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Die Viennale sorgt wieder für ein wenig Bewegung in der Kinolandschaft. Dabei sind es vor allem von Frauen gedrehte Filme, die mein Interesse dieses Monat erweckten, und dies nicht nur bei der Viennale. Der #Horrorctober feat. Johnny Depp und die 70mm-Vorstellung von „2001: A Space Odyssey“ waren weitere Schwerpunkte im Oktober. Zum großen Monatshighlight wurden allerdings auch die finalen Staffeln von „Enterprise“ und „The Fall“.

Neuzugänge
Der dritte Film von Marie Kreutzer ist auch ihr bislang stärkstes Werk. „Was hat uns bloß so ruiniert?“ ist eine herrlich komische Dekonstruktion perfekter Lebensentwürfe der so genannten Bobo-Schicht, auch wenn sich die drei Paare selbst nicht als solche verstehen. Kreutzer bleibt schuldig, wie sich die drei Frauen und Männer ihren hohen Lebensstandard finanzieren können, doch das ist eher ein kleiner Makel an einem überraschend sympathischen Film. Das Ensemble agiert herausragend und die Dialoge klingen wie aus dem richtigen Leben. Kein gestelztes Pseudo-Wienerisch, auch wenn keiner von den sechs Protagonisten sonderlich sympathisch wirkt. Kreutzer analysiert und unterhält zugleich. Trotz des einen oder anderen Leerlaufs, eine äußerst geglückte komödiantische Studie zur Suche nach Glück, Identität und dem Wunsch nach Kindern.
Wie jedes Jahr ist Ende Oktober/Anfang November die Wiener Kinolandschaft von der Viennale dominiert. Dieses Jahr wurden es drei Werke. Die erste Arbeit war der minimalistisch inszenierte Dokumentarfilm „La Permanence“ von Alice Diop. Die Filmemacherin bewegte sich mit ihrer Kamera in einem Konsultationszimmer eines Arztes, der Menschen ohne Sozialversicherung (hauptsächlich Flüchtlingen) medizinische und psychologische Hilfe bietet. Die Geschichten der Menschen sind mitreißend und regen mal zu Widerspruch an, mal reißen sie geradezu zu Tränen hin. Diop hat sich, auch teilweise zum Nachteil des Filmes, rein auf diesen Raum beschränkt, was aber auch zu einer überraschenden Intensität der Geschichten führt.
Der US-Film „God Bless the Child“ (2015) hat ein schwerwiegendes Ettiketierungsproblem. Bei der Viennale wird die Geschichte einer 13 Jahre alten Teenagerin, die sich um ihre vier kleinen Brüder kümmern muss, als ihre Mutter sie zurücklässt, als Dokumentarfilm beworben. Allzu deutlich sind aber nachgestellte Episoden, die den Spielfilmcharakter unterstreichen. Als Dokumentarfilm wie auch als Spielfilm läuft sich aber das Geschehen fest und man wünscht sich eine größer ausgebaute Perspektive. So bleiben einzelne Momente der Kinder hängen, die mit dem Alltag zurechtkommen.
Film Nummer 3 und mein persönlicher Abschluss der Viennale, war die neueste Arbeit von Kelly Reichardt. In „Certain Women“ erzählt sie in drei Episoden von den kleinen und großen Dramen aus dem Leben von vier Frauen (Laura Dern, Michelle Williams, Kristen Stewart und die fantastisch aufspielende Lily Gladstone). Reichardt erschafft wunderbare kleine Dramen, die für diese Leben den Mittelpunkt ihres Seins darstellen. Lakonischer Humor (bei einer bizarren Geiselnahme) verbindet sich mit magisch unerfüllter Romantik. Ein großartiger Film.
Großartig war auch Emily Blunt als Alkoholikerin in dem Thriller „The Girl on the Train“. Tate Taylors Adaption des gleichnamigen Erfolgsromans wirkt jedoch zu sehr wie eine schwache Variation von „Gone Girl“. Blunt gibt als vom Leben betrogene Alkoholikerin inmitten eines Mordfalls ihr Bestes, doch der Fall an sich wird von Taylor in einem allzu zähen Rhythmus präsentiert. Dabei bleibt das Gefühl, dass ein gutes Buch verschwendet wurde, auch wenn ich es selbst erst noch lesen muss.
