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Ein Sci-Fi-Geniestreich von Regie-Debütant Alex Garland und ein Action-Meisterwerk des australischen Routiniers George Miller. „Ex Machina“ und „Mad Max: Fury Road“ würden bereits für ein starkes Film-Monat genügen, aber dann waren da auch noch „A View from the Bridge“, die zweite Staffel von „The Blacklist“ und viele Neuentdeckungen auf dem europäischen Filmmarkt, die mir bislang unbekannt waren. Geradezu als Zuckerl gab es ein Wiedersehen mit den Filmen von Peter Tscherkassky.

Neuzugänge
Alex Garland wurde als Schriftsteller, dessen Besteller verfilmt wurde („The Beach“) bekannt, arbeitete dann als Drehbuchautor („28 Days Later“, „Sunshine“, „Never Let Me Go“) und feiert nun mit „Ex Machina“ sein beeindruckendes Regiedebüt. Domhnall Gleeson ist der 24-jährige Programmierer Caleb, der eine Firmeninterne Lotterie gewinnt und eine Woche mit dem mysteriösen und abgeschieden lebenden Inhaber und Computer-Genius Nathan (beeindruckend: Oscar Isaac) als Preis erhält. Was zunächst wie ein Blick in die isolierte Welt eines Exzentrikers beginnt, wird schnell zu einem Forschungsauftrag mit vielen Wendungen doppelten Böden. Die künstliche Intelligenz Ava (mechanisch, kühl und doch erotisch: Alicia Vikander) soll von Caleb in einem Turing-Test getestet werden. Die Anklänge an „The Island of Dr. Moreau“ und „Frankenstein“ sind ebenso zu spüren, wie natürlich an „Metropolis“, „Her“ oder auch „Blade Runner“. Garland vermischt bewusst kühle und an Chat-Programme erinnernde Dialoge, mit Macho-Ausbrüchen, vor allem von Nathan und natürlich einer Prise Paranoia. Ein hervorragender Sci-Fi-Film und schon im Genre-Kanon vermerkt. In unserem Dialog besprechen wir den Sci-Fi-Geniestreich.
Nachdem mich die National Theatre Live-Übertragung von „Frankenstein“ so begeisterte, war ich schon gespannt auf die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Arthur Miller-Adaption „A View from the Bridge“ (2015) mit Mark Strong in der Hauptrolle des in New York ein Leben erbauten Sizilianers Eddie Carbone. Als zwei Cousins illegal in die Stadt kommen, um dort zu arbeiten, beginnen die Dinge ihren Lauf zu nehmen. Vor allem den jungen und für sein Empfinden zu leichtlebigen Rodolpho, der ein Auge auf die bei Eddie aufgewachsene Nichte Catherine geworfen hat, beginnt er immer misstrauischer zu beäugen. Die Produktion von Ivo van Hove ist spartanisch und lässt auf einer kleinen, leeren Bühne ein Wunderwerk entstehen. Obwohl nur die Narration des Anwalts die Schauplätze etabliert, beginnt man alles vor sich zu sehen. Die Darsteller, allen voran ein grandioser Mark Strong, tragen das Stück und machen die Konflikte nachvollziehbar, obwohl man sich selbst kaum so verhalten würde oder auch möchte. Einzig die viel zu kitschig-sakrale Musik (vor allem im Finale) sorgt für Flecken auf der nahezu weißen Weste.
Gut 30 Jahre sind seit dem dritten und bislang letzten „Mad Max“-Teil vergangen. Mit „Mad Max: Fury Road“ (2015) gelingt George Miller ein beeindruckendes Comeback seiner legendären Filmreihe. Tom Hardy schlüpft in die Rolle von Max Rockatansky, der gefangen genommen wird und schließlich zunächst unfreiwillig bei der Flucht von Furiosa (Charlize Theron) hilft. Viel mehr Handlung gibt es nicht und das genügt Miller auch, um einen fantastisch anzusehenden und überaus unterhaltsamen Action-Reigen zu inszenieren. Dem Action-Spektakel widmeten wir natürlich auch einen Dialog.
Der beste Film von Brad Bird ist weiterhin „The Incredibles“. Seine animierte Action-Komödie zeigte alles, was ein Familientaugliches Actionspektakel haben sollte. Danach folgte der vierte und höchst erfolgreiche Teil von „Mission: Impossible“. Nun also auf Basis einer Attraktion des Walt Disney Themenparks also der Fantasy-Film „Tomorrowland“ mit George Clooney. Doch die Hauptrolle nimmt Britt Robertson als aufmüpfige Casey ein, die in den Besitz eines merkwürdigen Buttons gerät und sich schließlich in einem verwirrenden Wettlauf um den Zugang zur Paralleldimension „Tomorrowland“ findet, in die sie das einstige Wunderkind Frank (Clooney) bringen soll. Nach etwa einer Stunde beginnt sich langsam die Handlung zu entschälen und man beginnt zu verstehen, worum es überhaupt geht. Bird hat das Herz auch am rechten Fleck und predigt Optimismus und Innovation im Angesicht globaler Probleme. Doch die Handlung ist zu Spielberg-süßlich (im schlimmsten Sinne) und verliert sich in sehr viel mysteriösem Aufbau um einen recht simplen Schluss zu finden. Dass Clooney und Robertson sehr sympathisch aufspielen und Hugh Laurie einen amüsanten Bösewicht bietet, hilft nur wenig bei zu kindlichen Special Effects. Kein schlechter Film, aber Bird hat schon viel bessere Arbeiten abgeliefert.

A View from the Bridge / http://www.standard.co.uk/incoming/article9258558.ece/alternates/w620/36viewbridge1404a.jpg

Das zweite royale Baby wurde geboren und so kam der Moment dass ich doch einmal den Lifetime-Fernsehfilm „William & Kate“ (2011) von Mark Rosman zu sichten. Die Liebesgeschichte von Prinz William und Kate Middleton wird in billiger Aufmachung, wie die Karikatur einer „Plötzlich Prinzessin“-Version präsentiert, inklusive „royalen Trainings“ für Kate, wie sie etwa korrekt aus einem Auto aussteigt. Die Dialoge sind furchtbar platt und die Darsteller versuchen mit aufgesetzten Lachern Freude zu vermitteln, was völlig misslingt. Unfreiwillig komisch aber keineswegs empfehlenswert.
Auf Basis von William Shatners großartigem Album „Has Been“ entwickelte die Choreografin Margo Sappington ein Ballet und unter dem Titel „William Shatner’s Gonzo Ballet“ (2009), kann man die Hintergründe jeder einzelnen Performance und auch der Songs erfahren. Informativ, unterhaltsam und von tollen Songs profitierend.
Viel mediales Aufsehen erregte der australische Psycho-Horror „The Babadook“ (2014) von Jennifer Kent. Eine nach einem Autounfall alleinerziehende Mutter (fantastisch: Essie Davis) muss mit den Verhaltensauffälligkeiten ihres Sohnes zurecht kommen, was sie jedoch kaum erträgt. Als eines Abends das Buch „The Babadook“ vorgelesen wird, beginnen sich mysteriöse Vorfälle zu häufen. Kent macht aus einem sichtlich limitierten Budget das Möglichste und reduziert die Horroreffekte auf den psychologischen Effekt, den es auf die Familie hat. Essie Davis ist großartig als stets müde und erschlagen wirkende Mutter, die vom Babadook besessen, schließlich ihr Kind angreift, um am Ende dagegen anzukämpfen. Das Ende ist auch überraschend und humorvoll geraten, doch hat man die „Exorzist“-artige Handlung schon x-mal gesehen. Effektiv aber nicht so gut, wie gedacht.
