritikern und Publikum. Mit seinem ambitionierten James-Brown-Biopic „Get On Up“ wollte er sich wohl selbst übetreffen und dabei die alte Biopic-Formel ein wenig brechen. Doch heraus kam ein, ständig die 4. Wand durchbrechendes, etwas wirr zusammen editiertes Experiment, welches von der guten Musik und den großartigen Darstellern zusammen gehalten wird. Chadwick Boseman als James Brown und Nelsan Ellis als Buddy Byrd treiben den Film voran, der trotz aller Ansprüche, niemals wirklich einen tieferen Blick wagt und an der unterhaltsamen Oberfläche bleibt.
Ein großartiges Ensemble, angeführt von einem die Rolle als arroganter Star-Anwalt mit Leichtigkeit porträtierenden Robert Downey Jr., ist mehr oder weniger der einzige Grund, sich das überambitionierte Drama „The Judge“ anzusehen. David Dobkin vermengt Gerichtsdrama, Familienmelodram und Tragikomödie um einen in seine ländliche Heimatstadt heimkehrenden Mann zu einem unrhythmischen Mix. Robert Duvall zeigt eine fantastische Leistung und Downey Jr. hat mit ihm wunderschöne Momente, in denen das zerstrittene Vater-Sohn-Verhältnis schön aufgearbeitet wird. Doch Dobkin mischt viel zu viel in diesen betont altmodischen Film hinein, der noch dazu am Ende in gewohntes Territorium gelangt, und mehr an uninspirierte Massenware á la „Sweet Home Alabama“ erinnert.
Unterhaltsam, informativ aber zugleich auch etwas oberflächlich und glorifizierend, nimmt sich die Dokumentation „Greenwich Village: Music That Defined a Generation“ (2013) von Laura Archibald aus. Der auf der Viennale prästentierte Film, versammelt eine Vielzahl an Legenden (einige bekannt, andere weniger) und lässt sie (unterstützt von viel Archivmaterial) ihre Geschichten erzählen. Dass Bob Dylan sein Fett weg bekommt ist geradezu unumgänglich. Warum Archibald aber den Rest der Künstler recht Kritiklos von den glorreichen Zeiten und ihrer Wirkung auf die Welt schwafeln lässt, ist eher unklar. Manch ein Musiker hat mehr Selbstreflexion denn andere (Don McLean etwa erscheint recht selbstkritisch), aber selbst wenn da kritischer Stimmen zu hören waren, so hat sie die Regisseurin aus dieser unterhaltsamen aber insgesamt aber zu glatten Dokumentation getilgt.
Dank des Erfolges von „The Hunger Games“ wird die Welt von einer YA-Adaption nach der anderen beglückt. So wie das in diesem Monat gesehene „The Giver“, nimmt sich auch „The Maze Runner“ einer pubertär-männlichen Perspektive an. Die aus unbekannten Gründen auf eine Lichtung geschickten jungen Männer, die dem Geheimnis des sie umgebenden Labyrinths auf den Grund gehen (oder auch nicht), erinnert ein wenig an „Herr der Fliegen“ und ist auch solide ausgeführt. Wenn das Geheimnis aber gelüftet wird, kippt der von Wes Ball eher unspektakulär inszenierte YA-Reißer ins Lächerliche. Zudem sind die Charaktere schwach ausgearbeitet. Es ist etwa nie klar, was den Helden Thomas (Dylan O’Brien) so besonders macht, außer seiner Neugierde und die spät hinzugefügte Teresa (Kaya Scodelario) erfüllt keinerlei Zweck, außer das eine Mädchen zu sein.
Nach dem großen Erfolg von „The Conjuring“, wurde in Windeseile ein Spin-Off oder auch Prequel dazu produziert, welches sich um die Puppe „Annabelle“ dreht. Der nach dieser Puppe benannte Film, ist Horrorkino nach dem Reißbrett. Ein paar Schockmomente im Dunkeln können nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Annabelle“ überraschend billig aussieht. Die Handlung selbst überrascht keine Sekunde lang. Dank des Wissens rund um „The Conjuring“ erhält „Annabelle“ mehr Interesse, denn es als eigenständiger Film erlangen würde.
Die Filme des belgischen Brüderpaars Jean-Pierre und Luc Dardenne habe ich als grimmig, dunkel und packend im Kopf. Filme wie „Le fils“ und „L’enfant“. Dass sie bereits mit „Le gamin au vélo“ nicht nur hellere Töne anschlugen, sondern mit Cécile De France auch noch einen richtigen Star in der Hauptrolle hatten, zeigte einen Wendepunkt in ihrem Schaffen. Auf den Publikumserfolg im Arthouse-Sektor, folgt mit „Deux jours, une nuit“ ein Film, der ebenso das Zeug zum Hit hat, allerdings trotz seiner oberflächlich sonnigen Seite, ein sehr dunkler und trauriger Film geworden ist. Marion Cotillard brilliert in einer weiteren fantastischen Leistung als Sandra, die ihre Kollegen an einem Wochenende umstimmen muss, gegen eine Prämie und für ihren Verbleib im Betrieb zu stimmen. Die Dardennes bieten alle möglichen Facetten des Arbeitslebens auf, was auch zu manch plattem Austausch führt (so ist der Vorarbeiter etwas eindimensional böse, so wie auch der jüngste Mitarbeiter von Grund auf wütend ist), doch sie schaffen es, hinter jede Konfrontation eine Schicht an sozialem Hintergrund anzuführen. Hervorragend gemacht und überraschend warmherzig.

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Nun ist es wirklich Oktober und der Horrorctober geht langsam in die Zielgerade, zumindest bei mir.
Mit dem von Sean S. Cunningham inszenierten Thriller „The New Kids“ (1985) konnte ich auch einen weiteren Film mit James Spader sichten. Doch als Horrorfilm kann der um eine Jugendgang, die zwei Neuankömmlinge an der Schule terrorisieren nicht klassifizieren. Auch nicht als es im großen Finale zu einem wahren Blutrausch kommt, oder nur weil Cunningham den groß aufspielenden Spader mit passender Horrorfilm-Musik in Szene setzt. Der Unterhaltungswert ist abseits von Spaders und Lori Loughlins Performance auch nicht sonderlich hoch.
Viel gelungener hingegen ist Roger Cormans Edgar Allan Poe-Adaption „House of Usher“ (1960). Der erste Film, für den Corman ein passables Budget erhielt und so einen wunderschönen Farbfilm drehen durfte. Vincent Price als Hausherr begeistert von der ersten Minute an, und auch wenn Corman sich von der Vorlage in einigen Punkten entfernte, und ich auch den albern-humorvollen „The Raven“ vorziehe, so ist dies die wohl gelungenste Adaption. In seinen 80 Minuten vollgepackt mit effektiven Momenten und einer wunderschönen Atmosphäre.
In meinem „Laurel und Hardy“-Marathon kommen nun auch immer mehr Spielfilme in mein Visier. So auch die Musicalkomödie „Babes in Toyland“ (1934), die auch aufgrund des Erfolges der „Fra Diavolo“-Adaption entstand. Die für seine Zeit recht ansehnlichen Kostüme und Sets, wirken heute einfach unfreiwillig komisch. Die Geschichte um den bösen Barnaby, seinen Versuchen die hübsche Bo-Peep zu heiraten und schließlich sich an den Einwohnern von Toyland zu rächen, werden im Grunde durch Laurel und Hardy unterbrochen. Während „The Devil’s Brother“ zwar ein wenig zerissen wirkte, aber genug Interesse für den gesamten Film hervorrufen konnte, sind hier die Gags des Komikerduos der einzige Grund, wirklich aufmerksam zu sein. Der Rest wirkt reichlich angestaubt und nur aus Filmhistorischen Gründen interessant.