Certain Women / http://cdn.newsapi.com.au/image/v1/f21cb0d8c1e80d5949daa025c028e8c7

Mittlerweile gibt es wohl kaum einen Menschen, der keine Meinung zum Fall „Amanda Knox“ hat. Die gleichnamige Netflix-Doku (2016) zum Mord an der britischen Zimmergenossin der amerikanischen Austauschstudentin Knox, die in Italien ihre Freiheit genießen wollte, ist eine adäquate Auflistung der bereits bekannten Umstände. Die Rolle der Medien wird ebenso kritisch beleuchtet wie auch das Verhalten von Knox und ihrem damaligen Freund. Dennoch bleiben die Filmemacher einiges schuldig. Der für den Mord verurteilte Rudy Guede wird nur am Rande erwähnt, und viele aufgeworfene Fragen werden dem 90-Minuten-Schema geopfert.
Im Rahmen des #Horrorctober 2016, habe ich mir vorgenommen, zehn Filme aus dem Horror- und Mystery-Bereich anzusehen, in denen Johnny Depp mitspielte. Unter diesen Werken gab es nur zwei Neuzugänge. Darunter der 1999 entstandene Sci-Fi-Thriller „The Astronaut’s Wife“. Der optisch ansehnlich gestaltete Thriller um zwei Astronauten, die nach einem Zwischenfall im All scheinbar verändert wieder auf die Erde zurückkehren, ist eine Mischung aus „Invasion from the Body Snatchers“ und „Rosemary’s Baby“. Charlize Theron darf als Ehefrau des gefeierten Astronaut Armacost (Depp) alle Register des Paranoia-Horrors ziehen. Doch die Handlung ist fürchterlich vorhersehbar und so bleibt außer ein paar hübschen Momente, nur viel Langeweile.
Die Netflix-Dokumentation „Audrie & Daisy“ (2016) hat ein wichtiges Thema im Zentrum: Gewalt gegen junge Frauen. Die beiden Fälle zweier Teenagerinnen, die unter Alkoholeinfluss und gegen ihren Willen sexuell missbraucht wurden, nur um dann dem Online-Bullying der Mitschüler ausgesetzt zu sein, ist thematisch unbedingt öfter aufzubereiten. Gerade deshalb enttäuscht die Dokumentation, die schlecht ausbalanciert wirkt. Der Fall von Daisy steht im Mittelpunkt, während Audrie wie eine narrative Klammer wirkt (und so weniger Aufmerksamkeit erhält). Zudem werden noch andere junge Frauen ins Bild gerückt, allerdings nur, für wenige Augenblicke. So verschenkt „Audrie & Daisy“ sein Potential.
Spätestens nach „Selma“ wusste man, dass Ava DuVernay eine engagierte Kämpferin für die Rechte der farbigen Bevölkerung in den USA ist. Mit der Dokumentation „13th“ (2016) könnte sie nicht nur den entgangenen Oscar abholen, sondern sie fügt nach „Selma“ erneut eine wichtige und mitreißende Lektion in Sachen Bürgerrechten in ihren filmischen Kanon ein. Das Gefängnissystem der USA wird von ihr unter die Lupe genommen, und dabei kommen vor allem die US-Präsidenten schlecht weg. Sei es der rassistisch agierende Richard Nixon, oder der später seine Fehler eingestehende Bill Clinton. DuVernay lässt viele Professoren und Aktivisten zu Wort kommen, was sich mitunter als Bürde gestaltet. Viele Fakten treffen auf viel Engagement.
Der südkoreanische Film „Nugu-ui ttal-do anin Hae-won“ (2013) ist ein ruhiger und gut gespielter Film über die Studentin Haewon (Jeong Eun-Chae) und ihre Affäre mit ihrem Professor. Haewon will nicht nur ihre Affäre beenden, sondern muss auch die Auswanderung ihrer Mutter nach Kanada verkraften. Ein Film über die kleinen und großen Dramen im Leben. Gerade die Affäre hat mich weniger mitreißen können, während die Szenen zwischen Haewon und ihrer Mutter beeindruckten.