Ein junger Helmut Qualtinger ermittelt ein wenig widerwillig in „Mann im Schatten“ (1961) von Arthur Maria Rabenalt. Qualtinger wirkt wie ein Vorläufer von Inspektor Columbo, was die Statur und auch die etwas schludrige Ermittlungsarbeit angeht. Doch Wien Anfang der 1960er ist ein sehr autoritärer Ort, an dem ein Beamter mit Untergebenen verfahren durfte, wie es ihm gefiel. Nur finanziell und gesellschaftlich besser gestellte Menschen, agieren mit einem Beamten auf demselben oder über ihrem Niveau. So ist „Mann im Schatten“ als Gesellschaftsporträt von hohem Interesse, während der Mordfall an einer jungen Frau, die tot in der Badewanne aufgefunden wird, nicht sonderlich interessant.
„The Thing Called Love“ (1993) war der letzte Film, den der viel zu früh verstorbene River Phoenix fertigstellen konnte. Unter der Regie von Peter Bogdanovich sind er und Samantha Mathis als hoffnungsvolle Countrysänger auf der Jagd nach Ruhm und Erfolg. Gut gespielte Nebenrollen von Dermot Mulroney und Sandra Bullock heben ein wenig die Qualität, doch weder ist Mathis interessant genug, noch scheint Phoenix seinem plötzlich berühmt gewordenen Countrystar neue Facetten abringen zu können. Technisch sauber und für Freunde von Country-Musik sicher unterhaltsam. Allerdings kein großer Wurf von Bogdanovich.
Nicolas Cage als Star in der Neu-Verfilmung einer vor allem im evangelikalen Milieu berühmten Bücherreihe, die erstmals mit Kirk Cameron als Low-Budget-Trilogie verfilmt wurde. „Left Behind“ (2014) unter der Regie von Vic Armstrong hatte die Zutaten für einen unglaublich komischen Bibel-Apokalypse-Film. Genau das ist es dann auch geworden, allerdings mit Fokus auf den Apokalypse-Teil, der unaufgeregt zwischen schlecht inszenierten Unfällen auf der Erde, und dem Chaos an Bord eines Flugzeugs (mit Captain Cage) wechselt. Die Möglichkeiten für viel Spaß wären vorhanden gewesen, doch selbst als ernsthafter Film über Glauben und die Bibel, funktioniert dieser Katastrophenfilm nicht. Denn die Gläubigen, die in den Himmel gerufen werden, sind entweder unschuldige Kinder, oder am Rande des Fanatismus agierende Erwachsene. Die Simpsons-Parodie „Left Below“ (welche die Bücher veralbert) trifft den Ton des ganzen Unterfangens genau.
„Das andere Leben“ (1948) entstand als unabhängige Produktion des Theaters in der Josefstadt. Mit der Geschichte einer Jüdin, die sich bei einer Freundin versteckt, rüttelte die Produktion am Tabu, die Rolle der österreichischen Bevölkerung bei der Judenverfolgung im Dritten Reich zu thematisieren. Wenn die jüdische Freundin ins Krankenhaus muss, nimmt sie die Identität ihrer Beschützerin Elisabeth an. Als sie im Krankenhaus stirbt, verliert auch Elisabeth ihre offizielle Identität. Die Thematik ist lobenswert und der Mut zu spüren, doch die überzogen melodramatische Form lässt das Unterfangen heute schlecht gealtert wirken.
Axel Cortis Fernsehfilm „Totstellen“ (1975) ist auf der narrativen Ebene ein wenig unnötig verworren. Klaus Rott als Maurer Franz, der dem Vater (ein Landwirt) nicht in den Fußstapfen folgt und mit seiner schwangeren Freundin eine Familie gründen will, ist gut besetzt. Seine unreife Art passt zu dem jungen Mann, der viel zu früh mit der Familiengründung konfrontiert wird. Hinzu kommen Korruption und Mord auf der Großbaustelle, auf der Franz arbeitet (man bekommt Karl Merkatz als seinen Vorgesetzten zu sehen). Als Gesellschaftsporträt eines Österreich wie es in den 1970ern existierte, funktioniert „Totstellen“ hervorragend. Die Krimiaspekte wirken hingegen unnötig hinzugefügt.
Auf der Suche nach einem lustigen Sandalenfilm italienischer Prägung, stieß ich auf „Gli amori di Ercole“ (1960) in dem Jayne Mansfield die weibliche Hauptrolle spielte. Damit ist allerdings auch schon alles gesagt. Manch unfreiwillig komischer Effekt kann nicht für die schlechten Darsteller und die langweilige Handlung entschädigen.
Der Low-Budget-Film „Ein Tag, eine Nacht und ein bisschen Morgen“ (2011) basiert auf einem Theaterstück von Peter Stamm und zeigt den Alltag einer Handvoll Männer und Frauen in einem nicht näher benannten Industriegebiet. Stefan Kurowski und Karl Wozek tauchen den Film in ausgewaschene Farben und unterlegen es mit etwas zu oft abgespielter Musik. Diese Atmosphäre der Ausweglosigkeit und Leere überträgt sich leider auch zu gut auf den Zuseher. Bei der Betrachtung einer sich entwickelten Büro-Liebesgeschichte oder dem harten Leben einer Frau mit mehreren Jobs, schaltet man langsam ab. Von einnehmenden Charakteren kann hier keine Rede sein.
Der auf arte in einer restaurierten Fassung gezeigte Stummfilm „L’inhumaine“ (1924) von Marcel L’Herbier profitiert von großartigen Produktionswerten und einem Kameraauge für abstrakte Formen. Die Handlung rund um eine Sängerin (Georgette Leblanc) die den Männern um ihr herum den Kopf verdreht, bis sich ein Mann nach einer Zurückweisung, das Leben nimmt (Jaque Catelain, zieht sich ein wenig, da der Grundkonflikt um eine Frau und die damals vorherrschende Moral recht schnell abgearbeitet ist. Wenn im Finale plötzlich ein stilistisch an Caligari-Metropolis-artig gemahnender Sci-Fi-Strang um das Entstehen von Leben hinzu kommt, fügt sich dies mit dem Produktionsdesign zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Doch der Film in seiner Gesamtheit wirkt merkwürdig zerrissen.
Der serbisch-deutsche Kriegsfilm „Die Brücke am Ibar“ (2012) von Michaela Kezele ist ein geradezu typisches Kriegsmelodram. Der Bürgerkrieg im Kosovo dient Kezele dazu, eine Liebesgeschichte zwischen einer serbischen Witwe und einem flüchtenden Albaner (den sie bei sich zu Hause versteckt) zu erzählen. Zudem zeigt sie aus Sicht ihrer beiden Kinder, den Alltag in einem Kriegszerrissenen Gebiet (der Ibar war/ist die natürliche Grenze der beiden Konfliktparteien). Ernsthaft, mti dem Herz am rechten Fleck aber nicht wirklich viel Neues erzählend.
Nach dem Besuch von „King Lear“ am Burgtheater, und mehr oder weniger als Vorbereitung für den kommenden „Macbeth“ mit Michael Fassbender und Marion Cotillard, wandte ich mich dem Stück um den schottischen König und seine Lady zu. In der Fassung von Rupert Goold mit Patrick Stewart als „Macbeth“ (2010) wird aus dem Stück ein Spionage-Kriegs-Thriller in einer fiktiv-sowjetischen Version. Überraschend viele Horroreffekte werden von Goold eingebaut, die gemeinsam mit dem so genannten lens flare (ein Meister darin ist etwa J.J. Abrams) immer ein wenig unpassend wirken. Goold hat sich viel einfallen lassen und Stewart bearbeitet den Text mit großer Geste. Auch Kate Fleetwood als Lady Macbeth legt viel Gewicht in den Text. Das ist alles sehr groß und ebenso wenig subtil. Ein wenig mehr dezentes Auftreten bei Inszenierung (rappende Hexen?!) und subtileres Schauspiel hätten hier nicht geschadet.
