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2015 begann mit einer ganzen Reihe an interessanten Werken, die von den Kritikern in den Himmel gelobt wurden. Es ist nun einmal „Awards Season“. Herausragend waren dabei vor allem Jean-Luc Godards „Adieu au langage“, das den französischen Altmeister als König des 3D zeigt und Abderrahmane Sissako mit seinem feinfühligen und subtilen Oscar-Kandidat „Timbuktu“. Für den größten Spaß sorgte Keanu Reeves als „John Wick“ und zudem wurden alle Episoden von „Kottan ermittelt“ und alle Filme von Regisseur Clint Eastwood gesichtet.

Neuzugänge
Darren Aronofsky zeigte mit „Noah“, was mit einer simplen Bibelgeschichte alles möglich ist. Das Ergebnis hat mich nicht begeistert aber es war interessant zu betrachten. Ein wenig anders liegt der Fall bei „Exodus: Gods and Kings“ von Ridley Scott. Hier gibt es kaum ausgeführte interessante Ideen (die Gottesbegegnung von Moses, nachdem er einen Schlag auf den Kopf erhält) aber viel zu viele langweilige und lange Passagen, die den Film beinahe stoppen. Etliche Szenen sind wunderschön anzuschauen und Christian Bale ist ein großartiger Moses, während Joel Edgerton zumindest den einen oder anderen Lacher aus seinem überzogenen Ramses kitzeln kann. Kein Debakel wie gedacht, aber auch kein Film, den man sich ein zweites Mal anschauen wird. Eine Empfehlung die man auch unserem Dialog dazu entnehmen kann.
Das Englisch-sprachige Debüt des für „Bullhead“ für den Fremdsprachen-Oscar nominierten Belgieres Michael R. Roskam fällt mit „The Drop“ sehr ansehnlich aus. Aufbauend auf einer Kurzgeschichten von Dennis Lehane (die dieser auch selber adaptierte) zeigt Roskam wie schon in „Bullhead“ eine recht simple und x-mal gesehene Gangstergeschichte, die vor allem von ihrer dichten Atmosphäre lebt. James Gandolfini fasziniert in seiner letzten Rolle als Barbesitzer Marv, der von seinen früheren Tagen als gefürchteter Gangster träumt. Neben ihm ist die Konzentration aber vor allem auf einen ruhigen und geradezu bedächtig spielenden Tom Hardy gelenkt. Es sind diese beiden Darsteller (und zusätzlich ein charismatischer Auftritt von Matthias Schoenaerts), welche der nicht sonderlich innovativen Handlung ihren zusätzlichen Reiz verschaffen. Die letzten 20 Minuten von „The Drop“ sorgen auch deshalb, für Gänsehaut. In unserem Dialog, sprechen wir noch einmal über diese Gangstergeschichte.
Mit „Week-End“ (1967) verabschiedete sich Jean-Luc Godard so gut wie endgültig vom klassischen Narrativ. Das hat dazu geführt, dass ich viele Filme von ihm nicht mehr sehen konnte, da mir sein essayistischer Zugang oft völlig undurchdringlich oder auch einfach nur dämlich erschien. Deshalb war sein mehrteiliger Essay zur Filmgeschichte – „Histoire(s) du cinéma“ – so einnehmend. Da verband sich sein Stil mit einer klaren Erzählung, während manch Rückkehr ins klassische Plot-getriebene Kino – „Détective“ – frustrierte. Seinen letzte Arbeit, „Film socialisme“, habe ich überhaupt nur in der Expressversion betrachtet. Doch „Adieu au langage“ scheint auf den ersten Blick, wieder eine Arbeit zu sein, in der sich Godard einem Ziel verschrieben hat, und dieses auch konsequent zum Ende hin verfolgt. In diesem Fall: der Einsatz von 3D. Selten wurde diese Technik interessanter umgesetzt. Zwar sind auch in dieser Arbeit so viele geradezu dämliche Momente (selbst vor Kack- und Furz-Witzen schreckt er diesmal nicht zurück) und erscheinen einige philosophische Ausflüge schlicht unerklärlich, doch diesen Film muss man gesehen haben. Sei es auch nur, um den merkwürdigsten und einnehmensten Einsatz von 3D zu sehen, der bislang auf die Leinwand gebannt wurde. In unserem Dialog haben wir uns mit Godards neuestem Werk auseinandergesetzt.
Der britische Feel-Good-Hit „Pride“ war zu meiner großen Überraschung kein weltweiter Feel-Good-Hit. Womöglich kam dieser exzellent gemachte, auf einer wahren Geschichte beruhende Streifen, über die Unterstützung der walisischen Bergarbeiterstreiks durch homosexuelle Lobbygruppen, einfach zur falschen Zeit in die Kinos. Auch wenn so manch viel zu offensichtlich auf die Tränendrüse drückender Moment dabei war, kann man sich der Herzlichkeit und guten Laune nicht entziehen. Genauso wenig wie dem einnehmenden Spiel von Imelda Staunton als resolute Kämpferin für die Bergarbeiter und die Homosexuellen. Doch auch Dominic West oder Bill Nighy scheinen viel Spaß zu haben und „Sherlock“-Bösewicht Andrew Scott zeigt feine Nuancen, die ihm (wie auch Staunton) einen British Independent Film Award bescherten. Auch diesem Film widmeten wir einen Dialog.
Eine Frau geht auf eine Wanderung, um zu sich selbst zu finden. Was nach einem etwas nervigem Selbstfindungstrip klingt, wird aufgrund der großartigen darstellerischen Leistungen von Reese Witherspoon als Cheryl Straide und Laura Dern als ihrer Mutter, sowie der mitreißenden Regie von Jean-Marc Vallée zu einem unterhaltsamen und intelligenten Kinowerk. „Wild“ entkommt nicht ganz den Klischees der Selbstfindungserzählung und verliert sich hin und wieder ein wenig in den allzu gefälligen philosophischen Betrachtungen von Straide (auf deren Buch, welches Nick Hornby toll adaptierte, basiert) und liefert auch manch zu sehr in güldenes Licht getauchten Landschaftsabschnitt auf dem Pacific Crest Trail. Doch zumeist verbindet Vallée die körperlichen Anstrengungen sehr gut mit den psychischen Hürden, die sich für Straide auf der Reise ergeben. In unserem Dialog besprechen wir noch einmal genauer, die Adaption von Jean-Marc Vallée.
Die wahre Geschichte des Olympia-Athleten Louis Zamparini, der im Zweiten Weltkrieg als Kriegsgefangener Japans ums Überleben kämpfen musste, ist das Theme für Angelina Jolies zweite Regie-Arbeit „Unbroken“. Ein Film von epischer Breite, dem man die Ambition, etwas Großes und Aussagekräftiges zu sein, in jeder Sekunde ansieht und doch bleibt Jolie oft auf halbem Weg stecken. So werden die Jugendjahre von Zamparini (ein charismatischer und einnehmender Jack O’Connell) viel zu kurz beleuchtet, und die Tage auf dem Pazifik ebenso etwas zu kurz gehalten. Einzig die Zeit im Kriegsgefangenenlager in Japan, unter der Führung des sadistischen Colonel Watanabe (etwas zu eindimensional: Miyavi), wird von Jolie in aller Deutlichkeit dargestellt. Doch auch hier wählt Jolie oftmals die viel zu sichere Variante, etwa auf der Soundtrackebene oder bei der Darstellung des heroischen Zamperini. „Unbroken“ hat viele Häme erdulden müssen, die dieser ambitionierte Kriegsfilm nicht verdient, aber leider ist dies auch nicht das große Meisterwerk, welches sich viele wünschten. Zumindest zeigt sich Jolie vielfach verbessert, gegenüber ihrem Debüt „In the Land of Blood and Honey“.
Abderrahmane Sissako hat mit „Timbuktu“ Historisches erreicht. Der mauretanische Film, ist der erste für den Oscar als „Best Foreign Language Film“ nominierte Film aus Westafrika und insgesamt erst der dritte afrikanische Film, der in dieser Kategorie nominiert wurde. Sissako erzählt vom Alltag unter der Herrschaft islamistischer Terroristen in der malischen Hauptstadt Timbuktu, die 2012 die Stadt eroberten und besetzten. In ruhigen Bildern, deren Erzählfluss dem amerikanischen und westeuropäischen Kino diametral gegenüber zu stehen scheint, sind es Alltagsszenen, die auch mit viel Humor gezeigt werden. Terroristen, die Verhaltensregeln verordnen und sich selbst oft genug darüber hinwegsetzen. Doch auch den Horror spart Sissako nicht aus, auch wenn er dabei zurückhaltend agiert und sich nicht in blutigen Gemetzeln ergeht. Die Wirkung von „Timbuktu“ mag sich erst nach Ende des Films richtig entfalten, doch dann lassen einen viele Bilder nicht mehr los, auch wenn es dramaturgisch nicht zum dichtesten Kinoereignis zu zählen ist.
