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Wie üblich, sind die letzten Oscar-Kandidaten hierzulande auch erst im März (manchmal auch noch später) zu sehen. Umso erstaunlicher dass es dann so fantastische Filme wie „Whiplash“ und „Selma“ waren, die mit relativ wenig Medien-Tamtam ins Kino kamen. Hinzu kam ein Schwung an Serien, die sich angestaut hatten, aber auch die Wieder-Entdeckung der alten Asterix-Zeichentrickfilme.

Neuzugänge
Damien Chazelles Debüt „Whiplash“ (2014) – eine Geschichte die er bereits zuvor als Kurzfilm ausarbeitete – war eine der Filmsensationen des Vorjahres und holte schließlich drei Oscars. Darunter jenen für J.K. Simmons als Bester Nebendarsteller. Ein wohl verdienter Preis, denn Simmons ist von der ersten Minute an, die er auf der Leinwand zu sehen ist, geradezu magnetisch. Als Terence Fletcher, Leiter der Studio Band des rennomierten Shaffer Konservatorium (eine fiktive Einrichtung, wie ich erst später erfuhr), läuft Simmons (ein Gesicht das man aus etlichen Film- und Fernsehrollen kennt, aber nie großen Starruhm erntete) zu Hochform auf. Der von ihm geschundene junge Drummer Andrew (ein nicht minder hervorragender Miles Teller) begibt sich in ein regelrechtes Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Lehrer und träumt von der großen Karriere. Chazelle zeigt dieses ungleiche Duell allerdings nicht als inspirierendes Drama um einen Underdog, der über alle Widerstände obsiegt. Die Charaktere sind hier viel komplexer und Chazelle baut den Rhythmus der Musik derart verführerisch ein, dass man oft geradezu vergisst, dass die Musik den Takt der Handlung vorgibt.
Der dänische Mystery-Thriller „Nar dyrene drommer“ (2014) hätte das Potential zu einem weiteren „Let the Right One In“ gehabt, doch Regisseur Jonas Alexander Arnby konzentriert sich viel zu sehr auf die Kreierung einer Stimmung. Dies gelingt ihm auch sehr gut. Das Fischerdorf in dem die junge Marie (Sonia Suhl) aufwächst, wirkt wie aus einem John Carpenter-Film, ein von Menschen vergessener Ort. Doch die Verwandlung von Marie in einen Werwolf und wie dies mit ihrer im Rollstuhl dahin dämmender Mutter (Sonja Richter) zusammen hängt, wird viel zu lange hinaus gezögert. Das Finale strotzt dann vor Budget-bedingter Blutarmut. Viel Potential, eine gute Hauptdarstellerin, aber rundherum wenig von Interesse.
In „Das ewige Leben“, dem vierten Film aus der Brenner-Reihe, kehrt Simon Brenner (mit dem Charakter völlig verschmolzen: Josef Hader) in seine Heimatstadt Graz zurück, da er das verfallene Haus seines Großvaters erbt. Ohne Anstellung, Arbeitgeber oder Aussicht auf ein geregeltes Einkommen, landet er in einem verwahrlosten Haus und in verwahrlostem Zustand. Dass er seine einstigen Freunde Köck (sehr passend besetzt: Roland Düringer) und den Polizei-Brigadier Aschenbrenner (Tobias Moretti) dabei wieder trifft, führt schließlich zu einem verunglückten Selbstmord (oder war es ein Mordversuch), der Brenner in eigener Sache ermitteln lässt. Regisseur Murnberger stattet diesen Film mit einer ungewohnten melancholischen Aura aus, die für einen etwas konfusen Thriller-Plot entschuldigt, der hin und wieder droht, das Publikum am langen Arm verhungern zu lassen. Auch wenn „Das ewige Leben“ nicht ganz an die Klasse von „Der Knochenmann“ oder die Gag-Dichte von „Komm, süßer Tod“ herankommt, ist es erneut ein enorm unterhaltsamer und äußerst gelungener Film.
Julianne Moore galt über Jahre als die talentierteste Schauspielerin in Hollywood, die noch immer keinen Oscar ihr Eigen nennen konnte. Dann kam „Still Alice“ (2014). Der ernsthaft und kompetent gemachte Alzheimer-Film, zeigt Moore in Topform und in einer würdigen Darbietung als Linguistik-Professorin Alice Howland, die an früh einsetzenden familiären Alzheimer leidet. Die Diagnose ist für den Zuseher kein Schock, wird doch bereits zuvor mit kleinen Aussetzern darauf hingearbeitet, dass die Alzheimer-Diagnose glaubwürdig wirkt. Moore rutscht immer tiefer in in die Krankheit und verliert sich dabei selbst. Es ist ein anstrengender und nicht schöner Anblick, vor allem wenn ihre Familie (edel besetzt mit u.a. Alec Baldwin oder Kristen Stewart in gut gespielten Nebenrollen) langsam den Glauben an sie verliert und die Pflege zu einer immer größeren Bürde wird. Dass ich nach der Filmansicht auf etliche Leserbriefe und Kommentare stieß, die den Film für eine allzu negative Sichtweise auf die Krankheit kritisierten, ist natürlich verständlich, aber „Still Alice“ will gar kein Lebensbejahendes Plädyoer sein, sondern ein Schlag in die Magengrube. Dass dabei manche Wendung zu konstruiert wirkt kann verschmerzt werden, im Angesicht einer famosen Julianne Moore.
Die Verfilmung des Kampfes um die Bürgerrechte unter dem Titel „Selma“ (2014), wurde in Zeiten der Oscar-Verleihung zu einem Politikum. Wie exakt die Ereignisse dargestellt wurden und ob der Film rund um die Ereignisse in der Stadt Ferguson ein allzu kalkuliertes Werk sei. Nach Ansicht dieses etwas zu konventionell gestalteten aber unglaublich mitreißenden Films von Ava DuVernay, erscheint es geradezu skandalös, wie bei den großen Preisverleihungen zu Beginn dieses Jahres „Selma“ sträflich übergangen wurde. David Oyelowo ist perfekt in seiner Darstellung von Martin Luther King, auch wenn ihm nicht zu viele Dellen in die Heldenrüstung geschlagen werden. Oyelowo gelingt es dennoch, King als Menschen darzustellen, voller Zweifel und auch politisch-taktischer Überlegungen. Ihn umrahmt ein fantastisches Ensemble von viel zu selten auf der großen Leinwand in wichtigen Rollen gesehenen DarstellerInnen wie Wendell Pierce, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint oder André Holland. Hinzu kommen Edelmimen wie Tom Wilkinson, Giovanni Ribisi oder Tim Roth in wichtigen Rollen, während Dylan Baker als J. Edgar Hoover ein wenig zu sehr einer Karikatur glich. DuVernay kann man höchstens zum Vorwurf machen, dass sie inszenatorisch nicht mehr Mut bewiesen, sondern auf die Emotionen gesetzt hat. Doch in dieser Hinsicht, funktioniert „Selma“ geradezu herausragend gut.

