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Die Viennale ging in diesem Monat zu Ende und gab Anlass um zwei sehr interessante Werke zu sichten. Zudem kam langsam das Mainstream-Kino wieder in Bewegung und zeigte mit der Fortsetzung der „Hunger Games“ und vor allem dem heiß erwarteten „Interstellar“, wozu es dieser Tage fähig sein kann. Zudem schaffte ich es auch wieder einmal, einige Filme von der „1001 Project“-Liste zu sichten. Eine Liste, die schon viel zu lange von mir ignoriert wurde.

Neuzugänge
Nick Cave ist einer jener Musiker, denen ich viel Bewunderung entgegen bringe, auch wenn ich kein ganz großer Fan von ihm bin. Ich kann mir immer wieder seine Alben anhören, aber warte nicht begierig auf das neueste Werk. Wie er lebt und sein kreativer Prozess vonstatten geht, zeigt die Dokumentation „20.000 Days on Earth“ (2014) von Iain Forsyth und Jane Pollard. Dabei muss man das Genre „Dokumentarfilm“ mit Vorsicht genießen. Vermischt mit Archivaufnahmen von Albumaufnahmen und Konzerten, zeigt Cave (der auch als Co-Autor fungiert) eine Version von Nick Cave oder auch eine Version des Künstlers wie er ihn sieht. Inszenatorisch wohl die aufregenste Arbeit in dem Bereich, seit Todd Haynes „I’m Not There.“. Sofern man sich in der Lage sieht, den sich selbst als „pompous bastard“ bezeichnenden Cave auch so zu akzeptieren und sich nicht über seine Ausflüge in die Großmannsucht zu ärgern, wird mit einer großartigen Arbeit belohnt.
Als ich „Fantasma“ (2006) von Lisandro Alonso bei der Viennale sah, war ich sofort von seinem Stil abgestoßen. Egozentrischer ging es gar nicht mehr. Dennoch war ich auf „Jauja“ (2014) gespannt. Vor allem da Viggo Mortensen als dänischer Auswanderer in Patagonien, in Diensten des Militärs, zu sehen, einfach eine zu große Verlockung war. Alonso zeigt auch hier wieder seinen typischen Stil. Meditative Bilder, wenig Dialog, noch weniger Handlung. Mortensen stapft auf der Suche nach seiner ausgerissenen Teenager-Tochter durch eine surreal wirkende Landschaft und Alonso gelingt es, eine Bergman’sche Atmosphäre zu kreieren. Dennoch gibt es genügend, was mich wieder abstieß. Der furchtbar unlogische Schluss, die scheinbar nur als Vorwand eingearbeitete historische Handlung und natürlich wieder einige lange Einstellungen, die man ohne Probleme hätte streichen können. Doch mein dritter und letzter Viennale-Film, hat eine verführerische Aura, die jeglichen Negativismus schlägt.
In dem Moment, in dem Christopher Nolan bekannt gab, dass sein neuestes Projekt „Interstellar“ sein würde, war der Hype nicht zu stoppen. Basierend auf Theorien von Kip Thorne, breiten Nolan und sein Bruder Jonathan (der das Drehbuch ursprünglich für Steven Spielberg schrieb) einen facettenreichen Sci-Fi-Film aus, der als Öko-Dystopie beginnt. Nach den Wundern des Weltraums, entspinnt sich ein Paranoia-Thriller, vor allem aufgrund der starken Leistung eines Überraschungs-Stars, der stellenweise Matthew McConaughey und Anne Hathaway die Schau stiehlt. Dem Brüderduo mag in ihrem überraschend sentimentalen Abenteuer manchmal die Geschichte aus den Händen gleiten (vor allem in der 5. Dimension), doch es ist ein visuell überwältigender Film, der auch auf intellektueller Ebene sein Publikum fordert. Einige Dinge (Liebe als Kraft die wir noch nicht verstehen oder die Konzentration auf die Tochter) mögen nicht so ganz funktionieren, doch dieser ambitionierte Film, der sich als Blockbuster tarnt, verdient sich viel Lob. In unserem Dialog setzten wir uns mit Christopher „Arthouse-Blockbuster-Cinema“ Nolan auseinander.
Woody Allen in einem Film, in dem er nicht selbst Regie führt. Gut, das klingt schon mal ganz interessant und dann ist es auch noch ein Film unter der Regie von Hauptdarsteller John Turturro, in dem Allen als Möchtegern-Zuhälter und Turturro als Gigolo zu unterhalten versuchen. „Fading Gigolo“ hat Ähnlichkeiten mit der HBO-Serie „Hung“, schafft aber einen eigenen Charme zu kreieren. Turturro zeichnet ein melancholisches und zudem wunderschönes Bild von New York. Die unerwartete Wendung hin, in das Leben einer verwitweten orthodox lebenden Jüdin (Vanessa Paradis), die von einem Jugendfreund umgarnt wird (der göttliche Liev Schreiber), aber selbst dem Gigolo (Turturro) näher kommt, ist ebenso ruhig inszeniert, wie der Rest des Films. Es bleibt bei Woody Allen, der scheinbar freie Hand bei seinen Dialogen hatte, und dies zu einer humorvollen Performance nutzt, die dem teilweise zu ruhigem Film, ein wenig Schwung verleiht.
Nun ist er also da, der erste Teil des „Hunger Games“-Finales. Unter dem Titel „Mockingjay Part 1“ zeigt uns wieder Francis Lawrence die zerstörte Welt von Panem und wie Katniss Everdeen (souverän wie eh und je, diesmal aber merkwürdig eingeschränkt wirkend: Jennifer Lawrence) als Gallionsfigur die Revolution gegen das Kapitol anführen soll. Den größten Spaß in diesem (aus dramaturgischen Gründen) völlig sinnlos auf zwei Filme aufgeblasenem Finale, machen die Routiniers wie Donald Sutherland, Julianne Moore, Elizabeth Banks oder ein interessanter Philip Seymour Hoffman. Weshalb man aber zwei Stunden durch eine kaum vorhandene Handlung gezerrt wird, kann nur mit finanziellen Überlegungen begründet werden. Mehr ein Produkt denn ein Film. Doch damit steht „The Hunger Games“ in einer Reihe mit den Final-Teilen von „Twilight“ und „Harry Potter“.
YP und ich sind in unserem Dialog sehr unterschiedlicher Meinung, was die Qualität des neuesten „Hunger Games“-Filmes angeht.
