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Die Viennale sorgt im Oktober natürlich für ein vermehrtes Filmaufkommen, und zudem beginnen auch die Hollywood-Werke in die Kinos einzutrudeln, die sich Hoffnungen auf Preise machen. Dass dabei selbst qualitativ hochwertige Blockbuster wie „The Martian“ darunter fallen, überraschte dann doch ein wenig. Zudem gab es erneut eine Vorführung des National Theatre und ORF III sorgte dafür, dass ich meinen Mangel an Antonioni-Wissen ein wenig ausbesserte.

Neuzugänge
Der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve entwickelt sich immer mehr zu einem Spezialisten für Genre-Arbeiten. Nach dem Entführungsthriller „Prisoners“, zeigt er nun in dem Drogen-Thriller „Sicario“, dass er einer gefühlt 100 Mal erzählten Geschichte, sehr wohl neues Leben einzuhauchen versteht. Emily Blunt als junge FBI-Agentin auf der Suche nach den Bossen eines Drogenkartells, gerät ihrerseits in „die Fänge“ einer CIA-Operation angeführt von Josh Brolin. Faszinierend sind an der Geschichte vor allem zwei Aspekte. Die Intensität mit der Villeneuve die vorhersehbaren Sequenzen ausrollen lässt, sowie der von Benicio Del Toro hervorragend gespielte mysteriöse Alejandro. Ansonsten bleibt viel zu sehen, was man bereits schon viel zu oft zu sehen bekommen hat.
Der Roman „The Martian“ von Andy Weir war ein überraschend kurzweiliges und vergnügliches Sci-Fi-Abenteuer mit ebenso überraschend positiver Pro-Wissenschafts-Botschaft. Die Verfilmung von Ridley Scott konnte ebenso überraschend diesen positiven und Lebensbejahenden Gestus übertragen und zum Feel-Good-Sci-Fi-Blockbuster avancieren. Mit Matt Damon in der Hauptrolle des am Mars gestrandeten Astronauten Mark Watney, hat man auch noch eine Idealbesetzung, denn Damon schafft es nicht nur realistisch als Astronaut zu wirken, sondern kann auch noch den Charme und Überlebenswillen transportieren. Dass sowohl der Film als auch das Buch von einer durch zu viele Zufälle geprägten Handlung leiden, kann man als Blockbuster-Konvention gelten lassen. Es ändert nichts an der hohen Qualität und der tollen Stimmung, die von „The Martian“ ausgehen.
Benedict Cumberbatch als Hamlet in Lyndsey Turners Inszenierung für „National Theatre Live: Hamlet“ (2015). Das weltberühmte und unvergängliche Stück um den dänischen Prinzen, der den Mord an seinem Vater rächen will, ist eine hervorragende Bühne für einen groß aufspielenden Cumberbatch. Die Inszenierung, die sich ein wenig an einer politisch-gesellschaftlichen Situation Anfang des 20. Jahrhunderts orientiert, gibt sich betont modern. Die Bühne wird sehr effektiv eingesetzt und die Übergänge zwischen den Akten erfolgen flott. Weniger gelungen war der Einsatz einer Tanzperformance beim finalen Kampf zwischen Hamlet und Laertes. Hingegen konnte die Rolle des Polonius so effektiv wie schon lange nicht gesehen, umgesetzt werden. Ein äußerst gelungener Theater-Kino-Abend.
Guillermo del Toro versinkt in seiner Goth-Romanze „Crimson Peak“ geradezu in wunderschönen Sets und Kostümen. Dass er dabei die Gruselgeschichte um die junge Edith (Mia Wasikowska), die sich in den englischen Baronett Thomas Sharpe (Tom Hiddlestone) und gemeinsam mit ihm auf sein verfallenes Anwesen zieht, in welchem auch seine Schwester Lucille (Jessica Chastain) lebt, ein wenig vernachlässigt, kann ihm verziehen werden. Die Handlung ist recht vorhersehbar und die Gruseleffekte sind großteils hübsch anzusehen. „Crimson Peak“ funktioniert daher auch mehr als Goth-Variation einer Jane-Austen-Geschichte, denn als blutiger Horrorfilm.
Auf der Viennale wurde im Block „Österreichischer Kurzfilm“ geradezu eine Leistungsschau des heimischen Avantgardefilms durchgeführt. Dabei ergab sich das kuriose Muster, dass Film Nummer 1gut war und Nummer 2 schlecht und sich dieses abwechselnde Muster bis zum Schluss fortführte.
MIt zwei Werken vertreten war Siegfried A. Fruhauf. Er eröffnete mit der bildgewaltigen Arbeit „Vintage Print“ und versetzte das Publikum geradezu in einen hypnotischen Rausch. Umso enttäuschender war dagegen „Spot (An Attwenger Trilogy)“ in der Fruhauf zur Musik von Attwenger drei kurze Clips präsentierte, die geradezu aufreizend schlecht wirkten.
Sehr beeindruckend war „Self“ von Claudia Larcher, in dem eine undefinierte körperliche Landschaft ergründet wurde. Atem-, Kau- und Pulsgeräusche verdichten den monströsen Eindruck, als wäre man in einem Horrrofilm gefangen. Beeindruckend.
Weniger beeindruckend war der amüsante aber sehr schnell wieder vergessene „Höhenrausch“ von Christian Ruschitzka, in dem eine Postkarte der Wiener Secession im Stop-Motion-Verfahren bearbeitet wurde und dazu aus dem Off ein Text gesprochen wird.
Auf den ersten Blick wenig beeindruckend aber eine überraschend hypnotische Wirkung entfaltete „These Walls Were Built By Donald Judd (One Chapter, In Texas)“ von Sasha Pirker. Sie erforscht mit ihrer Kamera die leeren Räumlichkeiten des von Donald Judd gekauften Hauses, in dem Künstler sich verwirklichen können. Im Dialog mit Rob Weiner von der Chinati Foundation entsteht ein interessantes Porträt einer anderen Art von Künstlerkommune.
Geradezu ärgerlich hingegen war Johann Lurfs „Capital Cuba“. Geradezu exzessiv wechselt Lurf zwischen zwei Ansichten einer Fahrt in der Bucht. 12 Minuten dauert dieses Martyrium.
