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Ins Kino ging es im Juli nur ein einziges Mal und mit dem neuesten „Star Trek“-Abenteuer war dies ein lohnenswerter Ausflug. Im Gedächtnis blieben dann auch vor allem Filme, die im Kino übersehen, aber zu Hause genossen wurden. „Green Room“, „10 Cloverfield Lane“ oder das Jazz-Doppel „Miles Ahead“ und „Born to Be Blue“.

Neuzugänge
Der dritte Film der neu aufgelegten „Star Trek“-Kinofilme wirkt wie ein Rückgriff in alte Serienzeiten. In „Star Trek Beyond“ findet sich die Enterprise in einem unbekannten Teil des Universums wieder, und wird von einer unbekannten Macht (in Form des von Idris Elba gespielten Bösewichts Kral) angegriffen. Dem Drehbuch merkt man die Handschrift von Simon Pegg an, denn die Dialoge haben mehr Witz, die Handlung nimmt sich nicht allzu ernst und die Actionszenen machen hauptsächlich Spaß. Dem stehen Logiklöcher von immenser Größe gegenüber, fast so wie in den alten Filmen. Der neue Film der so genannten „Kelvin Timeline“ ist leichtgewichtiger und öffnet die Türen zu den Alt-Trekkies, die sich mit dem Reboot noch immer nicht ausgesöhnt haben.
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Ein Film über das Leben von Lance Armstrong war schon in Planung, als er noch der gefeierte Held der Radwelt war. Dieser Punkt wird auch in Stephen Frears „The Program“ (2015) kurz angesprochen. Doch erlebt man bei Frears die Geschichte des über-ehrgeizigen Texaners (famos dargestellt von Ben Foster), der alles tut, um zum Sieg zu gelangen. Was ein spannendes Psychogram hätte werden können, wirkt wie ein belangloser Fernsehfilm, mit einem geradezu schlampig ausgearbeiteten Drehbuch. Dies schmerzt vor allem, da neben Foster auch Chris O’Dowd als Aufdeckerjournalist und Jesse Plemons als Floyd Landis brillieren.
In Memoriam Götz George, zeigt der ORF seinen Auftritt in der Verfilmung des Bühnenstücks „Mein Kampf“ (2009). Tom Schilling ist darin der junge und noch mit Künstlerambitionen versehene Adolf Hitler, während George den jüdischen Lebemann Schlomo Herzl gibt. In der Inszenierung von Urs Odermatt ist schnell ersichtlich, dass es sich um tollen Bühnenstoff handelt, doch in der filmischen Aufbereitung wirkt alles sehr statisch. Da können auch ein groß aufspielender George noch ein engagierter Schilling nicht hinweg helfen, dass man sich eher ins Theater wünscht, während der Film läuft.
Der in drei Teile unterteilte Sechs-Stunden-Trip „As Mil e Uma Noltes“ (2015) von Miguel Gomes, ist eine in ihrer schieren Größe und Ambition beeindruckende Meditation über den Zustand seines Heimatlandes Portugal, während der Finanzkrise im Jahr 2013/2014. Die Anlehnung an die „Arabian Nights“ gibt dem großen Unterfangen aber zuweilen etwas Beliebiges. So scheinen die Geschichten in „Volume 1, O Inquieto“ auf einen kathartischen Höhepunkt hin aufzubauen, welcher in der wie eine Farce wirkenden Gerichtsverhandlung in „Volume 2, O Desolado“ auch erscheint. Doch Teil 3 „O Encantado“ führt dann die mal dokumentarische, mal fiktionale Geschichtensammlung um zwei Stunden weiter, ohne wirklich etwas hinzufügen zu können. Gomes‘ Mut zu dem Projekt ist nicht überzubewerten, aber das Endprodukt beeindruckt eher durch seine Ambition und weniger durch sein Endergebnis.
Wim Wenders‘ Monumentalprojekt „Until the End of the World“ (1991) beeindruckt wie auch die Trilogie von Miguel Gomes, durch seine schiere Größe. William Hurt als mysteriöser Drifter, Solveig Dommartin und Sam Neill als Liebende, und all dies als allegorische Suche nach Vaterliebe (in Form von Max von Sydow). Viereinhalb Stunden lässt sich Wenders Zeit, um seine losen Handlungsfäden zusammenzuführen und am Ende Sam Neill auf der Schreibmaschine die Geschichte am Leben erhalten. Vom Konzept her beeindruckend, doch viel zu aufgebläht und selbstverliebt, um auch nur irgendwie zum eigentlichen Kern der Geschichte vorzudringen.