Die erste Hälfte von MIke Leighs „Mr. Turner“ ist fantastisch. Die Kameratableaus von Dick Pope entsprechen den Gemälden von William Turner und Timothy Spall gibt die beste Leistung seiner Karriere, indem er sich durch Gespräche grunzt und nur mit seinem Vater (Paul Jesson) und der Dienstmagd Hannah (Dorothy Atkinson), sowie später mit seiner letzten Ehefrau Sophia (Marion Bailey), ein wenig öffnet. Wenn Turners Vater stirbt, beginnt aber nicht nur die Arbeit von William zu leiden, sondern auch der Film zerfällt ein wenig. Der Rhythmus wirkt zerfahren und das Drehbuch nimmt sich zu viel Zeit um etwa die Ehe oder den Tod von Turner darzustellen. Ein guter Film, der aber herausragend hätte sein können.
Das grundsätzliche Konzept einer Frau, die erwacht und glaubt Mitte 20 zu sein, jedoch nach einem Überfall alle Erinnerungen an die letzten 20 Jahre ihres Lebens verlor und nunmehr alles von Neuem erlernen muss, wäre eine gute Basis für einen starken Thriller. Unter der Regie von Rowan Joffe entwickelt sich in „Before I Go To Sleep“ aber ein betont langsamer Film, der von Logiklöchern unglaublichen Ausmaßes geschädigt wird. Mark Strong und Colin Firth bieten gute Leistungen innerhalb limitierter Drehbuchvorgaben, während Nicole Kidman versucht, ein wenig Leben in ihren Charakter zu hauchen. Sie alle scheitern an der Grau-in-Grau-Szenerie die Joffe kreiert, aber vor allem an der völlig blödsinnigen Auflösung der Handlung.
Jake Gyllenhaal vibriert regelrecht in „Nightcrawler“, dem imposanten Regiedebüt von Dan Gilroy. Es weht ein gewisser 1980er-Michael-Mann-Vibe durch den Thriller/Medien-Satire. Gyllenhaal fesselt mit seiner, an einen Soziopathen gemahnten Darbietung, während Rene Russo als skrupellose Nachrichtenchefin das eigenwillig nüchterne und deshalb viel verstörendere Gesicht dieser Erzählung bietet. Eine pervertierte Erzählung des American Dream, eine zynische Abrechnung mit dem Boulevard-Journalismus und vor allem eine intensive Charakterstudie, die zuweilen einzig ein wenig unter etwas zu sehr ausgewalzten Arbeitspraktiken leidet.

Interstellar / http://pmcdeadline2.files.wordpress.com/2014/10/interstellar-trailer.jpg?w=446&h=299&crop=1

Mittlerweile gehört es zum guten Ton, einen visuell ansprechenden Kurzfilm zu drehen, diesen im Netz zirkulieren zu lassen und so zu Aufmerksamkeit und einem Job bei einem Hollywood-Blockbuster zu gelangen. So auch der Fall bei Wes Ball, der „The Maze Runner“ ansehnlich inszenierte (auch wenn mir der Film inhaltlich missfiel). Sein Kurzfilm „Ruin“ (2012) wirkt wie ein Prequel zu „The Maze Runner“. Kompakt und fesselnd zeigt er einen Mann auf der Flucht vor Flugdrohnen in einer zerstörten Stadt. Von der Effektseite her großartig und mehr will er hier auch nicht erreichen, weshalb es wenig Sinn macht, sich über die nicht existente Geschichte zu echauffieren.
Als „The Hunger Games“ in die Kinos kam, waren die Internetforen voller Verweise auf „Battle Royale“ (2001) und auch mir war der Film nicht unbekannt, doch erst jetzt kam ich dazu, den Kultfilm aus Japan zu sichten. Was für eine Erfahrung. Voller bitterbösem Humor und mit einer zynischen Sichtweise auf den Generationenkonflikt, getraut sich Kinji Fukusaku (unterstützt von Regie-Kollegen Takeshi Kitano in einer Hauptrolle) erbarmungsloser den Wettkampf zwischen den Schülern zu gestalten, denn es die „Hunger Games“ je könnten. Von da an unterscheiden sich die Filme jedoch grundlegend. „Battle Royale“ erzählt mehr über die Prozesse innerhalb von Jugendlichen und die Suche nach Vorbildern. Gerade da hilft es dann nicht, dass die Darsteller nicht immer überzeugen.
Die beiden Darsteller-Oscars für Katharine Hepburn und Henry Fonda sind der einzige Grund, sich das geradezu schmerzhaft rührselige „On Golden Pond“ (1981) anzusehen. Die beiden Hauptdarsteller machen es in jeder Sekunde glaubwürdig, dass man hier einem lange verheirateten und sich innig liebenden aber auch mit den jeweiligen Neurosen bekannten Paar zu tun hat. Die Handlung um die von ihrem Vater distanzierte Tochter und den Aufenthalt des schwierigen „Stief-Enkelsohn“ (gibt es so eine Bezeichnung?) sind derart belanglos und verlaufen nach 1980er-Sitcom-Logik (tatsächlich habe ich darauf gewartet, dass die Golden Girls ihren Auftritt haben und die Episode beenden), dass sie beinahe ein wenig die darstellerischen Glanzpunkte von Ford und Hepburn unterminieren.
Dokumentarfilme auf Netflix zu sichten, hat etwas erhebendes. Ich sehe dann Werke, von denen ich zwar schon mal gehört habe, die aber nie im Kino liefen und für die ich nun auch nicht extra Geld für eine DVD ausgeben wollte. So wie bei „Video Games: The Movie“ (2014). Das per Crowdfunding finanzierte Projekt (Zach Braff spendete laut eigenen Aussagen 100.000 Dollar, was dazu führte, dass er gleich Executive Producer wurde) zeigt auf informative Weise die Geschichte des Videospiels auf. Vom ersten Pong-Game über Nintendos Mario bis hin zu den grafischen Wundern der neuen Playstation. Das ist alles ganz amüsant und interessant aufbereitet, aber darüber hinaus, wird kaum nach Material geschürft. Gewalt und Videospiele wird mit einem Lachen abgetan und man widmet sich stattdessen den „Wie Videospiele mein Leben verändert haben“-Momenten in denen Will Wheaton, Zach Braff oder Donald Faison sowie eine ganze Reihe von Entwicklern zu Wort kommen. Für Kenner gibt es nichts Neues und für Neulinge führt die Doku nicht weit genug, um weiteres Interesse zu erzeugen.
Etwas gewitzter geriet „The Battered Bastards of Baseball“ (2014), in dem die Baseball-Leidenschaft von Bing Russell (Vater von Kurt Russell) aufgezeigt wurde, und wie er als einsamer Wolf ein unabhängiges Baseball-Team auf die Beine stellte, welches in den Minor Leagues auch noch erfolgreich auftrat. Die Liebe zum Detail ist auffällig und es wird auch gefällig der Weg des Teams und von Bing Russell nachgezeichnet, doch rein inszenatorisch geschieht hier nichts Außergewöhnliches. Solide und unterhaltsam, mit genügend Hintergrundmaterial, um den Status der Teams in der Minor League auch für Nicht-Baseball-Fans zu erläutern.
