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Weiterhin scheint das Kino jeglichen Reiz für mich verloren zu haben. Während zu Hause immer wieder Filme gesichtet und neue Serienstaffeln aufgearbeitet werden, sieht mich der Kinosaal kaum noch. Ein Special zu Nick Cave und die erfolgreichste italienische Komödie aller Zeiten, lockten mich dann doch. Diese Entwicklung führte aber zum endgültigen Abschied von „Film im Dialog“.

Neuzugänge
Der Tod seines Sohnes, ist das Hauptthema von „One More Time With Feeling“, einer Dokumentation/Werbeeinschaltung von Andrew Dominik zu Nick Caves neuestem Album „Skeleton Tree“. Dominik fotografiert die Studioaufnahmen und privaten Gespräche in wunderschönem Schwarzweiß. Es sind sehr schöne und emotionale Aufnahmen, doch wollen sich die Musikclips mit den privaten Aufnahmen – in denen Cave und seine Frau über das Leben nach dem Verlust ihres Sohnes sprechen – nicht immer wirklich vermengen. So stehen im Grunde zwei Filme einander gegenüber.
In Italien war die Komödie „Quo Vado?“ (2016) der erfolgreichste heimische Film aller Zeiten. Checco Zalone spielt den 39 Jahre alten Gemeindebeamten Checco, der im Zuge einer Reform vor dem Verlust seiner Festanstellung steht. Was mit Beamtenklischees beginnt, mündet in eine Sketchshow in der Checco Norwegen-Klischees aufbereitet und schließlich die Formen italienischer Lustspiele aus den Zeiten Adriano Celentanos zurückfällt. Das ist oft sehr lustig anzusehen, aber zugleich schlicht nicht gut gemacht.
One More Time with Feeling / http://www.theargus.co.uk/resources/images/5343293/?type=responsive-gallery

Mel Gibson ist zurück. In dem angenehm geradlinigen und nicht sonderlich anspruchsvollem Thriller „Blood Father“ (2016) ist Gibson sowohl er selbst auf der Suche nach einer Rückkehr in sein altes Hollywood-Leben nach den öffentlich ausgebreiteten Skandalen, aber natürlich spielt er auch eine Rolle. Als auf Bewährung im Trailerpark lebender harter Kerl namens Link, der umgeben von seinen Kumpels (darunter William H. Macy) versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen. Als seine verschollene Teenie-Tochter Hilfe bei ihm sucht, da sie von Drogendealern gejagt wird, beginnt ein unterhaltsamer und blutiger Roadtrip. Gibson ist das Highlight des ungeschliffenen Actionthrillers, der ein wenig konventionell ist, aber Dank Gibson zu faszinieren und unterhalten weiß.
Todd Solondz ist der große Meister des nachdenklichen und tiefschwarzen Humors. in „Wiener-Dog“ (2016) bringt er Dawn Wiener (diesmal in Form von Greta Gerwig) zurück. Der wahre Star ist aber ein Dackel, der in verschiedenen Episoden wechselnde Besitzer hat. Während die einzelnen Kurzfilme sich nicht unbedingt sinnvoll miteinander verbinden, ist es vor allem Danny DeVito als Filmprofessor Schmerz, der begeistert. Hier trifft der tiefschwarze Humor Solondz‘ auf eine interessante Handlung.
Vor über zehn Jahren war Daniel Küblböck ein Star in „Deutschland sucht den Superstar“. Aus unerfindlichen Gründen drehte der einstige Fassbinder-Schüler Ulli Lommel einen Film über Küblböck, mit dem Sänger als ihm selbst und Lommel als Schutz-„Geist“. „Daniel, der Zauberer“ (2004) ist ein geradezu faszinierendes Beispiel für einen völlig missratenen Film. Schlechte Kameraarbeit verbunden mit lachhaften Dialogen, einer hanebüchenen Handlung und amateurhaften Darbietungen. Ein würdiger Kandidat für den Titel „Schlechtester Film aller Zeiten“.
