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Sowohl „Macbeth“ als auch „Coriolanus“ sorgten für einen kleinen Shakespeare-Schwerpunkt im Kino. Am heimischen Schirm dominierte auch aufgrund eines ORF-Schwerpunktes der heimische Film. Mit dem näher kommenden Jahresende lässt sich auch eine immer höhere Qualität im Kinoprogramm feststellen, auch wenn einige Filme aus zeitlichen Gründen nicht gesichtet werden konnten, und wohl erst zu Hause erkundet werden können.

Neuzugänge
„Macbeth“
ist die kürzeste Tragödie von William Shakespeare und eignet sich hervorragend für filmische Adaptionen. Selbst wenn das Stück auf der Bühne mich noch nicht so recht überzeugen konnte, sind die filmischen Variationen immer wieder beeindruckend. So auch jene von Justin Kurzel, der unter Mitarbeit von Adam Arkapaw großartige Bilder entstehen lässt, und die Tragödie zu einem psychologischen Schauerstück interpretiert, dessen Stärken vor allem in der visuellen Komposition liegen. Dass dabei Michael Fassbender und Marion Cotillard zu Glanzleistungen auflaufen, versteht sich fast von selbst. Doch auch die Riege an hervorragenden britischen Nebendarstelleren weiß dem Stück seinen Glanz zu verleihen und dies, obwohl Shakespeares Dialog mehr geflüstert oder gebrüllt wird, denn hübsch deklamiert.
Nach dem massiven Erfolg von „Skyfall“ (2012), hatte es „Spectre“ natürlich grundsätzlich schwer. Doch die Anfangssequenz, eingefangen mit einem imposanten Tracking Shot, der bis zum ersten Schußwechsel andauert, verspricht großes Actionkino, im alten Bond-Stil, aber mit dem Einfluss von „Skyfall“. Leider bleiben die Einflüsse des Reboots auf der Strecke. Etwas mehr Action für M, Q und Moneypenny, aber grundsätzlich bleibt es eine Jagd über den Globus mit der Frau an der Seite, die es für Daniel Craig flach zu legen gilt. In Rom Monica Bellucci in einem vergeudeten Kurzauftritt und schließlich Léa Seydoux als Tochter des Killers Mr. White. Christoph Waltz kann als Blofeld kaum eigene Akzente setzen, sondern spielt einen Charakter, wie man ihn von Waltz gewöhnt ist. Das ist schade, denn so driftet der Film immer mehr in die Parodie hinab, inklusive eines Hauptquartiers im Meteoritenkraters. Unglaublich, dass Sam Mendes zwei so grundverschiedene Bond-Filme drehen konnte.
Tom Hiddlestone als Caius Martius Coriolanus, war ein sehr erfolgreicher Bühnenhit. Deshalb war meine Neugier geweckt und ich freute mich auf „National Theatre Live: Coriolanus“ (2014) in der Inszenierung von Josie Rourke. Das Stück von Shakespeare hat fantastische Ideen und manch bissigen Dialog, aber verfügt nicht unbedingt über eine interessante Handlung. Rourke arbeitet den absurden Humor heraus und zeigt die Beziehung von Coriolanus und seiner Mutter als beinahe inzestuöse Dynamik. Dennoch bleibt viel Langeweile in einem von Shakespeares zäheren Stücken.
Christopher B. Landon hat sich einen Namen als Horrorregisseur gemacht. Dass er das Genre aber auch mit Humor nimmt, sieht man in seiner – zeitweilig leider viel zu albernen – Zombie-Komödie „Scouts Guide to the Zombie Apocalypse“. Drei Pfadfinder (darunter der famose Tye Sheridan) stolpern dabei zunächst durch die Fallstricke der klassischen High-School-Komödie, ehe sie sich während einer Zombie-Plage beweisen können. Die Charaktere sind allesamt Klischees und Schablonen, doch spätestens beim großen Finale, wo die Scouts ihre Abzeichen in praktische Tötungsmaschinen umsetzen können, macht das Geschehen ungemein viel Spaß.
Es ist zu Ende. Endgültig. Jetzt wirklich. So ähnlich fühlt sich dann auch „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ an. Wie eine überfällige und lästige Pflichtübung, die jeder nur hinter sich bringen will. Die Unart, den finalen Teil einer Trilogie zu zerteilen und künstlich in die Länge zu ziehen, schlägt sich vor allem hier zu Buche. War schon „Catching Fire“ eine reine Wiederholung, mit Aussicht auf das Finale, so wurde man dieses Gefühl im allerletzten Film gar nicht mehr los. In unserem Dialog beleuchten wir die positiven und negativen Aspekte dieser Filmreihe noch einmal genauer.