Zum Abschluss gab es dann den heiß ersehnten neuen Film von Peter Tscherkassky. „The Exquisite Corpus“ ist eine technisch auf höchstem Niveau stehende Arbeit, zeigt sich inhaltlich als erotisch aufgeladene Collage verschiedener Pornofilme aus verschiedenen Quellen, was für Tscherkassky eher ungewöhnlich ist. Üblicherweise arbeitet er mit einer Hauptquelle. Diesmal sind es verschiedene Filme, die sich zu einer erotischen Traumlandschaft aufladen, in der sich nackte Körper gegenseitig locken. Zugegeben, war mir erst nach Lektüre der Notizen des Filmemachers klar, worauf Tscherkassky wirklich hinaus wollte, was auch eine erneute Sichtung nötig machen wird. Auf den ersten Blick, blieb der Eindruck hängen, man habe es hier mit einer inhaltlich etwas schwächeren Arbeit (was Jammern auf sehr hohem Niveau bedeutet) zu tun.
Gemeinhin als Comeback von Johnny Depp tituliert, ist seine Darstellung des Gangsterbosses James „Whitey“ Bulger in Scott Coopers routiniertem aber merkwürdig unambitioniertem Gangsterthriller „Black Mass“ ein Highlight seiner Karriere. Doch von einem Comeback mag man nicht sprechen, denn Depp versinkt, wie so oft, in der Maske seines Charakters. Dass er dabei großartig aufgeigt, verwundert nur jene, die zuletzt von Werken wie „Mortdecai“ genervt waren, aber seinen Arbeitszugang nicht weiter beachteten. Was noch auffiel, war, dass „Black Mass“ ein klarer Männerfilm ist. Dominiert von hervorragend agierenden Schauspielern in größeren oder kleineren Rollen – Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Kevin Bacon, Corey Stoll, Peter Sarsgaard – sind Frauen beinahe unsichtbar (Ausnahme ist die fantastische Julianne Nicholson als Ehefrau von FBI-Agent Connolly). Die Handlung, basierend auf wahren Begebenheiten, ist hoch interessant, doch zeigt Cooper inszenatorisch wenig überraschend. Jede Sopranos-Episode zeigte ähnliche Vorgänge.
Die Dokumentation „The Visit: An Alien Encounter“ von Michael Madsen, überrascht mit einem sehr philosophischen Zugang zur Thematik „Alien-Besuch“. Obwohl Madsen die zuständigen (behäbig agierenden) Behörden und ihre Akteure befragt, scheint ihm mehr an einer Stimmung und an einem philosophischen Einfluss des Besuches einer außerirdischen Zivilisation gelegen zu sein. Das ist einerseits wunderschön und interessant, andererseits verweigert er durch seinen Erzählstil einen klaren Diskurs. Lohnenswert aber auch schwierig.
Im Rahmen der Viennale bekam ich noch zwei weitere Filme zu sehen. Der Kurzfilm „Detroit Overture“ von Lisa Kortschak porträtiert eine musikalische Performance, die mit Autos durchgeführt wurde, inmitten eines einstigen Bühnenschauplatzes, der heute als Parkplatz dient. Die anfängliche Verwirrung weicht einer merkwürdigen Faszination für die Geräusche und Bewegungen, die mit den Autos durchgeführt werden, aufgefangen von einer starren Kamera.
Als Hauptfilm darauf folgte die Dokumentation „My name is Gary“. Der vom französischen Regie-Duo Blandine Huk und Frédéric Cousseau erschaffene Bericht über Aufstieg und Niedergang der Stahlstadt Gary (nur 30 Meilen südlich von Chicago) ist eine Ansammlung von Anekdoten, die ein wenig mehr erzählerische Schärfe vertragen hätten. So bleiben einzelne, sich langsam wiederholende Vignetten.
National Theatre Live: Hamlet / https://i.guim.co.uk/img/static/sys-images/Guardian/Pix/pictures/2015/8/9/1439111584574/9b6fe3ed-181e-487c-afd5-a25515c87621-2060x1374.jpeg?w=700&q=85&auto=format&sharp=10&s=d0c76696c7ed0125607c579f1a552c75

Eine seiner letzten Rollen, spielte Robin Williams in dem Selbstfindungsdrama „Boulevard“ (2014). Montiel ist ein Regisseur, der immer das Potential zu großen Filmen zu haben scheint, und am Ende mit talentierten Darstellern doch nur enttäuschende Langweiler-Ware produziert. So war es bei „A Guide to Recognizing your Saints“ und noch dramatischer bei „The Son of No One“. In „Boulevard“ verschwendet er die Talente eines nach großen dramatischen Rollen lechzenden Robin Williams, der einen Bankangestellten spielt, der sich seine Homosexualität nicht eingestehen kann, sowie seiner Film-Ehefrau Kathy Baker und seinem Kumpel, gespielt von einem stets sympathischen Bob Odenkirk. Manch gut gespielter Moment wiegt das langweilige Drehbuch und die ebenso uninspirierte Regie leider nicht auf.
Al Pacino hat seit einigen Jahren eine Reihe an interessanten Filmen vorzuweisen, doch keiner dieser Filme konnte mit einer größeren Öffentlichkeit verbunden werden. Auch bei Kritikern schienen die Werke oftmals nur am Rande diskutiert zu werden. Dabei sind Filme wie „Manglehorn“ (2014) von David Gordon Green mit Al Pacino als Schlüsselmacher A.J. Manglehorn, der einsam und isoliert durchs Leben zieht, wunderschöne Studien. Green mag an manchen Stellen die träumerische Atmosphäre zu sehr übersteigern und sie in Harmony Korine-Sphären empor heben, doch die geerdete und zurückhaltende Darbietung von Pacino gleicht das sofort wieder aus. Ein Highlight in der Spätphase von Pacino.
Jude (Adam Driver) und Mina (Alba Rohrwacher) führen scheinbar eine perfekte Beziehung. Als sie ihr erstes Kind bekommen, ist das Glück komplett, doch Mina beginnt sehr schnell ihr Verhalten zu verändern. Der gemeinsame Sohn wird von ihr von Ärzten fern gehalten und auf eine eigenwillige Diät gesetzt. Jude lässt sich viel zu lange vom gefährlichen Verhalten seiner Frau einlullen und bemerkt viel zu spät, dass das Kind in Gefahr ist. „Hungry Hearts“ (2014) von Saverio Costanzo bietet zwei hervorragend aufspielende Hauptdarsteller und ein interessantes Thema, doch macht Costanzo daraus zu wenig. Das psychotische Verhalten Minas wird zu lange einfach nur hingenommen. Die Auflösung erscheint deshalb auch ein wenig zu sehr wie ein Kompromiss, um den Film zu einem packenden Ende zu führen.
In dem U-Boot-Thriller „Black Sea“ (2014) dürfen Jude Law, Ben Mendelsohn und Scott McNairy als schottische U-Boot-Crew auf der Suche nach einem Goldschatz brillieren. Kevin Macdonald inszeniert die Geschichte um eine schottische und eine russische Crew, die – nachdem sie Arbeitslos wurden, auf der Suche nach dem schnellen Reichtum sind – mit sicherer Hand. Leider stellt sich viel zu schnell Routine ein. Da kann vor allem Law seinen schottischen Akzent noch so polieren, das Geschehen plätschert ein wenig oberflächlich dahin.