Für Nicht-Eingeweihte mag die Dokumentation „Visions of Light“ (1992) vielleicht ein klein wenig zu spezifisch sein, doch in den Gesprächen mit den DP-Meistern aus Hollywood, gelingt ein Einblick in die Entwicklung der Arbeit des Kameramanns. Die Konzentration auf den US-Film ist zwar ein klein wenig ernüchternd, doch gibt es genügend Material, welches dafür entschädigt und genügend Einblicke in die Arbeit der Filmemacher, die zeigen, wie der Look eines Films entsteht.
Die Hintergründe für die Entstehung der Horror-Komödie „Zombeavers“ (2014) sind recht deutlich zu sehen. Eine betont lustige Prämisse verbunden mit dem Gore-Faktor. Fertig ist der Film. Durchzogen von einem 1980er-Jahre-Gefühl, zeigen sich die zu Zombies mutierten Biber als großes Highlight des Films. Ganz auf CGI verzichtend, greifen die Monster die Menschen an, die natürlich auch zu riesigen Zombiebibern mutieren. Schade dass dabei so viel Potential ungenutzt bleibt. Dies ist kein alternatives „Black Sheep“, dafür sind die Charaktere zu oberflächlich und die Actionszenen zu sehr dem niedrigen Budget entsprechend herunter geschraubt.
Lange habe ich mich gegen die Jo Nesbo-Verfilmung „Hodejegerne“ (2011) von Morten Tyldum gewehrt, doch nach der Empfehlung eines Freundes, gab ich mir doch einen Ruck. Zudem wird Tyldum mit „The Imitation Game“ bei der nächsten Oscar-Verleihung wohl eine gewichtige Rolle spielen. Dass er sein Handwerk versteht ist in „Hodejegerne“ zu sehen. Flott und mit viel Sinn für eine hübsche Oberfläche, rattert die völlig hanebüchene Handlung dahin. Aksel Hennie ist ein toller Anti-Held und Nikolaj Coster-Waldau gibt eine ansprechende Leistung als Kontrahent. Dabei ist der Unterhaltungswert derart hoch, dass man die vielen vielen nicht so stimmigen Handlungsdetails ausblendet. Ein Fan der Romane von Jo Nesbo werde ich durch diesen Film aber sicher nicht.
Per Zufall stieß ich auf einen Bericht über den sowjetischen Sci-Fi-Film „Posetitel muzeya“ (1989). In einer post-apokalyptischen, von Mutanten bewohnten Welt, versucht ein Mann, ein Museum zu besuchen. So simpel das auch klingt, Regisseur Konstantin Lopusanskiy geht einen Weg, der jenem von Andrei Tarkovsky mehr denn nur ähnelt. Voller religiöser Anspielungen, über das Ende der Welt und den wieder von Gott auf die Erde geschickten Jesus, verwirrt diese Parabel in hohem Maße, wie sie auch fasziniert. Großartige Kameraarbeit, fantastische Bildgebung und zum Teil verstörende Sequenzen, sorgen dafür, dass man – auch wenn inhaltlich vieles nicht hängen bleiben will – noch länger über diese Arbeit nachdenkt und die restlichen Werke des Regisseurs entdecken möchte.
Alejandro Jodorowsky gehört zu den Filmemachern, dessen Filme nur sehr schwer zu beschreiben sind. Sie sind eher fühlbar und danach kann man in sie eintauchen und sezieren, sie auf ihre Einflüsse und Theorien hin überprüfen, doch zu allererst, sind sie ein sehr direktes und aggressives Kinoerlebnis. „El Topo“ hat sich in mein Gehirn gebrannt und nach „Jodorowsky’s Dune“ war es an der Zeit, endlich den Rest seines Oeuvres zu erkunden. Womit wir beim anstrengenden Teil angelangt sind. Sein erster Langspielfilm „Fando y Lis“ (1968) ist ein schwer zugängliches Werk, in welchem Jodorowsky die Erinnerung an ein Theaterstück des Surrealisten Fernando Arrabal zur Basis seiner Erzählung nimmt. Darin sieht man Fando und seine Freundin Lis, die durch eine bizarre Landschaft ziehen und allerlei merkwürdige Ereignisse miterleben. Manches davon ist geradezu dadaistisch amüsant, anderes einfach nur eigenartig und merkwürdig. Erst danach widmete ich mich dem Kurzfilm „La cravate“ (1957), in dem der Chilene eine Novelle von Thomas Mann adaptierte und einen Mann zeigte, der, um einer Frau zu imponieren, die Köpfe wechselt. Der Stummfilm wäre interessanter, wäre da nicht die nervtötende Musik. So beraubt er sich eines Großteils seiner Wirkung.
Stimmungsvoller ist die Musik in „Teatro sin fin“ (1965) der allerdings nur ein Ausschnitt aus der fast vierstündigen Aufführung eines Theaterstücks des „Panic Movements“ darstellt. Hier fügt sich vieles ineinander, was mir in den Filmen noch etwas unklar erschien. Dies obwohl nur 18 Minuten zu sichten sind.
Als kreativen Tiefpunkt kann man wohl „Tusk“ (1980) festlegen. Jodorowsky adaptierte ein Kinderbuch und war hierbei mehr ein „director for hire“, der wenig Kontrolle über das Projekt hatte und das sieht man. Es ist wenig übrig von den für ihn so typischen philosophischen Fragen und inszenatorischen Duftmarken. Einige einzelne Momente funktionieren (vor allem wenn die Kolonialmacht kritisiert wird) und es erscheint im ersten Moment auch völlig einleuchtend, dass Jodorowsky eine Geschichte über den Lebensweg einer jungen Frau und des zur selben Zeit geborenen Elefanten Tusk erzählt. Doch mehr als platte Schwarzweißmalerei (gute Heldin, böse Jäger) kitzelt er nicht heraus.
Noch viel verwirrender nimmt sich „The Rainbow Thief“ (1990) aus. Jodorowsky konnte hier erstmals mit Filmstars zusammenarbeiten (Peter O’Toole, Omar Sharif, Christopher Lee) und war zugleich erst- und letztmals als Auftragsregisseur am Werk. Das Drehbuch von Berta Domínguez D. durfte in keinster Weise verändert werden und so war Jodorowsky im Grunde seiner ganzen Kreativität beraubt. Weshalb Produzent Alexander Salkind ausgerechnet auf die Idee kam, den für seine wild wuchernde Kreativität bekannten Jodorowsky zu engagieren, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Während die Stars halbwegs ansprechende Leistungen bringen und der Regisseur einen kompakten aber unglaublich langweiligen (und oft auch reichlich unlogischen) Fantasyfilm fabriziert, zerbricht man sich den Kopf, weshalb dieses Werk überhaupt existiert. Einzig die Verbindung zwischen Alexander Salkind und Berta Domínguez D. scheint der Grund zu sein, dass dieses unausgegorene Drehbuch je verfilmt wurde.