Die Handlung von „Bridge of Spies“ ist klassisches Kalter Kriegs-Kino, wie man es aus den 1960er-Jahren kennt und tatsächlich war die Geschichte um den Anwalt James B. Donovan (Tom Hanks) und seine Rolle im Gefangenenaustausch eines sowjetischen Spions (fantastisch: Mark Rylance) und eines US-Piloten sowie eines Studenten in der DDR, schon in den 1960ern Teil von Produktionszyklen. Doch erst Spielberg fand einen Weg, um diese Geschichte nach altbekannten Formen, mit neuem Genre-Leben zu beleben. Das Drehbuch, welches unter Mithilfe von Joel und Ethan Coen entstand, ist voller humorvoller Dialoge und Spielberg weiß dies mit genügend Schwung zu inszenieren. Manche Szenen sind etwas schwerfällig in ihrer Melodramatik, doch sieht man gerne darüber hinweg.
National Theatre Live: Coriolanus / http://now-here-this.timeout.com/wp-content/uploads/2014/01/image3.jpg

Die Dokumentation „Cinema Perverso“ (2015) ist ein sehr hübsch gestalteter Einblick in das Wesen des Bahnhofskinos, welches Deutschland einige Jahrzehnte lang nach dem Zweiten Weltkrieg beglückte und erst mit dem Aufkommen der VHS-Bänder dem Untergang geweiht war. Zwar wird hier auch viel schön geredet und verklärt, aber die Fülle an interessanten Filmen und Einblicken ist einfach zu schön, um sich lange mit Kritikpunkten aufzuhalten.
Das Computerspiel „Hitman“ wurde vor einigen Jahren bereits ohne Erfolg verfilmt. In „Hitman: Agent 47“ (2015) wurde unter der Regie von Aleksander Bach erneut versucht, dem Spielerfolg ein filmisches Gegenstück zu geben. Doch weder ist die Handlung interessant, noch wissen Rupert Friend in der Titelrolle, noch Zachary Quinto als Gegenspieler oder die Actionszenen zu überzeugen. Ein einziges Ärgernis und pure Zeitverschwendung.
Mit „Jurassic World“ (2015) wurde versucht, der Film-Trilogie neues Leben einzuhauchen. Wirklich gut war damals bereits nur der erste Teil. Dieser bleibt dafür unerreicht. Der 4. Teil oder auch neue Film einer neuen Reihe unter der Regie von Colin Trevorrow, vertraut auf neue Gesichter (Chris Pratt, Bryce Dallas Howard) und nostalgische Bezüge auf das Original. Diese fallen aber derart banal aus, dass man sich schlicht den alten Film zurückwünscht. Die Charaktere sind uninteressant, die Handlung zum Teil idiotisch (abgerichtete Raptoren als mögliches Kriegswaffe!) und wenn die Action in Fahrt kommt, ist man nur noch geneigt, das Geschehen als den teuersten Trash-Film aller Zeiten zu sehen. Finanziell war „Jurassic World“ ein Hit unerwarteten Ausmaßes, aber künstlerisch war dies eine Bankrotterklärung.
Seit Keanu Reeves mit „John Wick“ ein Comeback feiern konnte, ist jeder neue Film mit ihm einen Blick wert. Glaubt man. „Knock Knock“ (2015), ein Remake eines 1970er-Jahre Thriller, wird von Eli Roth mit starken satirischen Klängen neu aufgelegt. In den ersten Minuten zeigt uns Roth die Familienidylle von Reeves und Ehefrau inklusive zweier Kinder. Als er ein Wochenende allein zu Hause verbringt und zwei junge Frauen vor seiner Tür stehen, beginnt das Psychospiel. Aus einer Nacht voller Sex, wird ein Rachefeldzug der jungen Frauen gegen den Mann, der seine Familie betrog. Roth ist kein Meister der subtilen Töne und so macht „Knock Knock“ dann Spaß, wenn die Absurdität völlig die Kontrolle gewinnt. Ansonsten ist das Geschehen eher enttäuschend vorhersehbar.
Will Smith als charmanter Meisterbetrüger und Margot Robbie als attraktive Schülerin. „Focus“ (2015) als Mischung aus „Ocean’s Eleven“, „The Sting“ und „Paper Moon“? Na zumindest hat der Film einen gewissen Charme, auch wenn die Handlung alle bekannten Eckpunkte eines Gaunerfilms abhakt. Den Darstellern wegen, unterhält „Focus“ auch viel mehr, als er eigentlich sollte. Harmlose Unterhaltung, die rein von seiner Starpower lebt.