Gary Sinise hat sich für sein Regiedebüt mit „Miles from Home“ (1988) die Geschichte zweier Bruder zurecht gelegt, die eine einst blühende Farm, in den 1980er Jahren an die Bank verlieren. Die von Richard Gere und Kevin Anderson gespielten, begeben sich auf eine Outlaw-Irrfahrt und sind auf der Suche nach Gerechtigkeit und Liebe. Sinise inszeniert diesen reichlich melodramatischen Plot aufrichtig und ohne jede Scham vor großen Gefühlen und Gesten. So kann Richard Gere sein ganzes Repertoire ausbreiten und darf etwa John Malkovich in einem kleinen aber feinen Auftritt als Rolling Stone-Reporter mit viel Gusto alle Journalisten-Klischees ausbreiten. Zwar erdrückt die angestrebte Größe, den Kern der Erzählung, doch es ist eine ansprechende Inszenierung von Sinise.
Mit der Adaption des Bret Easton Ellis-Roman „American Psycho“ wurde Mary Harron richtig bekannt, doch schon zuvor konnte sie mit „I Shot Andy Warhol“ (1996) überzeugen. Die Dramatisierung des Weges der feministischen Aktivistin Valerie Solanas (Lili Taylor) hin zu dem Punkt, an dem sie Andy Warhol (Jared Harris) niederschoß, ist eine teilweise recht wirr angeordnete, teilweise äußerst eindrucksvolle Studie, zu einer Frau, die ebenso fantastische Ideen wie auch psychotische Schübe hatte. Taylor spielt Solanas grandios und sorgt dafür, dass es nachvollziehbar erscheint, wie ihr Lebensweg verlief. Jared Harris überzeugte mich nicht ganz als Andy Warhol, während Stephen Dorff als Transvestit Candy Darling positiv überrascht. Eine feine Studie, einer leider viel zu oft übersehenene Filmemacherin.
Nach einer Reihe von äußerst kommerziellen Projekten, scheint David Gordon Green wieder seine Indie-Wurzeln entdeckt zu haben. Nach der Charakterstudie „Joe“ und vor dem Al Pacino-Projekt „Manglehorn“, erblickte das Remake einer isländischen Komödie das Leinwandlicht. „Prince Avalanche“ (2013) zeigt den immer verlässlichen Paul Rudd und den manchmal nicht so recht einzuordnenden Emile Hirsch als Kollegen bei der Straßenarbeit. Nach einer katastrophalen Feuersbrunst stehen die beiden Männer vor der Aufgabe, Straßenmarkierungen und Pfosten anzubringen. Die eintönige Arbeit kommen sich die beiden Männer nur langsam näher, vor allem da Alvin (Rudd) mit der Schwester seines Kollegen Lance (Hirsch) in einer schwierigen Beziehung steckt. Der Film ist 1988 angesiedelt, doch abgesehen von dem einen oder anderen Gimmick, wie einem Walkman, könnte man auch von 2014 sprechen. Green lässt sich viel Zeit, und obwohl der Film gerade knappe 90 Minuten dauert, fühlt er sich manchmal ein wenig zu lang und zu gedehnt an. Paul Rudd bekommt viele Möglichkeiten um sich von seiner besten Seite zu zeigen.
Ebenfalls von ihrer besten Seite zeigen sich Peter Dinklage, Bobby Canavale und Patricia Clarkson in Thomas McCarthys warmherzigem Regiedebüt „The Station Agent“ (2003). Die Charakterstudie, um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen den Dreien, lebt vor allem vom nuancierten Spiel und der liebevoll ausgearbeiteten Atmosphäre. Die Handlung hat, genau genommen, jedes nur erdenkliche Independent-Klischee auf Lager und McCarthy handhabt dies auch nicht immer in der besten Art und Weise.
Ebenfalls mit einer warmherzigen Atmosphäre, beginnt die viel gelobte Dokumentation „Stories We Tell“ (2012) von Sarah Polley. Sie spürt ihrer Familiengeschichte nach, was zunächst in eine Erzählung über ihre verstorbene Mutter mündet. Doch in den verschiedenen Ankedoten ihrer Familie, gelangt dann ein, offenbar offenes, Familiengeheimnis in den Fokus. Dass Polleys Vater gar nicht ihr biologischer Vater sei. Rein technisch macht Polley mit nachgestellten Archivszenen sich keinen gefallen. Die Atmosphäre einer billigen TV-Dokumentation durchzieht die inhaltlich sehr interessante und mit viel Herzblut gestaltete Dokumentation, doch rein vom Standpunkt der „Familienerzählung“ und ihrer verschiedenen Sichtweisen, gelingt ihr nicht ganz, was sie sich selbst auferlegt. Da bevorzuge ich dann doch weiterhin das ungleich dramatischere „Capturing the Friedmans“.
Nachdem ich endlich wieder einmal „Punch-Drunk Love“ von Paul Thomas Anderson genossen habe, stieß ich auf damit zusammenhängende Kurzfilme. Einerseits „Couch“ (2003), in dem sich Adam Sandler eine Couch besorgen will und dann noch „Blossoms & Blood“ (2003). Ersterer ist ein knapp 2-minütiger Ausflug in die Welt der nervigen Angewohnheiten von Adam Sandler. Alles wäre in Ordnung, würde er den Film nicht mit einem schrillen Schrei beenden. Zweiterer ist ein Zusammenschnitt nicht benutzter Szenen, zu Jon Brions „Here We Go“. Nicht sonderlich interessant, wenn man den Film nicht gesehen hat, aber technisch sehr ansehnlich.
Technisch ebenfalls sehr ansehnlich ist der unabhängig finanzierte Fantasyfilm „Ink“ (2009) von Jamie Winans. Im Schlaf beherrschen unsichtbare Wesen unsere Leben und so ist der interessanteste Teil seines Werks, auch jener, in dem er den mysteriösen Ink und andere dieser (nicht ganz menschlichen) Gestalten in ihrem Umfeld zeigt und seiner Kreativität freien Lauf lässt. Die Handlung leidet ein wenig unter den schwachen Schauspielern und dem etwas zu ruhigen Rhythmus den Winans sich hier auferlegt hat. Etwas mehr Schwung hätte gut getan.
Der Horrorctober geht langsam in seine Schlussphase und ich bin auf einem guten Weg, meine Liste abzuarbeiten. Mit „Profondo Rosso“ (1975) von Dario Argento ist auch ein veritabler Giallo-Klassiker dabei, den ich noch nicht kannte. Argento hat in den letzten Jahren massiv an Qualität abgebaut, doch wer sich „Suspiria“ oder „Tenebre“ ansieht, sieht kunstvoll gestaltete Meisterwerke des Horrors. Der noch vor diesen beiden Filmen entstandene „Profondo Rosso“ ist ein eindeutiger Fingerzeig in diese Richtung. David Hemmings ist der Pianist Marcus Daly, der einen Mord beobachtet und fortan gemeinsam mit der Polizei versucht, diesen und weitere Morde zu klären. Hemmings ist ein hervorragender Hauptdarsteller und Argento nutzt jede Gelegenheit, um seinen Giallo mit Anspielungen auf klassische Musik und Malerei zu versehen. Die Handlung ist sehr vorhersehbar und die Charaktere nicht von sonderlich hohem Interesse. „Profondo Rosso“ mag der bekannteste Giallo sein, mein Favorit ist er jedoch nicht.