Die Tragikomödie „En man som heter Ove“ (2015), eine Adaption des Erfolgsromans, lebt beinahe voll und ganz von der Spielfreude seines Hauptdarstellers Rolf Lassgard. Als Misanthrop brilliert Lassgard, doch die Geschichte wie einerseits Ove zu so einem Misanthrop werden konnte, und wie er andererseits langsam wieder auftaut und mit seinen Mitmenschen in Kontakt kommt, ist zu sehr den Klischees der vom Saulus zum Paulus-Geschichte folgend.
Ausgehend von dem berühmten Foto zwischen Richard Nixon und Elvis Presley im Weißen Haus, spinnt sich „Elvis & Nixon“ (2016) von Liza Johnson. Michael Shannon gibt den King überraschend zurückhaltend, aber beseelt von seiner Mission, als „Federal Agent-at-large“ in den Dienst des Staates zu treten. Kevin Spacey scheint im Laufe der Handlung langsam aber dafür immer imposanter in die Rolle von Richard Nixon zu finden. „Elvis & Nixon“ ist eine kleine feine Komödie, getragen von seinem kuriosen wahren Hintergrund und der Spielfreude zweier Stars, die sichtlich das Konzept ernst nehmen.
In den letzten Jahren war Jake Gyllenhaal ein Garant für qualitativ hochwertige Unterhaltung. So überrascht es nicht, dass er auch in „Demolition“ (2016) überzeugt, doch sein emotional abgestumpfter Businessman, der nach dem Tod seiner Frau sein Leben buchstäblich auseinander nimmt, ist schlicht unsympathisch. Kein Charakter in diesem Film scheint einer nachvollziehbaren inneren Logik zu folgen, und Gyllenhaal muss einen Charakter zum Sympathieträger machen, der offenbar keinerlei Gefühle zeigte oder gar in sich trug und den Tod seiner Frau als Ausrede zur Selbstfindung nutzt.
YA-Adaptionen sind spätestens durch „The Hunger Games“ ein großes Geschäft. Was jedoch bei „The 5th Wave“ (2016) das Publikum hätte ins Kino ziehen sollen, bleibt rätselhaft. Zusammengebastelt aus Versatzstücken anderer Sci-Fi- und Horror-Filme, stolpert Chloe Grace Moretz auf der Suche nach ihrem kleinen Bruder durch eine apokalyptische Landschaft. Außerirdische die schrittweise die Menschheit ausrotten wollen, um den Planeten zu übernehmen, sehen sich am Ende des 1. Teiles einer geplanten Trilogie (die Bücher existieren, doch nach dem finanziellen Misserfolg des 1. Filmes wird es wohl keine Fortsetzungen geben) einer Armee von Jugendlichen gegenüber. Diese haben zwar die Rettung der Menschheit im Sinn, aber schon noch genug Zeit für pubertäre Romanzen. Ein unausgegorener, furchtbar inszenierter und lachhaft geschriebener Sci-Fi-Film für Anspruchslose.
Das dänische Nachkriegsdrama „Under sandet“ (2015) nimmt sich einer schwierigen Aufgabe an. Die Säuberung der Strände durch deutsche Jugendliche, gilt als das schwerste Kriegsverbrechen das Dänemark je begangen hat. So sehr die Wut der Dänen über die Opfer durch den Krieg verständlich sind, so grausam gehen sie gegen Jugendliche vor, die selbst von den Nazis als Kanonenfutter missbraucht wurden. „Under sandet“ wandelt gekonnt auf einem schmalen Grat und lotet die Frage, nach individueller und kollektiver Schuld aus.
Kar-Wai Wong ist bekannt dafür, seine Filme in letzter Sekunde fertig zu stellen. Sein Martial-Arts-Epos „Yi dai zong shi“ (2013) über Ip Man (Tony Leung), den Lehrmeister von Bruce Lee, ist eine bildschöne Aneinanderreihung herrlich choreographierter Kampfszenen. Doch von den Charakteren erfährt man wenig, emotional gebunden wird man nicht. So bleiben zwei charismatische Stars – Tony Leung & Zhang Ziyi – sowie der typisch wunderschön anzusehende Stil von Kar-Wai Wong.
Brett Ratner inszeniert einen Actionfilm mit Dwayne Johnson als „Hercules“ (2014). Da musste geradezu zwingend ein sich selbst nicht sonderlich ernst nehmender Reißer rauskommen. Leider kombiniert Ratner die Action- und Komödien-Elemente nur unzureichend und lässt seinem Ensemble (vor allem Johnson und einem gut aufgelegten Ian McShane) zu wenig Platz, um über Running Gags hinaus zu kommen. Kurzweilig, amüsant aber macht zu wenig aus seinem Potential.
