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Im September ging es wieder häufiger ins Kino. Langsam beginnt wieder die Zeit, in der auch sehenswerte Filme zu betrachten sind. Die Schwerpunkte lagen dennoch auf wieder gesichteten Filmen für Film im Dialog, aber auch die Sichtung jener Werke von Billy Wilder, die ich noch nicht kannte. Der Abschluss der großartigen Serie „Boardwalk Empire“ sticht schlussendlich noch zusätzlich aus dem Monat heraus.

Neuzugänge
Jonathan Demme hat eine etwas unrund wirkende Filmografie. Zu Preisgekrönten Meisterwerken wie „Silence of the Lambs“ oder „Philadelphia“ gesellen sich auch „The Truth about Charlie“ und etliche Musik-Dokumentationen. Die mit Meryl Streep und Kevin Kline herrlich besetzte Musik-Tragikomödie „Ricki and the Flash“ wirkt wie eine Zusammenfassung aller Elemente, die Demme künstlerisch reizen. Streep als Möchtegern-Rockstar, die ihre Familie verließ um ihren Karriere-Traum zu jagen und Kevin Kline als verstockter Ex-Mann, sind die Highlights in einer etwas unausbalancierten Geschichte, die bis zur Halbzeit, mit der Wiederannäherung von Ricki und ihrer Tochter (Mamie Gummer) auf einem guten Weg unterwegs ist. Danach wird eine 10-Minuten-Resthandlung mit viel zu vielen Musik-Einlagen auf 45 Minuten aufgeblasen und so doch noch zu einer süßlichen „Familie hält zusammen“-Erzählung.
Terrence Malick hat seit „The Tree of Life“ einen Stil entwickelt, der im Weltkino nur selten so zu finden ist. Nachdem „To the Wonder“ scheinbar alles falsch machte, was in „The Tree of Life“ noch funktionierte, findet er so etwas wie eine Mitte in „Knight of Cups“. Die Geschichte um den Drehbuchautor Rick (wie ein Schlafwandler: Christian Bale), der an seiner Existenz verzweifelt und zwischen sexuellen Abenteuern (aber auch einer zerbrochenen Ehe mit Cate Blanchett) ist in Fragmenten erzählt und nicht viel mehr als ein Mittel für Malick, um mal aufreizend esoterisch, dann wieder gefühlvoll und grandios von Dekadenz, Leere und Familie zu erzählen. In unserem Dialog, gehen wir der Arbeitsweise von Malick auf den Grund.
Das Ehe-Drama „45 Years“ von Andrew Haigh wurde bei der Berlinale mit den Silbernen Bären für die beiden Darsteller Charlotte Rampling und Tom Courtenay ausgezeichnet. Das war eine weise Entscheidung, denn die beiden Routiniers beleben ein an sich eher steifes Konzept, in dem Haigh eine klar strukturierte Geschichte um die Geheimnisse einer seit 45 Jahren bestehenden Ehe seziert. Visuell bleibt der Film unterkühlt, geprägt von Nebel, Regen und Stürmen, während sich Geoff und Kate auf die Partie zu ihrem Hochzeitstag vorbereiten. Die Ehe infrage gestellt wird durch einen Brief, in dem Geoff erfährt, dass seine bei einem Bergunglück umgekommene 1. Liebe wieder entdeckt wurde. Dies lässt alle möglichen Gedanken und Schlüsse zu und am Ende bleibt dem Zuseher, nur zu grübeln, wie man sich selbst verhalten würde. Getragen von den famosen Darstellern ist dies ein nachdenklich machender Film, der hin und wieder ein wenig zu sehr ins Klischee des „seriösen Filmes“ hinein rutscht.
Johannes Krisch ist eine hervorragende Besetzung als Serienmörder Jack Unterweger. Seine Darstellung macht es zumindest teilweise nachvollziehbar, weshalb ein großer Teil der Wiener Kunst- und Kulturszene dem Charme Unterwegers verfiel. In „Jack“ von Elisabeth Scharang bleibt dies aber der einzige Anhaltspunkt. Untermalt von einem zu dominanten Soundtrack von Naked Lunch, bleibt Scharang wage und unklar. Auch die 11 Morde werden, da das Urteil nie rechtsgültig wurde und Unterweger die Taten stets leugnete, als ungelöst dargestellt, was im Zusammenhang mit dem Rest des Filmes ein wenig zynisch wirkt.
Der Isländer Baltasar Kormákur hat sich in den letzten Jahren als verlässlicher Blockbuster-Handwerker empfohlen. Mit der Verfilmung des Unglücks vom Everest unter dem schlichten Titel „Everest“ empfiehlt er sich für höhere Aufgaben, wenngleich auch nur auf technischem Niveau. Das Unglück von 1996, bei dem fünf Bergsteiger ihr Leben ließen, wird von Kormákur als Natur-Ereignis inszeniert, mit fantastischen 3D-Aufnahmen. Die Charaktere bleiben dabei oberflächliche Karikaturen und werden Typgemäß besetzt (Jake Gyllenhaal als Draufgänger, Josh Brolin als Großmaul, John Hawkes als Sensibler oder Jason Clarke als Netter). Unterhaltsam und streckenweise sehr spannend, aber doch zu oberflächlich. In unserem Dialog versuchen wir der Faszination Bergsteigen noch einmal ein bisschen auf den Grund zu gehen.
Nancy Meyers ist die Expertin für erwachsene romantische Komödien. „What Women Want“ oder „Something’s Gotta Give“ zeigten auch, dass Schauspielerinnen wie Diane Keaton wunderbares Material zur Verfügung bekamen. Dies ist auch der erste Gedanke bei „The Intern“. Robert De Niro als 70 Jahre alter Witwer, der sich in der Pension einsam und nutzlos fühlt und deshalb an einem Senioren-Praktikanten-Programm bei einem hippen Start Up mitmacht, ist ein herrliches Konzept. Dass seine Zusammenarbeit mit Firmengründerin Jules (Anne Hathaway) im Grunde eine auf nett getrimmte Variation von „The Devil Wears Prada“ ist, stört dann aber sehr schnell. Es gibt kaum Reibungspunkte, sondern einzig Erkenntnisse, die der Erfahrungsschatz von De Niros Ben bieten. Unterhaltsam, teilweise auch recht herzlich, aber insgesamt ohne jede Spannung.
Mit „Good Bye, Lenin!“ feierten Regisseur Wolfgang Becker und Star Daniel Brühl einen unerwarteten internationalen Erfolg. Die nächste Zusammenarbeit musste aber über 10 Jahre auf sich warten lassen. Die Verfilmung von Daniel Kehlmanns „Ich und Kaminski“ ist eine ambitionierte aber zuweilen sehr behäbige Kunst- und Kultursatire. Brühl ist hervorragend als arroganter Journalist und Möchtegern-Biograf Sebastian Zöllner, während Jesper Christensen dem alternden Maler Kaminski die nötige Eitelkeit und herrische Art verleiht. Dass Becker aber zu sehr an der Form und weniger an der Erzählung interessiert ist, macht aus dem 2 Stunden langen Werk, einen manchmal recht langatmigen Marathon.