Ich mag die Wachowskis. Mit „The Matrix“ haben sie Filmgeschichte geschrieben, der von ihnen adaptierte und produzierte „V for Vendetta“ gehört zu den Perlen des Comicfilms und mit dem ambitioniertem „Cloud Atlas“ sind sie zum Garant dafür geworden, neue Wege im recht eintönigen Mainstream-Kino zu beschreiten. Seit „The Matrix“ ist ihnen das Box-Office-Glück leider nicht mehr hold und ein Grund dafür, ist ihre überambitionierte Live-Action-Version eines Anime, mit dem Titel „Speed Racer“ (2008). Die Effekte mögen bei der Nachbearbeitung großartig gewirkt haben, doch mir bereiteten die knallbunten Farbpaletten Kopfschmerzen. Die Darsteller werden geradezu verschenkt. Emile Hirsch spielt so langweilig, dass man ihn für einen animierten Charakter halten könnte, während John Goodman, Susan Sarandon und Christina Ricci kompetent mit furchtbarem Material umzugehen versuchen. Beinahe gar nichts spricht für „Speed Racer“, außer ihrem Willen, etwas zu versuchen. Hier sind sie grandios gescheitert. Ich mag die Wachowskis. Immer noch.
Brad Jones ist der „Cinema Snob“. Eine Online-Kreation, die sich als snobistischer Filmkritiker über B- und C-Movies her macht. Doch zudem ist Jones auch Autor eigener B-Movies, die er in seiner Heimatstadt Springfield, mit Online-Review-Kollegen und unter Regie von Ryan Mitchelle kreiert. Der nah an B-Movie-Vorbildern angelehnte Thriller „Paranoia“ (2011) kann zwar sein geringes Budget ausbalanciere und zeigt Jones in überraschender Spiellaune. Doch die von ihm geschriebene Handlung, geht sehr eigenwillige Wege und verliert sich am Ende in einer zu offensichtlichen und doch sehr konfusen Auflösung.
Der Meta-Film „The Cinema Snob Movie“ (2012) macht aus der bekannten Online-Person einen gut ausgearbeiteten Charakter und platziert ihn, nach einer zunächst sehr konventionell verlaufenden Filmsatire in einen ausgewachsenen Thriller. Die bewusst billige Inszenierung leidet erneut ein wenig unter dem ausladenden Drehbuch von Jones und den nicht immer ansehnlichen Darstellungen. Doch das Herz ist hier am rechten Fleck und kommt mit überraschender Effizienz an sein Ziel.
Die Kurzfilme mit Laurel und Hardy sind an ihrem Ende angelangt und nun gibt es eine Reihe an mehr oder weniger gelungenen und mehr oder weniger bekannten Spielfilmen zu bestaunen. In „Bonnie Scotland“ (1935) reisen Stan und Ollie in Erwartung einer Erbschaft nach Schottland, nur um mit einem Dudelsack abgespeist zu werden. Die folgenden Szenen im Hotel, wenn Ollie eine Krankheit vortäuscht und die beiden einen Fisch am Gitterrost des Bettes braten, gehören zu den bekanntesten und schönsten Momenten in der Karriere von Laurel und Hardy. Leider ist der Rest des Films nicht ganz so gelungen, was vor allem am erzwungenen Liebesgeplänkel rund herum liegt.
Bei „The Bohemian Girl“ (1936) ist es jedoch schlimmer um die filmische Qualität bestellt. Als Zigeuner bringen sie Passanten um ihr Geld, werden schließlich mit einem entführten Kind zurückgelassen, welches sie aufziehen und um Ende endet alles in Wohlgefallen. Eine unglaublich langweilige, mit viel zu vielen Songs unterbrochene Musikkomödie, die nie wirklich Kapital aus dem Charme der beiden Stars schlagen kann.
Dieses Kapital wird in „Our Relations“ (1936) wieder zu sehr ausgereizt, indem man Stan und Ollie zwei Zwillingsbrüder hinzufügt. Die voneinander unabhängig immer an denselben Orten landenden Männer, sorgen für allerlei Verwirrungen und Gags, doch nicht immer gehören die Witze zum besten Material mit dem sie hier arbeiten. Eine recht altbekannte Handlung, passabel umgesetzt.
Ich erinnere mich daran, dass ich das Alpenabenteuer „Swiss Miss“ (1938) mit Laurel und Hardy als Mausfallenverkäufer, schon in meiner Kindheit sah, doch niemals ganz. Einzig die berühmte Szene, in der die beiden das Klavier des großen Komponisten über eine wacklige Brücke zu einem Baumhaus bringen wollen, und dabei auf einen ausgewachsenen Gorilla stoßen, ist bei mir hängen geblieben. Genau genommen ist dies auch die einzig relevante Szene im ganzen Film. Die Liebesgeschichte zwischen dem Komponisten und der Diva, nimmt viel zu viel Platz ein, und so erhält man wenig Gelegenheit Laurel und Hardy in Aktion zu sehen. Wenn man sie sieht, erreicht der Film jedoch glänzende Höhen.
In „Saps at Sea“ (1940), dem letzten „echten“ Laurel und Hardy-Film unter der Ägide des zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren mit Stan Laurel nicht mehr zurecht kommenden Produzenten Hal Roach, bekommt man mehr von den beiden zu sehen, und doch ist es auch hier ein wenig unbefriedigend. Nach einem Nervenzusammenbruch in einer Hupen- und Trompetenfabrik, wird Oliver ein Ausflug auf hoher See verordnet. Bei ihrem Versuch, auf einem Boot Ruhe zu finden, geraten sie jedoch an den aus dem Gefängnis ausgebrochenen Nick Grainger. Es gibt allerlei lustige Momente, doch man sieht allen Beteiligten an, dass sie dergleichen schon in früheren Werken besser hinbekamen und alles wirkt ein wenig „müde“. Auch der großartige James Finlayson, der hier in seiner letzten Zusammenarbeit mit dem Duo zu sehen ist, spult nur routiniert sein Programm herunter. Dennoch ist die Qualität hoch genug, um für leichte Unterhaltung zu garantieren.
Nicolas Winding Refn hat mit der „Pusher“-Trilogie und zuletzt natürlich mit „Drive“ und „Only God Forgives“ den internationalen Filmzirkus aufgemischt. Dunkel erinnerte ich mich daran, dass der Thriller „Fear X“ (2003) mit John Turturro auf der Viennale lief. Ich kam jedoch nie dazu, mir diesen anzusehen und ehrlich gesagt, war ich der Meinung, es wäre eine Regiearbeit von Turturro gewesen. Zu meiner Überraschung sah ich dann den Regie-Credit von Refn. Dessen Stil ist jedoch unverkennbar. In zum Teil geradezu stummen Tableaus lässt er den Kaufhauswachmann (Turturro) nach dem Mörder seiner Frau suchen. Die Bilder von Überwachungskameras, aber auch die in kräftigen und düsteren Farben gehaltenen Hotelgänge, vermitteln eine stete Anspannung und Paranoia. Mit James Remar erhält der groß aufspielende Turturro (und zwar indem er kaum Emotionen zeigt und in sich gekehrt bleibt) einen tollen Gegenpart. Die Handlung verliert sich jedoch ein wenig in typischen Polizei-Korruptions-Plots und die Auflösung ist dann auch wenig stringent. Stilistisch jedoch erneut ein Beispiel für die große Könnerschaft des Dänen.
