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Das Jahr geht zu Ende und zu meiner Überraschung, war ich im Dezember seltener denn gedacht im Kino. Einerseits da manche Filme nur wenig gespielt wurden und ich es nicht ins Lichtspielhaus schaffte, andere Werke wieder erst im Jänner oder Februar des kommenden Jahres zu sehen sein werden. Das gab mir dafür die Gelegenheit mich in einige Serien, alte Filme und DVD-Neuentdeckungen zu stürzen. Herausragend waren dabei die neuen Staffeln von „The Fall“ und „Homeland“ sowie der Zeitreisethriller „Predesdination“.

Neuzugänge
Woody Allen ist in den letzten Jahren ein „Hit-and-Miss“-Lieferant geworden. Vermutlich habe ich diesen Eindruck auch nur, da ich seine früheren Werke erst in den letzten Jahren im Gesamtpaket sah und bei einer so ausladenden Werkliste wie jener von Allen, kann nicht jeder Film ein Meilenstein sein. „Magic in the Moonlight“ ist dann auch kein Desaster, aber die Unverbindlichkeit und wenig seriöse Leichtigkeit machen es dem Zuseher schwer, das Geschehen auch mit Interesse zu verfolgen. Der von Colin Firth mit viel Nachdruck gespielte Magier Stanley, der ein unter den Reichen der Cote d’Azur werkendes Medium enttarnen soll, ist der einzige Charakter, dem man mit Freude zusieht. Emma Stone versucht als hübsch-naive Sophie ihr Bestes, doch ist ihre Figur kaum ansprechend ausgearbeitet. Nicht ohne Charme, aber dieses Märchen, ist auch wieder eher einer der weniger beachtenswerten Filme von Woody Allen. In unserem Dialog gehen wir der Frage nach, ob Allen überzeugen konnte, oder nicht.
Nun ist es geschafft. Mit „The Hobbit: The Battle of the Five Armies“ beendet Peter Jackson die Prequel-Trilogie zu seinem Meisterwerk „The Lord of the Rings“. Was bleibt? Ein Prolog in dem Smaug sein Ende findet und dann schließlich zwei Stunden, in denen Jackson verzweifelt versucht den endlosen Showdown der fünf Heere spannend zu gestalten, den Charakteren ein paar neue Facetten zu verleihen (Zwergen-König Thorin muss sich dem Wahnsinn der Gier stellen) und natürlich viele Vernetzungen zu „The Lord of the Rings“ einzubauen, die nie im Original-Roman vorhanden waren. Theoretisch mag das ein recht lobenswertes Unterfangen gewesen sein, doch es hätte genügt, einen großen Einzelfilm zu drehen. So bleibt eine Trilogie, mit viel zu viel unnötigem Material. Schade drum. YP und ich besprechen in einem Dialog noch einmal, was und wie der Hobbit als Trilogie zuwege brachte und was weniger.
Die zweite Regiearbeit (zumindest was das Kino betrifft) von Tommy Lee Jones, zeigt viele erstaunliche Ideen, aber ebenso verblüffend verwirrende Entscheidungen biem Schnitt. „The Homesman“ ist ein quasi-feministischer Blick auf den Wilden Westen. Im Zentrum steht die resolute und mit vielen subtilen Schichten gespielte Mary Bee Cuddy (Hilary Swank), die beauftragt wird, drei verrückt gewordene Frauen (Sonja Richter, Grace Gummer, Miranda Otto) zu einer Pfarre nach Iowa zu bringen, wo sich Verwandte um die Frauen kümmen können. Den Weg bestreitet sie mit George Briggs (Tommy Lee Jones), der nur einwilligt, weil Cuddy ihn vor dem Strick bewahrt. In der Konstellation des ungleichen Paares werden Erinnerungen an die Komödie „Goin‘ South“ mit Jack Nicholson und Mary Steenburgen wach und trotz all der Tragik und der leicht pathethischen (aber wunderschönen) Musik von Marco Beltrami, erzählt Jones den Road Trip als dramatische Reise mit Cartoon-haften Einschlägen. Die Begegnung mit einem Kriminellen (Tim Blake Nelson) trifft exakt all diese Noten, ebenso der Auftritt von James Spader, der diese Linie von Komik und Tragik wie kein Zweiter zu beschreiten weiß. Anzukreiden ist „The Homesman“ sein teilweise zäher Erzählrhythmus und das nicht sonderlich geglückte Einfügen von Erinnerungen aus dem Leben der Frauen und wie sie durch die Tyrannei der Männer ihren Verstand verloren. Ein sehr gut gespielter, interessant inszenierter Western, der jedoch vor allem thematisch im Gedächtnis bleibt. Ähnlich Jones‘ Regiedebüt „The Three Burials of Melquiades Estrada“.
Das Post-Produktions-Tohuwabohu rund um „Serena“, hat den Eindruck bereits vorab beschädigt. Dabei kann man von Susanne Bier in Verbindung mit den Hauptdarstellern Bradley Cooper und Jennifer Lawrence eine Menge erwarten. Die Geschichte, angesiedelt in Colorado, kurz nach dem Börsenkrach 1929, hat alle Ingredenzien um ein faszinierendes Porträt einer gierigen und korrumpierten Gesellschaft zu liefern. Doch der Film von Bier ist wirr editiert (der Schwerpunkt scheint auf Sexszenen und Seifenopern-Momenten zu liegen) und bietet neben ansehnlichen Aufnahmen, hauptsächlich eine Bühne für ein talentiertes Ensemble (Toby Jones, Rhys Ifans, Christian McKay, David Dencik und Sean Harris) die einen besseren Film verdient hätten, während Cooper und Lawrence überraschend wenig überzeugen.

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James Gray gilt als einer der interessantesten Filmemacher der USA, auch wenn er nicht zur Independent-Szene zählt und doch auch außerhalb des Studiosystems steht. Dennoch schaffte er es immer wieder tolle Ensembles zu versammeln. Auch bei „The Immigrant“ (2013) zeigen Marion Cotillard, Joaquin Phoenix und Jeremy Renner ihr ganzes Repertoire. Cotillard fasziniert als polnische Einwanderin Ewa, die in den USA gelandet, um ihren Verbleib bangen muss. Rettung scheint in Form von Bruno (Phoenix) zu kommen, doch der verkauft sie, gemeinsam mit anderern Frauen, an andere Männer. Einzig der Bühnenmagier Orlando (Renner) scheint ihr gegenüber wirklich Interesse zu zeigen. In nicht ganz zwei Stunden versucht Gray ein komplexes Einwandererportrait zu erstellen, doch er bleibt immer wieder an der Oberfläche hängen. Abgesehen von den großartigen Darstellern – insbesondere Cotillard – bleibt wenig von diesem hübsch anzusehendem Film haften.