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Das Regie-Ehepaar Peter Brosens und Jessica Hope Woodworth vollenden mit „La cinquième saison“ (2012) ihre Umwelt-Trilogie. Die ersten beiden Teile habe ich nicht gesehen, doch der Film funktioniert auch alleinstehend. In einem belgischen Dorf hört der Winter nicht mehr auf. Brosens und Woodworth zeigen Anzeichen dafür, dass dies nicht nur auf das Dorf beschränkt ist. Das Vieh wird weggeschafft, das Getreide verdirbt. Was jedoch beginnt wie ein surrealer Blick auf das Landleben, entwickelt sich zu einer voller Bedeutung aufgeladener Endzeitparabel, in der heidnische Rituale und Menschenopfer dargebracht werden. Auch wenn zwischendurch der Handlungsfaden verloren geht, so entschädigt der spektakuläre Schlussakt dafür.
Juliette Binoche war selten besser als in „Camille Claudel, 1915“ (2013) von Bruno Dumont. Dumont konzentriert sich dabei auf einen kurzen Zeitabschnitt, in dem er die in einem Irrenhaus untergebrachte Künstlerin zeigt und wie sie mit dem Alltag dort zurecht kommt. Der Besuch ihres tief gläubigen Bruders, sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern vor allem für Aufregung. Ansonsten passiert jedoch nicht viel. Es ist eine darstellerische Meisterschau von Binoche und auch von Jean-Luc Vincent als Camilles Bruder.
Otto Premingers Boulevard-Komödie „Die Jungfrau auf dem Dach“ (1954) wurde zur selben Zeit gedreht, wie die US-Version „The Moon Is Blue“. In der deutschsprachigen Version rittern Hardy Krüger und ein damals 50 Jahre alter Johannes Heesters um die Gunst einer jungen Frau (Johanna Matz). Der einzig interessante Aspekt ist hier, dass Preminger sowohl eine US- als auch eine BRD-Version drehte. Ansonsten ist dies eine sehr vorhersehbare und wenig inspirierte Komödie, mit manch amüsanter Dialogzeile aus der Feder von Carl Zuckmayer.
Das Regie-Debüt von Barbet Schroeder „More“ (1969) fügt sich perfekt in die „Easy Rider“-Welle ein. Ein deutscher Hedonist (Klaus Grünberg), trifft auf seiner Reise in die Selbsterkenntnis auf eine amerikanische Femme Fatale (Mimsy Farmer) und wird von ihr schließlich zerstört. Der hübsch gefilmte Drogentrip hat kaum etwas von Belang zu bieten, doch sowohl die Musik von Pink Floyd als auch die beeindruckende Konsequenz Schroeders, diese allesamt unsympathischen Charaktere bis zum bitteren Ende ohne Weichzeichner zu zeigen, sorgen für ein wenig Interesse.
Gewinner des Goldenen Bären in Berlin, Kult-Favorit unter Action-Fans, Blockbuster in seinem Heimatland Brasilien, allerdings von Kritikern eher kühl aufgenommen. „Tropa de Elite“ (2007) von José Padliha zeigt den „City of God“-Alltag Rios aus der Sicht korrupter Polizisten und eines nach seinem Nachfolger suchenden Captains der Spezialeinheit BOPE. Padilha ist kein Meirelles und kann dem vibrierenden Stil von „City of God“ nur nacheifern, aber nicht viel eigenen Stil hinzufügen. Die mitreißende Action und das von zwei ehemaligen BOPE-Polizisten verfasste Drehbuch, sorgen für genügend Gründe, um dem moralisch zwielichtigem Geschehen bis zum Ende beizuwohnen.
Nicolas Cage hat aufgegeben. Anders kann man nicht verstehen, wie er in der B-Movie-Extravaganza „Drive Angry“ (2011) landen konnte. Schwache 3D-Effekte und eine völlig überdrehte Horror-Story um einen satanischen Sektenführer, der das Enkelkind von Milton (Cage) opfern will um der Herr über die Hölle auf Erden zu werden, wird als Auto-Action-Film präsentiert. Mittendrin hat vor allem William Fichtner als Der Tod seinen Spaß. Cage weiß auch in einigen Momenten zu überzeugen und zu unterhalten, aber ohne die beiden prominenten Darsteller, wäre dieser Film längst vergessen.
„Night Will Fall“ (2014) ist nicht der KZ-Dokumentarfilm von Alfred Hitchock, wie die Werbung den Zuseher Glauben machen will, sondern die Geschichte rund um die Entstehung dieser Arbeit und wie sie schließlich doch nie der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die minutiösen Bilder aus den Konzentrationslagern sind schwer zu ertragen, wo hingegen die Hintergrund-Berichte informativ und recht leicht zu verdauen sind. Ein wichtiger und informativer Film.
James „The Amazing“ Randi ist das Zentrum des sehr unterhaltsamen, wenngleich recht bieder gemachten Dokumentarfilmes „An Honest Liar“ (2014). Randis Magierkarriere und sein Kampf gegen Scharlatane, die behaupten über „wahre“ übernatürliche Kräfte zu verfügen (vor allem Uri Geller war und ist sein Hauptziel), stehen im Mittelpunkt. Der persönliche Hintergrund von Randi ist schön hinzugefügt und wirkt doch ein wenig deplatziert, in der Komposition des Filmes. Als wäre ein zweiter, ebenso unterhaltsamer Film, hinein geraten und so blockieren sich der professionelle und der private Aspekt ein wenig gegenseitig.
Mit Interesse habe ich als Jugendlicher die Neu-Verfilmung der H.G. Wells-Geschichte „The Island of Dr. Moreau“ mit Marlon Brando und Val Kilmer erwartet. Das zu großen Teilen hauptsächlich langweilige Werk, hinterließ dennoch Eindruck, da den Film eine gewisse bizarre Anziehung umwehte. Dass ich später lesen durfte, dass der ursprüngliche Regisseur Richard Stanley sich in Maske am Set herum schlich, bestärkte nur die Faszination. Die Dokumentation „Lost Soul: The Doomed Journey of Richard Stanley’s Island of Dr. Moreau“ (2014) bietet jedoch wenig, was man von dieser Art Doku nicht erwarten würde. Es sind „Kriegsgeschichten“, die sich einige Darsteller, Richard Stanley und andere Mitarbeiter die hinter der Kamera arbeiteten, erzählen. Dennoch fehlen einige interessante Perspektiven und Einsichten und so bekommt der interessierte Zuseher nur zu sehen, was man schon kennt und wer völlig unwissend in diesen Film stolpert, erhält zumindest eine Ahnung dessen, was bei den Dreharbeiten vorfiel.
Der B-Klassiker „The Brain That Wouldn’t Die“ (1962) hat eine geradezu klassische „Verrückter Wissenschaftler“-Grundgeschichte. Nach einem Autounfall kann Dr. Bill Cortner nur noch den Kopf seiner Geliebten Jan (Virginia Leith) retten. Auf der Suche nach dem passenden Körper, entdeckt er die im Gesicht entstellte Schönheit Doris (grandios überzogen: Adele Lamont). Doch in der Zwischenzeit ist Jan in ihrem körperlosen Dasein verrückt geworden, mit dem Wunsch einfach zu sterben. Ein kurzer und unterhaltsamer Trash-Film, der völlig zurecht einen Ruf als „So schlecht, dass es gut ist“-Klassiker hält.
Weniger unterhaltsam war der mexikanische Vampirfilm „El ataúd del Vampiro“ (1958). Ein von Grabräubern ausgegrabener Vampir, befreit sich aus seinem Sarg und geht auf die Jagd nach Blut. Die Darstellung des moralisch korumpierten Dr. Saldívar (Abel Salazar) ist ein Genuss. Doch ansonsten bleibt wenig von Belang.
