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Ein ganz schwaches Kinomonat geht zu Ende. Trotz nicht uninteressantem Angebot wurden nur zwei Filme gesichtet und diese erwiesen sich als Totalflop bzw. herbe Enttäuschung. Erfreulich waren hingegen endlich gesichtete Filme wie „99 Homes“, „Weiner“ oder auch Serien- und Stummfilm-Marathons.

Neuzugänge
Die Ausgangslage der französischen Komödie „Retour chez ma mère“ ist vielversprechend. Eine einst erfolgreiche Geschäftsfrau muss bei ihrer Mutter wieder einziehen und es kommt zu Generationenkonflikten. So die Theorie. Was eine Art „Tanguy“-Update hätte sein können, ist im Fortlauf der Handlung eine extrem biedere Familienkomödie, um Traditionen, neue Liebschaften und die Probleme reicher Menschen, die sich am Ende ohnehin in Luft auflösen. Einfach ärgerlich.
Marvel hat vorgelegt, und jetzt versucht DC geradezu verzweifelt nachzuziehen. Nachdem „Batman v Superman: Dawn of Justice“ nicht den erhofften Startschuss brachte, setzte man alle Hoffnung auf „Suicide Squad“. Ein Bösewichtsteam, angeführt von Deadshot (Will Smith, cool wie immer) und besetzt mit schrägen Charakteren, die wohl kaum jemand außer Comic-Lesern kennt. Der wirr inszenierte Film wurde angeblich Opfer von Produktionsproblemen hinter den Kulissen und so sieht der Film auch aus. Die fehlende Struktur wird versucht mit ganz viel guter Musik und Coolness zu kaschieren. Stattdessen gibt es einen eher langweiligen Bösewicht (eine mystische Hexe) und außer Deadshot und Harley Quinn (Margot Robbie) hat kein Charakter einen wirklichen Handlungsbogen. Wäre da nicht noch Viola Davis als Amanda Waller, die das Team zusammenstellt, wäre der Film wohl völlig zu vergessen.
Suicide Squad / http://1.bp.blogspot.com/-u11syJcJifo/UlomkkO8JaI/AAAAAAAAEns/HxC_x2wbd1o/s1600/vlcsnap-2013-10-13-10h14m42s142.png

Der dänische Thriller „Kapringen“ (2012) ist eine europäische Variante von „Captain Phillips“, behandelt seine Thematik aber mit mehr Gewicht auf den Verhandlungen und der psychischen Situation der Familienmitglieder, die um das Leben der Geiseln fürchten. Tobias Lindholm sucht nach einer guten Balance zwischen dem menschlichen Drama und dem dichten Thrill, doch Paul Greengrass schaffte dies um eine Spur besser.
„Klopka“ (2007) von Srdan Golubovic ist ein Beweis für die Stärke des serbischen Kinos. Der Thriller um einen Mann, der Geld für die Operation seiner Tochter braucht, und deshalb einen Auftragsmord begeht, ist eine faszinierende Variation des Film Noir. Dicht inszeniert und mit vielen Verweisen auf die aktuelle politische Situation in Serbien, ragt dieser Thriller aus den europäischen Produktionen der 2000er heraus.
Shane Blacks „The Nice Guys“ (2016) hat alle Zutaten, für eine schräge und unheimlich komische Krimi-Komödie. Ryan Gosling und Russell Crowe sind als Privatdetektiv und Mann fürs Grobe im Los Angeles der 1970er auf der Suche nach einer jungen Frau, die der Schlüssel zu einer Mordserie zu sein scheint. Black zeigt einen klassischen Buddy-Cop-Film, mit all den vorhersehbaren Drehungen und Wendungen. Hin und wieder blitzt sein Humor auf, doch am Ende bleibt ein kompetent gemachter, aber leider viel zu langweiliger Film.
Die Realfilm-Versionen klassischer Disney-Zeichentrickfilme, haben sich zu einem sehr lukrativen Geschäft entwickelt. „The Jungle Book“ (2016) von Jon Favreau ist der bislang erfolgreichste Film aus dieser Reihe. Die tolle CGI-Arbeit schlägt sich jedoch ein wenig mit dem kindlichen Tonfall und den Musiknummern. Favreau scheint sich nicht ganz sicher zu sein, ob es ein Kinderfilm oder doch ein etwas erwachsenerer Zugang zu Kiplings Roman ist. So bleiben interessante einzelne Momente (etwa Bill Murray als Balu der Bär), aber am Ende gibt es eine etwas zerrissene Neu-Auflage der klassischen Geschichte.