Mike Cahill konnte mit seinem Sci-Fi-Melodram „Another Earth“ (2011) für viel Aufsehen sorgen. Doch nach Ansicht der in den Hauptrollen von Brit Marling und William Mapother ansehnlich gespielten Romanze, sind nur einige interessante Aspekte (die duplizierte Erde, die plötzlich auftaucht) verblieben, während das Schuld-und-Sühne-Thema in besserer Ausarbeitung bereits oft genug zu sehen war.
Der zweite Film von Konstatin Lopushanskiy führt in ähnliche Welten, wie der zuvor gesichtete „Posetitel muzeya“. „Pisma myotvogo cheloveka“ (1986) zeigt eine post-atomare Welt, in der ein Professor (Rolan Bykov) im Geiste Briefe an seinen Sohn schreibt, während er versucht, gemeinsam mit anderen Überlebenden eine neue Ordnung herzustellen. Stimmungstechnisch ist auch dieser Film von Lopushanskiy ein beeindruckendes Werk, doch auf der Handlungsebene bleibt es hin und wieder zu vage.
Die Adaption des zeitgenössischen Bestsellers „Love Story“ (1970) durch Arthur Hiller, ist heute oft nur noch ein Verweis für Parodien. Doch wer die von Ryan O’Neal und Ali McGraw grandios gespielte, tragische Romanze zwischen dem Arbeitermädchen Jennifer und dem aus gutem Hause stammenden Oliver, einmal gesehen hat, wird verstehen, weshalb sie damals so populär war. Im Vergleich zu aktuellen Schnulzen wie „The Notebook“, erscheint „Love Story“ auch noch immer aktuell und viel konzentrierter. Das Genre mag nicht meine erste Wahl sein, doch „Love Story“ gehört zu seinen besten Vertretern.
Ebenfalls eine Bestseller-Adaption und ebenfalls ein Kritiker-Erfolg. „The Collector“ (1965) von William Wyler wirkt auf den ersten Blick, wie ein 08/15-Serienkiller-Thriller. Doch die Beziehung zwischen Entführer Freddie (ein junger und brilliant spielender Terence Stamp) und Opfer Miranda (Samantha Egger) ist von faszinierender Intensität. Der Darstellungsstil und die heute etwas behäbig wirkende Inszenierung mindern ein wenig die Begeisterung für den intelligenten Psychothriller.
Lange galt die etwa 25-minütige TV-Mockumentary „Men of Crisis: The Harvey Wallinger Story“ (1971) von und mit Woody Allen als verloren. Allen spielt Harvey Wallinger, den Berater von Richard Nixon und nutzt dabei die Möglichkeiten des Fernsehreportage-Formats, um Nixon und dessen Administration zu veralbern. Ein Kleinod, aus der Zeit, als Allen noch nicht ein Oscar-Favorit war, sondern der Macher von Filmen wie „Bananas“.
Stefan Ruzowitzkys Debüt „Tempo“ (1996) ist so überladen und voller Energie, wie so viele andere Debüts, junger Filmemacher. Die Handlung rund um den Fahrradboten Jojo (Xaver Hutter), seinen Freund Bastian (Simon Schwarz) und die verführerische Clarissa (Nicolette Krebitz) ist nicht sonderlich interessant und zudem ist Jojo kein sympathischer Hauptcharakter. Einzig der von Dani Levy mit viel Witz gespielte Bernd, überrascht immer wieder.
Der schwedische Kurzfilm „Wanderers“ (2014) von Erik Wernquist entwirft eine großartige Vision einer Zukunft, in der Menschen die Galaxie wie Touristen bereisen und erkunden. Planeten, Monde und Kometen sind kolonisiert. Fantastische Bilder verknüpft mit Originalzitaten von Carl Sagan machen aus dem knapp 4-minütigem Film, ein beeindruckes Zeugnis für einen vielversprechenden Filmemacher.
Basierend auf dem Roman „Simulacron-3“ erschuf der Tausendsassa Rainer Werner Fassbinder 1973 den TV-Zweiteiler „Welt am Draht“. In einer sehr kühlen, bürokratischen Vision, zeigt Fassbinder eine Art Anti-Matrix bzw. eine Matrix-Vorgängerversion ohne die Actionsequenzen. Fred Stiller (Klaus Löwitsch) wird zum Direktor des „Instituts für Kybernetik und Zukunftsforschung“, wo der Supercomputer Simulacron-1 entwickelt wurde. Immer mehr gerät Stiller in die Tiefen der virtuellen Welt und erkennt, dass er nur Teil einer großen Simulation ist. Fassbinder kadriert seine Dystopie fantastisch, nur der Erzählrhythmus schleppt sich hin und wieder ein wenig dahin. Ein einzelner Film hätte die Geschichte ein wenig mehr konzentriert und Schwächen (auch in der Darstellung, z.B. Mascha Rabben als Eva Vollmer) ausgemerzt. Doch auch so ist es eine spannende Vision, wie eine virtuelle Welt sein könnte.
Nach „Trainspottin“ war Ewan McGregor in so gut wie jedem britischem Film zu sehen, so zumindest der Eindruck. Kaum einer dieser Filme konnte einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Weshalb, das lässt sich an „Rogue Trader“ (1999) gut ablesen. Die wahre Geschichte des Traders Nick Leeson, der beinahe eigenhändig die Barings Bank in den Ruin und die britische Wirtschaft in eine veritable Krise schickte, wird routiniert und ohne große Ambition erzählt. McGregor spielt engagiert und kann den Lebensweg des einfachen Mannes, hin zum einflussreichen Börsenmakler gut nachvollziehbar darstellen. Die Nebendarsteller und etwas einfallslose Inszenierung ziehen aber den gesamten Film unrettbar hinunter. Zumindest schafft es „Rogue Trader“ eher die Hintergründe der Börsenspekulation nachvollziehbarer zu gestalten, denn der eher an den Charakteren mehr interessierte „The Wolf of Wall Street“.