Der Schwede Roy Andersson feierte mit dem dritten Teil seiner Trilogie über das Wesen ein Mensch zu sein, Triumphe im Festivalzirkus, darunter den Goldenen Löwen von Venedig. Völlig zurecht. Denn „En duva satt pa en gren och funderade pa tillvaron“ (2014) ist nicht nur eine unglaublich komische Ansammlung an humorvollen, absurden und teilweise auch verstörenden Episoden, sondern eine tiefschürfend sinnreiche Studie darüber, wie der Mensch in Alltagssituationen von außen betrachtet (hier: von Tauben betrachtet) wirkt.
Die Handlung von „The Wolfpack“ (2015) klingt großartig. Die sieben Kinder der Angulo Familie, wurden von ihren Eltern zu Hause eingesperrt und in der Abgeschiedenheit unterrichtet und erzogen. Als sie bei ihrem ersten „Ausgang“ der Filmemacherin Crystal Moselle über den Weg laufen, freundet sich diese mit ihnen an und bekommt Einblick in ihre Welt. In der Wohnung spielen sie Filme nach und erschaffen sich ihre eigene Welt, nur langsam beginnen sie nach außen zu dringen. Die Dokumentation belässt es dabei, dass man über die Motive selber grübelt und auch wie Moselle den Zugang zu dieser Welt bekam, erfährt man eher noch per Internetrecherche und selbst da bleiben Zweifel. So bleiben einige Kinder und ihre merkwürdige Lebenswelt, die ohne Erklärung präsentiert und auch genauso wenig hinterfragt wird.
Die Bromance-Filme von Judd Apatow bekommen in „The D Train“ (2015) ihre logische Fortführung. Jack Black brilliert als Dan Landsman, der zum Ehemaligentreffen seiner High School unbedingt den coolen Oliver Lawless (famos: James Marsden) überreden will. So erhofft sich Dan Anerkennung und Respekt von seinen einstigen Klassenkollegen und auch die Freundschaft von Lawless. Während die homoerotischen Untertöne der Bromance-Buddy-Filme bei „The D Train“ schließlich in der wirklichen unerfüllten Liebe der beiden Männer gipfelt, bleibt der Rest der Komödie zu vorhersehbar und auch zahm. Die kantigen Untertöne werden von Black und Marsden famos gespielt, aber davon bleibt leider recht wenig.
Ida Lupino erhielt bei der Viennale ein leider wenig beachtetes Tribute. Leider ist auch ihr Einfluss als Regisseurin nicth so groß, wie er es sich verdient hätte. In dem Vergewaltigungs-Drama „Outrage“ (1950) wird die jung und glücklich verheiratete Ann Walton (Mala Powers) vergewaltigt. Die psychischen Traumata machen ihr ein Leben in ihrer Heimatstadt unmöglich. In einer ihr fremden Ortschaft, kann sie langsam sich ihren Ängsten stellen. Lupino fasziniert mit einer nüchternen und zugleich einfühlsamen Regie, während die Darsteller großteils unaufgeregte Leistungen bieten und auch das Drehbuch so manche Schwäche (vor allem auf Dialogebene) bereit hält.
Im Zuge der „Great Moments“-Reihe im ORF konnte ich „Karambolage“ (1983) von Kitty Kino sehen. Der damals am Filmfestival von Berlin gelobte Film folgt Judith (Marie Colbin), die in einem schummrigen Lokal der Barfrau Lilo (Renée Felden) bei einer Partie Karambol ihre Liebes- und Leidensgeschichte erzählt. Visuell steckt Kinos Inszenierung tief in den Achtzigern fest und auch das Schauspiel und die Dialoge wirken ein wenig hölzern, doch die Handlung um eine selbstbewusste Frau, die in eine Männerdomäne (Billard) eindringt und dadurch sich selbst in Gefahr begibt, ist stellenweise von faszinierender Intensität. Zudem wirkt es geradezu absurd, wenn Polizisten eine Frau abführen, weil sie es wagt Billard spielen zu wollen, was doch nur Männer „können“.
David Wnendts Debütfilm „Kriegerin“ (2011) folgt der 20-jährigen Marisa (Alina Levshin), die inmitten einer Neo-Nazi-Clique ihre Umgebung terrorisiert. Gleichzeitig zeigt Wnendt wie die 15-jährige Svenja (Jella Haase) langsam in diese Szene hinein rutscht. Ein wichtiges Thema, aber mit allzu viel Klischee-haltigen Bildern inszeniert. Inhaltlich wurde viel Wert auf intensive Recherche gelegt, doch das hilft nicht dabei, den Neo-Nazi-Film aus seinen vorhersehbaren Mechanismen zu befreien.