Anlässlich des Kino-Starts von „Jack“, zeigte der ORF nun auch Elisabeth Scharangs „Vielleicht in einem anderen Leben“ (2012). Die Theater-Adaption mit Johannes Krisch und Ursula Strauss als Ehepaar auf einem Bauernhof, die im Zweiten Weltkrieg eine Gruppe ungarischer Juden in ihrem Stadl zu versorgen hat, während die SS mit wichtigeren Dingen beschäftigt zu sein scheint, ist ein äußerst zäher Beitrag zum Holocaust-Thema. Was auf der Bühne womöglich funktioniert (der eingeschränkte Handlungsort), wird im Film zu einer Bürde.
Arnold Schwarzeneggers Rückkehr als Terminator in dem mittlerweile fünften Film „Terminator Genisys“ (2015) lebt im Großen und Ganzen vom Meta-Humor und dem Wissen um die vorangegangenen Teile. Die erneute Erzählung der Geschehnisse aus Teil 1 und 2 wird so zu einem etwas mühseligem Ratespiel, was denn nun vorkommen wird, was man bereits schon einmal gesehen hat. Einige unterhaltsame Action-Sequenzen und das Spiel mit dem Alter Schwarzeneggers gestalten den fünften Terminator unterhaltsamer als den viel zu ernsten 4. Teil. Man möge dennoch von einer Fortsetzung Abstand nehmen. Es ist einfach genug.
Der aus drei Episoden bestehende kanadische Horrorfilm „A Christmas Horror Story“ (2015) spielt mit der Idee, was passieren würde, wenn beim Weihnachtsmann die Zombie-Apokalypse ausbricht und zugleich der Krampus versucht, das Weihnachtsfest zu verhindern. Oder so. Die drei Handlungen sind nur lose miteinander verbunden und abgesehen vom blutigen Gemetzel welches der Weihnachtsmann unter den mutierten Elfen anrichtet, dem Kampf mit dem Krampus und einem herrlichen William Shatner als Radiomoderator, plätschert das Geschehen ein wenig umständlich erzählt dahin. Nicht ohne Charme, aber ein wenig zu verkopft in der Konzeption.
Michael Winterbottoms Aufarbeitung des Amanda Knox-Falles, wird in „The Face of an Angel“ (2014) zu einer Midlife-Crisis-Geschichte um einen Filmemacher, der mit dem Film über den Mordfall ein Comeback feiern will. Daniel Brühl ist in der Rolle des Dokumentarfilmemachers Thomas Lang passabel und auch Kate Beckinsale bietet als Journalistin Simone Ford eine ansprechende Leistung, doch werden beide auch kaum gefordert. Winterbottom hingegen bietet keinerlei interessante Einsichten, sondern langweilt mit einer am Fall vorbei gehenden Geschichte, die kaum dazu taugt mitzureißen. Clara Delevingne darf als kellnernde Studentin zeigen, dass sie auch schauspielern kann.
Der Fall des Betrügers Frederic Bourdin, der die Identität des vermissten Kindes Nicholas Barklay annahm, und die Familie Barklays lange hinters Licht führte, obwohl er so gut wie das komplette Gegenteil des Jungen war, ist ein faszinierendes Beispiel für die Macht der Einbildung. In „The Imposter“ (2012) vermischt Bart Layton nachgestellte Szenen mit Interviews und Archivmaterial. Bourdin aber auch die Familienangehörigen von Barklay und mit dem Fall beauftragte Offizielle, erhalten genügend Platz für ihre Sicht der Dinge. Alle Blickwinkel miteingeschlossen, ergibt sich ein klares und doch völlig verwirrendes Bild, eines nach Geltung süchtigen Mannes und einer nach Klärung sehnenden Familie. Aufregend!
Der Episodenfilm „Finsterworld“ (2013) ist ein interessantes Experiment und ein für die Filmlandschaft Deutschlands wirklich nötiger frischer Wind. Auch wenn die Episoden von Frauke Finsterwalder so gut wie gar nicht zusammenhängen und in ihrer Qualität schwanken, taucht man immer wieder in diese Gesellschaftssatire ein, die manch bösen und richtigen Punkt anspricht. Dazwischen gibt es aber viel zu viel platte Komik (die Schülergruppe auf dem Weg ins KZ) oder einfach nur irritierend langweilige Passagen (der Fußpfleger und die Rentnerin).
„Operazione paura“ (1966) von Mario Bava, ist genau die Art von Horrorfilm, die ich während des #Horrorctober sichte. Ein interessanter Beitrag des klassischen italienischen Horrorfilms, in satten Farben und mit einer nicht sonderlich anspruchsvollen Handlung. Die Inszenierung von Bava sorgt aber immer wieder für interessante und Stimmungsvolle Momente.
Ebenfalls im Zuge des #Horrorctober kam ich auch endlch dazu, mir die Musical-Version von „Little Shop of Horrors“ (1986) anzusehen. Die von Frnaz Oz inszenierte Fassung basiert auf einem Off-Broadway-Musical, welches wieder auf dem B-Movie von Roger Corman basiert. In der Fassung von Oz sind wunderschöne Effekte, eine großartige Besetzung (herrlich besetzt sind dabei vor allem Rick Moranis als Seymour sowie die Gaststars Bill Murray und Steve Martin) und einige schmissige Songs dafür verantwortlich, dass man außer Cormans Grundidee einer Menschenfressenden Pflanze, kaum noch etwas vom Original wahr nimmt. Die Version von Oz ist einer der wenigen Fälle, in denen das Remake das Original in allen Belangen übertrifft.
Christian Alvart ist so etwas wie der Genre-Experte Deutschlands, dabei wirken seine Filme immer wie überambitionierte Versuche, die auf halber Strecke scheitern. So war das bei „Antikörper“ und so ist dies auch bei „Banklady“ (2013). Die Geschichte von Gisela Werler, Deutschlands erster Bankräuberin, ist mit vielen visuellen Spielereien versehen und kann sich doch nicht vom Groß der Möchtegern-Bonnie-&-Clyde-Filme absetzen. Nadeshda Brennicke überzeugt in der Hauptrolle, während Ken Duken in seiner Rolle auls aufstrebender Kommissar, eher an einen Fernsehermittler erinnert. Bei beinahe zwei Stunden Laufzeit, dauert es zunächst eine gute halbe Stunde, bis die Handlung Fahrt aufnimmt und abgesehen vom feministischen Aspekt, der ohnehin so gut wie kaum vertieft wird, plätschert das Geschehen vorhersehbar dahin
Mike Figgis Experimentalfilm „Timecode“ (2000) erprobt auf interessante und eindringliche Weise, die Möglichkeiten des Digitalfilms. Vier Sichtweisen, die gleichzeitig präsentiert, eine in sich verzahnte Geschichte erzählen, ermöglichen dem Zuseher einer musealen Installation auf der Leinwand beizuwohnen. Dass die Handlung um eine Filmproduktion kaum mehr als hohle Staffage ist, überdeckt ein wenig den innovativen Charakter von „Timecode“. Auf technischer Ebene ist es jedoch ein lohnender Film.