Die Edgar Wallace-Filmreihe ist vor allem in Deutschland Kult. Stars wie Joachim Fuchsberger, Eddie Arendt und Klaus Kinski prägten die Filme, in denen sich Deutsche ein ständig in Nebel getauchtes und Schwarzweiß gefilmtes London vorstellten. Der Film „Das Gasthaus an der Themse“ (1962) ist ein exemplarisches Beispiel für die populäre Filmreihe. Fuchsberger ermittelt im Fall des Hais, der seine Gegner mit einer Harpune erledigt. Der Fall interessiert weniger, denn der exzentrische Bösewicht und die nicht minder skurrilen Charaktere. Ein Dokument seiner Zeit.
Wenn arte eine Kurzfilmreihe sendet, dann finden sich oft wunderschöne Raritäten darin. So etwa Christoph Schlingensiefs „Für Elise“ (1982), welchem ich wohl mehr Wertschätzung entgegenbringen kann, wenn ich mich besser mit Schlingensief und seiner Kunst auseinandersetze. Die beiden Ulrich Seidl-Dokumentationen „einsvierzig“ (1980) und „Der Ball“ (1982) zeigen Seidl wie er bereits sehr früh in seiner Karriere, die für ihn typischen Elemente einbaut, die er in seinen dokumentarischen Spielfilmen später vollends zur Geltung bringen soll. Dabei zeigt er nicht nur den ihm typischen Humor, sondern behandelt die Menschen auch mit Respekt.
Die Dokumentation „The Mask You Live In“ (2015) ist eine dieser gut gemeinten, aber ein wenig zu plakativen Arbeiten, die sich beinahe zu sehr in ihrer Grundthese verheddern. Jennifer Siebel Newsom zeigt, was es bedeutet männlich zu sein, und wie sehr es mehr ein Zerrbild einer Gesellschaft ist, denn ein tatsächlich festgelegtes Dogma. Die Zwänge, unter denen schon kleine Kinder leiden, zeigt sie mit Leidenschaft, doch dabei verlässt sie sich hin und wieder zu sehr auf den mahnenden Zeigefinger.
Jeremy Saulnier gilt seit seinem formal beeindruckendem Thriller „Blue Ruin“ als Kritikerdarling. Mit seinem Punk-Nazi-Thriller „Green Room“ (2015) übertrifft er seinen Vorgängerfilm. Eine Punk-Band (unter anderem mit dem kürzlich verstorbenen Anton Yelchin als Bassist) landet im US-Hinterland, bei einer rechten Veranstaltung. Der Gig wird zum Höllentrip, als sie im „Green Room“ einen Mord beobachten. Die Neo-Nazis – angeführt von einem fantastisch aufgelegten Patrick Stewart – wollen die Band ausschalten und die Art und Weise wie Saulnier in bester Gore-Manier die Tode inszeniert, lässt er auch jeden einzelnen Mord auf das Publikum einwirken. So ist „Green Room“ nicht nur ein effektiver Slasher mit klaren Gut-Böse-Regeln, sondern auch ein überraschend verbindlicher Film, der sein Publikum nicht rein auf den Schock-Effekt loslässt.
Sacha Baron Cohen lässt sich für seine Projekte immer ein paar Jahre Zeit. Umso überraschter bin ich, dass Filme wie „The Dictator“ oder „Grimsby“ (2016) sich dann viel zu oft in derben und einfach nur ekelhaften Zoten verfangen. Dabei ist Cohen ein toller Komiker und hat mit Mark Strong (der Superspion als verlorener Bruder) einen perfekten Partner. „Grimsby“ karikiert die Spionagefilm-Mechanismen effektiv und hat einige tolle Momente zu bieten, vor allem zwischen Nobby (Cohen) und Spion Sebastian (Strong). Im Endeffekt überwiegt aber wieder der zwiegespaltene Eindruck, wie schon bei „The Dictator“.