Ebenso ein wichtiger Film ist Andrew Niccols „Good Kill“ (2015), in dem Ethan Hawke einen Drohnenpiloten spielt, der außerhalb von Las Vegas, auf einer Militärbasis für den Einsatz von unbemannten Drohnen zuständig ist. Niccol zeigt die Arbeit der Soldaten als völlig unpersönliche Computerarbeit und Hawke gibt den davon zermürbten Piloten hervorragend. Doch die Handlung schwankt lediglich von einem Einsatz zum Nächsten. Einige interessante Einblicke in die Arbeit heben leider nicht die überbordende Langeweile auf.
„Quian mian mo nu“ (1969) ist eine Hong Kong-Version des französischen Klassikers „Fantomas“. Die Schmuck und Edelsteine raubende und auch Menschen entführende Venus, wird von einer Reporterin zur Strecke gebracht. Dies geschieht mit viel Kung Fu, tollen Gags und einigen herrlichen Schußwechseln. Unterhaltsam, wenn auch nicht sonderlich intelligent. Was fehlt, ist die Finesse von „Fantomas“, aber der Spaß ist gegeben.
In „A Personal Journey With Martin Scorsese Through American Movies“ (1995) führt Martin Scorsese in drei Teilen durch seine persönlichen Filmerinnerungen. Natürlich ist dieser subjektive Blick auf die Filmgeschichte voller subjektiver Highlights, über die man das eine oder andere Mal verwundert hinweg blickt und auch der eine oder andere faktische Fehler hat sich eingeschlichen. Doch gemeinsam mit Co-Regisseur Michael Henry Thomas, ist diese Aneinanderreihung von cineastischen Anekdoten geradezu ein Muss für jeden Filmliebhaber.
Der italienische Thriller „Salvo“ (2013) um den Profikiller Salvo, der bei seinem letzten Einsatz auf eine blinde Frau stößt, die er zu beschützen gedenkt, konnte beim Filmfestival in Cannes den Großen Preis der Semaine de la Critique einheimsen. Das liegt wohl am Konzept und der nüchternen (für meine Begriffe: einschläfernd) Inszenierung. Ich hingegen habe schon fünf Minuten nach Filmende so gut wie vergessen, worum es in dem Thriller ging.
Jean-Paul Rappaneau ist für mich vor allem durch seine hervorragende „Cyrano“-Fassung ein Begriff. Mit der Verfilmung des Erfolgsromans „Le hussard sur le toit“ (1995) wollte er seinen Erfolg wohl wiederholen. Doch Olivier Martinez in der Titelrolle als Angelo Pardi wirkt ein wenig leichtgewichtig und so wirkt er an der Seite von Juliette Binoche beinahe verloren. Die großartige Besetzung, die wunderschönen Aufnahmen und die abenteuerliche Romanze können unterhalten, doch stets hat man das Gefühl, doch besser das Buch zu lesen.
Marco Kalantari hat nach dem kommerziellen Misserfolg von „Ainoa“ Österreich den Rücken gekehrt. International hat er mit Werbeaufträgen reüssiert und nun hat der Kurzfilm „The Shaman“ (2015) für Aufsehen gesorgt. Die in einer vom Krieg zerrütteten kriegerischen Zukunft angesiedelte Sci-Fi-Vision, handelt von einem Schamanen, der den Geist eines Kampfturmes umkehren und für seine Seite erobern soll. Die imposanten Effekte zeigen das gute Auge von Kalantari, während die geradezu intim wirkenden Duelle zwischen dem Schamenen (Danny Shayler) und der personifizierten Seele des Turmes (Susanne Wuest) zwar ein wenig abfallen, aber ebenso davon zeugen, dass Kalantari über die Fähigkeit für intime Szenen verfügt.
Die Hoffnung dass nun auch wieder Spielfilme folgen, bleibt.
Der von Hans Thimig inszenierte Pferdefilm „Maresi“ (1950) zeigt Attila Hörbiger und Maria Schell als verhindertes adeliges Liebespaar, welches immer durch das Pferd Maresi zueinander findet. Der soziale Abstieg des von Hörbigers dargestellten Adeligen von Hübner, wird mit dem Schicksal des Pferdes verbunden. Dabei siegt die Sentimentalität und auch wenn die beiden Hauptdarsteller ihre Sache gut machen, so hat man kein gesteigertes Interesse an ihren Charakteren. Stattdessen wird der Titelcharakter immer wieder in den Hintergrund gerückt.
Tobias Moretti als Erzherzog Johann und Anna Maria Mühe als die Bürgerliche Anna. Ihre verbotene Liebe ist der Stoff von Julian Pölslers „Geliebter Johann Geliebte Anna“ (2009), der aber trotz aller Anstrengungen, immer nur wie ein Prestige-Fernsehfilm wirkt, in dem Moretti einerseits seine Starqualitäten ausspielen kann, während die großartige Anna Maria Mühe kaum genügend Möglichkeiten erhält, um ihre Bandbreite zu zeigen.
