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Der Dezember stand ganz im Zeichen von „Star Wars“. Ob Episode VII – The Force Awakens oder die im Vorfeld des Neustarts durchgeführten erneuten Sichtungen der vorhergehenden Filme. Dennoch schafften es gerade die in Konkurrenz dazu auftretenden Werke, Paroli zu bieten. Todd Haynes‘ „Carol“ gehört zu den besten Filmen des Jahres und auch Jennifer Lawrence konnte in „Joy“ auftrumpfen. Dass zum Jahresende auch noch die 2. Staffel von „The Knick“ sowie die 5. Staffel von „Homeland“ zu sehen waren, rundeten das Jahr schön ab.

Neuzugänge
Zehn Jahre nach dem Abschluss der Prequel-Trilogie, kommt mit „Star Wars: Episode VII – The Force Awakens“ unter der Regie von J.J. Abrams die neueste Generation der Sternensaga ins Kino. Während alte Helden wie Han Solo (Harrison Ford), Leia Organa (Carrie Fisher) und der erst ganz am Schluss zu sehende Luke Skywalker (Mark Hamill) als Verbindung für die alten Fans dienen, bekommen die neuen Zuseher eine verjüngte Darstellerriege und ein neues Heldenbild präsentiert. Diesmal ist es die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley), die gemeinsam mit dem desertierten Sturmtruppler Finn (John Boyega) versucht, den Droiden BB-8 zu den Rebellen zu schaffen. Abrams zitiert in seinem Werk derartig viel aus den Episoden IV – VI, dass man es kaum als eigenständiges Werk betrachten kann. Tricktechnisch ist dies natürlich ein Genuss und wie schon beim Star Trek-Reboot, gelingt es Abrams auch hier, seinen eigenen Stempel aufzudrücken und dennoch die Integrität der Marke zu bewahren. Spannend bleibt die Frage, wie sich der von Adam Driver gebrochen gespielte Bösewicht Kylo Ren entwickelt.
Todd Haynes hat sich als einzigartiger Stilist des zeitgenössischen Kinos einen Platz im Filmkanon gesichert. Dabei könnte man ihn oberflächlich als Imitator abkanzeln. So wie „Far from Heaven“ (2002) eine Hommage an Douglas Sirk und auch Rainer Werner Fassbinder war, so zollt sein neuester Film „Carol“ Tribut an all die Melodramen der 1950er-Jahre, die er zitiert und zu neuem Leben erweckt. Haynes schafft es in „Carol“ – basierend auf dem Roman „The Price of Salt“ von Patricia Highsmith – die Liebesgeschichte zwischen der mondänen Hausfrau Carol (Cate Blanchett) und der jungen Verkäuferin Therese (Rooney Mara) ohne jeglichen Sensationalismus zu inszenieren. Es ist eine behutsam erzählte Annäherung zweier Frauen, bei der Gesten und Blicke eine große Bedeutung erhalten. Immer wieder blickt der Zuseher durch verregnete Fenster und erhält auch so nur langsam Einblick in das Innenleben der beiden Frauen. Ihre Sorgen und Konflikte lässt Haynes prominenter in die Handlung einfließen, als dies womöglich in anderen Melodramen zu erwarten war. Dank zweier fantastischer Hauptdarstellerinnen (wobei auch Kyle Chandler als Carols Ehemann und Sarah Paulson als ihre beste Freundin glänzen) und des Stilbewusstseins von Haynes (dessen Kameramann Ed Lachmann für großartige Bilder sorgt), gelingt „Carol“ beinahe auf ganzer Linie. Als Liebhaber des mutigen Kinos á la Haynes (siehe „I’m Not There.“) mag „Carol“ aber beinahe ein wenig zu betulich wirken.
Bill Condon und Ian McKellen arbeiteten zuletzt bei der James Whale-Biografie „Gods and Monsters“ zusammen, die McKellen eine Oscar-Nominierung einbrachte. Für seine Arbeit als langsam immer seniler werdender Sherlock Holmes, könnte man McKellen ohne schlechtes Gewissen erneut eine Oscar-Nominierung zusprechen, doch „Mr. Holmes“ ist in seiner Gesamtheit zu betulich. Ein inhaltlich unnötig überladener, visuell langweiliger Film, dessen Hauptattraktion der famose McKellen ist, während Condon im Stil eines Fernsehspecials den Film vor sich hin plätschern lässt.
Jennifer Lawrence in einem Film von David O. Russell. Zum dritten Mal haben sich dieses Duo zusammengetan, hinzu kommen Stammdarsteller wie ein groß aufspielender Robert De Niro oder Bradley Cooper. In „Joy“ erzählen sie die Geschichte von Joy Mangano (Lawrence), einer allein erziehenden Hausfrau die den Miracle Mop-Wischmop erfand. Russell erzählt die Geschichte ein wenig konfus und findet keinen wirklichen Fokus, doch die Erzählung rund um Joy und ihre steten Kämpfe innerhalb der Familie und um ihr Geschäft, sind so interessant, dass auch Russells eher missglückte Inszenierung sie nicht zerstören können. Lawrence bietet eine tolle Darbietung inmitten einer dysfunktionalen Familie, die ihr beinahe ausschließlich Missgunst entgegenbringt.
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Benjamin Heisenberg konnte mit seinem grüblerischen Thriller „Schläfer“ und dem intelligenten Psychogramm „Der Räuber“ die Kinowelt begeistern. Sein Wechsel in die Komödie gelingt mit „Über-Ich und Du“ (2014) leider nicht. Georg Friedrich spielt den Kleinganoven Nick Gutlich, André Wilms den Philosophen Curt Ledig. Die Zufallsbegegnung führt zu einigen humorvollen Momenten, doch plätschert der Film so vor sich hin, darauf wartend, dass die skurillen Momente sich zu einem Ganzen zusammen fügen.
Tom Hardy und Gary Oldman als Militärpolizisten, auf der Jagd nach einem Kindermörder. „Child 44“ (2015) hat nicht nur viele Parallelen zu „Gorky Park“, sondern funktioniert auf der Leinwand ebenso wenig, wie der 1980er-Thriller. Als literarischer Pageturner sicher ein Ereignis, doch die Leinwandadaption verharrt in düsterer Atmosphäre und gelangweilter Exposition, die sich im Schauspiel spiegelt.