Der thailändische Regisseur Achitapong Weerasethakul landete mit seiner jüngsten elegischen Arbeit „Rak ti Khon Kaen“ (2015) nur in der Nebenschiene. Ein Zeichen dafür, dass sein träumerischer Stil ein wenig an Reiz verliert. Darin liegt tatsächlich ein Problem der Geschichte um ein abgelegen liegendes Krankenhaus, und die Krankenschwestern, die dort auf ungewöhnlichem Wege mit den Patienten kommunizieren. Wie bei Weerasethakul üblich, verschwinden die Grenzen zwischen Fantasie und Realität. Dies kennt man von Weerasethakul allerdings bereits, und so ist der träumerische Erzählfluss ebenso einnehmend wie jedoch zugleich bereits allzu bekannt. Ein Fest für Fans.
Das Doku-Drama „Killing Lincoln“ (2013) zeigt die letzten Tage im Leben von Abraham Lincoln und die Vorbereitungen zum Attentat auf ihn, sowie das Nachspiel. Mit Moderator Tom Hanks konnte man einen sehr prominenten Sprecher gewinnen, während die Inszenierung wenig heraussticht, und sich in bekannten Docu-Fiction-Bahnen bewegt.
Die serbische Komödie „Zena sa slonljenim nosem“ (2010) zeigt angeblich wie das heutige Serbien funktioniert. Dieses scheint zerrissen von der Vergangenheit und dem Blick auf die Zukunft, der eher von galligem Humor geprägt ist. Manche Passagen – eine Selbstmörderin und ihr Kind, aufgenommen und beschützt von einem Taxifahrer – funktionieren ganz gut, doch die verschiedenen Geschichten erzeugen nicht alle wirklich großes Interesse.
Die Vorfreude auf die Adaption des Alan Moore Comics „Batman: The Killing Joke“ (2016) war enorm. Heraus kam unter der Regie von Sam Liu leider ein uninspirierter Animationsfilm, der sich eine 30-minütige Hintergrundgeschichte zu Barbara Gordon gönnt, und dabei doch keinen wirklich komplexen Hintergrund für die später so brutal zugerichtete Frau findet. Einige Aspekte sind bei der Adaption hervorragend erhalten geblieben (etwa der von Mark Hamill gesprochene Joker und all seine Auftritte am verlassenen Jahrmarkt), doch zumeist, hangelt sich der Film von einer gewalttätigen Episode zur nächsten, ohne diese intelligent zu verknüpfen.
Das Regiedebüt von Don Cheadle, ist eine stilistisch meisterhafte und hoch interessante Studie zum Musiker Miles Davis. Cheadle glänzt dazu auch noch in der Hauptrolle und er gibt seinem eigenwilligen Biopic „Miles Ahead“ (2015) – welches teilweise durch Crowdfunding finanziert wurde – durch diese Kombination viel Reiz mit. Ewan McGregor als Rolling Stone-Journalist, auf der Suche nach der Geschichte des Comebacks von Davis, hat sichtlich viel Spaß, doch der Fokus liegt vor allem auf Cheadle, und wie er die Rolle interpretiert wie auch, seine Verknüpfungen zwischen Gegenwart und Rückblenden. Dies entschädigt für manche Unschärfe in der Handlung und die Tatsache, dass es sich dabei eher um einen musikalischen Krimi und weniger um ein Faktenorientiertes Biopic handelt. Ebenfalls mit den Erwartungen an ein Biopic spielt der fantastisch gespielte, aber etwas konventioneller inszenierte Jazz-Zwilling „Born to Be Blue“ (2015) von Robert Burdeau. Ethan Hawke zerreißt beinahe die Leinwand mit seiner Darstellung des von Drogenmissbrauch und privaten sowie professionellen Tiefschlägen geprägten Chet Baker. Als Zeitgenosse von Miles Davis, kommt natürlich auch dieser in diesem Film vor, doch liegt der Fokus natürlich auf Baker und seiner Beziehung zu einer Schauspielerin (Carmen Ejogo). Hawke und Ejogo lassen es richtig knistern und sorgen für mehr Romantik, denn zu erwarten war. Beide Filme gemeinsam gesichtet, ergeben ein fantastisches Musik-Film-Doppel.
Der von Dan Trachtenberg sehr stimmig inszenierte Sci-Fi-Thriller „10 Cloverfield Lane“ (2016) leidet vor allem unter seinem Titel und der dadurch genommenen Spannung. Mary Elizabeth Winstead, John Goodman und John Gallager Jr. geben sich alle Mühe, das Publikum im Unklaren darüber zu lassen, ob der von Goodman gespielte Howard ein Wohltäter oder ein psychotischer Verbrecher ist. Die Lage im Atombunker ist unklar und die Spannungen steigern sich in blutige Auseinandersetzungen. Was dann ein interessantes Ende sein soll, wird aber zum exakten Gegenteil. Der Titel nimmt die Lösung des Rätsels vorweg. Ein Jammer, denn ansonsten ist dieses Kammerspiel exzellent.