Romantische Komödien folgen seit vielen Jahren leider immer denselben Mustern. „How to Be Single“ (2016) versucht oberflächlich, diese Muster zu durchbrechen und Frauen als selbstständige Personen darzustellen, die keinen Mann an ihrer Seite brauchen um glücklich zu sein. Hauptfigur Alice (Dakota Johnson) ist jedoch einzig und allein auf der Suche nach einem neuen Typen und an ihrer Seite nervt mit einer eintönigen Performance Rebel Wilson als beste Freundin. „How to Be Single“ ist ein vorgeblich selbstbewusster und humorvoller Film, nervt jedoch in seiner Formelhaftigkeit.
Fritz Langs „Frau im Mond“ (1929) ist ein weiteres Beispiel für die monumentale Inszenierungsgestaltung des legendären Filmemachers. Der einerseits als Spionagefilm funktionierende Thriller, andererseits als überraschend akkurate Sci-Fi-Studie konzipierte Arbeit, zeigt Lang mit all seinen technischen Finessen. Doch bei über zwei Stunden, verliert Lang das Publikum oftmals in Details und Nebenhandlungen, die nicht unbedingt notwendig wirken.
Im Rahmen meiner Georges Méliès-Reihe (eine wunderschöne Arthaus-DVD war der Anlass) wurden 28 Filme gesichtet, wobei der eine oder andere Film, mir bereits bekannt war. Werke wie „La mélomane“ (1903) zeigen den bekannten Filmzauberer Méliès, während die Märchenverfilmung „Cendrillon“ (1899 und ein Remake 1912) ihn auch als geradlinigen Geschichtenerzähler zeigen. Herausragend sind vor allem das Spätwerk „Á la Conquéte du Pole“ (1913), in dem er noch einmal zeigt, dass er legendäre Werke, wie seine Reise zum Mond noch immer herstellen kann. Zudem das für ihn sehr untypische „Les incendiaires“ (1906), in dem er zeigt, wie eine Räuberbande einen Hof überfällt, den Familienvater tötet und schließlich das Räuberhaupt nach einer Jagd durch den Wald auf der Guillotine hingerichtet wird. Ein überraschend finsterer Thriller, in dem Méliès das Image des Leinwandzauberers ein wenig wandelt.
Als Fernseh-Live-Event ist die Inszenierung von „Die Räuber“ (2016) – dezidiert nur nach Friedrich Schiller, was viele Freiheiten erlaubt – ein wichtiger Markstein in der Geschichte von Servus TV. Matthias Hartmann hat als einstiger Burgtheaterdirektor auch das Prestige, um diese Inszenierung bereits vor der Übertragung mit dem nötigen Glamour zu versehen. Doch die mit vielen Jungdarstellern und technischen Gimmicks umgesetzte Theater-Fernseh-Drama-Inszenierung, kann dem Text viel zu oft nicht gerecht werden und ergeht sich zu sehr in seinem eigenen Live-Dasein. Bemüht aber eher ein erster Versuch, um an die Glanztaten eines NT Live zu gelangen.
Mit „Valhalla Rising“ erspähte ich den dänischen Filmstilisten Nicolas Winding Refn erstmals, nur um dann kurz darauf sein Action-Meisterwerk „Drive“ bewundern zu können. Doch schon mit dem Nachfolgewerk „Only God Forgives“ begannen sich erste Risse in der Bewunderung für Refn einzuschleichen. Der Mode-Horror „The Neon Demon“ (2016) mit einer perfekt besetzten Elle Fanning – sowie Keanu Reeves und Christina Hendricks in feinen Nebenrollen – ist erneut ein polarisierender Film. Stilisiert bis zum letzten Auftritt eines Extras, erzählt Refn die etwas ausgelutschte Geschichte eines hübschen Teenagers, der in Los Angeles in die Fänge von Ruhm und Glitter gerät. Doch das aufstrebende Model Jesse (Fanning) ist nicht nur ein hübscher Anblick, sondern besitzt eine unnachahmliche Aura, die den Kolleginnen gefährlich wird und die Männer bezaubert. Refns Horror-Metapher wirkt ein wenig, wie eine Mischung aus David Lynch und Bret Easton Ellis, ohne dabei allzu tief in die Charaktere oder Themen vorzudringen. Nicht ganz so schlimm wie bei „Only God Forgives“, bleibt auch hier wieder alles sehr schöner Schein.