Bertrand Bonellos Darstellung eines Bordells im Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts, mag ein wenig Geduld benötigen, um für sich einzunehmen, doch dann kommt man kaum mehr davon los. „L’Apollonide – Souvenirs de la Maison Close“ (2011) beherbergt eine faszinierende Zahl an interessanten Charakteren und gibt jedem den nötigen Raum. Der Untergang dieser Lebensform wird mit ein wenig Wehmut, und vielen philosophischen Betrachtungen erzählt.
Im Rahmen der Landkrimi-Reihe, inszenierte der viel zu früh verstorbene Michael Glawogger „Die Frau mit einem Schuh“ (2014). Das in Niederösterreich angesiedelte Mysterium um den entdeckten Leichenteil mit einem Frauenschuh, führt Nina Proll und Karl Fischer als Landpolizisten auf die Suche nach einem Mörder im Ort. Edel besetzt (Johannes Krisch und Edita Malovic sind noch als Paar zu sehen) sorgen für kurzweilige Krimi-Unterhaltung, doch das Mytsterium ist wenig einnehmend und visuell bleibt dieser Krimi auch ein wenig hinter den Erwartungen zurück.
Mehr vom Lokalkolorit fing Nikolaus Leytner in „Der Tote am Teich“ (2015) ein. Maria Hofstädter ermittelt im Mühlviertel im Fall eines Linzer Urlaubers, der tot auf einem zugefrorenen Teich entdeckt wird. Josef Hader ist als pensionierter Dorfpolizist die perfekte Ergänzung, auch wenn sich die Wege der beiden nur selten kreuzen. Viel mehr Zeit verbringt Leytner damit, die Dorfdynamik aufzuschlüssel und Hader sowie seine Filmmutter Erni Mangold gemeinsame Szenen spielen zu lassen. Wie auch bei Glawogger, ist auch bei Leytner das Mysterium um den Mord, wenig interessant. Doch gelingt es Leytner einen eigenen visuellen Stil zu etablieren und es hilft, dass das lakonische Spiel der beiden Stars den Film immer wieder über behäbigere Momenten hinweg rettet.
Die französische Komödie „Bis“ (2015) verpflanzt Kad Merad und Franck Dubosc in ihre Jugend in die 1980er zurück. Zwei erfolgreiche, aber mit ihrem Leben unzufriedene Männer, die beschließen, das Leben ab der Matura neu zu leben und neue Lebenswege einzuschlagen. Doch natürlich gehen die Pläne schief. Eine unterhaltsame aber nur in wenigen Szenen wirklich inspirierte neue Version der Zeitreisekomödie.
Weihnachten steht vor der Tür und Netflix versetzt das Publikum mit dem Special „A Very Murray Christmas“ (2015) in Festtagsstimmung, oder zumindest unterhält man für eine gute Stunde. Denn unter der Regie von Sofia Coppola, ist Bill Murray in bestem „Lost in Translation“-Modus unterwegs. Als Schauspieler, auf dem Weg zu einem Fernsehspecial, zu dem keiner seiner Hollywood-Freunde kommen konnte oder wollte. Die melancholische Grundstimmung zieht sich durch das überraschend traurige Weihnachtsspecial und kippt erst am Ende in eine feierliche Traumvision mit Gaststars George Clooney und Miley Cyrus. Coppola verschenkt ein wenig die Möglichkeit, über die Meta-Ebene hinaus zu zeigen, wie Bill Murray in der Sinnkrise zu sich selbst findet. Doch stattdessen lehnt sie sich zurück und genießt die Starauftritte sowie Murrays Spiel mit seinem Image. In unserem Dialog beschäftigten wir uns ein wenig mit dem Weihnachtsspecial.
Kevin Kline ist als Amerikaner, der die von seinem verstorbenen Vater geerbte Wohnung in Paris in Anspruch nehmen will, einfach herrlich. Hinzu kommt eine wie üblich unwiderstehliche Maggie Smith als alte Mieterin. Dass Israel Horovitz bei der Adaption seines Theaterstücks „My Old Lady“ (2014) auf solch großartige Darsteller (hinzu kommen Kristin Scott Thomas und Dominique Pinon) vertrauen konnte, lässt den Film wie von selbst gelingen. Dabei gelingt Horovitz es jedoch nicht, einen Grund zu liefern, weshalb dieser Theatertext eine filmische Version erfährt. So stellt man sich ständig die Frage, weshalb man nicht eben im Theater sitzt und diesem charmanten Ensemble zusieht.
Kevin Hart ist in den USA in den letzten Jahren zu einem Comedy-Star aufgestiegen, während er hierzulande noch weitgehend unbekannt ist. Ihn mit dem bekannteren Will Ferrell zusammenzuschließen, erscheint reizvoll. Zudem ist Ferrell als ebenso arroganter wie zugleich herzlich naiver Broker traumhaft und Hart darf als Leinwandgewordener Sitcomcharakter ebenfalls glänzen. Die beiden Darsteller geben sich in „Get Hard“ (2015) auch die größte Mühe, doch das Material ist einfach unfassbar infantil. So viele Gelegenheiten gäbe es bei der Geschichte um den zu 10 Jahren Gefängnis verurteilten Jason King (Ferrell), der bei seinem schwarzen Mechaniker Darnell (Hart) Hilfe sucht, um im Gefängnis zu überleben. Stattdessen bleiben die wahren amüsanten Momente rar gesät. Schade, wenn man bedenkt welche Möglichkeiten der bösen und satirischen Komödie hier möglich gewesen wären.
Sin-Dee und Alexandria arbeiten zu Weihnachten in ihrem Block, am Transvestitenstrich. Als die gerade aus dem Gefängnis entlassene Sin-Dee erfährt, dass ihr Zuhälter ihr nicht treu war, macht sie sich auf, die Wahrheit zu erfahren. Sean Baker vermischt diese Geschichte, mit jener einer armenischen Familie, deren Schicksal sich mit jenem von Sin-Dee (die von einem Showbiz-Auftritt träumt) überschneidet. Die Darstellerinnen in „Tangerine“ (2015) wirken allesamt authentisch und Bakers Kamera lässt einen nah ans Geschehen ran, doch das große Interesse entstand dennoch nicht.