Die Dokumentation „Whitey: United States of America v. James J. Bulger“ (2014) von Joe Berlinger, ist ein mitreißendes Portait zu dem Bostoner Gangster Whitey Bulger und der ihm bevor stehenden Gerichtsverhandlung. Berlinger zeigt Lücken in den Ermittlungen ebenso auf, wie die Verbindungen von Bulger zum FBI und wie darunter vor allem die Hinterbliebenen der Mordofper von Bulger zu leiden haben. Zwar verrennt sich Berlinger ein wenig im Gutachter-Streit zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung, doch der Unterhaltungswert ist immer enorm hoch.
Die TV-Doku „Peter Tscherkassky: Kino aus der Dunkelkammer“ (2012) von Sven von Reden ließ einige Erinnerungen an meine Diplomarbeit zu diesem Star des Avantgarde-Kinos wach werden. Für mich waren nicht viele Neuigkeiten zu sehen, aber jeder, der an der Filmproduktion in all seinen Möglichkeiten interessiert ist, sollte sich diesen 30-minütigen Beitrag ansehen. Alleine Peter Tscherkassky in seiner Werkstatt bei der Handhabung der Materialien zu sehen, ist immer wieder interessant.
Alte Clint Eastwood-Western haben einen ganz eigenen Charme. So auch „Joe Kidd“ (1972) von John Sturges, in dem Eastwood den Titelgebenden Anti-Helden spielt, der von dem Rancher Frank Harlan (Robert Duvall) angeheuert wird, um den widerspenstigen Louis Chama (John Saxon) zu schnappen, der sich gegen die Ansprüche der Großgrundbesitzer wehrt. Abgesehen von Eastwoods Charme, ist es vor allem die Bildgebung, die das Interesse aufrecht erhält. Die Geschichte ist eher simpel gestrickt, aber Sturges inszeniert mit genügend Schwung, dass es doch meist Spaß macht.
Als Charlie Chaplin die USA verlassen musste, war auch seine Filmkarriere mehr oder weniger am Ende angelangt. Sein 1957 entstandener „A King in New York“ zeigt Chaplin in seiner letzten Hauptrolle als abgesetzter König Shadov, der nach New York ins Exil geht. Chaplin nutzt die Gelegenheit um sich über moderne Filme, Werbefernsehen, die US-Jugend und Schönheitschirurgie lustig zu machen. Das ist aber weit nicht so unterhaltsam wie erhofft. Wenn er dann endlich in den letzten 20 Minuten eine Abrechnung zur McCarthy-Ära aufbereitet, hat man beinahe das Interesse verloren. Ein enttäuschender Abgesang für den Schauspieler Chaplin.
Michael Keaton erlebt mit „Birdman“ seine künstlerische Wiederauferstehung und im Zuge dessen, wird seine Darstellung in „Beetlejuice“ (1988) immer wieder aus dem Archiv hervor geholt und gelobt. So war es nun also auch mal an der Zeit sich den Tim Burton-Klassiker endlich einmal anzusehen. Es ist von der ersten Sekunde weg zu sehen, weshalb „Beetlejuice“ einen derart hohen Status innerhalb des Werks von Burton und Keaton hat. Mit großartigem Makeup, tollen Darstellern (neben Keaton brillieren Jeffrey Jones, Alec Baldwin, Geena Davis und die junge Winona Ryder) und einem unglaublich witzigem Drehbuch, gelingt es Burton ein Gothic-Märchen zu kreieren, welches auch sehr gut als Double-Feature mit „A Nightmare Before Christmas“ gezeigt werden könnte. Die Tricks mögen ein wenig veraltet wirken, doch die charmante Inszenierung gestaltet den Film als zeitloses und charmantes Spektakel.
Die Spierig Brüder konnten mich mit dem coolen Konzept von „Daybreakers“ nicht wirklich überzeugen. So war ich auch etwas skeptisch als Ethan Hawker erneut in eine Hauptrolle in einem Film der Brüder zu sehen war. „Predestination“ (2014) ist jedoch das Filmjuwel, welches man immer hofft, bei DVD-Veröffentlichungen zu entdecken. Ein intelligenter, vielschichtiger und bis zur letzten Sekunde unterhaltsamer Zeitreise-Thriller, in dem Sarah Snook als Jane nicht nur den Hauptteil der Charakterentwicklung zugesprochen bekommt, sondern die Routiniers Hawke und Noah Taylor ebenfalls glänzen dürfen. Die Spierig Brüder haben diesmal nicht nur ein cooles Konzept zur Hand, sondern entwickeln aus diesem heraus, einen stimmigen Film, der nicht im Actionkrachwumm endet (wie etwa der von mir sehr geschätzte „Looper“) und sich mit dem Zeitreise-Plot gar bis zur Hälfte des Films Zeit lässt. Ein Film der ein großes Publikum verdient hat.
Martin Scorsese ist nicht nur für seine Mafiafilme bekannt, sondern vor allem auch für seine Liebe zur Musik. Diese wird nirgends offensichtlicher denn in seinen Dokumentationen. „The Last Waltz“ (1978) zeigt das Abschiedskonzert von „The Band“ und Scorsese lässt die Musik und die Bühnenpräsenz einfach wirken. Genügend Interviews werden hinein geschnitten, um die einzelnen Bandmitglieder vorzustellen und ihren Platz im Musikolymp klar darzulegen. Das einzige Problem: Es ist im Grunde ein einziges abgefilmtes Konzert und so gut die Musik auch ist, es gefallen mir die investigativeren Dokus von Scorsese (namentlich: „No Direction Home“) viel besser.
Die Filme von Lav Diaz gelten als anstrengende aber auch lohnenswerte Verpflichtung. Sein über 4 Stunden langes philosophisches Kriminalstück „Norte: Hangganan ng Kasaysayan“ (2014), adaptiert in großen Teilen den Roman „Schuld & Sühne“ und erstellt zugleich ein Portrait der philippinischen Gesellschaft. Für Diaz‘ Verhältnisse, handelt es sich bei „Norte“ um einen eher kurzen Film, und doch sind hier etliche Elemente seiner Inszenierung zu erkennen, die ihn zum Hohepriester des „Slow Cinema“ machen sollten. Doch auch wenn seine visuell beeindruckende und ruhige Inszenierung mir sehr oft sehr viel Kraft kostete, so sind die Themen und Diaz‘ Zugang dazu, von faszinierender Kraft.