Bevor Michael Kertesz in den USA zum Oscar-gekrönten Michael Curtiz wurde, drehte er in Österreich beeindruckende Werke. Darunter etwa den monumentalen „Sodom und Gomorrah“ (1923), in welchem er die biblische Legende, mit einer zeitgenössischen Geschichte verknüpft. Imposante Schauwerte treffen auf eine sich etwas zu zäh entwickelnde Handlung. Ein Zeugnis dessen, was die österreichische Filmindustrie in den Stummfilmtagen auf die Beine stellen konnte.
Der animierte Kurzfilm „Borrowed Time“ (2016) ist ein schönes Beispiel für einen emotional mitreißenden Film, der mit einer einfachen Prämisse arbeitet. Ein alter Sheriff blickt am Ort eines Unglücks, auf eben dieses zurück. Simpel und mit viel Gefühl.
In Matt Ross‘ Aussteigerfabel „Captain Fantastic“ (2016) dominiert Viggo Mortensen als Über-Vater im Wald das Geschehen. Seine Erziehung, aufbauend auf Noam Chomsky und einer Ablehnung des westlich-kapitalistischen Lebensstils, sorgt dafür, dass seine Kinder einen eher exzentrischen Eindruck hinterlassen. Ross inszeniert einen stark gespielten Film (auch die Kinderdarsteller überzeugen, so wie auch Routiniers wie Frank Langella, Steve Zahn und Ann Dowd), dessen Botschaft ein wenig unklar erscheint. Handelt es sich um ein Plädoyer für Aussteiger oder um eine Kritik daran?
Der letzte Film in meiner #Horrorctober-Reihe, war mit „Yoga Hosers“ (2016) einerseits die Fortsetzung zum bizarr-sympathischen „Tusk“ und andererseits der schlimmste Film den ich seit langer Zeit erdulden musste. Smith zeigt seine Tochter Harley Quinn und Johnny Depps Tochter Lily-Rose als oberflächliche Supermarkt-Angestellte, die gegen kanadische Nazi mit Wurst-Monstern kämpfen müssen. Ein einziges Ärgernis.
Brendan Gleeson war schon in John Michael McDonaghs „The Guard“ ein Erlebnis. Als Priester in dessen überraschend vielschichtigem humorvollen Moralstück „Calvary“ (2014) brilliert er gar noch mehr. Als ihm im Beichtstuhl seine Ermordung innerhalb einer Woche angekündigt wird, dreht sich sein Leben plötzlich aus der Spirale des Gewohnten. McDonagh zeigt eine zutiefst zerrissene irische Gesellschaft und dies zeigt sich auch in Person des Priesters. Fantastisch gespielt und inszeniert.
Ein Hit beim Sundance Film Festival, ist „Swiss Army Man“ (2016) der große Erfolg an den Kinokassen leider verwehrt geblieben. Paul Dano spielt einen Schiffbrüchigen, der sein Leben beenden will, als er einen angeschwemmten Leichnam (Daniel Radcliffe) bemerkt. Gemeinsam mit dem unglaublich viele Fürze ablassenden Leichnam, begibt er sich auf den Heimweg und formt so etwas wie eine Freundschaft. Der mit allerlei tiefer gelegtem Humor versehene Film, ist eine überraschend gefühlvolle und ebenso bizarre Analyse zu Beziehungen, Einsamkeit und Sexualität.
In den USA ist Christopher Guest bereits ein etablierter Name. Sein Mockumentary-Stil hat für einige erfolgreiche Filme gesorgt. Mit „Mascots“ (2016) kehrt er ins Filmgeschäft nach langer Pause zurück und zugleich eröffnet er ein neues Kapitel, da sein Film per Netflix vertrieben wird. „Mascots“ zeigt im Mockumentary-Stil (ein Begriff den Guest angeblich verabscheut) die Weltmeisterschaft der Sportmaskottchen. Eine ganze Reihe reichlich exzentrischer Charaktere, die ihr Dasein rein durch die Maskottchen definieren, wird von Guest mit viel Liebe zum Detail aufgereiht (darunter auch der fantastische Chris O’Dowd, der aber viel zu wenig zu tun bekommt, als Hockey-Maskottchen „The Fist“). Die Handlung ist jedoch sehr vorhersehbar und so bleiben ein starker Beginn und die Aufführungen am Ende. Dazwischen herrscht doch Leerlauf.