Das Regie-Debüt von Luchino Visconti ist eine Adaption des James M. Cain-Romans „The Postman Always Rings Twice“. In „Ossessione“ (1943) ist es der Herumtreiber Gino (Massimo Girotti) der das Lokal des Ehepaares Bragana betritt und die Leidenschaft in der Ehefrau Giovanna (Clara Calamai) entfacht. Gemeinsam ermorden sie ihren Ehemann und versinken dennoch in Routine und Selbsthass. Viscontis Inszenierung wirkt wie eine italienische Version eines Film Noir, mit allerlei lokalen Bezügen und Spielereien, wie einem Gesangswettbewerb. Diese Stilmischung lässt das Geschehen manchmal ein wenig zu langsam voran kommen.
Der so genannte #Horrorctober steht wieder vor der Tür und natürlich mache ich da auch wieder mit. Immerhin ist dies die perfekte Ausrede um sich manch einen Horrorfilm wieder und andere lang aufrgeschobene endlich einmal anzusehen. Zur Einstimmung gab es zunächst jedoch die gut gelaunte aber überraschend oberflächliche Dokumentation „Best Worst Movie“ (2009) von Michael Stephenson. Stephenson spielte in „Troll 2“ den Sohn der Familie Waits. 19 Jahre später geht er dem Phänomen „Troll 2“ nach und versucht zu erläutern, weshalb dieser Horrorfilm zum Kultobjekt wurde. Dabei tritt Stephenson kaum jemandem auf die Zehen, allerdings ist der „Troll 2“-Regisseur Claudio Fragasso hauptsächlich damit beschäftigt, sein Werk zu verteidigen. Als Extra zu einer DVD und mit kürzere Laufzeit passend, als 90-Minüter aber zu langatmig.
Dasselbe könnte man über „Troll 2“ (1990) sagen. Mit knapp über 90 Minuten dauert der Kampf der Familie Waits gegen die Goblins zu lange. Die Darsteller sind allesamt furchtbar, die Kostüme billig und die Handlung völlig unlogisch. Dennoch ist genügend unterhaltsames Material dabei. So lustig wie erhofft, war dieser Einstieg in den #Horrorctober dann aber doch nicht.
Das Leben von Brian Wilson ist so fantastisch, dass es geradezu perfekt für eine Biografie wirkt. In Bill Pohlads „Love & Mercy“ (2015), nach einem Drehbuch des „I’m Not There.“-erprobten Oren Moverman, wird das Leben von Wilson in zwei Phasen aufgesplittet. Zum einen die kreativen Prozesse rund um die Produktion von „Pet Sounds“ und dem gescheiterten Album „Smile“, in diesen Passagen spielt ein fantastischer Paul Dano den jungen Wilson und zum anderen die Behandlung des alten Brian Wilson (so gut wie seit Jahren nicht: John Cusack) durch den offensichtlich inkompetenten und Machthungrigen Dr. Landy (Paul Giamatti). Die psychische Erkrankung, die familiären Probleme und schließlich der Sturz in die Paranoia – woran die Beach Boys schließlich zerbrechen – werden zwar ein wenig zu verkürzt dargebracht, doch Dano spielt großartig und macht den Druck, unter dem sich Wilson sah, nachvollziehbar. Ebenso ist Cusack hervorragend anzusehen, wie er durch die Begegnung mit Melinda Ledbetter (Elizabeth Banks) langsam wieder ins Leben zurückkehrt und sich von Dr. Landy löst. Ein ambitioniertes, kreatives Biopic.
Der zum Teil per Crowdfunding finanzierte Kurzfilm „Die Geschichte einer Legende“ (2014) von Christoph Tripp ist eine hübsch inszenierte Geschichte um zwei Buben und die Macht der Fantasie. Karl und Tobi durchleben gemeinsam mit ihrem imaginären Freund, einer übergroßen Vogelscheuche, gegen atemberaubende Gefahren und Tripp gelingt es auch, dass man ohne falsche Sentimentalität, in diese kindlich geprägte Welt eintaucht.
Das Werk von Billy Wilder wird oft auf seine berühmtesten Komödien wie „Some Like It Hot“ oder „The Apartment“ reduziert, dabei war er ein vielseitiger Filmemacher und konnte in beinahe allen Genres seine Spuren hinterlassen. So überraschte es mich dann ein wenig, als ich bei der Durchsicht seiner Filmografie auf etliche Filme stieß, die ich noch nie oder nur zum Teil gesehen hatte. Seine erste US-Arbeit „The Major and the Minor“ (1942) führt ihn sogleich mit dem Star eines anderen frühen Meisterwerkes zusammen. Ray Milland sollte in „The Lost Weekend“ unvergesslich gut einen Alkoholiker spielen, doch in dieser Farce ist er Major Kirby, der während einer Zugfahrt sich der kleinen Susan (Ginger Rogers) annimmt, im Glauben sie sei noch nicht einmal 12 Jahre alt. In Wirklichkeit ist Susan eine Mit-Zwanzigerin, die von New York die Nase voll hat und sich das Zugticket nicht leisten kann. So gibt sie sich als Kind aus. Ein Szenario welches keine Sekunde lang glaubwürdig ist, aber unter der souveränen Regie von Wilder (man beachte dass er hier erst seine zweite Regiearbeit insgesamt ablieferte und seine erste im US-Studiosystem) bleibt der Unterhaltungswert so hoch, dass man die widersprüchlichen und unglaubwürdigen Aspekte der Handlung lange genug ausblendet.
Eine Spur gelungener, wenngleich auch noch von den großen Meisterwerken entfernt, ist das Kriegsdrama „Five Graves to Cairo“ (1943). Der britische Corporal Bramble (Franchot Tone) ist der einzige Überlebende einer Schlacht zwischen britischen und deutschen Panzereinheiten. In einem kleinen Hotel findet er eine Zuflucht und gibt sich als der kürzlich verstorbene Kellner aus, unter der Mithilfe des Personals. Als Erwin Rommel (großartig: Erich von Stroheim) mit seinen Mannen Quartier im Hotel bezieht, beginnt sich ein unterhaltsames Kammerspiel zu entwickeln, in dem die Fronten nicht immer so klar erscheinen, wie man bei einem während Kriegszeiten entstandenen US-Kriegsfilm glauben sollte. Wilder belässt jedem Charakter seine Menschlichkeit, obwohl Rommel in der Darstellung durch von Stroheim immer am Rande der Karikatur wandelte. Die Handlung selbst jedoch weiß nicht immer die Aufmerksamkeit des Publikums aufrecht zu halten. Trotz der großartigen Schauwerte zum Ende hin.
Der Viennale-Trailer für dieses Jahr trägt den Titel „Xiao Kang“ (2015) und wurde vom taiwanesischen Filmemacher Tsai Ming-liang erstellt. Der Trailer zeigt einen Mann durch einen Bambuswald irrend, während das stumme Filmmaterial durch Projektorgeräusche verfremdet, wie ein mysteriöses Fundstück wirkt. Ein passender, wenngleich nicht sondeirlch aufregender Trailer zur Viennale.