Wer hätte das gedacht? Mittlerweile steht die „Sharknado“-Reihe bei vier Teilen. In „The 4th Awakens“ (2016) erzählt Anthony C. Ferrante im Grunde keinerlei Neues, aber erweitert das Gaststarrepertoire um einige B- und C-Promis, und lässt auf Shark- nun auch Sand-, Boulder- und Nukenado folgen. Tara Reid ist mittlerweile ein Roboter (was zu ihrer Performance passt), während Ian Ziering zeigt, dass er ein toller B-Movie-Leading-Man ist, und David Hasselhoff einfach nur durch sein Charisma bereits glänzt. Tatsächlich bekommt The Hoff hier sogar ein wenig Zeit, um auch zu schauspielern. Der Witz ist zwar nicht mehr wirklich vorhanden, aber für Trash-Entertainment genügt auch Teil 4 weiterhin.
Mit „Feuchtgebiete“ wurde Charlotte Roche überraschend zur Bestseller-Autorin. Der Nachfolgeroman „Schoßgebete“ ist eine persönliche Aufarbeitung einer persönlichen Tragödie und auch eine Abrechnung mit den Boulevard-Medien, die der Tragödie mit aller Macht eine Schlagzeile entreißen wollten. Davon ist in der Filmversion (2014) von Sönke Wortmann aber nicht viel anzumerken. Szenen zum Verlust werden vermischt mit den Beziehungsproblemen (Lavinia Wilson und Jürgen Vogel als Paar) und sexuellen Spielarten der Protagonistin. In filmischer Form ist das höchstens irritierend langweilig.
Die Idee, einen Vampir-Graf (ein wenig an Bela Lugosi erinnernd: Tobias Moretti) zu Sigmund Freud (Karl Fischer) zur Therapie zu schicken, ist einfach nur fantastisch. Doch die Komik entfaltet sich in dieser hübsch ausgestatteten Eifersuchtskomödie leider kaum. Freud ist nicht mehr als ein Gaststar und somit ist der Titel „Der Vampir auf der Couch“ (2015) im Grunde reinste Irreführung. Stattdessen bekommt man die Eheprobleme eines 500 Jahre liierten Paares und die Begegnung mit einer jungen Frau zu sehen. Das ist weder interessant noch komisch.
Als gealterter Casanova ist John Malkovich eine interessante Besetzung. Doch Michael Sturmingers „Casanova Variations“ (2014), eine Adaption seines eigenen Theaterstücks, welches ebenfalls mit Malkovich in der Hauptrolle auf der Bühne zu sehen war, ist mehr als nur ein Ausschnitt aus den letzten Momenten des Lebens Casanovas. Eine Aufführung an der Lissabonner Oper, Szenen hinter den Kulissen und ein Spielfilm, vermischen sich zu einem reichlich verwirrenden Projekt, in welchem Opernarien geschmettert werden, die Übergänge vor allem zwischen Opernbühne und Spielfilmszene so geschickt gesetzt werden, dass man genau aufpassen muss, und das Spiel mit der Identität das Hauptthema zu sein scheint. Für Opern-Kenner wohl ein größeres Vergnügen, denn für Filmliebhaber, die höchstens mit Casanova etwas anzufangen wissen.
Menschen und Pferde. Viel mehr benötigt die lakonische isländische Komödie „Hross í oss“ (2013) nicht, um eine herrlich komische Geschichte zu erzählen. Eine stringente Handlung wird hier nur bedingt verfolgt. Einzelne Elemente (eine leise aufkeimende Beziehung, Pferdediebstahl, ein ausgerissenes Pferd, einige Todesfälle) vermischen sich zu einer Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Pferden und Menschen. Dabei regiert der trockene Witz. Sehr sympathisch und auf seine minimalistische Art auch äußerst gelungen.