Erstmals stieß ich auf den Filmemacher Morten Tyldum durch seine höchst erfolgreiche Jo Nesbo-Adaption „Hodejegerne“ und der internationale Erfolg sicherte ihm den Posten für das „Prestige-Biopic“ „The Imitation Game“. Tyldum wurde für den Regie-Oscar nominiert und das kann nur am hohen Unterhaltungswert legen, denn die Geschichte um die Entschlüsselung der deutschen Code-Maschine Enigma durch Alan Turing (fantastisch: Benedict Cumberbatch) und sein Team (ein tolles Ensemble rund um Matthew Goode und Keira Knightley) wird ein wenig zu leichtgewichtig erzählt. Verknüpft mit Turings Homosexualität und der gesellschaftlichen Verdammung (inklusive strafrechtlicher Konsequenzen), erwartet den Zuseher ein verschmitzter Film, der hin und wieder ein wenig zu offensichtlich auf einen amüsanten Witz hinzielt. Doch das ist zugleich das größte Plus, denn so wird über die zwei Stunden keine Langeweile verbreitet. In Schlüsselrollen sind auch, sehr unterhaltsam aufspielend, Charles Dance und Mark Strong zu sehen. Ein teilweise zu biederes Biopic, das aber durch seinen Humor und die großartige Darstellung von Benedict Cumberbatch in Erinnerung bleibt. Dem mit einem Drehbuch-Oscar gekrönten Werk haben wir einen Dialog gewidmet.
James Marsh sorgte mit seiner Dokumenation „Man on Wire“ für Kritikerlob, Publikumszuspruch und holte sich schließlich den Oscar in der entsprechenden Kategorie. Doch er kommt ursprünglich vom Spielfilm und seine geglättete Inszenierung des Stephen Hawking-Biopics „The Theory of Everything“  zeigt, dass er sich auf Publikumsgerechte Inszenierung versteht. Was fehlt, ist ein Sinn für einen innovativen Zugang zur Thematik. Die wissenschaftlichen Leistungen Hawkings (großartig: Eddie Redmayne) vor allem mit der Beziehung zu seiner ersten Frau Jane (ebenfalls sehr gut: Felicity Jones) zu verbinden, ist ein interessantes Konzept, doch es verfängt nicht so recht. Marsh bleibt bei allen möglichen Klischees des Biopics hängen und verlässt sich zu sehr auf die Strahlkraft der Darsteller und der Thematik. Dabei ist der Film nicht unähnlich dem wesentlich unterhaltsameren „The Imitation Game“, doch Tyldum brachte in seine Inszenierung ein wenig Witz, während Marsh einfach nur eine glänzende Oberfläche bietet.
David Ayer galt mit seinem Panzerkriegsfilm „Fury“ als Oscar-Kandidat. Mit einem interessanten Ensemble (Logan Lehrman, Michael Pena, Jon Bernthal, Shia LaBeouf) rund um Hauptdarsteller Brad Pitt und dem selten dargestellten Panzerbatallion im Zweiten Weltkrieg, schien es ein klarer Kandidat für Preise zu sein. Doch der unnötig bösartige Tonfall (schon zu sehen in „Sabotage“, nur schien es in dem Action-Thriller stimmiger) und ein Hang zum Testosteron-geschwängerten Actionspektakel, machen aus „Fury“ einen effektiven Actionfilm vor Weltkriegshintergrund.
Filme die mit vielen Vorschusslorbeeren starten, haben es natürlich schwer, diesen gerecht zu werden. Auch Alejandro G. Inárritu kann mit „Birdman: or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“ Streckenweise nur schwer gegen das Gewicht der Oscar-Nominierungen und des Kritikerlobs ankämpfen. Doch die scheinbar in einem einzigen Take gefilmte Theater- und Filmsatire (Erinnerungen werden natürlich an Alfred Hitchcocks „Rope“ wach) ist eine Tour de Force für alle Beteiligten und jeder Einzelne macht sich seinen Charakter und seine Aufgabe zu eigen. Michael Keaton und Edward Norton überstrahlen dabei das Ensemble, wobei Norton in seinen ersten Auftritten Keaton und seinen zwischen Wahn und Wirklichkeit pendelnden Ex-Hollywoodstar Riggan Thompson mit seiner Darstellung des eitlen Theaterstars Mike Shriner beinahe überstrahlt. Doch auch Emma Stone als Riggans Tochter, Naomi Watts als Starlet und Amy Ryan als Riggans Ex-Frau sowie Zach Galifianakis als Riggans Anwalt und Produzent des Stückes, erfüllen ihre Rollen mit Leben. Dabei übersieht man beinahe, dass sie allesamt Klischees wiedergeben oder dass Inárritu in seiner Showbiz-Satire zeitweise ein wenig den Bogen zu sehr überspannt. Zudem mag „Birdman“ wohl auch nur für ein Publikum von Interesse sein, welches am Theater oder am Film Interesse hat. Doch innerhalb dieser Grenzen, ist „Birdman“ ein überaus eindringlicher Film, der von Eitelkeit, Unsicherheit und dem Ego von Schauspielern wie auch von Kritikern erzählt. Und dies immer mit der Kamera Hautnah an den Darstellern klebend. In unserem Dialog blicken wir noch einmal auf den Gewinner der Best Picture-Trophäe.
Keanu Reeves ist zurück! Nach Jahren in denen er mit wenig Erfolg in Indie-Produktionen („Henry’s Crime“) oder missglückten Blockbustern („47 Ronin“) agierte, machte er mit „John Wick“ alles richtig. Ein unabhängig produzierter Action-Glücksfall, der dieses Genre in einer Art und Weise beglückt, wie ich es zuletzt nur mit „Face/Off“ erleben durfte. Die Vermengung von „Point Break“/“Get Carter“/“Le Cercle Rouge“-Philosophie, mit modernen Action-Stunts (das Kugel-Ballett ist weniger an John Woo gemahnt, sondern mehr an First-Person-Shooter) hebt „John Wick“ zu einem Genre-Klassiker empor. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass die Handlung den Klischees folgt und die emotionalen Abgründe, die Keanu Reeves durchschreitet, relativ seichtes Gewässer sind, auch wenn Reeves schon lange nicht mehr so gut agiert hat, wie hier. Am ehesten erweckt der stylische Neo-Noir von Chad Stahelski und einem nicht in den Credits angeführten David Leitch auch Erinnerungen an einen anderen fantastischen, und von der breiten Publikumsschicht leider zu Unrecht ignorierten Action-Streifen: „Dredd“ von Pete Travis. Es bleibt zu hoffen, dass Reeves mit „John Wick“ kein „Taken“-artiger Einzelfall geglückt ist, sondern noch weitere qualitativ hochwertige Filme dieser Art folgen.
In einem Dialog feiern wir Reeves‘ Comeback noch ein wenig mehr.

Timbuktu / http://img.over-blog-kiwi.com/0/95/30/84/20140911/ob_a40617_capture.JPG

Die erneute Sichtung von zwei Ed Wood-Filmen, führte mich schnurstracks zu seiner Biografie auf Wikipedia und dann zu anderen Werken, die mittlerweile wieder verfügbar sind. Darunter wohl der Tiefpunkt seines Schaffens: „Necromania“ (1971). Der mit Horrorelementen angereicherte Porno, ist ein sehr unattraktiv abgefilmter Schmuddelfilm, dessen Horrorelemente in der Ausstellung eines Sarges und dem übernatürlichen Heilerelement der Gastgeberin verborgen liegen. Ansonsten? Ein Film der ohne den Zusatz „Regie: Edward D. Wood, Jr.“ nie von Interesse gewesen wäre.
Unterhaltsamer gestaltete sich da schon sein letzter Versuch im Mainstream-Kino zu landen: „The Sinister Urge“ (1960). In dem Kleinstadtthriller um einen Prostitutions-Ring, sieht man den Anspruch, Filme für ein Autokino-Publikum zu kreieren und dabei wirkt seine Machart nicht viel ungewöhnlicher, denn die Filme von Roger Corman. Wären da nicht der inakzeptabel langsame Rhythmus und so manch unglaublich schwache Szene (beinahe jede Sequenz in und um das Polizeirevier), dann könnte man „The Sinister Urge“ als halbwegs sehenswerten B-Movie betrachten.
Ebenfalls wieder aufgetaucht, ist der TV-Pilot „Crossroad Avenger: The Adventures of the Tuscon Kid“ (1953). Woods Versuch in der TV-Branche zu landen, waren von qualitativ außergewöhnlich schwachen Versuchen gezeichnet. Wie schon „Final Curtain“, ist auch „Crossroad Avenger“ eine von überbordender Langeweile und einem hanebüchenen Plot gesegneter Halbstünder. Nur für Fans und Historiker geeignet.
