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Wie schon der Juni, schien auch der Juli völlig frei von ansehnlichen Kinofilmen. Doch dann kam noch unerwartet die britische Romantikkomödie „Man Up“ in die heimischen Lichtspielhäuser und sorgte für die so nötige Kurzweil. In den eigenen vier Wänden gab es etliche Entdeckungen. Von Peter Mullans bedrückendem „The Magdalene Sisters“ über Al Pacino in „Danny Collins“ bis hin zur erneuten Sichtung von Serien wie „The Simpsons“ und „How I Met Your Mother“ sowie der Filme von Richard Ayoade.

Neuzugänge
Die Vorschau zur französischen Komödie „Papa ou maman“ (2015) schien eine schwarzhumorige Version des Rosenkrieges von Danny DeVito zu werden. Stattdessen setzt die Inszenierung von Martin Bourboulon auf Zynismus und unangenehme Konfrontationen, die den beiden Elternteilen eine Lust an der Gewalt bescheinigen. Ein zum Ende hin richtig unangenehmer Film, der bis dahin hauptsächlich langweilt. Das tolle Konzept wurde hier mehr oder weniger verschwendet.
Die britische Romantikkomödie „Man Up“ (2015) mag mit dem populäreren Simon Pegg werben, aber es ist zunächst vor allem die Lake-Bell-Show. Sie ist fantastisch als zynischer Single Nancy, die per Zufall einer anderen Frau das Blind Date wegschnappt. Dieses ist mit Jack (hervorragend: Simon Pegg) ein etwas überdrehter aber ebenso sympathischer Zeitgenosse und damit hat die Komödie von Ben Palmer ihre Grundvoraussetzungen erfüllt. Man verbringt gerne Zeit mit diesen beiden Charakteren und lässt sich auch durch etwas zu kitschige oder altbekannte Klischees nicht davon abbringen, diese Komödie humorvoll zu finden. Ein sympathischer Beitrag, des ohnehin unter allzu viel formelhaften Beiträgen leidenden Genres.
Papa ou maman / http://img.20mn.fr/FY6Ue_E6SzuLTLW-sC5dWQ/648x415_marina-fois-laurent-lafitte-papa-maman.jpg

Das senegalesisch-französische Flüchtlingsdrama „La pirouge“ (2012) zeigt auf überraschend nüchterne Art und Weise, mit welchen Hoffnungen und von welchen Ängsten geplagt, die Männer (und eine Frau als blinde Passagierin) die gefährliche Fahrt nach Spanien auf sich nehmen. Obwohl die Ereignisse an Bord des Bootes den Verlauf eines klassischen Hollywood-Überlebensdramas nimmt, vermeidet Regisseur Moussa Touré jegliche Klischees. Auch wenn die Charaktere nicht ergründet werden, bleibt man interessiert an ihren Schicksalen und an der politischen Botschaft.
Ein Gefühl welches innerhalb kürzester Zeit bei „The Magdalene Sisters“ (2002) aufkommt, ist Wut. Wut auf die katholische Kirche die ein System wie die Magdalene Wäschereien in Irland erschuf und die Nonnen, die mit sadistischen Methoden die dorthin verfrachteten Frauen quälten. Ihr „Verbrechen“, war der gestrengen Moral zuwider gehandelt zu haben. Da nützte es auch nichts, wenn man vergewaltigt wurde, das Kind blieb ein Bastard und die Frau musste büßen. Als Filmemacher zeigt Mullan eine ungeheure Kraft, die man von ihm als Darsteller schon kannte. Der Film mag sich wie eine lange Anklage ohne Gegenstimme ausnehmen, doch sind die vier erzählten Schicksale derart mitreißend, dass man nicht anders kann, als mit ihnen zu fühlen.
Etwas weniger geglückt ist Jon Stewarts „Rosewater“ (2014). Gael Garcia Bernal spielt den iranisch-kanadischen Journalisten Maziar Bahari, der 2009 nach der Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad und den darauf ausbrechenden Protesten inhaftiert wird. Die Haft und sein Kampf um seine Würde sind der Kern des überraschend kompetent inszenierten Films. Das Herz hat Stewart am rechten Fleck, doch imitiert er in „Rosewater“ viel zu viele ähnliche Werke und so kann diese wahre Geschichte nicht ganz die Kraft entwickeln, die  man von ihr erhoffte.