Mit „Great Guns“ (1941) begann die Reihe von Post-Hal-Roach-Filmen von Laurel & Hardy, und es hat schon einen Grund, weshalb diese nicht den höchsten Stellenwert innerhalb des Kanons haben. In „Great Guns“ wurde das Make-up verändert, wodurch die beiden großen Kinder, nun wie senile alte Männer aussahen. Das uninspirerte und so gar nicht auf die Stärken der Stars zugeschnittene Drehbuch, beraubt sie aller Qualitäten und es ist wirklich nur aufgrund einer Handvoll Szenen, dass „Great Guns“ nicht der allerschwächste ihrer Filme war. Er ist aber eine schmerzhafte Zäsur. In „A-Haunting We Will Go“ (1942) wird ihnen der Magier Dante zur Seite gestellt, und die Krimi-Handlung mit Bühnentricks, baut wieder ein wenig mehr auf dem Duo auf, anstatt sie nur vor die Kamera zu stellen und zu hoffen, dass das bereits lustig sei. Dennoch ist auch hier die Handlung ein großer Schwachpunkt und wirken Laurel und Hardy wie Fische außerhalb des Wassers. Bevor sie die MGM-Komödie „Air Raid Wardens“ (1943) drehten, hatten sie auch noch einen Auftritt im Propaganda-Kurzfilm „The Tree in a Test Tube“ (1943), der auch wirklich nur deshalb von Bedeutung ist, da Laurel und Hardy darin die Hauptrollen „spielen“. „Air Raid Wardens“ wirkt in den ersten Minuten wie eine deutliche Verbesserung gegenüber den bei 20th Century Fox gedrehten Post-Roach-Filmen, doch während sie frischer wirken und auch bessere Gags bekommen, ist die Kriegs-Propaganda-Handlung um Nazis in den USA erstaunlich öde. Der Tiefpunkt war dann jedoch „Jitterbugs“ (1943), in dem das Duo einen großen Start mit ihrer „Zwei-Mann-Band“  hinlegt, schließlich in eine Betrugsgeschichte verwickelt wird und am Ende einer jungen Frau zu dem ihr gestohlenen Geld wieder verhilft. Stan als Frau, Ollie als reicher Sir und viele recyclete Gags, die unter der behäbigen Inszenierung und dem Instinktlosen Schnitt leiden.
Irgendwie habe ich es geschafft, Peter Jacksons „Braindead“ (1992) niemals zu sehen. Dabei habe ich „Bad Taste“ genossen und finde seinen geradezu anarchischen Horrorhumor erfrischend. Nun denn, jetzt war es soweit und auch wenn ich von manch betont geschmacklosem Gag eher abgestoßen war, so ist dieses neuseeländische „Evil Dead“-Pendant eine der lustigsten Splatter-Komödien, die ich je sehen durfte. Die Darsteller outrieren nach Herzenslust (auch wenn ich den leisen Verdacht habe, dass man damit ohnehin ihre Schwächen überdeckt hat), Jackson lässt die Zombies in allen möglichen Variationen sich häuten, zerfleischen, morden und zerplatzen. Auch wenn absolut gar nichts hier Sinn ergibt (da hat Sam Raimi dann doch etwas mehr Wert aufs Detail gelegt), macht es ungemein viel Spaß.
Man möchte meinen, mit „Jitterbugs“ wären Laurel und Hardy am Tiefpunkt angelangt, doch dieser sollte mit „The Dancing Masters“ (1943) nur noch eine weitere Facette hinzugefügt bekommen. Der Beginn mit Stan und Ollie als Tanzlehrer ist noch halbwegs amüsant, doch danach verliert sich der Film in einer langweiligen Haupthandlung mit Gangster, die aber dann gleich wieder verworfen wird, um schließlich in eine typische „schräger Erfinder“-Komödie zu münden. Völlig zusammenhanglos und nur durch den Charme der Hauptdarsteller zusammen gehalten.
Dagegen ist der so verschmähte „Nothing But Trouble“ (1944) ein letztes Aufbäumen und eine Erinnerung an die glorreichen alten Zeiten. Unter der Regie von „Safety Last!“-Regisseur Sam Taylor zeigen sich Stan und Ollie als hoffnungslos untalentiertes Butler/Koch-Duo, welches auf eine glorreiche Geschichte zurück blickt und schließlich bei einem Ehepaar landet, welche königlichen Besuch erwarten. Einige Gags funktionieren ganz gut, die Charaktere passen zu den beiden sichtlich gealterten Darstellern, und so vergibt man dem Film auch den haarsträubenden und auch nicht sonderlich interessanten Subplot um den kindlichen König und den Attentatsversuch auf ihn.
Japanische Horrorfilme enttäuschen mich nie. Ich könnte allerdings auch nicht sagen, dass mich sonderlich begeistern. Es sind zumeist sehr eigenwillige und verschrobene Projekte, die sich an klassischen japanischen Geistergeschichten orientieren und rein stilistisch weit weg von westeuropäischen Sehgewohnheiten sind. „Hausu“ (1977) von Nobuhiko Obayashi ist mehr ein Happening oder Trip und weniger ein Film. Die Handlung nachzuerzählen würde hier nichts bringen, schließlich scheint „Hausu“ mehr auf die Überwältigung der Sinne zu zielen.
…und so gelange ich zu den letzten Filmen von und mit Laurel und Hardy und jeder einzelne ist wie ein Stich ins Herz. „The Big Noise“ (1944) sieht die beiden als Möchtegern-Detektive, die eine wertvolle Erfindung bewachen sollen, die inmitten des Zweiten Weltkriegs die USA zum Sieg führen könnte. Die recycleten Gags aus alten Kurz- und Spielfilmen dienen nur als Erinnerung dafür, dass man alles schon gesehen hat und noch dazu viel besser. Zudem wirkt erneut die Weltkriegs-Handlung völlig unpassend, für die beiden Charaktere.
Eine leichte Steigerung zeigte sich im letzten in den USA produzierten Spielfilm „The Bullfighters“ (1945). Stan und Ollie sind als Ermittler in Mexiko unterwegs, wo Stan mit einem spanischen Torero verwechselt wird. Die Handlung ist wieder angefüllt mit alten Gags, in teilweise neuer Verkleidung, aber es ist merklich befreiter und beschwingter. Schade, dass die Stierkämpfer-Handlung einfach nicht stark genug für einen Spielfilm war.
Den Abschluss ihrer Filmkarriere bildete der erste und einzige europäische Film, den Laurel und Hardy je drehten (bzw. drehen mussten). In „Atoll K“ (1951) erbt Stan ein kleines Vermögen, welches aufgrund der vielen Steuern zusammen schrumpft und es bleibt ihm schließlich nur ein Boot mit dem er auf einer unbekannten und unbewohnten Insel landet. Bald schon wird das von Ollie und Stan zu einem modernen Utopia ausgerufene Inselreich ohne Steuern und Einwanderungsbeschränkungen überrannt. Selbst wenn man die Hintergründe dieser von Unglücken und Problemen erschütterten Produktion nicht kennt, sieht man Stan seine schlechte Gesundheit an und auch das Übergewicht von Ollie nahm zu diesem Zeitpunkt bedrohliche Ausmaße an. Dass darunter die Darbietungen der beiden litten und auch die französischen und italienischen Stars keineswegs beeindruckende Leistungen boten, erscheint nur allzu logisch. Ein unwürdiges Ende für die Kinokarriere dieser beiden Stars.
Die Dokumentation „Being Elmo: A Puppeteer’s Journey“ (2011) fiel mir schon früher auf, doch bislang kam ich einfach nicht dazu, mir den Karriereweg von Elmo-„Darsteller“ Kevin Clash näher anzusehen. In herzerwärmenden Sequenzen berichtet er von seiner Schulzeit, seinen Karriereanfängen unter Kermit Love und Jim Henson und schließlich seiner Kreation Elmo. Oft rutscht der Film in zu unkritisches Terrain, auch wenn Clash selbstkritisch in Bezug auf sein Privatleben und seine Ehe ist, doch dies bleibt eher oberflächlich. Unterhaltsam und mit vielen neuen Informationen zu den Muppets, die mir so nicht bekannt waren. Dass Kevin Clash kurz nach dem Ende der Dreharbeiten zu dieser Dokumentation in einen Skandal verwickelt war, bestätigt (ungewollt) den Eindruck, dass mehr zu erfahren gewesen wäre, und Constanze Marks zu oberflächlich blieb.
Im Jahr 1979 war der von Disney produzierte Sci-Fi-Film „The Black Hole“ ein Prestigeprojekt, besetzt mit Stars wie Maximillian Schell, Anthony Perkins und Ernest Borgnine. Heute wirken das knallbunte Design, die verspielten Roboter und das einzig für eine tolle Schlussexplosion im Film vorkommende schwarze Loch, angestaubt und auch äußerst langsam.