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Olivier Assayas hat sich spätestens mit der Mini-Serie „Carlos“ auch im Englischsprachigen Raum einen Namen gemacht. Nur so konnte er wohl Kristen Stewart und Chloe Grace Moretz für die Rollen in „Clouds of Sils Maria“ (2014) gewinnen. In der Hauptrolle als alternde Starschauspielerin, brilliert jedoch Juliette Binoche. Der plötzliche Tod eines Filmemachers, mit dem sie einst zusammen arbeitete (und mit dem sie mehr als nur Arbeit verband) sowie ein bevorstehendes Remake eines Stückes in dem sie einst die Hauptrolle spielte, und nun die Rolle von der jungen Diva Jo-Ann (Moretz) besetzt werden soll, treiben die selbstreflexive Handlung über Film, Theater und Künstler voran. Assayas bietet großartige Darstellerinnen (Binoche ist hervorragend und an ihrer Seite erwächst Stewart zu ungeahnter Größe) aber auch zuweilen sehr eitles Kunstkino, welches mit snobistischer Herablassung auf den Hollywood-Bombast blickt. Grundsätzlich kein schlechtes Thema, aber mit zu viel Zynismus ausgeführt. Da war Assayas Film-im-Film-Bespiegelung in „Irma Vep“ stellenweise geglückter.
Apropos Starschauspielerinnen. Gloria Swanson ist mir hauptsächlich durch ihren Auftritt in Billy Wilders „Sunset Blvd.“ bekannt, doch mir war bewusst, dass sie einst ein Star des Stummfilms war. Betrachtet man ihre ersten Film – „Teddy at the Throttle“ (1917) und „The Sultan’s Wife“ (1917) – so erkennt man, dass sie zu den Großen der Stummfilmkomödie zu zählen ist. Während „The Sultan’s Wife“ ein wenig zu sehr in exotischer „1001 Nacht“-Veralberung aufgeht, ist „Teddy at the Throttle“ eine überraschend spritzige Parodie auf den zu dieser Zeit allgegenwärtigen Western, inklusive der Szene, in der die holde Maid vom Bösewicht an die Schienen gefesselt wird. Keine Meisterwerke, aber definitiv Anstöße um mehr Filme mit Gloria Swanson zu sichten.
Das Ableben von Leonard Nimoy, führte dazu, dass auch mehre Blicke auf seine Arbeit, fernab von „Star Trek“ gerichtet wurden, auch wenn er natürlich immer Mr. Spock war. Eine seiner wichtigsten Rollen war jene im Remake von „Invasion of the Body Snatchers“ (1978). Philip Kaufmans Neuverfilmung des Romans von Jack Finney, welcher bereits 1956 hervorragend von Don Siegel adaptiert wurde, siedelt die Handlung in San Francisco an und macht den Gesundheitsinspektor Matthew Bennell (Donald Sutherland) zur Hauptfigur. Um ihn herum beginnen sich Menschen von einem Tag auf den anderen zu verändern und scheinbar Emotionslos zu agieren. Seine Kollegin Elizabeth Driscoll (Brooke Adams) etwa ist davon überzeugt, dass ihr Mann nicht ihr Mann sei. Hilfe soll der bekannte Psychologe Dr. Kibner (Leonard Nimoy) sein, doch seine Tipps verlaufen im Sande, da die Massenhalluzinationen scheinbar über Nacht von selbst erledigt sind. Kaufman baut das Klima der Paranoia und des Misstrauens hervorragend auf und steigert es in ein Finale, in dem sich Matthew und Elizabeth allein einer Übermacht gegenüberstehen sehen. Im Gegensatz zum Remake von Oliver Hirschbiegel, spricht Kaufman die Folgen der außerirdischen Invasion nicht exakt aus, was der 1970er-Jahre-Version eine unheimliche Aura verleiht.
Die Filme von Roger Corman versuche ich nach und nach zu sichten. Neben den bekannten und geglückten Poe-Adaptionen, gibt es auch noch die Kultfilme, die einen guten Ruf haben und dann im Endeffekt doch enttäuschen. So ein Fall ist „The Little Shop of Horrors“ (1960), dessen Remake wohl bekannter ist, denn das Original. Mein Hauptproblem war Hauptcharakter Seymour Krelboyne (Jonathan Haze), der versehentlich eine Fleischfressende Monsterpflanze erschafft, die zunächst wie die Rettung des dahin darbenden Floristen Mushnick (großartig: Mel Welles) wirkt, aber schließlich den armen Seymour alles kostet. Haze spielt den niemanden etwas Böses wollenden Seymour als allzu simplen Tor, wodurch es schwer fällt, irgendeine seiner Entscheidungen oder seines Umfelds Ernst zu nehmen. Die tolle Grundidee verliert dadurch an Wirkung.
Können die Power Rangers cool aussehen? Der Kurzfilm „Power/Rangers“ (2015) von Joseph Kahn (der das Drehbuch mit seinen Hauptdarstellern James Van Der Beek und Katee Sackhoff verfasst hat) beweist, dass dies möglich ist. Sehr unterhaltsam, mit coolen Actionszenen und Darstellern die den bekannten Eindruck der Power Rangers mit viel Liebe zum Detail ins Gegenteil verkehren.
Maria Lassnigs filmische Arbeiten passen für mich besser in ein Museum, wo sie in den Kontext ihrer Gemälde gestellt werden. So auch bei „Selfportrait“ (1971), der beinahe zwingend das Wissen um Lassnigs Arbeitsweise vorsieht.
Sich einen Horrorfilm wie „Hansel Vs. Gretel“ (2015) anzusehen, bedeutet bereits im Vorhinein sich damit zufrieden zu geben, dass man kein großes Filmerlebnis sehen wird. Sobald „The Asylum“ im Vorspann auftaucht, ist man auch schon gewiss, schlechte Effekte, hölzerne Darsteller und nicht sonderlich intelligente Handlungen zu sehen. All das wird erfüllt, auch wenn manch blutiger Effekt tatsächlich unterhaltsam gemacht ist. Die Modernisierung der „Hänsel & Gretel“-Geschichte verläuft zwar in den Bahnen jedes x-beliebigen Horrorfilms, kann aber an manchen Stellen überraschend gut unterhalten.
Roger Cormans „The Wasp Woman“ (1959) gehört zu den nicht ganz so bekannten Werken des B-Movie-Auteurs, doch die Geschichte um eine Frau, die mittels der Injektionen einer Flüssigkeit gewonnen aus Wespenköniginnen langsam immer jünger zu werden scheint, hat einen gesellschaftlichen Nachhall, der selten in derartigen Billig-Horrorfilmen zu finden ist. Dies ist allerdings auch alles, was Corman hat, um den ansonsten nicht sonderlich interessanten Horrrofilm (inklusive billiger Wespenmaske) hervor zu heben.
Marlon Brandos Leinwanddebüt mit „The Men“ (1950) ist eine perfekte Gelegenheit für den jungen Brando, um seine ganze Bandbreite zu zeigen. Als im Krieg verwundeter Soldat, der nun an den Rollstuhl gefesselt ist, kämpft er gegen die Frustrationen des Hospitaldaseins, der scheinbaren Unmöglichkeit eine Beziehung zu führen und sich wieder einzugliedern. Fred Zinnemann inszenierte einen sehr ernsthaften und seriösen Beitrag zu einer Thematik, die im Nachkriegs-Amerika noch nicht oft genug behandelt wurde. Mittlerweile ist „The Men“ allerdings sehr gealtert und lebt von der Tatsache, das Leinwanddebüt von Marlon Brando zu sein, der bereits hier zeigt, dass er ganz kurz vor seinem ganz großen Durchbruch stand.