Jean-Claude Van Damme existiert in meiner Wahrnehmung als Action-Kuriosität. Ein Held der DVD-Regale und in den 1990ern ein gefragter Action-Star. Ein Film wie „Legionnaire“ (1998) war der Versuch des belgischen Martia Arts-Kämpfers, aus dem eindimensionalen Rollenfach der Kampfdrohne auszubrechen. Ein interessantes, nostalgisch angehauchtes Abenteuerfilm-Konzept, angereichert mit 90er-Jahre Action-Machismo. In der Theorei spannend, doch die Handlung ist öde und das Finale ist dann doch wieder nur ein 08/15-Actionfilm.
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The 1001 Project
Vielen gilt „E.T.“ als der große Klassiker von Steven Spielberg. Ich konnte die Fabel um die Freundschaft eines Jungen und des gestrandeten Außerirdischen nie leiden. So machte ich auch immer einen großen Bogen um einen anderen großen Klassiker Spielbergs. „Close Encounters of the Third Kind“ (1977) hat mich allerdings ebenso wenig überzeugen können. Trotz schöner Effekte und einer fein aufgebauten Atmosphäre, ist die Geschichte um Entführungen, Kontakte und Paranoia etwas zu langatmig inszeniert. Die Auflösung am Ende, kommt dann viel zu spät und entschädigt nicht für die eher langatmigen Szenen mit Richard Dreyfus in seinem Haus.
Der verstorbene Abbas Kiarostami war vor allem im Festivalbereich ein Star. Als Autorenfilmer waren seine Arbeiten immer willkommene Fixpunkte und der zu seinen Ehren auf arte wiederholte „Ta’m e guilass“ (1997) ist ein Beispiel für seine Kunst. Der mit der Goldenen Palme von Cannes gekrönte Film, zeigt einen Mann, der scheinbar ziellos durch die Landschaft fährt. Erst nach und nach erfährt man, dass er sich töten will und jemanden sucht, der ihn beerdigt. Ein Tabuthema im Iran und von Kiarostami angereichert mit vielen Anspielungen, etwa auf Homosexualität, Diskriminierung im Militär und vor allem über den Sinn des Lebens. Gewichtige Themen, von Kiarostami mit viel Ruhe aufbereitet. Für Zuseher mit Geduld ein sehr lohnenswerter Film.
Martial-Arts-Regisseur King Hu gilt als jener Filmemacher, der das Genre revolutionierte. Sein Meisterwerk „Xia nü“ (1971) ist mit seinen – je nach Schnittfassung – über drei Stunden Länge fasziniert vor allem durch seine Ruhe und Konzentration im Aufbau der Handlung. Die Actionszenen sind fantastisch choreografiert, doch im Zentrum steht nicht die Action. Dies mag Hardcore-Genrefans enttäuschen, für mich war es eher ein lohnender Zugang, auch wenn ich dem Genre selbst noch immer nicht gänzlich gewogen bin.
Ta'm e guilass / http://2.bp.blogspot.com/-gqdO-I_yfzM/UltlxRWTutI/AAAAAAAAGP8/QnHBhSpujN4/s1600/url.jpeg

Re-Visited
Eine Art Tobey-Maguire-Doppel gab es, wenn auch ungeplant, bei Ansicht der beiden wunderbaren aber heute leider zu wenig geschätzten Filme „Pleasantville“ (1998) und „Wonder Boys“ (2000). In „Pleasantville“ erschafft Gary Ross eine Serie-im-Film-Welt, in die ein Geschwisterpaar (Maguire und Reese Witherspoon) eintaucht. Die perfekte Fernseh-Schwarzweiß-Idylle wird langsam durch ihr Zutun in ein farbiges Universum verwandelt. Die gesellschaftspolitischen Anspielungen sind sehr deutlich zu sehen und werden auch nicht immer dezent vorgetragen, doch mit so viel Charme und Witz, dass man einfach nur begeistert darin eintaucht.
In „Wonder Boys“ ist es zunächst vor allem Michael Douglas als Uni-Professor und strauchelnder Literat Grady Tripp, der im Zentrum steht. Curtis Hanson zeigt den Alltag am Uni-Campus als intellektuell ebenso anregende, wie chaotische und Nervenzehrende Angelegenheit. Ein Literaturfestival, die Schwangerschaft der Geliebten (Frances McDormand), die Avancen einer Studentin (Katie Holmes), der nervige Agent (Robert Downey Jr.) und der depressiv wirkende Wunderknabe (Maguire) sind nur Einzelteile in einem faszinierend unterhaltsamen und aufregenden Film, den Hanson immer witzig und frisch gestaltet.