Im Rahmen des #Horrorctober stieß ich auf „Area 51“ (2015) von Oren Peli. Nach seinem Überraschungshit mit „Paranormal Activity“ wartete die Filmwelt auf seinen nächsten Streich. „Area 51“ ging jedoch durch die Produktionshölle mit Nachdrehs, schlechten Ergebnissen bei Probevorführungen und schließlich einem mit Jahre verspäteten Start auf Online-Plattformen wie Netflix. Der fertige Film zeigt drei Freunde auf der Suche nach der Anlage „Area 51“. Da sich Peli auf das von den Freunden selbst gedrehte Material verlässt, besteht die 1. Filmhälfte aus langweiligem Planen und die 2. Filmhälfte aus dem Herumirren in der Anlage, bei der man nichts zu sehen bekommt. Ein paar interessante Nachtaufnahmen, die einem Harmony Korine-Film entsprungen sein könnten, wiegen die unfassbare Langeweile der 90 Minuten nicht auf.
Mein Ziel, die fehlenden Billy-Wilder-Werke nachzuholen, führt zu Filmen, von deren Existenz ich nicht einmal ahnte. So etwa die k.u.k.-Klamotte „The Emperor Waltz“ (1948) mit Bing Crosby, der am österreichisch-ungarischen Hof mit Kaiser Franz Josef immer wieder in Gespräche verstrickt zu sehen ist, und ansonsten durch die Berglandschaft wandert und ein Lied trällert. Ein belangloser Unterhaltungsfilm, den man eher der Wald-und-Wiesen-Romantik des deutschen und österreichischen Kinos der 1950er zuschreiben würde.
Gelungener ist da schon die bittere und zuweilen sehr böse Kriegs-Romanze „A Foreign Affair“ (1948). US-Kongressabgeordnete Phoebe Frost (Jean Arthur) soll im Nachkriegs-Berlin die Nachtklubsängerin Erika von Schluetow (herrlich: Marlene Dietrich) untersuchen und wirft dabei auch gleich einen Blick auf das Verhalten der Soldaten. Darunter auch der sich in sie verliebende US-Captain John Pringle (John Lund). Der zwischen den beiden Frauen hin und her gerissene Pringle ist eine amüsante Figur, doch mehr Gewicht hat die den Film durchziehende Bitterkeit, die aus den Kriegserlebnissen und der Not des zerstörten Berlins entspringt. Dieser Balanceakt gelingt Wilder in vielen Passagen hervorragend.
Die schwedisch-amerikanische Dokumentation „The Black Power Mixtape 1967-1975“ (2011) von Göran Olsson, zeichnet anhand von Archivmaterial die Rassendiskriminierung in den USA auf und wie sich dieser Blick von außen, auch auf die US-Administration auswirkt. Ein überraschend vielschichtiger Film.
„Blue Valentine“ (2010) ist ein sehr schmerzhafter Film. Ryan Gosling und Michelle Williams brillieren als am Ende ihrer Ehe angelangtem Paar und Cianfrance zeigt in verschiedenen Zeitebenen die Entwicklung von einer hoffnungsvollen Liebe hin zu einer unvermeidlich wirkenden Scheidung. Während so mancher Aspekt von Cindys (Williams) Leben ein wenig dick aufgetragen wirkt, bleibt Dean (Gosling) überraschend Hintergrundlos. So sind es die kraftvollen Darsteller und die mutige Darstellung einer sich in Routine und Perspektivlosigkeit wieder findenden Beziehung, die Cianfrances Film so eindringlich machen.
Weiter geht es im Billy-Wilder-Marathon. Die an Ernst Lubitsch angelehnte Romanze „Love in the Afternoon“ (1957) ist eine der merkwürdigsten Komödien Wilders. Gary Cooper als Wirtschaftsmagnat und die halb so alte Audrey Hepburn als Ariane bilden ein wenig prickelndes Paar. Die Geschichte um einen Privatdetektiven (Maurice Chevalier), dessen Tochter (Hepburn) und die wirre Romanze hat mich kaum packen können.
James Stewart als Charles Lindbergh ist eine der schlechtesten Besetzungen, die Wilder je in einem seiner Filme hatte. „The Spirit of St. Louis“ (1957) zeigt Stewart dennoch in großer Form, auch wenn er für die Rolle gänzlich unpassend (nicht nur was das hohe Alter angeht) scheint. Der Flug von den USA über den Atlantik nach Paris, wird von Wilder mit allerlei Rückblenden aufgefettet, die das Leben Lindberghs aufbereiten. Dadurch gerät das Geschehen nicht in einen langweiligen Trott, doch nicht immer sind die Rückblenden von Erfolg gekrönt. Ein merkwürdig anonymer Studiofilm, der nur wenig von Wilders Handschrift trägt, dennoch unterhält.
Dean Martin als Sänger namens Dino in Billy Wilders „Kiss Me, Stupid“ (1964). Im Grunde ist die Showbiz-Sex-Farce eine Abart des Elvis-Filmes. Martin spielt eine satirische Form seines Bühnenimages, des stets betrunkenen Womanizers. Als er in der Kleindstadt Climax liegen bleibt, gerät er an den krankhaft eifersüchtigen Möchtegern-Komponisten Orville (Ray Walston). Um Dino seine Songs anzudrehen und vor allem um seine Frau (Felicia Farr) vor dem Star zu schützen, wird die Nachtklub-Dirne Polly (Kim Novak) ins Haus geholt, damit sie vorgibt, die Ehefrau von Orville zu sein. Eine oberflächliche, derbe Farce mit einigen humorvollen Momenten und Wilder gelingt es auch ein wenig Hintersinn ins Geschehen einzuzweben, doch insgesamt ist dies eine der anspruchlosesten Komödien von Wilder.
Elegant, ambitioniert und voller wunderschöner Momente ist hingegen seine Meta-Komödie (als Meta noch nicht so hip war) „The Private Life of Sherlock Holmes“ (1970). Bewusst mit nicht ganz so bekannten Darstellern besetzt, gelingt es Wilder zwei einzelne Geschichten zu einem großen Filmvergnügen zu verbinden. Robert Stephens als sexuell undefinierbarer Sherlock und Colin Blakely als rüder Watson, bilden ein herrliches Paar. Hinzu kommt ein fantastischer Christopher Lee als Mycroft. Dass vor allem der zweite Fall, rund um Industriespionage in den Highlands ein wenig das Geschehen zum Stocken bringt, macht wenig, wenn man die ganze Eleganz des Filmes ansieht. Dass Wilder ein wohl noch viel besserer Film vom Studio zusammengeschnitten und somit der Welt vorenthalten wurde, ist eine Schande.
Die auf einem Bühnenstück basierende Komödie „Avanti!“ (1972) wirkt wie eine Zusammenfassung aller guten und aller schlechten Aspekte der Arbeiten von Billy Wilder, vor allem jener Werke aus der Spätphase. Jack Lemmon ist hervorragend als unsympathischer Geschäftsmann, der den Leichnam seines in Italien verunglückten Vaters nach Amerika überstellen will. Dass er dort auf die zu ihm völlig gegensätzliche Britin Pamela (perfekt im Gegenspiel zu Lemmon: Juliet Mills) trifft, deren Mutter verunglückte und ein Verhältnis mit seinem Vater hatte, führt zu allerlei Verwechslungen, Verwirrungen und romantischen Anbandelungen. Die Dialoge sind wie üblich herrlich, der Zynismus wohl dosiert, aber mit fast zweieinhalb Stunden, ist „Avanti!“ schlicht zu lang. Die gesamte letzte halbe Stunde wirkt wie ein unnötiger Epilog zu einer längst abgeschlossenen Handlung.