Schon länger hatte ich mir vorgenommen, jene Filme nachzuholen, die unter der Regie von Clint Eastwood entstanden. Diesen Vorsatz versuche ich nun in die Tat umzusetzen und der erste Film war der völlig überzogene „The Gauntlet“ (1977). Eastwood spielt den abgehalfterten Cop Shockley, der eine Prostituierte (Sondra Locke) nach Phoenix bringen soll, damit sie dort bei einem Prozess aussagt. Was wie ein Routineauftrag beginnt, entwickelt sich zu einer Hetzjagd durch das Land, in dem Shockley gegen die Mafia und die Polizei ankämpfen muss. Die großen Actionsequenzen sind bis hin zur Absurdität stilisiert, während die Handlung genau genommen wenig bis gar keinen Sinn ergibt. Die Chemie zwischen Eastwood und Sondra Locke stimmt (kein Wunder, waren sie doch zu der Zeit ein Paar), doch das macht aus „The Gauntlet“ keinen guten Film.
Weniger Humor und mehr grimmige Action bot dann „Sudden Impact“ (1983). Clint Eastwood spielt zum vierten Mal Dirty Harry Callahan und man sieht ihm die Routine an. Dem Film selbst allerdings auch. Wäre da nicht die „Go ahead, make my day“-Zeile, man würde sich wohl kaum an diesen Film erinnern und ironischerweise, wird diese ikonische Dialogzeile auch mit dem ersten und Bahnbrechenden „Dirty Harry“ in Verbindung gebracht und nicht mit dem finanziell zwar lukrativen aber recht belanglosem Sequel.
Künstlerisch größere Mühen nahm Eastwood in dem Melodram „Breezy“ (1973) auf sich. Im ersten Film unter seiner Regie, ohne ihn selbst in einer Rolle, zeigen William Holden und Kay Lenz als ungewöhnliches Liebespaar große darstellerische Kunst. Holden verkörpert das konservative Amerika, während Kay Lenz als Hippie/Ausreißerin Breezy stellvertretend für die 68er. Es ist eine melodramatische und manchmal mit zu vielen Klischees belastete Aufarbeitung des Zusammenpralls dieser beiden Gesellschaftskonstrukte, wobei Eastwood einen romantischen und optimistischen Zugang wählt. Wenngleich mir zu viele kitschige Momente vorhanden waren, so ist „Breezy“ ein sehr sympathischer Film. Abseits des zu diesem Zeitpunkt gepflegten Images des harten, einsamen Kerls.
Ein ungewöhnlicher Eintrag in Eastwoods Werkliste, ist der Spionagethriller „Firefox“ (1982). Der teilweise in Wien und Zeltweg gedrehte Thriller, zeigt den Diebstahl der sowjetischen Geheimwaffe Firefox durch den Piloten Mitchell Gant (Eastwood), der immer wieder von Erinnerungen aus seiner Vietnam-Zeit heimgesucht wird. Die Effekte sind ganz hübsch anzuschauen, aber die Handlung ist routinierte Thrillerkost. Ein sehr langweiliger Beitrag von Eastwood zum Agententhriller-Genre.
Apropos Langeweile. Edward D. Wood, Jr. adaptierte seinen Roman „Orgy of the Dead“ (1965) um ihn unter der Regie von Stephen C. Apostolof verfilmen zu lassen. Criswell führt durch das Geschehen, welches jedoch kaum zu erfassen ist. Man sieht ein junges Paar, welches einen Autounfall überlebt und dann einer bizarren Striptease-Tanzshow beiwohnt, durch die Criswell als „Präsentator“(?) führt. Zudem tauchen auch noch die Mumie und der Wolf Man auf. Handlungsfreie und unzusammenhanglose Langeweile, bei der man sich fragt, wie es dazu einen Roman geben kann.
Im Zuge von Jahresbestenlisten tauchen hin und wieder Filme auf, die man auf keinem Radar hatte. Etwa der Kurzfilm „LUX“ (2014) von Alex Bel. Die monotone Einstellung von Kerzenlicht zu einem dahin brummenden Soundtrack, zieht sich über die fünf Minuten Laufzeit. Womöglich versteckt sich ein tieferer Sinn. Ich habe ihn nicht entdeckt. Viel ansehnlicher gestaltete sich Thorsten Fleischs Collage „Picture Particles“ (2014). Ein Beitrag zum modernen Found Footage-Film. Fleisch bleibt allerdings, wie schon beim noch besseren „Energie!“, zu sehr an der Oberfläche.
Faszinierend von seiner Machart, aber eine Spur zu lang, geriet Fleischs „Dromosphäre“ (2010). Unterlegt mit einem hypnotischem Soundtrack, meditiert Fleisch zum Thema Geschwindigkeit und verzerrt das Modell eines kleinen Cabrios zu einer Skulptur aus Licht.
Ein Kuriosum ist der Kurzfilm „The House That Drips Blood on Alex“ (2010), dessen einziger Anziehungspunkt, sein Hauptdarsteller Tommy Wiseau ist. Ohne den zweifelhaften Ruhm, welchen Wiseau durch „The Room“ erlangt hätte, wäre auch dieser Kurzfilm, in dem er aber „nur“ die Hauptrolle spielt, nicht die Rede wert. Die amüsante Idee eines Hauses, welches auf den Besitzer blutet, wird durch allerlei platten Humor aufgefüllt, während Wiseau sein Bestes gibt, um so schlecht wie möglich zu wirken.
In der Betrachtung des Gesamtwerkes von Regisseur Clint Eastwood, habe ich mir bislang die Filme heraus gepickt, von denen ich mir auch am Wenigsten erwartete. So auch von seinem Spionage-Bergthriller „The Eiger Sanction“ (1975), in dem Eastwood den Uni-Professor Jonathan Hemlock spielt, der zugleich ein Auftragskiller ist. Um den Mord an einem alten Freund zu rächen, muss er die Eiger Nordwand erklimmen. Warum genau, ist mir auch nach den 2 Stunden die der Film dauerte nicht ganz klar, auch wenn die Bergszenen von beeindruckender Qualität sind.. Zumindest gefällt sich „The Eiger Sanction“ in allerlei politisch unkorrekten Darstellungen und Witzen. Das ist allerdings unfreiwillig komisch.
Al Pacino ist nicht unbedingt für seine Arbeit in Komödien bekannt, dabei beherrscht er die leichteren Noten hervorragend. Dies zeigt er in Arthur Hillers „Author! Author!“ (1982) nach einem Drehbuch von Israel Horovitz, mit dem Pacino einst am Theater zusammenarbeitete. Die Geschichte um einen Autoren in der Krise, der sich sowohl um seine auseinanderfallende Ehe, als auch um sein neuestes Stück kümmern muss, bietet Pacino viele Gelegenheiten, sein Talent zu zeigen. Auch sind die Konflikte schön aufgearbeitet…wären da nicht die Kinder. Sobald der aus den verschiedenen Beziehungen zusammengewürfelte Nachwuchs im Bild auftaucht, wird es anstrengend und mitunter unerträglich. Weshalb auch immer, sind diese aber der Katalysator für die meisten Ereignisse in „Author! Author!“. Ein gut gespielter, stellenweise unterhaltsamer Film. Stellenweise.
Von „The One I Love“ (2014) kannte ich nur das Poster. Elisabeth Moss und Mark Duplass, als Comicversionen in einem Pool, mit dem Blick zweier Serienkiller. So war es denn auch keine übliche romantische Komödie, die ich von Charlie McDowell und Debütautor Justin Lader serviert bekam. Ohne zu viel zu verraten, gestaltet sich der Beziehungskampf zu einem äußerst bizarren Showdown von Wunsch und Wirklichkeit, der sein Potential leider nicht ganz ausschöpft, aber derart intelligent unterhält und von den beiden Darstellern so gut gespielt ist, dass man sich dennoch voll und ganz in das unwirkliche Szenario fallen lässt. PS: Der kurze Auftritt von Ted Danson war auch äußerst amüsant.