Zufällig stolperte ich über den chilenischen Grindhouse-Ableger „Tráiganme la cabeza de la mujer metralleta“ (2012), der die von Tarantino und Rodriguez wieder belebte Pseudo-Trash-Optik mit Grand Theft Auto-Logik vermischt. Gerade deshalb funktioniert der gerade einmal 80-minütige Streifen um einen DJ, der einem Mafiaboss verspricht, eine gesuchte Killerin (als Machine Gun Woman unterwegs: Fernanda Urrejola) zu schnappen. Eingeteilt in Missionen macht es gar nichts, wenn man als Zuseher auch einfach mal geistig abschaltet, da es wirklich so wirkt als würde man dem Regisseur beim Spiel eines GTA-Modus zusehen, in dem er aber stets scheitert. Unterhaltsam und kurzweilig.
Ebenso unterhaltsam und kurzweilig ist „Jurassic City“ (2014) von Sean Cain und doch funktioniert er bei Weitem nicht so gut, wie der chilenische Grindhouse-Film, obwohl sie in etwa dasselbe Publikum ansprechen. In „Jurassic City“ sind die Dinosaurier mit schlechter CGI ins Geschehen eingefügt und die Charaktere sind entweder psychotische Männer oder nymphomanisch wirkende Frauen. Deshalb gelingt es „Jurassic City“ auch nicht, über die lustig-blutigen Szenen hinaus zu überzeugen. Stars wie Ray Wise geben ihr Bestes mit wenig Material. Dennoch einer der unterhaltsameren schlechten Filme in letzter Zeit.
Mark Romanek begann seine Karriere als Regisseur für Musikvideos und arbeitete unter anderem mit R.E.M. und Michael Jackson zusammen. Da ich aber so gut wie nie die Namen der Regisseure von Musikvideos kenne (außer sie beginnen Filme zu drehen), wurde mir Romanek erst durch den wunderbaren Psychothriller „One Hour Photo“ mit Robin Williams bekannt. Gut acht Jahre später folgte (nachdem er den Posten bei dem „The Wolfman“-Remake abgab) „Never Let Me Go“ (2010). Basierend auf dem Roman von Kazuo Ishiguro sieht man ein Sci-Fi-Melodram, in dem Menschen gezüchtet werden, nur um als Vorratslager für die Menschheit zu dienen. Ihr kurzes Leben hauchen sie aus, wenn sie zu viele Organe abgeben mussten. Der Roman offenbart diesen Aspekt erst spät, doch im Film ist es sehr schnell klar, weshalb die Kinder abgeschottet von der Außenwelt erzogen werden. Unter der Leitung von Miss Emily (Charlotte Rampling), stellen sich die Kinder niemals die Frage, weshalb sie nicht nach draußen dürfen. Die progressivere Miss Lucy (Sally Hawkins) versucht den Kindern dies bewusst zu machen und stößt doch nur auf Unglauben. Das Geschehen konzentriert sich aber dennoch mehr auf das Dreigespann Kathy, Tommy und Ruth (als Erwachsene von Carey Mulligan, Andrew Garfield und Keira Knightley dargestellt). Die Frage, welchen Sinn ihr Leben hat und welche Wege sie gehen dürfen und welche sie gehen sollen, stellt Romanek ins Zentrum seiner sensiblen Parabel, die sich ein wenig zu sehr in altbekannte Inszenierungs“tricks“ verrennt und in ausgewaschenen Farben das Leben in diesem fiktiven England darstellt. Positiv überrascht war ich auf Darstellerseite von Andrew Garfield, der sich ein wenig zu effektiv als neuer (mittlerweile schon wieder alter) Spider-Man festgesetzt hat.
Die Filme von Kim Ki-duk haben ein eingeschworenes Publikum, welches vor allem bei Filmfestivals sehnsüchtig auf den neuesten Wurf des Südkoreaners wartet. Endlich konnte ich mit „Pieta“ (2012) auch einen Film des umstrittenen Stilisten sichten. Die Geschichte eines brutalen Kredithais, der nach der Ankunft einer Frau, die behauptet seine Mutter zu sein, sein Leben versucht umzukrempeln, hat mich von all meinen Kim Ki-duk-Ambitionen kuriert. Stilistisch klar und mit einem wenig subtilen Ziel, sind es die starken Darsteller, die das Geschehen erträglich machen.
Die von André Heller als „Versuch“ klassifizierte Dokumentation „Qualtinger“ (2011) ist eine an Material reiche Zusammenstellung über Leben und Werk des großen Helmut Qualtinger. Freunde und Weggefährten erinnern sich an ihn und Heller bietet ein sympathisches aber teilweise auch etwas unreflektiert „grandioses“ Bild des viel zu früh verstorbenen Künstlers. Einzig sein Sohn bietet tiefere Einsichten zum Privatmann Qualtinger.
Ryan Reynolds war noch nie besser denn in der pechschwarzen Komödie „The Voices“ (2014). Die für „Persepolis“ Oscar-nominiert Marjane Satrapi zeigt den Arbeitsalltag von Jerry (Reynolds) wie einen surrealen Tagtraum, während seine Gespräche mit seinem Hund und seiner Katze dagegen recht Erdgebunden anmuten. Was jedoch die lustige Idee nicht ganz funktionieren lässt, ist der etwas zu langatmige Rhythmus und auch die zu vorhersehbaren Folgen, die Jerrys Taten nach sich ziehen.
Ungemein sympathisch ist Ruben Alves‘ „La Cage Dorée“ (2013), den er seinen Eltern widmete. Darin zeigt Alves den Alltag der portugiesischen Einwanderer Maria und José Ribeiro, die seit 30 Jahren in Frankreich leben und schuften. Als ihnen eine Erbschaft mit Umzug nach Portugal ins Haus steht, beginnt plötzlich ihr Umfeld alles daran zu setzen, die Ribeiros an Frankreich zu binden. Ganz im Stil französischer Familienkomödien, zeigt Alves auf sympathische und sensible Art, wie sich eine Einwandererfamilie auch nach Jahrzehnten schönen Lebens im neuen Land, doch unter der Oberfläche nicht ganz heimisch fühlen kann und die Umgebung sie dies bei erstbester Gelegenheit spüren lässt. Allerdings bewegt sich dies dann doch im bekannten Rahmen und sorgt deshalb öfter mal für Leerlauf.
Der bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete Dokumentarfilm „Sacro GRA“ (2013) zeigt das Leben der Menschen, rund um den Autobahnzubringer. Die aneinander gereihten Vignetten ergeben eine informative Chronik, aber mich lässt der Gedanke nicht los, was ein Ulrich Seidl oder Michael Glawogger aus diesem Stoff gemacht hätten.
„Thought Crimes“ (2015) zeichnet den Prozess gegen den Polizisten Gilberto Valle nach, der als „Cannibal Cop“ vor Gericht stand. Die dünne Linie zwischen privaten und heimlichen Gedanken und Straftat, ist das Hauptthema des ambitionierten aber ein wenig zu routiniert montierten Dokumentarfilms. Valle wird viel Raum dafür gegeben, sich zu verteidigen und Rechtsprofessoren erläutern. Das ist aber nach gut 30 Minuten erschöpfend ausgearbeitet, um dann eine weitere Stunde nur zu wiederholen, was man bereits gehört und gesehen hat.