Ich bin kein Fan von Kevin Smith. Er ist ein interessanter Filmemacher, aber bis auf „Dogma“, konnte mich noch keine seiner Arbeiten wirklich überzeugen oder faszinieren. Dann kam das Poster zu „Tusk“ (2014) und ich wusste, dass ich diesen Indie-Horror-Smith sehen möchte. Justin Long und Haley Joel Osment spielen ein Podcaster-Duo, ganz im Sinne von Smiths eigenem Podcast. Long gerät bei der Suche nach einer aufregenden Geschichte, an Howard Howe (fantastisch: Michael Parks), der vorgibt ein Fundus unterhaltsamer Geschichten zu sein. In den Wäldern von Manitoba, trachtet Howe jedoch danach, aus einem Menschen ein Walross zu erschaffen. Während die erste Hälfte noch mit sehr viel Smith-artigem Humor angereichert ist (der jedoch kaum funktioniert), sind die Horrorelemente ebenso bizarr wie einnehmend. Hätte Smith den Humor zurückgedreht und sich auf den Horror konzentriert, hätte „Tusk“ ein fein geschliffener Diamant sein können. So jedoch, bleiben viele Aspekte (inklusive einem feinen Cameo), die man selbst für sich entdecken muss.
Das politisch-mediale Theater rund um den Sony-Hack und die Nordkorea-Komödie „The Interview“ (2014) von Evan Goldberg und Seth Rogen, hat ein wenig den unverfälschten Blick auf den Film durch ein medial aufgeladenes Radar ersetzt. Stets ist man auf der Suche nach den skandalösen Momenten, die Nordkoreas Führung so aufbringen konnten. Was sieht man? Eine typische Seth Rogen-Blödelkomödie mit Anal- und Sex-Witzen, die scheinbar kein Ende finden. Zudem wird James Franco als überdrehter Showman Dave Skylark von der Leine gelassen und überdreht seine Performance teilweise ins Unerträgliche. Natürlich gibt es auch einige lustige Momente und Randall Park als Kim Jong-un ist ein Glücksgriff (vor allem seine Szenen in welchen er sich mit Skylark anfreundet, sind sehr gelungen), doch bei knapp 100 Minuten Laufzeit, bleiben vor allem die platten Witze in Erinnerung. Ein geradezu harmloser und an zu vielen Stellen ineffektiver Klamaukfilm.
Ebenfalls ein harmloser Klamaukfilm ist „The Dictator“ (2012) von Larry Charles mit Sacha Baron Cohen nach dessen Drehbuch. Cohen spielt den tumben und ignoranten Diktator des imaginären afrikanischen Staates Wadiya. In einer Mischung aus Elementen die Cohen aus Diktaturen wie Turkmenistan, Saudi-Arabien und diversen afrikanischen Staaten entlehnt, gelingen ihm einige sehr treffende Beobachtungen, zur politischen Dynamik. Die Spitzen gegen die Demokratie und Terrorismus-Panik, passen auf den Punkt gerade in den Szenen mit Jason Mantzoukas, läuft Cohen zur Hochform auf. Doch dann gibt es da auch, einfach nur dämliche und furchtbar geschriebene Gags, wie eine Entbindung, oder das Verhalten des Diktators Ersatz gegenüber vier Damen, die ihn beglücken sollen. So halten sich gelungene Witze und schwache Momente die Waage, was „The Dictator“ zwiegespalten erscheinen lässt. Im Vergleich zu „The Interview“ zeigen Charles und Cohen aber mehr Mut und mehr Finesse in ihrer Polit-Satire.
Xavier Dolan hat sich bereits einen Platz als großer Kinokünstler erarbeitet, deshalb kann ich über seinen Zweitlingsfilm „Les Amours imaginaires“ (2010) mit etwas mehr Gelassenheit drübergehen, denn ich es wohl 2010 getan hätte. Nach seinem grandiosen Debüt mit „I Killed My Mother“, hatte Dolan seinen Sinn für Stil und Exzess wie auch interessante Handlungskonstellationen gezeigt. Das Liebestrio in „Les Amours imaginaires“ ist allerdings nur auf dem Papier interessant. In der praktischen Ausführung bleiben drei überraschend langweilige Individuen und ein stilistisch sich austobender Regisseur. Das ist oft ganz hübsch anzusehen, erreicht aber nie die zwingende Intensität von „Laurence Anyways“ oder „Tom à la ferme“.
Stilistisch ebenfalls interessant, zeigt Elisabeth Scharang ihr Doku-Drama „Franz Fuchs – Ein Patriot“ (2007). Karl Markovics überzeugt, wie zu erwarten, in der Titelrolle des Briefbombers, während Scharangs Zugang, die dramatisierten Ereignisse mit dokumentarischem Material zu brechen, zu Beginn irritiert, aber mit Fortdauer eine immer größere Wirkung entfaltet (ein Zugang wie ihn Steven Soderbergh für „Moneyball“ im Auge hatte, ehe er vom Projekt abgezogen wurde). Ein trockener und sich langsam heran schleichender Film.
Ein Film von aber nicht mit Charlie Chaplin? Bislang kannte ich nur aus Erzählungen „A Countess from Hong Kong“, aber schon 1923 zeigte sich Chaplin als Regisseur/Autor ohne die Hauptrolle zu übernehmen in „A Woman of Paris: A Drama of Fate“. Edna Purviance spielt Marie St. Claire, die sich zwischen zwei Männern wieder findet. Ihrem reichen Gönner und Liebhaber Pierre (Adolphe Menjou) und ihrer wahren Liebe Jean (Carl Miller). Der melodramatische Plot aus Chaplins Feder ist ziemlich konventionell, weshalb die wahre Stärke in den ruhigen und sehr realistischen Darstellungen liegt. Doch sein Blick auf ein Liebesdreieck inmitten der Reichen und Schönen, in Gefahr gebracht durch einen armen Schlucker (Jean), ist mit so vielen überzogen-melodramatischen Momenten, dass es in seiner Gesamtwirkung abfällt. Ein unterhaltsamer Stummfilm, der aber „nur“ unterhaltsam bleibt.
Einen viel persönlicheren und effektiveren Film, lieferte Chaplin mit „Limelight“ (1952). Die tragisch-komische Geschichte, des nach vergangenem Bühnenruhm strebenden Clowns Calvero, ist eine Selbstentblößung, eine Beichte, eine Abbitte und zugleich eine Anklage an ein Publikum, welches sich einst an seinen Kunststücken berauschte, und heute nur noch müde die Schultern zuckt, um am Ende aus Mitleid Beifall zu klatschen. Dass Chaplin diese Geschichte mit der Freundschaft und womöglich Liebe zur suizidalen Balletttänzerin Thereza (Claire Bloom) verknüpft, gibt der Geschichte einen komplexeren Überbau. Trotz allerlei sentimentaler Passagen, gelang Chaplin mit „Limelight“ ein großes Alterswerk.