Der nur eine Minute lange Thriller „Tuck Me In“ (2014) von Ignacio F. Rodó ist überraschend effektiv, indem der Schlusstwist geradezu perfekt sitzt. Bei einer Minute gibt es aber auch nicht mehr zu sagen.
George Takei ist eine faszinierende und inspirierende Persönlichkeit und er, gemeinsam mit seinem Ehemann Brad, trägt die Dokumentation „To Be Takei“ (2014), in der Takeis Leben und Karriere auf unterhaltsame Weise betrachtet werden. Die Internierung in Gefangenenlagern während des Zweiten Weltkriegs mit seinen Eltern über die ersten Schritte im TV- und Film-Geschäft über „Star Trek“ hin zu seinem Outing und seinem Kampf für die Rechte Homosexueller. Takei weiß mit Witz und Selbstsicherheit zu überzeugen und das Publikum zu überzeugen. Schwachpunkte sind die etwas zu geifernd ausgefallene Feindschaft mit William Shatner (der jedoch auch nicht gerade viel macht, um nicht als ein arroganter Idiot rüber zu kommen) und der grundsätzlich sehr leichtgewichtige Ton. Dadurch fällt es immer wieder schwer, von intensiven Passagen, wie dem Aufenthalt im Gefangenenlager, zu Besuchen beim Friseur zu wechseln. Abgesehen davon, eine überaus unterhaltsame Dokumentation.
Ebenfalls sehr unterhaltsam, aber mit einem puren Fokus auf das filmische Schaffen, ist „Corman’s World: Exploits of a Hollywood Rebel“ (2011). Roger Corman darf, flankiert von einstigen Weggefährten wie Martin Scorsese, Jack Nicholson, Peter Bogdanovich und David Carradine, seine Karriere nachverfolgen. Die Beginne im B-Movie-Segment über Prestigefilme wie „The Intruder“ (meiner Meinung nach sein bester Film) und dem niemals erfolgreich vollzogenem Sprung ins Studiosystem. Es steckt viel Freude und Herzblut in dieser Dokumentation, auch wenn sie es sich in manchen Bereichen zu einfach macht. Doch die Anekdoten von motivierten und mit viel Witz Vortragenden wie Nicholson und Ron Howard entschädigen für derartige Schwächen.
Apropos B-Movies. Ed Wood hat sich mittlerweile einen ganz eigenen Kultstatus erarbeitet, auch wenn seine Filme qualitativ noch viel niedriger angesiedelt waren, als jene von Roger Corman, der sehr wohl qualitativ gutes Kino erschaffen konnte. Wood wollte auch immer im Fernsehen landen, was er aber nie schaffte. Sein Pilotfilm „Final Curtain“ (1957) hätte der Auftakt zur Serie „Portraits of Terror“ sein sollen, doch daraus wurde nichts. Bis vor wenigen Jahren galt der Film als verschollen. Nach einem Festivalrun ist nun auf YouTube dieser Pflichtpunkt für Wood-Fans zu betrachten. Ein Schauspieler (Duke Moore) irrt durch ein leeres Theater. Unterlegt wird das von einer geradezu hysterischen Narration durch Dudley Manlove (der großartige Eros aus „Plan 9 from Outer Space“), dessen völlig übertriebene Darbietung aus dem Off in völligem Widerspruch zur eingefrorenen Mimik von Moore und der unaufgeregten Inszenierung von Wood steht. Wood nutzt dieselben Stock Footage und Stock Sound Effekte wie eh und je, und schafft es keinen roten Faden in die Geschichte zu bringen. Bis zum Schluss ist nicht klar, worum es hier überhaupt ging, was zwar kurios anmutet, aber recht schnell langweilt.
Keanu Reeves würde man nicht sofort als Erzähler bzw. Interviewer einer Dokumentation über den Kampf zwischen digitalem Film und 35mm-Film in Betracht ziehen. Doch unter der Regie von Christopher Kenneally ist er genau die richtige, sympathische Präsenz, die in „Side by Side“ (2012) nötig ist, um im Schwall von großen Filmemacherinnen (obwohl auffällig wenige Frauen befragt wurden) unterzugehen. Die technischen Details werden so erklärt, dass auch Nicht-Cinephile der Diskussion folgen können, doch genau genommen, und da hat mich nach etwa 40 Minuten „Side by Side“ für sich gewonnen, richtet sich diese Arbeit, an Cineasten. Die für nur selten ins Kino gehende Menschen wohl eher schwer nachvollziehbare Diskussion wird sehr ausgewogen geführt, auch wenn mir am Ende der Eindruck blieb, dass Vertreter der digitalen Revolution (vor allem Liebhaber der ersten RED-Kamera – RED One) die Zukunft bestimmen werden.
Nach der Sichtung der Dokumentation zu Roger Corman, wollte ich mir ein paar ausgewählte Werke aus seiner Filmografie ansehen. Der erste Film von American International Pictures entstand unter der Co-Regie von Hauptdarsteller John Ireland und Edward Sampson. „The Fast and the Furious“ (1955) ist Stangenware, mit einem Gangster auf der Flucht, der meint, sich in einem Autorennen mit seinem teuren Wagen am ehesten verstecken zu können. Warum auch immer. Die Autoaction beschränkt sich auf eine Abzweigung verpassende Rennwägen und Jump-Cuts, um nicht zu sehen, dass gar kein Wagen zu Bruch ging. Der B-Movie-Charme verhilft dem billig und schnell produzierten Werk aber zu ein wenig Unterhaltungswert.
Noch viel schneller und billiger produziert wurde jedoch „The Terror“ (1963). Da die Sets von „The Raven“ noch verfügbar waren, drehte Roger Corman einen völlig unzusammenhängenden Mysteryfilm, rund um einen napoleonischen Offizier (Jack Nicholson), der sich verirrt und beim Schloss von Baron von Leppe landet. Abgesehen von der Konfrontation dieser beiden Schauspielgrößen, gibt es absolut nichts, was man über diesen Film berichten könnte.
„Blackfish“ (2013) galt als kommender Oscar-Gewinner im Dokumentarfilmbereich, und wurde dann noch nicht einmal nominiert. Die Wirkung des kraftvollen Films, rund um die Vorgänge in SeaWorld und die Haltung von Orcas (vor allem von Tilikum, der drei Trainer getötet haben soll), ist unbestreitbar. Doch Regisseurin Gabriela Cowperthwaite wiederholt sich in der Darstellung der Vorgänge mit Archivmaterial ein wenig zu oft und hat trotz knapper 80 Minuten Laufzeit, offenbar „nur“ ihre eine Botschaft, die sie mit allerlei Nachdruck vermitteln möchte. Dass dies zu großen Teilen sehr gut gelingt, ist aber nicht zu bestreiten und es verwundert, dass „Blackfish“ nicht zumindest für den Oscar nominiert war. Die thematisch nicht unähnliche Dokumentation „The Cove“ (um die Delphinjagd in Japan) ist aber vielleicht sogar noch mehr zu empfehlen.
Lange genug hat es gedauert, bis ich mir „Wuthering Heights“ (2011) von Andrea Arnold angesehen habe. Arnolds erste Filme (vor allem „Fish Tank“) haben für Furore gesorgt, doch ihre Adaption des Bronte-Klassikers, den offenbar jeder englische Schüler einmal gelesen haben muss, kam weniger gut an. Da ich den Roman noch vor mir habe, kann ich wenig dazu sagen, wie frei sie mit dem Material umging. Mir gefiel jedoch die Besetzung, die karge Kameraarbeit und die geradezu gruselige Atmosphäre die hier aufgebaut wurde. Nicht ganz so intensiv und eindringlich gespielt wie das ebenso düstere „Jane Eyre“ von Cary Fukunaga, aber von ähnlicher innovativer Kraft.