Olivier Assayas „Carlos“ (2010) hat zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung für große Aufregung am Festival-Markt gesorgt und auch international etliche Preise abgeräumt. Vor allem Édgar Ramírez in der Titelrolle des venezolanischen Terroristen Ilich Ramirez fasziniert mit seiner nuancierten Darstellung, und dies in mehreren Sprachen. Ramírez schafft es nicht nur den Terroristen nachvollziehbar zu gestalten, sondern auch, weshalb ihm viele Menschen folgten. Weniger gelungen waren die Leistungen von Nora von Waldstätten und Julia Hummer, die ein wenig zu sehr in die RAF-Klischeekiste griffen, die spätestens seit „Der Baader Meinhof Komplex“ zu sehr ausgereizt ist. Assayas inszeniert mit sicherer Hand und lehnt sich an andere Thriller-Klasisker an, auch wenn seine Musikauswahl weniger überzeugend wirkt. Am ehesten lässt sich „Carlos“ mit dem Kino-Zweiteiler „Mesrine“ vergleichen. Ein grandioser Hauptdarsteller inmitten einer faszinierenden wahren Geschichte.
Einst war Winona Ryder eine meiner Lieblingsdarstellerinnen, so wie auch von vielen anderen Altersgenossen. Doch mittlerweile gehört sie zu den „Was wurde aus?“-Kandidatinnen und auch unter diesem Gesichtspunkt, sah ich die nicht ganz so populäre Adaption von Arthur Millers „The Crucible“ (1996). Daniel-Day Lewis ist wie üblich hoch motiviert an die Rolle von John Proctor heran gegangen, der inmitten der Hexenprozesse in Salem im Jahr 1692 sich wieder findet. Joan Allen (Oscar-nominiert für ihre Rolle) brilliert als seine betrogene Frau und Winona Ryder beweist als intrigante Abigail Williams mit ihrem linkischen Spiel, dass sie zumindest Mitte der 1990er auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere war. Auch das restliche Ensemble um Frances Conroy, Bruce Davison, George Gaynes, Jeffrey Jones und Paul Scofield agiert großartig. Weniger gelungen ist jedoch die reißerische Inszenierung von Nicholas Hytner, die dem subtilen Text von Miller (der sein Stück selbst als Drehbuch adaptierte und dafür mit einer Oscar-Nominierung geehrt wurde) jeglichen Reiz raubt. Unter zu drastisch geifernden Männern und Frauen und dazu passender musikalischer Untermalung, geht so viel von der Wirkung des Stücks verloren.
Die Idee zum Sci-Fi-Film „Surrogates“ (2009) klingt sehr interessant. Menschen leben mittels ihrer Androiden ein Risikoloses und freies Leben, während sie selbst zu Hause im Steuerungsstuhl liegen. Bruce Willis muss als Detective einen Mord an zwei Surrogates und ihren Usern aufklären. Das Problem des Films, ist die viel zu frühe Aufgabe jeglicher tiefer führender Gedanken und stattdessen ein Aufgehen in oberflächlichen Schauwerten und Actionsequenzen. Dabei hätten Ving Rhames und James Cromwell großartige Rollen und auch die Graphic Novel von Robert Venditti und Brett Weldele hat mehr zu bieten. Jonathan Mostow genügt sich aber damit, Willis im typischen Action-Held-Modus zu zeigen.
Auch ein Kandidat für „Was wurde aus?“ ist Val Kilmer. Seine aufregendste Rolle als Jim Morrison in Oliver Stones heiß geliebter und ebenso heiß gehasster Adaption des Lebens von Morrison „The Doors“ (1991), zeigt Kilmer in einer seiner besten Rollen. Er verkörpert Morrison derart überzeugend, dass man sich keinen anderen Schauspieler vorstellen kann, der diesen Künstler auf der Leinwand darstellen könnte. Das Problem dabei ist allerdings auch, dass Morrison ein kurzes und egozentrisches Leben führte. In „The Doors“ ist er ein Gedankenloser Idiot, der den schnellen Ruhm nicht verkraftet und sich selbst zerstört. Dass in diesem Zusammenhang die Lyrics zu vielen Songs wie wenig ausformulierte pubertäre Prosa wirkt, kann auch kein Ziel von Oliver Stone gewesen sein. Zudem verschenkt er ein engagiert auftretendes Ensemble mit Darstellern wie Meg Ryan und Kyle MacLachlan. So intensiv und erfreulich die Darstellung von Kilmer ist, so wenig bietet Stone mit seinem Musiker-Biopic.
Der portugiesische Film „Sangue Toureiro“ (1958) ist heute nur noch bekannt, da er der erste Farbfilm in der Filmgeschichte Portugals ist. Die Geschichte um einen verwöhnten Sproß eines Großgrundbesitzers, der sich in den Kopf setzt, Stierkämpfer zu werden und sich in eine Fado-Sängerin verliebt, ist uninteressant und auch nicht sonderlich gut gespielt. Dass Profi-Stierkämpfer Diamantino Viseu und Fado-Sängerin Amália Rodrigues Versionen von sich selbst spielten, mag authentisch gewirkt haben, hilft aber nicht dabei, die gestelzten Dialoge und faden Darbietungen ansehnlicher zu finden. Ein Kuriosum in meiner DVD-Sammlung.
Nachdem ich Édgar Rámirez in „Carlos“ sah, wusste ich, dass ich noch viel mehr mit ihm sehen möchte. So kam ich zum Historienfilm „Libertador“ (2013), in dem das Leben von Südamerikas Freiheitskämpfer Simon Bolívar nachgezeichnet wird. Zwar sind die Schauwerte beeindruckend und Rámirez ist exzellent in der Hauptrolle, doch folgt Regisseur Alberto Arvelo Mendoza zu sehr den gängigen Klischees des Historienfilms. Viel zu viele Simplifizierungen, Abkürzungen und der Action geopferte Ereignisse.
Bei all den Filmen die Luis Bunuel in der „1001“-Liste stehen hat, fehlt ausgerechnet dieser hochgradig amüsante und freche „Bibel“film „La voie lactée“ (1969). Zwei Landstreicher auf Wallfahrt nach Compostela, dienen als Erzähler in einer sehr frei adaptieren Bibelgeschichte, in der Bunuel den Originaltext verwendet und dabei mit vielen witzigen Bildkompositionen kombiniert. Jesus wirkt dann auch nicht mehr wie ein Heiliger, sondern selbst wie ein Landstreicher, der aber dennoch einige Wahrheiten ausspricht. Vielleicht ist es gerade die nicht sehr straffe Handlung, die diesen Film ein wenig luftig und leicht erscheinen lässt, doch je länger man über „La voie lactée“ nachdenkt, desto mehr bleibt davon hängen und desto eher will man diese Pilgerreise wieder betrachten.
Marie Kreutzers Regiedebüt „Die Vaterlosen“ (2011) sorgte bei seinem Kinostart für ein wenig Aufsehen im heimischen Feuilleton, doch irgendwie habe ich es dann doch übersehen, mir Johannes Krisch als Kommunenleiter im Kino anzusehen. Dank ORFIII kam ich nun endlich dazu, und es war schon eine gute Idee den charismatischen Krisch ins Zentrum der Werbung zu stellen, denn seine Szenen in Flashbacks sind die unterhaltsamsten des ganzen Films. Kreutzer zeigt die Zusammenkunft der Kinder bei der Beerdigung von Hans (Krisch). Die alten Wunden und nicht aufgearbeiteten Konflikte stehen im Zentrum und so entkommt Kreutzers Drehbuch auch nicht den Klischees dieser Art von Film. Geständnisse, romantische Verwicklungen und eine musikalisch untermalte Beerdigung. Wäre da nicht die ruhige inszenatorische Hand von Kreutzer und das gute Schauspiel, man würde nicht länger über „Die Vaterlosen“ nachdenken.