Der Horrorfilm „The Blood on Satan’s Claw“ (1971) fiel ins Auge, da er das „arte-Treatment“ erhielt und so ein wenig aus dem Wust an Horrorfilmen hervorgehoben wurde. Die Geschichte um Hexerei und Menschenopfer hat – wie Online zu sehen – seine Fans, konnte mich allerdings nur selten fesseln.
Wie schon das 15-teilige Serial „Terry and the Pirates“, profitiert das ebenso auf 15 Teile ausgelegte Serial „Dick Tracy“ (1937) von der Kürze seiner einzelnen Episoden. Bei ca. 20 Minuten, kommt nur selten Langeweile auf, und gemessen an vergleichbaren Produktionen, ist die Geschichte um Dick Tracy und seinen Kampf gegen das Verbrechernetzwerk „Spider“ ein funkelndes Juwel. Hin und wieder sind die Cliffhanger ein wenig zu platt angesetzt und die schlechte Bild- und Tonqualität (per YouTube) minderten ein wenig das Sehvergnügen. Dennoch ein klarer Fall für eine Weiterempfehlung.
„Macondo“ (2014) von Sudabeh Mortezai handelt von einem 11 Jahre alten Buben aus einer tschetschenischen Flüchtlingsfamilie in Wien. Der Alltag in Wien, die Suche nach dem Schicksal seines Vaters, das Auftauchen eines angeblichen Freundes des verstorbenen Vaters, inklusive Problemen in der Schule und mit Nachbarskindern, sind ganz im Stil eines ähnlich gelagerten Filmes aus Österreich: „Deine Schönheit ist nichts wert …“. Diese Ähnlichkeiten schaden ein wenig Mortezais Werk.
Während bei HBO als neues Prestigeprojekt die lang verschobene Serie läuft, war es auch an der Zeit den obskuren Sci-Fi-Western „Westworld“ (1973) von Michael Crichton zu sichten. Die Ideen von Crichton sind faszinierend (jene des Themenparks, dessen Kreaturen sich gegen die Besucher und Schöpfer wenden, sollte in „Jurassic Park“ noch viel besser zur Geltung kommen), doch der Film hat deutlich Staub angesetzt. Yul Brynner als Revolvermann ist charismatisch wie eh und je, doch dem Rest der Produktion sieht man die 1970er viel zu deutlich an.
Greta Garbo in ihrem Filmdebüt. Das muss man gesehen haben. Dass „Die einsame Straße“ (1925) Online leider nur in einer verstümmelten Form verfügbar ist, mindert das Vergnügen. G.W. Papsts Erzählung einer vom 1. Weltkrieg und einer Wirtschaftskrise erdrückten Gesellschaft, ist einprägsam, doch in der nur etwas länger als 60 Minuten langen (für den US-Markt entstandenen) Fassung, ist es rein eine auf Great Garbo bezogene Show.
Fede Alvarez überzeugte Skeptiker mit seinem unterhaltsamen Remake von „The Evil Dead“, doch mit seinem Thriller „Don’t Breathe“ (2016) hat er sich endgültig als interessanter Filmemacher der Zukunft etabliert. Drei Einbrecher wollen in Detroit das Haus eines blinden US-Veteranen ausräumen, doch der blinde Mann ist nicht nur viel widerstandsfähiger denn zu erwarten war, sondern hat einige dunkle Geheimnisse. Alvarez liefert eine „Panic Room“-Variation, die geschickt mit den Sympathien des Publikums spielt. Auch wenn das Setup etwas zu bekannt wirkt (und die Tode der einzelnen Figuren zu erwartbar sind), so ist „Don’t Breathe“ ein leuchtendes Genre-Juwel des Filmjahres.