Jesús Francos erotischer Horrorfilm „Vampyros Lesbos“ (1971) hat so gut wie keine Handlung. Ein weiblicher Vampir verführt und tötet Frauen. Viel mehr passiert hier nicht und dies ist auch das Problem. Außer ein paar nackten Tatsachen, scheint Franco nicht an mehr interessiert zu sein.
Der Dokumentarfilm „Raiders!: The Story of the Greatest Fan Film Ever Made“ (2015) ist eine Hommage an einen legendären Fan-Film, der Mitte der 1980er über den Verlauf von sechs Sommern entstand. Wie die drei Kinder schließlich als Erwachsene mit diesem Kult umgehen und auch noch die fehlende Szene (das explodierende Flugzeug) noch einbauen wollen, sind der Kern der Dokumentation. Diese springt aber ein wenig ungelenk zwischen unschuldigem Fantum und beinahe krankhafter Obsession hin und her.
Der Fanfilm „Raiders of the Lost Ark – The Adaptation“ (1988) ist derweil eine unglaublich faszinierende Angelegenheit. Jugendliche Filmfans, deren große Leidenschaft für den Spielberg-Film zu einem Projekt führt, das seinesgleichen sucht. Mit wenigen Mitteln, werden Sets erschaffen und für einen Fanfilm überraschend komplexe Szenen kreiert.
Der Sci-Fi-Film „ARQ“ (2016), eine Netflix-Eigenproduktion, spielt sehr effektiv mit der Idee der Zeitschleife. Tony Elliott wirft das Publikum direkt in einen Überfall und ein futuristisches Szenario, welches sich nach dem Tod der Hauptfigur (Robbie Amell) immer wiederholt, wobei zu Beginn nur er sich an die Wiederholungen erinnern kann. Nach und nach enthüllt Elliott die Hintergründe des Überfalls und des futuristischen Szenarios. Leider verstrickt er sich dabei zu sehr in Sci-Fi-Polit-Details, um völlig zu überzeugen.
Der Kurzfilm „Kryo“ (2016) zeigt eine Welt, in der Menschen kryogenisch eingefroren werden. Ein junges Paar erwacht aus dem Schlaf und muss sich mit der Aussicht des Todes von einem der beiden auseinandersetzen. Technisch imposant, aber zu lang für die schwach ausgearbeiteten Charaktere.
Kurz und knapp bearbeitet der Kurzfilm „The Fly“ (2014) wie ein Fluchtfahrer bei einem Banküberfall, von einer im Auto umher schwirrenden Fliege in den Wahnsinn getrieben wird. Gegen Ende wird es mit dem Zerstörungsgrad übertrieben, dennoch bleibt es sehr unterhaltsam.
Wunderschön animiert ist der animierte Kurzfilm „Nocturnal Butterfly“ (2015), in dem etliche Schmetterlinge vom Leben in den Tod übergehen und zu neuem Leben führen.
Liebe auf den ersten Blick, wird in Arev Manoukians wunderschönem „Nuit blanche“ (2009) behandelt. Stilisiert bis zur letzten Sekunde gehen ein Mann und eine Frau in herrlichem Schwarzweiß aufeinander zu, zerschmettern Fensterglas und Autos, um sich näher zu kommen. Technisch fantastisch.
Das Historiendrama „Free State of Jones“ (2016) hätte das Zeug zum wertvollen Oscarfilm gehabt. Matthew McConaughey gibt als Südstaaten-Soldat Newton Knight sein Bestes, als er einen getöteten jungen Soldaten zu seiner Mutter (Keri Russell) bringt, und innerhalb der Südstaaten eine Rebellion anführt. An seiner Seite agieren Gugu Mbatha-Raw, Mahershala Ali und Russell ebenso engagiert, bleiben aber Skizzen im Vergleich zum messianisch wirkendem Knight. Ross vermengt seinen zu zähen Beginn mit einer zu sprunghaften finalen Entwicklung und Doku-Material zu einem merkwürdig unbefriedigendem Mischmasch auf dem Niveau eines teuer produzierten TV-Historiendramas.