Die britische Spionage-Serie „Spooks“ lief dort über 10 Jahre. Hierzulande habe ich überhaupt nichts davon mitbekommen. Umso überraschter war ich, als mir plötzlich die Kinofassung „Spooks: The Greater Good“ (2015) mit „Game of Thrones“-Star Kit Harington als M:I5-Spion unterkam. Er soll gemeinsam mit dem in Ungnade gefallenen Harry Pearce (Serien-Hauptdarsteller Peter Firth) einen Terroristen namens Qasim (Elyes Gabel) fassen, nachdem der Geheimdienst bei einer Gefangenenübergabe ihre Fracht verlor. Ein kompetenter Spionagethriller, der aber wohl für Fans der Serie mehr Sinn ergibt und auch mehr Anziehung ausübt, denn für Newcomer. Harington ist kein sonderilch überzeugender Spion, auch wenn er sichtlich alles gibt. Einzelne imposante Sequenzen, wie ein Bombenanschlag oder ein von Qasim erstellter Hinterhalt, heben das verwirrende Geschehen ein wenig über die Genre-Standards.
Sally Potter hat mich mit ihrer Adaption des Virginia Woolf-Romans „Orlando“ begeistert, umso erstaunter war ich, ansonten keinen Spielfilm bislang von ihr gesehen zu haben. Dies holte ich nun mit einem ambitionierten Doppelpack nach. In „Yes“ (2004) verliebt sich eine Wissenschaftlerin (Joan Allen) in einen aus dem Libanon stammenden Arzt, der in London als Koch arbeiten muss (Simon Abkarian). Es dauert eine gewisse Zeit, bis man sich an die in Versform gesprochenen Dialoge gewöhnt und auch die immer ins Bild blickenden, alles überblickenden Putzfrauen (großartig: Shirley Henderson) richtig verortet hat. Die Geschichte um kulturelle Gegensätze, Rassismus und die Ansprüche an eine neu aufflammende Beziehung, ist voller scharfer Beobachtungen. Allen und Abkarian glänzen und Sally Potter verpackt ihre Geschichte in kräftig-leuchtende Farben, ohne damit zu irritieren. Ein langsamer, anspruchsvoller und lohnender Liebesfilm.
In „Rage“ (2009) hat Potters Ambition zu einem Warhol-artigen Screen-Test für die Generation iPhone geführt. Ein junger Mann filmt mit seiner Kamera Szenegrößen und Mitarbeiter einer Modenschau, die sich vor seiner Kamera emotional entblößen. Eine Mordermittlung liefert den unglaublich hanebüchenen Rahmen für die Geständnisse, die den Männern und Frauen (edel besetzt: Judi Dench, Eddie Izzard, Jude Law, Lily Cole, Bob Balaban, David Oyelowo, Steve Buscemi, Dianne Wiest, uvm.) entlockt werden. Ein feines Experiment für die Möglichkeiten der Digitalfotografie und eher eine museale Arbeit, denn ein zusammenhängender Spielfilm.
Im Rahmen des #Horrroctober konnte ich endlich den norwegischen Horrorfilm „Trolljegeren“ (2010) sichten.  Die als Fake-Doku aufgebaute Geschichte um ein junges Filmteam, welches in den norwegischen Wäldern gemeinsam mit einem Trolljäger (Otto Jespersen) auf Trolljagd geht, benötigt etwa 20 Minuten um in Gang zu kommen. Von da an ist es einfach ein großer Spaß den guten Effekten, der fein ausbalancierten Mischung aus Humor und Horror sowie der gut eingesetzten Kameratechnik á la Blair Witch Project beizuwohnen.
Etwas weniger beeindrucken konnte mich hingegen der spanische Horror-Blockbuster „El orfanato“ (2007). Produziert von Guillermo del Toro und unter der Regie von Juan Antonio Bayona, erzählt der Waisenhaus-Thriller von einem leer stehenden Gebäude, in dem Laura (Belén Rueda) ein Heim eröffnen möchte. Als ihr Adoptivsohn unter mysteriösen Umständen verschwindet, geht sie dem Geheimnis des Hauses auf den Grund. Technisch effektiv und überaus hübsch in Szene gesetzt, kann „El orfanato“ kaum überraschen.
Viel beeindruckender nahm sich ein Psychothriller aus, der nicht im Rahmen des #Horrroctober gesichtet wurde, aber sehr wohl in die Liste gepasst hätte. Gerald Kargls selbst finanzierter Spielfilm „Angst“ (1983) basiert auf einem Dreifachmord, der sich in St. Pölten zugetragen hat. Erwin Lederer spielt, alle Gemütslagen auslotend und vom distanziert wirkenden Off-Kommentar geradezu ausgekontert, den Mörder, der rein um seine Lust zu befriedigen in ein beliebiges Anwesen einbricht und dort die Dame des Hauses sowie den behinderten Sohn und die Tochter foltert und tötet. Kargl stützt sich ähnlich wie John McNaughtons „Henry: Portrait of a Serial Killer“ auf einen grimmigen Realismus, der sich nicht für popkulturelle Zwecke verfremden lässt. Die innovative Kameraarbeit gibt dem Geschehen eine Brisanz und Dringlichkeit, die es schwer macht, sich abzuwenden. Die wenigen blutigen Sequenzen prägen sich ein und lassen einen auch Tage später nicht los. Ein österreichisches Filmjuwel, welches in den letzten Jahren völlig zurecht international wieder entdeckt wurde.