Sein letzter Film, ist eine Kuriosität und auch nur aus diesem Grund zu sichten. „A Countess from Hong Kong“ (1967) ist eine Technicolor-Extravaganza, luxuriös besetzt mit Marlon Brando und Sophia Loren, mit einer absurden Handlung und dem Glitter und Glamour der zu Ende gehenden Ära des „Goldenen Hollywood“. Auch wenn die recht alberne Handlung, einen naiven Charme verströmt, so wirkt die Geschichte um einen amerikanischen Diplomaten (Brando) und eine russische Gräfin (Loren) seltsam aus der Zeit gefallen. Als Stummfilm in den 1920ern hätte man die Naivität vielleicht besser transportieren können. In den satten Farben der 1960er und Darstellern wie Marlon Brando, der immer wieder unfreiwillig wie eine Cartoon-Figur wirkt, verliert sich der Charme des Films. Eine Fußnote der Filmhistorie, allerdings eine zuweilen recht charmante.

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The 1001 Project
Sergei M. Eisensteins „Ivan Groznyy“ (1944 & 1958) ist ein ambitioniertes Unterfangen. Angelegt auf drei Teile, wurde Eisenstein nach Ansicht des zweiten Teils die weitere Produktion untersagt. Das mag bei Ansicht des ersten Filmes noch überraschen. Denn „Ivan Groznyy“ nimmt sich zunächst wie ein Propagandawerk aus, ganz im Sinne der stalinistisch geprägten Sowjetunion. Was aber im zweiten Teil klar wird, und dann auch im Rückblick den ersten Teil in der Qualität hebt, ist die straffe und ohne Mitleid geführte Porträtierung des Zaren, und wie er in den Wahnsinn hinab gleitet. Dies unterstreicht Eisenstein mit zwei, die Bilder beinahe zersprengenden Farbsequenzen, die dem strengen Schwarzweiß, wie Halluzinationen gegenüber stehen. Das Schauspiel ist manchmal zu outrierend, aber Eisensteins Zaren-Doppel fasziniert im Gesamtpaket, auch wenn ich vor allem bei Teil 1 einige Probleme mit dem Rhythmus und der Ideologie der Erzählung hatte.
Apropos Russland. Einen viel humorvolleren und bitterbösen Blick, wirft Ernst Lubitsch in „Ninotchka“ (1939) auf die Sowjetunion, aber auch der Westen bekommt sein Fett weg. Das Drehbuch von Charles Brackett, Billy Wilder und Walter Reisch ist die perfekte Steilvorlage für die rasante und von Witz nur so durchzogene Inszenierung von Lubitsch. Greta Garbo und Melvyn Douglas harmonieren hervorragend als die steife kommunistische Vertreterin und der einstige Vertreter des zaristischen Russlands. Manchmal ist die Romanze ein wenig zu schmalzig, doch das ist die Inszenierung der 1930-Jahre und auch der Auftritt von Bela Lugosi ist viel zu kurz geraten. Andererseits, ist es gerade die Kürze, die seinem UdSSR-Offiziellen die nötige Größe verleiht. Ein großartiger Film.
Was ist es nur mit Bernardo Bertolucci und mir? Seine Filme werden von Kritikern geliebt, jedem dieser hoch gelobten Werke ist die Größe anzusehen, die sie mit sich tragen. Doch immer wieder lassen sie mich überraschend kalt (mit Ausnahme der Zusammenarbeit mit Marlon Brando). „Il conformista“ (1970) zeigt den großartigen Jean-Louis Trintignant als Willensschwachen Auftragsmörder, der zu dieser Profession geführt wird, da er im Italien unter Mussolini nicht negativ auffallen will. Die Kameraarbeit von Vittorio Storaro ist atemberaubend, aber der Tonfall von Bertoluccis Inszenierung schwankt mir zu sehr zwischen Thriller und Satire hin und her, so dass ich mich ein wenig verloren fühle. Ein faszinierendes Thema, ein großartiger Darsteller, wunderschön anzusehen…und doch kein Allzeit-Favorit, sondern eher ein Werk, welches mir Respekt einflößt und weniger Freude.
Viel mehr Freude bereitete mir „The Long Goodbye“ (1973) von Robert Altman. Elliot Gould ist die perfekte Reinkarnation von Philip Marlow, so wie sie Altman inszeniert. Als lässigen Siebziger-Noir mit Gould als nur scheinbar desinteressierten Detektiv, führt die verworrene Geschichte durch ein nächtliches L.A., in dem Altman seine für ihn typischen Stilismen hervorragend zur Geltung bringen kann. Im Schatten der großen Filme mit Humphrey Bogart, mag „The Long Goodbye“ ein wenig schwächeln, doch das nimmt dem Film nur ein klein wenig von seinem Reiz. Zudem gibt es Arnold Schwarzenegger in einer stummen Nebenrolle als Bodyguard zu bestaunen.
Neben Charlie Chaplins „The Great Dictator“ ist „To Be or Not To Be“ (1942) von Ernst Lubitsch, die bekannteste Anti-Nazi-Komödie aller Zeiten. Jack Benny und Carole Lombard sind das Schauspieler-Ehepaar Tura, welches in Warschau zu den bekanntesten Stars der Bühne zählt. Als die Nazis Polen überrennen, gerät das Theater und sein Ensemble unvermittelt in den Widerstand. Lubitsch zeigt die Nazis als Führer-besessene und geradezu Hirnlose Erfüllungsgehilfen, denen die Darsteller mit Schlauheit und Chuzpe zu entfliehen vermögen und so auch den Warschauer Untergrund schützen. Voller großartiger Dialoge und tollen Darstellungen, fasziniert „To Be or Not To Be“.