Nachdem mir „Frances Ha“ keineswegs gefiel, war ich in Bezug auf „Mistress America“ (2015) recht skeptisch. Doch die Kombination Noah Baumbach-Greta Gerwig, sorgt diesmal für beste Unterhaltung. Lola Kirke spielt eine junge College-Studentin, die ihre Bald-Stiefschwester Brooke (Gerwig) kennenlernen soll. Die so reif und souverän wirkende Brooke, hat einen entsprechenden Einfluss, doch das Getue von Brooke wird schon bald demaskiert. Im Gegensatz zum romantisierten „Frances Ha“ eine erfrischend satirische Sicht auf die so genannten „Millenials“.
Mit „Kreuz des Südens“ (2015) rückt diesmal das Burgenland in den Fokus bei den ORF-Landkrimis. Andreas Lust kehrt als karenzierter Polizist in die burgenländische Heimat seines verstorbenen Vaters zurück. Wie schon zu erwarten, wird der „Zuagraste“ mit wenig Freundlichkeit empfangen. In seinen besseren Momenten wirkt Eders Inszenierung, wie eine Brenner-Kopie. Doch zumeist fährt man eher in „Trautmann“-Fahrwasser. Unterhaltsam, aber aus der Menge nicht sonderlich herausstechend.
Christian Petzold liefert in den letzten Jahren einen großartigen Film nach dem anderen. Immer wieder in der Hauptrolle zu sehen ist dabei Nina Hoss. In „Phoenix“ (2014) spielt sie eine KZ-Überlebende, die das Schicksal ihres Mannes (Ronald Zehrfeld) ergründen will. Dabei taucht sie tief in das noch immer von der Nazi-Diktatur geprägte Deutschland ein. Petzold macht aus einem ausgelutschten Genre, einen spannenden Thriller, der in der geistigen Tradition von Werken wie „Die Mörder sind unter uns“ steht.
Die auf arte gesichteten Kurzfilme „Herman the German“ (2015) und „Paulina“ (2012) zeigen die Bandbreite des Nachwuchsfilms. Während Ersterer eine satirische Mockumentary über einen Bombenentschärfer ist, der plötzlich keine Angst mehr hat und jede Art der Phobie durcharbeitet, ist Zweiterer ein sensibler Liebesfilm um eine Frau, die aufgrund einer angeborenen Krankheit immer knallrot anläuft. Beide Werke zeigen sich in ihrem Erzählstil sicher und unterhalten, ohne das für Kurzfilme so oft beobachtete Phänomen der Überlänge.
80 Jahre alt ist Woody Allen. Deshalb war die Ausstrahlung der Dokumentation „Woody Allen: A Documentary“ (2011) von Robert B. Weide geradezu vorprogrammiert. Ohne zu tief in die Schattenseiten des privaten Lebens Allens einzutauchen (vor allem da die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs erst nach Entstehung des Filmes erhoben wurden), wird hier vor allem der Werdegang Allens gefeiert und sein filmisches Erbe bewundert, auch wenn vor allem seine Dürreperiode zwischen „Deconstructing Harry“ und „Match Point“ nicht unangesprochen bleibt.
Als Cameron Crowe mit „Elizabethtown“ die Filmwelt „beglückte“, schien die vielversprechende Karriere des einstigen Musikkritikers auf Abwege zu geraten. Doch erst mit dem so schmerzhaft erneut an „Elizabethtown“ erinnernden Fehlschlag „Aloha“ (2015) stellt sich die Frage, ob Crowe nicht neue Impulse benötigt, um wieder zu alter Stärke („Almost Famous“) zurückzufinden. In unserem Dialog sprechen wir über das auf Netflix seine Premiere feiernde Debakel in Starbesetzung.
Matthias Glasners „Gnade“ (2012) ist mit Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr hervorragend besetzt. Doch die ein Ehepaar am Nordkap spielenden Edelmimen, können gegen die imposante Landschaft nicht ankommen. Noch nicht einmal die Fahrerflucht der von Minichmayr gespielten Maria, weckt großartig Interesse, denn Glasner hat in einem viel zu ruhigen Stil, den Film regelrecht eingeschläfert.
„Assault on Precinct 13“ (2005) ist das Remake eines B-Movies von John Carpenter. Ethan Hawke als aufrechter Cop und Laurence Fishburne als verschlagener Krimineller, bilden ein Team wider Willen, als korrupte Cops die Polizeistation angreifen, in welcher der Gangster untergebracht wurde. Großteils ist das ein effektiver B-Movie, aber er unterscheidet sich kaum von DVD-Filmen derselben Machart.
Anlässlich des Todestages von Frank Sinatra, zeigte der ORF mit „The Man with the Golden Arm“ (1955) jene Darstellung, die sein darstellerisches Talent nach seinem Oscar für „From Here to Eternity“ noch einmal bestätigte. Als Frankie Machine, versucht er nach seinem Gefängnisaufenthalt als Schlagzeuger auf legalem Weg wieder in die Gesellschaft zurückzufinden. Doch die Vergangenheit und vor allem seine Drogensucht lassen ihn nicht los. Während aus heutiger Sicht vor allem der Entzug weit nicht mehr so intensiv und dramatisch wirken, wie damals, ist der von Otto Preminger inszenierte Film ein beeindruckendes Beispiel für einen wagemutigen Regisseur und einen Superstar, der ein Risiko einging.
Die von Annette Baumeister gedrehte Dokumentation „Frank Sinatra – Die Stimme Amerikas“ (2015) kann derweil nur wenig Neues über Ol‘ Blue Eyes liefern. Die bekannten Fakten aus seinem Leben, werden allerdings unterhaltsam vermittelt und vor allem seinen Anfängen wird erfreulich viel Zeit gewidmet.