In Komödien hatte Al Pacino in der Vergangenheit wenig Glück. Zu oft waren die Konzepte gut, aber die Filme zu unausgegoren. In Dan Fogelmans Regiedebüt „Danny Collins“ (2015) bildet die wahre Geschichte des Folksängers Steve Tilson den Hintergrund für Pacinos sympathisch-dynamische Darbietung, eines seine eigenen Ideale verratenen Sängers. Als sein Manager (herrlich grummelig: Christopher Plummer) ihm einen vor Jahrzehnten geschriebenen aber nie korrekt zugestellten Brief von John Lennon an ihn überreicht, beginnt Danny seine Karriere und sein Leben in neue Bahnen zu lenken. Vor allem die Szenen mit seinem bis dahin verdrängten Sohn (fantastisch: Bobby Canavale) sind voller Kraft und Leidenschaft. Man merkt Pacino auch die Freude an der eitlen Figur, die ein wenig zu viel Freude an der Show hat, an. Ein Feel-Good-Film der besten Sorte, auch wenn etliche Klischees auf dem Weg warten.
Um die Karriere von James Spader ganz auszukosten, gehören auch Filme wie „Mannequin“ (1987) dazu. Die mit Fantasy-Elementen aufgefettete Komödie um einen Dekorateur (Andrew McCarthy) und eine in einer Schaufensterpuppe wieder zum Leben erwachter ägyptischer Prinzessin (Kim Cattrall) ist überraschend leblos. Doch die Szenen mit einem extra schmierigen James Spader und einem tumben G.W. Bailey als Nachtwächter sind herrlich anzusehen und entschädigen ein wenig für die langweilige Komödie.
Bei „Baby Boom“ (1987) ist Spader als junger, aufstrebender Anwalt als Konkurrent von Diane Keaton zu sehen. Doch es ist die Diane-Keaton-Show und sie darf die Geschichte um einen Wall Street-Workaholic, der das Baby des Cousins „erbt“ und plötzlich zur liebenden Mutter wird, dominieren. Dass etliche Gags weit nicht so lustig sind, wie sie am Reißbrett wirkten, unterstützen nicht unbedingt Keatons amüsante Darbietung.
Viel interessanter, wenngleich auch nicht wirklich geglückt, ist der Thriller „Slow Burn“ (2000). Ein Quasi-B-Movie-Pendant zu „Der Schatz der Sierra Madre“, ist die Geschichte um Minnie Driver und ihrer Suche nach den Familienjuwelen in der Wüste, der perfekte Schauplatz für einen Thriller um Vertrauen und Mord. James Spader und Josh Brolin spielen zwei Gefängnisausbrecher und Bankräuber, die in der Wüste auf Minnie Driver stoßen. Das Trio ist schließlich nach einer Autopanne aneinander gefesselt und alle dürfen ihr bestes Schauspiel bieten. Zumindest soweit es Drehbuch und Charaktertiefe erlauben. Ein amüsanter B-Movie, der noch etwas besser hätte ausfallen können und vor allem von den Darstellern profitiert.
Jessica Hausner hat mit ihrer Horror-Variante „Hotel“ bei mir viel Kredit verspielt, doch bereits mit „Lourdes“ viel an Vertrauen zurückgewonnen. Ihre bitterböse romantische Komödie „Amour Fou“ (2014), die sich des Selbstmords von Heinrich von Kleist annimmt, ist ein ambitioniertes, ruhiges und kontrolliertes Werk, in dem Hausner all ihre Stärken und Schwächen zum Vorschein bringt. Die Bildkompositionen sind fantastisch und ihr hintergründiger Witz lässt die Bitten Heinrich von Kleists (Christian Friedel), dass eine Geliebte seiner Wahl sich mit ihm das Leben nähme, nicht absurd, sondern ebenso humorvoll wie nachvollziehbar erscheinen. Henriette (Birte Schnoeink) wirkt in ihrem häuslichen Dasein ebenso eingesperrt, wie Heinrich in seiner Traurigkeit. Trotz manch nicht ganz so überzeugender darstellerischer Leistung, ein überzeugender und überraschend amüsanter Film.