Paul Schrader hatte in den letzten Jahren hauptsächlich Probleme mit seinen Projekten. Dabei hat der Drehbuchautor von „Taxi Driver“ und „Raging Bull“ auch als Regisseur einige beeindruckende Werke in seinem Lebenslauf stehen. Darunter das sehr kreativ inszenierte „Mishima: A Life in Four Chapters“ (1985) zum Leben, Werk und Sterben des Poeten Yukio Mishima. Schrader zeigt in fiktiven Segmenten Aufarbeitungen der Werke Mishimas und verknüpft diese mit dem Leben und schließlich auch bizarrem Selbstmord. Dabei lässt Schrader für jedes Segment eine sehr eigene und eindringliche Bildgestaltung wirken. Die Passagen in der „Gegenwart“, in welcher der Poet versucht mit seiner Privatarmee die Regierung zu stürzen und schließlich am Widerstand der Armee scheitert, verblassen gegen die farblich sehr intensiven Rückblenden und auf Theaterbühnen inszenierten Episoden. Ein nicht immer leicht zu folgender aber sehr interessanter Film, der eine der eigentümlichsten Personen der japanischen Literatur einem breiterem Publikum bekannt macht.
John Ford und Irland. Eine viel zu süßlich kontaminierte Kombination für mich. Zwar beginnt „The Quiet Man“ (1952) mit seinen luxuriös gefilmten Landschaften sehr vielversprechend und John Wayne macht einen guten Eindruck als Boxer der in die elterliche Heimatstadt zurückkehrt. Doch die Liebesgeschichte ist untermalt von fragwürdiger Motivation und Ford, wie schon bei „How Green Was My Valley“, ertrinkt geradezu in einseitig-sentimenatlem Schmalz.
Nachdem Charlie Chaplin mit „The Great Dictator“ den Tramp hinter sich ließ, war Chaplin vor allem mit Rechtsstreitigkeiten und öffentlichen Anfeindungen beschäftigt. So erscheint es wohl weniger verwunderlich dass die Arbeiten an „Monsieur Verdoux“ (1947) erst verspätet starten konnten und der Film in den USA eher negativ aufgenommen wurde. Zu sehr war Chaplin in der Öffentlichkeit in Ungnade gefallen. Ein Thema mit dem er sich (meiner Meinung leider zu sentimental) in „A King in New York“ auseinandersetzen sollte. In „Monsieur Verdoux“ (nach einem Drehbuch von Orson Welles, welches Chaplin dem ursprünglichen Regisseur Welles abkaufte) zeigt sich Chaplin in grandioser Form. Als Bigamist und Mörder Henri Verdoux, spielt er nicht nur völlig gegen seinen bekannten Typus, sondern zeigt auch, dass er völlig zurecht als einer der größten Kinokünstler gilt. Trotz des bitterbösen Themas (basierend auf dem wahren Fall des Mörders Landru) gelingt es Chaplin nicht nur komisch, sondern auch geradezu hinterhältig zu sein. Ein großer, im Gesamtwerk leider zu oft übersehener Film, wohl auch wegen des für Chaplin völlig unüblichen Themas, obwohl er auch hier Kritik an den politischen Mächten, den Militärs und den Auswüchsen des Kapitalismus übt.

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Re-Visited
Der erste Versuch des Universal Studios, den Werwolf in den Horrorkanon einzuführen. „Werewolf in London“ (1935) ist auch bei der erneuten Ansicht ein überraschend unterhaltsamer erster Ausflug ins Werwolf-Subgenre. Die Schwächen sind offensichtlich und Regisseur Stuart Walker kann einige Unstimmigkeiten im Drehbuch (die Motivation des zum Werwolf verwandelten Wissenschaftlers) nicht ganz ausbügeln, doch bei knapp über 70 Minuten Laufzeit bleibt das Geschehen immer unterhaltsam genug, um die Schwächen generös zu übersehen.
Der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher, die von der Zeitschrift „Stern“ publiziert wurden, ist die Basis für Helmut Dietls besten Film. „Schtonk!“ (1992) versammelt ein großartiges Ensemble (Götz George, Uwe Ochsenknecht, Harald Juhnke, Ulrich Mühe, etc.) und treibt sie zu hervorragenden Portraits, reichlich überspannter Figuren. Die für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominierte Satire, leidet immer wieder unter Dietls etwas zielloser und schlampiger Regie, doch wenn die Gags sitzen, dann sind sie nicht nur unglaublich witzig, sondern auch noch richtig schmerzhaft, so nah bewegt sich Dietl an der Wahrheit.
Nachdem ich die Serie wieder einmal gesichtet hatte, war es natürlich Zeit, auch den dazugehörigen Film erneut zu betrachten. Das Prequel „Twin Peaks: Fire Walk with Me“ (1992) hat sehr viel, was dafür spricht, als großes Werk von David Lynch gesehen zu werden. Die für die Serie so typische Atmosphäre aus Melodram, Krimi und Komödie, mit schrägen Charakteren und bizarren wie auch gruseligen Momenten. Doch einerseits fehlt zu viel von dem, was „Twin Peaks“-Fans erwarten, andererseits funktioniert das Prequel kaum ohne die Kenntnis der Serie. Ein solider Lynch-Krimi, aber im Endeffekt doch nur für Fans der Serie empfehlenswert.
Der bislang letzte Kinofilm von David Lynch, hat das „Problem“ einer Laufzeit von drei Stunden. Das schreckt viele Interessenten und wohl auch so manchen Lynch-Bewunderer davon ab „Inland Empire“ (2006) zu sehen. So sind auch seit dem Kinobesuch beinahe acht Jahre vergangen, seitdem ich Laura Dern als Schauspielerin im psychischen Strudel erlebt habe. Beim neuerlichen Besuch des zwischen Polen, Hollywood und der Psyche der Schauspielerin Nikki Grace (Dern) pendelnden filmisch festgehaltenen Albtraums, überwogen die schönen und beeindruckenden Momenten. Dern bietet eine ihrer besten Leistungen ihrer bisherigen Karriere und wird von Justin Theroux, Jeremy Irons und in kaum wahrnehmbaren Nebenrollen von Darstellern wie Julia Ormond, Mary Steenburgen oder Stanley Kamel unterstützt. Lynch weckt Erinnerungen an „Opening Night“, „Sunset Blvd.“ oder auch die Filme von Maya Deren und vermengt sie mit den für ihn so typischen Stilismen. Es mag stellenweise frustrierend sein, dem Geschehen folgen zu wollen, doch dafür entschädigt Lynch mit einem ebenso beeindruckenden wie nach innen gewandten Werk. Experimentelles Digitalkino, welches rein den Regeln des Lynch’en Filmkosmos gehorcht.