Geradezu absurd wirkt es, den nur ein Jahr zuvor entstandenen „Santa Sangra“ (1989) zu betrachten. Unter der Ägide von Produzent und Co-Autor Claudio Argento (Bruder des großen Dario) ist Jodorowsky ein ungemein unterhaltsamer aber auch teilweise verstörender Mix aus Fellini und Giallo gelungen, der dennoch seine ganz eigene Handschrift trägt. Das Geschehen mag zeitweise zu sehr von den stilisierten Tötungsszenen und dem bizarren Mutter-Sohn-Zirkusakt leben, doch im Vergleich zu anderen Werken des Chilenen, ist dies wohl die zugänglichste und am leichtesten zu verdauende Arbeit.
Kein Vergleich etwa zu seinem brillianten „The Holy Mountain“ (1973) in dem Jodorowsky auf der Suche nach Spiritualität, verschiedene Settings durchläuft, die ohne ein entsprechendes Hintergrundwissen, nur wie ein abgedrehter Trip wirken. Doch selbst ohne das Wissen dahinter, fesselt die Reise des Diebes, der beim Alchemisten (Jodorowsky selbst) landet und nach etlichen Erlebnissen schließlich, im Angesicht des heiligen Berges, die Erzählung durchbricht.
40 Jahre nach „The Holy Mountain“ oder auch 23 Jahre nach seinem bis dahin letzten Film, überraschte Jodorowsky noch einmal mit einem sehr persönlichen Film, über seine Kindheit in Chile. In „La danza de la realidad“ (2013) stehen aber mehr die Eltern von Alejandro im Mittelpunkt. Vor allem die Wandlung seines Vaters wird hervorragend eingefangen. Doch trotzdem zerfallen viele Episoden und scheinen rein für die Augen des Autoren gedacht. Das ist immer noch interessantes und packendes Kino, doch recht weit weg von seinen großen Arbeiten wie „El Topo“ und „The Holy Mountain“.
Nach all den recht schwer zu durchdringenden Filmen von Jodorowsky und Lynch, war mir nach etwas Leichterem. Zum Glück war es Abend und ich hatte Lust auf Horror und stolperte über „Child’s Play“ (1988). Der Film, der die Killerpuppe Chucky in die Kinowelt einführte und ich weiß zwar nicht, ob das jemals so gedacht war, aber ich fand die absurde Prämisse und die Ausführung teilweise sehr komisch. Tom Holland kreiert in der ersten halben Stunde einen recht stimmungsvollen Horrorfilm, doch sobald die Puppe wahrhaft zum Leben erweckt, weicht alles der absurden Comedy. Die etwas hölzern spielenden Co-Stars tragen nicht unbedingt dazu bei, dass man das Geschehen ernster nimmt und so verfehlt der Film doch seinen Hauptzweck: zu gruseln. Als amüsante aber auch völlig unlogische Horror-Komödie hingegen, ist „Child’s Play“ wirklich gelungen.
David Hasselhoff als geradezu Zen-artige Version seiner Selbst in dem Kurzfilm „To Live and Dine in L.A.“ (2011). Ein amüsanter Film, in dem sich The Hoff von seiner besten Seite zeigt, doch abgesehen von sehr dezent angedeuteter Star-Verehrungs-Kritik, ist da wenig Substanz zu finden. Was den Spaß jedoch keineswegs mindert.
Mit ihrem Alzheimer-Drama „Away from Her“ (2006) zeigte die talentierte kanadische Schauspielerin Sarah Polley, dass in ihr auch eine hervorragende und sensible Autorin und Regisseurin steckt. Wenngleich mir ihre Familiendokumentation „Stories We Tell“ nicht so gut gefiel, war ich geradezu begeistert von „Take This Waltz“ (2011) und der überraschend feinfühligen Darstellung, einer Beziehung, die zu Ende geht. Michelle Williams brilliert als Margot, die auf einer Arbeitsreise, den sympathischen und attraktiven Daniel (Luke Kirby) kennenlernt. Ihr Ehemann Lou (ein überraschend gut besetzter Seth Rogen) und sie, sind in der Eheroutine angekommen und Margot schwankt zwischen den aufregenden Gefühlen für Daniel und der Treue zu ihrem Mann. Mancher Dialog klingt sehr forciert, der Nebenplot mit Geraldine (Sarah Silverman) als Alkoholiker-Freundin ist etwas zu viel und man mag sich gar nicht vorstellen, wie der Film aus männlicher Sicht gewertet worden wäre, doch darin liegt die Stärke Polleys. Es gibt keine guten und schlechten Menschen in ihrer Erzählung.
Bryce Wagoner zeigt in seiner etwas irreführend mit „After Porn Ends“ (2012) betitelten Doku, den Lebens- und Karriereweg einiger US-PornodarstellerInnen. Die Geschichten klingen sowohl bei den Frauen (Misshandlung, Prositution…) und Männern (Modelfotos, Pornoangebot…) immer sehr ähnlich, und genau genommen zeigt Wagoner auch nicht, wie das Leben nach dem Pornobusiness aussieht. Viel mehr zeigt er Protagonisten der Szene, die sich mehr oder weniger davon lösen konnten. Etliche arbeiten immer noch oder wieder in dem Bereich. Was bleibt, ist aber das Gefühl, einen Blick in die komplizierten und keineswegs erfreulichen Lebenswelten einiger Menschen gewonnen zu haben, für die das Pornogeschäft, der einzige Weg darstellte.
Nach Ansicht der Episoden von „Black Mirror“, war mir danach, einen Klassiker mit Arnold Schwarzenegger endlich zu sichten. „The Running Man“ (1987) nach einer Geschichte von Stephen King, zeigt Arnie in einer seiner schwächsten Leistungen. Seine Performance basiert rein auf seinem Körper, während er kaum in der Lage scheint, einen einzigen Satz glaubwürdig vor sich hin zu sagen. Nicht dass die Dialoge so gewichtig wären, doch Schwarzenegger scheint teilweise nicht einmal daran interessiert, es glaubhaft klingen zu lassen. Die Handlung um ein futuristisches System, in dem eine Gameshow, in der moderne Gladiatoren verurteilte Straftäter jagt und tötet, ist recht unterhaltsam und hat einen B-Movie-Charme, doch der reicht nicht, für die Länge dieses Films.