Der YA-Thriller „Nerve“ (2016) hätte ein spaßiger Social-Media-Actioner werden können. Dafür sprachen das Setting rund um ein Mutproben-Spiel im Instagram-Zeitalter, sowie das Zusammenspiel von Emma Roberts und Dave Franco, die überraschend effektiv agieren. Doch der Film wird von Minute zu Minute unglaubwürdiger und auch schlicht dümmer. Das ach so geheime Spiel, von welchem das gesamte New York City eingenommen zu sein scheint, ist eine viel zu dick aufgetragene Metapher auf unsere Kommunikationswege.
Mario Bavas „Lisa e il diavoli“ (1973) ist ein hervorragendes Beispiel für das Goth-Kino aus dem 1970er-Italien. Lisa (Erika Sommer) wandert von einer Touristenführung weg hinein ins Zentrum der Stadt und trifft dort auf einen Mann (Terry Savalas), der wie der Teufel von einem Wandgemälde aussieht. Bava lässt kaum eine stringente Handlung aufkommen, sondern verlässt sich schlicht auf die Kraft seines Sets. Das kaschiert leider nicht die viel zu oft aufkommende Langeweile.
Während der erste Teil noch ein etwas derber aber doch recht sympathischer moderner Fall von Pennälerkino darstellte, ist „Fack Ju Göhte 2“ (2015) regelrecht ein Ärgernis. Unter fadenscheinigsten Script-Umständen begibt sich das Filmteam nach Thailand und dreht dort ein Urlaubsvideo, welches mit viel Gewalt zu einem Spielfilm umgebaut wurde. Die Gags sind noch derber als im 1. Teil und der aufgesetzte soziale Gestus (Waisenkinder müssen im Endeffekt gerettet werden) ist unglaubwürdig und wirkt gar ein wenig zynisch.
Laurie Anderson konnte mit ihrem sehr persönlichen Essayfilm „Heart of a Dog“ (2015) begeistern. Ihre Auseinandersetzung mit dem Verlust ihres Mannes und ihres geliebten Hundes, ist eine interessante aber mich persönlich nach etwa einer halben Stunde eher verlierende Beobachtung zum Selbstzustand. Filmisch einwandfrei und mit vielen interessanten Beobachtungen, aber thematisch mich einfach nicht packend.
Viel hatte ich mir von Álvaro Longorias „The Propaganda Game“ (2015) erhofft. Die Gegenüberstellung von nordkoreanischer und westlicher Propaganda über das Leben in dem abgeschotteten Staat, hat auch einige erhellende Einsichten zu bieten. Longorias Sicht auf das Leben der einfachen Bürger in einem Staat, der in westlichen Medien oft als Lachnummer dargestellt wird, ehrt ihn. Genauso ist es aber frustrierend, wie er unwidersprochen die nordkoreanische Propaganda abfilmt und stehen lässt. Viel zu selten durchbricht er das Propagandaspiel, sondern lässt es einfach stehen.
In seiner Heimat ist Ken Loach eine wild diskutierte Figur, doch außerhalb Großbritanniens, ist er vor allem als einer der wichtigsten britischen Filmemacher bekannt. In „Versus: The Life and Films of Ken Loach“ (2016) wird auf routinierte TV-Doku-Weise, die Karriere Loachs thematisiert und in Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Veränderungen gestellt.
Calvary / http://reprisalfilms.com/wp-content/uploads/2013/12/calvary02.jpg

Re-Visited
„Experimenter“ (2015), Michael Almereydas Studie zu Stanley Milgram (großartig: Peter Sarsgaard), leidet in der erneuten Sichtung ein wenig darunter, dass im Grunde nur bereits bekannte Punkte aus dem Leben Milgrams erneut herunter gearbeitet werden. Hintergründe zur Entstehung des berühmten Milgram-Experiments gibt es wenige, stattdessen wird man mitten in das Experiment hinein geworfen. Ein gut gemachter Film, der aber bei der zweiten Sichtung ein wenig von seiner Qualität verliert.
Im Gartenbaukino erstmals die 70mm-Fassung von „2001: A Space Odyssey“ (1968) sehen zu können, war eine wunderbare Erfahrung. Dazu auch noch ein einleitender Vortrag von Kubricks Schwager Jan Harlan. So wird aus einem x-fach gesehenen Werk, erneut ein frisches Ereignis.