Seine Karriere begann Joe Carnahan mit „Narc“ äußerst vielversprechend. Danach folgte der bei Actionfans sehr positiv aufgenommene „Smokin‘ Aces“ und danach hätte er mit der James Ellroy-Adaption „White Jazz“ den Schritt zum kompletten Genre-Filmemacher machen sollen. Doch die Adaption zerschlug sich und seitdem wirkt Carnahans Karriere ein wenig zerissen. Neben finanziell erfolgreichen Filmen wie „The Grey“, gab es auch Flops wie „The A-Team“ und aber auch die Hit-Serie „The Blacklist“. Doch sein Low-Budget-Herzensprojekt „Stretch“ (2014) steht sinnbildlich für seinen momentanen Karrierestatus. Ein mit Stars besetzter absurder Actionreißer, der Genre-Fans sehr wohl befriedigt und auch einige großartige Darstellungen (David Hasselhoff und ein kaum zu erkennender Chris Pine) liefert, aber zugleich derart inkonsequent in der Handlungsführung wirkt, dass man mehr an den oberflächlich humorvollen Reizen (absurde Gags, Actionszenen) hängen bleibt und nicht mit den Charakteren identifiziert. Dass „Stretch“ nur per VOD zur Verfügung steht ist ein weiterer Treppenwitz. Der Film hätte im Kino schon sein Geld herein gebracht, doch so ist momentan der Status von Carnahan. Irgendwo zwischen verlässlichem Star-Regisseur und B-Movie-Regisseur.
Nach seiner fantastischen Bob Dylan-Doku „No Direction Home“, erhielt Martin Scorsese den Auftrag, eine Arbeit zum Leben von George Harrison zu erstellen. Die über 3 Stunden lange Dokumentation „George Harrison: Living in the Material World“ (2011) kann auf großartiges Archivmaterial zurückgreifen und bietet einen umfassenden Überblick über Leben und Werk eines der größten Musiker aller Zeiten. Durch die Augen von Harrison, erlebt man die Höhen und Tiefen der Beatles, nimmt Teil an der Erschaffung der Traveling Willburys und erfährt von der spirituellen Sinnsuche, die Harrison zu dem Menschen machte, der er schließlich war. Stilistisch bleibt Scorsese dabei etwas konventionell und rührt auch nicht an negativen Punkten (Drogensucht), was ein wenig ungewöhnlich glatt wirkt.
Bela Lugosi als nach zwölf Münzen des Konfuzius suchender Mr. Wong? Politisch unkorrekter Trash-Spaß scheint damit garantiert. Dabei steht allerdings der Journalist Jason Barton (Wallace Ford) im Zentrum, der eine Reihe an mysteriösen Morden in Chinatown untersuchen will. Lugosi spielt seine Rolle des größenwahnsinnigen Wong, der mit den zwölf Münzen die Herrschaft seiner chinesischen Heimatprovinz erobern will, mit dem Charisma, das ihn in dieser Zeit durch die schlimmsten Filme geradezu gleiten ließ. „Mysterious Mr. Wong“ (1934) ist ein zurecht weniger bekannter Eintrag in Lugosis Werkliste.
Noch unbekannter, aber eine Spur gelungener ist „The Black Sleep“ (1956). Lugosi spielt den stummen Diener des verrückten Sir Cadman (Basil Rathbone), der alle nötigen Experimente durchführt um eine Heilung für den Tumor seiner Frau zu finden. Dabei für Cadman Experimente an Menschen durch, was am Ende natürlich ein schlimmes Ende für Cadman finden soll. Kompetent in Szene gesetzt und vor allem von seinen Darstellern lebend, ist „The Black Sleep“ ein wenig aufregender Horrorfilm, der dem Sub-Genre des „verrückten Wissenschaftlers“ wenig Neues hinzuzufügen hat.
Sci-Fi-Filme der 1950er, haben eine ganz eigene Ästhetik und einen eigenen Blick auf Weltraummissionen. Der Rückblick auf eine tragisch verlaufene Mars-Mission, zeigt vor allem exotisch anmutende Visionen von einem Planeten, von dem man an diesem Punkt hauptsächlich weiß, dass er am Himmel rot erscheint. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Regisseur Ib Melchior in „The Angry Red Planet“ (1959) merkwürdige Pflanzen, Tiere und Monsterstädte in einer rot schimmernden Atmosphäre zeigt. Heute weiß man natürlich mehr über den Mars, doch auch für damalige Verhältnisse, wirkt Melchiors Mars ein wenig wie der Mond aus Melies‘ Zeiten.
In meinem Zugang zu Clint Eastwood, lasse ich mich von der Stimmung treiben. So kommt es, dass ich nicht chronologisch vorgehe und nun eben bei „Pale Rider“ (1985) landete. Es ist auch eine Geschichte, die schon x-mal durchgekaut wurde. Ein Goldgräbercamp, das von einem kriminellen Großgrundbesitzer terrorisiert wird, bekommt Hilfe durch den namenlosen Priester (Eastwood). In einem Interview meinte Eastwood, dass sein Charakter ein Geist sei und viele Elemente deuten auch auf eine mystisch überhöhte Geschichte hin, so etwa dass der Priester nach einem Gebet auftaucht. Diese zusätzliche Ebene verleiht „Pale Rider“ eine zusätzliche, interessante Definitionsebene. Denn ansonsten, ist das „nur“ ein gut gemachter Western.
Ebenfalls im Western-Genre bewegt sich „Bronco Billy“ (1980), auch wenn es sich mehr um einen melancholischen Abgesang der Wildwest-Shows handelt. Eher ein Zirkusfilm und weniger ein Western, wobei die Nebenhandlung um die Millionenerbin Antoinette Lily (Sondra Locke) und ihrer vorgeblichen Ermordung geradezu beschämend schlecht ausfällt. Wenn Eastwood sich auf den Niedergang dieser Show-Welt konzentriert, dann funktioniert „Bronco Billy“ auch. So jedoch, ist er zerissen zwischen albernem Humor und Sentimentalität.
Ebenfalls sentimental und melancholisch, ist „Honkytonk Man“ (1982). Der zu Zeiten der Großen Depression angesiedelte Musikfilm, zeigt Eastwood in seiner verletzlichsten Rolle. Vom großen Durchbruch träumend, zieht er mit seinem Neffen (Kyle Eastwood) durch die USA auf dem Weg nach Nashville. Man merkt jeder einzelnen Einstellung die Bedeutung an, die sie für den Regisseur und Star hat. Doch das befreit ihn nicht ganz von manch langatmiger Passage. Diese kleinen Schwächen, verwehren „Honktyonk Man“ auch den Status eines ganz großen Werkes. Innerhalb von Eastwoods Kanon, ist das allerdings ein beeindruckender Film, der deutlicher als viele andere seiner Arbeiten, eine zerbrechliche Seite seiner Schauspielpersönlichkeit aufzeigt und auch die bittersüßen und kraftvollen Arbeiten seiner späteren Phase vorweg nehmen soll.
James Spader hat in derart vielen furchtbaren Filmen mitgespielt, dass es oft schon mit Arbeit zu vergleichen ist, wenn man Werke wie den langweiligen und unlogischen Thriller „Shadow of Fear“ (2004) sichtet. Spader ist viel zu gut für dieses Material und auch Robin Tunney hätte sich bessere Drehbücher verdient, doch der langatmig inszenierte Thriller von Rich Cowan sorgt keine Sekunde lang für Spannung oder ein glaubwürdiges Szenario.
Nach Ansicht des beeindruckenden „Hotaru no haka“ wollte ich den hoch gelobten „Kaguyahime no monogotari“ (2013), der auch für einen Oscar als „Best Animated Film“ für den Oscar 2015 nominiert ist, sichten. Erst da wurde mir klar, dass beide Filme vom selben Regisseur stammen. Das ruhig und verträumt inszenierte Märchen um die in einem Bambusstamm gefundene Kaguya, fasziniert durch ihren Zeichenstil. Doch im Gegensatz zum Weltkriegs-Drama, konnte mich die Geschichte um Kaguya nicht wirklich fesseln.  Das ändert allerdings nichts an der beeindruckenden Animation.
Die Regie-Karriere von Clint Eastwood ist eine sehr unebene Sache, vor allem da er auch als Darsteller immer wieder auftrat, ob in seinen eigenen Filmen oder in Werken anderer Filmemacher. „Hearbreak Ridge“ (1986) ist ein wenig eine Kombination des „Dirty Harry“-Typus und der melancholischeren Seite, die er in „Bronco Billy“ und „Honktytonk Man“ zeigte. Eastwood setzt sich selbst mit Narben und ausgezehrtem Blick in Szene, seine Darstellung ist zugleich Fortführung des harten Kerls aber zugleich auch ein wenig bereits mit den revisionistischen Zügen, die er in „Unforgiven“ zeigen wird. Theoretisch also eine interessante Sache, doch die Geschichte um den Marine Sergeant Highway, der ein Platoon ausbilden soll, welches sich bislang eine schöne Zeit machte, ist eine hochgradig unmotivierte Sache. Mario Van Peebles ragt heraus, als Möchtegern-Rocker, der durch die harte Highway-Schule zum knallharten Soldaten wird, und ist zugleich der dezidierte Sidekick von Eastwood. Spätestens wenn das Platoon in Grenada in den Einsatz geht, stehen aber Militär-Actionszenen im Vordergrund, die zu diesem Zeitpunkt nur noch als Entschuldigung für all die langen wenig ausgefeilten Charakterentwicklungsszenen gesehen werden können.