Der Kurzfilm „Terrene“ (2016) ist die imposante Talentprobe von Bryce Thomas-Hoogland. Eine junge Frau findet sich auf einem fremden Planeten wieder, und lässt ihr Leben und ihre Beziehung Revue passieren. Bei etwa 15 Minuten Dauer bleiben die einzelnen Momente etwas zu kurz, um sich wirklich festzusetzen. Dennoch ein technisch und inhaltlich gut gemachter Kurzfilm.
In „Planeta bur“ (1962) gibt es ein Wiedersehen mit dem charmanten aber inhaltlich völlig veralteten Science-Fiction-Film der 1960er aus osteuropäischer Produktion. Eine Mission zur Venus steht im Mittelpunkt von „Planeta bur“ und der männlichen Besatzung, die sich auf der Venus mit Monstern und anderen Phänomenen herumschlagen muss. Charmant aufgrund seiner veralteten Produktionsweise, aber deshalb auch nicht sonderlich seriös.
In Rafi Pitts‘ „Shekarchi“ (2010) tötet ein Mann in einem Akt der verzweifelten Rache, zwei Polizisten. Auf der Flucht wird er festgenommen und in einer Hütte im Wald festgehalten. Die Handlung ist reine Staffage für eine nur wenig verschleierte Auseinandersetzung mit der Redefreiheit und der politischen Opposition im Iran. Pitts kreierte einen kühlen, analytischen aber wenig subtilen Thriller.
Ich gehöre zu jenen, die niemals „Warcraft“ spielten. Deshalb hatte ich auch keine große Vorfreude auf die Kinoversion (2016) entwickelt. Duncan Jones‘ Adaption war ein Box-Office-Kuriosum. In den USA einer der größten Flops der letzten Jahrzehnte, aber im Rest der Welt (und vor allem China) ein Blockbuster immensen Ausmaßes. Die vielen hübschen Effekte und ein cooler Ben Foster als Magier, stehen auf der Habenseite. Die etwas verworrene und von allerlei Anspielungen auf das Spiel durchzogene Story, kann jedoch kaum faszinieren. Ein langweiliger Fantasy-Reißer.
„Equals“ (2015) ist eine recht uninspirierte Mischung aus „Brave New World“, „Fahrenheit 451“, „Equilibrium“ und „Logan’s Run“. In einer emotionslosen Welt tauchen immer mehr „Defekte“ auf. Das SOS-Syndrom sorgt dafür, dass plötzlich der Wunsch nach Nähe und kreativem Ausdruck wieder erweckt wird. Ein Grafiker (Nicholas Hoult) verliebt sich in eine bis dahin die Krankheit versteckende Texterin (Kristen Stewart). Es folgt ein Film nach dem Motto „Malen nach Zahlen“, der deshalb geradezu unfreiwillig komisch wirkt.
Der aufstrebende US-Demokrat Anthony Weiner gelangte zu kurzer und kurioser Weltberühmtheit, als er intime Fotos von sich selbst an eine Frau twitterte. Die Dokumentation „Weiner“ (2016) hätte seine Rückkehr ins Rampenlicht begleiten sollen, als er sich um das Amt des New Yorker Bürgermeisters bewarb. Was zu Beginn noch nach einem geglückten Comeback aussieht, wird zum Desaster, als Anthony Weiner erneut in einem Sexting-Skandal verwickelt ist. „Weiner“ ist immer ein wenig zu nah an seinem Objekt dran. Diese fehlende Distanz führt zwar zu großartigem Material aus erster Hand, lässt aber die analytische Dimension des Films ein wenig unbearbeitet.
Werner Herzogs Kasper Hauser-Bearbeitung „Jeder für sich und Gott gegen alle“ (1974) ruht beinahe gänzlich auf dem Spiel des Straßenkünstlers Bruno S. (der Nachname wurde während seiner Filmkarriere geheim gehalten). Hauptdarsteller S. kann dem mysteriösen Hauser eine ebenso interessante wie nachvollziehbare Persönlichkeit verleihen, während Herzog aus dem Ausstattungsfilm mit Fernsehspielcharme, einen herausfordernden Film macht, in dem die Frage immer bleibt, wer Kasper Hauser denn nun wirklich war.