Mathieu Amalric inszeniert seit Ende der 1990er in Frankreich Filme, doch erst seit seiner international beachteten Hauptrolle in „Le scaphandre et le papillon“ bekommen seine Arbeiten auch international Aufmerksamkeit. So etwa das nur etwas länger als eine Stunde dauernde Kammerspiel „La chambre bleue“ (2014) auf Basis eines Romans von Georges Simenon. Amalric spielt Julien, der bei mehreren Verhören zu sehen ist und in Rückblenden von seiner Affäre mit Esther (Stéphanie Cléau) berichtet. Weshalb Julien in Polizeigewahrsam ist, erfährt der Zuseher erst im Laufe der etwa 70 Minuten. Amalric bietet eine hervorragende darstellerische Leistung, doch so ganz will sein Quasi-Hitchock/Chabrol nicht funktionieren. Zu platt bleibt die mysteriös anmutende Affäre und das Geheimnis um dieses. Vor allem im Zusammenspiel mit Juliens Familienleben zu Hause. Solange er sich auf die Affäre selbst konzentriert und quasi in dem blauen Raum bleibt, in dem Julien und Esther ihrer Lust nachgehen, ist das hervorragendes Kino. Das Mysterium drumherum hingegen ist nicht ganz so gelungen.
Im Zuge der Diagonale zeigte ORFIII auch wieder eine Reihe von Kurzfilmen. Darunter Manuel Johns „REM“ (2014), in dem eine junge Frau aus einem Albtraum erwacht, nur um dessen Fortsetzung kurz nach dem wieder zu Bett gehen zu erleben.
Der Fernsehdokumentarfilm „CERN“ (2013) von Nikolaus Geyrhalter ist ein sehr informatives, aber formell recht einfaches Werk über diese Wissenschaftsstadt (immerhin mit eigener Verwaltung) und den LHC. Verschiedene Wissenschaftler kommen zu Wort, um ihr Tätigkeitsfeld zu erläutern, aber für jene, die sich bereits mit der Thematik beschäftigt haben, bietet „CERN“ nur wenig Neuigkeiten.
Die französisch-dänische Produktion „Astérix et les Vikings“ (2006) kehrt zu traditionelleren Formen zurück. Weit weg von den Albernheiten der letzten beiden Filme, aber mit zusätzlichem Fett (eine unnötige Liebesgeschichte) und einigen unglücklichen Modernisierungen (eine Tanznummer ist amüsant, mehrere wirken nervig). Im Vergleich zu den Filmen aus den älteren Filmen, fehlt dem Wikinger-Abenteuer der Charme der althergebrachten Animation (hier mag auch Nostalgie bei mir mitspielen) und weiß die deutsche Synchronisation nicht zu überzeugen.
Das Regie-Debüt von Ned Benson, „The Disappearence of Eleanor Rigby“, ist ein wunderbares Experiment, welches zeigt, dass ein einzelner Film oft ungenügend sein kann. Die Versionen „Him“ (2013) und „Her“ (2013) sind die ursprünglichen Fassungen, die für sich genommen unterhaltsam und interessant sind, doch erst gemeinsam Sinn machen und die Charaktere vertiefen. James McAvoy und Jessica Chastain zeigen als Ehepaar, welches nach dem Tod ihres Sohnes, in eine Krise schlittert, wunderbares Schauspiel. Benson zeigt auch, wie in den beiden Versionen sich Details unterscheiden, je nach Sichtweise. Eigentümlich nimmt sich dann, die für eine breitere Öffentlichkeit gedachte Version „Them“ (2014) aus, die wie ein Best of der „Eleanor Rigby“-Story wirkt, allerdings auf zwei Stunden komprimiert, genau jene anspruchsvollen Elemente verliert, die das Zusammenspiel von „Him“ und „Her“ so lohnend machen. Grundsätzlich ist Benson womöglich ein wenig zu sehr in Klischees verhaftet (die französische Mutter, die natürlich Künstlerin ist und den ganzen Tag Wein trinkt zum Beispiel).
Patrick Stewart ist für seine Rolle als Jean-Luc Picard in „Star Trek“ Weltberühmt. Viel zu selten bekommt er die Möglichkeit, auch ein wenig mehr von seiner Bandbreite zu zeigen. In Stephen Belbers humorvollen Kammerspiel „Match“ (2014) zeigt er eine seiner besten Leistungen, als Ballett-Lehrer, der überraschenden Besuch von einem Paar bekommt (Carla Gugino und Matthew Lillard). Der Grund des Besuchs (eine Dissertation) stellt sich bald als Vorwand heraus und schon dürfen sich die drei Charaktere verbal an die Gurgel gehen. „Match“ ist perfekt für die Theaterbühne geeignet, weshalb manche Szenen auch ein wenig zu starr wirken. Dank des Schauspiels der drei Hauptdarsteller, verliert sich allerdings nie der Unterhaltungswert und vor allem Stewart kann in manchen Momenten eine emotionale Tiefe seiner Figur ausloten, die dem leichtgewichtig wirkenden Film gar nicht zuzutrauen wäre.
Gillian Anderson und Ben Kingsley in einem britischen Sci-Fi-Film, in dem Roboter die Welt erobert haben. Muss ich sehen! „Robot Overlords“ (2015) ist aber in der Theorie lustiger, denn in der Praxis. Der auf ein junges Publikum zugeschnittene Film, erzählt großteils aus der Sicht einer Gruppe von Jugendlichen vom Aufstand gegen die Roboter. Das ist leider oft sehr vorhersehbar und wenig einnehmend. Für das geringe Budget gelingen Regisseur Jon Wright und seiner Crew allerdings sehr ansehnliche Effekte und Anderson und Kingsley haben sichtlich Spaß an ihren Rollen, auch wenn diese nicht viel von ihnen abverlangen.
Bei den Filmfestspielen von Cannes wurde „Mommy“ (2014) mit der Silbernen Palme für die Beste Regie ausgezeichnet, und eine Zeitlang schien es so, als wäre der neueste Film von Xavier Dolan ein Fixstarter im Feld für den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars. Verdient hätte es sich „Mommy“ allemal. Dolan präsentiert seine zügellose Geschichte eines gewalttätigen Teenagers Steve (Antoine-Olivier Pilon) und seiner überforderten Mutter (eine fantastische Anne Dorval) im ungewöhnlichen 1:1 Format. Dadurch verdichten sich die Emotionen und auch die problematische Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Dolan schafft es, zur selben Zeit Bewunderung und Mitgefühl zu erwecken und gleichzeitig abzustoßen. Denn nicht nur ist ein Film sehr poppig und laut, sondern auch durchzogen von schwer nachvollziehbaren emotionalen Hochs und Tiefs. Ganz großes Kino.
Wie „Mommy“ ist auch „WolfCop“ (2014) ein Werk der kanadischen Filmindustrie und hat ebenso für Aufregung gesorgt, wenngleich eher im B-Movie-Bereich. Die Horrorkomödie von Lowell Dean, um einen versoffenen Polizisten (Leo Fafard) der sich schließlich zu einem Werwolf verwandelt und diese Verwandlung dazu nutzt, seine Polizeiarbeit effektiver zu gestalten, funktioniert nur in einigen Passagen. Zu platt sind manche Witze, zu offensichtlich die Intentionen. Für das Budget sind die Effekte ganz passabel und die Werwolf-Szenen machen auch Spaß, aber dennoch bleibt das Konzept ein wenig in seinen lustigen Intentionen stecken.