#Horrorctober mit Johnny Depp. Bei zehn ausgewählten Filmen, waren acht bereits bekannte Werke dabei. Zunächst sein Debüt in „A Nightmare on Elm Street“ (1984). Wes Cravens überraschend komplexe und großartig unterhaltsame Horrorstory um den in den Träumen der Teenies mordenden Fred Krueger (Robert Englund), ist heute noch so gut wie vor über 30 Jahren. Depps Todesszene ist zudem immer noch so gelungen wie einst. Ebenfalls bereits bekannt, aber seit sicher mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen, war „The Ninth Gate“ (1999) von Roman Polanski. Depp ist fantastisch als Bücherdetektiv Dean Corso, und Polanski hat sichtlichen Spaß bei der Jagd nach dem Buch, mit dem der Teufel beschworen werden kann (auch Frank Langella als zwielichtiger Auftraggeber genießt seine Auftritte sichtlich). Doch der Rhythmus ist ein wenig zu zerdehnt und so bleibt ein leidlich unterhaltsamer Thriller, der vor allem von seiner Atmosphäre lebt.
Das nächste Werk war der ebenfalls 1999 erschienene „Sleepy Hollow“. Unter der Regie von Tim Burton brilliert Johnny Depp als Inspektor Abberline, der mit modernen Methoden ein gruseliges Verbrechen im Norden der USA aufklären sucht. Die verschlafene Stadt Sleepy Hollow erscheint wie ein Burton’scher Fiebertraum, bevölkert von grandiosen DarstellerInnen (Christina Ricci, Miranda Richardson, Jeffrey Jones). Mit der Geschichte von Washington Irving hat Burtons Version wenig gemein, dafür ist der Unterhaltungswert immens hoch. Selbst wenn gegen Ende aus dem romantisch anmutenden Goth-Horrorfilm ein Whodunnit wird, bleibt es eines der stärksten kommerziellen Werke der späten 1990er.
Zwei Jahre danach war Depp wieder als Inspektor zu sehen. Diesmal in der Adaption des komplexen „From Hell“ (2001). Die Hughes Brüder schicken Depp und seinen Kollegen Robbie Coltrane auf die Jagd nach Jack the Ripper. Auch wenn die Brillanz der Graphic Novel nie erreicht werden kann, ist der Filme der Hughes Brüder ein betont verspielt grimmiger Thriller, mit dichter Atmosphäre, und einem tollen Bösewicht in Gestalt von Ian Holm.
Der Animationsfilm „Corpse Bride“ (2005) war Tim Burtons Versuch an die Magie von „Nightmare Before Christmas“ anzuknüpfen. Vor allem da letzterer Film von Burton „nur“ produziert wurde. In „Corpse Bride“ lässt er einen jungen Mann (Johnny Depp) bei den Vorbereitungen zu seiner Hochzeit, auf irrwitzige Weise eine Leiche (Helena Bonham-Carter) heiraten. Die Animation ist beeindrucken, die Arbeit der Schauspieler fantastisch und Burton hat sichtlich Spaß. Doch die Songs sind nicht gelungen und so zieht sich die simple Handlung zusehends.
Einen Höhepunkt in Depps und Burtons Karriere markiert „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ (2007). Depp und Bonham-Carter glänzen als mörderisches Paar, während Burton die Musical-Adaption in großartige dunkle Farben und Schattierungen von Blutrot und Tiefschwarz taucht. Ein Meisterwerk, welches leider noch immer viel zu wenig Beachtung findet.
Die bislang letzte gemeinsame Arbeit von Depp und Burton, ist das leider etwas missglückte „Dark Shadows“ (2012). Depp spielt einen Sproß einer reichen Familie, der durch den Fluch einer von ihm abgewiesenen Hexe (famos: Eva Green) sein Dasein als Vampir fristen muss. Nach einer 200 Jahre dauernden Gefangenschaft, kehrt er in den 1970ern in sein Haus und zu seinen Nachkommen zurück. Die einzelnen Elemente passen (Musik, Set-Design, Darsteller), doch abgesehen von all diesen Details, bleibt die Handlung auf der Strecke. Eine merkwürdig wenig einnehmende Vampirkomödie.