Alleine das erste Promo-Bild von Daniel Radcliffe mit Teufelshörnern, hat mich überzeugt. Der Roman von Joe Hill war angenehmer und überraschend komplexer Lesestoff, doch die Filmadaption „Horns“ (2013) schlägt noch eine Spur humorvollere Töne an, denn der Roman. Das ist einerseits unterhaltsam, andererseits erschwert die den Sprung in den düsteren und komplexen Thrillerstoff, der in der zweiten Hälfte erfolgen soll. Aja mixt die humorvoll-unterhaltsamen Momente mit guter Musik zusammen und kann dazu auch auf eine hervorragende Leistung von Daniel Radcliffe in der Hauptrolle setzen. Doch die düsteren Töne misslingen ein wenig und ich war auch von den Nebendarstellern (vor allem Juno Temple als Mordopfer) wenig angetan.
Was für ein Film. Ein herrliches Kleinod, unterhaltsam, tiefgründig und überraschend eindringlich. Lenny Abrahamsons „Frank“ (2014) zeigt Michael Fassbender in einer seiner besten Darbietungen, obwohl er fast den gesamten Film lang, einen künstlichen Kopf über sich gestülpt hat, und seine Mimik nur beschreibt. Aus der Sicht des Musikliebhabers Jon (Domhnall Gleeson) werden Künstleregos, Avantgarde-Pop und der ganz normale Wahnsinn von Albumaufnahmen seziert. Immer mehr dreht sich das Geschehen um Jon, der gerne ein großer Musiker wäre, im Endeffekt aber doch nur von der Brillanz der ihn umgebenden Künstler lebt. Darin liegt auch eine kleine Schwäche, denn man würde oft gerne mehr von Frank oder Clara (Maggie Gyllenhaal) erfahren.
Noch ein Film aus der Roger-Corman-Reihe. Diesmal der erste Film von Francis Ford Coppola: „Dementia 13“ (1963). Die ansehnlich inszenierte Geschichte um eine Frau, deren Mann ertrinkt und um dessen Vermögen sie nun fürchtet, ist mit überraschend blutigen Sequenzen versehen und mit einer dichten Atmosphäre versehen. Inhaltlich bleibt das Geschehen jedoch dünn.

I Shot Andy Warhol / http://s.mcstatic.com/thumb/7052259/19579345/4/flash_player/0/1/i_shot_andy_warhol_kicked_out.jpg?v=2

Die Oscar-Liste
Auf meiner Oscar-Liste fehlen nicht mehr ganz so viele Filme, und der Großteil davon fällt in die „epische“ Kategorie, die ich immer ein klein wenig meide. „The Last Emperor“ (1987) von Bernardo Bertolucci ist ein besonderer Film aus der Reihe epischer Werke, die den Oscar gewannen. Denn unter der Führung von Jeremy Thomas, konnte die Geschichte des letzten Kaisers von China als Independent-Produktion realisiert werden. Eine 25-Millionen-Dollar schwere unabhängige Produktion, die aussieht wie ein Studio-Blockbuster und in der Bertolucci vor allem stilistisch Glanzpunkte zu setzen weiß. Inhaltlich wird versucht, dem Leben von Puyi (John Lone) gerecht zu werden, wobei immer wieder die Verhöre im kommunistischen Gefangenenlager zur Kontradiktion seiner Geständnisse benutzt werden. Das führt immer wieder zu einem etwas zerissenen Rhythmus. Ein insgesamt würdiger Preisträger, der auch heute noch stellenweise beeindruckt.
Aus Gründen, die nicht so ganz nachvollziehbar sind, ist Fred Zinnemann heute kaum mehr bekannt. Dabei hat er vier Oscars gewonnen und zudem Filme wie „The Day of the Jackal“ und „High Noon“ inszeniert. 1954 gewann er für seine handwerklich sehr feine Inszenierung von „From Here to Eternity“ seinen ersten Oscar in der Kategorie Best Director. Die Theateradaption „A Man for All Seasons“ (1966) sollte zu einem noch größeren Triumph werden. Insgesamt acht Oscars und der Status als einer der besten britischen Filme aller Zeiten, waren dem Film rund um Thomas More (Paul Scofield), der sich gegen König Henry VIII und dessen geplante Abspaltung vom Vatikan stellte. Die Kostüme und Sets schauen hervorragend aus, Orson Welles ist ein feiner Kardinal Wolsey und sowohl Scofield als auch Robert Shaw (Henry VIII) bieten großartige Leistungen. Doch das Geschehen schleppt sich träge dahin. Es scheint, als würde man einer Theaterinszenierung mit wenig Schwung beiwohnen. Zinnemann mag hier einen weiteren Triumph erlebt haben, aber dass dieser Film kaum noch im allgemeinen Bewusstsein verankert ist, hängt sehr wohl mit der teilweise sehr langweiligen Inszenierung zusammen.

The Last Emperor / http://www.celluloidheroreviews.com/wp-content/uploads/2008/03/last-emperor.jpg

Re-Visited
Der große „Star Trek“-Marathon geht langsam zu Ende, wobei ich die Kernfilme als abgeschlossene Reihe betrachte. Die von J.J. Abrams neu iniitierte Reihe, sehe ich als eigenständige Werke an, weshalb ich mit Film Nummer 10 meinen Marathon (vorerst) beende. Nach der großen Enttäuschung, die Teil 7 darstellte, überzeugte Jonathan Frakes mit dem unerhört unterhaltsamen, spannenden und äußerst flott inszenierten 8. Teil „Star Trek: First Contact“ (1996). Der Kampf der Enterprise und vor allem von Captain Picard gegen die Borg, profitiert vom beherzten Einsatz des Zeitreise-Elements und Frakes‘ verspielter Regie, die sich an den alten Filmen (der Musik aus dem 1. Teil) wie auch an anderen Sci-Fi-Filmen bedient. Zudem ist die Chemie zwischen den Charakteren (Alfre Woodard und Patrick Stewart oder James Cromwell und der Rest der Bodencrew) großartig.
Die Enttäuschung war dann umso größer, als Frakes mit „Star Trek IX: Insurrection“ (1998) einen unglaublich öden und scheinheiligen Film vorlegte, der interessante Fragen zur ethischen Handlungsweise aufwarf, diese aber inkonsequent beantwortete. Zudem war F. Murray Abraham ein merkwürdig verschenkter Bösewicht, und die Logik, nach der das ach so Naturverbundene Volk der Ba’ku lebt, in sich nicht schlüssig. Zudem erschien es unklar, weshalb hier überhaupt ein Konflikt herrschte. Eine überlange TV-Episode der unspektakulären und wenig erinnerungswürdigen Art.
Den Abschluss bildete das von vielen Fans minder geschätzte, aber durchaus unterhaltsame „Star Trek X: Nemesis“ (2002). Ein sehr schnell aufkommendes Problem ist das unausgewogene Verhältnis innerhalb der Charaktere. Während Patrick Stewart gegen sein geklontes jüngeres Ich in Form von Thomas Hardy antreten darf, und dabei viele gute Momente hat, ist es genau genommen nur Brent Spiner in seiner Doppelrolle als Data und seinen Doppelgänger-Prototypen, der noch entsprechend viel zu tun bekommt. Ansonsten ist Stuart Baird zu sehr auf die Actionszenen konzentriert, was zwar recht kurzweilig erscheint, aber gerade in einem Star Trek-Film doch eher das i-Tüpfelchen darstellen soll, und nicht die gesamte Handlung einnehmen. Nicht so schlecht wie Teil 9, aber auch kein wirklich würdiger Abschluss der Filmreihe.