Divine ist hauptsächlich dafür bekannt, in den Filmen von John Waters die Hauptrolle bekleidet zu haben. Im wirklichen Leben war Glenn Milstead ein Künstler, auf der Suche nach Ruhm. In der Rolle der fürchterlich wunderbaren Divine, wurde er tatsächlich populär, doch wie „I Am Divine“ (2013) deutlich zeigt, litt er auch darunter. Geliebt von seinen Freunden und Kollegen, schien es für Divine/Milstead kein Leben außerhalb dieser Rolle geben. Doch selbst wenn man sich heute „nur“ noch an Divine erinnert, so ist der früh verstorbene Milstead ein Wegbereiter für die Underground-Kultur, die LGBT-Bewegung und schlicht für Menschen, die mehr Toleranz im Leben fordern.
Der Kurzfilm „Scen nr: 6882 ur mitt liv“ (2005) von Ruben Östlund ist eine Auseinandersetzung mit Männlichkeitsritualen, am Beispiel einer Mutprobe (ein Sprung von einer etwa 30 Meter hohen Brücke). Filmisch schön umgesetzt, inhaltlich eine Vorschau auf seine Spielfilme, wie etwa den zu weltweitem Ruhm gelangten „Force Majeure“.
In „Blood Below the Skin“ (2015) zeigt Jennifer Reeder mehrere Teenager an der High School und ihre Probleme mit Schulliebschaften, Freundschaften und Eltern. Ambitioniert, aber etwas zäh inszeniert.
Barbara Alberts Kurzfilm „Sonnenflecken“ (1998) ist ein frühes Beispiel für den Stil, der Albert berühmt machen soll. Starke und unabhängige Frauen auf der Suche nach ein klein wenig Glück im Alltag. Die obligatorische Disco-Szene darf natürlich nicht fehlen.
Anna Chlumsky in ihrem Debüt in dem Tränendrüsen-Reißer „My Girl“ (1991) hat eine Generation von Teenies geprägt. Die tragische Geschichte eines Sommers, in dem sie langsam ihre kindliche Unschuld verliert, ist von Chlumsky herzzerreißend gespielt. Howard Zieff hingegen inszeniert mit dem Vorschlaghammer. Als ob das Schicksals ihres besten Freundes (Macaulay Culkin) nicht tragisch genug wäre, wird dies mit einem geradezu nervigen Soundteppich überdeckt.
Eine junge New Yorkerin (Greta Gerwig) verliebt sich in einen unglücklich verheirateten College-Professor (Ethan Hawke), doch als sich die Ehe als Sackgasse erweist, will sie ihn wieder zurück zu seiner noch immer in den Professor verliebten Ex (Julianne Moore) verfrachten. Drei hervorragend aufspielende Stars (dazu die tollen Leistungen von Bill Hader und Maya Rudolph in Kurzauftritten) sind der vergnügliche Höhepunkt von „Maggie’s Plan“ (2015), einer bei weitem nicht so progressiven Komödie, wie Regisseurin Rebecca Miller ihr Publikum Glauben machen will. Standard-Neurosen-Komödie mit guten DarstellerInnen.
In „Bottled Life“ (2012) spürt Dokumentarfilmer Urs Schnell den Machenschaften des Lebensmittelkonzerns Nestlé nach, und wie sie das Geschäft mit Trinkwasser immer mehr an sich reißen wollen. Eine informative aber aufgrund der fehlenden Konfrontation mit dem Nestlé-Konzern etwas unbefriedigende Doku.
Der Fernseh-Zweiteiler „König der letzten Tage“ (1993) von Tom Toelle zeichnet die Münster Rebellion und die Bewegung der Wiedertäufer nach. Dabei nimmt sich der Film aber derart viele Freiheiten, dass er auch als historische Fiktion gesehen werden kann. Nichtsdestotrotz ist dies ein äußerst unterhaltsamer und gelungener Blick auf religiösen Wahn und seine gesellschaftspolitischen Auswirkungen. Während Mario Adorf mit all seiner Gravitas den Erzbischof gibt, reißt Christoph Waltz als Jan van Leyden das Geschehen an sich und dominiert den Film. Unterhaltsam wenngleich historisch ungenau.