Der exklusiv auf Netflix präsentierte Kriegsfilm „Beasts of No Nation“ (2015) von Cary Fukunaga, ist ein mitreißender Film um ein vom Krieg zerrissenes unbenanntes Land in Westafrika. Abraham Attah zeigt eine famose Leistung als Agu, der von seiner Familie getrennt, versucht im Busch zu überleben und dort auf die Einheit des Commandant (herrlich zwischen manipulativer Vaterfigur und traurigem Warlord wechselnd: Idris Elba) trifft. Der Wandel vom Kind Agu hin zum mit Drogen vollgepumpten Soldaten, ist vor allem bei seiner ersten Tötung erschreckend. Dass Fukunage visuell überzeugt, ist – bei Kentnnis seines Oeuvres – keine Überraschung. Dass er am Ende einen Hoffnungsschimmer zu erschaffen vermag, schon eher. Was „Beasts of No Nation“ fehlt, ist ein Gefühl der Relevanz. Einerseits bleiben manche Passagen zu langatmig (wie der Besuch bei Dada Goodblood oder die Goldmine am Ende des Films) und andererseits ist es oft zu vage, was vor sich geht und warum. So bleibt der Zuseher außen vor. Unser Dialog beleuchtet noch einmal den Film und den ungewöhnlichen Distributionsweg von Netflix.
Wim Wenders konnte in den letzten Jahren mit Dokumentationen überzeugen. Für „Pina“ (2011), ein Film über die Choreografin Pina Bausch, wurde er gar für den Oscar nominiert. Da ich mich mit modernem Tanz nicht gut auskenne, waren die Choreografien zwar interessant, aber fehlte mir jeglicher inhaltlicher Zusammenhang, weshalb zwar schöne Tanzchoreografien zu sehen waren, aber für mich nicht ersichtlich war, was sie für die Szene so besonders macht.
Mit „Office Space“ (1999) kam Mike Judge im Kino an. Nach seiner „Beavis and Butt-Head“-Kreation, mit der er auch in Spielfilmlänge reüssierte, zeigte Judge mit der Büro-Satire „Office Space“ wie hintersinnige Komödien auszusehen haben. Ron Livingston als Peter, unmotivierter Mitarbeiter der Firma Initech, ist nach einer misslungenen Hypnose, die Ruhe selbst und kommt allen Unmöglichkeiten zum Trotz zu einer einflussreichen Position. Die Dynamiken innerhalb der Firma, die Hire and Fire-Mentalität, die Herabwürdigung des Arbeiters in einem ineffektiven Arbeitsprozess, werden von Judge großartig hinterfragt. Weniger erfolgreich ist hingegen die Volte um den Diebstahl von Firmenvermögen. Angereichert mit bekannten Gesichtern wie Gary Cole, John C. McGinley, Jennifer Aniston oder Stephen Sutton verfügt die Satire dazu über ein tolles Ensemble.
Das Drama „La désintégration“ (2012) von Philippe Faucon ist ein hervorragendes Beispiel für einen Film, der viele wichtige Punkte anspricht, sich aber in seiner Aufzählung von Ungerechtigkeiten verliert. Die Schicksale muslimischer Einwanderer in Frankreich, verknüpft Faucon zu einem Kaleidoskop der möglichen Lebenswege, bis hin zum Autobombenattentat auf einen NATO-Stützpunkt. Abgesehen von einem „Fanatiker sind Idioten“-Fazit, bleibt aber nicht viel hängen.
James Spader geht in „Storyville“ (1992) von Mark Frost, einem Familiengeheimnis auf den Grund, während er selbst erpresst wird. Die verwirrende Handlung um politische Kampagnen, Familienverstrickungen und Mordprozesse ergibt auf den ersten Blick nicht viel Sinn. Dafür agiert aber Spader großartig, während Jason Robards sichtlichen Spaß an der gewaltigen Patriachenrolle hat.
Mit viel Lob ausgestattet, machte ich mich in meinem #Horrroctober-Finale an „It Follows“ (2014). Teenager die per Geschlechtsverkehr sich gegenseitig einen Fluch übergeben. Das klingt nach einem lustigen Konzept. Das ist es auch. Untermalt von einem fantastischen Score, ist die sinistre Atmosphäre greifbar, doch was fehlt, ist Spannung. Diese kommt nicht auf, da jeglicher Horror fehlt.
J.C. Chandor hat sich mit „Margin Call“ und „All Is Lost“ sehr schnell als einer der interessantesten jungen Regisseure der USA etabliert. Der Gangsterthriller „A Most Violent Year“ (2014) wurde mit viel Vorfreude empfangen, und kam dann doch nicht so ganz an den Hype heran, der um ihn gemacht wurde. An den Darstellern liegt das nicht. Sowohl Oscar Isaac, der eine Darstellung wie ein junger Al Pacino liefert, oder Jessica Chastain, die sehr kraftvoll die unabhängige Mafiabraut mimt, noch Albert Brooks, ist etwas vorzuwerfen. Hingegen ist Chandors Film zu behäbig und die moralischen Implikationen sind nach wenigen Minuten klar. Wie auch bei „Black Mass“, ist „A Most Violent Year“ ein wenig wie all die anderen Sopranos-Episoden und Gangsterfilme, die man schon gesehen hat. Zudem nutzt Chandor den großartigen David Oyelowo nur ungenügend.
Was für ein Triumph! Elisabeth Moss und Katherine Waterston sind in „Queen of Earth“ (2015) von Alex Ross Perry traumhaft. Virginia (Waterston) und Catherine (Moss) finden sich in einem Haus am Land zusammen, um gemeinsam vom Alltag zu fliehen. Doch schon bald zeigt sich, dass die beiden Frauen nicht mehr viel gemeinsam haben und dass Catherine mehr Probleme zu haben scheint, denn oberflächlich erahnbar. Die Inszenierung lässt sich ein wenig zu viel Zeit, um den Zuseher zu packen und es benötigt einen weiteren Reiz (in Form von Patrick Fugit) um Catherine endgültig über die Klippe der Vernunft zu stoßen. Doch rein auf Darsteller-Ebene, ist dies ein fantastisches Ereignis.
Der australische Sci-Fi-Horrorreißer „Infini“ (2015) ist hübsch anzusehen, und nicht ohne Reiz, aber die Geschichte um eine Rettungsmission und einen außerirdischen Parasiten, ist derart konfus erzählt, dass am Ende außer ein paar „Event Horizon“/“Alien“-Referenzen herzlich wenig übrig bleibt.
Der Dokumentarfilmemacher Rodney Ascher hat mit „Room 237“ für Aufsehen in der Filmszene gesorgt. Seine spekulative aber auch amüsante „The Shining“-Verschwörungsdoku, war mit genügend Sinn für Humor, um nicht in der eigenen Wichtigkeit zu versinken. „The Nightmare“ (2015) hätte sich von der Thematik – Schlafparalyse – einen anspruchsvollen Zugang verdient. Ascher aber lässt acht Personen ihre Albträume erzählen, stellt diese nach und macht daraus eine Thriller-Doku. Ohne jeden Tiefgang oder Anspruch, allerdings hübsch anzusehen. In unserem Dialog beschäftigen wir uns sowohl mit Aschers neuester Arbeit, als auch mit der Viennale.