Carl Franklin hatte sichtlich seinen Spaß bei der Inszenierung von „Devil in a Blue Dress“ (1995). Als klassischer Film Noir darf Denzel Washington als Amateurdetektiv durch die Handlung führen, und den sehr klassischen Plot vorantreiben. Im Auftrag eines zwielichtigen Privatdetektivs (Tom Sizemore in Hochform) sucht er eine Frau, und landet schließlich (wie könnte es anders sein) in einem politisch grundiertem Mordkomplott. Stilistisch sehr gut gemacht und mit Washington und Don Cheadle in einer Nebenrolle perfekt besetzt, aber inhaltlich recht simpel und wenig interessant.
„Eve’s Bayou“ (1997) ist das Regiedebüt von Kasi Lemmons, die mir bislang durch das Biopic „Talk to Me“ mit Don Cheadle bekannt war. „Eve’s Bayou“ ist eine opulente Südstaatensaga mit Samuel L. Jackson als fremdgehenden Arzt. Erzählt durch die Augen seiner Kinder, stellt sich stets die Frage, was wirklich passierte und wie viel auf falschen Vorstellungen beruht.
Der mittlerweile legendäre bayrische Kabarettist Gerhard Polt hat schon einige Jahre seit seinem letzten durchschlagenden Filmerfolg hinter sich. Die bewusst klein gehaltene Filmsatire „Und Äktschn!“ (2014) um einen Amateurfilmer, der den „wahren Adolf Hitler“ zeigen will, ist ein stellenweise feiner und sarkastischer Kommentar zur Gesellschaftspolitischen Beschaffenheit Deutschlands und Österreichs. Die Film-im-Film-Satire ist ebenso geglückt und doch bleiben die meisten Witze zu oberflächlich und beliebig. Gut in der Theorie, ausbaufähig in der Ausführung.
Davis Guggenheim porträtiert die weltberühmte Friedensnobelpreisträgerin Malala in „He Named Me Malala“ (2015). Nach dem Anschlag durch die Talbian, ist ihr Leben ein steter Wechsel zwischen der hohen Politik und dem Versuch ein normales Leben als Teenagerin zu führen. Guggenheim erstarrt ein wenig zu sehr vor der noblen Intention und liefert eine zu lang geratene Fernsehreportage.
Seit Jahren ist Werner Herzog als engagierter Dokumentarfilmer in der Welt unterwegs. „Lo and Behold: Reveries of the Connected World“ (2016) ist die thematisch hoch interessante Annäherung an die Entstehung und Entwicklung des Internets und seiner weiteren Entwicklungsstufen. Nicht immer trifft er mit seinen Kapiteln ins Ziel (die dunklen Seiten des Webs bleiben ein wenig beliebig), aber wie üblich, zeigt Herzog aufregend und aufgeregt die für ihn interessanten Themen.
Unter Vampirfans gilt der belgische Arthouse-Horror „Les lèveres rouges“ (1971) als funkelnder Juwel. Tatsächlich ist Harry Kümels Arbeit voller doppelbödiger Anspielungen und sexueller Verführungen. Doch die Geschichte bleibt abgesehen von einigen Schauwerten ein wenig unverbindlich. Etwas Erotik, etwas Blut, damit hat es sich.
Nagisa Oshima ist vor allem für Filme wie „Im Reich der Sinne“ populär. Sein kaum bekanntes „Shonen“ (1969), um eine Familie, die Autounfälle vortäuscht, ist ein lohnenswerter erster Blick in sein Oeuvre. Neorealisitsch und aus der Sicht des Jungen erzählt, zeigt sich eine am Rande der Gesellschaft ums Überleben kämpfende Familie. Manchmal etwas zu trocken, aber vor allem in der Geschwisterbeziehung mitreißend.