Im Rahmen des ORF III-Stummfilmtages wurde eine Vielzahl an fantastischen Werken aus der Frühzeit des Films gezeigt. Darunter auch Filme von Ernst Lubitsch. Sein Lustspiel „Die Austernprinzessin“ (1919) mit Ossi Oswalda als großmäuliger Prinzessin auf der Suche nach dem Traumprinzen, ist kurzweilig, voller überzogener Darbietungen und zeigt Lubitschs Könnerschaft wenn es um den Kampf der Geschlechter geht.
Das humoristisch aufbereitete Märchen „Sumurun“ (1920) hingegen, ist weniger geglückt. Die Schauwerte sind beeindruckend und Lubitsch weiß auch die Geschichte des Harems interessant zu inszenieren, doch die Geschichte zieht sich und kommt auch zu keiner wirklich geglückten Auflösung.
Ramin Bahrani ist einer jeder Indie-Filmemacher der USA, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Mit seinem Immobilien-Crash-Drama „99 Homes“ (2014) sollte sich das endlich ändern. Michael Shannon als rücksichtsloser Immobilien-Hai, der von Zwangsräumungen lebt und dabei sowohl Eigentümer, Banken als auch die Regierung betrügt, und Andrew Garfield als aufrechter Handwerker, der in die finanziell einträglichen Fänge des Immobilien-Hai gerät, ist ein mitreißendes und nachdenklich stimmendes Porträt zum Häuser-Markt in den USA mit Blickpunkt Florida. Dort, wo die Blase am drastischsten platzte. Bahrani ist an mancher Stelle zu didaktisch, aber seine Darsteller spielen derart engagiert, dass man über den einen oder anderen papierenen Dialog hinwegblickt.
Der Stummfilm „Asphalt“ (1929) von Joe May, ist einer der letzten Vertreter des deutschen Expressionismus. Die Geschichte einer jungen Juwelendiebin und des Wachtmeisters, den sie im Zuge einer drohenden Verhaftung verführt, ist mit viel Geschick inszeniert. Die rasanten Schnitte symbolisieren das Großstadtgewirr und den Trubel. Doch die Handlung ist nur mäßig interessant.
„Fack Ju Göhte“ (2013) war der Überraschungshit aus Deutschland. Der Hype sorgte natürlich für extreme Meinungen, die kaum ein Mittelmaß fanden. Mit ein paar Jahren Abstand zum ersten Mal gesichtet, entpuppt sich vor allem Hauptdarsteller Elyas M’Barek in der Rolle als Ex-Knacki und Möchtegern-Lehrer, der nur an sein unter der Schule vergrabenes Geld will, als großer Gewinn. Der charismatische M’Barek sorgt mit seinen tollen Auftritten für viel Vergnügen, während die Handlung an eine moderne Version der „Pauker“-Filme mit Theo Lingens erinnert.
Auch F.W. Murnau hat nicht immer Meisterwerke abgeliefert. Sein kaum bekannter Stummfilm „Phantom“ (1922) um einen jungen Mann, der auf sein Leben und seine Ambitionen als Schriftsteller zurückblickt. Die melodramatische Amour Fou kann kaum Interesse wecken.
Ebenfalls weniger bekannt – und auch zurecht – ist Ernst Lubitschs „Anna Boleyn“ (1920). Seine Version der Geschichte rund um Heinrich VIII. (perfekt besetzt mit Emil Jannings) und seine Ehe mit Anna Boleyn (Henny Porten) kann mit großartigen Schauwerten und dem famosen Jannings aufwarten, aber Lubitsch inszeniert merkwürdig blutleer und viel zu distanziert.
Klopka / http://1.bp.blogspot.com/-u11syJcJifo/UlomkkO8JaI/AAAAAAAAEns/HxC_x2wbd1o/s1600/vlcsnap-2013-10-13-10h14m42s142.png

Re-Visited
Umut Dag konnte mit seinem Debut „Kuma“ (2012) für Aufsehen sorgen. Was mich aber schon damals störte und auch bei der erneuten Sichtung nicht zufrieden stellte, war die völlig überladene Handlung. Nicht nur die Scheinehe und die Integrationsschwierigkeiten, sondern auch noch die versteckte Homosexualität des ältesten Sohnes und verbotene Liebschaften in der Community werden aufgerollt. Ein bisschen viel für nicht einmal 90 Minuten Film.