Beinahe wie zu erwarten ist die Horrorkomödie „Las brujas de Zugarramurdi“ (2013) von Álex de la Iglesia ein  völlig wilder Ritt quer durch das Hexen-Genre. Drei Männer, die eine Bank überfallen, landen in Zugarramurdi, wo sie drei Hexen anheim fallen. Was in der ersten Hälfte eine Satire über männliche Minderwertigkeitskomplexe ist, wird danach zu einer rasanten Horror-Groteske, in der sich vor allem die Frauen austoben können. Die Effekte mögen nicht immer überzeugen, doch de la Iglesia hält das Tempo hoch und unterhält sein Publikum.
Tobias Moretti als legendärer Alpinist/Regisseur/Schauspieler Luis Trenker in einer luxuriös angelegten Biografie von Wolfgang Murnberger. Eigentlich hätte „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“ (2015) die Voraussetzungen für einen interessanten Film gehabt, doch Murnberger inszeniert den Film wie ein Fernsehspiel und die Darsteller agieren großteils eher wie Parodien, denn wie echte Menschen. Moretti gibt sich viel Mühe, Trenker als Frauenhelden darzustellen, der das Lob der Nazis hinnimmt. Dagegen ist Brigitte Hobmeier als Leni Riefenstahl eine aalglatte Karrieristin. Leider schafft es Murnberger keine durchgängig packende Erzählung zu erschaffen, sondern man hüpft von Episode zu Episode, ohne hängen zu bleiben.
Erneut zu sehen, bekommt man Moretti als Kooperator in „Schwabenkinder“ (2003) von Jo Baier. Aus der Sicht des erwachsenen Kasper Reiter, der seinen am Sterbebett liegenden Vater besucht, erzählt Baier die Geschichte des Kindes Kasper, der nach dem Tod seiner Mutter vom finanziell angeschlagenen Vater, nach Schwaben geschickt wird, um dort auf einem Hof zu arbeiten. Baier inszeniert mit viel Melodramatik, aber zeigt auch sensible Einblicke in das harte Leben des Kindes, der stellvertretend für eine ganze Generation an Kindern steht, die Anfang des 20. Jahrhunderts zur Arbeit weggeschickt wurden.
Ganz auf dem Charme seines Protagonisten verlässt sich Ethan Hawkes Dokumentation „Seymour: An Introduction“ (2015). Seymour Bernstein ist eine herrliche Quelle für allerhand interessante Anekdoten aus dem Leben des Pianisten und Klavierlehrers, der das Rampenlicht gegen die unterrichtende Tätigkeit eintauschte. Hawke stilisiert nicht, sondern hält die Kamera nüchtern auf Bernstein und seine Gesprächspartner. Eine kluge Entscheidung, denn so bleibt bei den knapp 80 Minuten die Konzentration ungetrübt auf Bernstein und weicht nur selten ab.
Kent Jones versammelte für seine Beobachtung der Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und Francois Truffaut eine ganze Riege an international anerkannten Filmemachern (merkwürdigerweise keine einzige Frau). „Hitchcock/Truffaut“ (2015) ist ein guter Film für Menschen, die den Filmen des großen britischen Filmemachers einiges abgewinnen können, und erzählt auch ein wenig von dem Einfluss den sowohl das Buch als auch die Filme von Hitch auf sie hatten. Doch erzählt die Dokumentation kaum etwas Neues, sondern bleibt etwas zu oberflächlich an bereits bekannten Fakten hängen. Eher eine Zusammenfassung bereits bekannter Wissensstände, wenngleich gut zusammengestellt.
Joshua Oppenheimer faszinierte mit seiner stilisierten und verstörenden Dokumentation „The Act of Killing“. In seinem Nachfolgewerk „The Look of Silence“ (2014) lässt er einen Überlebenden der Massenmorde in Indonesien den Mördern unangenehme Fragen über ihr Treiben und ihre Beteiligung an der Verschleppung seines Bruders stellen. Der Optometrist ist der ruhige aber unnachgiebige Held, eines ebenso ruhigen aber unnachgiebigen Filmes, der weniger auf die Stilisierung setzt, und damit sogar mehr im Gedächtnis haften bleibt, denn der ebenso großartige Vorgängerfilm Oppenheimers.