Ist Nick Cassavetes‘ Adaption „The Notebook“ (2004) – nach einem Roman von Nicholas Sparks – ein schlechter Film? Er ist manipulativ, durchzogen von Kitsch und Schmalz und greift zudem Themen wie Alzheimer, Weltkrieg und Klassenunterschiede mit unterschiedlich gelungenen Mitteln auf. Nein, schlecht ist „The Notebook“ nicht, allerdings auch nicht ein Film, den ich noch einmal sehen möchte. Ryan Gosling und Rachel McAdams bieten gute Leistungen als junges Liebespaar, während vor allem James Garner und Gena Rowlands als ihr älteres Gegenüber in der Gegenwart, für die wirklich berührenden Momente sorgt. Garner um die Liebe seiner Frau, die vom Alzheimer verschluckt zu werden droht, kämpfen zu sehen, während Rowlands sich durch die Verwirrung kämpft, ist teilweise richtig schmerzhaft, in seiner Direktheit. Darum herum gibt es die überzuckerte Liebesgeschichte in der Vergangenheit. Einfach nicht meine Art von Film.
Dokumentationen, die den Konsumenten aufklären und aufrütteln wollen, haben vor allem damit zu kämpfen, dass man in einen Chor einstimmt, von dem die meisten Konsumenten ohnehin schon regelrecht erdrückt wurden. „Food, Inc.“ (2008) von Robert Kenner kommt deshalb für mich auch ein paar Jahre zu spät. Das ist natürlich nicht die Schuld oder Schwäche der Oscar-nominierten Doku, sondern einfach ein Zeichen dafür, dass die entsprechenden Informationen in vielfacher Form kommuniziert wurden. Was mich freute war, Eric Schlosser und sein Buch „Fast Food Nation“ ein wenig aufgegriffen zu sehen. In den Jahren, seit der Doku, haben sich einige Faktoren gewandelt und würden eine Neubetrachtung benötigen (die Mais-Monokultur etwa und die Industrialisierung der Bio-Landwirtschaft), doch auch hier, kann man den Filmemachern keinen Vorwurf machen. Es ist eine engagierte, gut montierte Dokumentation, die allerdings nach etwa 30 Minuten damit beginnt, all jene Mechanismen zu durchlaufen, die man schon in so vielen anderen Dokus sehen konnte. Von der herzzerreißenden „human interest“-Geschichte über den bösen „Kommunikationsverweigerer“ aus der Großindustrie, bis hin zur mysteriös klingenden Musik, die geradezu verschwörerisch wirken soll.
Zwei Dokumentarfilme, die sich der Vorgänge hinter den Kulissen der Macht verschrieben haben, sieht man mit „Collapse“ (2009) und  „Master of the Universe“ (2013). In „Collapse“ bekommt der einstige Polizist und nunmehrige Aufdeckerjournalist Michael Ruppert eine Bühne, um über all die von ihm recherchierten Missstände (politischer wie wirtschaftlicher wie ökonomischer Art) zu sprechen. Man mag Ruppert nicht immer folgen, da er zu oft in seinen eigenen Gedanken stecken bleibt und beinahe einen verschwörerischen Gestus hat, doch die Intensität mit der er seine Thesen vorträgt, regt zum Nachdenken an.
Viel ruhiger hingegen, zeigt sich der einstige Banker Rainer Voss in „Master of the Universe“ (2013). In den leeren Räumen eines Geschäftsgebäudes, gibt er ruhig, manchmal mit diebischem Witz, aber großteils sehr nüchtern, einen Abriss über das Leben in den Büros der großen Banken. Ohne Namen zu nennen (aus juristischen Gründen) wird schnell klar, dass der „Wolf of Wall Street“ in Europa viel dezenter auftritt, aber nicht minder destruktiv agiert.
Die Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann, war unter anderem die Vorlage für Fritz Langs „M“, doch Romuald Karmakar nahm sich 1995 mit „Der Totmacher“ des Themas auf andere Weise an. Er verfremdete nicht, sondern nahm die Notizen der psychologischen Untersuchungen von Prof. Schultze (Jürgen Hentsch), der sich mehrmals mit Haarmann (Götz George) unterhielt. Karmakar machte daraus ein intensives, packendes, mal intellektuell anregendes, mal geradezu gruseliges Kammerspiel, in dem sich Hentsch und George gegenseitig die Führerschaft über das Gespräch streitig machen. Vor allem George spielt derart überzeugend, dass er ganz sein Star-Image ablegt und in der Rolle von Haarmann aufgeht. Seine Transformation vom dumpfen Einfaltspinsel hin zum kühl über seine Morde lächelnden Killer, ist fantastisch zu beobachten. Gegen ihn hat es Jürgen Hentsch nicht leicht, doch er ist der perfekte, nüchterne, nur manchmal aus der Haut fahrende Widerpart. Karmakars zurückhaltende Kameraarbeit und sein Verzicht auf einen Soundtrack, machen diesen Film zu einem einprägsamen Ereignis. Der einzige Kritikpunkt mag sein, dass Karmakar eher ein Theaterstück abgefilmt hat und weniger einen Film drehte.
Romantische Filme haben es schwer bei mir, und so war ich überrascht, als die von Schicksalsschlägen geradezu heimgesuchten Charaktere in „Remember Me“ (2010) mit Fortdauer des Geschehens mir immer mehr ans Herz wuchsen. Robert Pattinson als Sohn reicher Eltern und Emilie de Ravin als Tochter eines Polizisten, sind das typische „Paar aus zwei Welten“, welches gegen alle Widerstände zueinander findet. Die Darstellungen der Jungdarsteller variiert zu sehr, als dass man sie wirklich gut finden könnte, dafür gibt es viel zu viele schwache Szenen. Die Highlights setzen Chris Cooper als von Trauer und Alkohol übermannter Polizist, und Pierce Brosnan als kalter und distanzierter Anwalt. Die beiden Routiniers geben ihren Charakteren soviel Leben, dass man die Schwachpunkte der Liebesgeschichte vergisst zu bemerken. Was aber „Remember Me“ an den Rand des Abgrunds führt, ist der völlig unnötige und etwas geschmacklos eingefügte finale Twist. Während ich darüber noch hinweg sehen kann, und mich nur über die Notwendigkeit dieser Wendung Gedanken machte, kann ich das Entsetzen so mancher Kinogänger verstehen, die sich vor den Kopf gestoßen fühlten.