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The 1001 Project
Der Kanadier Denys Arcand konnte mit „Le déclin de l’empire américain“ (1986) einen veritablen Kulthit erschaffen, der auch für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde. Die vier Paare, die sich selbst als Intellektuelle bezeichnen und an der Uni tätig sind, besprechen zunächst fein säuberlich Geschlechtergetrennt die sexuellen Eigenheiten der eigenen Leben um dann gemeinsam in einem Ferienhaus weiter darüber zu diskutieren. Die Dialoge sind voller Witz und fein gestellter Fallen, doch jeglicher tieferer Sinn, der hier versteckt zu sein scheint, erschließt sich mir nicht. Arcand hat die Intellektuellen-Version einer plumpen Sex-Komödie erschaffen. Stellenweise sehr humorvoll, auf Dauer ermüdend.
Die Fortsetzung „Les invasion barbares“ (2003) schaffte es, als erstes Sequel, den Oscar in der Kategorie „Best Foreign Language Film“ zu ergattern. Arcand hat es auch geschafft, einen zugänglicheren Film zu erschaffen, in dem das Vorwissen rund um die Charaktere zwar ganz nützlich, aber nicht zwingend notwendig ist. Der im Sterben liegende Womanzier Rémy (Rémy Girard) wird von seinem Sohn, seiner Schwiegertochter, seiner Ex-Frau und seinen Ex-Geliebten und Freunden besucht und durch diese Phase begleitet. Es ist eine warmherzige Komödie, die sich aber nicht um die Frustrationen und um die Reue herum drückt. Auch wenn ich auch hier Arcands zotigen Humor keinesfalls intelligent fand, so ist „Les invasion barbares“ thematisch und filmtechnisch reicher und lohnender, denn der erste Teil.
Jaques Rivette legte mit dem fast vierstündigen „La belle noiseuse“ (1990) einen der besten Filme über die inneren Kämpfe und Zwänge eines Künstlers. Michel Piccoli ist als Frenhofer die Verkörperung einer lebenden Legende der Maler-Welt. Als er auf die aparte Schriftstellerin Marianne (Emanuelle Béart) trifft, möchte er ein vor Jahren begonnenes Werk vollenden. Im Laufe der vier Stunden zeigt Rivette, wie sich die Machtbalance zwischen Maler und Modell verändert, wie auch die Beziehungen zwischen den beiden Paaren darunter leiden (Jane Birkin spielt Frenhofers Frau und einstige Muse) und wie ein Gemälde vom ersten Entwurf hin zum fertigen Werk entsteht. Das ist auf den ersten Blick nicht viel an Handlung, doch Rivette lässt die Konflikte sich langsam entwickeln und dafür umso nachhaltiger wirken.
Eine filmwissenschaftliche Kuriosität ist die „Divertimento“-Fassung von „La belle noiseuse“. Jaques Rivette war vertraglich dazu gezwungen für das französische Fernsehen eine nur knapp zweistündige Fassung abzuliefern. So bekommt man im Grunde zwei völlig unterschiedliche Filme geboten. Dabei fehlt der „Divertimento“-Version viel von der Tiefe, auch wenn die Aussagen selbst weiter vorhanden sind. Manchen Szenen fehlt durch eine neue Kadrierung auch die ursprüngliche Wucht. Andererseits zeigt Rivette dass eine Geschichte nie eine endgültige Fassung hat.
Ein Klassiker des klassischen Hollywood-Melodrams. Leo McCareys „An Affair to Remember“ (1957) zeigt Cary Grant und Deborah Kerr als Nicky Ferrante und Terry McKay, Gäste auf einem Kreuzfahrtschiff und wie sie sich ineinander verlieben, dies aufgrund ihrer Beziehungen versuchen vor dem Rest der Gäste zu verbergen und wie sie wieder an Land, damit zurechtzukommen versuchen, nicht mit dem Menschen zusammen zu sein, in den sie verliebt sind. McCarey opfert die romantische Geschichte aber viel zu oft platten Witzen (die Reaktion der Gäste auf das separat sitzende Paar nervt außerordentlich) oder dem „Süß“-Faktor eines Kinderchors, der von Terry (Kerr) geführt wird.

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Die Oscar-Liste
Acht Minuten dauerte „Going My Way“ (1944) von Leo McCarey und schon hatte mich der Film verloren. Um Hauptfigur Pater Chuck O’Malley (Bing Crosby) sympathischer zu machen, hat er eine Konfrontation mit einem grummeligen Mann, dessen Fenster durch einen von Kindern geworfenen Baseball (mit denen O’Malley eben spielte) zerstört wurde. Natürlich ist der Mann ein Kinderhassender Atheist der sich von einem Pfarrer keine Entschuldigung geben lässt. Man könnte meinen dieser Atheist (welch Schimpfwort in dieser Filmwelt) wäre der Bösewicht. Doch „Going My Way“ belässt es bei dieser Einzelkonfrontation und lässt O’Malley aus den Kindern einen Chor formen und seinen Kampf um die finanzielle Zukunft der Kirche führen. Sein Gegenüber ist der altgediente und konservative Pater Fitzgibbon (Barry Fitzgerald). McCarey bietet einen solide inszenierten Erbauungsfilm, wie er auch heute noch in kaum abgewandelter Form für Kinoerfolge sorgt (und bei mir Brechreiz auslöst). Crosby und Fitzgerald bieten gute und sympathische Darstellungen, doch die hinter dem Film stehende Formel und vor allem Ideologie (hier ist die Kirche ein Hort der Güte und der Kinderfreundlichkeit…hach, die 1940er, wie unschuldig) stoßen mich weit von diesem Film ab. Ein Konkurrent in dem Jahr gegen den sich „Going My Way“ durchsetzte, war übrigens „Double Indemnity“. Im Rückblick unfassbar.
Mit 10 Oscars wurde „West Side Story“ (1961) von Robert Wise und Choreograph Jerome Robbins ausgezeichnet. Die auf „Romeo & Julia“ aufgebaute Handlung um Bandenkämpfe in den Einwanderervierteln von New York, bieten fantastische Tanzsequenzen (mitunter die Besten die ich in einem Musical bislang gesehen habe) und so manch einprägsamen Song. Doch die Handlung umgeht tiefgründigere Möglichkeiten und bleibt ein stellenweise recht schwach gespielter Toleranz-Appell. Würden die Tanzszenen alleine betrachtet, so könnte man von einem Triumph des Filmmusicals sprechen. Doch im Gegensatz zu anderen Filmen des Genres, mag die zu sehr in die Länge gezogene Handlung nicht wirklich überzeugen.