Was bei „The Nice Guys“ fehlte, schien bei „Kiss Kiss Bang Bang“ (2005) im Überfluss vorhanden zu sein. Eine klassische Buddy-Movie-Handlung mit Film Noir-Anspielungen, getragen von tollen Darstellern (Robert Downey Jr. noch vor seinem „Iron Man“-Megahit, Val Kilmer und Michelle Monaghan) und gewürzt mit herrlichen Dialogen. Black lässt das Geschehen manchmal ein wenig zu sehr schleifen und der Meta-Humor ist hin und wieder etwas zu aufgesetzt, doch das mindert die Qualität dieser unterhaltsamen Krimi-Komödie nur wenig.
„Dumbo“ (1941) ist einer jener Disney-Klassiker, die ich seit der Kindheit nicht mehr sah. Das Gefühl, dass es sich dabei um einen eher deprimierenden Ausflug in die Kindheit handelte, bestätigte sich teilweise. Der vom Leben gebeutelte Elefant Jumbo (von allen nur Dumbo gerufen), und seines schweren Los mit den großen Ohren, verfügt über wunderschöne aber auch zutiefst traurige Momente. Knapp über eine Stunde lang, und mit deutlichen Anzeichen für ein gekürztes Budget versehen, schwankt „Dumbo“ zwischen Zeitlosigkeit und zu offensivem Kitsch.
Wer weiß wie „WALL-E“ (2008) in 70 Jahren aufgenommen wird. Heute, gut acht Jahre nach dem Kinostart, ist die Geschichte des Roboters WALL-E und seiner Liebe zu Roboter EVE einfach nur wunderschön. Ein Chaplin-Film im Animationsuniversum, der durch den Wechsel auf das Raumschiff der geflüchteten Menschen, ein wenig von seinem Charme aber gar nichts von seiner Qualität verliert.
Mit „One-Eyed Jacks“ (1961) lieferte Marlon Brando seine einzige Regie-Arbeit ab. Ursprünglich hätte Stanley Kubrick Regie führen sollen, doch Brando und Kubrick konnten sich nicht auf eine Version einigen. So übernahm Brando und heute haben wir einen durch und durch unausgeglichen inszenierten Film, in dem das Psycho-Duell zwischen dem verratenen Rio (Brando) und seinem Partner Dad (fantastisch: Karl Malden) im Zentrum steht. Die Peitschen-Szene alleine, wäre Grund genug, um diesen Film zu sichten, doch Brando unter seiner eigenen Regie, ist einfach zu reizvoll um es immer wieder zu sichten.
Michael Hanekes „Das weisse Band“ (2009) ist seine bis dato wohl kühlste, analytischste und auch stimmigste Arbeit. In einem deutschen Dorf ereignen sich kurz vor dem 1. Weltkrieg einige mysteriöse Unfälle. Die Dorfgemeinschaft reagiert mit autoritärer Gewalt gegen die Kinder und Untergebene. Eine beeindruckende Studie eines Mikrokosmos, der symbolisch steht, für eine ganze Nation, und dies nicht nur für den Vorabend des 1. Weltkrieges sondern auch für die heutige Zeit. Meisterhaft!
Neben „Looking for Eric“ ist „The Angels‘ Share“ (2012) wohl der leichtgewichtigste Film von Ken Loach. Der Kleinkriminelle Robbie (Paul Brannigan) stolpert eher zufällig in die Welt des Whisky und erkennt, dass er ein richtiges Talent dafür hat. Das hindert ihn aber nicht, bei der Versteigerung eines der wohl seltensten Whiskys seine kriminelle Energie noch einmal zu aktivieren. Die leichtfüßige Komödie wird von Loach mit vielen Beobachtungen zum sozialen Alltag in den ärmeren Wohnvierteln Glasgows ergänzt, was aus einer simplen Komödie dann doch auch wieder einen gesellschaftspolitischen Film macht. Ein echter Loach eben.