Ein weiterer Film von meiner Pacino-Liste gestrichen: „Cruising Electric“ (2014) ist ein etwa 1-minütiger Clip, der Archivaufnahmen von „Cruising“ nimmt und daraus einen sehr amüsanten Werbespot für ein Spielzeug montiert, in dem Kinder selber cruisen. Das irritierte Gesicht des Vaters steht auch für den Zuseher. Ein sehr komischer Clip, der aber eher als Sketch bei „Saturday Night Live“ besser funktioniert denn allein stehend auf YouTube.
Johnny Depp als US-Tourist in den USA, der von Angelina Jolie verführt und zu einem etwas undurchsichtigem Komplott missbraucht wird. In der Theorie hätte Florian Henckel von Donnersmarcks „The Tourist“ (2010) ein unterhaltsamer und betont altmodischer Action-Krimi mit humorvollen Einsprengseln werden können. Johnny Depp spielt auch seine Rolle nicht so schlecht, doch ist auch er ein Opfer der lähmenden Inszenierung, die Langsamkeit mit altmodisch verwechselt und so schlicht langweilt.
Engagiert, in der Hauptrolle von Dennis Weaver intensiv gespielt und zudem mit tollen Nebendarstellern wie Jeffrey Tambor und einem jungen James Spader besetzt, ist „Cocaine: One Man’s Seduction“ (1983) ein streckenweise überraschend gelungener Anti-Drogen-Aufklärungsfilm. Natürlich ist es kein Aufklärungsfilm per se, aber exakt so wirkt die gesamte Inszenierung. Es ist auch einzig Weavers intensivem Spiel zu verdanken, dass man sich nicht entsetzt abwendet.
Wie gut muss ein Film sein, in dem James Spader inmitten eines Mysteriums steht, welches die vermeintliche Rückkehr von Jack the Ripper ins gegenwärtige Los Angelese behandelt? Rowdy Herringtons „Jack’s Back“ (1988) beginnt wie ein amüsanter Trash-Abklatsch der Geschichte, die sich nur wenig Mühe macht, den offensichtlich nur zur Verschleierung eines äußerst konventionellen Thrillers aufgepappten Gimmicks in Form von Jack the Ripper auszuarbeiten. Spader agiert in einer Doppelrolle als Zwillingsbrüderpaar und damit sind die interessanten Aspekte von „Jack’s Back“ auch schon aufgezählt. Wer damit, und Robert Picardo als Psychologen, genug hat, wird erfreut sein. Für andere Zuseher gilt, diese Thriller-Obskurität wohl besser zu umgehen.
Thomas Arslan zeigt den Wilden Westen aus der Sicht deutscher Einwanderer, auf der Suche nach dem schnellen Reichtum. In „Gold“ (2013) steht die großartige Nina Hoss im Zentrum, die den langsamen Zerfall der Gruppe miterleben muss. Im Stil von „Meek’s Cutoff“ lässt sich Arslan viel Zeit um die Landschaft zu zeigen, und auch um die Charaktere langsam an ihr Ende zu führen. Vor allem Lars Rudolph zeigt eine eindringliche Leistung, doch der Film gehört – beinahe wie alle Christian Petzold-Filme – Hauptdarstellerin Nina Hoss.
Francois Ozon zeigt Jahr für Jahr einen interessanten Film, reüssiert auf dem Cannes-Filmfestival und doch gehen seine Werke meist unbeachtet an mir vorbei. Nun habe ich endlich „Jeune & Jolie“ (2013) gesehen, und wieder einmal zeigt sich, dass Ozon der Meister starker weiblicher Charaktere ist. Doch es fällt schwer, recht verschlossenen Charakteren bei ihren Aktivitäten zuzusehen, wenn Ozon wenig Hintergrund mitliefert. Marine Vacth brilliert als 17-jährige Teenagerin, die sich als Prostituierte verdingt. Doch wie sie dahin gelangt, bleibt ein wenig zu sehr, dem Zuseher überlassen.
Man hat ein etwas schlechtes Gewissen, wenn einem Filme, die allgemein bejubelt werden, „nur“ gut oder imposant aber nicht brilliant gefunden werden. „Ida“ (2013) von Pawel Pawlikowski zeigt die Geschichte der jungen Ida, die in einem katholischen Konvent zur Nonne werden will, davor aber ihrer Familiengeschichte auf den Grund gehen möchte. Dabei durchforstet sie mit einer Tante, das Polen der 1960er-Jahre und kommt einem furchtbaren Geheimnis auf die Spur. Agata Trzebuchowska sowie die fantastische Kameraarbeit stechen aus der Geschichte, die sich zu sehr an der Oberfläche aufhält heraus. Dennoch ein imposanter Beweis, für die Stärke des osteuropäischen Kinos.
Angelina Jolie gilt mir ihrem demnächst in die Kinos kommendem Weltkriegs-Film „Unbroken“ bereits seit Monaten als mögliche Oscar-Kandidatin (was natürlich dazu führte, dass Jolie bereits jetzt – obwohl noch niemand den Film gesehen hat – mit scharfer Kritik konfrontiert wird). Zeit sich ihr Regie-Debüt „In the Land of Blood and Honey“ (2011) anzusehen. Es bleibt zu hoffen, dies ist die verpatzte Generalprobe zu „Unbroken“, denn sonst msus einem Angst und Bange werden. Die Darstellung des Bosnien-Krieges aus der Sicht der Muslimin Ajla (Zana Marjanovic), die nur durch die Beziehung zu Danijel (Goran Kostic) lange Zeit den Wirren des Krieges „entrinnen“ kann, ist vollgestopft mit noblen Ideen. Den Krieg aus Sicht der Frauen zu zeigen und Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt ins Zentrum der Erzählung zu stellen, sind tatsächlich noble Unternehmungen. Doch Jolie quält das Publikum mit banalen und platten Dialogen und Handlungssträngen. Technisch ist der Film sauber, aber das schwache Drehbuch macht das Unterfangen zunichte. Da sehe ich mir doch lieber das zeitlose „Underground“ noch einmal an.
Peter Lorre galt nach „M“ als der perfekte Darsteller für Bösewichte, doch Lorre wollte sich darstellerisch nicht festlegen lassen und so ersehnte er regelrecht die Möglichkeit in einer Prestige-Produktion wie „Crime and Punishment“ (1935) zu agieren. Basierend auf dem Roman von Fjodor Dostojewski spielt Lorre den Jus-Absolventen Raskolnikow, der geschlagen vom Leben und der Armut, einen Mord begeht und von diesem zunächst berauscht und später gelähmt wirkt. Lorre bietet eine großartige Leistung, doch die Regie von Josef von Sternberg kann nicht mehr, denn hübsch abfotografierte Sets bieten. Neben Lorre brilliert auch Edward Arnold als verführerisch um den Verdächtigen tänzelnder Inspektor Porfiry. Doch die meisten Darsteller agieren zu theatralisch. Mancher Charakter stolpert sogleich in die unfreiwillige Parodie. Um den verlässlichen Nebendarsteller aus Produktionen wie „Arsenic and Old Lace“, „Casablanca“ oder „The Maltese Falcon“ einmal in einer großen Hauptrolle zu sehen, lohnt sich diese hübsch anzusehende aber leider nicht tiefgründige Adaption allemal.