Re-Visited
Die Sichtung von „American Sniper“ ließ etliche Erinnerungen an „The Hurt Locker“ (2008) wach werden. Der Oscar-Gewinner von Kathryn Bigelow, hat die Formel festgelegt, der Sniper folgt. Ein Kriegsfilm aus der sklavisch-subjektiven Sicht des Protagonisten Sergeant William James (fantastisch: Jeremy Renner) und ohne jeglichen politischen Hintergrund. Bigelow ist analytischer und auch gnadenloser denn Eastwood, dessen Film nicht ohne ein klein wenig Heroisierung auskommt (auch wenn diese bei ihm gebrochen wird). Bigelow lässt ihren Hauptcharakter als moralisch fragwürdigen Adrenalinjunkie durch die Kriegshölle gehen, die ihm scheinbar kaum mehr als ein Macho-Spielplatz scheint, während seine Kompanie-Kollegen mitunter schon über seine Ermordung theoretisieren, so sehr setzt er sich und seine Kameraden der Gefahr aus. „The Hurt Locker“ mag, so konnte ich es in einigen Kommentaren lesen, ein wenig unrealistisch sein, doch er fasst die unreflektierte Faszination für den Krieg hervorragend ein. Ganz zurecht ein Träger der „Best Picture“-Trophäe.
Nick Cave als Nick Cave in „20.000 Days on Earth“ (2014). Der dokumentarisch wirkende Musik-Essay ist bei der erneuten Betrachtung wieder mit derselben Energie und Wucht versehen, wie bei der Erstsichtung. Vor allem die Gespräche zwischen Cave und Warren Ellis faszinieren. Für Cave-Fans geradezu essentiell, aber auch für Liebhaber des Künstler-Portraits, welches hier auf seine ganz eigene Art und Weise auseinander genommen wird.
Nach Ansicht der TV-Neuverfilmung, war die Zeit gekommen, auch den Klassiker von Arthur Penn erneut zu sichten. „Bonnie and Clyde“ (1967) ist kaum in die Jahre gekommen, was für die damals so bahnbrechende Inszenierung spricht und ist auch um einiges mutiger und Kompromissloser denn die Neufassung. Auch wenn die Glorifizierung von einer mordenden Gangsterbande rund um das berühmte Duo noch immer auch ein wenig Unbehagen erzeugt, so funktioniert dieser prototypische Vertreter des New Hollywood auch beinahe 50 Jahre später und zeigt Warren Beatty und Faye Dunaway in Hochform.
Bei der dritten Ansicht von „Tinker Tailor Soldier Spy“ (2011) kommen immer mehr Details von Alfredsons Inszenierung zum Vorschein, die erst zeigen, wie gut durchdacht die Adaption des Romans von John le Carré wirklich ist. Die inhaltliche Ebene mag auch bei mehreren Anläufen noch immer schwer zu durchschauen sein, doch sind es vor allem die persönlichen Motive der einzelnen Charaktere (eines der besten Ensemble in den letzten Jahren), die von Interesse sind. Die Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema ist nicht nur wunderschön, sondern auch derart gewitzt aufgebaut, dass man das Puzzle im Puzzle auch visuell herrlich vermittelt bekommt. Darstellerisch ist es natürlich Gary Oldmans großer Auftritt als Smiley , doch darf man auch nicht die Beziehung zwischen den einzelnen Verdächtigen vergessen. Insbesondere Jim Prideaux (Mark Strong) und Bill Haydon (Colin Firth) ziehen mit kleinen Gesten und verstohlenen Blicken die Aufmerksamkeit ganz bewusst auf sich.
Ebenfalls bei der ORFIII-Kurzfilmnacht anlässlich der Diagonale gezeigt wurde „Tapp- und Tastkino“ (1968). Die Arbeit von Valie Export und Peter Weibel wurde dabei schon derart häufig in verschiedenen Museen gesichtet, dass ich hauptsächlich auf kuriose Art interessiert daran war, wie sich der Film in diese Kurzfilmnacht einfügt.
Angeregt durch den Blog-Beitrag von Kinderfilmblog, war mir danach auch selbst wieder einmal die klassischen Zeichentrickfilme zu sichten. „Astérix le Gaulois“ (1967) laboriert bei der erneuten Sichtung dann auch davon (wie im Blog angeführt) davon, dass er zu treu seine Vorlage bearbeitet. So ist der erste Asterix-Band auch nicht unbedingt einer der besten aus der Feder von Goscinny und Uderzo. Unterhaltsame Comic-Unterhaltung bleibt es allerdings immer noch. Ganz wie der Comic-Band selbst.
Womöglich der beste Zeichentrickfilm, wohl auch deshalb da Goscinny und Uderzo selbst das Regie-Zepter übernahmen. Sehr nah an der Vorlage aber doch mit einigen neuen Ideen und tollen Einfällen was das Medium Film angeht (der Eingangs-Gag zur Synchron-Problematik funktioniert heute noch so gut wie 1968), ist „Astérix et Cléopatre“ das leuchtende Kronjuwel in den Adpationen der Asterix-Bände. Auch sind die Toneffekte gelungener und wurde der stilgebende aber auf Dauer doch etwas nervige Soundtrack des ersten Films verbessert. Die eingebauten musikalischen Nummern fügen sich auch viel besser in den Film ein, denn die Tanznummer im ersten Film.
Der dritte Film in der „Asterix“-Reihe, gilt vielen Fans als die beste Arbeit. „Les 12 travaux d’Astérix“ (1976) spielt quasi in einem anderen Universum, denn die bis dahin bekannten Asterix-Bände. 12 Aufgaben müssen Asterix und Obelix bestehen, um den Glauben vieler Römer, sie seien Götter, zu widerlegen. Neben dem Haus, das Verrückte macht bleiben nur wenige Gags in Erinnerung, aber der Gesamteindruck ist allemal positiv. Die fantastischen Elemente sind mit vielen verspielten Gags angereichert und auch die Tonspur ist mit einem amüsanten Soundtrack versehen, doch so ganz mag der Klassizist sich nicht hiermit anfreunden.
„Astérix et la surprise de César“ (1985) ist eine Rückkehr zu den Vorlagen und vermengt die Bände „Asterix als Legionär“ und „Asterix als Gladiator“, was zwei gute Geschichten in der Theorie zu einer hervorragenden Handlung zusammenfügt, doch die Inszenierung ist recht langatmig geraten und versteht es nicht den Spaß der Vorlage zu transportieren. Vor allem wenn Asterix und Obelix sich nicht länger im „Trainingslager“ der Legionäre aufhalten, gerät die Handlung zu einem zähen Brei, mit oft allzu melancholischen Einsprengseln.
Nur ein Jahr später folgte mit „Astérix chez les Bretons“ (1986) ein persönliches Highlight, welches auch einen meiner liebsten Bände adaptierte und sich dabei ganz auf die Kraft dieser einen Geschichte verließ. Vor allem die Piraten bekommen endlich den prominenten Platz und die entsprechende Darstellung, die sie heute so bekannt macht (bei „Asterix und Cleopatra“ sind sie noch ein etwas wüsterer Haufen) und die Satire auf den britischen „Way of Life“ ist einfach immer wieder humorvoll und gelingt auch in dieser sehr traditionsreichen Adaption.
Man könnte meinen, mit dem Einstieg der deutschen Partner, wären die Zeichentrickfilme dem Untergang geweiht gewesen. Erster Beweis? „Astérix et le coup du menhir“ (1989), der die Bände „Der Seher“ und „Der Kampf der Häuptlinge“ kombinierte (und dazu auch einen eigenen Band zum Film heraus brachte) ist ein recht wirrer Mix aus allzu modern gedachten visuellen Spielereien (der verrückt gewordene Miraculix in allerlei Traumsequenzen und die Wirkungen seiner neuen Zaubertränke) und klassischer Asterix-Witze, die vor allem den Seher treffen. Bei aller Wertschätzung für die Geschichte um den Seher, so funktioniert dieser Film für mich nicht. Weder damals noch heute.