Als Liam Neeson noch mehr Schauspieler und weniger Actionstar war, gab es auch Filme wie das irische Prestigeprojekt „Michael Collins“ (1996). Die Biografie des IRA-Masterminds trägt alle Prestigeanzeichen eines Achtzigerjahre-Epos, nur dass Neil Jordan diesen Film Ende der 1990er inszenierte und so auch in manch Klischeefalle tappte. Die unnötige Liebesgeschichte wie auch der etwas zu pompös geratene Score unterminieren die Botschaft, der Suche nach Irlands Unabhängigkeit. Doch Neeson, Alan Rickman und Aiden Quinn spielen groß auf und Neil Jordan zeigt sein Biopic zumeist eher als Actionepos, was den Unterhaltungswert immens steigert.
Tom Hanks feierte diesen Monat seinen 60. Geburtstag. Aus all den Filmen, die der zweifache Oscar-Preisträger drehte, ist mir „Road to Perdition“ (2002) einer seiner liebsten. Der zutiefst unterschätzte Gangsterfilm zeigt Sam Mendes nach seinem Oscar-Triumph für „American Beauty, auf voller Höhe seines Könnens. Hanks führt ein imposantes Ensemble an (herausragend: Paul Newman und Jude Law, hinzu kommen Ciaran Hinds, Daniel Craig, Stanley Tucci, Jennifer Jason Leigh) und ist der perfekte Schauspieler für die Rolle des Mafiakillers Michael Sullivan, der doch nur seinen Sohn (Tyler Hoechlin) schützen will. Mendes inszeniert die Adaption einer Graphic Novel vor allem als Film über die fragile Bindung zwischen Vätern und Söhnen. Das bittere aber auch hoffnungsvolle Ende, mag in vielen Gangsterfilmen deplatziert wirken, doch hier ist es ein ebenso schöner wie überraschender Abschluss.
Der kanadische Independent-Thriller „Cube“ (1997) hat im Laufe der Jahre ein wenig von seiner Faszination eingebüßt. Dies liegt vor allem daran, dass die Darsteller auch damals schon nicht unbedingt die feinsten Darbietungen ablieferten und die Effekte auch schon angestaubt wirken. Der clevere Sci-Fi-Thriller von Vincenzo Natali überzeugt aber dennoch als kafkaeskes Paranoiaspiel mit viel Blut und ganz viel Spannung.
Nachdem ich die Graphic Novel wieder einmal genossen hatte, war es Zeit, sich die Adaption von Zack Snyder genauer anzusehen. „Watchmen“ (2009) konnte niemals die komplexe Fülle an Themen und Handlungssträngen ausfüllen, doch Snyders Film ist an vielen Stellen äußerst geglückt. Die Musikauswahl ist manchmal etwas zu offensichtlich und sein Hang zu Zeitlupen nervt weiterhin, doch das gut gewählte Ensemble und die fantastische Handlung, lassen darüber hinwegsehen.
Der Kurzfilm „Staplerfahrer Klaus“ (2001) ist einer der bestgemachten, bekanntesten und einfach lustigsten Indie-Kurzfilme die je im deutschsprachigen Raum produziert wurden. Der erste Arbeitstag des Staplerfahrers, geprägt von Unfällen, Blut und Chaos, im Stil eines wohlmeinenden Lehrvideos, ist ein Musterbeispiel, wie man mit Liebe zum Detail, einen zeitlosen Klassiker des Genres erschaffen kann.
Woody Allens „Irrational Man“ (2015) hat auch bei der zweiten Ansicht, mit denselben Problemen zu kämpfen, wie viele seiner Filme in der jüngeren Vergangenheit. Ein Gefühl der Beliebigkeit macht sich zuletzt in seinen Arbeiten breit. So engagiert Emma Stone und so wunderbar Joaquin Phoenix auch spielen, die Thematik kennt man und der Twist um die moralische Wertigkeit eines „gerechten“ Mordes, erscheint wie Vintage-Allen. Stellenweise sehr amüsant, intellektuell nicht allzu herausfordernd, aber immerhin gut genug, um immer wieder mal gesichtet zu werden.