Die Dokumentation „Cartel Land“ (2015) von Matthew Heinman gilt bereits als jener Film, den man bei der Oscar-Verleihung erst einmal schlagen muss. Die Darstellung der Drogenproblematik auf mexikanischer und amerikanischer Seite ist intensiv und aufwühlend. Dabei wirkt die Doku wie eine reale Version von Denis Villeneuves „Sicario“. Die sich selbst bewaffnenden Gruppen geraten langsam aber sicher außer Kontrolle und die Kartelle wüten weiterhin. Ein deprimierender Blick auf ein problematisches Thema.
Viel amüsanter war dagegen der Nonnen-Trash-Film „Seiju gakuen“ (1974) von Noribumi Suzuki ist ein schräger aber auch ungemein einnehmender Exploitationfilm um ein herrisches Nonnenkloster, in dem eine junge Frau das Schicksal ihrer Mutter aufklären will. Vergewaltigung, Folter und viel Lesbensex. Exakt das, wonach es klingt.
Die französische Komödie „Une heure de tranquilité“ (2014), basierend auf einem Theaterstück, zeigt Christian Clavier in Topform. Als Michel findet er in einem Plattenladen ein altes Jazzalbum, welches er sich in Ruhe zu Hause anhören will. Wie nicht anders anzunehmen, wird er von verschiedenen Umständen daran gehindert. Eine unglückliche Ehefrau, eine nervige Geliebte, ein entfremdeter Sohn, ein lästiger Nachbar und so weiter. Die Handlung ist vorhersehbar, aber harmlos. Die Inszenierung wenig aufregend, aber auch nicht ärgerlich. Die Darsteller bleiben zwar blass, aber dafür bleibt Clavier umso mehr Raum um sich zu entfalten.
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The 1001 Project
Im Zuge des #Horrorctober auch einmal über einen Beitrag des „1001 Project“ zu stoßen, ist eine Seltenheit. Der Ruf von „An American Werewolf in London“ (1981) war mir bekannt, doch schlussendlich war ich doch ein wenig enttäuscht vom fertigen Film. Die beiden Freunde Jack (Griffin Dunne) und David (David Naughton) wandern durch die schottischen Highlands. Nach einem Besuch im merkwürdigen und wunderbar benannten Pub „The Slaughtered Lamb“, geraten sie an einen Werwolf. Während Jack stirbt, überlebt David und erholt sich in einem Londoner Krankenhaus. Abgesehen von Besuchen des verblichenen – und immer mehr verwesenden – Jack, geschieht dann allerdings kaum etwas von Interesse. Davids Verwandlung in einen Werwolf zeigt dann aber, weshalb man es hier mit einem Klassiker zu tun hat. Die Effekte von Rick Baker (Oscar-gekrönt) sind fantastisch und die immer wieder zwischen Komik und Horror wechselnde Inszenierung von John Landis hat Charme, doch die Handlung ist vorhersehbar und langweilt in großen Teilen.
In Memoriam Chantal Akerman, zeigte Arte ihre Marcel Proust-Adaption „La Captive“ (2000). Simon (Stanislas Merhar) will wissen, was seine Freundin Ariane (Sylvie Testud) treibt, wenn er nicht bei ihr ist. Damit ist die Handlung im Grunde schon erzählt. Akerman verzichtet auf jeglichen psychologischen Hintergrund und lässt ihre Charaktere durch die Szenerien wandern. Ein ausgesucht schöner aber auch langweiliger Film.
Die Filme von Michelangelo Antonioni konnten mich noch nie so faszinieren, als dass ich mit Begeisterung über die neueste Entdeckung hergefallen wäre. Dennoch war die Vorfreude auf „La notte“ (1961) groß. Marcello Mastroiani und Jeanne Moreau sind als Giovanni und Lidia zu sehen, ein Paar welches sich gegenseitig nicht die Treue hält. Einzig der Besuch bei einem im Sterben liegenden Freund, scheint sie noch zu einen. Im Laufe der folgenden Nacht, sehen sie sich Verführungen und Optionen gegenüber. Antonioni führt das Paar mit ruhiger Hand durch eine aufregende Nacht. Mastroiani gibt den snobistischen Autor mit dem ihm eigenen Charisma, während Jeanne Moreau als aus dieser Beziehung fliehender Frau brilliert. Das Highlight ist aber Monica Vitti als Valentina, die ebenso Giovanni verführt, wie er sie.
Dank ORF III kam ich dann auch gleich in den Genuss von „Il deserto rosso“ (1964). Antonionis erster Farbfilm, geht geradezu über vor wunderschönen Momenten, inmitten einer Seelenlos wirkenden Industrielandschaft. Monica Vitti brilliert als junge Arbeiterin, die nach einem Klinikaufenthalt neuen Halt im Leben sucht, und durch eine Beziehung zum Ingenieur Corrado Zeller (Richard Harris) erst recht in ein Gefühlschaos geworfen wird. Wenngleich der kalt wirkende Film mich erneut nicht völlig für sich einnehmen konnte, starrt man geradezu auf die wunderschönen Bilder und lässt sich von Vittis Spiel einfangen.
Il deserto rosso / https://vialepsius.files.wordpress.com/2014/06/deseerto-rosso.jpg

Die Oscar-Liste
Die Adaption des mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten RomansAll the King’s Men“ (1949) von Robert Penn Warren durch Robert Rossen, ist einer dieser Fälle, in denen die Kenntnis der lokalen Vorgänge hilfreich für das Verständnis des Werkes sind. Als Fabel über den Aufstieg und Fall eines rücksichtslosen Politikers, der dem Volk aufs Maul schauend, demagogische Mittel einsetzt, um ans Ziel zu gelangen, funktioniert der Polit-Film noir hervorragend. Broderick Crawford ist als Willie Stark hervorragend, doch als Film über konkrete politische Vorgänge, ist Rossens Werk dann doch ein wenig zu oberflächlich und platt. Der thematisch ähnliche „The Ides of March“ erzählt etwa dieselbe Geschichte und von denselben Konflikten in der Politik, was einerseits die Zeitlosigkeit des Themas aber auch die ausgelutschte Wahl der Mittel aufzeigt. Wer die realen Vorbilder für Willie Stark und Co. kennt, wird noch mehr Reiz aus der Arbeit ziehen.

Re-Visited
Der #Horrorctober ist für mich auch immer eine Gelegenheit um schon länger nicht mehr gesehene Filme erneut zu sichten. Darunter fältl etwa Robert Wienes Meilenstein „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) mit Conrad Veidt als Cesare. Schon nach wenigen Minuten, wenn der erste Blick auf die städtische Szenerie fällt, hat mich diese träumerische Inszenierung erneut für sich gewonnen. Auch wenn die Handlung heute nicht mehr derart überraschen kann, wie damals, funktioniert auch die inhaltliche Ebene weiterhin hervorragend.