Im direkten Vergleich wirkt Dominik Grafs ambitioniertes Dreiecks-Verhältnis von Friedrich Schiller mit den beiden Schwestern Caroline und Charlotte überraschend starr und leblos. „Die geliebten Schwestern“ (2014) versucht mit Zeitsprüngen und ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, das Kostümdrama mit Leben aufzufüllen. Im Vergleich zu Hausners hintergründigem „Amour Fou“ kann Graf aber nicht mithalten und wirkt vergleichsweise leblos.
Boris Karloff und Béla Lugosi in einer Adaption von Edgar Allen Poes „The Raven“ (1935). Eine Kombination wie in einem Traum, doch im Vergleich zu Edgar G. Ulmers „The Black Cat“, ist diese Kombination nicht ganz so erfolgreich. Lugosi ist ein sehr vergnüglicher Bösewicht, der eine ungesunde Vorliebe für Poes Literatur und den darin vorgestellten Folterwerkzeugen hegt. Als Boris Karloff als entlaufener Mörder in seinem Folterlabor auftaucht, beginnen sich die Schicksale der beiden Männer auf ein tragisches Ende hin zu vereinen. Lugosi nutzt jede Gelegenheit um seinen bösen verrückten Arzt mit der ihm eigenen Grandezza darzustellen, während Karloff die Möglichkeit erhält, mit entstelltem Gesicht, eine Variation seiner Frankenstein-Kreatur darzubieten. Diese Details können aber nicht über eine etwas behäbige Inszenierung hinwegtäuschen.
Die Dokumentation „The Great European Disaster Movie“ (2015) von Annalisa Piras wurde ursprünglich für das britische Fernsehen gedreht. Arte strahlte die Vision einer untergegangenen EU und ihrer Folgen (sowie der Gründe wie es dazu kommen könnte) aus und zeigt sich damit inmitten der Griechenland-Krise und der scheinbar seit Jahren schwelenden Anti-EU-Stimmung am Puls der Zeit. Zugute halten kann man Piras, dass sie sowohl Befürworter wie Kritiker zu Wort kommen lässt. Wobei vor allem die Ukip-Aktivisten durch ihre unwidersprochenen Auswürfe einen unangenehmen Eindruck hinterlassen. Andererseits predigt die Doku ein wenig zu sehr von oben herab die Vorzüge der EU, sodass ein Publikum, welches ohnehin schon kritisch gestimmt war, sich womöglich gar verärgert von solchen Werken abwendet.
Ach Ann Dvorak. Mir scheint, als hätte ich all ihre guten Filme bereits gesehen. Werke wie „Manhattan Merry-Go Round“ (1937) und „Out of the Blue“ (1947) verstärken diesen Eindruck. Im ersten Film wird eine hanebüchene Handlung (Gangster übernehmen ein Label, was zu allerlei Gesangsauftritten – selbst von Joe DiMaggio! – führt) als Werbeplattform für allerlei Stars genutzt, was zu einem fürchterlichen Film führt. Im zweiten Film bekam Dvorak die Möglichkeit ein wenig gegen den Typ zu spielen. Als Dauer-beschwippste Olive, die ohnmächtig am Balkon eines Mannes landet, der sie in einer Bar abschleppt, kann sie ein wenig Screwball-Comedy-Talent beweisen. Die Inszenierung von Leigh Jason sucht nach Möglichkeiten um mit billigen Mitteln einen „Arsen und Spitzenhäubchen“-artigen Klassiker zu kreieren, scheitert aber an den allzu oberflächlichen Charakteren. Auch landen viele Witze nicht. Dennoch ein interessanteres und amüsanteres Filmerlebnis denn „Manhattan Merry-Go-Round“.