Andrew Bujalski ist einer der Helden des Mumblecore, doch sein „Computer Chess“ missfiel mir geradezu. In „Results“ (2015) schien die Verbindung des Romantic-Comedy-Genres mit populären Gesichtern (Cobie Smulders, Guy Pearce und Kevin Corrigan, Giovanni Ribisi – allesamt hervorragend) zunächst toll zu funktionieren, doch Bujalskis Inszenierung konnte mich nicht fesseln. Er bleibt konsequent bei seinem ruhigen und den Blickpunkt immer wieder wechselnden Fokus, was es erlaubt, jeden der drei Hauptcharaktere auch tatsächlich als Hauptdarsteller der Handlung zur erkennen. Inspiriert, aber nicht immer wirklich unterhaltsam.
Dasselbe Fazit könnte ich für die lang in Arbeit befindliche Adaption der Agenten-Serie „The Man from U.N.C.L.E.“ (2015) anführen. Guy Ritchie zeigt die Geschichte um einen US- und einen Sowjet-Spion, die zusammenarbeiten müssen, in ruhigen, an die 1960er gemahnte Kameraeinstellungen mit wenigen Schnitten. Doch die Handlung ist wie in einem schwachen Marvel-Film, einzig dazu gedacht, uns auf eine kommende Fortsetzung vorzubereiten. So interessiert es auch kaum, wie sich Napoleon Solo (Henry Cavill) und Illya Kuryakin (Armie Hammer) schlagen und wie sie es doch noch schaffen die Welt zu retten. Viel interessanter sind da schon der kurze Auftritt von Hugh Grant und die tolle Kleidung.
Überaus ambitioniert ist die Dokumentation „Bei xi mo shou“ (2015) von Liang Zhao. Aus der Sicht eines mythischen Wesens, welches durch den Raubbau an der Natur zum Leben erweckt wird, zeigt Liang die von der chinesischen Regierung erbauten Geisterstädte, die wie ein Mahnmal für den kapitalistischen Irrsinn stehen. Die poetischen Ansichten können aber nicht immer überzeugen, und so bleibt oft nur die wunderschöne Fotografie übrig, die man bewundern darf.
Als Edgar Wright für die Regie von „Ant-Man“ (2015) vorgesehen war, sprang das Nerd-Herz vor Freude. Ein Underdog-Marvel-Held und ein fantastischer Action-Comedy-Regisseur. Übrig blieben der Abgang von Wright und ein wenig inspirierend wirkender Film der nächsten Marvel-Phase. Unter der kompetenten aber anonymen Regie von Peyton Reed, liegt es vor allem am charmanten Paul Rudd, die Entwicklungsgeschichte von Ant-Man zu erzählen. Corey Stoll hat seinen Spaß daran, den überzogenen Bösewicht zu spielen, doch ist er eine wenig Erinnerungswürdige Figur, während Michael Douglas all seinen Hollywood-Altstar-Glanz dem ehrwürdigen Dr. Hank Pym verleiht. Die Actionszenen sind nur Stellenweise unterhaltsam, meist einfach nur irritierend schwach ausgearbeitet. Ein sympathischer Held in einer schwachen Ausführung. Wie im Comic.
Dass ein Avantgarde-Filmemacher die Quasi-Biografie des Psychologen Stanley Milgram als Film mit dem Titel „Experimenter“ (2015) natürlich nicht als geradliniges Biopic anlegen würde, war klar. Herausstechend ist bei Michael Almeyredas Inszenierung, dass er die Autoritäts-Versuche von Milgram (hervorragend: Peter Sarsgaard) als kühl analytische Versuchsanordnung zeigt. Aus der Sicht von Sarsgaard werden verschiedene Experimente, die er im Laufe seiner Karriere durchführte, gezeigt und Sarsgaard ist perfekt als leicht arroganter, von sich selbst stets überzeugter Wissenschaftler. Winona Ryder hat als seine Frau leider wenig zu spielen.
Max Ophüls‘ Inszenierung von „Letter from an Unknown Woman“ (1948), basierend auf einer Novelle von Stefan Zweig, zeigt Joan Fontaine (deren Studio den Film produzierte) in Hochform als Lisa Berndle, die sich in den Konzertpianisten Stefan Brand (Louis Jordan) verliebt. Die über Jahrzehnte traurige und unerwiederte Liebe zeigt Ophüls in wunderschönen Schwarzweiß-Bildern und gibt Fontaine den Raum um zu glänzen. Die Handlung selbst erinnerte mich, mit ihren Motiven der sicheren Ehe versus der Leidenschaft, zu sehr an David Leans fantastisches „Brief Encounter“.