Als „The Front Page“ (1974), eine Adaption des Bühnenstücks von Ben Hecht, in die Kinos kam, war er bei Kritikern und Publikum ein Flop. Wilder selbst bereute, ein Remake des mehrfach verfilmten Stücks gedreht zu haben, doch ich kam aus dem Grinsen nicht heraus. Die Geschichte um den Reporter Hildy Johnson (Jack Lemmon) und seinen Versuch die Stadt und die Profession hinter sich zu lassen, werden von einem Gefängnisausbruch und der mitreißenden Hinterhältigkeit seines Herausgebers Walter Burns (Walter Matthau) untergraben. Scharfzüngige Dialoge, flotte Inszenierung und zwei perfekt auftrumpfende Stars machen „The Front Page“ zu einem Highlight der Wilder-Spätphase, auch wenn „His Girl Friday“ (die Version von Howard Hawks) unerreicht bleibt.
Mit „Fedora“ (1978) landen wir bei schon etwas unbekannteren Filmen. Die Geschichte der Leinwand-Diva (deutlich angelehnt an Marlene Dietrich) wäre ein interessanter Stoff und war als philosophische Fortsetzung zu „Sunset Boulevard“ gedacht. Der betont altmodische Stil, verbunden mit nunmehr nicht sonderlich unterhaltsamen Klischees, machen aus „Fedora“ aber einen der schwächsten Einträge in Wilders Werkliste. Technisch famos aber niemals wirklich packend oder spannend genug (allein das Mysterium um Fedora ist nach wenigen Minuten geklärt).
Nach der Enttäuschung, die Billy Wilder mit „Fedora“ erlebte, hatte er sich so gut wie aus dem Filmgewerbe zurückgezogen. Für das US-Remake einer französischen Komödie mit Jack Lemmon als CBS-Mitarbeiter und Walter Matthau als Auftragskiller, kam er doch noch einmal zurück. „Buddy Buddy“ (1981) hat durchaus seine charmanten Momente und die beiden Stars sind wie üblich toll anzusehen, doch das Material ist nicht wirklich inspirierend und Wilder macht wenig daraus. Ein insgesamt trauriger Schwanengesang.
Zum Abschluss des Wilder-Marathons gab es dann noch sein französisches Regie-Debüt „Mauvaise graine“ (1934). Das im Exil gedrehte Werk um einen Sohn aus reichem Hause, der, nachdem ihm der Vater Wagen und finanzielle Unterstützung entzog, bei einer Bande von Autodieben landet, ist großartige Pulp-Fiction. Manche Passagen sind noch als Stummfilm angelegt und der Schauspielstil orientiert sich auch noch an dieser Zeit. Die Dialoge gehören nicht unbedingt zum besten was Wilder je schrieb und auch die Inszenierung holpert noch dahin, aber die homoerotischen Untertöne der Freundeschaft zwischen dem reichen Henri und dem jungen Jean (während Henri zugleich mit der aparten Jeanette anbandelt) zeigen schon, wie Wilder mit dem Publikum zu spielen versteht.
„Die verrückte Welt der Ute Bock“ (2010) ist zunächst einmal ein Zeugnis für humanitäre Arbeit. Ute Bock spielt sich selbst in diesem semi-dokumentarischem Werk, in dem echte Flüchtlinge ihre Fälle nachspielen und zugleich prominente Darsteller (wie Josef Hader, Karl Markovics, Peter Kern oder Dolores Schmidinger) in nachgestellten Spielszenen auftauchen. Filmisch mag hier oft die Botschaft deutlich die Form übertreffen, aber diese Botschaft (noch dazu so kurzweilig dargebracht) muss unbedingt gehört werden.
Der Dokumentarfilm „Das große Museum“ (2014) ist ein gediegener, ruhiger und hübscher Blick hinter die Kulissen des KHM Wiens. Das Interesse ist für Kunstfreunde sicher gegeben, aber eine tiefer schürfende Analyse bleibt aus. In manchen Gesprächen werden Konflikte angedeutet, aber nie vertieft. Ein Fredrick Wiseman hätte aus dem Material wohl viel viel mehr heraus geholt.
Der österreichisch-italienische Dokumentarfilm „Das Venedig Prinzip“ (2012) geht den Folgen des Massentourismus auf Architektur und Bevölkerung von Venedig nach. Ein episodischer Blick auf die Lagunenstadt. Unaufgeregt und informativ.
Der Filmemacher Johann Schwarzer produzierte er als Ein-Mann-Unternehmen von 1906 bis 1910 über 50 erotischer Kurzfilme her. Das Filmarchiv Austria restauriert über 20 und präsentierte diese in einer DVD, verbunden mit einem historischen Beitrag zum erotischen Film der Frühphase. Vor allem dass es sich dabei nicht um Werke für den Hinterhof sondern für ein Massenpublikum handelte, erstaunt ein wenig. Schwarzers „Saturn Filme“ (so der Name der Produktionsfirma) sind aber selten gewitzt, sondern meist erstaunlich unschuldig in ihrer Darstellung weiblicher Nacktheit. Oft auch auf dem Niveau eines Altherren-Witzes. Die intelligenteren Arbeiten erzählen eine rudimentäre Handlung, wenngleich dies bei den meisten Filmen kaum notwendig erschien.
Die Entdeckung des größten und hervorragend erhaltenen Fossil eines T-Rex in den USA, wird in „Dinosaur 13“ (2014) akribisch nachgezeichnet. Der Konflikt der im Zuge dessen (inklusive Gerichtsstreits, Haftstrafen und einer obszön wirkenden Auktion bei Sotheby’s) entstand, ist für die Filmemacher von größerem Interesse, denn das Fossil selbst. So hat die Dokumentation auch immer einen etwas unangenehmen missionarischen Anti-Regierungs-Hauch, wenngleich viele Kritikpunkte mehr als gerechtfertigt sind.
Die Satire „Dear White People“ (2014) von Debütant Justien Simien sorgte in den USA für viel Furore. Der gewitzte und mit viel Stilbewusstsein ausgestattete Film rund um vier afro-amerikanische Studenten, und wie sie in einer elitären weißen Campuswelt zurecht kommen. Womöglich fehlt mir die Uni-Erfahrung, wie sie in den US-Campus-Filmen immer dargestellt wird, doch so wirklich verbinden konnte ich mich mit den Konflikten von „Dear White People“ nicht. Simien sorgt mit intelligenten Dialogen und kluger Inszenierung für viel Interesse, verlor mich aber immer wieder, da mir einige Konfliktfelder schlicht unergründlich schienen und Simien aus einer Sichtweise heraus inszenierte, in der eben diese Konflikte als bekannt voraus gesetzt werden. Ein hoch interessantes Debüt, das ich sicher mehr zu schätzen weiß, wenn ich mehr Hintergrundwissen zur Verfügung hätte.
Der Kurzfilm „Noah“ (2013) spielt ausschließlich auf dem Computerbildschirm des Titelcharakters. Ein kurzweiliger und technisch kluger Film um einen Teenager und seine Online-Welt.