Auch den Filmen mit James Spader mit aller Aufmerksamkeit beizuwohnen, kann anstrengend verlaufen. Der eher unfreiwillig komisch wirkende Thriller „Keys to Tulsa“ (1997) – in dem Spader an der Seite seiner „Crash“-Co-Darstellerin Deborah Kara Unger agiert – handelt vom erfolglosen Filmkritiker Richter Bordeau (Eric Stoltz), der sich von seinem schmierigen Freund Ronnie (Spader) dazu überreden lässt, das Vermögen von dessen Frau (Unger) zu stehlen. Mit Michael Rooker, James Coburn, Mary Tyler Moore und Cameron Diaz in Nebenrollen, verfügt dieser Thriller über eine großartige Besetzung, aber den Darstellern werden nur hin und wieder passable Dialoge vorgelegt und die Handlung ist unnötig verwirrend, ohne zu fesseln.
Nach einer Pause um James Spader zu begutachten, kam es erneut zu einer Sichtung einiger Filme mit Ann Dvorak. In „The Long Night“ (1947) – einem Remake des französischen „Le jour se léve“ – agiert Henry Fonda als junger Mann, der von der Polizei nach einem Schusswechsel in seiner Wohnung festgesetzt wird. In Rückblicken erfährt man die Hintergründe für die Tat und wer das Opfer ist. Ann Dvorak hat eine kleine aber feine Rolle, während der wahre Star ein herrlich pathetischer aber zugleich sinistrer Vincent Price ist. Der Vergleich mit dem französischen Original fehlt mir (noch), aber trotz einiger melodramatischer Wendungen (und der Frage wie sich Fonda nicht für Dvorak interessieren kann), ein hervorragender, nachdenklicher Thriller, der viele spätere Werke in seiner Form vorwegnahm.
Dagegen wirkte die Adaption „The Private Affairs of Bel Ami“ (1947) ein wenig starr und leblos. Erschlagen von seiner eigenen Substanz und Wichtigkeit, gelingt es dem Film kaum ein wenig zu „atmen“. Das ist schade, denn die Kameraarbeit ist fantastisch, die Sets sind fantasievoll und vor allem Angela Lansbury und Ann Dvorak faszinieren in ihren Rollen. Dass George Sanders nur auf den ersten Blick die Bestbesetzung war und Albert Lewin sich zu altbacken an die Thematik wagte, trübt jedoch das Vergnügen.
Abschließend kam es mit dem Western „The Secret of Convict Lake“ (1951) zu einem hoch interessanten Film, in dem Dvorak inmitten eines famosen Ensembles brillieren durfte. Sechs Strafgefangene auf der Flucht, die in einer Gegend landen, in der nur Frauen leben (darunter Ethel Barrymore). Rein theoretisch ein spannender Gender-Western, aber in der Praxis ein überraschend Ideenloses Aufeinandertreffen von Männer und Frauen in einer Extremsituation. Wie beinahe üblich mit Dvorak-Filmen, ist auch dieser eher eine Kuriosität der Filmgeschichte, die viel Potential vergeudete.
Über Andrew Niccols Version von Stephenie Meyers „The Host“ (2013) wäre ich wohl nie gestolpert, hätte ich nicht zufällig den passenden TV-Sender angesteuert. Das Szenario wirkt vielversprechend. Außerirdische haben die Erde erobert und leben in den menschlichen Körpern, durch welche sie den Planeten zu einem Idealzustand führen. Doch wenige Menschen rebellieren und als die junge Melanie (Saiorse Ronan) von dem Außerirdischen Wanderer besetzt wird, beginnt ein Zusammenspiel, in dessen Folge schließlich eine ausgewachsene Rebellion gegen die Außerirdischen steht. Diane Kruger ist ganz amüsant als von der Ausrottung der Menschen besessener Bösewicht, aber ansonsten langweilt er unendlich langsam aufgebaute Film, der jedes Potential verschleudert.
Über einen Beitrag zu der Dokumentation „The First Film“, stieß ich auf den französischen Filmemacher Louis Aimé Augustin Le Prince, der heutzutage völlig vergessen, als womöglich erster Schöpfer von Bewegtbildern gilt. Die heute erhaltenen Werke mit den Titel „Roundhay Garden Scene“, „Traffic Crossing Leeds Bridge“, „Man Walking Around a Corner“ und „Accordion Player“ (alle 1888), können kaum im Sinne dramaturgischer Inszenierungen betrachtet werden. Die Werke stehen als erste Versuche des technischen Prozesses da und sind ein faszinierendes Zeitzeugnis.