Die beiden „Dr. Mabuse“-Filme „Der Spieler“ (1922) und „Inferno“ (1922) – beide zusammen als „Dr. Mabuse, der Spieler“ bekannt – führten für Fritz Lang zum Durchbruch. Mit etwas mehr als Viereinhalb Stunden Gesamtlänge, stellen sie selbst den geduldigsten Stummfilmfreund auf die Probe. Denn die ausladend erzählte Geschichte um die Machenschaften des mysteriösen Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) ist im Grunde eine sehr einfache Kriminalgeschichte, die Lang aber mit derart viel Liebe zum Detail zu einem Stimmungsportrait der Weimarer Republik verwebt, dass sie zuweilen ein wenig anstrengend gerät. Ein Klassiker mit vielen fantastischen Momenten und immer noch frisch wirkender Film, aber hin und wieder doch ein wenig anstrengend.
Für F.W. Murnau, Emil Jannings und Karl Freund sollte „Der letzte Mann“ (1924) der Durchbruch sein, und ihnen den Weg nach Hollywood bahnen. Jannings als Hotelportier, der nach seiner Degradierung zum Toilettenmann und ohne glänzende Uniform scheinbar zu existieren aufhört, ist von Murnau weniger träumerisch inszeniert, denn seine bekannten Werke „Nosferatu“ und „Faust“, doch die Kameraarbeit von Karl Freund gibt Jannings‘ Abstieg eine hypnotische Wirkung. Die geradlinig verfolgte Handlung wird ohne Zwischentitel erzählt und erst vor dem lächerlichen Finale (welches in sich schon Filmgeschichte ist) erstmalig eingesetzt wird.
Dumbo / https://media.outnow.ch/Movies/Bilder/1941/Dumbo/dvd-film.fs/10.jpg

Serien-Überblick
Nachdem die 3. Staffel mit einem leicht märchenhaften Ende, eine etwas humorvollere Staffel beendete, dreht Staffel 4 (2016) von „Orange Is the New Black“ die dramatische Schraube sehr an. „Black Lives Matter“, Rassismus, Gang-Rivalitäten, Drogen-Problematik und die Privatisierung des Strafvollzugs sind einige der Themen, die angesprochen werden. Vor allem das Finale in dem eine Insassin stirbt, ist wohl eine der besten Momente die bislang in dieser Serie produziert wurden.
Staffel 5 (2014) von „Archer“ – auch bekannt als „Archer Vice“ – ist eine Kuriosität innerhalb der Serie. Bei der erneuten Sichtung funktioniert der Wechsel von Geheimdienstaktivität hin zu Drogenschmuggel und Country-Music-Management besser denn bei der Premiere. Es erscheint logischer und stimmiger, einen neuen Dreh in das Geschehen einzuarbeiten. Dennoch ist es auch eine gute Entscheidung gewesen das Team am Ende der Staffel wieder zurück in die alten Büroräume zu stecken.
Nach den kuriosen Ereignissen in „Archer Vice“, ist Staffel 6 (2015) eine Rückkehr zu gewohnten Mechanismen. Im Auftrag der CIA erledigt ISIS etliche Aufträge und kein einziger Auftrag geht gut aus. Dies ist ebenso komisch wie unglaubwürdig, aber bietet einen hübschen Gegenpunkt, zu den Aufträgen zu Beginn der Serie. Alle Charaktere befinden sich in einer Abwärtsspirale und jeder reagiert mit Panik und einer Übersteigerung der den Charakter prägenden Eigenschaften darauf. Der wiederkehrende Gaststar Slater (Christian Slater) ist ebenso ein Highlight, wie die langsam ins Chaos trudelnde Truppe. Adam Reed lässt – so ist es in der Wiederansicht deutlich zu erkennen – die Handlungsstränge mit Genuss aus den Schienen springen.
In Staffel 7 (2016) sind die Eindrücke noch am frischesten und so konnte ich zurückgelehnt die Abenteuer der Neo-Privatdetektive mitverfolgen, die merkwürdigerweise doch den Abenteuern zu Zeiten als Geheimagenten sehr ähneln. Die Figgis Agency ist deshalb auch der Hauptgrund, weshalb die neue Staffel funktioniert, denn die Handlungen sind nicht überraschend oder frisch, wie zu Beginn der Serie. Viel mehr wirkt es, als ob Adam Reed einerseits den Hardcore-Fans ihren gewohnten „Archer“ bieten wollte und andererseits, doch ein wenig neues Terrain beschreiten wollte. Das Cliffhanger-Finale bietet jedenfalls die Gelegenheit für Reed, ganz viele neue Facetten aus der Serie zu kitzeln.