Die erste gemeinsame Arbeit von Kevin Smith und Johnny Depp, hat die sympathisch-bizarre Prämisse eines Mannes, der Menschen in Walrösser verwandeln will. Michael Parks ist exzellent als Psychopath und Justin Long kann als Walross ungeahnte Talente zeigen. „Tusk“ (2014) lebt von der Lust an dieser bizarren Handlung, und untergräbt dies mit infantilem Humor.
Nächstes Jahr kommt die Fortsetzung von „Blade Runner“ in die Kinos. Grund genug um auch dem Original aus dem Jahr 1982 wieder eine Chance zu geben. Leider konnte mich Ridley Scotts Klassiker wieder nicht überzeugen. Im Gegenteil, die Aversion gegen „Blade Runner“ den Film, verstärkt sich von Film zu Film immer mehr.
Louis Feuillades Krimi-Serial „Fantomas“ (1913) erreicht auch bei erneuter Ansicht nicht die Qualität seines legendäre „Les Vampires“. Doch die aus fünf Teilen bestehende Filmreihe (die ich diesmal aus Gründen der Übersichtlichkeit als Gesamtwerk abbuche) profitiert vor allem von der Spannung und dem Unterhaltungswert der ersten beiden Teile, in welchen René Navarre und Edmond Breón als Fantomas bzw. Inspektor Juve sich eine Hetzjagd liefern. Die weiteren drei Filme bieten ikonische Momente, doch sind sie inhaltlich schwächer.
Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street / https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/eb/8c/0d/eb8c0df7d44fd299f3b33671ca072ab2.jpg

Serien-Überblick
Angekündigt als österreichische Twin Peaks-Version, hat die vierteilige Mini-Serie „Pregau“ (2016) sehr viel einzulösen gehabt. Nichts davon jedoch, konnte sie erreichen. Die im fiktiven Pregau angesiedelte Geschichte um einen Polizisten, dessen Nichte nach einer „missglückten“ Alkoholkontrolle zu Tode kommt, ist voller Klischees und Vorhersehbarkeiten. Das wäre jedoch nicht das große Problem. Vollends das Genick bricht der Mini-Serie, dass die Dialoge papieren klingen. Man hört regelrecht den Autor im Hintergrund, wie er die Dialoge den Charakteren in den Mund legt. Nichts davon lässt jedoch auf eine authentische Dorfkulisse schließen. Gut gemeint, ist eben das Gegenteil von gut.
Die Aussicht auf eine Serie basierend auf dem großartigen Film „12 Monkeys“ erfüllte mich mit wenig Zuversicht. Staffel 1 (2015) ist denn auch eine inhaltlich völlig zerfahrene Sache, mit vielen Wiederholungen, unlogischen Handlungsverläufen und im Vergleich zum Film schlechten Vergleichen. Für sich selbst genommen, ist „12 Monkeys“ sehr wohl eine unterhaltsame Sci-Fi-Show, die im Fortlauf der 1. Staffel es versteht, die vielen Zeitsprünge, Schleifen und Handlungslöcher zu seinem Vorteil zu nutzen. Gegen Ende macht die Serie dann zuweilen sogar schon Spaß. Die Vergleiche mit dem Film fallen dennoch auf jeder Ebene zu Ungunsten des Serien-Produkts aus. In Staffel 2 (2016) werden die Charaktere von Ramse und Carrie stärker, während Cole immer mehr in den Hintergrund rückt. Vor allem das prominentere Auftauchen von Jennifer Goines ist, so skeptisch ich nach ihren ersten Auftritten in der 1. Staffel auch war, von Vorteil für die Geschichte. Vom Film entfernt sich das in verschiedenen Zeitebenen und Handlungsbögen aufgebaute Ende der Welt immer mehr, was aber ebenfalls mehr von Vorteil ist, da die Serie so eine gewisse Eigenständigkeit entwickelt. So verzwickt wie aber das (zugegeben: eher unlogische) Handlungskonstrukt aufgebaut wurde, kann mit der 3. Staffel im Grunde nur das Finale gezeigt werden.