Jason Schwartzman brilliert als eitler Jungautor, dessen zweites Buch gerade erscheint. Die Konflikte mit seiner Freundin (grandios mit wenig Dialog viel aussagend: Elisabeth Moss) und die Begegnung mit dem alternden, an Philip Roth gemahnten Autor, Ike Zimmerman (fantastisch: Jonathan Pryce) sind die Highlights des in verschiedene Perspektiven aufgeteilten „Listen Up Philip“, der ebenso sehr Woody Allen wie auch John Cassavetes und auch Wes Anderson in sich vereint. Dass keiner der Charaktere sonderlich sympathisch wirkt, trübt ein wenig das Sehvergnügen, da man sich nur schwer vor allem mit Philip (Schwartzman) identifizieren mag. Alleine die lakonische Off-Narration von Eric Bogosian fasziniert aber immer wieder.
Die Dokumentation „Rich Hill“ (2014) ist ein erhellender und auch teilweise regelrecht deprimierender Blick auf die Leben dreier Jungen, die in einer ärmlichen Stadt im amerikanischen Mittelwesten leben. Die Zukunft jedes Einzelnen scheint bereits vorgezeichnet und zeigt sich in den erschlagenen und müden Gesichtern der Eltern, die nur noch existieren um von Woche zu Woche die Rechnungen zu begleichen. Trotz all dieser deprimierenden Perspektive (die auch zeitweise geradezu erschlägt) gibt es auch sanfte Momente, die vor allem Mitgefühl und Anteilnahme zeigen, ohne mitleidig zu sein.
Der Kurzfilm „The Devil“ (2012) ist ein fein zusammengestellter Blick auf das Wirken der Black Panther. Kurzweilig und informativ.
Eine Neuinterpretation des klassischen Romans „Wuthering Heights“ als romantische Schmonzette an einer US High School? Keinen zweiten Blick wert, doch dann sieht man plötzlich James Caan in der Asylum-Produktion von „Wuthering High“ (2015) und lässt sich doch auf diesen an allen Ecken und Enden furchtbar langweiligen Streifen ein. Zumindest Caan bietet ein wenig Kurzweil.
Die erbauliche französische Komödie „La familie Bélier“ (2014) ist ein perfektes Beispiel für das aktuelle französische Kino. Getragen von tollen Darstellern (Karin Viard und Francois Damiens brillieren als die gehörlosen Eltern), ist die Handlung um die junge Paula (Louane Emera), die sich von der Übermacht der liebevollen Familie emanzipieren muss und dies durch ihr Gesangstalent macht, ein Paradebeispiel für die High Concept-Komödie, wie sie in Frankreich aktuell wie am Fließband gedreht wird. Was bei „Papa ou maman“ tragisch schief ging, funktioniert aber bei den Béliers, auch wenn die Zutaten zu bekannt sind und viel Kitsch in den Gesangsszenen mitschwingt.
Komplexer und mit böserem Witz versehen ist der israelische Versuch sich der Grenzsituation mit Syrien anzunähern. In „Ha-Kala Ha Surit“ (2004) wird die Hochzeit der Drusin Mona (Clara Khoury) gezeigt. Besser jedoch, der Versuch. Denn die Hochzeit soll in Majdal Shams, in den Golan Höhen, stattfinden und während auf der einen Seite der Grenze die Braut steht, wartet auf der anderen der unbekannte Bräutigam. Neben familiären Verwicklungen ist vor allem der politische Konflikt zwischen Syrien und Israel, der im Grunde nur den einfachen Bürger quält und in Mitleidenschaft zieht, das Zentrum des mit viel Witz aber auch bitterer Einsicht versehenen Werks.