Dany Boon hat in Frankreich seine Fans und seit seiner Hit-Komödie „Bienvenue chez les ch’tis“ gilt er auch im Rest Europas als Star. Die wieder unter seiner Regie entstandene boulevardeske Farce „Supercondriaque“ (2014) baut auf einer amüsanten Grundidee auf, in der Boon als Hypochonder Roman seine Kollegen und vor allem seinen Arzt Dimitri (Kad Merad) ständig auf die Nerven geht. Die vielen Wendungen rund um den Tod eines Freundes, Online-Dating und die Revolution in einem fiktiven Land, langweilen auf Dauer, da sie jeden halbwegs realen Boden nach wenigen Augenblicken verlassen.
Im Zuge der Lektüre des aktuellen Geo Epoche zum Deutschen Herbst, stieß ich auf ein Kapitel zur japanischen RAF. Die filmische Bearbeitung dieser hierzulande kaum bekannten Episode der japanischen Geschichte, ist in „Jitsuroku Rengo Sekigun: Asama sanso e no michi“ (2007) streckenweise sehr gut geglückt, doch wird kaum auf die Hintergründe eingegangen. Dokumentarische Einspieler zeigen den historischen Rahmen und wie es zur Gründung der japanischen RAF kam um schließlich das Trainingscamp in den Bergen detailliert zu behandeln. Dort wurden Mitglieder von den Führungskadern (vor allem Tsuneo Mori) unter dem Siegel der „Selbst-Examination“ und „Selbstkritik“ in den Tod getrieben. Dies wird geradezu niederschmetternd ausführlich dargestellt, doch dabei dringt man leider kaum in die Gedankenstrukturen der Gruppe vor und sieht „nur“ eine Politsekte, die sich unter den Anfeuerungen ihres Führers gegenseitig lyncht. Wer Interesse an der Thematik hat, darf diesen detaillierten Film jedoch nicht verpassen.
Lange bin ich um Orson Welles‘ „Mr. Arkadin“ (1955) herum gesegelt. Warum genau weiß ich gar nicht und nach Ansicht der europäischen Schnittfassung unter dem Titel „Confidential Report“ (größter Unterschied ist eine zusätzliche Off-Narration, die aber den B-Movie-Charme noch unterstreicht) kann ich mir gar nicht erklären weshalb. Der Schwerreiche Gregory Arkadin (Welles) will von deinem amerikanischen Abenteurer, der ein Auge auf Arkadins Tochter geworfen hat, ein Dossier über seine eigene Vergangenheit erstellt haben, da sich Arkadin an keine Details aus seiner Vergangenheit erinnern kann. Welles macht aus dieser Geschichte einen B-Movie-Bruder zu „Citizen Kane“, mit steilen Kamerawinkeln, harter Schwarzweiß-Fotografie und einer sinistren Darstellung, die zu den besten Leistungen gehört, die man von Welles zu sehen bekam. Leider hat sich „Mr. Arkadin“ nicht so im kollektiven filmischen Gedächtnis festgesetzt, doch in meiner persönlichen Bestelinste, nimmt dieser B-Movie einen hohen Platz ein.
Zwei Jahre bevor Walter Ruttmann den Dokumentarfilm mit seiner essayistischen Großstadtsinfonie an Berlin der Stadt und sich selbst ein Denkmal setzen sollte, war es Adolf Trotz, der die nach dem 1. Weltkrieg langsam wieder auf die Beine gekommene Metropole in „Die Stadt der Millionen“ (1925) porträtierte. Die Spielfilmeinschübe mit nachgestellten historischen Ereignissen und Cartoons zu Zukunftsvisionen sind unterhaltsam, aber ansonsten ist Trotz‘ Werk ein wenig zu sentimental und unkritisch geraten.
Langsame Filme können faszinieren, indem sie den Fokus auf die Charaktere legen. Der argentinische Roadmovie „Las acacias“ (2011) um einen LKW-Fahrer (Germán de Silva), der eine junge Frau und ihr Kind mit auf seine Fahrt nimmt, ist aber derart langsam geraten, dass die Konzentration auf die Charaktere erst recht offenbart, wie oberflächlich diese gestaltet wurden. Ganz feine Details zu den Hintergründen werden eingewoben, aber das ist zu wenig um das Interesse hochzuhalten. Eine langatmige 80-minütige Autofahrt.
Da ich von langsamen Filmen sprach. Der Zombiefilm „Maggie“ (2015) von Henry Hobson hat Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle als Wade, der seine von einem Zombievirus infizierte Tochter Maggie (Abigail Breslin) beschützen muss. Dies klingt nach einem Metzelwerk, doch Hobson konzentriert sich auf die Beziehungsprobleme innerhalb der Familie, die durch die Krankheit auftreten. Schwarzenegger überrascht mit einer sehr nuancierten Darbietung, in der Trauer, Sorge und auch Wut schön ausgearbeitet werden, während Abigail Breslin vor allem im Zusammenspiel mit anderen Teenagern brilliert. Da die Krankheit mehr aus dem Blickpunkt der Jugendlichen gezeigt wird, hat „Maggie“ auch leise Anklänge an die Graphic Novel „Black Hole“. Zwar lässt Hobson den Handlungsfluss oft zu sehr stopppen, was das Interesse ein wenig erlahmen lässt, doch im Strom der Zombiefilme, ragt „Maggie“ eindeutig positiv heraus.
Seit Jahren wollte ich „While You Were Sleeping“ (1995) endlich einmal sehen. Ausschnittsweise kannte ich die romantische Komödie um eine hoffnungslos in einen gelackten Typen (Peter Gallagher) verliebte Stationsaufseherin (Sandra Bullock). Als dieser ins Koma fällt und die Familie sie für dessen Verlobte hält, scheint kaum etwas für diesen Kitsch zu sprechen. Merkwürdigerweise funktioniert der von Jon Turteltaub inszenierte Film aber unglaublich gut. Der Charme von Sandra Bullock befällt den gesamten (sehr weihnachtlichen) Film und Bill Pullman als sich langsam in Lucy (Bullock) verliebender Bruder des vermeintlichen Verlobten, passt ideal zu ihr. Formelhaft, vorhersehbar und teilweise mit schrecklichen Dialogen und dennoch ein wunderbar komischer und rührender Film.
Der Stummfilm „Die Pest in Florenz“ (1919) zeigt die tragische Geschichte der Stadt Florenz, die durch die Kurtisane Julia in Elend und Verderben gestürzt wird. Vater und Sohn kämpfen um sie und geraten in einen Kampf um Leben und Tod. Das Sittenbild von Otto Rippert ist technisch beeindruckend aber lässt sich sehr viel Zeit um eine einfache Moral zu erzählen.
Mit Carlos Reygadas geht es mir wie mit Lisandro Alsono. Beide werden von der Kritik verehrt, doch meine ersten Begegnungen mit ihnen waren wenig begeisternd. Reygadas irritierte mich mit „Batalla en el cielo“ und mit seinem in Cannes 2012 ausgezeichneten „Post Tenebras Lux“ (2012) schien er auf demselben Weg. Ein Mädchen wandert über eine Wiese und betrachtet die sie umgebenden Kühe. Erst als ein nackter gehörnter Mann (definitiv wie ein teuflischer Dämon gestaltet) das Familienhaus heimsucht, beginnt sich der hypnotische Sog von Reygadas Mysterium zu entfalten. Es fällt schwer zu sagen, worum es in „Post Tenebras Lux“ geht, doch die gewalttätigen Ausbrüche des Familienvaters Juan (Adolfo Jiménez Castro) und psychischen Verletzungen die er seiner Frau Natalia (Nathalia Acevedo) zufügt, zeigen eine Auseinandersetzung Reygadas mit dem klassischen Familienverband. Nicht immer leicht zugänglich aber von einer imposanten Sogwirkung durchzogen.