Der Totmacher / http://www.filmmuseum.at/jart/prj3/filmmuseum/data/uploads/Pressefotos/Publikationen/Buecher/13_Karmakar/OEFM_Der%20Totmacher.jpg

The 1001 Project
John Ford stand kurz vor seinem ersten Oscar mit „The Informer“ (1935), doch zuvor begeisterte er 1934 das US-Publikum mit der Verfilmung der populären „Judge Priest“-Geschichten von Irvin S. Cobb. Will Rogers spielt die Rolle des stolzen und mit einem außerordentlichem Gerechtigkeitssinn ausgestattenen Richter Priest hervorragend. Doch ansonsten konnte mich die Darstellung des ach so schönen Lebens in den Südstatten nach dem Bürgerkrieg nicht begeistern. Zum Teil schwer rassistische Darstellungen (die angeblich satirisch gedacht waren, allerdings nie so ankommen) und die Verklärung des Krieges, sorgen eher für Unwohlsein bei „Judge Priest“.
Vor Jahren versuchte ich erstmals mir Robert Altmans Kriegssatire „M*A*S*H“ (1970) zu Gemüte zu führen, war aber durch die überlappenden Dialoge völlig verwirrt. Ein Stilmittel welches Altman auszeichnet und welches mich erst später (mit „Gosford Park“) so richtig packen sollte. Bei „M*A*S*H“ sind es vor allem die mit Gusto aufspielenden Donald Sutherland und Elliot Gould, die dem absurden Geschehen Reiz verleihen. Als Satire mag der Film vor 40 Jahren hervorragend funktioniert haben und rein handwerklich ist auch heute noch die Meisterschaft von Altman zu erkennen, doch die satirischen Spitzen haben sich im Zuge so vieler Kriegsfilme und Arztserien die mit dem Stoff nicht zimperlich umgehen, ein wenig abgenutzt.
Ernst Lubitsch konnte mich bislang nicht so begeistern, wie andere Cineasten rund um den Erdball. „Bluebeard’s Eighth Wife“ fand ich humorvoll, aber nicht so gut, wie von vielen beschworen. So ähnlich ging es mir mit „Trouble in Paradise“ (1932), der flott und sehr lustig inszenierten Geschichte, zweier Diebe, die gemeinsam unter der Ägide einer verführerischen Chefin reiche Opfer erwählen und bestehlen. Die Handlung ist meist nur ein Vorwand für Wortgefechte und erotische Anspielungen. Capra und Hawks mögen dies perfektioniert haben, doch Ernst Lubitsch ist der Pate all dieser Filme und gilt den meisten Kritikern als Markstein, den noch nie jemand übertreffen konnte. Ich bleibe ein wenig zurückhaltender.
Ein junger, aufstrebender und voller Ideen steckender Filmemacher, der einen Arbeiteraufstand und die Niederschlagung dessen, durch die Industriellen in Verbindung mit der Politik und Polizei zeigt. „Stachka“ (1925) lebt von der Attraktionsmontage, die von Eisenstein in seinem Meisterwerk „Bronenossez Potjomkin“ zum Höhepunkt getrieben wird. In „Stacka“ dämonisiert Eisenstein die industrielle Klasse und stellt die Arbeiterklasse als mächtige Kraft dar, wenn sie geschlossen gegen den gemeinsamen Feind auftritt. Vor allem die letzten Bilder, in denen Eisenstein die zu Tode getrampelten Arbeiter mit einer aufgeschlitzten Kuh vergleicht, brennen sich regelrecht ins Gedächtnis.

Stachka / http://earlymonthlysegments.org/files/2010/05/stachka.jpg

Re-Visited
Es liegt wohl am 1980er-Apokalypse-Schick, aber „Day of the Dead“ (1985) zählte nie zu meinen Favoriten von George A. Romero. Bei der erneuten Ansicht, muss ich gestehen, dass ich die vom Militär kontrollierte Welt unterschätzte, doch die klaustrophobische Bunker-Welt von Romero, ist dennoch nicht ganz mein Liebling. Im Vergleich etwa zu „Night of the Living Dead“ und vor allem „Dawn of the Dead“, nimmt sich Teil 3 ein wenig zahmer und schwächer aus. Die Spannungen zwischen den Wissenschaftlern und den Militärs sind allerdings sehr gut aufgearbeitet und auch die Effekte passen.
Von James Whale kenne ich genau drei Filme. „Frankenstein“, „Bride of Frankenstein“ und „The Invisible Man“ (1933). Letzterer ist mein Favorit und das liegt vor allem an der humorvollen Inszenierung Whales, die der unterhaltsamen aber doch etwas trocken geschriebenen Geschichte von H.G. Wells sehr viel Humor initiierte. Claude Rains ist ein hervorragender Unsichtbarer (der offenbar erst während der Dreharbeiten bemerkte, dass man ihn im Film bis zur Schlussszene nicht sehen wird können) und die Effekte stehen ganz im Dienste der diebischen Freude des Unsichtbaren. Auch nach so vielen Jahren und so vielen Sichtungen, immer noch ein Genuss.
Nachdem ich mich durch die schwachen Arbeiten von Alejandro Jodorowsky arbeitete, stand mir der Sinn, nach einem ebenso eigensinnigen Filmemacher und eines seiner interessantesten Werke: „Eraserhead“ (1977). Ich versuche erst gar nicht eine Kurzanalyse zu starten. Das ist bei einem so persönlichen, vielschichtigen und interessaten Film, gar nicht möglich. Jack Nance und seine wilden Elektroschock-Haare sind schon längst ein Teil der filmischen Ikonografie und Lynch hat seinen merkwürdig humorvollen Post-Apokalyptischen Trip mit noch viel mehr, als nur einprägsamen Bildern versehen.