Die von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl inszenierte Tragikomödie „Anfang 80“ (2011) ist die perfekte Bühne für Karl Merkatz als Bruno und Christine Ostermayer als an Krebs sterbende Rosa. Die Zufallsbegegnung, nachdem Rosa aus dem Krankenhaus entlassen, zu Hause sterben möchte, führt in der ersten Hälfte zu einer unterhaltsamen Liebesgeschichte, in der Erni Mangold als Brunos betrogene Frau einige tolle Momente bietet. Hiebler und Ertl lassen allerdings zu viele Klischees in die Handlung einfließen und wenn dann „Anfang 80“ zu einer Light-Version von „Amour“ wird, hält das Regie-Duo erbarmungslos drauf. Das gibt dem Film eine unerwartete Tiefe, die aber durch die erste Hälfte ein wenig abgeschwächt wirkt.
Céline Sciammas „Bande de filles“ war für mich der Einstieg in das Werk der französischen Filmemacherin. Ihr Vorgängerwerk „Tomboy“ (2011) ist ein sympathisches und überraschend humorvolles Porträt, der etwa 10 Jahre alten Laure (Zoé Héran), die sich in ihrer neuen Umgebung mit kurz geschnittenen Haaren und in Bubenkleidung, als Michael ausgibt. Sciamma geht es nicht um das „Mysterium“, welches der Zuseher ergründen soll, obwohl die Enthüllung ihres wirklichen Namens (und somit ihres Geschlechts) erst spät passiert. Sensibel inszeniert und großartig gespielt.
Die Filme von F.W. Murnau gehören zur Allgemeinbildung eines jeden Filmfreundes. Doch Murnau hat auch Filme gedreht, die man heute kaum noch zu sehen bekommt und das liegt teilweise an deren Qualität. Etwa bei „Schloß Vogelöd“ (1921), einem Mystery-Stück, in welchem eine Aristokraten-Gesellschaft auf zwei Gäste wartet und die Enthüllung derer Geheimnisse. Ein Film der vor Zwischentitel beinahe untergeht und kaum Atmosphäre zu entwickeln weiß.
Viel zugänglicher und qualitativ höherwertiger nimmt sich „Herr Tartüff“ (1925) aus. Basierend auf dem Stück von Molière, zeigt Murnau die Geschichte eines alten Mannes, der von seiner Pflegerin um sein Vermögen gebracht werden soll. Sein Enkel öffnet ihm mit der Vorführung des Filmes „Herr Tartüff“ (mit Emil Jannings in der Titelrolle) die Augen. Die Meta-Ebene ist großartig und das Stück von Molière die perfekte Vorlage, um Murnau ein böse-witziges Moralstück zu zeigen. Dass er mit Emil Jannings (der schon in „Der letzte Mann“ brillierte) auf einen Schauspieler von Weltrang zählen konnte, trägt natürlich zur Qualität des Filmes bei.
Einer seiner letzten Filme war „City Girl“ (1930), bei dem Murnau schlussendlich abgelöst wurde und der Film von seinem Assistenten zu Ende gedreht wurde. Die vom Studio geforderten nachvertonten Szenen blieben aber nicht erhalten. Heute existiert die Stummfilmversion, die Murnau im Sinn hatte. Im Großen und Ganzen wirkt die Geschichte um den vom Land in die große Stadt kommende Lem (Charles Farrell), der sich in die Kellnerin Kate (Mary Duncan) verliebt und diese heiratet, wie eine Variation von „Sunrise“. Murnau zeigt das schwierige Leben der Frau aus der Stadt, die sich am Land versucht einzufügen, aber von ihrem Umfeld abgelehnt oder nur widerwillig geduldet wird. Die Handlung ist nicht sonderlich überraschend, aber Murnau gelingen einige großartige Momente. Vor allem im Finale, wenn ein Sturm die Farm bedroht und das Schicksal von Lem und Kate am seidenen Faden hängt. Die Auflösung ist jedoch zu melodramatisch und versöhnlich.
Der 1915 entstandene Thriller „Regeneration“ von Raoul Walsh ist ein ganz früher Beweis für die Meisterschaft der Hollywood-Regisseure im Genre-Kino. Das Leben von Owen Conway (Rockliffe Fellowes), der als Gangster Karriere macht und erst durch die Begegnung mit Marie Deering (Anna Q. Nilsson) wieder von kriminellen Bahnen weggelenkt wird, ist nicht nur ein erstklassiger Thriller, sondern auch ein interessantes Milieustück. Einige inszenatorische Mittel sind zu melodramatisch (wie die Einblendung eines Bibelzitates gegen Ende des Filmes), doch bei knapp 75 Minuten Laufzeit bleibt der Film ebenso intensiv wie kurzweilig.