Das 15-teilige Serial „Terry and the Pirates“ (1940) unter der Regie von James W. Horne, basiert auf einem damals erfolgreichen Comic. Die Abenteuer von Terry Lee, der seinem verschollenen Vater zu Hilfe eilt, und dabei auf einen Machtkampf um alte Inschriften und göttliche Macht gerät, ist genau so, wie man sich ein Serial aus dieser Zeit vorstellt. Heute unangenehm rassistische Darstellungen des Bösewichts (ein verzerrter Klischee-Japaner) und herzlich naive Actionszenen im „Dschungel“. Reiz kann man dem Serial nicht absprechen, doch da bleibe ich eher bei Material, das ich bereits im Vorfeld gut genug kenne, wie „Batman“.
Raiders of the Lost Ark: The Adaptation / http://www.filmandtvnow.com/wp-content/uploads/2016/02/Raiders3.jpg

The 1001 Project
In „Stroszek“ (1977) schrieb Werner Herzog seinem „Kaspar Hauser“-Hauptdarsteller Bruno S. einen interessanten Charakter auf den Leib. Der Trinker Stroszek (Bruno S.) trifft nach seiner Haftentlassung auf den Exzentriker Scheitz und die Prostituierte Eva (Eva Mattes). Gemeinsam fliehen sie vor der Tristesse in Deutschland nach Wisconsin. Doch der Traum vom Leben in den USA wird von der Realität eingeholt. Herzogs Film ist weniger eine stringente Erzählung, sondern mehr eine Aneinanderreihung an Erlebnissen, die Stroszek, Eva und Scheitz zustoßen.
Stroszek / http://jojud265nia2bj9sy4ah9b61.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2015/07/Stroszek2-640-1600x900-c-default.jpg

Re-Visited
Eine Georges Méliès-DVD darf natürlich nicht ohne sein berühmtestes Werk auskommen. „Le Voyage dans la Lune“ (1902) fasziniert immer wieder und ist ein früher Beweis, für die Kraft der Kinokunst. Unerreicht in seinem Zauber und imposant im Einsatz seiner Mittel, mit denen Bilder erzeugt werden, die heute mit CGI-Effekten leer und leblos wirken.
Zum Abschluss meiner persönlichen Stummfilm-Reihe (mit Dank an ORF III), markierte der Oscar-Gewinner „The Artist“ (2011). Das Liebeslied an das alte Stummfilmkino mag ein wenig unter öffentlichen Beschuss geraten sein, da es „nur“ ein liebevoller Blick auf ein vergangenes Hollywood-Zeitalter ist. Doch die Detailliebe mit der Hazanavicius durch diese Geschichte dirigiert, und Jean Dujardin sowie Bérénice Bejo zu Höchstleistungen animiert, ist auch nach dem Oscar-Hype beeindruckend. Eine intelligent gemachte Geschichte, mit ganz vielen Querverweisen für Filmfans.
„Muttertag“ (1992) von Harald Sicheritz, nach einem Stück von Schlabarett, ist Teil der österreichischen Filmkultur. Die Gags können ohne Probleme zitiert werden, die Szenerie erkennt man sofort. Ein Kulthit, der symbolisch für eine ganze Filmära im heimischen Schaffen steht.
Der Kurzfilm „Wanderers“ (2014) ist auch bei erneuter Ansicht ein beeindruckender Flug durch das Sonnensystem. Eine Utopie der Eroberung unserer Nachbarplaneten in imposanten Bildern.