Die Kontroverse rund um den Film „The Interview“ sorgte dafür, dass ich doch wieder einmal „Team America: World Police“ (2004) sichten wollte. Unter der Regie von Trey Parker (und genau genommen gemeinsam mit dem anderen „South Park“-Mastermind Matt Stone) parodiert die Marionetten-Klamotte den US-Actionheroen der 1980er, wie auch die sich selbst überschätzenden Hollywood-Akteure, die in politische Prozesse einbezogen werden wollen und natürlich den mittlerweile verstorbenen nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Il. Viele Späße sind wie bei „South Park“ einfach nur eklig (die Kotzorgie) oder so blöd, dass man nur noch lachen kann (der Marionetten-Sex), aber viele Gags treffen direkt ins Schwarze und zeigen den satirischen Kern des Humors von Parker/Stone.
Am oder um den 24.12. herum, ist die Zeit, in der man sich erneut mit Weihnachtsklassikern umgibt. Neben Weihnachts-Episoden der „Simpons“ und von „Married with Children“, kommen da natürlich die zeitlosen Klassiker „A Charlie Brown Christmas“ (1965) und „The Nightmare Before Christmas“ (1993) zum Einsatz. Gerade zu den Feiertagen, eine willkommene Freude, die man aber dann auch wieder ein Jahr lang unbeachtet liegen lässt.

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Serien-Überblick
Als die 1. Staffel (2011) von „Der Tatortreiniger“ seine wenig beachtete Premiere im deutschen Fernsehen feierte, glaubte kaum jemand an ein langes Leben der von Regisseur Arne Feldhusen und Hauptdarsteller Bjarne Mädel erdachten Serie um den Hamburger Tatortreiniger Heiko „Schotty“ Schotte. Einige Fernsehpreise und eine Internetkampagne später, gehört die Serie zu den Juwelen des deutschen Fernsehens. Bjarne Mädel brilliert als leicht prolliger, aber hochgradig sympathischer Schotty, der im Auftrag der Firma Lausen an Tatorten das Blut wegwischt und dabei die Bekanntschaft mit so manch eigenwilligem Charakter macht. Manchmal plätschern die Dialoge so vor sich hin, um dann einen unglaublich witzigen Gag heraus zu zaubern. In der 2. Staffel (2013) ist es vor allem die Episode „Schottys Kampf“, in der sich Heiko einer Neo-Nazi-Gruppierung gegenüber sieht, die im Gedächtnis hängen bleibt. Dagegen fiel die Schamanen-Episode „Auftrag aus dem Jenseits“ stark ab. Nicht alles ist Gold was glänzt, doch der Charme des Hauptdarstellers und die mit viel Selbstbewusstsein inszenierten Geschichten, sorgen für gute bis teilweise sogar grandiose Unterhaltung.
Mit „Cosmos: A Spacetime Odyssey“ (2014) kam eine Neuauflage der 1980 von Carl Sagan präsentierten TV-Sendung weltweit ins Fernsehen. Diesmal präsentierte Neil deGrasse Tyson eine aktualisiert Auflage, die mitreißt, fasziniert und informiert. Wissenschafts-Unterhaltung mit Tiefgang.
Seit der 17. Staffel haben sich Trey Parker und Matt Stone bei „South Park“ auf zehn Episoden pro Staffel beschränkt. Das ist ein wenig irritierend für eine derart erfolgreiche und von Fans immer wieder sehnsüchtig erwartete Serie. Ich war deshalb wieder überrascht als nach der 10. Episode von Staffel 18 (2014) keine weiteren Folgen zu finden waren. Wie in den letzten Jahren (und wie bei den „Simpsons“) ist „South Park“ zu einem Selbstläufer geworden, der vor allem vom Ruf alter Zeiten lebt und weniger von der tatsächlichen Qualität der aktuellen Arbeiten. Dabei gab es auch diesmal wieder hervorragende Episoden („Go Fund Yourself“, „Freemium Isn’t Free“) aber auch Episoden, die einfach nur enttäuschten, wie etwa das zweiteilige Finale. Wie bei den „Simpsons“ bleibt man weiterhin hängen und sieht sich aufgrund einzelner Highlights auch weiter die neuesten Staffeln an. Selbst wenn diese in Sachen Qualität nicht mehr an glorreiche Zeiten anschließen können.
Nach „Twin Peaks“ wurde ich auf die kurzlebige und nach bereits sieben Episoden eingestellte Sitcom „On the Air“ (1992) aufmerksam gemacht. David Lynch und Mark Frost erschufen ein fiktives TV-Studio, welches 1957 die „Lester Guy Show“ mit Lester Guy (Ian Buchanan in seiner wohl besten Rolle) produziert. Der Fokus liegt auf dem chaotisch agierenden Personal rund um den Star Lester Guy. Dabei stechen vor allem der immer großartige Miguel Ferrer als Bud Budwaller und Tracey Walter als Tontechniker Blinky Watts heraus. Frost und Lynch versehen die Serie ohne nachvollziehbaren Plot, aber mit viel absurden Humor. „On the Air“ wirkt in seinen besten Momenten wie eine dadaistische Unterwanderung der US-Sitcom, doch zu oft versandet das Geschehen und man fragt sich, weshalb man dem ziellosen Treiben länger seine Aufmerksamkeit widmen soll.
Lange genug musste man auf die zweite Staffel (2014) der hervorragenden Thriller-Serie „The Fall“ warten. Showrunner Allan Cubitt zeigt diesmal eine Episode mehr und dehnt das Katz- und Maus-Spiel zwischen Stella Gibson (Gillian Anderson) und Paul Spector (Shooting-Star Jamie Dornan) noch etwas aus. Die zeitweise regelrecht frustrierende Detailarbeit wird mit aller Ruhe und Konzentration dargestellt, während sich Gibson und Spector gegenseitig auszutricksen versuchen. Zudem gelingt es Cubitt erneut, den Hintergrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Teilen des Gang-dominierten Belfast aufzuzeigen, auch wenn sich mir nie ganz erschließen wird, was diese Menschen antreibt. Manche Wendung kommt etwas platt daher, doch die Spannung ist derart hoch, dass man kleinere Abschweifungen verzeiht.