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The 1001 Project
Die Pre-Code-Ära sorgte für einen Boom an interessanten und mitreißenden Filmen, vor allem der Gangster-Film erreichte in den Jahren von 1930 bis 1932 seine erste Hochphase. In Mervy LeRoys geradlinigem Thriller „Little Caesar“ (1931) spielt Edward G. Robinson einen großmäuligen Kleingangster, der sich langsam an die Spitze hinauf kämpft und am Ende doch von Recht und Ordnung zur Strecke gebracht wird. LeRoy inszeniert mit Schwung und Robinson ist stellenweise fantastisch, wenn er seine typischen Ausbrüche darbringen darf, doch im Gegensatz zu „The Public Enemy“ oder „Scarface“, bleibt „Little Caesar“ weniger im Gedächtnis. Ein Leichtgewicht im Vergleich zu den beiden anderen Gangsterfilmen.
Als „Ace in the Hole“ (1951) – auch bekannt unter „The Big Carnival“ – in die Kinos kam, war er ein Flop bei Kritikern und Publikum. Über 60 Jahre später hat dieser so gering geschätzte Film von Billy Wilder aber eine Wiederentdeckung erfahren und gilt nunmehr als zeitloser Klassiker. Kein Wunder, denn die zu Beginn wie eine Medien-Satire wirkende Geschichte um den unzuverlässigen aber nach Sensationen heischenden Reporter Chuck Tatum (eine seiner kraftvollsten Darstellungen: Kirk Douglas) entwickelt sich im Lauf der Spielzeit zu einem vielschichtigen und die Gesellschaft in allen Bereichen anklagenden Thriller und perfekten Vertreter des Film Noir, inklusive der verführerischen Blondine (Jan Sterling) und an allen Ecken korrupten Offiziellen. Als Tatum auf ein Minenunglück stößt, schlachtet er nach allen Mitteln der Reporterkunst, das Schicksal des eingeschlossenen Leo Minosa (Richard Benedict) gnadenlos aus. Doch Wilder belässt seine Kritik nicht nur bei willfährigen Medien, sondern schlägt rundum auf eine nach Boulevard gierende Gesellschaft. Manchmal trägt er dabei ein wenig zu dick auf, doch ist die Kraft des vielschichtigen „Ace in the Hole“ ungebrochen.

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Re-Visited
Der knapp eine Stunde lange „Mekong Hotel“ (2012) von Apichatpong Weerasethakul ist eine träumerische Skizze, ein Entwurf für einen größeren Film. Deshalb bleibt diese Arbeit auch mehr wegen seiner stilistischen Feinheiten und weniger wegen seines Inhalts im Gedächtnis. In unserem Dialog besprechen wir sowohl den Film als auch Weerasethakuls Stil genauer.
Michael Mann gehört zu meinen Lieblingsfilmemachern und Al Pacino zu meinen liebsten Schauspielern. Ist es ein Wunder dass ich „Heat“ (1995) immer wieder und wieder sichten kann? Natürlich nicht. Immerhin gehört diese L.A.-Krimi-Saga zu den besten Filmen der 1990er und weiß nicht nur aufgrund der Konfrontation zwischen den beiden obsessiven Polen Pacino (als Cop) und De Niro (als Gangster) zu faszinieren. Großartiges Kino! In unserem Dialog lassen wir das 20-jährige Jubiläum sowie die Karrieren Michael Manns und Al Pacinos Revue passieren.
Weniger geglückt ist hingegen Manns Versuch, seine Hit-Serie „Miami Vice“ (2006) ins 21. Jahrhundert zu transferieren. Das scheitert weniger am Stilwillen, sondern eher an einem zu lose konstruierten Drehbuch. Da ich die Serie nie gesehen habe, kann ich nun nicht sagen, ob der Film sich halbwegs an sein Serien-Vorbild hält, doch so oder so, ist es derselbe Auteur, der hier das Sagen hat. Colin Farrell ist gut besetzt, während mich Jamie Foxx weniger begeistern konnte. Hauptkritikpunkt jedoch: die unbalancierte Mischung von Liebesgeschichten und Thriller. Die Ermittlungen von Crockett (Farrell) und Tubbs (Foxx) sind derart undurchschaubar und wirken wie eine Ausrede, um die beiden Polizisten, in Aktionen zu verwickeln, die sie an exotische Orte senden. Eine halbe Stunde lang funktioniert dies ganz gut, doch da auf den Stil keine interessante Handlung folgt, bleibt dies eine Enttäuschung.
Viel besser war hingegen „The Insider“ (1999). Russell Crowe als einstiger Mitarbeiter eines Tabakkonzerns und Al Pacino als Produzent der Nachrichtensendung „60 Minutes“, erhalten demokratisch aufgeteilte Handlungsstränge. So ist „The Insider“ ebenso ein Film über Nachrichtenethik wie auch über die Methoden der Tabakindustrie. Dass dies vor allem zum Ende hin, mit der CBS-Geschichte über den UNA-Bomber ein wenig zu sehr den gemeinsamen Boden der die beiden Charaktere verbindenden Handlung verlässt, ist nur ein kleiner, und vernachlässigbarer Kritikpunkt.
„Stagecoach“ (1939) von John Ford machte nicht nur aus John Wayne einen Star, sondern belebte den in den 1930ern in Agonie vor sich hin dämmernden Western. Die Kutsche auf dem Weg durch mögliches Feindesgebiet, immer bedroht von Geronimos Ankündigung des Krieges, ist der Katalysator für eine Reise, in der die Fahrgäste allesamt neue Facetten von sich erkennen, wenngleich nicht alle davon die Reise überleben oder gar Helden sind. Selbst der von Wayne gespielte Ringo ist eher ein Anti-Held, der allerdings immer charmant gegenüber Frauen ist. Ein Klassiker über den schon so viel geschrieben wurde, dass es mittlerweile beinahe schon schwer fällt, unbelastet in diesen Western zu gehen.
Domhnall Gleeson als Möchtegern-Sänger Jon und Michael Fassbender als Titelcharakter Frank mit Pappmaché-Kopf für den Großteil des Films. Die schräge Musik-Komödie „Frank“ (2014) ist ein faszinierendes Kleinod im Independent-Filmbereich. Fassbender verschwindet wortwörtlich hinter seinem Charakter, was Gleeson und auch Maggie Gyllenhaal die Möglichkeit gibt, ihre Charaktere langsam aber immer deutlicher in den Vordergrund zu schieben. Großartiges Kino! In unserem Dialog besprechen wir die Musik-Komödie noch einmal ausführlicher.
Diesen September jährt sich der Todestag von James Dean zum 60. Mal. Aus diesem Anlass war es wieder mal an der Zeit, seine drei Filme zu betrachten. Die John-Steinbeck-Verfilmung „East of Eden“ (1955) von Elia Kazan, wirkt für mich im Rückblick wie der stärkste der drei Dean-Filme, auch wenn seine Darstellung darin nicht den ikonischen Status erlangte. Dabei ist die Familiengeschichte um die Brüder Cal und Sal, die um die Liebe ihres Vaters ringen, angesiedelt in den USA am Rande des 1. Weltkrieges, ein extrem reichhaltiges Werk. Voller Anspielungen und Querverweise und mit einer imposanten Darstellerriege. „Rebel Without a Cause“ (1955) ist jener Film, der mit Dean am meisten assoziiert wird. Es überrascht wie frisch die Generationenkonflikte auch nach 60 Jahren wirken und wie modern Nicholas Rays Inszenierung ist. Dennoch hat das Geschehen ein wenig Patina angesetzt und ist im Laufe der Jahre mit derart viel Bedeutung und Kult überhäuft worden, dass man dazu neigt, den Film kleinzureden. Dabei sind die Ersatzfamilie, in die sich Plato (wunderbar: Sal Mineo) flüchtet, oder der Unfalltod beim Autorennen, Gründe genug, um fasziniert zu sein, von diesem kraftvollen Werk.