La Voyage dans la lune / https://mindreels.files.wordpress.com/2012/07/trip_03.jpg

Serien-Überblick
Staffel 3 (2016) von „Penny Dreadful“, war überraschenderweise die letzte Staffel der Serie. Auch wenn das Ende ein wenig überraschend kam, so hat Schöpfer John Logan einen gelungenen Abschluss geliefert, in dem vor allem das Schicksal von Vanessa Ives (die herrliche Eva Green) geklärt wird. Im Kampf gegen Dracula, erfüllt sich schließlich ihr Schicksal und sie bringt allen Beteiligten letztlich Frieden. Auch wenn das Happy End für Ethan Chandler (Josh Hartnett in einer Rolle, in der er einfach gut hinein passt) oder Sir Malcolm Murray (Timothy Dalton weit weg von Bond) nicht offensichtlich erscheint. Die zeitweise etwas zu zerfahrene Handlung, die mitunter an vier verschiedenen Orten spielt (Chandler im Konflikt mit seinem Vater; John Clare auf der Suche nach einem Weg zurück zu seiner Familie; die Zusammenarbeit von Dr. Frankenstein und Dr. Jekyll; Vanessa vs. Dracula) braucht am Ende doch Vanessa für den Zusammenhalt. Deshalb ist ihr finales Schicksal auch ein passendes Ende für eine etwas zu langsam in Fahrt kommende Serie, die gerade aufgrund ihrer nunmehr knapp bemessenen Länge, viel Reiz ausstrahlt.
Staffel 2 (1996) von „Star Trek: Voyager“ erweitert auf die später zum Standard erhobenen 26 Episoden pro Staffel, und nutzt diese auch für ein paar etwas verschrobenere Episoden wie etwa den Staffelauftakt „The 37’s“, in der die Crew der Voyager auf entführte Menschen trifft (darunter die verschollene Amelia Earhart) oder auch die Verschmelzung von Tuvok und Neelix in Folge eines Transporterunfalls zu Tuvix. Die großen Handlungsbögen gehören aber natürlich dem Konflikt mit den Kazon und dem Verrat durch Seska. Dies wird noch dazu unterstrichen durch die Suche nach einer möglichen Allianz mit den Kazon, die fehl schlägt und dem Spionageverhalten eines Mitglieds der Crew, der sich den Kazon andienen möchte. Interessante Charaktere wie der von Gaststar Brad Dourif gespielte Crewman Suder, dessen mörderische Instinkte das Leben eines Crewmitglieds kosten und auch Tuvok in Bedrängnis bringen, sowie die Weiterentwicklung von Charakteren wie dem Doktor sorgen für eine sehr unterhaltsame und kurzweilige 2. Staffel.
Die 4. Staffel (2016) von „House of Cards“ sieht das Underwood-Paar am Rande der Scheidung. Der Kampf um die Nominierung als demokratischer Kandidat wird dadurch ebenso gefährdet, wie die Tagespolitik generell. In kleinlichen Machtkämpfen verstricken sich Frank und Claire, ehe sie sich durch diese Umwirren hindurch kämpfen. Staffel 4 zeigt eine weiter verschobene Machtposition, in der Frank (Kevin Spacey) immer öfter am Rande des Zusammenbruchs steht, während Claire (Robin Wright) die Zügel in die Hand nimmt. Das Finale mit dem gemeinsamen Bruch der Fourth Wall ist ein deutlicher Ausdruck dieser neuen Macht, die nunmehr beide an den Hebeln sieht. Dass sich die Underwoods gegen Widrigkeiten durchkämpfen müssen und in dem republikanischen Senator Will Conway (toll: Joel Kinnaman) einen gefährlichen Gegner gegenüberstehen haben, macht Lust auf Staffel 5, nachdem zuvor die Luft bereits draußen zu sein schien.
„BoJack Horseman“ ist eine eigenwillige Serie. Immer wieder muss man sich selbst daran erinnern, dass es sich hier um mehr, als nur um eine Serie mit sprechenden Tieren handelt. Sowohl als beißende Hollywood-Satire, als auch als wohl traurigste Sitcom aller Zeiten, die mit den Depressionen, den verschiedenen Süchten (Alkohol, Drogen, Ruhm) umgeht, ist die 3. Staffel (2016) ein weiterer Schritt hin zu überraschender Komplexität. Die Handlungsbögen werden fein zu Ende geführt, doch immer wieder kämpft „BoJack Horseman“ gegen seine eigene ursprüngliche Ausrichtung, was es immer wieder verhindert, sofort hinein zu kippen.
Penny Dreadful / http://vignette2.wikia.nocookie.net/penny-dreadful/images/c/c7/Vanessa-sweet-scorpion-jar-S3.jpg/revision/latest?cb=20160416193044

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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