Fünf Jahre später ist „Asterix in Amerika“ (1994) eine beinahe rein deutsche Produktion und bis auf Erzähler Harald Juhnke bleibt leider kaum etwas positiv in Erinnerung. Auf einem Niveau mit dem Vorgängerwerk, stapft diese Adaption von unlustigem Akzent zu unlustiger Fantasiesprache. Weshalb die Indianer als Unsinn brabbelnde Menschen dargestellt werden, erscheint nicht mehr sehr Zeitgemäß. Bis zum nächste Zeichentrickfilm, sollten dann auch über 10 Jahre vergehen.
Nachdem ich endlich den Roman von Philip K. Dick gelesen habe, war es an der Zeit, den Film „Blade Runner“ (1982) erneut zu betrachten. Auffallend ist der viel melancholischere Tonfall, während im Roman doch viel mehr Sarkasmus zu vernehmen war. Harrison Ford und Rutger Hauer brillieren und würde die Academy, dem Sci-Fi-Genre nicht so kritisch gegenüber stehen, dann hätte sich Hauer eine Oscar-Nominierung wohl einstecken können. Die wunderbaren Sets und Effekte sind natürlich genauso Teil der Filmgeschichte, wie die LIchtgebung, die Scott hier so großartig einsetzte. Was mich aber schon früher störte, war auch diesmal evident: „Blade Runner“ wird von der Melancholie und den tollen Sets geradezu erschlagen. Die eigentliche Handlung und die darunter liegenden ethischen Fragen, sind kaum wahrzunehmen.
Die Lektüre zweier Artikel zu den Karriereverläufen von Kevin Costner und Christian Slater erinnerte mich wieder an den kuriosen Action-Film „3000 Miles to Graceland“ (2001). Costner und Kurt Russell führen eine Bande von Kriminellen an, die in Las Vegas als Elvis-Imitatoren verkleidet, ein Casino überfallen. Was nach einem spaßigen B-Movie klingt, wird unter der Regie von Lichtenstein und aufgrund eines irrlichternden Drehbuchs zu einem aufgeblasenen Ärgernis, in dem jeder Charme verloren geht. Costner ist herrlich als Psychopath, doch so viele unnötige Passagen hätte man streichen können und wäre mit einem kompakteren und besseren Film belohnt worden.
Zum insgesamt vierten Mal, die Sichtung von „Flight of the Living Dead: Outbreak on a Plane“ (2007). Je öfter ich diesen „Zombies im Flugzeug“-Film sehe, desto besser wird er. Kein Meisterwerk, aber ein spaßiger Mitternachtsfilm, der nur ein wenig zu lange braucht, um die Plage auf die Passagiere loszulassen.
Ursprünglich war „Batman: The Movie“ (1966) als Pilotfilm zur Serie gedacht, doch schließlich funktioniert er nunmehr sowohl als eigenständiger Film, als auch als Überbrückung zwischen den ersten beiden Staffeln. Das, im Gegensatz zur Fernsehserie, höhere Budget ist an jeder Ecke zu sehen. Mehr „Spielzeug“ für den Batman als auch für die Bösewichte und etliche Außenaufnahmen, sorgen für ein Kinogefühl. Im Vergleich zur Serie funktioniert der Film überraschend gut und hat etliche Gags auf Lager, die heute noch gerne zitiert werden. So etwa das Anti-Hai-Batspray. Für Liebhaber der absurden Komik natürlich ein Fest, dennoch sind die einzelnen TV-Episoden für das „Campy“-Konzept eher geeignet und ermüdet in Kinofilmform ein wenig.

Astérix et Cléopatre / http://i.ytimg.com/vi/TZ-MPLx3qe0/hqdefault.jpg

Serien-Überblick
In der 3. Staffel von „Archer“ (2011) nehmen die Dinge teilweise allzu absurde Wendungen. Um das hohe Tempo einzuhalten, scheint es notwendig, immer größere Handlungsbrücken aufzubauen. So beginnt die Staffel mit einem anfänglich unterhaltsamen Ausflug in den Pazifik, wo Archer nach der Ermordung seiner großen Liebe Katja, als Piratenkönig eine unverhoffte Abwechslung findet. Gerade diese Klammer, rund um Katja, Cyborg-Barry und die Fehde zwischen Archer und Barry, nimmt der Serie ein wenig von ihrer Gelassenheit. Allein stehende Episoden wie „The Man from Jupiter“ (mit Burt Reynolds als er selbst!), „El Contador“ oder „Drift Problem“ zeigen den zynisch-anarchischen Witz, wie man ihn von „Archer“ liebt.
Adrien Brody ist ein großartiger Harry Houdini, doch der zweiteilige Fernsehfilm „Houdini“ (2014) nach einem Drehbuch von Nicholas Meyer und unter der Regie von Uli Edel kommt kaum über engagierte Fernsehkost hinaus. Das ist insofern ärgerlich, als das Leben des großen Entfesslungskünstlers und Magiers viel Stoff für einen aufregenden Film hergeben würde, doch das Drehbuch ist voller Abkürzungen und platter Narration (Meyer gab bekannt, dass das ursprüngliche Werk neu geschnitten und bearbeitet wurde und ein komplexeres Werk dadurch verloren ging) und Edels Regie auf Basis einfachster CGI-Tricks und einer Nervtötenden Musikuntermalung, rauben dem Unterfangen zeitweilig den letzten Reiz. Da hilft auch Brodys ansehnliche Leistung in der Hauptrolle nicht. Das zweiteilige Fernseh-Event enttäuscht.
Seit meiner Kindheit, ist die unregelmäßig immer wieder neu gesichtete Serie „Il état une fois…l’homme“ (1978) von Albert Barillé ein Fixpunkt, wenn es um die besten Zeichentrickserien geht, die ich kenne. Auf für Kinder leicht verständliche aber auch für Erwachsene unterhaltsame Weise, erzählt in der deutschen Synchronisation der wunderbare Josef Meinrad als Maestro von der Menscheitsgeschichte. Die tolle Synchronisation, die ansehnliche Animation und die fein aufbereitete Historie, lassen die Serie immer wieder zu einem Genuss werden. Manche Passage, die zur Auflockerung für Kinder dient, ist nicht immer gelungen für Erwachsene aber dafür sorgt Josef Meinrad mit seiner Narration immer wieder für verschmitzte Momente um einen allzu pädagogischen Gestus zu brechen.
Den Klassiker „Bonnie and Clyde“ neu zu verfilmen, muss man sich schon mal trauen. A&E Networks (zu dem auch der History Channel und Lifetime zählen) hat sich dies 2013 getraut und einen zweiteiligen Fernsehfilm produziert. Unter der Regie von Bruce Beresford agieren Emile Hirsch und Holliday Grainger als das legendäre kriminelle Duo. Es sind akzeptable Leistungen, während William Hurt als sie jagender Frank Hamer kaum Material benötigt um mittels seines Charismas die Szenerie zu beherrschen. Lane Garrison als Clydes älterer Bruder und Sarah Hyland als dessen Frau fügen sich ansehnlich in das Ensemble ein, während Holly Hunter nicht mehr als ein prominenter Gaststar bleibt. Natürlich verblasst die Mini-Serie im Vergleich zum Filmklassiker, doch es sind vor allem die unnötigen Erweiterungen, wie der modernisierte Soundtrack oder Clydes hellseherischen Fähigkeiten, die immer wieder für Verwunderung sorgen. Die psychische Verfassung von Bonnie Parker bleibt unter Beresford unklar.