Der kanadische Kriegsfilm „Rebelle“ (2012) von Kim Nguyen erweckt oft den Eindruck, als wäre er ein Vorläufer für den so immens beworbenen „Beasts of No Nation“ gewesen. Aus der Sicht der 14 Jahre alten Komona (Rachel Mwanza), die ihrem ungeborenen Kind, von ihrem Schicksal und ihrem Vater erzählt, zeigt Nguyen beinahe dieselben Ereignisse, die auch Fukunaga in seinem Werk aufbereitet. Nguyen ist jedoch weniger direkt, und geht mit vielen poetischen Einstellungen zu Werke. Ein wunderschön gefilmter Film, der aber nicht so ganz die Kraft entwickelt, die man bei dieser Thematik erwartet. Hauptdarstellerin Mwanza hingegen beeindruckt auf ganzer Linie.
Mit „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ (2015) verewigt Andreas Prochaska, der aktuell wohl erfolgreichste kommerzielle Filmemacher des Landes, das Bundesland Kärnten in der Reihe der Landkrimis. Prochaska inszeniert einen sauberen aber auch Überraschungsarmen Krimi, rund um die Ermordung einer Dorfschönheit, deren im Landtag sitzender Vater natürlich ebensoviel mit dem Mord zu tun hat, wie die verschworene Dorfgemeinschaft. Der arrogante Stadtkommissar (herrlich: Simon Hatzl) und der von den Einwohnern nicht ernst genommene Dorfpolizist Hannes Muck (Gerhard Liebmann) sind die Highlights des vorhersehbaren Geschehens.
So langsam habe ich alle Filme mit James Spader gesichtet. „The Rachel Papers“ (1989) nach einem populären Roman aus den 1970ern, wurde von Damian Harris in all den damals modernen Formen inszeniert, die er sich denken konnte. Dazu gehören auch heute geradezu vorsintflutlich wirkende PC-Anwendungen des Helden Charles. Dexter Fletcher spielt den arroganten Schnösel, für den das Publikum votieren soll, mit allen möglichen britischen Klischees, die zur Verfügung stehen. Ione Skye gibt das Objekt seiner Begierde. Mehr ist sie auch nicht. Daneben bleiben James Spader als schmierigem Freund Rachels und Jonathan Pryce als durchgedrehtem Schwager Charles‘ wenige Gelegenheiten, um eigene Akzente zu setzen. Ein irritierender Film.
Irritierend war auch die Zusammenarbeit von Matthias Glasner und Jürgen Vogel in „Der freie Wille“ (2006). Schon die ersten Szenen in denen Vogel als Theo auf Jugendliche in einer Küche losgeht, nur um kurz darauf eine junge Radfahrerin zu vergewaltigen, sind schwer verdaulich. Danach lässt sich Glasner beinahe drei Stunden Zeit (die sich noch dazu viel länger anfühlen), um den nunmehr therapierten Theo und die junge Nettie (Sabine Timoteo) zueinander zu führen. Die Beziehung der beiden entwickelt sich sehr natürlich und erweckt keinerlei aufgesetzten Eindruck. Dafür lässt aber Glasner dann viel zu oft Szenen einfließen, die geradezu gedreht wurden, um zu provozieren. So etwa eine Vergewaltigung auf der Damentoilette durch ein ehemaliges Opfer. Hier fällt es schwer nachzuvollziehen, was Glasner aussagen wollte, oder ob er sein Publikum aus dem bedrückenden Elend mit Gewalt herausreißen wollte.
Der mit Puppen in Szene gesetzte Animationskurzfilm „Il cortile“ (2011) zeigt drei Generationen in einem Haus, die versuchen, miteinander zu kommunizieren, dies aber nicht schaffen. Die Mittel der Kontaktaufnahme laufen aneinander vorbei. Ein technisch ansehnlicher, inhaltlich ein wenig banaler Film.
In dem iranisch-französischen Drama „Yek Khanévadé-e mohtaram“ (2012) kehrt ein Professor nach über 20 Jahren aus dem Exil zurück, um an einer Universität am iranischen Land zu unterrichten. Seine bevorstehende Abreise und Probleme mit dem Pass, sind nur der Beginn einer tief in die Familiengeschichte führende Auseinandersetzung mit der iranischen Diaspora und den Mitteln und Wegen, durch die Familien in Zeiten des Umsturzes an ihr Vermögen gelangten. Das ist in der Theorie spannend, aber in der behäbigen Inszenierung von Massoud Bakhshi gehen all diese Aspekte ein wenig unter.
Pete Doherty als „Libertine“ an der Seite von August Diehl, während Charlotte Gainsbourg seine Auserwählte spielt. „Confessions of a Child of the Century“ (2012) ist allein aufgrund der Besetzung in der Hauptrolle ein kurioser Film. Doherty passt in die Rolle des von Weltschmerz erfassten Libertine, doch seine Schauspielkunst ist bescheiden, was vor allem in den gemeinsamen Szenen mit Gainsbourg schmerzhaft offensichtlich wird. Diehl hingegen übertreibt maßlos, was den stoisch immer gleich drein blickenden Doherty dann wieder ein wenig erträglicher macht. Dass die knapp zwei Stunden zudem zäh mit Betrachtungen zur Liebe verbracht werden (ohne auf die Politik auch nur ein wenig einzugehen) macht den Film nicht besser.
Im Rahmen eines weihnachtlichen Kurzfilm-Blocks, wurden vier Filme von und mit Charlie Chaplin präsentiert. Allesamt stammen aus dem Jahr 1915. In „The Champion“ gerät Chaplin in eine Box-Trainingseinheit, wo er aufgrund eines Hufeisens, den Einser-Boxer umhaut und schließlich in einem Kampf mit dem Champion landet. Hier scheint Chaplin seine Inspiration für die Boxsequenz in „City Lights“ gefunden zu haben. Als Kurzfilm amüsant, aber noch nicht so ausgereift wie später im Spielfilm. In „A Woman“ begibt sich Chaplin in eine Verkleidung als Frau und verwirrt die Männer eines gutbürgerlichen Hauses. Simpel, effektiv aber nicht sonderlich komplex. „A Night in the Show“ ist etwas komplexer und zeigt Chaplin in einer Doppelrolle als feiner Gast und als Mr. Pest, ein betrunkener Rowdy auf den billigen Plätzen. Dieser Film wirkt wie eine Remineszenz an seine eigene Varieté-Zeit, doch die Scherze sind oft sehr plump, was den Sehgenuß ein wenig einschränkt.