Dann kam „Bird“ (1988) und mit der Biografie zum kurzen und wechselhaften Leben des visionären Jazz-Saxofonisten Charlie Parker (beeindruckend: Forest Whitaker) wurde Eastwood international zum anerkannten Filmemacher. Teilnahme am Hauptbewerb von Cannes, Golden Globe für die beste Regie und Nominierungen für Forest Whitaker und Diane Venora. Eastwood konnte mit seiner überraschend düsteren aber auch sehr stimmungsvollen Biografie einen Markstein in seiner Karriere setzen. Davon abgesehen, ist es eine zwar etwas zu sehr in die Länge (161 Minuten) gezogene, aber erfrischen unprätentiöse Aufarbeitung eines Künstlerlebens, mit viel herausragender Originalmusik von Charlie Parker. Zudem vermeidet „Bird“ billige Psychologisierungen und überlässt es dem Spiel seiner Darsteller und manch pointiertem Dialog, das Musikerleben zu definieren.
Danach kam schließlich ein Film, der als Tiefpunkt gesehen werden kann: „The Rookie“ (1990). In dieser unsagbar langweiligen Buddy-Cop-Komödie, versucht Eastwood den Erfolg von „Lethal Weapon“ zu kopieren. An seiner Seite agiert Charlie Sheen und er wirkte selten desinteressierter. Selbst wenn er dann schließlich aktiv wird, um seinen Partner (alten, grummeligen Haudegen Eastwood) aus den Fängen des Oberbösewichts (ein sträflich verschenkter Raul Julia) zu befreien, wirkt Sheens Spiel aufgesetzt und unmotiviert. Hinzu kommen schlechte Effekte (Flucht mit dem Auto aus einer explodierenden Fabrik) und der Humor nicht sonderlich interessant. Eastwood mag seiner Dirty Harry-Persona ein wenig Humor abverlangen, aber das würde noch nicht einmal für einen 90-Minüter reichen und schon gar nicht für einen Zweistünder.
Das Weihnachtsspecial der britischen Serie „Black Mirror“ trägt den Titel „White Christmas“ (2014) und hat mit Jon Hamm, Rafe Spall und Oona Chaplin einprägsame „Gast“stars in Haupt- und Nebenrollen zu bieten. Ganz im Stil der bislang zwei Staffeln führt auch „White Christmas“ eine von neuen technologischen Entwicklungen verzerrte Welt vor Augen. Doch wie auch die Serie, ist auch das Weihnachtsspecial – in dem Matt (Jon Hamm) und Joe (Rafe Spall) sich in einem merkwürdig abgeschieden gelegenem Haus Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählen, und wie sie zu Weihnachten an diesem verlassenen Ort landeten – nicht hauptsächlich mit der Technik, sondern mit den Auswirkungen auf das Leben der Menschen beschäftigt. Die längere Laufzeit im Vergleich zu den TV-Episoden, sorgt für eine tiefer gehende Aufarbeitung der aufgeworfenen Themen und bietet den Darstellern den nötigen Raum, um ihre Charaktere zu entwickeln. Ein ebenso spannender wie auch nachdenklich stimmender Fernsehfilm.
Nachdem ich durch „Timbuktu“ einen genaueren Einblick in die Filmwelt von Abderrahmane Sissako bekam, war ich gespannt, noch einen weiteren bekannten Film von ihm zu sichten. „Bamako“ (2006) war Teil der Viennale, und obwohl ich nicht dazu kam, mir diese Filmparabel über einen Prozess den die afrikanische Gesellschaft gegen die Weltbank führt, blieb sie in meinem Gedächtnis haften. Sissako verknüpft den in einem Hinterhof geführten und mit sehr vielen interessanten Monologen angehäuften Prozess, der wie ein Hin und Her zwischen Für und Wider der politischen und gesellschaftlichen Einstellungen des Westens und Afrikas wirkt, mit der Liebesgeschichte der Sängerin Melé (Aissa Maiga) und ihrem Eheman Chaka Tíecoura Traoré) und Alltagsszenen aus Mali. Nicht immer funktioniert dieser Quasi-Dokumentarische Essay, doch wenn, dann ist es kraftvoll und fesselnd.
So langsam gelange ich an das Ende meiner Clint Eastwood-Filmreihe. Warum sollte ich mich zum Ende an eine Chronologie halten? Stattdessen sichtete ich den Film, von dem ich annahm, er sei der schwächste verbliebene. Doch „Blood Work“ (2002) hat viele Momente, die für ihn sprechen. Eastwood als privater Ermittler auf der Suche nach dem Mörder der Frau, dessen Herz er als Transplantat erhielt, ist in Topform, doch die Thriller-Handlung ist von der ersten Sekunde an um seine viel zu gewollt inszenierte Überraschung beraubt. Deshalb fehlt dem Thriller auch die Spannung. Die kleinteilige Ermittlungsarbeit eines gesundheitlich angeschlagenen Terry McCaleb (Eastwood) mit seinem Bekannten Buddy (Jeff Daniels) an seiner Seite, ist gut und unterhaltsam umgesetzt. Ein wenig mehr Sorgfalt und es hätte ein kleines Thrillerjuwel werden können.
Leider die niedrigen Erwartung erfüllt hat hingegen „True Crime“ (1999). Eastwood als gealterter und vom Leben geschlagener Reporter Steve Everett, hat ein paar nette Momente, doch dass er sich als Womanizer, dem Frauen jeglichen Alters nicht widerstehen können, in Szene setzt, ist einfach nur unfreiwillig komisch. James Woods als Chefredakteur, wirkt so, als ob er sich keinerlei Gedanken zum Geschehen machen würde, und es ist von der ersten Sekunde an klar, dass das Leben des unschuldig zum Tode verurteilten Frank Beechum (Isaiah Washington) gerettet werden würde. Ein schwacher, allerdings technisch zumindest sauber gemachter Film, der an einem vorbei zieht, ohne große Spuren zu hinterlassen.
Mein letzter Film aus dem Oeuvre von Clint Eastwood (zumindest bis demnächst „American Sniper“ in den Kinos anläuft) ist die Kuriosität „Midnight in the Garden of Good and Evil“ (1997). Mir war nicht klar, dass es sich hierbei um eine Roman-Adaption handelt und noch viel weniger war mir bekannt, dass der Roman selbst in die „non-fiction“-Kategorie fällt. Insofern ging ich ohne jegliche Erwartung in diesen wunderschönen Südstaaten-Fiebertraum hinein, der einen herrlich verspielten Kevin Spacey als Kunsthändler Jim Williams bietet, der in seinem „Herrschaftssitz“ eine Party feiert. John Cusack ist der New Yorker Reporter Kelso, der über diese Party berichten soll und unvermittelt in einen Mord hinein stolpert, nachdem Williams den jungen Hitzkopf Billy Hanson (Jude Law) in Notwehr erschoss. Eastwood badet geradezu in den satten Farben Savannahs und zeigt die Stadt wie auch die Bevölkerung hart am Rande zur Karikatur, doch es funktioniert und lässt mit Begeisterung an der verworrenen Geschichte teilhaben. Vor allem die Rolle der Lady Chablis (dargestellt von Lady Chablis!) ist ein Highlight. Kritisch ist jedoch die Rolle von Kelso, dessen Untersuchungen Spannung erzeugen sollten, doch zu oft bleibt er uninteressant und würde die Geschichte auch ohne ihn gut genug voran kommen.
Ein Klassiker des Trash-Kinos: „The Toxic Avenger“ (1984) ist der Film aus der Troma-Produktionsstätte, von dem man eventuell auch gehört hat, auch wenn man sich nicht unbedingt für Trash-Filme interessiert. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Der Film macht sehr viel Spaß. Billigste Produktionsmittel, aufreizend schlecht gespielt und politisch nicht korrekter Humor (die Ermordung eines Fahrrad fahrenden Kindes ist nicht unbedingt für zart besaitete Menschen…alle anderen haben viel Spaß daran) sorgen für einen in sich stimmigen Film. Putzjunge Melvin fällt nach einem derben Streich der Fitness-Center-Kunden in eine Tonne mit Giftmüll und mutiert zu einem eklig anzusehenden Supermann, der von nun an für das Gute kämpft…und seine Peiniger ermordet. Kein großes Kino, noch nicht einmal ein wirklich guter Film, aber sehr spaßig.