Bitterer Witz ist auch in Matteo Garrones Reality-Satire „Reality“ (2012) das Mittel zum Zweck, doch die Handlung um einen neapolitanischen Fischhändler der unbedingt in die italienische Version von „Big Brother“ ziehen will, verliert sich in vielen surrealen Anspielungen und weiß nur selten den Punkt seiner Erzählung gewitzt darzulegen. In der Hauptrolle von Aniello Arena gut gespielt, aber eher ein gutes Konzept, denn ein guter Film.
„Escobar: Paradise Lost“ (2014) von Andrea Di Stefano ist ein Beweis für die Klasse von Benicio Del Toro. Obwohl er den Titelgebenden Drogenbaron Pablo Escobar spielt, ist sein Auftritt nur eine etwa 20-minütige Nebenrolle. Im Zentrum stehen die beiden Brüder Nick (Josh Hutcherson) und Dylan (Brady Corbet), die an der kolumbianischen Küste ein Surfer-Paradies ersehnen. Schließlich geraten beide in die Fänge von Escobars Drogenimperium, wobei vor allem Nick sich von dem charismatischen Escobar um den Finger wickeln lässt. Sich Escobar auf indirektem Weg zu nähern, ist allerdings ein missglücktes Unterfangen (ganz im Gegensatz etwa zu dem hervorragendem „The Last King of Scotland“, das sich auf denselben Story-Kniff bezieht um idi Amin zu porträtieren) und lenkt nur von dem großartigen Del Toro ab, der eine fantastische Leistung abliefert. In einem Prestige-trächtigerem Projekt wäre Del Toro wohl ein Oscar-Kandidat. So ist er das große Highlight eines ansonsten recht langweiligem Thriller.
Mit „Sharknado 3: Oh Hell No!“ (2015) beschließt Anthony C. Ferrante die so überraschend erfolgreiche „Sharknado“-Trilogie (nur um natürlich im Abspann einen vierten Teil anzukündigen). Wie für einen großen Abschluss nötig, ist der finale Teil ein exzessives Spektakel mit einer unglaublichen Fülle an Gaststars, die oftmals einzig dazu auftauchen, um schnell zu sterben (George R.R. Martin etwa) oder um zumindest ein klein bisschen an Exposition in den Film zu bringen (Frankie Muniz, Michael Winslow). Mit David Hasselhoff hat man auch noch den perfekten Darsteller für diese Art von Filmen verpflichten können. Die Handlung ist völlig nebensächlich, aber führt immerhin Ian Ziering und Film-Ehefrau Tara Reid (mit Hasselhoff als Zierings Vater) in den Weltraum. Diesmal muss die Nasa herhalten, um den jüngsten Sharknado zu stoppen. Ein vierter Teil wird kommen, aber mittlerweile scheint es kaum mehr möglich, diese Filmreihe noch irgendwie weiter zu führen. Selbst für bewusst „So schlecht, dass es gut ist“-Filme, kommt einmal der Punkt, an dem es nicht länger sinnvoll ist, weiter zu machen.
Danny Collins / http://assets.rollingstone.com/assets/2015/moviereview/danny-collins-20150319/189029/medium_rect/1426626695/720x405-dda510_a1ce21c60afa49a0b98d.JPG

Re-Visited
Es ist zwar einige Jahre her, aber die erneute Ansicht des DreamWorks-Animations-Meisterwerks „Shrek“ (2001) lässt auch heute wieder vor Freude das Herz hüpfen. Die so gut wie perfekte Mischung aus Kinderfilm und Erwachsenen-Entertainment, mit großartigen Voice Actors (Eddie Murphy in der besten Darbietung der bislang letzten 15 Jahre seiner Karriere) und einer immer noch ansehnlichen Animation. Dass die Anti-Disney aber doch schon irgendwie Pro-Disney-Handlung hervorragend funktioniert, versteht sich fast von selbst.
Nach der Lektüre von „Ayoade on Ayoade“, war es wieder mal an der Zeit, sich die Regie-Werke des Schauspielers Richard Ayoade anzusehen. Sein Debüt „Submarine“ (2010) Coming-of-Age-Drama mit viel absurdem visuellem Witz, einem fantastischem Soundtrack und genügend eigenständiger handwerklicher Kunstfertigkeit, als dass die Anklänge an Truffaut oder Ashby als lobenswerte Zitate erscheinen.