Nach einer Geschichte von Steven Spielberg (der am Drehbuch mitschrieb) inszenierte Tobe Hopper den Horror-Klassiker „Poltergeist“ (1982), den ich in Auszügen sehr oft gesehen hatte, aber noch nie ganz. Hopper arbeitet sich ganz klar an Spielberg-Motiven ab, was er aber schön in eine gruselige Atmosphäre einbaut. Die Effekte waren schon zu damaligen Zeiten furchtbar, aber dies macht die unterhaltsame Geschichte wieder wett.
Kevin Kline als Errol Flynn erscheint wie eine unvermeidliche Besetzung. So wundert es einerseits, dass es so lange dauerte bis er die Rolle spielte und zum anderen, dass es mit „The Last of Robin Hood“ (2013) so ein uninspiriertes Werk wurde. Womöglich waren budgetäre Gründe verantwortlich für das wenig beeindruckte Produktionsdesign und die gehetzt wirkende Handlung, doch zumindest Kline brilliert als Errol Flynn in seinen letzten Jahren. An seiner Seite als jugendliche Geliebte und deren Mutter, dürfen Dakota Fanning und Susan Sarandon eindrucksvoll beweisen, dass mit diesem Stoff viel mehr möglich gewesen wäre.
Erik Van Looy inszenierte mit der US-Version von „The Loft“ (2014) die insgesamt dritte Fassung seines belgischen Thrillers (in den Niederlanden führte er zwischenzeitlich für die verletzte Regisseurin auch Regie). Was an der Geschichte um fünf Freunde (adäquat dargestellt von Karl Urban, James Marsden, Matthias Schoenaerts, Eric Stonestreet und Wentworth Miller) die sich ein luxuriöses Loft teilen, in dem sie sich mit ihren Affären vergnügen können, so faszinierend ist, dass es gleich zwei Remakes davon gab, ist nach der US-Version nicht klar. Unsympathische Charaktere, ein betont verschachteltes Mysterium um eine Frauenleiche im Loft und viele schwache Dialoge, kennzeichnen diesen Erotikthriller mit überraschend wenig Erotik.
Rachid Djaidanis „Rengaine“ (2012) wurde von Kritikern mit den Filmen von John Cassavetes verglichen. Dies wohl deshalb, da Djaidani über Jahre seinen unabhängig produzierte, mit Handkamera inszenierte Romeo & Julia-Variation mit Laien besetzte. Aufbauend auf persönlichen Erfahrungen, zeigt Djaidani die Liebe zwischen dem Schwarzafrikaner Dorcy (Stéphane Soo Mongo) und der Algerisch-stämmigen Sabrina (Sabrina Hamida). Während Dorcy vor allem mit seiner Schauspielkarriere kämpft, muss sich Sabrina mit ihren Brüdern auseinander setzen, die keinen Schwarzen (der noch dazu kein Muslim ist) in der Familie. Altbekannte Konflikte in wenig aufregender Form. Das Herz mag Djaidani am rechten Fleck haben, aber das macht nicht automatisch einen guten Film.
Nach einer Novelle von Theodor Storm drehte Arthur von Gerlach den Stummfilm „Zur Chronik von Grieshuus“ (1925). Der alte Burgherr von Schloss Grieshuus hat seinen Sohn Hinrich zum Erben erkoren, während sein anderer Sohn Detlef für ein Jura-Studium in die Stadt gezogen ist. Als sich Hinrich in die Tochter eines Leibeigenen verliebt, enterbt ihn sein Vater und das Unglück auf Schloss Grieshuus nimmt seinen Lauf. Hübsch abgefilmt aber ohne jede Spannung.
Nachdem mir der jüngste Film der Dardenne-Brüder so gut gefiel, war ich überrascht bei dem mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnetem „Rosetta“ (1999) im Grunde dieselbe Thematik wie bei „Deux jours, une nuit“ zu sehen zu bekommen. Während aber ihr jüngster Streich ein optimistischer und heller Film ist, zeigt sich Belgien in „Rosetta“ als herbstlich-dunkle Einöde ohne Hoffnung. Émilie Dequenne als Titelheldin hat mit ihrer Alkoholiker-Mutter und der Suche nach Arbeit zu kämpfen. Dass sie für eine Stelle auch einen Freund beim Vorgesetzten anschwärzt, um seinen Platz einzunehmen ist der tragische Höhepunkt dieses sehr ruhig und konzentriert erzählten Dramas, welches hin und wieder etwas zu sehr in der eigenen Tragik geradezu zu ertrinken scheint.
Ein Vorwurf den ich auch dem hervorragenden „Elena“ (2011) von „Leviafan“-Regisseur Zvyagintsev machen muss. Hausfrau Elena (Nadezhda Markina) pflegt ihren Mann Vladimir (Andrey Smirnov). Als dieser einen Herzinfarkt erleidet, ist er ans Bett gefesselt und noch mehr auf Elena, die Geld braucht damit ihr Enkel nicht zum Militär muss aber sich die Uni nicht leisten kann, angewiesen. Als Vladimir ihr mitteilt, dass er alles seiner Tochter vermachen und Elena eine Rente erhalten wird, nehmen die tragischen Vorgänge ihren Lauf. Zvyagintsev baut ein großartiges Bild des post-sowjetischen Russlands auf, dass dennoch immer noch von den alten Eliten geprägt wird. Vladimir erscheint wie ein einstiger KGB-Oberer, der in seinem Ruhestand den Kommandoton nicht sein lassen kann, was zu seinem Untergang führt. Zwar wird zu oft auf das tragische Dasein hingewiesen, als dass es nötig gewesen wäre. Da ist es geradezu erfrischend, wenn das Tempo verschärft und der Noir-Aspekt intensiviert wird.
Von Reinhard Hauff hatte ich bislang nur seine Spielfilm-Doku zum Stammheim-Prozess gekannt. Dass sein zwischen Thriller und Gesellschaftsporträt schwankender „Messer im Kopf“ (1978) zu seiner Zeit ein Sensationserfolg war, ging völlig an mir vorbei. Bruno Ganz ist die Idealbesetzung für Hoffmann. Als er auf der Suche nach seiner Frau in einem Jugendzentrum niedergeschossen wird, beginnt er mitten in eine gesellschafts-politische Auseinandersetzung zu geraten. Geprägt von den Ereignissen des Deutschen Herbstes, ist Hoffmann das Symbol für den gewöhnlichen Bürger, der Widerstand leistet und deshalb vom Polizeiapparat verfolgt und womöglich zum Sündenbock gestempelt wird. Hauff benötigt aber zu lange um zum Punkt zu kommen. Dafür hat Bruno Ganz die Gelegenheit als in der Reha befindlicher Patient, der die Sprache neu lernen muss, zu glänzen.
Der britische Polizeithriller „Hyena“ (2014) von Gerard Johnson ist ein überaus schmutziger, dunkler und gewalttätiger Film. An der Oberfläche scheinen die Parallelen zu „Bad Lieutenant“ überdeutlich, da Hauptfigur Michael (Peter Ferdinando) der Prototyp des „Dirty Cop“ zu sein scheint. Doch bei Johnson gibt es keine Erlösung und auch keinen Moment der Erkenntnis. Er spielt türkische und albanische Gangster gegeneinander aus und versucht seinen eigenen Vorteil daraus zu erzielen. Als er unter das Kommando seines einstigen Widersachers (Stephen Graham) gestellt wird, beginnt sich die Gewaltspirale in die Höhe zu schrauben. Johnsons Polizeithriller fasziniert durch einen sehr nach 1980er-klingenden Synthie-Soundtrack und eine dunkle und bedrückende Atmosphäre. Dennoch scheint er zu oft rein das Zitat zu suchen.