Martin Brest ist der Regisseur von „Beverly Hills Cop“, „Midnight Run“ und „Scent of a Woman“. Dennoch ist sein Name kaum bekannt. Mit „Meet Joe Black“ kam der erste grobe Kratzer in seine Vita und mit „Gigli“ (2003) verabschiedete er sich (vorläufig?) von der Filmbühne. Das damals vor allem wegen der Romanze zwischen Ben Affleck und Jennifer Lopez in den Boulevard-Medien heiß diskutierte Werk, bekam vorab schlechte Kritiken und hinzu gesellten sich ein furchtbares Box Office-Ergebnis und ein Ruf als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Natürlich auch noch eine Reihe an „Goldenen Himbeeren“ und das vorläufige Ende der A-List-Karriere von (zumindest) Ben Affleck. Tatsächlich ist „Gigli“ ein missglückter und völlig bizarrer Streifen, der versucht eine Krimi-Komödie und eine tiefgründige Romanze zu sein. Affleck spielt den Ganoven Larry Gigli, der den geistig behinderten Brian (furchtbar: Justin Bartha) entführt und schließlich ungewollte Unterstützung von Ricki (grauenvoll: Jennifer Lopez) erhält. Dass Ricki lesbisch ist, wird noch zu einem wichtigen Punkt in der Handlung, ebenso wie die geistige Behinderung von Brian. Doch all das versinkt in grausamen Schauspiel (Afflecks Spiegelszene ist ein perfektes Beispiel für einen Darsteller, der katastrophal am ohnehin schon schwachen Material scheitert), einer eigenartig zerfahrenen Handlung und einer geradezu anonym und unmotiviert abgearbeiteten Inszenierung. Die Gastauftritte von Christopher Walken und Al Pacino sind nicht sonderlich gut, aber auch nicht sonderlich schlecht, aber inmitten dieses Karriere vernichtenden Debakels wirken sie wie strahlende Leuchttürme. „Gigli“ hat seinen schlechten Ruf nicht ohne Grund.
Eine Mockumentary zur Marsinvasion als Analogie auf den 1. Weltkrieg? Das ist nicht nur absurd, sondern auch sehr komisch. „The Great Martian War 1913 – 1917“ (2013) liefert Archivmaterial aus dem 1. Weltkrieg, verbindet es mit gefälschten Interviews und macht sich einen Heidenspaß daraus, die politischen Vorgänge (etwa die zögerliche Haltung der USA) mit der grundlegenden Handlung aus H.G. Wells „War of the Worlds“ zu verknüpfen. Mancher Clip wird etwas zu oft eingesetzt, doch die seriöse Narration von Mark Strong lässt einen darüber hinwegsehen. Ein feiner Beitrag zum Genre.
Ebenfalls als Mockumentary aufgezogen, ist der Kurzfilm „Project Kronos“ (2013) von Hasraf Dulull. Die Mission eine Sonde in den interstellaren Raum zu schicken, wird aus Sicht verschiedener beteiligter Wissenschaftler gezeigt. Neben wissenschaftlichen bringt Dulull auch ethische Aspekte auf, doch in der kurzen Laufzeit gelingt es ihm eher eine Ahnung einer größeren Idee zu vermitteln. Ein Projekt, welches in Spielfilmform seinen Reiz hätte.
So langsam finde ich auch die Raritäteten in der Filmografie Al Pacinos. „Two Bits“ (1995) von James Foley ist eine melancholische und sympathische Kindergeschichte aus den Zeiten der Depression. Pacino spielt den Großvater von Gennaro (ein danach leider niemals wieder in einem Film zu sehender Jerry Barone) und hilft ihm mit weisen Ratschlägen und einem Sinn für Moral und Anstand. Die Erlebnisse von Gennaro sind recht unspektakulär und sein Wunsch, ein Ticket für das neue Kino zu erstehen, sind der Motor für einen etwas zu dröge inszenierten Film. So sympathisch die Charaktere sind, so wirken alle ihre Erlebnisse nicht sonderlich einprägsam. Gut gespielt, nett inszeniert aber ohne die Kraft einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
The Asylum kann man mittlerweile als so eine Art Nachfolger der „American International Pictures“ betrachten. Der Unterschied? Unter der Führung von Roger Corman entstand unglaublich viel Schrott, aber eben auch so manches kleines Meisterwerk und es versuchten sich spätere wie Martin Scorsese, Peter Fonda, Jack Nicholson und Peter Bogdanovich an recht unausgegorenen Werken. Auch Corman verpflichtete Altstars und schmückte sich mit ihnen ein wenig. Bei The Asylum gehört der verheizte Ex-Star zum guten Ton und „Mercenaries“ (2014) ist in diesem Sinn die ambitionierteste Produkton bislang. Christopher Ray versammelt einst bekannte Schauspielerinnen und Starlets um einen lachhaften Plot (Präsidenten-Tochter wird entführt, die Söldnerinnen müssen sie befreien) und zeigt einen charmanten aber inkonsequenten weiblichen Klon zu den „Expendables“. Kristanna Loken, Zoe Bell und Vivica A. Fox machen gute Miene zum schlechten Drehbuch (während Brigitte Nielsen als Bösewicht alle möglichen Klischees durchgeht, die das B-Movie-Kino parat hält) aber retten können sie die ganz offensichtlich recht billige Produktion doch nicht.

Honkytonk Man / http://ia.media-imdb.com/images/M/MV5BMjMwNjMxMDE3NV5BMl5BanBnXkFtZTcwOTYxODMyNw@@._V1_SX640_SY720_.jpg

The 1001 Project
Nach einer Reihe eher enttäuschender Regie-Arbeiten, stieß ich nun endlich auf den ersten Western, den Clint Eastwood drehte. „High Plains Drifter“ (1973) gilt als einer der besten Filme von und mit Eastwood, und das mag vor allem daran liegen, dass er seine Mentoren wie Sergio Leone und Don Siegel perfekt kanalisierte (um nicht zu sagen: kopierte). Als Fremder ohne Namen, wandelt er auch in den Fußstapfen seines bekannten filmischen Alter Egos und man merkt ihm die Selbstsicherheit an. Als ein von Banditen terrorisiertes Wüstenkaff sich an den Fremden wendet, damit der ihnen hilft, nutzt der Fremde seine Machtposition aus und terrorisiert auf seine Art den Ort, und hilft ihm gleichzeitig. Eine düstere Parabel auf Zivilcourage, Außenseitertum und gesellschaftliche Werte. Ein eindringliches Werk.
Kevin Smith ist nicht so ganz der Regisseur, auf dessen Werke ich mit Spannung warte. Sein immer wieder recht derb wirkender Humor, hat mich noch nie so ganz angesprochen. Wohl deshalb habe ich es bislang nie geschafft, seinen Kultfilm „Clerks.“ (1994) zu sichten. Die Entstehungsgeschichte ist dabei beinahe bekannter, denn der Inhalt des Films selbst. Im Laden, in dem Smith Tagsüber arbeitete, gedreht, zeigt er einen Tag im Leben der beiden Angestellten Dante (Brian O’Halloran) und Randal (Jeff Anderson) und ihrer Erlebnisse mit der Kundschaft und wie diese das Privatleben geradezu infiziert. Man merkt Smith an, dass er sich viel von Linklaters „Slackers“ abgesehen hat, doch im Gegensatz zu Linklaters Film, ist Smith mit seinem Humorverständnis nicht so ganz auf meiner Linie. Das macht allerdings nichts, denn „Clerks.“ ist ein rundum authentisch wirkender und sehr unterhaltsamer Film, der ganz zurecht seinen Kultstatus genießt.
Heute ist Guy Ritchie mit großen Blockbustern beschäftigt und sein einstiger Produzent Matthew Vaughn ebenso, wobei Vaughn die interessanteren Blockbuster dreht. 1998 waren sie aber an der Spitze der britischen Gangsterkomödien-Welle, die mit „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ durchstarten soll. Nicht nur war es der Startschuss für die Karriere von Jason Statham, sondern zeigte, dass mit einem Sinn für Lokalkolorit und viel Witz, der typische Tarantino-Gangsterfilm ohne „Übersetzungsprobleme“, auch in anderen Kulturkreisen erschaffen werden kann.
Allerlei Großartiges wurde mir zu „Hotaru no haka“ (1988) erzählt. Isao Takahata die niederschmetternde und bedrückende Geschichte zweier Geschwister, die in den Wirren des Zweiten Weltkrieges ihre Mutter verlieren. Von ihrer Tante gedemütigt, flüchten die Geschwister in die Obdachlosigkeit und sterben langsam. Ähnlich der berühmten Graphic Novel „Barfuß durch Hiroshima“, ist „Hatoru no haka“ eine Chronik des Leidens. Durch die Augen der Kinder, werden der Hunger und die Armut sowie der durch den Krieg erfahrene Verlust, geradezu unerträglich. Ein Film der auch von Nicht-Anime-Bewunderern gesehen werden sollte.