Der amüsante Revuefilm „Maskerade“ (1934) von Willi Forst bietet alles auf, was zu jener Zeit Rang und Namen in Österreichs Film- und Theaterlandschaft hatte. Da macht es nicht wirklich etwas aus, dass ein Hans Moser beinahe verschenkt wird, in einer kleinen Nebenrolle. Die Haupthandlung um ein Nacktgemälde, dessen Model für Verwirrung in der Gesellschaft sorgt, ist keiner großen Aufregung wert, sondern vielmehr nur Vorwand, um die Stars beim Spielen zu betrachten.
Dank Netflix kam ich zur Sichtung zweier Dokumentationen, die ich mit „gut gemeint“ zusammenfassen würde. In „Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom“ (2015) wird Amateurfilmmaterial von Maidan-Demonstranten präsentiert und dabei mit Interviews vermischt. Dies bietet einen einzigartigen Blick in die sich langsam immer mehr aufschaukelnde Situation in Kiew und der Ukraine, doch fehlt dem Film der größere Fokus. Es ist zu einseitig gehalten, wenngleich die Bilder für sich beeindruckendes Zeugnis über die kriminellen Machenschaften eines Regimes ablegen. Die unwidersprochenen Aufrufe der radikaleren Demonstranten fügen dem Film jedoch ein klein wenig Schaden zu. Ebenfalls ein wenig zu einseitig erscheint die Verfilmung des Sachbuch-Bestsellers „Freakonomics“ (2010). In verschiedene Segemente unterteilt (unter der Regie verschiedener US-Dokumentarfilmstars wie Eugene Jarecki oder Morgan Spurlock), werden diverse Wirtschaftswissenschaftliche Thesen überprüft. Dies funktioniert mal hervorragend (wie jene der Namensgebung verbunden mit den beruflichen Chancen) und mal weniger gut (die Korruption im japanischen Sumo-Verband ist interessant, wird aber ein wenig gar hastig abgehandelt).
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The 1001 Project
Die Oper „Carmen“ von Bizet wird von Otto Preminger mit einer rein afro-amerikanischen Besetzung als „Carmen Jones“ (1954) inszeniert. Dorothy Dandridge gilt rein mit dieser Rolle als Vorkämpferin für die Rechte von Minderheiten, im Showgeschäft, aber das soll nicht davon ablenken, dass sie noch dazu grandios spielte. Die resolute Carmen und ihr Freund Joe (Harry Belafonte) irren durch eine aufgewühlte Gesellschaft inmitten des Zweiten Weltkrieges. Die Handlung folgt ansonsten dem Libretto von Bizet, doch interessiert mehr, wie Preminger eine in den 1950ern provokante Idee unterhaltsam umsetzte. Heute wirkt das ein wenig angestaubt.

Re-Visited
Der zweitteilige Fernsehfilm „Aufschneider“ (2010) ist womöglich noch immer David Schalkos beste Arbeit. Josef Hader als grimmiger Pathologe, dessen Ex-Frau (Ursula Strauss) mit dem von ihm so verhassten Primar (Oliver Baier) eine Beziehung hat, ist in bester Spiellaune. Das ursprünglich als Mini-Serie geplante TV-Ereignis, ist voller bitterbösem Humor und abgründiger Scherze über Tod, Leichenschändung und Beziehungsprobleme. Einzig die von Tanja Raunig gespielte Feli und ihre Beziehung zum von Manuel Rubey gespielten Nachwuchspathologen, passt so gar nicht in das so fein konzipierte Personal und stört meist nur.
Zehn Jahre nach dem letzten Star Wars-Film, ist ein neuer Teil in den Kinos zu bestaunen. Grund genug um sich die sechs Vorgängerwerke zu Gemüte zu führen. Die von kaum einem Fan geliebte „Prequel“-Trilogie begann 1999 mit „Star Wars: Episode I – The Phantom Menace“ unheilvoll, als quietschbunter Kinderfilm. Die Effekte können heute noch überzeugen, doch weder sind das Pod Race, noch der Kampf mit Darth Maul genug, um über die kindische Atmosphäre und der furchtbar aufgebaute Hintergrund von Anakin Skywalker hinweg zu trösten. „Star Wars: Episode II – Attack of the Clones“ (2002) ist noch eine Spur verunglückter. Zwar ist Ewan McGregor schon ein wenig in die Rolle des Obi-Wan Kenobi hineingewachsen, doch gruselt man sich regelrecht vor Hayden Christensen, als Anakin, der offenbar seit seiner Kindheit von Padmé (völlig desinteressiert: Natalie Portman) träumt. Diese erzwungene Romanze schläfert den gesamten Film ein, und wenn dann Count Dooku (Christopher Lee) und Yoda zu kämpfen beginnen, wirkt dies nur noch lachhaft.
Das Finale der „Prequel“-Trilogie ist in großen Teil endlich der Film, den man sich wünschte. „Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith“ (2005) taucht mitten in den düsteren Krieg ein und zeigt die Verwandlung von Anakin zu Darth Vader. Zwar hetzt sich George Lucas regelrecht da hindurch, doch ist man froh, endlich einen der besten Bösewichte der Filmgeschichte wieder zu sehen. Auch Ewan McGregor überzeugt als Obi-Wan und man bekommt ein paar tolle Momente zwischen Yoda und dem Imperator.
Die Ur-Trilogie beherbergt die beiden besten Filme der Reihe. Mit „Star Wars: Episode IV – A New Hope“ (1977) schuf Lucas ein erzählerisches Universum, dessen Tragweite er kaum absehen konnte. Noch immer ist es Episode IV, die mich am meisten unterhält, mit der Komik, der vorsichtig aufgebauten Action und den Effekten. Der eindeutig stärkere „Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back“ (1980) unter der Regie von Irvin Kershner, hat die zum Teil bekanntesten Zitate und Momente. Auch wenn mich die Darstellung Yoda als senilem Muppet immer wieder irritiert. Doch alleine die Gefechte auf dem Eisplaneten Hoth übertreffen in mancher Hinsicht den finalen Angriff auf den Todesstern in Episode IV. Zudem darf Harrison Ford seine humorvolle Darbietung noch weiter verfeinern.