Boris Karloff als Wissenschaftler, der Tote wieder zum Leben erwecken will. Es ist in „The Man They Could Not Hang“ (1939) ein wenig so, als hätte er die Rolle des Wissenschaftlers aus „Frankenstein“ eingenommen. Doch als er selbst zum Tod verurteilt und schließlich durch seinen Assistenten wieder zum Leben erweckt wird, verändert sich der Film auf fantastische Art und Weise. Aus einem Standard-Horror-B-Movie wird ein Vorläufer gefinkelter Serienkiller-Thriller á la „Saw“. Das etwas fade Ende wie auch der zu sehr in die Länge gezogene Gerichtsprozess schmälern ein wenig den Gesamteindruck.
Bei der Begegnung der Hausfrau Antonietta (Sophia Loren) mit Gabriele (Marcello Mastroianni) in dem sensiblen und humorvollen Drama „Una giornata particolare“ (1977) erwachen Erinnerungen an David Leans Klassiker „Brief Encounter“. Antonietta ist gefangen in einer lieblosen Ehe, da ihr Mann sie rein als Hausfrau und Köchin sieht, aber nicht als gleichgestellte Gefährtin. Er hat sich rein der faschistischen Partei verschrieben. Als er mit den Kindern zu einem öffentlichen Empfang von Mussolini und Adolf Hitler geht, bleibt Antonietta zu Hause und macht zufällig die Begegnung mit Gabriele. Dass beide zu Hause bleiben, ist bereits verdächtig und dass sie sich anfreunden und womöglich noch mehr füreinander empfinden noch mehr. Das von Ettore Scola hervorragend inszenierte Zusammenfinden unter ungewöhnlichen Umständen, wird nie langweilig, auch wenn man die meisten Vorgänge bereits vorhersehen kann. Mastroianni ist grandios als Gabriele und auch Sophia Loren überzeugt, selbst wenn man manchmal Schwierigkeiten hat, ihr die einfache Hausfrau abzunehmen.
Die Parabel „Jazireh ahani“ (2005) zeigt das Leben einer Gemeinde auf einem Tanker, der regelrecht ziellos über das Meer fährt. Regisseur Mohammad Rasoulof gelingen einige interessante Metaphern auf die iranische Gesellschaft, aber ohne genauere Kenntnis der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, kann man mit dem Film eher wenig anfangen.
Céline Sciamma sorgte für Aufsehen mit ihrem Banlieue-Drama „Bande de filles“ (2014), der auf eindrucksvolle und überraschend unterhaltsame Weise das Leben der Teenagerin Mariemme (Karidja Touré) inmitten der aussichtslosen modernen Gesellschaft Frankreichs zeigt. Mariemme gerät in eine Gang und schließlich in kriminelle Machenschaften, doch wirkt dies nie wie ein Mafia- oder Gangsterfilm sondern wird von Sciamma als sensibles und mitreißendes Coming-of-Age-Porträt präsentiert.
Wie üblich geriet „A Killer in the Family“ (1983) nur deshalb in mein Visier, da James Spader darin eine Rolle spielte. Robert MItchum ist der Familienvorstand, der wegen Mordes hinter Gittern sitzt und seine Söhne (darunter Jus-Student Spader) dazu überredet, ihm bei der Flucht behilflich zu sein. Basierend auf einer wahren Begebenheit, gelingt es diesem Fernsehfilm trotz seiner offensichtlichen budgetären Zwänge und Einschränkungen die Spannungen zwischen den Familienmitgliedern auf der Flucht klar darzulegen. Loyalität gegenüber einem ruchlosen Vater (der Mord an einer Familie dessen Auto sie stehlen, ist erschütternd) und der Rest Gewissen, der die Söhne quält. Kein großes Fernsehereignis, aber ein Film, den man guten Gewissens aufgrund der Darstellungen und der gekonnten Regie weiter empfehlen kann.
Weniger empfehlenswert ist hingegen „Greasy Lake“ (1988). Der Kurzfilm mit James Spader und Eric Stoltz mäandert gelangeweilt von einer zu gewollten Provokation zur nächsten dahin. Verlorene 30 Minuten.
Mr. Arkadin / http://filmforum.org/do-not-enter-or-modify-or-erase/client-uploads/welles/ARKADIN_MAIN1520.jpg

The 1001 Project
Während eines Vortrags von Slavoj Zizek, wurde Michael Tolkins „The Rapture“ (1991) im Detail besprochen. Da er sich auch auf der „1001 Movies“-Liste befindet, war es wohl Zeit sich die Geschichte einer vormals unmoralisch lebenden Frau, die Gott findet, anzusehen. Mimi Rogers brilliert in der Hauptrolle und zeigt einen nachvollziehbaren Wandel von der Swingerparty-Besucherin hin zur fundamentalen Christin, die nach dem Mord an ihrem Mann (David Duchovny) in der Wüste mit ihrer Tochter auf das Ende der Welt und die Heimholung in den Himmel (Rapture) wartet. Will Patton wird als Sheriff zu einem wichtigen Bezugsmenschen in den äußerst merkwürdigen letzten 20 Minuten. Tolkin macht etwas, was „Take Shelter“ nur angedeutet hat: den vermeintlichen Wahnsinn seiner Hauptfigur mit der wörtlich interpretierten Bibel zu verbinden. Doch gerade diese Atmosphäre der Unklarheit verlieh „Take Shelter“ seine besondere Qualität (verbunden mit noch besseren Darstellern). „The Rapture“ mag in den letzten Minuten sehr viel wagen, doch gut ist es deshalb noch lange nicht.

Re-Visited
Virgil Widrichs „Fast Film“ (2003) ist eine wunderbare Feier für den Film. Die Found Footage Collage zeigt beinahe die gesamte Filmgeschichte und macht daraus eine Hetzjagd. Verspielter denn sein Oscar nominierter „Copy Shop“, aber immer wieder ein Vergnügen.
Bereits vor ein paar Wochen habe die knapp 45 Minuten lange Dokumentation „Maximilian von Mexiko – der Traum vom Herrschen“ (2015) von Franz Leopold Schmelzer gesehen. Doch die unterhaltsam gemachte Fernsehdoku, gehört zu den besseren Vertretern seines Genres. Nachgestellte historische Szenen verbunden mit Experteninterviews fügen sich zu einem gut gemachten und kurzweiligen Porträt des Habsburgers, der in Mexiko ein tragisches Schicksal finden sollte, zusammen.
Ein Feiertag ist erst dann wirklich ein Feiertag, wenn ein Film mit Bud Spencer und Terence Hill im Fernsehen entdeckt wurde. „Non c’è due senza quattro“ (1984) ist der wohl beste aus ihrer späten Phase in den 1980er-Jahren. Als Doppelgänger von zwei reichen brasilianischen Cousins, treiben sie in Rio ihr Unwesen und sorgen in all ihrer bekannten Art und Weise für Unordnung und gleichzeitig für Gerechtigkeit. Ein letztes Aufbäumen, inmitten der formelhaften Filme, der funktioniert, obwohl er dies gar nicht mehr dürfte.
Nach Ansicht des Filmes zur japanischen RAF, war es auch Zeit sich wieder einmal der deutschen RAF zu widmen. Uli Edels „Der Baader Meinhof Komplex“ (2008) war eines der Filmevents im deutschsprachigen Raum im Jahr 2008. Die Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film ist auch verdient, wenngleich für Kenner der historischen Hintergründe vieles wohl zu schnell abgehandelt wird. Bei der erneuten Ansicht nach so vielen Jahren fallen vor allem Martina Gedecks großartige Darstellung der Ulrike Meinhof sowie die Übelkeit erzeugenden Vorgänge rund um den Tod von Benno Ohnesorg auf. Die prominent besetzten Rollen sind manchmal ein wenig irrtierend, manchmal irritierend gut (Moritz Bleibtreu gefiel mir als Andreas Baader sehr gut, da er ihm genau diesen ruppigen Charme verlieh, den er wohl auch in Realität hatte). „Todesspiel“ von Heinrich Breloer mag den deutschen Herbst viel intensiver behandelt haben, doch als Werk über die 1. Generation der RAF ist Uli Edels Film sehr empfehlenswert.