Die frühen australischen Filme von Peter Weir zeichnen sich durch mysteriöse Symbolik und subtilen Horror aus. In „The Last Wave“ (1977) spielt Richard Chamberlain einen Anwalt, der drei Aborigine verteidigt, die einen der ihren ermordet haben sollen. Die Untersuchungen lassen ihn immer weiter in die Welt der australischen Ureinwohner eintauchen und Weir verbindet dies mit Visionen einer herauf dräuenden Katastrophe. In vielen Punkten scheint „The Last Wave“ den US-Amerikaner Jeff Nichols und dessen „Take Shelter“ inspiriert zu haben, doch Weir schlägt am Ende einen noch direkteren Weg ein und entlässt schließlich Chamberlain und auch das Publikum in eine verwirrende Einsamkeit und auch Ratlosigkeit. Nicht ganz so intensiv wie „Picnic at Hanging Rock“, aber ein beeindruckender Beweis für Weirs Könnerschaft.
„Mad Max“ (1979) kommt diesen Sommer in einer neuen Reinkarnation ins Kino und erneut führt George Miller das Regiezepter. Beim ersten Teil der kultisch verehrten Endzeit-Saga, in einem dystopischen, von brutalen motorisierten Gangs terrorisierten Outback, überrascht Miller vor allem mit einem recht milden Mad Max (Mel Gibson). Die zu Beginn beeindruckende Autoverfolgungsjagd wird durch einen ebenso beeindruckenden Showdown zwar nicht übertroffen, sorgt aber wohl dafür, dass sich ein Kult um den Film bilden konnte. Denn der Polizist Max ist den Rest des überraschend ruhigen Films über mit Schadensbegrenzung bemüht, und sinnt erst in den letzten 20 Minuten auf Rache. Nicht ganz was ich erwartete und aufgrund des begrenzten Budgets mit einigen Abstrichen im Produktionsdepartment versehen, aber es ist deutlich zu erkennen, weshalb „Mad Max“ sich so in die Filmhistorie einbrannte.

Hotaru no haka / http://asdecopas.cl/wp-content/uploads/2014/01/hotaru_1.jpg

Re-Visited
Es ist langsam eine Neujahrstradition, am Silvesterabend bzw. in den ersten Stunden des neuen Jahres, einen alten Ed Wood-Film wieder zu sehen. Diesmal gab es sogar ein Doppelpack zu bestaunen. Zunächst den, für Wood-Verhältnisse, überraschend zahmen und konventionellen Horrrorfilm „Bride of the Monster“ (1955), in dem Wood zwar lachhafte Effekte gepaart mit eigenwilligen Dialogen und Darstellungen verknüpft, und dann den unglaublich langweiligen „Night of the Ghouls“ (1959). Letzterer benutzt Material aus dem lange verschollen geglaubten TV-Pilotfilm „Final Curtain“, was aber schon der interessanteste Aspekt an dem zusammenhanglosen Seance-Thriller um einen Schwindler mit Namen Dr. Acula (Kenne Duncan) ist.
Anfang des Monats wurde bekannt gegeben, dass Scarlett Johansson die Hauptrolle in einer Realversion von „Ghost in the Shell“ übernehmen wird. Zeit um sich wieder einmal den Anime-Klassiker von Mamoru Oshii anzusehen. Dabei überraschte mich, wie schnell „Kokaku Kidotai“ (1995) vorbei ging. Es wirkte wie ein Wimpernschlag und die hoch interessante und unterhaltsame Sci-Fi-Vision war vorüber. Dabei stolpert Oshii auch nicht in Unsinnigkeiten wie etwa der finale Akt von „Akira“ oder verschwendet seine tolle Grundlage wie der leider nur auf dem Papier faszinierende „Jin-Roh“. Zurecht ein Klassiker und Markstein des Genres.
Das Seh-Erlebnis von „John Wick“ steigerte meinen Reiz, wieder intelligente Action-Blockbuster zu sichten. Meine Wahl fiel dabei auf zwei Sci-Fi-Werke, die beide nicht den erhofften Erfolg an den Kinokassen hatten. Sieht man sich jedoch rein die Qualität der Filme an, so zählen sie zu den interessantesten und effektivsten Vertretern ihres Genres, in den letzten Jahren. „Dredd“ (2012) von Pete Travis, nach einem Drehbuch von Alex Garland, ist die finstere und grimmige (auch auch mit bösem Humor versehene) Neu-Adaption der Comic-Figur. Nachdem eine Filmversion mit Sylvester Stallone zu einem geradezu kultigem Debakel wurde, ist Karl Urban in der Hauptrolle nicht nur kaum zu erkennen (da er seinen Helm nie abnimmt), sondern auch noch viel passender in der Titelrolle. Die in einem einzigen Haus spielende Handlung, wird mit feinen Effekten umgesetzt. Doch ist der im Kino so einprägsame 3D-Effekt im Heimkino völlig verschenkt, und so verliert der Bildgewaltige Action-Rausch (der viele Kritiker vor allem an den von mir immer noch nicht gesehenen „The Raid“) ein wenig von seiner Intensität.
Noch etwas frischer im Gedächtnis ist „Edge of Tomorrow“ (2014) von Doug Liman, der für den DVD-Markt die Tag-Line „Live. Die. Repeat“ als Quasi-Titel verwendet. Viel besser denn der offizielle Kino-Titel, aber ich trauere immer noch „All You Need is Kill“ (dem Titel des Romans) hinterher. Die Titeldiskussion mal abgesehen, ist „Edge of Tomorrow“ ein faszinierend amüsanter Sci-Fi-Reißer, dessen größtes Problem das Finale darstellt, welches mir einen zu großen Kompromiss mit Hollywood-Dramaturgie-Gewohnheiten darstellt. Die Effekte, die Darsteller (Tom Cruise und Emily Blunt verkörpern ihre Rollen mit Überzeugung, vor allem Cruise wandelt sich sehr eindrucksvoll vom PR-Weichei zum Kampferprobten Veteranen) und vor allem der Spaß, der mir bei vielen anderen Blockbustern fehlt, sind hier en masse vorhanden.

Serien-Überblick
Die 4. Staffel (2014) der mittlerweile sehr erfolgreichen Serie „Der Tatortreiniger“, liefert mehr von den nunmehr bekannten Begegnungen von Heiko Schotte und seiner Kundschaft. Dabei schwankt die neueste Staffel mal zwischen amüsanten und unterhaltsamen Episoden („Damit muss man rechnen“ oder „Die Wattolümpiade“) und geradezu nervtötenden Versuchen, das Muster zu durchbrechen („Der Fluch“). Vor allem die als letztes gesichtete Episode „Der Fluch“ scheint zunächst, mit den Dialogen in Reimform und dem übernatürlichen Element, viel Humor zu versprechen, doch wenn Fantasie und Realität vermischt werden, Verwandte aus Gemälde hüpfen und Gorillas als Spielkameraden auftauchen, nervt der Versuch lustig zu sein. Trotz dieses etwas enttäuschendem (aber interessanten) Abschluss, bin ich schon gespannt auf die nächste Staffel.
Die Kultserie „Kottan ermittelt“ in Staffeln einzuteilen, erscheint ein wenig unpassend. Viel mehr, handelt es sich um eine Filmreihe, die über die Jahre 1976 bis 1983 entstand. Doch da die DVD-Box auch in entsprechende Kapitel unterteilt ist, halte auch ich mich daran. Staffel 1 (1976/77) zeigt einen härteren, kantigeren und vor allem viel unsympathischeren Major Adolf Kottan im Dienst. In der Gestalt von Peter Vogel, gestalten sich die Mordermittlungen vor allem als Zurschaustellung von rassistischen Vorurteilen, die nur per Zufall nicht dazu führen, dass die falschen Personen verhaftet werden. Untermalt von Georg Danzers Balladen, ist die erste Staffel ein melancholischer Blick auf den österreichischen Krimi. In der zweiten Staffel (1978/79) präsentiert Franz Buchrieser in der Titelrolle, und Buchrieser mildert den Charakter schon spürbar ab. Walter Davy und Curt A. Tichy als Schremser und Schrammel bleiben im Grunde dieselben Charaktere, doch die satirische Komponente von Kottan wird deutlich gestärkt. Langsam bewegen sich die Filme in Staffel 2 weg vom reinen Krimi, hin zur Satire. Das zeigen auch die neu eingeführten Charaktere wie Vorgesetzter Pilch (hier noch Harald von Koeppelle) und dem Obdachlosen Drballa (Carlo Böhm), der auf die Leichen stößt.