Das Englischsprachige Debüt von Yorgos Lanthimos – „The Lobster“ (2015) ist auch bei der zweiten Sichtung so intensiv, herausfordernd, lustig und zugleich unbehaglich wie beim ersten Mal. Colin Farrell und Rachel Weisz sind herausragend, während Lanthimos sich an der schwer abzuarbeitenden Grenze zwischen Absurdität und Dramatik bewegt. Außerdem bewegt natürlich die Frage: Welches Tier wäre man selbst?
Road to Perdition / http://www.asset1.net/tv/pictures/movie/road-to-perdition-2002/Road-To-Perdition-DI-1.jpg

Serien-Überblick
In den ersten Episoden wirkt die schwedische Mysteryserie „Jordskott“ (2015) noch wie ein typischer Vertreter des Skandinavien-Krimis. Doch schon bald verwandelt sich die Handlung und die Suche nach den entführten Kindern im Ort Silverhöjd ist nur noch ein Aspekt eines mit vielen Fantasy-Elementen angereicherten Konzepts. Dies funktioniert in der sehr bedächtigen Inszenierung nicht immer, denn viele Aspekte der schwedischen Mythologie, bauen auf lokalem Vorwissen auf. Doch die DarstellerInnen (allen voran Moa Gammel als Eva Thörnblad, die ihre vor Jahren verschwundene Tochter gefunden zu haben glaubt und Göran Ragnerstam als Inspektor Wass) erzeugen genügend Interesse für das Geschehen, um auch über etwas langsamere Passagen hinüber zu retten.
Staffel 3 (2011) der immens unterhaltsamen Animationsserie „Archer“ beginnt mit Sterling Archer auf der Flucht vor seinem eigenen Kummer, nachdem seine Ehefrau von seinem Erzfeind Barry getötet wurde. Die kurze aber aufregende Zeit als Piratenkönig, die Wiedergeburt seiner Frau Katya als Cyborg, der Tod seines möglichen Vaters und Ex-KGB-Chefs, sowie ein finaler Ausflug ins Weltall (mit Bryan Cranston als Gastsprecher) sind einige der vielen Höhepunkte einer kurzweiligen Staffel, die nicht ganz so viele Zitierfähige Momente aufweisen konnte, aber auf Handlungsebene besser funktionierte. Staffel 4 (2013) zeigt in 13 Episoden im Großen und Ganzen Archer in auffällig bizarren Einsätzen, wo er meist den Erfolg der Mission gefährdet, am Ende den Tag rettet, aber ISIS sein Ziel dann doch nicht erreicht. Es ist inhaltlich keine große Weiterentwicklung, aber auf Charakterebene bekommt vor allem Lucky Yates als Dr. Krieger immer wieder fantastische Momente, die sich zu Fan-Favoriten entwickelt haben. Ein sehr hohes Niveau, welches Adam Reed nur manchmal durch zu derben Humor aufs Spiel setzt. Die Schlussenthüllung, dass Lana schwanger ist, steht als schöner Cliffhanger für Staffel 5.
Die britische Krimiserie „Marcella“ (2016) ist ein schönes Beispiel dafür, wie die intensive Darbietung der Hauptdarstellerin, eine ansonsten eher durchschnittliche Serie, Reiz über die standardisierte Handlung hinaus erzeuge kann. Anna Friel als ehemalige Kriminalistin Marcella Backland schwankt in ihrem Spiel so zwischen professioneller Verbissenheit, privater Depression und der Angst eine Mörderin zu sein, dass man die Schwächen des Drehbuchs so gut wie vergisst. Eine Serie an Frauenmorden und eine private Krise bringen Marcella zurück in den Dienst, doch die Auflösung der Mordserie ist sehr enttäuschend, während noch ein Cliffhanger eingebaut wird, um eine Hintertür für eine mögliche andere Erklärung zu liefern.
Die französische Agentenkomödien-Serie „Au service de la France“ (2015) sieht den jungen André Merlaux (Hugo Becker) als Praktikanten beim französischen Geheimdienst. Schnell arbeitet er sich, durch (nicht immer gern gesehenen) Fleiß hinauf, und steht am Ende der Staffel, sogar inmitten einer Maulwurfsjagd mit tödlichem Ausgang. Die Macher der populären „OSS“-Parodien, zeigen in Serienform erneut ihr Gespür für Bond-artige Agentenformate, und zeigen das Frankreich von 1960 als von Vorurteilen gegenüber ehemaligen Kriegsgegnern und vor allem Algeriern geprägtes reaktionäres Labor der Eitelkeiten. Kurzweilig und sehr amüsant, mit einer überraschend dunklen Wendung am Ende.