Dasselbe Urteil lässt sich auch über „The Double“ (2013) fällen, in dem Ayoade den Roman von Dostojewski als Basis für eine Thriller-Groteske nimmt. Quasi das Gegenstück zu Denis Villeneuves „Enemy“ (der wieder einen Roman von José Saramago adaptierte) mit Jesse Eisenberg in einer famosen Doppelrolle. Vor allem die Anonymität des Konzerns, in dem Simon arbeitet, wird zu einer Bürde, als ein ihm auf das Haar gleichender Kollege eintritt. Doch nur Simon scheint die Ähnlichkeit zu erkennen. Ayoades trockener Humor und die Anklänge an „Brazil“ lassen „The Double“ zu einem speziellen grotesken Juwel werden, das nicht für jeden funktioniert, was auch an der stellenweise etwas zu langatmigen Inszenierung liegt, die sich am Set-Design berauscht. In einem Dialog über Richard Ayoade, besprechen wir die vielen Facetten seines Schaffens.
Zwei Jahre, einen ausgewachsenen Hype und sieben Oscars später, hätte die erneute Sichtung von „Gravity“ (2013) eine Enttäuschung sein können. Vor allem da die imposanten Aufnahmen damals auf der großen Leinwand betrachtet wurden. Doch auch am kleinen Heimkino-Center wirkt das Sci-Fi-Überlebens-Epos von Alfonso Cuarón wie ein epochales Meisterwerk. Diesmal war der redselige Matt Kowalski (George Clooney) auch kein so irritierender Faktor, wie bei der Erstsichtung. Dennoch blieb die Funkverbindung auf die Erde ein Minuspunkt und auch das Ende mit dem zu monströsen Soundtrack stieß ein wenig sauer auf. Doch auch diesmal wieder: ein faszinierender Sci-Fi-Trip mit einer grandiosen Sandra Bullock.
Während Matt Dillon in der Mini-Serie „Wayward Pines“ erneut ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit rückte, kam ich nicht umhin, mir seinen wunderbaren Auftritt als Henry Chinaski in Bent Hamers „Factotum“ (2005) erneut anzusehen. An der Seite von Lily Taylor und Marisa Tomei, brilliert Dillon als durch die Gegend schlurfender Schriftsteller, der dem Leben alles abzugewinnen vermag, ohne sich offenbar wirklich anzustrengen. Darin liegt die Stärke, in dem lakonischen Witz, mit dem der „Immer-wieder-mal-Arbeitslose“ Chinaski durchs Leben zieht. Es ist zugleich die große Schwäche, denn eine wirkliche Handlung gibt es nicht. Es sind Anekdoten aus dem Leben eines nicht sonderlich sympathischen Mannes.
The Double / http://www.columnf.com/wp-content/uploads/2014/05/The-Double.jpeg

Serien-Überblick
Die 8. Staffel (2012) von „How I Met Your Mother“ wirkt wie ein großer Teaser für das unvermeidliche Finale. Für eine Serie, die mit einer derart großen Seherschaft gesegnet war, wurde dies aber auch ein wenig zum Fluch. Die Grandezza mit der jegliche Entscheidung im Leben der fünf Freunde präsentiert wird, erschlägt ein wenig den Humor. Zudem werden etliche Handlungsverläufe auf die absurdest möglichen Weisen voran getrieben. Dennoch, wäre dies ein schöner Abschluss der Serie gewesen, vor allem da „The Mother“ abschließend präsentiert wurde. Noch eine Doppelfolge am Ende und es hätte sich alles schön ineinander gefügt. So wirkt die Aussicht auf eine zusätzliche Staffel ein wenig ermüdend.
Geradezu unzählig viele TV-Wiederholungen in durcheinander gewirbelter Reihenfolge und die Enttäuschung über die jüngsten Episoden, ließen mich ein wenig Abstand von den Simpsons nehmen. Doch nach Ansicht der 1. Staffel (1989) erkenne ich wieder den Charme, den Witz, die Freude und die Genialität von „The Simpsons“. Ungeschliffen, mit noch nicht ausgereifter Animation, noch nicht endgültig entwickelten Charakteren (alleine Homers Stimme ist bei weitem nicht so schrill wie heute) und erst nach und nach eingeführten Nebenfiguren, erlaubt sich langsam in Springfield fallen zu lassen. Dass bereits in der 1. Staffel eine Highlight-Episode auf die nächste folgt (unter anderem unter Mitwirkung von Brad Bird), zeigt auch, weshalb die neueren Arbeiten so enttäuschten.