Netflix sei Dank, konnt ich „A Girl Walks Home Alone at Night“ (2014) in kurzer Zeit schon wieder betrachten. Der iranische Vampir-Western faszinierte mich diesmal allerdings mehr durch die Darstellung der Jugendkultur inmitten einer scheinbar trostlosen Ausweglosigkeit, wie sie ein David Lynch in „Eraserhead“ erzeugte. Grund genug hier mit einem Dialog genauer auf das Werk einzugehen.
Peter Tscherkassky präsentierte bei den Filmfestspielen in Cannes seinen neuesten Streich „The Exquisite Corpus“. Grund genug, um mich wieder einmal mit seinen früheren Arbeiten zu beschäftigen. Dabei sichtete ich auch so manchen Film zum ersten Mal. Doch um die Filme kompakt zu halten, bleibe ich mit allen Werken in der Auflistung hier im „Re-Visited“-Teil. Die „CinemaScope Trilogy“ machte dabei den Anfang. Tscherkasskys berühmte 35mm-Arbeit bestehend aus dem unterhaltsamen Probelauf „L’arrivée“ (1997/98), dem fantastischen Meta-Horror „Outer Space“ (1999) und dem an Man Ray orientierten „Dream Work“ (2001) fasziniert auch auf dem kleinen heimischen Schirm, obwohl man natürlich nur auf der großen Leinwand mit der passenden Projektion die ganze Qualität schätzen kann. Der aus Werbematerial montierte „Manufraktur“ (1985) wirkt wie ein früher Vorgriff auf spätere Arbeiten (etwa „Coming Attractions“) und ist noch hektischer und wilder. Im Stil ähnelt dies dem Viennale-Trailer „Get Ready“ (1999), der unter dem Klang von Schreibmaschinentasten zu einer Verfolgungsjagd ansetzt. Völlig anders gelagert ist „Motion Picture (La sortie des ouvriers de l’usine Lumiére á Lyon)“ (1983) in dem Tscherkassky die Filmkader in Hochauflösung hindurchzieht und das Filmmaterial selbst zum Star des berühmten ersten Films der Filmgeschichte macht. Dies läutete die 35mm-Periode ein, während der kurz zuvor entstandene „Miniaturen – Viele Berliner Künstler in Hoisdorf“ (1983) noch eher einem Filmexperiment gleicht. Als Dokumentation eines künstlerischen Happenings, vermischt Tscherkassky Experimente mit dem Super 8-Filmmaterial und der Arbeit der vor der Kamera stehenden Künstler. Im krassen Gegensatz dazu (ich habe die Filme in der Reihenfolge der DVD gesichtet) steht „Parallel Space: Inter-View“ (1992) der mit der Bearbeitung von Fotos auch Elemente späterer Arbeiten in sich trägt. Der mit Mara Mattuschka entstandene „Erotique“ (1982) hingegen zeigt Parallelen zu Filmen von Peter Kubelka, Kurt Kren und eben Mattschuka. Sehr untypisch für Tscherkassky. Der wie ein filmischer Meta-Witz aufgebaute „Shot – Countershot“ (1987) ist sehr amüsant und beweist viel Witz im Umgang mit dem Filmmaterial, aber ist dann doch eher eine Fingerübung. „Nur“ eine Auftragsarbeit aber sehr unterhaltsam ist „Nachtstück“ (2006) für das Mozart-Jahr. Eine amüsante Variation zur Kleinen Nachtmusik.
Die beiden geradezu epochal wirkenden Arbeiten „Coming Attractions“ (2010) und „Instructions for a Light & Sound Machine“ (2006) zementierten in den letzten Jahren seinen Status in der Avantgarde-Filmszene. Vor allem die Bearbeitung des Filmmaterials aus „Zwei glorreiche Halunken“ zu einer filmischen Höllenfahrt in „Instructions…“ beeindruckt mich immer wieder. „Coming Attractions“ wirkt in der Bearbeitung von Werbefilm-Outtakes und aufgrund seiner Kapitel-Gliederung theoretischer und weniger „sinnlich“.
Die abschließend als Bonus-Clip präsentierte Arbeit „Ballett 16“ (1984) zeigt erneut das Interesse am Filmkader á la „Motion Picture“.
Immer wenn über gelungene Filme mit Migrationsthemen gesprochen wird, erinnere ich mich an das unglaublich unterhaltsame „Kebab Connection“ (2004) von Anno Saul. Denis Moschitto als Möchtegernfilmemacher Ibo und Nora Tschirner als seine schwangere Freundin, setzen hübsch inszenierte und wunderschön gespielte Culture-Clash-Konflikte in Gang, die kein Klischee auslassen. Nicht immer kann der guten Grundidee ein entsprechend unterhaltsamer Rahmen geboten werden und so finden sich etliche Nebenfiguren in „Kebab Connection“, die nur dazu da sind, den Film auf 90 Minuten zu strecken. Dennoch ein gut gemachter und immer wieder unterhaltsamer Film.
Outer Space / https://www.filmmuseum.at/jart/prj3/filmmuseum/data/uploads/Pressefotos/Publikationen/Buecher/02_Tscherkassky/OEFM_Outer%20Space.jpg

Serien-Überblick
Die 3. Staffel (2015) der leider kein so großes Publikum aber sehr gut gemachten Agenten-Serie „The Americans“ taucht immer tiefer in den Familienverbund der Jennings ein, in dem vor allem Philip (Matthew Rhys) unter den zusätzlichen neuen Aufgaben langsam zerbricht. Dass seine Tochter Paige das Geheimnis der Familie erfahren und als weitere Agentin für die UdSSR eingearbeitet werden soll, erschüttert das Vertrauen zwischen Philip und Elizabeth (Keri Russell). Zusätzlich arbeitet sich die 3. Staffel am Schicksal von Nina (Annet Mahendru) ab, die in einem russischen Hochsicherheitsgefängnis versucht, ihr Schicksal zu ändern und FBI-Agent Stan (Noah Emmerich), der sich durch seine Initiative langsam immer weiter in eine Ecke arbeitet. Dass die großartige Margot Martindale durch den nicht minder hervorragenden Frank Langella ersetzt wurde, sorgt für den gewissen Stil, den so eine Serie auch benötigt um aus dem Allerlei heraus zu stechen. Die gut agierenden Darsteller machen die moralischen Zwickmühlen glaubwürdig und so übersieht man, manch zu langsam entwickelte Handlung oder dass ganze Handlungsstränge scheinbar mitten in der Staffel liegen gelassen wurden.
Staffel 8 (2015) von „The Big Bang Theory“ zeigt die deutlichen Anzeichen einer Serie, die noch immer läuft, da sie spektakuläre Quoten und entsprechend hohe Einnahmen erzielt. Das Team hat sich derart in den Rollen eingelebt, dass kaum noch Überraschungen vorkommen. Gastauftritte von Wil Wheaton und Kevin Smith gehören zu den großen Highlights einer etwas müde wirkenden Staffel, deren Kernkonflikt der Tod von Howards Mutter (Sprecherin/Darstellerin Carol Ann Susi starb im November des Vorjahres) darstellt. Sensibel wird dieser Verlust aufgearbeitet und zugleich fordert das Sitcom-Format weitere Gags, die im Laufe der Staffel eher rar gesät waren. Das Finale deutet auch schon darauf hin, dass in den geplanten Staffeln 9 und 10 die bereits etablierten Beziehungen auf neue Proben gestellt werden. Ob dafür wirklich zwei weitere Staffeln notwendig sind, mag man nach Ansicht dieser nur noch in Teilen unterhaltsamen 8. Staffel bezweifeln.