Die dreiteilige Fernseh-Mini-Serie „Mitten in Deutschland: NSU“ (2016) zeigt in drei Spielfilmen die verschiedenen Aspekte der Morde durch den Nationalsozialistischen Untergrund. Vor allem im ersten Film „Die Täter“ – mit einer groß aufspielenden Anna Maria Mühe als Beate Zschäpe – haben die Macher aber mehr damit zu tun, rechtliche Konsequenzen zu vermeiden, denn einen stringenten Film aufzubauen. Stattdessen lehnt sich der erste Teil an dem deutschen Film „Kriegerin“ an. Teil 2 „Die Opfer“ ist der aufwühlendste, weil emotional nachvollziehbarste Film. Im Zentrum steht die Familie des ersten Mordopfers. Der Blumenhändler Enver Simsek wird von den Mördern des NSU hingerichtet, und seine Familie (im Zentrum steht vor allem seine Tochter Semiya (Almila Bagriacik)) muss mit Verdächtigungen und Vorurteilen leben, während die Polizei (André Hennicke und Tom Schilling) sich auf eine falsche These festlegt. Auch die Aufklärung der Morde gibt keine wirkliche Erlösung für die Opfer. In Teil 3 „Die Ermittler“ steht vor allem der Ermittler Paul Winter (Florian Lukas) im Mittelpunkt. Die Verbindungen zwischen der rechten Szene und dem Verfassungsschutz sowie der Polizei mögen Klischeehaft wirken, doch basieren sie hier auf einem realen Hintergrund. Ein halbwegs passender Abschluss zur ambitionierten, aber nur im 2. Teil wirklich aufwühlenden Trilogie.
Staffel 2 (2016) der erfolgreichen Netflix-Serie „Grace and Frankie“ setzt mit dem Herzinfarkt von Robert (Martin Sheen) wieder an, und wie Sol (Sam Waterston) den Betrug an ihm nicht verwinden kann. Die ganze Staffel ist von Schuld und der Ausrichtung des Lebens geprägt. Manche Handlungsstränge – etwa Graces (Jane Fonda) Kontaktaufnahme zu einer verflossenen Liebe (großartig: Sam Elliot) oder Frankies Romanze mit dem Farmer Jacob (der coolste Mann dieses Planeten: Ernie Hudson) sind sehr gelungen, andere wirken jedoch wie ein Kopie von „Golden Girls“-Episoden. Die Spielfreude von Jane Fonda und Lily Tomlin lässt über einige Klischees hinwegsehen, und das Duo Martin Sheen-Sam Waterston als sich ent- und wieder verliebendes Paar ist einfach fantastisch anzusehen.
Die Geschichten des einstigen Strafverteidigers Ferdinand von Schnarch haben im deutschsprachigen Raum eine große Leserschaft angezogen. Die Verfilmung seiner Kurzgeschichten „Verbrechen“ (2013) als 6-teilige-Mini-Serie mit Josef Bierbichler in der Hauptrolle, zeigt, dass es hierzulande vor allem an guten Krimis mangelt. Die Stories sind unterhaltsam, teilweise auch gut gespielt und auch mit genügend Humor angereichert. Zu oft aber versinkt die Inszenierung in Klischees und lässt den guten Ausgangsgeschichten zu wenig Raum, um sich zu entfalten. Josef Bierbichler ist gut besetzt als jovialer bayrischer Anwalt, doch nicht jeder Fall ist gut genug, um eine 45-Minuten-Episode zu rechtfertigen.
Drei nerdige beste Freunde, die ihren verschwunden Freund suchen. Eine Mutter die ihr Kind in der Zwischenwelt in den Wänden vermutet. Ein merkwürdiges Mädchen mit übernatürlichen Kräften. Teenager zwischen Romantik und Monsterjagd und überall eine merkwürdige Regierungspräsenz. „Stranger Things“ (2016) mutet ein wenig wie ein Tribut an Stephen King und vor allem Steven Spielberg an. Das 1980er-Jahre-Setting wird von den Duffer Brothers mit viel Liebe zum Detail aufbereitet. Das Ensemble – allen voran eine hervorragende Winona Ryder – spielt mit Engagement in dem allzu bekannten Szenario. Alle Faktoren für sich, sind nicht außergewöhnlich, dennoch ist diese 1. Staffel ein äußerst unterhaltsamer und kurzweiliger Serien-Spaß.
Marcella / http://project-nerd.com/wp-content/uploads/2016/07/Marcella-Netflix-2.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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