Auch bei der erneuten Ansicht von „Avengers: Age of Ultron“ (2015), überwiegen die unterhaltsamen Momente. Der mit Erklärungen und Charakteren vollgestopfte All-Star-Film von Joss Whedon, kann zwar für sich nur schwer funktionieren, doch alleine die Stimme von James Spader als Bösewicht Ultron, entschädigt für allzu ausladende Actionszenen. Dass die Beziehung zwischen Black Widow (Scarlett Johansson) und dem Hulk (Mark Ruffalo) geradezu berührt, ist ebenso auf Whedon zurückzuführen, wie auch dass er immer wieder darauf hinweisen lässt, dass der ganze Film ohnehin keinen Sinn ergäbe.
Auch wenn ich es beinahe schon verdrängt hatte, doch es genügten nur wenige Bilder und schon war mir der gesamte Film wieder im Gedächtnis. „Schachnovelle“ (1960) von Gerd Oswald nach dem berühmten Roman von Stefan Zweig ist ein hervorragendes Beispiel für die Qualitäten von Curd Jürgens, aber auch ein Beispiel dafür, dass qualitativ hochwertiges Kino auch im so oft geschmähten deutschsprachigen Kino möglich war. Im Vergleich mit aktuellen Literaturverfilmungen braucht sich Oswalds Werk keineswegs verstecken. Ein besonderes Gustostückerl ist vor allem der von Mario Adorf mit größtmöglicher Arroganz gespielter Schachgroßmeister.
Weihnachten ist die Zeit, um liebgewordene Rituale durchzuführen. So darf am 24.12. natürlich die Sichtung von „A Charlie Brown Christmas“ (1965) nicht fehlen. Da die Peanuts auch wieder im Kino zu sehen sind, macht die Sichtung dieses Klassikers umso mehr Spaß.
Im Rahmen des Kurzfilmblocks auf arte, war auch „The Tramp“ (1915) zu sehen, in dem Chaplin erstmals seinen legendären Charakter auf die Leinwand schickte. Die Handlung um eine Farm, die Aushilfsdienste des Tramps (der sich mehr um die Arbeit drückt) und eine Räuberbande, die in die Flucht geschlagen wird, ist nicht gerade Chaplins beste Arbeit, aber in Hinblick auf die „Geburt“ des Tramps, ein Muss für jeden Filmfan.
Boris Karloff als Imothep ist immer ein Genuss. Da stört es auch nicht, dass der Horrorfilm „The Mummy“ (1932) von Karl Freund sich stilistisch sehr an „Dracula“ bedient und ein wenig schwächer erscheint. Ein Horrorklassiker, voller schöner Elemente des 1930er-Horrorkinos, wie outrierendem Schauspiel der Nebendarsteller und einem Horrorstar mit geradezu magischem Charisma. Das hohe Tempo und die knackige Spielzeit sind ebenso essenziell und tragen zum Gelingen des Filmes bei.
Kurz nachdem Jean-Pierre Jeunets Märchen „Le fabuleux destin d’Amélie Poulain“ (2001) die Welt eroberte und Audrey Tautou zum internationalen Star machte, konnte ich von den fantastischen Welten der Amélie kaum genug bekommen. Doch wie bei jedem Film, kam auch hier irgendwann einmal die Übersättigung. Jahre vergingen und erst jetzt hatte ich wieder Lust darauf, mir den unglaublich amüsanten, aber auch schwerst romantischen Film über ein in Quasi-Isolation aufgewachsenem Mädchen anzusehen, welches nur langsam die wahre Liebe findet. Großartig besetzt (Mathieu Kassovitz, Dominique Pinon, etc.), mit einem tollen Soundtrack und herrlicher Kameraarbeit, ist Jeunets „kleiner Paris-Film“ ein Allzeit-Klassiker. Jedoch absolut nichts für Zyniker.
Mittlerweile hat J.J. Abrams das Star Wars-Universum erneut wiederbelebt, doch schon 2009 konnte er die „Star Trek“-Filmreihe mit einer nunmehr oft erprobten Origin-Geschichte aus der kreativen Malaise retten. Für viele Star Trek-Fans sind die neuen Abenteuer von Kirk (Chris Pine), Spock (Zachary Quinto) und Co. (darunter tolle Schauspieler wie Simon Pegg, Anton Yelchin, Zoe Saldana, Bruce Greenwood oder Winona Ryder) zu Actionlastige Kinderfilme. Bei der erneuten Ansicht hat sich auch ein wenig von der Frische der Erstsichtung verloren, doch mit viel Action, noch mehr Humor und einem Wissen um das schwere Erbe, ist dieser Neubeginn im alternativen Universum immer noch ein richtiger Genuss.
Die Fortsetzung „Star Trek Into Darkness“ (2013) gilt vielen Fans als schlechtester Film der gesamten zwölfteiligen Reihe. Diese Fans sehen offenbar generös über die Filme V und IX hinweg, aber gut. Mein Problem, dass hier einfach zu sehr auf ein Quasi-Remake des zweiten Filmes gesetzt wurde, anstatt neue Möglichkeiten zu erproben, schwinden, durch die großartige Präsenz von Benedict Cumberbatch. Wie schon der erste Film, hat auch „Into Darkness“ einige Story-Löcher und zu offensichtliche Anspielungen auf den Kanon, die den Erzählfluss ein wenig ins Stocken bringen. Doch unterhält mich auch der zweite Abrams-Film hervorragend, trotz aller Kritikpunkte (alleine das Finale in San Francisco bietet viele Kritikpunkte, die aber mehr einer Entwicklung des Blockbuster-Kinos geschuldet sind).
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Serien-Überblick
Die 6. Staffel der „Simpsons“ (1994) ist ein einziger Aufstieg hinauf zum Serien-Olymp. Mit Episoden wie „Itchy & Scratchy Land“, „Sideshow Bob Roberts“, der „Shining“-Parodie in der jährlichen Halloween-Episode sowie natürlich Homer als Auserwähltem der Stonecutters und selbstverständlich dem ersten Teil der legendären „Who Shot Mr. Burns?“-Episode. Wie schon bei den Staffeln zuvor, scheint es im Rückblick geradezu unglaublich, welche Dichte an erinnerungswürdigen Episoden sich hier wieder finden.