Die Filmografie von John Ford ist voller Klassiker und es fällt schwer, einen herausragenden Film zu wählen. Dennoch, bei der Wiederentdeckung von „The Grapes of Wrath“ (1940) – teilweise auch durch die Szenen in „Interstellar“ – wurde mir wieder klar, wie sehr mir dieser sozialkritische, Herzzerreissende und spannende Film, auf Basis des Romans von John Steinbeck, doch gefällt. Ford schafft es, in famoser Schwarzweiß-Fotografie, die Ödnis von Oklahoma wie auch die Desillusion in Kalifornien darzustellen. Mancher, den Kürzungen bei der Adaption, zum Opfer gefallene Handlungsstränge, hätte ich zwar auch gerne im Film gesehen, doch Ford führt seine knapp 2 Stunden lange Anklage, an die Gier und Ausbeutung, zu beinahe perfekter Wirkung. In unserem Kommentar bei „Film im Dialog“, besprechen wir ein wenig die Wirkung dieses Klassikers.
Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass ich alle Spielfilme von Darren Aronofsky gesehen habe und dass ich sofort ins Kino stürme, wenn er wieder einen Film heraus bringt. Der Grund hierfür liegt in seinem beeindruckenden, wenngleich etwas zerfahrenen Spielfilmdebüt „Pi“ (1998). Einer jener Filme, die mich prägten, deren Ästhetik ich heute vor allem für junge Filmemacher immer passend empfinde, und dessen Handlung mich gerade aufgrund meines fehlenden Mathematik-Wissens faszinierte. Roh und auch noch mit einigen Widerhaken in der Erzählung, aber dennoch unglaublich faszinierend.
Wenn mir der Sinn nach einem klassisch-elegantem Horrorfilm steht, dann muss Tod Brownings straff inszenierte Adaption von „Dracula“ (1931) immer wieder mal herhalten. Nach heutigen Maßstäben, gibt es viel zu verbessern und nicht alles an dem Film ist gut gealtert (etwa die Darstellung von Jonathan und Mina Harker). Bela Lugosi hingegen fasziniert in der Rolle seines Lebens immer noch. Immer wieder.

The Grapes of Wrath / http://www.cinemapolitica.org/sites/www.cinemapolitica.org/files/films/grapes2.jpg

Serien-Überblick
Seit der Ankündigung der Rückkehr von „Twin Peaks“ in 2016, stieg meine Begeisterung für eine erneute Sichtung der 2. Staffel (1990/1991). Auch wenn David Lynchs Interesse nach der 1. Hälfte und der Klärung des Mordes an Laura Palmer schwand und er erst zum großen, verstörenden Finale wieder die Zügel in die Hand nahm, so ist die 2. Hälfte der 2. Staffel nicht so schlecht, wie sie oft dargestellt wird oder ich mir im Geiste ausmalte. Das liegt vor allem an der überdrehten Performance von Kenneth Welsh als Dale Coopers Nemesis Windom Earle. Ansonsten verlaufen allerdings sehr viele Handlungsstränge viel zu lange im Leeren und wünscht sich eine straffere Ausarbeitung des Geschehens.
Die britische Serie „Black Mirror“ kann nur unzureichend als zusammenhängende Serie gesehen werden. Eine Anthologie, bestehend in Staffel 1 (2011) aus drei Episoden, die einen Blick auf moderne Technologien und wie sie unseren Alltag verändern, wirft. Allen drei Episoden ist gemein, dass sie ein wenig vorhersehbar verlaufen, doch der Reiz liegt mehr in der Darstellung der neuen Lebenswelten, die nur unwesentlich weit von unserer Gegenwart entfernt scheinen. Auch wenn die Plots nicht zu den überraschendsten zählen, so sorgen sie dafür, dass man sich Gedanken macht und ein wenig näher mit der Materie beschäftigt.
„Orange is the New Black“
hat auch in seiner 2. Staffel (2014) die hohe Qualität erreicht, die schon in der 1. Staffel zu erkennen war. Hinzu kommt, dass einige Charaktere neue Hintergründe erhielten und sich so mancher Charakter als vielfältiger entpuppte, denn zunächst geglaubt. Vor allem beim Wachpersonal ist der Fokus auf Joe Caputo gelenkt worden. Taylor Schilling ist natürlich unbestritten der Star und sie hat sich das Kritiker-Lob schwer erarbeitet, doch zeichnet die 2. Staffel aus, dass die anderen Charaktere ebenso viel Anteil am Geschehen haben.
Die 2. Staffel (1992) von „The Adventures of Tintin“ ist qualitativ noch auf Höhe der 1. Staffel und weiß auch zu unterhalten. Doch sind die auf den Büchern von Hergé dargebrachten Geschichten, nicht immer das stärkste Material. So bleibt mir die Aussicht auf die abschließende 3. Staffel, um dann auch endlich die Mondmission von Tim und Struppi zu bewundern.
Zu Ende ging die Serie dann mit der 3. Staffel (1993), die sich die Highlights für die letzten paar Episoden aufhob. Die Mond-Mission sowie „Tim in Amerika“ sind die unbestritten bekanntesten Geschichten dieser Serien-Adaption. Schade dass davor sehr viel Leerlauf herrscht, doch für Fans der Comics, ist dies wohl die definitive Adaption der Bücher.
Obwohl eine Staffel von „Black Mirror“ nur drei Episoden beinhaltet, dauerte es ein wenig, bis ich mich nach der 1. Staffel auf Staffel 2 (2013) stürzte. Wie schon bei der 1. Staffel, ist auch diesmal eine Zusammenfassung schwer abzufassen, denn es handelt sich um einzelne Geschichten, die einen besorgten und teilweise auch zynischen Blick auf die Entwicklung unserer Gesellschaft werfen. Nicht immer sind die Stories originell, doch vor allem „White Bear“ und „The Waldo Moment“ sind regelrechte Magenschläge und bleiben lange hängen. Eine Zukunft wie sie hier dargestellt wird, erscheint wie ein einziger Albtraum. Charlie Brooker lädt dazu ein, sich Gedanken zu machen und einige dazu machte sich etwa Lena bei „To the Lighthouse“.
Nach 5 Staffeln wurde „Futurama“ abgesetzt und mit einer Handvoll Direct-to-DVD-Filmen fortgesetzt, die technisch als 6. Staffel fungieren. Schließlich wurde die Serie (die mittlerweile erneut eingestellt wurde) von „Comedy Central“ erneuert und sah in Staffel 7 (2010) einige der besten Episoden und Gags, der gesamten Serie. Die Parodie auf das iPhone (eyePhone – „Shut up and take my money!“) etwa, oder die Streitigkeiten zwischen Kreationisten und Darwinisten in „A Clockwork Origin“. Doch zudem gab es erneut wieder schwache Episoden, die sich rein auf ihr futuristisches Setting verließen und darüber hinaus keine wirklich nennenswerten Gags produzierten. Ein Punkt der schon die auf Fox laufenden Staffeln immer wieder in Mitleidenschaft zog.

Black Mirror / http://nyoobserver.files.wordpress.com/2014/07/black_mirror.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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