Österreichische Thriller-Serien sind eine Rarität. Mir fällt auf die Schnelle gar keine weitere ein. Somit gebührt „Janus“ (2013) von Jacob Groll und Sarah Wassermair alleine dafür schon Respekt. Die rund um den Pharmakonzern Janus und seine undurchsichtigen Experimente drehende Serie, kann manch unterhaltsame Episode anbieten. Alexander Pschill als Psychiater und Franziska Weisz als Polizistin können genügend Interesse erzeugen und tragen das Geschehen. Herauszuheben ist vor allem Holger Schober als ehemaliger Patient von Pschill. Nach Staffel 1 war jedoch Schluss mit dem Versuch einer österreichischen Thriller-Serie.
Die sechsteilige HBO-Serie „Show Me a Hero“ (2015) unter der Regie von Paul Haggis, nimmt eine sehr trockene Thematik und macht daraus ein Plädoyer für kommunalen Zusammenhalt und politische Teilnahme. Oscar Isaac erinnert als junger Bürgermeister der Stadt Yonkers an einen jungen Al Pacino. Als in Yonkers ein Sozialbau inmitten eines gutbürgerlichen Stadtteils entstehen soll, brechen rassistische Gräben auf. Catherine Keener ist fantastisch als empörte Bewöhnerin, die sich gegen die sozial schwächeren Neo-Bewohner (mit schwarzer Hautfarbe) wehrt, und schließlich doch ihren Irrweg einsieht. Die prominent besetzte (James Belushi, Winona Ryder, und viele mehr schmücken die Serie) Mini-Serie gehört aber ganz und gar Oscar Isaac, der vom bejubelten Jung-Bürgermeister zum Feind der Stadt und schließlich der eigenen Partei wird.
Nur ein Monat nach der ersten Sichtung, kam es zu einer Rückkehr zu „Marcella“. Auch bei zweiter Ansicht von Staffel 1 (die Staffeln 2 und 3 wurden mittlerweile bestätigt) glänzt vor allem Anna Friel in der Hauptrolle, während das Krimi-Mysterium ein wenig unlogisch erscheint.
Nur drei Episoden lang dauert die französische Mini-Serie „En Immersion“ (2015), in der Polizist Michel (Patrick Ridremont) versucht mit seiner Krankheit – die ihm bald das Leben kosten wird – und den damit verbundenen Halluzinationen zurecht zu kommen. Zugleich ist er in eine Ermittlung rund um eine neue Designer-Droge verwickelt und kämpft um die Aufmerksamkeit seiner Teenie-Tochter. Philippe Haim zeigt dies in stilistisch sehr ansprechendem Schwarzweiß, doch der zutiefst deprimierende Tonfall (und die eher nervige Nebenhandlung um die Tochter) zieht sich durch alle drei Episoden und es stellt sich schnell die Frage, weshalb die eher dünne Handlung, nicht in einem 90-Minuten-Film ausgearbeitet wurde.
Die ersten vier Episoden von „Penny Dreadful“ betrachtet ich mit Interesse, doch der Handlungsstrang rund um Dorian Gray ließ mich abschalten. Monate (Jahre) später, gab ich der Serie erneut eine Chance. Staffel 1 (2014) hat aber dennoch Probleme das Interesse bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Die Besetzung rund um Eva Green, Timothy Dalton und Josh Hartnett ist engagiert bei der Sache, aber die Handlung rund um die viktorianischen Monster fügt sich nur langsam zu einem Ganzen. Erst am Ende, wenn Eva Green ihre ganze Bandbreite als Besessene zeigen durfte, ist man so weit in die Serie hinein gekippt, dass man sich auf die nächste Staffel freut.
In Staffel 2 (2015) ist die Kerngruppe rund um Sir Malcolm (Timothy Dalton) auf immer individuelleren Pfaden unterwegs. Das Finale der 1. Staffel führt dazu, dass sich die Charaktere immer mehr von sich entfernen und doch ihre Schicksale miteinander verwoben sind. Die guten Drehbücher legen viel Wert auf die elegische Seite der Serie und belassen es bei der Schauspielkunst von Eva Green und Timothy Dalton, auch noch die lächerlichsten Momente ein wenig würdevoll und glaubhaft wirken zu lassen. Josh Hartnett darf als Werwolf/Cowboy auch einige starke Momente erleben. Doch vor allem Frankensteins Kreatur (Rory Kinnear), die sich in der Serie den Namen John Clare gibt, berührt. Was zu Beginn noch wie eine etwas schlecht ausgearbeitete Frankenstein-Variation wirkt, bekommt durch Kinnears Spiel eine melancholische und nachhaltige Note. Dafür ist Dorian Gray immer noch der große Schwachpunkt der Serie.