Der letzte Film in Deans Werk ist auch sein epochalster Film. Der über 3 Stunden lange „Giant“ (1957) wird von Mal zu Mal bleischwerer, was wohl auch im Sinne von George Stevens‘ Inszenierung scheint. Die über mehrere Jahrzehnte erzählte Texas-Saga lebt von großen Gefühlen, großen Darstellern (allesamt in „Giant“ sind in Hochform) und großen Bildern. Damit erschlägt Stevens aber auch den Zuseher, der immer wieder mit dramatischen Szenen konfrontiert wird, die ein wenig den Rhythmus des Filmes zerstören. Imposant aber lange nicht mehr so gut, wie zu seiner Entstehungszeit.
Bela Lugosi ist in „White Zombie“ (1932) der einzige Grund, sich den relativ schwachen Horrorfilm um einen Plantagenbesitzer und seine Willenlose Arbeitsschar anzusehen. Die hypnotischen Augen alleine sind immer ein Fest für Filmfans.
Nachdem mir „The Front Page“ so sehr gefiel, musste natürlich die Version von Howard Hawks gesichtet werden. „His Girl Friday“ (1940) ist mit einem unfassbar charmanten Cary Grant als Walter Burns und der herrlich modern aufspielenden Rosalind Russell gesegnet. Hawks lässt die Dialoge in einem Tempo darbieten, die schwindlig macht. Hawks hat es besser gemacht als Wilder, vor allem Temporeicher und bleibt wohl unerreicht.
Der Sexploitation-Werwolf-Horror „Werewolf in a Women’s Prison“ (2006) von Jeff Leroy, ist ein fantastisches B-Movie-Ereignis. Billige Effekte, unnötige Nackt- und Softcore-Szenen verbunden mit einem überaus komisch-blutigen Werwolf-Blutbad in einem mexikanischen Frauengefängnis, welches mehr wie ein Bordell funktioniert. Die Macher wissen genau, wie albern ihre Geschichte und wie billig ihr Film ist. Insofern funktioniert es zu großen Teilen, sehr gut.
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Serien-Überblick
Die italienische Serie „1992“ (2015) ist eine bitterböse Abrechnung mit der italienischen Politik, aber auch mit der Gesellschaft, die solch eine politische Klasse erst ermöglichte. Der Abstieg der alten Parteien – vor allem der konservativen CD – und der Aufstieg von Krawallmachern wie Lega Nord, die Mafia-Verbindungen die in der Ermordung von Staatsanwalt Giovanni Falcone mündeten und der Aufstieg des Boulevard-Fernsehens á la Berlusconi sind die Zutaten. In verschiedenen Perspektiven wird versucht, Italien einen Spiegel vorzuhalten, der nur zeigt, dass auf den „Tangentopoli“-Schmiergeldskandal nur eine noch korruptere Klasse folgte. Bei aller Ambition, kann die von Sky Italia produzierte Serie aber viele Klischees nicht vermeiden. Die beinahe obligate Sexszene pro Folge oder auch den Lega Nord-Proleten mit dem Herz aus Gold, der eine Prostituierte aus den Fängen alter Politiker errettet, da er sie liebt. Manche Entscheidung scheint gefällt worden zu sein, damit ein größeres Publikum der italienischen politischen Historie leichter folgen kann. Das führt schließlich zu einer etwas zu oberflächlichen Serie.
Lange hat es gedauert, ehe ich endlich mit „Boardwalk Empire“ fortfahren konnte. Die in den 1920ern angesiedelte Serie, konnte in den ersten drei Staffeln mit großartigen Sets, fantastischen Darstellern und vielen und zum Teil verwirrenden Komplotten überzeugen. Dennoch begann die Serie rund um Steve Buscemi als Nucky Thompson, einen eher harten Kern um sich zu scharen, während die Hoffnung auf ein neues „Sopranos“ verblasste. Insofern ist die Entscheidung in Staffel 4 (2013) mit Jeffrey Wright als Dr. Narcisse einen neuen Gegenspieler aufzubauen vor allem ein Wink in Richtung Qualitätspublikum, die sich von einem Hype nicht anstecken oder abschrecken ließen. Dies funktioniert vor allem, da Wright einen hervorragenden Gegenspieler abgibt. Auch dürfen Jack Huston als Richard Harrow und Michael Shannon als Nelson Van Alden/George Mueller neue Facetten zeigen und ihre Charaktere in neue Richtungen führen. Dagegen bleibt Kelly Macdonald als Nuckys Ex-Frau nur noch an den Rändern der Handlung sichtbar, die sich vor allem um den Aufstieg J. Edgar Hoovers und der Ermittlungen des ambitionierten FBI-Agenten Knox (Brian Gerghaty) zu einem damals unvorstellbaren kriminellen Netzwerk dreht. Der Machtkampf zwischen Dr. Narcisse und Chalky White (Michael Kenneth Williams) ist zwar ebenso präsent, droht aber ein wenig unterzugehen. Nicht uninteressant aber recht bekannt wirken hingegen die Probleme, mit denen sich Nucky (vor allem im Liebesspiel mit der von Patricia Arquette dargebotenen Sally Wheet) und Eli herum schlagen müssen. Im Endeffekt geht es bei den Thompsons immer um das Wohl der Familie, was nach 4 Staffeln nicht mehr ganz neu erscheint. Das bleibt aber nur ein kleiner und verschwindend geringer Kritikpunkt an einer Serie, die mich immer noch begeistert und gespannt auf das Finale warten lässt.
Die 5. Staffel (2014) macht einen Sprung in das Jahr 1931 und damit um ganze sieben Jahre. Dadurch bekommen wir leider keinerlei Szenen mehr mit dem großartigen Martin Stuhlbarg als Arnold Rothstein, da dieser im wirklichen Leben bereits ermordet wurde. Zudem wirken manche neuen Charakterzüge sehr überraschend. So etwa der Feldzug von Lucky Luciano und Meyer Lansky gegen Maranzano und Nucky Thompson (die ganze Palette an Emotionen in dieser Staffel auslotend: Steve Buscemi). Auch der Gefängnisaufenthalt von Chalky White und der Machtverlust von Dr. Narcisse (wie immer fantastisch: Jeffrey Wright) müssen vom Zuseher erst langsam erkannt und erklärt werden. Während Stephen Graham in der letzten Staffel noch einmal eine Gala-Vorstellung als Al Pacino gibt, obliegt es Michael Shannon als George Mueller/Nelson Van Alden, einen hoch interessanten aber ebenso widerwärtigen Charakter zu seinem logischen Ende hin zu führen. In den finalen acht Episoden werden viele lose Enden geschlossen und Nucky sowie Gillian (eine souveräne Gretchen Mol, auch wenn der Charakter zwei Staffeln früher hätte die Serie verlassen können) mit Rückblenden ausgestattet, die vor allem rund um Nucky eine melancholische Aura erschaffen. Das Ende ist, wie bei einer Mafia-Serie nicht anders zu erwarten, sehr blutig, aber es werden genügend Entwicklungen angedeutet (die Auftritte von Joseph Kennedy, das Schicksal von Eli, die sich wieder und wieder selbst beweisende Margaret), dass man im Kopf noch weitere Staffeln für sich selbst weiter spinnen könnte. Schlussendlich kamen manche Wendungen zu plötzlich und andere Charaktere vermisste man zusehends mehr. Nach fünf wundervollen Staffeln, bleibt aber eine komplexe und sehr zufrieden stellende Serie, die voller interessanter Charaktere und Handlungen steckt.