Mit Staffel 4 (2004) ging „Enterprise“ leider viel zu früh zu Ende. Vor allem ist dies deshalb bedauerlich, da die Serie in der 4. Staffel plötzlich zur Hochform auflief und seine eigene Form fand. Die Charaktere waren nunmehr gesichert genug, um nicht länger dutzende Hintergründe erläutern zu müssen und auch das Nebenpersonal (Jeffrey Combs als Andorianer Shran zum Beispiel) war etabliert. In gut durchdachten Zwei- bis Drei-Episoden-Handlungen, konnten auch dramatischere Geschichten erzählt werden, die sich gut in die Kontinuität des Star Trek-Universums einfügten (etwa die Augments mit Special Guest Brent Spiner), oder schlicht mitreißend waren, wie das Quasi-Finale um die Terrorbewegung Terra Prime (mit einem großartigen Peter Weller als Gast). Neben dem vorzeitigen Ende, stößt aber vor allem die letzte Episode sauer auf. Eine offensichtlich halbherzig produzierte Folge, die das Potential von „Enterprise“ untergräbt und zugleich auch keine rechte Wiedersehensfreude mit den Next Generation-Darstellern aufkommen lässt, trotz aller Versuche. So bleibt eine unvollendete Serie, die sich unberechtigt viel Hass und Ablehnung aussetzen muss.
Raoul Ruiz bereitete einen Film über die Kämpfe zwischen den Engländern und Franzosen unter Napoleon in Portugal vor. Bevor er sich des Projekts annehmen konnte, verstarb Ruiz jedoch. Seine Witwe Valeria Sarmiento vollendete den Film und auf Basis des portugiesischen Oscar-Beitrags entstand die dreiteilige Mini-Serie „As Linhas de Torres Vedras“ (2012). John Malkovich veredelt mit seinen Kurzauftritten als General Wellington das Projekt, welches in allzu vielen Handlungen unterzugehen droht. Die Detailtreue in den historischen Sets und Kostümen beeindruckt und einige Charaktere wissen zu faszinieren, doch unter der Vielzahl an Figuren verliert sich die Handlung um das aus dem napoleonischen Krieg neu entstandene Portugal.
Die vierteilige Dokureihe „The Fabric of the Cosmos“ (2011) zeigt Wissenschaftler und Besteseller-Autor Brian Greene bei der Durchleuchtung einiger wissenschaftlicher Grundprobleme. Die Frage nach einem Multiversum, nach dem Wesen von Raum und Zeit und dem Urknall werden neben anderen Themen aufgeworfen. Unterhaltsam und kurzweilig, sowie verständlich präsentiert.
Überraschend geht es dann doch zu Ende. Mit Staffel 3 der großartigen – von vielen Kritikern aber immer heftiger kritisierten – Thrillerserie „The Fall“ (2016), geht die Geschichte von Stella Gibson (Gillian Anderson) und Paul Spector (Jamie Dornan) zu Ende. Am Ende von Staffel 2 lag Spector angeschossen im Wald, von Gibson im Arm gehalten. Staffel 3 behandelt die Mittel und Wege, mit denen das Verfahren gegen Spector auf Messers Schneide steht, denn nachdem er angeschossen und am OP-Tisch gerettet wurde, scheint Spector unter Amnesie zu leiden. Die Wege von Spector und Gibson werden von Allan Cubitt schön zu einem blutigen Ende geführt, während andere Charaktere leider auf der Strecke bleiben oder Veränderungen durchleben, die nicht ganz nachvollziehbar erscheinen (so etwa der von John Lynch gespielte Constable, der bis Staffel 2 noch eine komplexe Figur war, jetzt aber nicht wirklich nachvollziehbar im Alkoholismus versinkt). Es ist ein passendes Ende und auch wenn ich mir noch eine Staffel wünsche, so ist die Intensität der 1. Staffel bis zum Ende hin nicht mehr ganz zu erreichen gewesen. Auch wenn es zwischen Anderson und Dornan zu intensiven Auseinandersetzungen kommt, ist es ein überraschend ruhiger und am Ende doch intensiver Abgesang auf den Belfast Strangler.
Enterprise / http://www.cygnus-x1.net/links/lcars/epics/ENT82.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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