Die 2. Staffel (1990) von „The Simpsons“ konnte mit einigen Highlights aufwarten. Etwa „Bart Gets an F“ oder der ersten Halloween-Episode mit einer der schönsten Adaptionen von Edgar Allen Poes „The Raven“, die ich bislang sehen konnte. Auch zeigten sich die Charaktere langsam immer mehr in der Form, in der man sie auch heute noch kennt. So ist Lisa immer mehr die strebsame Schülerin, während Marge zur Super-Hausfrau wird und Homers exzentrische Abenteuer langsam beginnen. Jedoch zeigt sich vor allem bei Nebenfiguren, dass es noch zu Änderungen kommen soll. Eddie und Lou sind prominenter denn Chief Wiggum, während Ned Flanders zwar ein Bibeltreuer Nachbar, aber doch um ein Vielfaches arroganter auftritt, denn in späteren Staffeln. Es sind viele Details die man hier aufzählen könnte, doch es fasziniert vor allem, wie viele Klassiker-Episoden man zu sehen bekommt.
Schneller als erwartet wurde dann die finale 9. Staffel (2013) von „How I Met Your Mother“ gesichtet. Wie bei einem Finale zu erwarten, gab es Auftritte längst vergessener Charaktere und viel Herzschmerz, doch damit kommt man zurecht. Die Handlung an einem Wochenende spielen zu lassen, erwies sich als geradezu notwendiger Kniff, um der in den letzten Staffeln ein wenig zu sehr im eigenen Saft schmorenden Serienhit neues Leben einzuhauchen. Nicht immer sind die Begegnungen der „Gang“ mit „der Mutter“ (schön ins Ensemble passend: Cristin Milioti) perfekt geglückt, doch zumeist zeigt sich, weshalb nicht nur Ted sie mag, sondern ein logischer Teil des Freundeskreises wurde. Umso größer dann der Ärger, dass sich die Macher dazu entschlossen haben, in den letzten Minuten den gesamten dramatischen Aufbau der letzten Staffel (oder auch der ganzen Serie) in wenigen Sätzen über den Haufen zu werfen. Die Mutter derart abzuservieren erscheint regelrecht zynisch, rein im Dienste eines vor Jahren gedrehten fix fertigen Endes, welches nun nicht mehr geändert werden konnte. So verärgert das Ende tatsächlich. Etwas was mir bislang nur bei „Lost“ passierte.
Die Mystery-Serie „Wayward Pines“ (2015) auf Basis der Buch-Trilogie von Blake Crouch – unter der Produktionsleitung von Chad Hodge und mit Unterstützung des in letzter Zeit strauchelnden M. Night Shyamalan – ist mit ihren 10 Episoden perfekt für eine Mini- oder Anthologie-Serie ausgerichtet. Matt Dillon darf als Ethan Burke in der merkwürdigen Kleinstadt nach zwei verschwundenen Kollegen (darunter Carla Gugino als Kate) suchen. Schon bald findet er die Geheimnisse dieser Twin-Peaks-artigen Stadt heraus. Die vielen Wendungen die in den 10 Episoden gebracht werden, lassen kaum ein Stephen-King-Klischee aus. Doch wenn man Melissa Leo und Toby Jones brillieren sehen darf, dann vergisst man all die Logik-Löcher und unsinnigen Wendungen für einen Moment. Zum Glück bleibt es aber wohl bei dieser einen Staffel, denn alles was über diese Erzählung hinaus führen würde, würde das ohnehin sehr fragile Fundament von „Wayward Pines“ zusammenbrechen lassen.
Wayward Pines / http://i2.cdnds.net/15/18/618x394/ustv-wayward-pines-season-one-premiere-still-5.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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