Ein weiterer Film den ich schon länger nicht mehr sah, war der Stummfilm „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ (1920) mit Theaterstar John Barrymore in der Doppelrolle. Bei der erneuten Sichtung konnte der sehr positive Ersteindruck aber nicht mehr gehalten werden. Barrymore ist großartig, aber die Inszenierung hat mehr von einem Theaterstück und die Handlung wird sehr routiniert erzählt. Das macht daraus einen unterhaltsamen Horrorthriller mit guter Maske, aber nicht mehr. Wenngleich auch nicht weniger.
Am 21. Oktober 2015 ist der Tag, an dem Marty McFly und Doc Brown die Zukunft besuchten. Die „Back to the Future“-Trilogie feiert ihr 30-Jahr-Jubliäum. Teil 1 (1985) mit seinem herzlichen Teenie-Plot um Martys Eltern, die zusammen finden müssen, damit er selbst eine Zukunft hat, ist ein zeitloser Klassiker. Die Gags passen perfekt, die Handlung geht ungemein rasch voran und die Teenie-Ungewissheiten sind lustig, anstatt unangenehm.
In Teil 2 (1989) verwischen die Handlungsebenen von Zukunft (2015), Vergangenheit (1955) und alternativer Gegenwart (1985) zu einem herrlich wilden Sci-Fi-Abenteuer, dem ein wenig der Charme von Teil 1 fehlt, aber dafür umso mehr mit tollen Gags punkten kann. Teil 3 (1990) hingegen kann heute mit seiner Wild-West-Parodie nur noch bedingt überzeugen. Ein eher lauer Abschluss zu einer großartigen Trilogie, in der Marty ins Jahr 1885 zurück reist um Doc vor dem schießwütigen Buford Tannen (Thomas F. Wilson als dritte Inkarnation des Bullys und hier in Hochform) zu retten. Die finale Zeitreise mit Hilfe einer Lokomotive ist ein würdiger Action-Abschluss und auch ist genügend Charme vorhanden, doch kann die Brillanz des ersten Teiles nicht mehr erreicht werden.
Langsam gleitet der #Horrorctober ins Finale und so komme ich noch dazu, zwei Filme zu sehen, die ich schon länger wieder sehen wollte. Einerseits die 1910er-Version von „Frankenstein“, in der zwar der Doktor wie ein Zauberer aus einem Fantasyfilm wirkt, die Erschaffung der Kreatur aber feinste Horrorunterhaltung darstellt. Wenngleich das Ende eher einem Mysteryfilm zu entspringen scheint, überzeugt dieser lange als verschollen geltende Stummfilm aus den Edison Studios.
Andererseits das Remake von „Evil Dead“ (2013). Auch wenn Fede Alvarez in seinem Quasi-Remake sehr viel Eigenständigkeit bewahrt, so gibt es genügend Zitate und Querverweise zu der legendären Filmtrilogie von Sam Raimi. Am Ende darf nach den Credits gar der große Bruce Campbell ins Bild. Als eigenständiger Horrorfilm fasziniert jedoch vor allem die geradezu absurd blutige Gewaltorgie zum Ende hin, inklusive des Blutregens. Dabei überzeugt vor allem Jane Levy als vom Dämon besessene Mia. Ein starkes Remake.
Back to the Future / http://i.kinja-img.com/gawker-media/image/upload/gli9j2lyxntri8xd3qwn.jpg

Serien-Überblick
Man mag es kaum glauben, aber als die 1. Staffel (2006) von „The IT Crowd“ im Fernsehen zu sehen war, war der Zuschauerzuspruch äußerst bescheiden. Beinahe wäre schon nach der Pilotfolge das Aus für die herrliche britische Sitcom gekommen, doch zum Glück hatte Graham Linehan recht und seine Serie entfaltete langsam ihre Faszination. Typisch britischer Humor trifft auf wunderschön ausgearbeitete Charaktere. Kein Wunder dass die in Großbritannien schon bekannten Chris O’Dowd, Richard Ayoade und Katherine Parkinson auch überregional zu großer Bekanntheit gelangten.
Staffel 2 (2007) zeigt die noch ein wenig auf wackeligen Beinen stehenden Charaktere dann schon in grandios eingespielter Form. Zudem überrascht das Kreativteam mit dem plötzlichen Abgang von Denholm Reynolm (Chris Morris) und ersetzt ihn durch den obszönen und derb-komischen Sohn Douglas (Matt Berry). Highlight-Episoden wie „Moss and the German“ (rund um Raubkopien und einen deutschen Kannibalen) stechen dann natürlich noch einmal zusätzlich hervor.
Die 3. Staffel (2008) hat zwei Neuerungen zu bieten. Zunächst ist der von Noel Fielding gespielte Charakter Richmond nicht länger mit dabei und der von Matt Berry gespielte Douglas Reynholm erhält mehr Szenen denn in der vorhergehenden Staffel. Dies führt etwa zu einer fantastischen Episode, in der Douglas eine Beziehung mit einer Journalistin eingeht. Das Ende dieser stürmischen Affäre, führt zu grandiosem Slapstick und zur Auflösung einer herrlichen „Mitarbeiterin des Monats“-Rede. Auch die Facebook-Parodie „Friendface“ ist heute noch so lustig wie bei der Erstausstrahlung. Einzig die Episode rund um einen erotischen Kalender für Schielende, kann heute nicht mehr so überzeugen wie damals.
Staffel 4 (2009) merkt man langsam ein wenig die Abnutzungserscheinungen an. Neben fantastischen Episoden wie „Italian for Beginners“, in der Jen vorgibt Italienisch zu können und Roy das Rätsel des Feuertodes der Eltern seiner Freundin in einem Wasserpark zu enträtseln versucht, gibt es vor allem unnötig sentimentale Folgen wie „Jen the Fredo“, in der Roys zerbrochene Off-Screen-Beziehung im Mittelpunkt steht. Natürlich ist auch Staffel 4 unterhaltsam wie eh und je, aber zeigen sich doch langsam kleine Anzeichen eines bevorstehenden Qualitätsabfalls.