Mit ein wenig Abstand, kam endlich die 2. Staffel von „Peaky Blinders“ (2014) endlich auf meinen Schirm. In der Serie sind ein paar Jahre vergangen, seit den Ereignissen der 1. Staffel. Die Peaky Blinders sehen sich mit neuer Konkurrenz, aber auch neuen Expansionsplänen und Verbündeten konfrontiert. Noah Taylor als Chef der italienischen Mafia und dem wie immer fantastischen Tom Hardy als Boss der jüdischen Mafia, werden die gesamte Staffel lang Allianzen geschlossen und gebrochen. Währenddessen darf Sam Neill als schmieriger Inspector Campbell glänzen. Wie er im Auftrag von Winston Churchhill einerseits die Peaky Blinders vereinnahmt, aber andererseits selbst kaum einen Deut besser agiert, denn die Gangster, ist fantastisch anzusehen. Cillian Murphy ist aber weiter das Gesicht der Serie und er trägt diese mit Souveränität.
Die 7-teilige Serie „Altes Geld“ (2015) ist vor allem ein Beweis dafür, wie sich David Schalko technisch immer weiter entwickelt. Wunderschöne Kameraarbeit, großartige Ausstattung und mit Udo Kier, Sunnyi Melles, Nora von Waldstätten, Manuel Rubey etc. edel besetzt, ist die Serie um den Industriellen Rolf Rauchensteiner (souverän: Kier) und seine Suche nach einer Leber ein wenig zu starr in diesen Einzelteilen stehend. So ist etwa das Ehepaar Brunner der humorvollste und interessanteste Aspekt der Serie. Thomas Stipsits gibt Rauchensteiners Assistent, während er seiner Frau Barbara (Ursula Strauss) vorlügt, ein Globen-Verkäufer zu sein. Doch diese Nebenschauplätze werden nur unzureichend beleuchtet, und die Suche nach der Leber, um das Leben Rauchensteiners zu retten, geht kaum voran. Wirklich nervig wird mit der Zeit hingegen die inzestuöse Liebesbeziehung zwischen Jakob (Rubey) und Jana (von Waldstätten). Nach den ersten beiden guten Folgen, plätschert die Serie leider zu sehr vor sich hin.
Langsam beginnt sich mir die Frage zu stellen, weshalb ich „South Park“ weiterhin betrachte.  Die nur aus zehn Episoden bestehende Staffel 19 (2015) ist der Versuch, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, die erst in der nächsten Staffel ihre Auflösung erfahren wird. Doch „South Park“ funktionierte für mich immer noch am besten, wenn ich lose und ohne Zusammenhang die Episoden heraus picken konnte. Die kreative Entscheidung von Stone & Parker ist nachvollziehbar, doch führt sie zu einigen erzwungen großen Handlungsbögen, die in kleinerem Rahmen (die Superhelden-Parodie) besser passten.
Patrick Stewart als Moderator einer Nachrichtensendung. Das hätte ein Drama werden können, doch unter der Ägide von Serienschöpfer Jonathan Ames und Ko-Produzent Seth Macfarlane, ist „Blunt Talk“ eine zutiefst alberne Satire auf das Nachrichten- und Showbiz-Gewerbe. Dass dabei vor allem der fantastisch aufspielende Stewart als Walter Blunt fasziniert, ist bereits nach wenigen Minuten der Pilotfolge klar. Die 1. Staffel (2015) hat so manch amüsante Episode zu bieten, doch im Endeffekt bleibt alles an Stewart hängen.
Die zweite und offenbar auch letzte Staffel (2015) von „The Knick“ vergrub sich tief in den Obsessionen und Süchten seiner Charaktere. Vor allem der von Clive Owen erneut mit viel Hingabe gespielte Dr. John Thackeray ist nach seiner nur scheinbar überstandenen Drogensucht, wieder zurück im Knickerbocker und scheint in der Therapie von Süchtigen eine neue Bestimmung gefunden zu haben. Doch unter der Regie von Steven Soderbergh, kommt Thacks Schicksal zu einem dramatischen Ende, auch wenn genügend in der Schwebe gelassen wird, um eine weitere Staffel zumindest in den Bereich des Möglichen zu schaffen. Das wäre auch schön, denn vor allem die Charaktere rund um Thack, haben wunderbar interessante Entwicklungen gezeigt. Alleine Lucy Elkins (Eve Hewson) ist immer komplexer geworden, und auch Algernon (André Holland) hat einige Wendungen in seinem Schicksal hinnehmen müssen. Nicht zu vergessen die geradezu herzliche Beziehung zwischen Cleary und der mittlerweile ehemaligen Nonne Harriett (Cara Seymour). Sollte es wirklich bei nur zwei Staffeln bleiben, ist Steven Soderbergh ein fantastisches Serien-Erlebnis gelungen.
Nachdem in der 1. Staffel von „The Strain“ am Ende der Meister sich noch retten konnte und zeigte, dass ihm auch Sonnenlicht wenig ausmacht, sehen sich die Helden in Staffel 2 (2015) der Horrorserie einer immer dichter werdenden Vampir-Epidemie entgegen. Corey Stoll darf als Eph zu seiner Naturfrisur zurückkehren und vor allem den beiden älteren Gegenspielern Abraham Setrakian (David Bradley) und Eldritch Palmer (Jonathan Hyde) wird viel Hintergrund und Komplexität zugestanden. Auch die rechte Hand des Meisters, Eichorst (Richard Sammel), wird mit einem Nazi-Hintergrund ausgestattet. Während diese Entwicklungen unterhalten, verärgern geradezu die Handlungen von Ephs Sohn Zack und auch Eldritchs Assistentin und spätere Geliebte Coco (Lizzie Brochere) benötigt viel Zeit, um sich im Figurenensemble einzuleben. Vor allem da auch ihrem Charakter nicht gerade viel Selbstreflexion zugestanden wird. Die von Guillermo del Toro und Chuck Hogan, auf Basis der von ihnen verfassten Bücher, kreierte Serie, weiß aber das Interesse hoch zu halten. Keineswegs so intensiv oder komplex wie etwa „The Walking Dead“ zu seinen besten Zeiten, aber solide Horror-Unterhaltung mit einer guten Besetzung.