Das Gartenbaukino zeigt Jonathan Glazers hypnotischen Sci-Fi-Traum „Under the Skin“ (2013) als einziges Kino in Österreich. So konnte der wunderschöne Film um einen Alien in weiblicher Gestalt (Scarlett Johansson) zumindest einmal auf der großen Leinwand gesichtet werden. Bei der erneuten Sichtung fällt die Sinnsuche des Aliens in einer fremden Umgebung noch stärker auf, und treten die Hintergründe für das Tun von ihr (und ihrer per Motorrad mobilen Helfer) weiter zurück. Ein großartiges Werk. In unserem Dialog haben wir es ein wenig aufgearbeitet.
Während sein neuestes Werk („Inherent Vice“) gerade seine Premiere feiert, dachte ich, es wäre wieder an der Zeit „Punch-Drunk Love“ (2002) zu sichten. Adam Sandler war wirklich niemals besser, als in dieser verträumten, verqueren Romanze. Umgeben von seinen ihn immer wieder geradezu seelisch mißhandelnden Schwestern, scheint er für eine einfache Konversation mit einer anderen Person, kaum in der Lage. Anderson zeigt den zutiefst verstörten Barry mit viel Liebe und lässt uns mit ihm, aber nie über ihn lachen.
Zwei meiner liebsten Zusammenarbeiten von Laurel und Hardy konnte ich erneut betrachten. Das famose und immer noch ein wenig unterschätzte Meisterwerk „Block-Heads“ (1938) mag mir bereits ein wenig zu bekannt sein, sodass ich etliche Momente auswendig mit erzählen kann, doch das ändert nichts an der Wirkung. Ein großartiger Film, in dem jede Kleinigkeit, zu einem ganz großen Gagfeuerwerk wird. „Sons of the Desert“ mag der kompaktere und bekanntere Film sein, doch mir gefällt „Block-Heads“ noch eine Spur besser. Das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.
Ein wenig fällt dagegen „A Chump at Oxford“ (1940) ab. Das liegt jedoch hauptsächlich an dem völlig zusammenhanglos dazu geschusterten Epilog. Die ersten 15-20 Minuten wurden einst für das europäische Publikum hinzugefügt, und dabei greifen die Macher auf einen alten Kurzfilm zurück, in dem Laurel und Hardy als Butler in einer feinen Gesellschaft aushelfen sollen. Danach beginnt die eigentliche Handlung, die nach Oxford führt, und voller feinem Culture-Clash-Humor und tollen Wendungen besteht. Aus Stan einen adligen Herren zu machen, der durch einen Schlag auf den Kopf seine Erinnerung verlor, diese wieder zurück erhält und schließlich wieder verliert, gehört zu den feinsten Arbeiten. Womöglich gehöre ich zu einer Minderheit, aber ich würde die um den Epilog gekürzte Version bevorzugen. Diese wäre ein grandioser Film. So, ist es schlicht ein sehr guter.
Nach vielen Jahren war es wieder einmal soweit, sich Sam Peckinpahs zum Kinostart verstümmelten „Pat Garrett & Billy the Kid“ (1973) erneut anzusehen. Heute kann man hierfür eine weitgehend rekonstruierte Fassung betrachten und diese fasziniert durch ihren elegischen, melancholischen Ton. James Coburn bietet als Pat Garrett eine Glanzleistung in einem voller Wehmut durchzogenen Western, der auch vom Ende dieser Zeit handelt. Verbunden mit dem heute als Wegweisend geltenden Soundtrack von Bob Dylan, ist aus dem Fehlschlag, ein wichtiger Markstein der Filmgeschichte geworden.
Nach dem Kinobesuch hätte ich mir nie gedacht, dass „30 Days of Night“ (2007) noch einmal auf meinem Schirm auftauchen würde. Doch mittlerweile ist es bereits das dritte Mal dass ich diesen unterhaltsamen, wenn auch mit Fehlern und Schwächen behafteten Vampirthriller sichte. Josh Hartnett ist ein passabler Held und die Geschichte um eine, ein Monat lang in ständiger Dunkelheit von Vampiren heim gesuchten Stadt in Alaska, ist immer wieder interessant. Vieles mag aus anderen, besseren Filmen, geborgt sein, und manche Szene wirkt auch ein wenig störend, doch insgesamt ein passender Abschluss zu meinem #Horrorctober und ein Film, den ich sicher wieder einmal sichten werde.
20 Jahre nach seiner Premiere ist „Pulp Fiction“ (1994) immer noch der einflussreichste Film, den Quentin Tarantino bis heute gedreht hat. Die Faszination ist auch heute noch erhalten geblieben. Die punktuell exzessive Gewalt wirkt derart übersteigert, dass man heute, kaum noch von einer Schockwirkung sprechen kann. Viel mehr schockiert, wie großartig eine Dialogzeile nach der anderen wirkt und wie Tarantino aus jedem Darsteller eine famose Leistung heraus kitzeln konnte. Dennoch erscheint mit heute noch, das ruhigere und komplettere „Jackie Brown“ als der beste seiner Filme.
Jack Arnold hat einige hervorragende Filme gedreht, und „Creature from the Black Lagoon“ (1954) zählt ebenso zu diesen Klassikern. Doch auch bei einer erneuten Sichtung, konnte mich Arnolds Amazonasmonster nicht wirklich überzeugen. Eine gut aufgebaute Atmosphäre, aber furchtbar uninteressante Charaktere, die zum Glück ohnehin nur Platzhalter für den nächsten Angriff der Kreatur sind.
Die beiden Filme „Che: Part One“ (2008) und „Che: Part Two“ (2008) separat zu betrachten, ist zwar von Steven Soderbergh so gewollt, doch genau genommen, erzählt er eine Geschichte, in einem epischen und wunderbar spröden Film. Teil 1 handelt von der Revolution in Kuba, während Teil 2 jene in Bolivien darstellt. Benicio Del Toro liefert eine seiner besten Darstellungen ab, und wurde dafür auch mit dem Preis als Bester Darsteller bei den Filmfestspielen in Cannes geehrt. Daneben überzeugen aber auch Demián Bichir als Fidel Castro sowie eine ganze Armada an Nebendarstellern, wie Rodrigo Santoro, Édgar Ramirez und Catalina Sandino Moreno. Actionsequenzen werden gezielt eingesetzt. Der Guerillakrieg wird als zähes und körperlich wie nervlich zermürbendes Unterfangen dargestellt, in dem Che Guevara großteils wie ein Rädchen von vielen wirkt. Nachdem der Krieg um Kuba gewonnen wurde, nehmen sich die fatalen Vorgänge in Teil 2 in Bolivien umso bedrückender aus. Alles was schief gehen kann, ging schief und Soderbergh zeigt den langsamen Weg in den Abgrund mit Ruhe und Genauigkeit. Dieser spröde Zugang, mag nicht für alle Zuseher geeignet sein, doch ich war auch beim erneuten Zusammentreffen mit diesem unterschätzten Werk, davon beeindruckt, wie Soderbergh die Revolutionsromantik vergessen macht.

Pulp Fiction / http://screenmusings.org/PulpFiction/images/Pulp-Fiction-641.jpg

Serien-Überblick
Die 1. Staffel von „The Bridge“ war eine dieser positiven Überraschungen, auf die man immer wieder hofft, wenn eine neue Serie gestartet wird. Diane Kruger und Demián Bichir sind exzellent als Polizisten auf den beiden Seiten der Grenze. Mit der 2. Staffel (2014) wird versucht, das Geschehen ein wenig komplexer zu gestalten. Der Drogenhandel von Mexiko in Richtung USA aufgefettet durch eine DEA-Untersuchung (ein ungewohnt seriöser Abraham Benrubi), CIA-Geheimnisse, industrielle Verwicklungen, Bankgeschäfte, Immobilienscheingeschäfte und dazu noch die Recherchen von Daniel Frye (Matthew Lillard) und Adriana (Emily Rios). Man füge noch Franka Potente als mysteriösen neuen Bösewicht mit ernsthaften Psychosen hinzu und man erhält eine Ahnung, wie verwirrend die erste Hälfte der 2. Staffel verläuft. Es dauert lange bis sich so etwas wie ein roter Faden heraus kristallisiert und das mindert doch erheblich den Sehgenuss. Zudem sind nicht alle großen Konfrontationen gut gespielt, obwohl sich etwa Matthew Lillard in seiner Rolle sehr gut eingelegt hat. Der Cliffhanger für die nächste Staffel wirkt ein wenig arg aufgesetzt, doch man bleibt gespannt.