Die 1. Staffel von „True Detective“ war derart erfolgreich, dass es die Nachfolge-Staffel ohnehin schwer hatte. Im Stil einer Anthology-Serie, wechselt das Geschehen den Schauplatz und die Darsteller, ohne Verbindung zum vorhergehenden Geschehen. So sieht man sich in Staffel 2 (2015) im kalifornischen Vinci, inmitten der Ermittlungen um den mysteriösen Mord um Benjamin Caspere. Aus verschiedenen Einheiten müssen die Detectives (gespielt von Colin Farrell, Rachel McAdams und Taylor Kitsch) ermitteln, während Gangster Frank Semyon (Vince Vaughn) sich um das von Caspere gestohlene Geld betrogen sieht. Die 2. Staffel hat mehrere Probleme. Das viel zu langsame Erzähltempo, verbunden mit einer unnötig verkomplizierten Möchtegern-Ellroy-Geschichte. Dass die Polizisten und auch der Gangster im Grunde allesamt ein und denselben Charakter spielen, hilft hier auch nicht. Es gibt genügend visuell beeindruckende Momente und auch darstellerische Glanzlichter, doch fühlt man sich über die acht Episoden lang, ein wenig an der Nase herum geführt.
Frances McDormand und Richard Jenkins agieren als das Ehepaar Kitteridge in der HBO-Verfilmung des Romans „Olive Kitteridge“ (2014). Lisa Chodolenko war für die Regie bei der vier-teiligen Miniserie verantwortlich und schafft es, die Zeit zwar im Flug vorbei fliegen zu lassen, aber zugleich ein Gefühl dafür, wie viel Lebenszeit die Charaktere erlebten. McDormand und Jenkins sind hervorragend als das ungleiche Ehepaar, welches über die Jahrzehnte eine mal glückliche, mal unglückliche Ehe führt. Geprüft von Verlockungen am Arbeitsplatz, aber auch die Entwicklung und Entfremdung ihres einzigen Sohnes nimmt das Ehepaar mit. Viel ist beeindruckend, wie etwa die Darstellerriege und ihre Leistungen, zu denen sich auch Zoe Kazan, Peter Mullan, Ann Dowd und Bill Murray gesellen. Weniger gelungen, doch da ist wohl die Vorlage zu kritisieren, sind einige Wendungen in der Handlung, die wie aufgepappt wirken, damit das Publikum des sich langsam entwickelten Vierteilers, nicht die Geduld verliert. So etwa ein Überfall im Krankenhaus, der wie aus dem Nichts auftaucht und scheinbar einer anderen Handlung entspringt.
Die 4. Staffel (1992) von „The Simpsons“ verabschiedet sich ein wenig von der Rührseligkeit, die Staffel 3 durchzog. Wie schon in den Staffeln zuvor, scheint es kaum möglich die Menge an Klassiker-Episoden aufzuzählen. Einzig „Lisa’s First Word“ taucht ein wenig in rührseligen Schmalz ein und mit dieser Staffel, hat man sich offenbar auch mit der Clip-Show angefreundet, die hier eine Premiere feiert. Ansonsten sieht man noch eine schöne Balance zwischen Gaststars und ihrem Anteil an der Handlung (ganz im Gegensatz zu späteren Staffeln, wo der Gaststar die Episode zu sehr dominiert).
Pablo Escobar ist gerade groß in Mode. Filme (mit Benicio del Toro und Javier Bardem) sowie Serien und etliche Bücher. Man entkommt dem Kolumbianer nicht. Sein Drogen-Imperium, welches die USA zu einem Krieg gegen Drogen anstachelte, der im Grunde bis heute andauert und sich nach Mexiko verlagerte, hat seinen historischen Beginn bei Escobar. In der Darstellung von Wagner Moura beginnt man in der 1. Staffel (2015) von „Narcos“ langsam ein Gefühl für die Familienehre und die Mechaniken des Kartells zu entwickeln. Moura mag nicht die hypnotische Anziehung eines del Toro haben, weiß sich aber mit Nachdruck in die Rolle hinein zu arbeiten und sie sich anzueignen. Immer mehr verbindet der Zuseher Moura mit Escobar, ohne Vergleiche mit anderen Darstellern zu ziehen. Weniger gelungen ist hingegen die Darstellung des DEA-Agenten (Boyd Holbrook), der vor allem durch eine oberflächliche Narration auffällt. Während Holbrook im Laufe der Ereignisse an Statur gewinnt, bleibt seine Voice Over unnötig und lästig. Eine gut gemachte, aber bei weitem nicht so tiefgründig wie behauptete Drogen-Serie.
Die Mini-Serie „Tinker Tailor Solider Spy“ (1979) ist ein beeindruckender Beweis für die Meisterschaft der BBC in Sachen Fernsehunterhaltung. Alec Guiness ist George Smiley in dieser Adaption des Spionage-Romans und machte es mit seiner Darstellung für den Film-Smiley Gary Oldman Jahrzehnte später gar nicht einfach, an seine Klasse heranzureichen. Die Mini-Serie (die ich vor Jahren schon einmal genoss) lässt sich über 7 Episoden Zeit, den vertrackten Plot auf Schiene zu bringen. Mit allerlei Rückblenden arbeitet auch Regisseur John Irvin, wenngleich diese dramaturgisch klarer ausgewiesen wurden, denn in der Filmversion von Alfredson. Die Atmosphäre ist voller Schwermut, rund um Verrat und den Verlust alter Ideale. Es ist in höchstem Maße britisch in seiner Herangehensweise, den Kameraeinstellungen, dem Set-Design und den Darstellern. Ein für Spionage-Einsteiger äußerst empfehlenswertes und für Liebhaber unverzichtbares Werk in dem Genre.
In der 3. Staffel (2015) von „Orange is the New Black“ verschiebt sich der Fokus immer mehr weg von Piper (toll wie immer: Taylor Schilling) – die ihrerseits immer mehr das Leben einer Kriminellen für sich annimmt – hin zu Nebencharakteren, die zuvor kaum wahr genommen wurden. Vor allem Charaktere wie Big Boo, Flacca oder Doggett erhalten viel Raum inklusive eigener Hintergrundgeschichten. Selbstverständlich sind Kate Mulgrew und Laura Prepon erneut stark in ihren Rollen. So expandiert die Erzählung über den Ursprungscharakter hinweg, der die Hanldung erst ins Rollen brachte. Dass dabei nunmehr auch die Sorgen der Wärter und ihres Chefs Caputo (immer besser im Laufe der Serie: Nick Sandow) mehr und mehr Platz einnehmen, macht das Gefängnis Litchfield immer greifbarer. Wenngleich die letzte Episode etwas zu träumerisch erschien und jeglichen Realitätsgehalt hinter sich ließ, um eine rührende Note zu setzen.
Boardwalk Empire / https://espngrantland.files.wordpress.com/2014/10/boardwalkempire_buscemi_finale-e1414417666833.jpg?w=1200

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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