In Staffel 3 (1980/81) vollzieht sich dann der nächste Darstellerwechsel. Lukas Resetarits übernimmt die Rolle des Major Kottan und mit ihm ist auch endgültig der Wechsel vom Krimi über die Krimi-Komödie hin zur Groteske vollzogen. Zwar sind die beiden 90-minütigen Filme auch noch mit entsprechendem Lokalkolorit versetzt, doch alleine die Präsenz von Resetarits und dann auch Kurt Weinzierl als Polizeipräsident Pilch, lässt keinen Zweifel an der klamaukigen Grundhaltung der Filme aufkommen.
Die 4. Staffel (1982) kürzte die Laufzeit seiner Episoden von 90 auf 60 Minuten, wodurch auch mehr Film emöglich waren, und man dem immer mehr in den Klamauk umschlagenden Ton gerecht werden konnte. Teilweise werden Erinnerungen an die „Nackte Kanone“-Filme wach, doch alles in einem zutiefst österreichischem Setting. Die Episoden sind dann auch, was den Krimi-Plot angeht, immer weniger auf einen ausgefeilten Fall ausgelegt, und mehr auf der Spielfreude seiner Darsteller. Vor allem Walter Davy als Dezernatsleiter Schremser scheint immer mehr Spaß an seiner, zu Beginn doch recht kleinen, Rolle zu haben. Bemerkenswert sind auch die erstmaligen Auftritte von Kottans Kapelle und Gusti Wolf als Kottans Krimi-fixierter Mutter.
Die britische Serie „Peaky Blinders“ unterscheidet sich nicht grundlegend von anderen Gangsterserien. Vor allem „Boardwalk Empire“ erscheint vor dem geistigen Auge, während man die Episoden der 1. Staffel (2013) der von Steven Knight kreierten Serie sieht. Die historisch belegte Birminghamer Gangsterbande Peaky Blinders, wird in Gestalt des ehrgeizigen Thomas Shelby (Cillian Murphy) auf ihrem Weg zu größerer Macht im England nach dem 1. Weltkrieg beobachtet. Die Konkurrenz, vor allem in Form von Inspector Chester Campbell (Sam Neill), ist dabei äußerst hartnäckig und wer kriminell und wer das Gesetz ist, lässt sich nur an der Kleidung erkennen. Unterlegt mit Musik von Nick Cave (und wahlweise Jack White) verfügt der nicht sonderlich originelle Plot von „Peaky Blinders“ über eine fantastische Atmosphäre und tolle Darsteller, die einen mitfiebern lassen.
Mit der 8. Staffel (2012) ging „Futurama“ (vorerst) endgültig zu Ende. Den Machern war dies offenbar klar, denn die gesamte Staffel steht im Zeichen des Abschieds. Beinahe jeder Charakter bekommt einen abgerundeten Handlungsbogen und die losen Enden werden zu Ende geführt. Großartig waren dafür Episoden, die für sich selbst standen, wie etwa „Decision 3012“ oder „The Thief of Baghead“. Ein feines Farewell für eine von Produktionsproblemen geradezu geplagte Serie.
In der 5. Staffel (1983) von „Kottan ermittelt“ beginnt dann langsam der Abstieg der Serie hin zum klamaukigen Durcheinander, welches nur den allergrößten Kottan-Fans gefällt. Bis dahin zeigen aber vor allem die ersten Episoden – „Hausbesuche“ und „Fühlt wie Du“ – eine geradezu perfekte MIschung aus absurdem Witz und die Genre-Konventionen durchbrechende Finesse, in der die Darsteller allesamt zu Höchstform auflaufen. Doch dann beginnt sich langsam immer mehr der Klamauk durchzusetzen. Insbesondere Kurt Weinzierl als Polizeipräsident Pilch ist in seinem Kampf gegen den Kaffeeautomaten immer mehr eine Bürde, doch Zenker und Patzak führten die Charaktere in eine geradezu logische Richtung…in den Wahnsinn. Dass dabei jeglicher Realismus mittlerweile abhanden kam, ist wohl auch logisch.
Eine Sitcom wie „How I Met Your Mother“ zu analysieren, ist wohl nur dann sinnvoll, wenn man eine Staffel auch kompakt und zügig hindurch betrachtet. Mein nicht sonderlich strikter „Sichtungsplan“ der 5. Staffel (2009) sorgt für ein eher unbestimmtes Gefühl und manifestiert sich in den letzten Episoden und da bleibt zu sagen: Die Serie wurde im Verlauf der 5. Staffel immer kitschiger. Es macht Spaß dem Ensemble zuzusehen, doch die Handlungen bekamen hier immer mehr eine nicht sonderlich subtil-romantische Drehung. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies in den folgenden Staffeln gebessert hat.
Länger schon, hatte ich die Animationsserie „Archer“ in meiner Netflix-Liste herum liegen. Nachdem ich die 1. Staffel (2009) der von Adam Reed ersonnenen Agenten-Parodie gesichtet habe, frage ich mich, was mich so lange aufgehalten hat. Der chauvinistische, sexistische und vor Selbstvertrauen überbordende Sterling Archer (herrlich: H. Jon Benjamin) ist beim Geheimdienst ISIS (bin schon gespannt wie sie die Namenproblematik in den Staffeln lösen, welche sich mit den Entwicklungen im Nahen Osten überschneiden) einer von zwei Top-Agenten unter dem Kommando seiner herrischen Mutter. ISIS mag zudem genügend Aufträge erfolgreich abschließen, doch das Chaos innerhalb des Büros und die Konkurrenz zum Geheimdienst ODIN überlagern alle erfolgreichen Entwicklungen. Das macht auch den Spaß der Serie aus. Zudem versteht es Adam Reed aktuelle geo-politische Zusammenhänge in eine Kalte-Kriegs-Logik einzubauen und die Technik der 1960er mit jener der Gegenwart in einen logischen Raum einzubauen. Absurd, sehr komisch, wenngleich nicht sonderlich tiefgründig.
So geht „Kottan ermittelt“ schließlich mit der 6. Staffel (1983) – die genau genommen keine eigene Staffel ist, aber irgendwie dann doch – zu Ende. Major Kottan wird suspendiert und aus dem Haus geworfen, während ein outrierender Kurt Weinzierl seinen Heribert Pilch in immer groteskere Ausmaße zu einem Abbild des Wahnsinns werden lässt. Die letzten drei Fälle, sind dann auch keine gut durchdachten Kriminalfälle mehr, sondern Ansammlungen von Revue-Nummern, die teilweise (für sich genommen) funktionieren und dann doch oft genug ohne den gewünschten Effekt verpuffen. Beinahe wie der missglückte Kinofilm, der Jahrzehnte später entstand. Dass Helmut Zenker danach mit „Tohuwabohu“ den Kalauer zur Methode erhob (und dies mit überraschend lustigen Ergebnissen) erscheint nach dem Ende von „Kottan ermittelt“ nur logisch. Dennoch ist es schade, dass zum Ende hin, die Serie nur mehr ein Abziehbild einstiger Größe war.
Apropos Abziehbild und einstige Größe. Die 26. Staffel (2014) von „The Simpsons“ hat mich schließlich und endgültig von meinem Drang, jede einzelne Episode noch weiter zu verfolgen, befreit. Schon seit einigen Jahren lief die Serie wieder auf Grund auf. Während um den Kinofilm herum neue Höhepunkte kreiert wurden, schien wieder einmal mehr Aufmerksamkeit auf durch prominente Vertreter der Filmindustrie produzierte Couch-Gags und weniger auf gut durchdachte Episoden Wert gelegt. Doch der Sargnagel war Episode 10 der 26. Staffel („The Man Who Came to Be Dinner“) ist eine wilde Ansammlung an Disney-Parodien, Sci-Fi- und Horror-Gags und einer kaum durchdachten Handlung. Die Simpsons werden von Kang und Kodos entführt, zu Zoo-Attraktionen degradiert und Homer wird schließlich zu einem Matrix-artigen Erlöser und es wird nur noch schlimmer. Die ganz offensichtlich nicht mehr am Endprodukt interessierte Riege rund um Showrunner Sam Simon (Matt Groening und James L. Brooks fungieren im Grunde nur mehr als Produzenten) hat kaum noch den Willen etwas zu erschaffen, das von Belang. Selbst der „Futurama“-Crossover erinnerte im Grunde nur daran, was einst möglich war. So bleibt mir nur Abschied zu nehmen. Sofern nicht ein Wunder passiert, war es das für mich und die Simpsons. Sofern jemals eine letzte Episode produziert wird, so werde ich diese aus nostalgischer Verbundenheit sichten, doch ganz persönlich gesprochen: Es ist vorbei.

Kottan ermittelt / http://fm4.orf.at/v2static/storyimages/site/fm4/20101248/kottan3_body.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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