Nach dem Ende der 1. Staffel wurde der mittlerweile beinahe bekannteste Teil des 1960er-Batman-Runs veröffentlicht. Der Spielfilm, der einst als Pilotfilm gedacht war. Gerade deshalb beginnt auch die 2. Staffel (1967) von „Batman“ bereits zu Beginn so müde zu wirken. Das Stammpersonal ist in seinen Rollen perfekt eingearbeitet und immer wieder werden Gags bezüglich der Hilflosigkeit der Polizei eingebaut, die sich geradezu davor fürchtet ohne Batman arbeiten zu müssen. Doch der Versuch mit neuen, weniger bekannten Schurken (Archer, Black Widow), das Personal zu erweitern, scheitert auf ganzer Linie. Niemals können sich die neuen Schurken so ins Gedächtnis einprägen wie die heute so populären Pinguin und Riddler. Vor allem Burgess Meredith darf als Pinguin brillieren. Ob als Möchtegern-Regisseur oder als Kandidat für das Bürgermeisteramt (ein Highlight der 2. Staffel). Meredith wirkt am besten auf seine Rolle vorbereitet. Viel Zeit wird auch Catwoman gegeben, ihr Profil zu schärfen, doch sie zeigt im Grunde nur, das merkwürdige Frauenbild in „Batman“. Entweder sind die Damen hilflose Opfer, oder ihrer kriminellen Taten nicht bewusst und bedürfen nur einer freundlichen (männlichen) Führung um wieder auf den Pfad der Tugend zu gelangen. Das ist bei 60(!) Episoden in einer Staffel geradezu erschöpfend. Auffällig ist auch dass Alfred (immer besser werdend: Alan Napier) zwei Mal ins Batman-Kostüm schlüpfen darf/muss und Tante Harriet immer öfter Merkwürdigkeiten im Wayne-Haushalt bemerkt. Merkwürdig wirkt auf den Fan wohl auch der Austausch von Schauspielern. So darf John Astin den Riddler in einer Doppelfolge geben und Eli Wallach Mr. Freeze im Staffelfinale. Beides tolle Schauspieler und doch ein wenig deplatziert in diesen Rollen. Die nachlassende Qualität (vor allem verbunden mit dem immer selben formelhaften Ablauf, der nur selten für einen 3-Teiler durchbrochen wurde) ist deutlich zu spüren.
Ich bin kein Freund der NCIS-Reihe und ihres Los Angeles-Spin off. Doch die neueste Variation, die in New Orleans beheimatet ist, konnte mich überraschenderweise für sich gewinnen. Das liegt wohl vor allem an Hauptdarsteller Scott Bakula, der dieser wenig einfallsreichen Krimi-Serie ein sympathisches Gesicht bietet. An seiner Seite sind Zoe McLellan als Neuling in der Stadt, Lucas Black als eingefleischter Südstaatler (er überzieht dies in einigen Episoden) sowie CCH Pounder als Gerichtsmedizinerin zu sehen. Die Episoden folgen alle dem bekannten NCIS-Krimimuster und versuchen mit dem Schicksal von New Orleans nach dem Hurrikan Katrina ein wenig Lokalkolorit hinein zu zaubern. Dies wird an manchen Stellen zu sehr betont, dennoch ist „NCIS: New Orleans“ in seiner 1. Staffel (2015) eine solide Krimi-Serie.
In Staffel 7 (2011) von „How I Met Your Mother“ wiederholen sich so viele Abläufe, dass es schwer fällt, noch irgendwelche Unterschiede festzustellen. Die größte Entwicklung machen Lily und Marshall durch, da Marshall den Verlust seines Vaters zu verarbeiten hat und am Ende der Staffel ihr Sohn geboren wird. Die drei anderen Charaktere beginnen jedoch sich in die immer gleichen Beziehungsgeflechte zu verstricken, inklusive Entfremdung und Wieder-Annäherung innerhalb der Gruppe. Dass am Ende dann enthüllt wird, dass die lang angekündigte Hochzeit, jene von Robin und Barney ist, hat damals wohl ein wenig überrascht, doch bei der erneuten Sichtung, ist der Aha-Effekt natürlich viel geringer und erscheint eher wie ein erleichternder Ausblick auf die kommenden Episoden, auf dass diese Neues bieten.
Zunächst dachte ich, es würde sich bei „Star Trek: The Animated Series“ um ein Fanprojekt oder einen Internet-Scherz handeln. Doch 1973 bis 1975 gab es zwei Staffeln, die das Star Trek-Universum weiter führten und die Fünfjahres-Mission der Enterprise zu einem Ende hätte führen sollen. Nach 16 Episoden in Staffel 1 (1973) kam es aber nur noch zu sechs weiteren Episoden in Staffel 2 (1975). Gene Roddenberry hat rückblickend die Serie auch abgewertet und kundgetan, sie nur des Geldes wegen produziert zu haben. Die billigen Animationen lassen auch nicht gerade auf Detailliebe hindeuten, doch die Geschichten sind gut geschrieben und profitieren oft auch von der verkürzten Laufzeit von etwa 23 Minuten. Zudem können durch die Animation neue Charaktere und Aliens eingefügt werden, die in einer Live-Action-Serie in den 1960ern oder 1970ern kaum finanzierbar gewesen wären.
James Spader ist zurück! Grund genug um sich die 2. Staffel (2014) von „The Blacklist“ anzusehen und auch wieder die vielen unrealistischen Wendungen zu übersehen. Die Task Force, die mit Reddington (grandios wie immer: Spader) zusammenarbeitet, gerät langsam immer mehr in die Fänge einer Geheimorgansiation, die im Laufe der Staffel als „The Cabal“ enttarnt wird. Im Verlauf der Staffel rückt auch Elizabeth Keens Vergangenheit (langsam immer besser und glaubwürdiger: Megan Boone) mehr in den Vordergrund und bietet schließlich am Ende den Hintergrund für ihren Untergang und ihre Flucht. Dass „The Blacklist“ nie eine realistische Thriller-Serie war, befreit sie in Folge der Entwicklungen von jeglicher Zurückhaltung. Alles ist mit allem verbunden und die Welt ein dunkler Ort, geheimer Machenschaften, an deren Spitze der Director steht, großartig verkörpert vom ewig unterschätzten David Strathairn. Das Ende der 2. Staffel deutet auf eine Neuausrichtung der Serie hin, weg vom wöchentlichen Fall, den es aufzuklären gilt.
Lange hat es gedauert, bis die 2. Staffel (2014) von „Hannibal“ zu Ende gesichtet wurde, zu anstrengend verliefen die einzelnen Episoden und man war teilweise sehr froh, über Pausen dazwischen. Hugh Dancy als Will Graham und Mads Mikkelsen als Hannibal Lecter brillieren in ihren Rollen, doch das nutzt nichts, wenn Showrunner Bryan Fuller zu sehr auf visuelle Spielereien setzt, die jeglichen Handlungsfortgang beinahe im Keim ersticken. Würde man Fuller diese Effekte wegnehmen, so würden die Episoden maximal 20 Minuten dauern und erst recht deprimieren, da in der Welt von „Hannibal“ scheinbar jeder verrückt oder zumindest sehr nahe am Wahnsinn spaziert. Gastauftritte von Gillian Anderson und Cynthia Nixon lockern die Sache auch nicht auf, denn vor allem Andersons Rolle als einstige Therapeutin Hannibals, führt nur noch tiefer in die Dunkelheit und die zeigt sich hier als geradezu lähmend für den Sehgenuss.

THE BLACKLIST -- "Dr. Linus Creel" Episode 204 -- Pictured: (l-r) Megan Boone as Elizabeth Keen, James Spader as Red Reddington -- (Photo by: Eric Liebowitz/NBC)

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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