Baz Luhrmann hat eine Hip-Hop-Serie für Netflix produziert. Als ob dies nicht aufregend genug wäre, war und ist die Produktionsgeschichte Stoff für eine eigene Serie. „The Get Down“ präsentiert zunächst nur den 1. Teil der 1. Staffel (2016), und ist exakt so, wie man es sich bei einer Luhrmann-Produktion vorstellt. Wild, hektisch, bunt, laut und vor allem mitreißend. Die Logiklöcher sind oftmals riesengroß und das Finale vieler Szenen ist meist musikalischer Natur, was auch nur bedingt nachvollziehbar erscheint. Dennoch zeigt „The Get Down“ auch die Realität des New York der 1970er (mit Schwerpunkt Brooklyn) und die Anfänge der Hip Hop- und Graffiti-Kultur. Die zumeist unbekannten Jungdarsteller passen gut ins Ensemble, wenngleich Jaden Smith derart passiv spielt, dass man ihn ärgerlich wach rütteln möchte. Routiniers wie Jimmy Smits runden die Serie schön ab.
Sehr lange habe ich mir mit der Fortsetzung von „Enterprise“ Zeit gelassen. Doch Staffel 3 (2003) wurde nun doch zu Ende gesichtet. Wie schon in den Staffeln zuvor, ist die Mission der Enterprise rund um Captain Archer, nicht mehr und nicht weniger, als die Rettung der Menschheit. Während jedoch die Handlungsstränge rund um die Suliban in Staffel 1, den Fluss der Staffel eher bremste, ist die Bedrohung durch die Xindi sehr ambitioniert über die ganzen Episoden aufgebaut. Zudem erlaubt sich „Enterprise“, den einzelnen Charakteren Raum für persönliche Entwicklungen zu geben und auch den Verlust von Nebencharakteren länger zu betrauern. In „Enterprise“ ist der Kampf um die Zukunft der Menschheit ein tatsächlich sehr ernstes und mit vielen Opfern verbundenes Unterfangen. Zwar konnte mich die Aufteilung der Xindi in verschiedene Unterspezies‘ nicht immer überzeugen (vor allem die Insektoiden sahen eher lächerlich aus), doch hilft dies auch, um im Laufe der Staffel die einzelnen Fraktionen in ihren Konflikten zu zeigen. Je länger diese Serie voran schreitet, desto weniger ist mir klar, weshalb sie frühzeitig abgesetzt wurde bzw. weshalb sie unter Trekkies so unbeliebt ist.
Man kann es einen Anflug von Nostalgie nennen, und da ich die Serie nie zu Ende sah, war es ohnehin irgendwann einmal fällig. So tauche ich wieder ein in „Star Trek: Voyager“. Die 1. Staffel (1995) mit ihren 15 Episoden ist mir noch sehr gut im Gedächtnis geblieben, und die Qualität der Episoden ist auch heute noch sehr gut. Kate Mulgrew als Captain Kathrin Janeway ist heute eine sogar noch stärker wirkende Persönlichkeit, denn vor mittlerweile 20 Jahren. Die Crew ist mit den typischen Archetypen versehen, wie sie bei Star Trek nun einmal vorzukommen haben (wobei vor allem Robert Picardo als holographischer Doktor mein Herz erobert hat). Man merkt der 1. Staffel noch eine gewisse Unsicherheit an, und so testet sich die Serie zunächst einmal in Einzelepisoden aus und lässt die einzelnen Crew-Mitglieder sich etablieren. Der große Handlungsbogen (das Motto der Serie sozusagen) mit der Heimkehr zur Erde, schwebt zwar immer im Hintergrund, bleibt aber oft genug unausgesprochen.
Show Me A Hero / http://www.slate.com/content/dam/slate/articles/arts/television/2015/08/150812_TV_ShowMeAHero.jpg.CROP.promo-xlarge2.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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