Der Charakter des Kriminalinspektors Trautmann wurde von Ernst Hinterberger für die Serie „Kaisermühlen Blues“ kreiert. Nach dem Ende der Ursprungsserie kam die Idee eines Spin-Off auf und so folgte die Filmreihe „Trautmann“ die in zehn Filmen von 2000 bis 2008 erstellt wurde. Jeder Film dauert 90 Minuten und Wolfgang Böck hat sichtlich seinen Spaß, den Kriminalbeamten mit rauer Schale und weichem Kern darzustellen. Dabei wird aber auch das sehr positive Bild der Polizei gezeichnet, in der Menschenverstand und Herzlichkeit über Dienstvorschriften siegt. Ein Bild welches die Wiener Polizei sicher nicht ungern gesehen hat. Dagegen sind seine Mitarbeiter Burschi Dolezal (Simon Schwarz) und Moni Tränkler (Monica Weinzettl) die Verkörperung von Frauenfeindlichkeit und Technikgläubigkeit (Burschi) und Dienstvorschriftgläubigkeit (Moni). In den zehn Filmen wechseln sich Highlights (hauptsächlich Konfrontationen mit dem schmierigen Politiker Grünsteidl, ein fantastischer Erwin Steinhauer) mit extrem schwach inszenierten Klischee-Krimi ab. Der Pilotfilm unter der Regie von Harald Sicheritz laboriert an zu viel Klamauk, während die restlichen von Thomas Roth inszenierten Filme mal dicht inszenierte Thriller sind und dann wieder unter schwachen Dialogen leidende Melodramen. Zudem scheint die musikalische Untermalung im österreichischen Fernsehen keinerlei Bedeutung zu haben. Dennoch sind die zehn Filme mit genügend Wiener Lokalkolorit versehen, um zu überzeugen und Gaststars wie Karl Markovics versorgen die Filmreihe auch noch mit darstellerischen Glanzpunkten.
Zu meiner Überraschung, ist „Der Tatortreiniger“ mit der  3. Staffel (2014) diesen Dezember wieder in Aktion getreten. Wie schon bei den ersten beiden Staffeln, ist Bjarne Mädel hervorragend in der Hauptrolle und entwickelt sich immer mehr zu einem Kommentator gesellschafts-politischer Ereignisse und Entwicklungen. Etwa im Gespräch mit einer geradezu militanten Veganerin. Auch sein persönlicher Hintergrund wird ein wenig ausgeleuchtet. Enttäuscht hat der sehr ausgelutscht wirkende Einsatz in einem Amt, in „Carpe Diem“. Neben viel zu schwachen Amts-Gags, kam auch das Gespräch mit dem Toten, welches man schon zuvor in Staffel 1 zu sehen bekam.
Apropos Enttäuschung. Nach einer sehr ansprechenden 1. Staffel, war „Enlightened“ in der 2. Staffel (2012) drauf und dran, neue Höhen zu erreichen, indem Amy (erneut toll: Laura Dern) nun wirklich gegen ihren Arbeitgeber vorging. Doch man bekam einen merkwürdig blutleeren und vorhersehbaren Ablauf, interner Machtkämpfe geboten. Ihre Beziehung zu ihrem Exmann Levi (Luke Wilson) wurde so nebenbei verarbeitet und zum Abschluss durfte sich auch ihr Kollege Tyler (Mike White) über ein Happy End freuen. Dass Todd Haynes eine Episode inszenierte, freute mich zwar persönlich, doch ließ die Qualität doch merklich nach im zweiten Jahr, was wohl auch zum vorzeitigen Ende führte.
Die 1. Staffel von „Homeland“, war ein Triumph, gefolgt von zwei weiteren intensiven Staffeln, die das Schicksal von Nicholas Brody zum Ende führten. Die 3. Staffel galt vielen, in ihrer Zerissenheit, jedoch als nicht sonderlich gut durchdacht, während ich mich darüber freute, dass man keinen einfachen Weg wählte. Nun ist „Homeland“ zwangsweise zu einer Neuausrichtung gelangt und das in glorioser Art und Weise. Claire Danes dominiert in gewohnter Form die Serie und ist als Stationschefin der CIA in Islamabad, ganz in ihrem Element. An ihrer Seite glänzen neben Rupert Friend und Mandy Patinkin vor allem Tracy Letts als CIA-Chef Lockhart, Nimrat Kaur als ISI-Chefin Tasneem, Numan Acar als charismatischer Terrorist Haissam Haqqani und Mark Moses als Willensschwacher Ehemann der US-Diplomatin Dennis Boyd. Man kann in die 4. Staffel (2014) hinein kippen, ohne die Vorgeschichten zu kennen und ist dennoch völlig eingenommen von den Komplotten und Verstrickungen. Hinzu kommen tolle Gastauftritte von F. Murray Abraham, Nina Hoss und Damian Lewis, die eine fantastische Staffel komplettieren.
„Ray Donovan“ hat in seiner 1. Staffel (2013) viel Spaß daran, altgediente Hollywoodrecken zu feinen Darstellungen zu führen. Jon Voight glänzt als nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassener Familienpatriarch und neben ihm dürfen Elliot Gould und James Woods zeigen, weshalb sie zu den Größen ihrer Zunft zählen. Doch das Interesse konzentriert sich vor allem auf den desaströsen Familienverbund der Donovans, angeführt von Ray (endlich eine tolle Rolle für den stets unterschätzten Liev Schreiber), der als Fixer in Hollywood die schmutzigen Geheimnisse der Reichen und Schönen unter den Teppich kehrt. Seine beiden Brüder Bunchy (Dash Mihok) und Terry (ebenfalls beeindruckend: Eddie Marsan) leiden unter der Vergangenheit und die ganze Familie wird durch die Ankunft des Vaters, aus ihren Angeln gehoben. „Ray Donovan“ mag nicht die subtilste Serie sein, doch die Dynamiken und die kriminelle Energie, die hier aufscheint, wird in allzu nachvollziehbarer Weise gezeigt. Das tolle Ensemble trägt seinen Teil zum Gelingen bei.
Einzelne Filme der „Masters of Horror“-Reihe kannte ich bereits, doch die gesamte 1. Staffel (2006) der von Mick Garris initiierten Anthologie, war mir bislang nicht bekannt. Der Grund dafür war wohl, dass ich bislang Werke wie „Chocolat“ (von Garris selbst) und „Dance of the Dead“ (von Tobe Hopper) vermied. Diese zählen auch zu den schwächsten Filmen, während Arbeiten von John Carpenter, Takashi Miike oder Joe Dante die Meister ihres Fachs in guter Form zeigen. Dennoch werde ich wenn, dann wohl eher einzelne Filme erneut sichten und nicht die Serie im Ganzen.

Homeland / http://metrouk2.files.wordpress.com/2014/10/ad_150069952-e1414499869787.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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