Staffel 5 wurde immer wieder verschoben und besteht nunmehr aus einer einzigen Sonderepisode, die dafür auch doppelt so lang dauert, wie die üblichen Episoden. In „The Internet Is Coming“ (2013) bekommen alle Charaktere noch einmal wunderschöne Auftritte serviert. Dabei ist die Aura der ganz speziellen und besonderen Abschlussepisode übermächtig und schmälert ein wenig das Sehvergnügen, da viele Dialoge scheinbar nur darauf ausgelegt wurden, den Fans einen tollen Abschluss zu liefern. Was natürlich nicht heißt, dass die letzte Episode nicht noch ein Highlight darstellen würde. Moss‘ neu gewonnenes Selbstvertrauen oder auch die Jagd von Anonymous auf Jen und Roy, sind Ankerpunkte der etwa 50 Minuten. Ein schönes Adieu an die Fangemeinde.
In „Smiley’s People“ (1982) kehrt Alec Guinness erneut als George Smiley als pensionierter Geheimagent George Smiley zurück, um den Mord an einem seiner ehemaligen Kontaktmänner zu klären. Dies führt dann auch zu einer finalen Konfronation mit seinem Erzrivalen Karla (Patrick Stewart). Während die Spionage-Handlung natürlich erneut packt, ist die Inszenierung derart gedehnt, dass immer wieder der Faden verloren geht und man den Fokus auf den eigentlichen Kern der Geschichte verliert. Die Fortsetzung zu „Tinker Tailor Soldier Spy“ konnte mich nicht derart überzeugen, wie der Vorgänger. Trotz aller Qualitäten.
In Staffel 3 (1995) von „The X Files“ werden einige aus Staffel 2 aufgeworfene Fragen beantwortet, doch die großen Verschwörungen machten weniger Spaß, denn die für sich stehenden Episoden. So etwa der unter Mordverdacht stehende Skinner (Mitch Pileggi), die Suche nach dem Monster Big Blue oder auch die unglaublich komische Episode „Jose Chung’s From Outer Space“, in der Charles Nelson Reilly als Bestseller-Autor einem Fall aus den X-Akten auf den Grund geht. Diese zeigte vor allem, dass die immer extrem ernst auftrende Serie, sich ihrer Schwachpunkte wohl bewusst war und erarbeitete die perfekte Parodie auf sich selbst. Ein Highlight der gesamten Staffel und ein Wendepunkt in der Serie, so dass man trotz aller Thriller-Elemente auch immer wusste, dass es sehr wohl Spaß machen kann.
Nachdem mir „Homeland“ so gut gefiel, war es auch einmal an der Zeit das israelische Original „Hatufim“ zu sichten. Staffel 1 (2010) der von Gideon Raff erschaffenen Serie, handelt hauptsächlich von den psychischen Anforderungen an alle Beteiligten des Gefangenenaustausches. Zwei israelische Soldaten, die sich in palästinensischer Gefangenschaft aufhielten, kehren nach 17 Jahren wieder zu ihren Familien zurück. Doch weder der von seiner Familie empfangene Nimrod (Yoram Toledano) noch der sich vom Leben zurückziehende Uri (Ishai Golan) finden sich in einem für sich völlig fremden Israel zurecht. Dass zudem von Hinterbliebenen anderer Familien, ihr Austausch kritisiert wird, belastet die Männer zusätzlich. In Rückblenden werden die Jahre der Folter aufbereitet. So zeigt „Hatufim“ im Grunde diesselbe Handlung wie „Homeland“, aber konzentriert sich zumindest in der 1. Staffel auf die Psyche der Menschen und hat weniger Thriller-Konventionen im Sinn. Dass dies in Staffel 2 wohl eher der Fall sein wird, deutet die letzte Episode an, in der das Schicksal des dritten Soldaten Amiel offenbart wird.
Staffel 2 (2012) konzentriert sich mehr auf Amiels Schicksal und seine Wandlung zum fanatischen Terroristen. Doch lässt Gideon Raff immer wieder Falltüren aufgehen und die Charaktere in neue – teils sehr unwahrscheinliche – Wendungen hinein manövrieren. Dass dabei Nimrod und Uri hauptsächlich mit ihren Problemen im Privatleben (One Night Stands, Krebserkrankung, Beziehungsende) auffallen, wirkt im Angesicht des Thrillerplots ein wenig deplatziert. Im Gegensatz zu Staffel 1 ist die Balance nicht ganz vorhanden und führen die zusätzlichen Episoden eher zu zerdehnten Handlungsbögen. In seinem Gesamtpaket sehr interessant und speziell im israelisch-palästinensischen Konflikt von Belang, doch mit einigen zu konstruierten Wendungen.
Nach dem Genuss der gesamten „The IT Crowd“, musste ich mir einfach wieder das Gemeinschaftsprojekt von Matthew Holness und Richard Ayoade „Garth Marenghi’s Darkplace“ (2004) ansehen. Die leider nur eine Staffel lang währende Geschichte um einen Horrorautoren (Holness in grandioser Form als Marenghi), der die wieder entdeckte 1980er-Horrorserie auf die Schirme bringt, lebt vom Charme der vergangenen Zeit. Ayoade ist herrlich als Produzent, der zwar schauspielert, es aber ganz offensichtlich nicht kann. Matt Berry als Dr. Sanchez und Alice Lowe als Madeleine Wool runden das Vergnügen ab. Absurde Horrorplots, schreckliche Dialoge und entsprechend furchtbare Effekte, amüsieren. Doch scheint es auch ein gewisser Segen zu sein, dass die Serie nur eine Staffel lang währte. So bleibt der Eindruck eines nicht eingelösten Versprechens, aber von sehr viel Potential.
Die fünfte Staffel von „The Simpsons“ (1993) ist erneut eine Ansammlung an klassischen Episoden. Von Homers „Be Sharp“-Band über seinen College-Ausflug und Mr. Burns‘ Suche nach seinem Teddy Bobo bis hin Bart, der die Schule schwänzt und die Unschuld des Ekels Freddy Quimby beweisen kann. Lisa entwickelt sich immer mehr zur Feministin und Aktivistin, während Marge ein wenig zurücktritt, wie auch Maggie. Die Entwicklung von Nebenfiguren wie Ned Flanders, Apu oder Rektor Skinner nimmt ein wenig mehr Raum ein. Es ist ein Zeugnis für die kreative Energie, die sich hier entlud. Eine Staffel die rein für sich genommen bereits als glänzender Diamant im Serien-Sammelsurium existieren könnte.
Die Mini-Serie „The Casual Vacancy“ (2015) basiert auf einem Roman von J.K. Rowling, die mit den „Harry Potter“-Büchern zu Weltruhm gelangte. Die Darstellung einer englischen Kleinstadt-Idylle und der Boshaftigkeit die dahinter lauert, führt zu einigen amüsanten Momenten und tollen Darstellungen (Michael Gambon ganz speziell als snobistischer Dorf-Patriach), aber verliert sich in vielen Klischees.
The IT Crowd / http://www.cinemablend.com/images/sections/55423/the_it_crowd_55423.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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