Josef von Sternbergs „The Salvation Hunters“ (1925) ist dagegen etwas behäbiger. 3 verzweifelte Existenzen (ein junger Mann, eine junge Frau und ein von seinem brutalen Vater errettetes Kind) fliehen von den Docks in die Stadt, um dort ein besseres Leben zu führen. Doch dies endet in Verzweiflung und Elend. Das Melodram ist gut gemeint, aber großteils viel zu schwerfällig.
Die Venus mit den 1000 Gesichtern / http://www.arte.tv/papi/tvguide/images/1494574/W940H530/061689-000-A_venus1000gesichter_20-1445222972664.jpg

The 1001 Project
Ida Lupinos „The Bigamist“ (1953) hätte ganz leicht ein reißerischer Film werden können. Stattdessen erzählt sie überaus sensibel und nüchtern von Harry Graham (Edmond O’Brien), der mit seiner Frau Eve (Joan Fontaine) ein Kind adoptieren will. Doch ungefähr zur selben Zeit verliebt er sich in Phyllis (Ida Lupino) und gründet mit ihr eine Familie. Anstatt ihn zu verdammen, zeigt Lupino die beiden Ehen mit großer Sensiblität und Zurückhaltung. So fühlt man mit einem Mann mit, den man bei anderen Inszenierungen wohl der Lächerlichkeit Preis gegeben hätte. Die finale Auflösung im Gerichtssaal zeigt von der großen Könnerschaft Lupinos, die aus einem Drama geradezu einen Thriller erschuf.
The Bigamist / http://p7.storage.canalblog.com/77/30/110219/69683698.png

Re-Visited
Angesichts des Kino-Starts von „Spectre“, musste wieder einmal das hervorragende Bond-Abenteuer „Skyfall“ (2012) gesichtet werden. Auch in der erneuten Ansicht ist die Jagd von Bond auf den exzentrischen aber von Javier Bardem auch äußerst intensiv gespielten Silva unterhaltsam und spannend. Der Quasi-Neubeginn von Bond, der mit „Casino Royale“ eingeläutet wurde, fühlt sich in „Skyfall“ unter Sam Mendes‘ Regie tatsächlich wie ein neuer Weg an.
Auch bei der erneuten Ansicht ist „Mad Max: Fury Road“ (2015) von George Miller ein imposanter Action-Ritt, der mit großartigen Stunts und starken Charakteren überzeugt. Die Handlung mag auch beim zweiten Blick weiter eine dünne Ausrede für einen wilden Road Movie sein, doch das stört kaum.
Je öfter ich „Glen or Glenda“ (1953) von Ed Wood sehe, desto besser gefällt er mir. Als hätte Wood eine Dokumentation gedreht, arbeitet er sich durch die brisante Thematik. Dass er aber weder die finanziellen Möglichkeiten noch das Feingefühl besaß, um tatsächlich einen sensiblen Film zu kreieren. Stattdessen wechseln Archivaufnahmen mit den etwas wirren Monologen von Bela Lugosi und surrealen Traumsequenzen. Ein fantastischer Trash-Film, mit einer wichtigen Botschaft.

Serien-Überblick
Sterling Archer ist wieder zurück! In Staffel 6 von „Archer“ (2015) sind die Agenten aus ihrer Drogendealer-Zeit zurückgekehrt und arbeiten unter der Fuchtel des CIA. Die Aufträge werde ihnen zumeist von Slater (Christian Slater mit ganz viel Selbstironie) zugetragen, und sind in der Tat stets aussichtslose Missionen, bei denen die Crew zum Scheitern verurteilt ist. Das ändert natürlich nichts daran, dass Archer und Co. mit allen möglichen Mitteln versuchen, doch erfolgreich zu sein und wenn nicht, dann zumindest mit dem Leben davon zu kommen. Nach dem nicht immer geglückten Ausflug als „Archer Vice“ in Staffel 5, ist dies ein „Back-to-the-Roots“-Modell, welches meist erfolgreich ist. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass dem Team rund um Adam Reed nicht die Ideen ausgehen.
Mit „The Strain“ konnten Guillermo del Toro und Chuck Hogan der ausgeleierten Vampir-Formel neues Leben einhauchen. Mit viel Sinn für Horroreffekte, aber auch den Unterhaltungswert solcher Arbeiten (kein Vergleich zum immer zäheren und verkrampft ernsthafteren „The Walking Dead“ und seine humorlosen Zombies) ist die 1. Staffel (2014) ein überraschend frischer Blick auf Dracula und Van Helsing. Corey Stoll führt den menschlichen Widerstand an und es wird interessant zu sehen sein, wie sich die Serie in Staffel 2 weiter entwickelt. Auch wenn einige Entwicklungen zu vorhersehbar und typisch waren.
The Strain / http://cdn.hitfix.com/photos/5549114/thestrain_pilot_1_1200.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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