Langsam geht die von mir seit ihrem Beginn hoch geschätzte Sixties-Serie „Mad Men“ in ihre finale Staffel. Zu meinem Leidwesen wurde diese, wie bei „Breaking Bad“ in zwei Hälften geteilt. Warum? Weil es mehr Werbegeld dafür gibt. Dennoch ergötzte ich mich an jeder Episode und war erfreut, dass Matthew Weiner und sein Team mit der Staffel 7.1 (2014) einige lose Handlungsenden aufklären, und vor allem einigen Charakteren (Don, Peggy, Burt, Pete, etc.) neue Facetten abringen konnten. Der Schlussmoment der ersten Hälfte der letzten Staffel, gehört bereits (wie die gesamte Episode) zu meinen persönlichen Highlights, und ich warte begierig auf den Abschluss.
Frank Darabont schied im Unfrieden von AMC und „The Walking Dead“. Sein neuester Versuch, mit einer Serie zu landen, war bei TNT mit „Mob City“ (2013). Nach nur einer Staffel, die aus sechs Episoden bestand, wurde diese jedoch eingestellt. Darabont basierte seine Erzählung rund um Aufstieg und Fall von Gangsterboss Mickey Cohen auf dem Roman „L.A. Noir“. Doch so wie sich das Geschehen abspielt, hätte er auch das Computerspiel als Basis gehabt haben. Die Darstellerriege ist beeindruckend und agiert in bester 1940-er-Noir-Tradition. Leider genügen aber sechs Episoden nicht, um all den Charakteren genügend Raum zu verschaffen. So bleibt Bugsy Siegel (Edward Burns beim Versuch Warren Beatty nicht zu imitieren) der Typ, der Las Vegas gegründet hat, so wie Mickey Cohen der merkwürdige Schläger bleibt, der eher zufällig zum Gangsterboss wurde. Eine zweite, ausführlichere Staffel, hätte zumindest Mickey Cohen wohl gerecht werden können, doch so, bleibt eine halbgare Serie, die womöglich in einigen Jahren wieder entdeckt und gerade für all ihre Fehler geschätzt wird. Denn das macht auch den Charme von „Mob City“ aus. Es will so aussehen wie „Boardwalk Empire“, tut es aber nicht. Beste B-Movie-Noir-Tradition.
Steven Soderbergh wollte sich nach einigen ernüchternden Kinoprojekten, aus dem Regie-Geschäft zurückziehen. So ganz gelingt ihm das aber nicht. Nach „Behind the Candelabra“ ist nun die auf dem mir bis dahin völlig unbekannten US-Sender Cinemax gesendete Serie „The Knick“ (2014) unter seiner Regie entstanden. Jack Amiel und Michael Begler kreierten mit dem herrischen und Kokain-süchtigen Oberarzt John Thackery eine Traumrolle für Clive Owen und Soderbergh zeigt den Alltag im Knickerbocker-Krankenhaus um 1900 als gefährlichen Job. Grimmig, blutig und voller Gefahren, erscheint das Leben im New York um 1900 als einziger Kampf. Unterlegt mit einem hervorragenden Score von Cliff Martinez und dem typischen Soderbergh-Stil in der Inszenierung, schaffte es „The Knick“ mit der 1. Staffel sich von anderen Arzt-Serien abzuheben und zudem eine ganze Reihe an interessanten Nebendarstellern in den Fokus zu rücken, deren Geschichten genauso spannend sind, wie jene rund um Dr. Thackery.
Die von BBC produzierte Mini-Serie „A Young Doctor’s Notebook“ ist ein Außenseiter im mittlerweile kaum zu durchdringenden Dschungel an großartigen TV-Produktionen. Doch dank der von Jon Hamm und Daniel Radcliffe gespielten Doppel-Hauptrolle, war meine Aufmerksamkeit sehr schnell vorhanden. In Staffel 1 (2012) verschlägt es den Jahrgangsbesten seiner Uni in ein verschlagenes Landspital, dessen Leitung er übernehmen soll. 1917 zeigt sich die medizinische Tätigkeit vor allem als sehr blutiges Gewerbe, was hier mit viel bitterbösem Humor gezeigt wird (womit man auch eine kleine Brücke zu „The Knick“ schlagen könnte). Jon Hamm spielt das ältere Ich des Arztes, der im Moskau Ende der 1930er auf seine alten Notizbücher stößt und so in die Geschichte eingreift. Die Interaktion zwischen dem jungen und dem älteren Arzt, ist voller Komik. Was jedoch fehlt ist eine gut ausgearbeitete Figurenzeichnung. Bei vier Episoden beschränkt sich das Geschehen auf der Darstellung der schwarzhumorigen Krankheitsfälle (eine Beinamputation wird zu einem sehr merkwürdig komischem Moment) und der beginnenden Morphiumsucht des Arztes.
Die exklusiv für Netflix hergestellte Serie „Orange is the New Black“ ist schon einmal einen Blick wert, da sie den Alltag in einem Frauengefängnis darstellt. Taylor Schilling eignet sich im Laufe der 1. Staffel (2013) die Rolle der in sicheren Verhältnissen lebende Piper, die wegen eines alten Drogenvergehens für über ein Jahr ins Gefängnis muss, an. Doch in der Serie, die viele interessante Charaktere, aber nicht immer so gelungene Darstellungen bietet, entspringt die Faszination vor allem aus den Hintergründen, weshalb die Frauen im Gefängnis gelandet sind. Jason Biggs, Laura Prepon, Kate Mulgrew und Natasha Lyonne sind die verlässlichen und aus der Masse herausstechenden Mitspieler, die eine langsam in die Rolle hinein wachsende Schilling sehr kompetent unterstützen. Dass mit Laufe der Staffel sich die Probleme und Konflikte verstärken, und so zu einem sehr interessanten Cliffhanger führen, spricht für die guten Drehbücher.
Ich bin kein großer Fan der von Hergé erschaffenen Figuren in „Tim & Struppi“, doch ich kenne ein paar Alben und habe den Film von Steven Spielberg genossen. Zudem kenne ich einige Episoden der Serie „The Adventures of Tintin“. Nun habe ich die 1. Staffel (1991) gesehen, und werde auch weiterhin nicht so schnell ein glühender Fan. Zu oft wiederholen sich in dieser sehr Werkgetreuen Französisch-Kanadischen Adaption die Witze und Handlungstwists, doch als Kinderunterhaltung ist es sehr gelungen und für Fans der Alben von Hergé werden ohne Zweifel begeistert sein.
Die 4. Staffel (2008) von „How I Met Your Mother“ beginnt mit dem Knalleffekt der anstehenden Hochzeit von Ted und Stella (Sarah Chalke), nur um sich dann ein wenig im Kreis zu drehen. Ted werden etliche Hindernisse in den Weg geworfen, die aber natürlich nur zum Besten seines Charakterbaus sind. Dies und das Barney-Robin-Theater sowie kleine Unebenheiten in der Handlung (die nur leidlich komisch aufgearbeitete Absenz von Lily) machen aus der 4. Staffel Sitcom-Unterhaltung auf gutem Niveau, aber mit leichten Abnutzungserscheinungen.

The Knick / https://thenypost.files.wordpress.com/2014/08/knick.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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