Die fünfte Staffel (2015) der Erfolgsserie „Homeland“ ist erneut ein „Neubeginn“. Nachdem Nicholas Brody mit Staffel 3 starb, waren die Serienmacher gezwungen, in Staffel 4 Carrie und Co. neu zu verorten. Die 4. Staffel in den Mühen des afghanisch-pakistanischen Konflikts mit all seinen geo-politischen Verwicklungen, ist ein Highlight der Serie. Umso schwerer hatte es die 5. Staffel, die in Berlin angesiedelt wurde, mit Carrie (famos wie eh und je: Claire Danes) und ihrer kleinen Tochter. Hacker-Aktivisten, radikale Terroristen, Syrien-Problematik und ein Komplott inmitten der CIA. Die Handlung wurde vollgestopft mit Drehungen und Wendungen, was zwar dem Ensemble (Mandy Patinkin, Rupert Friend, Miranda Otto, Nina Hoss, Sebastian Koch und mehr) die Möglichkeit gibt, viele tolle einzelne Auftritte zu absolvieren, doch zerdehnt sich dadurch die Handlung und ist an manchen Stellen ein wenig zu unwahrscheinlich und zugleich zu zerdehnt. Beinahe zu ambitioniert.
Ambition kennzeichnet auch die 2. Staffel (2015) von „The Leftovers“. Die Familie Garvey siedelt sich in dem Ort Miracle an, wo kein Mensch „verschwand“. Das führt zu interessanten neuen Charakteren, doch vor allem Christopher Ecclestone als vom Schicksal geprüfter Pfarrer, mit seiner paralysierten Frau, fasziniert in dieser Staffel. Auch sind die Momente zwischen Kevin (Justin Theroux) und Patti (Ann Dowd) sehr gelungen. Das Tempo wurde erhöht und so marschiert man auf eine finale 3. Staffel zu, die noch viele Fragen zu beantworten hat, aber im Gegensatz zur etwas zu ruhigen 1. Staffel, ist man diesmal richtig gespannt auf die Fortsetzung der Ereignisse.
Michael Palin als Rentner, der in den Tod einer Sozialarbeiterin verwickelt ist und Mark Addy als ermittelnder Polizist. Die Mini-Serie „Remember Me“ (2014) von Gwyneth Hughes beginnt wie ein mit brennenden sozialen Fragen aufgefetteter Krimi und verwandelt sich aber doch relativ schnell in einen Mysterythriller rund um indische Geisterrituale. Für sich genommen funktioniert die Serie ganz gut, doch hätte man sich beinahe mehr ein geradliniges Drama gewünscht, wenn man die imposante Darbietung Palins betrachtet, der geradezu in seinem Charakter versinkt. Der wie üblich sympathische Mark Addy bietet einen ansehnlichen Gegenpunkt, zu Palin. Interessant, aber nicht so ganz mein Fall.
Zu meinem Erstaunen, habe ich offenbar noch keine Staffel der erfolgreichen Polit-Serie „House of Cards“ hier verewigt. Nun denn, in Staffel 3 (2015) haben die Underwoods (wieder perfekt gespielt von Kevin Spacey und Robin Wright) das Präsidentenamt erobert, doch der Alltag bereitet ihnen Schwierigkeiten. Von Parteiintrigen über Arbeitsplatzprobleme bis hin zu internationalen Krisen (hier steht vor allem ein Konflikt mit dem russischen Präsidenten, gespielt von Lars Mikkelsen, im Vordergrund). In der 3. Staffel müssen die Underwoods endlich wieder ein paar Probleme aus dem Weg räumen, beruflich wie privat und im Gegensatz zu Staffel 2, wo alles ein wenig zu einfach und geradlinig verlief, sind die Hürden nicht immer überwindbar. Einige Charaktere machen jedoch eigenwillige Entwicklungen durch. So etwa Doug Stamper (Michael Kelly), der sich von dem Überfall von Ende der 2. Staffel erholt, zum Überläufer, Intriganten und schließlich braven Rückkehrer und Erfüllungsgehilfen wird. Die mit ihm zusammenhängenden Handlungsstränge verliefen oft in der Langeweile. Hingegen überzeugte Paul Sparks als Autor Tom Yates, der im Auftrag des Präsidenten ein Propagandabuch schreiben soll. Er ist es auch, der viele private Probleme der Underwoods erkennt und für den Zuseher offen legt. So ist die Saat für eine abwechslungsreiche 4. Staffel gelegt, denn trotz hoher Qualität, stockt das Interesse allmählich.
Basierend auf einem Roman von Arthur C. Clarke, unternimmt die dreiteilige SyFy-Mini-Serie „Childhood’s End“ (2015) den ambitionierten Versuch, intelligente Genre-Unterhaltung in einem trashigen Umfeld zu präsentieren. Zu meiner Überraschung funktioniert dies auch sehr lange. Als eine außerirdische Intelligenz die Menschheit besucht und die Kontrolle über einen Teil ihres Lebens übernimmt, geschieht dies zum Vorteil der Menschen. Frieden und Wohlstand treten ein, natürlich nicht ohne Widerstände einer vor den „Overlords“ skeptisch in die Zukunft blickenden Gruppe. Vor allem im ersten Teil zeigt die Produktion ihre ganze Stärke, auch auf tricktechnischer Ebene. Doch dann beginnen diverse Handlungsstränge einen zu vorhersehbaren Verlauf zu nehmen. Im Endeffekt kann die Mini-Serie ihre großen Ideen nicht wirklich weiter vermitteln, doch zumindest bleiben einige einprägsame Momente und ein toll mit seiner charismatischen Stimme arbeitender Charles Dance als Karellan.
The Knick - Season 2 / http://cdn.hitfix.com/photos/6104059/knick-the-season-2-teaser_article_story_large.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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