Mit großem Werbeaufwand wurde die 1. Staffel der exklusiven Netflix-Serie „Marco Polo“ (2014) veröffentlicht. Die Serie rund um die Abenteuer des jungen Venezianers Marco (Lorenz Richelmy) am Hofe des Kublai Khan (bester Darsteller in der 1. Staffel: Benedict Wong) sind optisch von großer handwerklicher Kunstfertigkeit, aber verwässern unter den Dialogreichen Intrigen. Erst gegen Ende der Staffel wird durch den Ansturm auf die Chinesische Mauer und den drohenden Tod bei Misserfolg für Marco wieder so etwas wie Spannung bemerkbar. Doch da hat man zwischenzeitlich bereits das Interesse verloren. Viel zu langatmig dehnt man die Handlung über zehn Episoden, wo es auch sechs getan hätten. Eine 2. Staffel wird ohne mich auskommen müssen.
Die Manga-Serie „Herushingu“ war mir bislang unbekannt, doch die Hauptfigur des Vampirs Alucard kam mir bekannt vor. So war ich doch an der nur eine Staffel lang laufenden Serie (2001) interessiert, in der Alucard und der Hellsing-Orden im Kampf gegen Vampire und Ghouls zu sehen sind. Was bis zur Hälfte der Staffel gut funktioniert – einzelne Missionen und ein etwas mächtigerer Bösewicht der zur Staffelhälfte für einen ersten Serienhöhepunkt sorgt – wird ab Episode 8 völlig verworfen. Plötzlich stehen wir einer Intrige zur Zerstörung des Ordens gegenüber und diese zieht sich bis zum Staffelende, wobei die Auflösung viel zu gehetzt und unbefriedigend ausfällt. Guter Beginn, aber starker Abfall zum Ende hin.
Mit ein wenig Abstand kam dann auch endlich die 4. Staffel (2013) von „Archer“ zum Zug. Nach all den Wendungen zum Ende der 3. Staffel (mit einer doch etwas lachhaften Weltraum-Doppelfolge) beginnt die 4. Staffel mit Archer als Burgerbrater ohne Gedrächtnis. Natürlich findet er innerhalb einer Episode wieder zu ISIS, doch der Spaß liegt diesmal viel mehr bei den Nebencharakteren und Gaststars. So etwa bei seinem besten Kumpel Lucas Troy (Timothy Olyphant) und seinem angeblichen Tod, oder vor allem den Experimenten die Dr. Krieger (immer besser und prominenter in der Serie: Lucky Yates) durchführt. Was die Serie zum Ende der Staffel ein wenig an die Grenzen ihres Unterhaltungswerts führt, ist ausgerechnet die Glaubwürdigkeit. Wie ISIS überhaupt finanziell und logistisch überleben kann, bleibt ein Geheimnis. Auch so manche (viel zu vorhersehbare) Wendung funktioniert nicht immer so, wie es sein soll.
So langsam erreicht „How I Met Your Mother“ einen toten Punkt. Staffel 6 (2010) konzentriert sich auf Ted und sein Projekt für GNB eine neue Zentrale zu bauen und zwar ausgerechnet an jenem Platz, an dem das altehrwürdige aber herunter gekommene Hotel „The Arcadian“ steht. Dies führt ihn mit Aktivistin Zoe (Jennifer Morrison) zusammen. Wenn man nicht wüsste, dass diese Serie 9 Staffeln hatte, hätte man gut und gerne diese hier als den Endpunkt sehen können. Die Charaktere entwickeln sich kaum weiter und bleiben eine Staffel lang in all den alten und bekannten Verhaltensweisen stecken. Der Gag, nun aber wirklich „die Mutter“ kennen zu lernen, beginnt immer mehr zu einer Bürde zu werden.
Die von Netflix übernommene Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“ (2015) wurde von Medien in den USA, England und Deutschland mit viel Aufmerksamkeit bedacht. Tina Fey und Robert Carlock haben mit der aus 15 Jahren Gefangenschaft befreiten Kimmy Schmidt (perfekt: Ellie Kemper) einen schwierigen Charakter in einer noch schwierigeren Handlung kreiert. Als Teil der „Mole Women“, die von einem verrückten Apokalypse-Prediger (fantastisch: Jon Hamm) in einem Bunker gefangen halten wurde, da sie an das Ende der Welt glaubte, und nun in New York versucht ein neues Leben zu beginnen, muss Kemper einerseits den schrägen Humor von Fey und Carlock (der sehr an „30 Rock“ erinnert) transportieren, aber den psychisch fragilen Zustand einer in Gefangenschaft gehaltenen Frau darstellen. Kemper gelingt dies und ihre Co-Stars (vor allem Titus Burgess als ihr schwuler Wohnungsgenosse) sowie einige sehr amüsante Gastauftritte (allen voran Richard Kind) sorgen für Kurzweil. Einige popkulturelle Scherze zünden jedoch nicht, oder sind einfach nur dumpf (etwa das von Fey und Jerry Minor dargestellte inkompetente Staatsanwalts-Duo). Nicht die Sensation, die manche Medien hier sehen, aber eine sehr unterhaltsame Serie mit einigen erinnerungswürdigen Darstellungen.
Da nun die gesamte Serie als DVD-Box bei mir zu Hause steht, war die Zeit reif, erneut die 1. Staffel von „Batman“ (1966) zu sichten. Angesichts der heute bekannten düsteren Ausrichtung erscheint die geradezu extrem bunte Adaption aus den 1960ern wie eine irrwitzige Idee. Manchmal scheint die Komik ein wenig über die Strenge zu schlagen, wenn etwa Frank Gorshin als Riddler aus dem Kichern gar nicht mehr heraus kommt. Die Inkompetenz der Polizei sorgt immer wieder für Lacher und der politisch korrekte Anspruch von Batman und Robin steht in ebenso großem Gegensatz zu dem heute bekannten Batman. Dass Adam West und Burt Ward heute noch hoch gelobt werden (wie auch die Bösewichte und Nebendarsteller) ist im Angesicht der ersten 34 Episoden absolut kein Wunder.
Was für ein Auftakt. In Staffel 5 (2014) von „Archer“ sieht man eine Disney-artige Traumlandschaft, die das Büro von ISIS darstellen soll und bricht mit einem Bombenangriff diese Idylle. Was darauf folgt, sind irrwitzige Wendungen, die schließlich als „Archer Vice“ wie ein Spin off der eigenen Serie wirkt. Die zu Drogenhändlern gewordenen ISIS-Agenten, landen inmitten politischer Umwälzungen und Doppelbödiger Deals. Gaststars wie Christian Slater erfreuen das Ohr, aber streckenweise wirken die Running Gags und Wendungen ein wenig zu erzwungen. Zu sehr dreht sich das Geschehen weg vom bekannten Agentenkosmos. Vor allem ein Charakter wie Pam wird in dieser Staffel immer mehr zu einer kaum zu ertragenden Bürde für die ganze Serie. Mit der letzten Wendung bleibt die Hoffnung, dass „Archer“ sich von unterhaltsam wieder zu grandios empor arbeitet.

Unbreakable Kimmy Schmidt / https://pmcdeadline2.files.wordpress.com/2015/03/unbreakable-kimmy-schmidt.jpg?w=970

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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