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Als es schon so wirkte, dass ich in diesem Monat gar nicht mehr ins Kino kommen würde, tauchten plötzlich „Arrival“ und „Sully“ auf den Leinwänden auf. Manchmal benötigt der Kinogänger auch einfach nur eine Erinnerung daran, was solides Handwerk ist. Im Heimkinobereich dominierten österreichische Ware (Fernsehfilme wie „Blutsschwestern“ oder die 1. Staffel von „Schnell ermittelt“) und amerikanische Genre-Perlen wie „Dog Eat Dog“ oder „High or Hell Water“.

Neuzugänge
Denis Villeneuve hat sich in kürzester Zeit zu einem gefragten Genre-Filmemacher Hollywoods empor gearbeitet. Doch wie schon bei „Prisoners“ oder „Sicario“, erscheint auch „Arrival“ mehr an der Oberfläche imposant, während die darunter liegende Handlung entweder bereits hundertfach erzählt, oder zu offensichtlich an großen Vorbildern entlang erarbeitet wirkt. Herausstechend ist beim nachdenklichen Sci-Fi-Drama „Arrival“ vor allem die Leistung von Amy Adams als Linguistin, die mit einer außerirdischen Rasse einen Dialog herstellen soll. Neben Adams und den routiniert aufspielenden männlichen Kollegen (Renner, Whitaker, Stuhlbarg) ist es vor allem die Kameraarbeit, die beeindruckt. Dennoch bleibt ein etwas leeres Filmerlebnis zurück.
Das „Wunder vom Hudson“, als eine Passagiermaschine mit 155 Menschen an Bord, im Hudson River notwasserte und dabei alle überlebten, ist das zentrale Thema von Clint Eastwoods „Sully“. Tom Hanks ist perfekt besetzt als einfacher, geradezu stoischer Flugroutinier, der in den wichtigsten Sekunden seines Lebens, geradezu unfassbares schafft. Eastwood schneidet immer wieder zwischen der Untersuchung zu den Ereignissen (die Sullys Entscheidungen in Zweifel zieht), seiner Ausbildung und dem Flug selbst. Dabei ist Hanks das ruhige, und zugleich unter der Oberfläche brodelnde Zentrum. Aaron Eckhart oder Laura Linney sind in dieser Konstellation kaum mehr als Stichwortgeber. Ein im besten Sinn einfach gehaltener Film, der die Menschen ins Zentrum stellt.
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Wolfgang Murnbergers „Taxi für eine Leiche“ (2002) ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ein routiniertes Ensemble und ein guter Regisseur, noch lange keine Garantie für einen unterhaltsamen Film ist. Das Ensemblestück um eine Leiche und die Stammgäste eines kleinen Wiener Cafés, entpuppt sich als recht zähe Angelegenheit mit viel zu offensichtlichem Twist.
Der Animationshit „Sausage Party“ (2016) wirkt wie eine überlange und nur zu Beginn lustige South Park-Episode. In Pixar-Manier werden Lebensmittel zu menschlichen Charakteren, die sich vor der Vernichtung durch die Menschen fürchten, allerdings erst nachdem sie dem Schwindel um „The Great Beyond“ auf die Schliche kommen. Die abschließende Sexorgie ist dabei das i-Tüpfelchen auf einem großartigen Konzept, welches allerdings nur auf einer Grundidee ruht, welche nie wirklich weiter entwickelt wird.
Leonardo DiCaprio ist seit Jahren bemüht, in Sachen Umweltschutz die Menschen aufzurütteln. Sein neuester Film „Before the Flood“ (2016), inszeniert von Fisher Stevens, ist inhaltlich wichtig und die Botschaft ist lobenswert, doch DiCaprio steht auch zu seinen Ungunsten zu oft im Zentrum des Films, wodurch es stellenweise etwas nervig werden kann.
Die von Terra Mater co-produzierte Doku „The Ivory Game“ (2016) gilt als großer Oscar-Kandidat und die wie ein Thriller inszenierte Analyse des aktuellen Elfenbeinhandels mit all ihren Folgen, lässt auch keinen Zweifel daran, wie wichtig die Thematik ist. Die knapp zwei Stunden werden stellenweise zu sehr durch Wiederholungen in die Länge gezogen, doch das große Kritikerlob erscheint nach Sichtung des Films mehr als gerechtfertigt.
Nicht im Oscar-Rennen ist „Into the Inferno“ (2016), die neueste Arbeit von Werner Herzog. Dies ist jedoch sehr schade, denn Herzogs Blick auf die faszinierende Welt der Vulkane und ihren kulturellen Einfluss (mit einem kuriosen Ausflug nach Nordkorea, wo der „Hausvulkan“ eine wichtigere Rolle spielt, als gedacht) ist ebenso mitreißend wie visuell beeindruckend.
Die Romanadaption „Blutsschwestern“ (2014) von Thomas Roth, versammelt ein gutes Ensemble (Nora von Waldstätten, Franziska Weisz u.a.) und lässt es auf einer Berghütte die Sünden der Kindheit noch einmal durchleben. Gute Grundidee, aber sobald die Frauen auf der Hütte versammelt sind, stolpert das Geschehen von einer uninteressanten Enthüllung zur nächsten.
Australien wirkt in Ted Kotcheffs jüngst wieder entdecktem Klassiker „Wake in Fright“ (1971) wie die Hölle auf Erden. Als der Lehrer John Grant (Gary Bond) in die Ferien aufbricht, landet er – zunächst nur für eine Nacht – in einem Nest strandet, sieht er sich über dem Leben der „Landeier“ erhaben. Doch langsam versinkt er immer mehr in blutigen Känguruh-Jagden, Bier-Gelagen und Spielproblemen. Kotcheff lässt Grant immer tiefer im Morast versinken. Ein stellenweise zu deprimierender aber immer mitreißender Blick in den menschlichen Abgrund.
Pierce Brosnan hat ein untrügliches Gespür für schlechte Drehbücher. Seit vielen Jahren scheint er nur noch in schlechten Filmen mitspielen zu wollen. So ist auch „I.T.“ (2016), die Geschichte eines Firmenbosses, dessen Leben durch einen psychopathischen IT-Angestellten zur Hölle wird, ein langweiliger und unlogischer Thriller. Dabei ist die Thematik interessant, die Besetzung (neben Brosnan ist auch Anna Friel zu sehen) gut, aber die Handlung ist schlicht dumm.
Mitten in das Comeback von Matthew McConaughey, geriet der Gus-Van-Sant-Film „The Sea of Trees“ (2015). Bei den Filmfestspielen von Cannes wurde das Melodram um einen Mann, der sich im Selbstmordwald das Leben nehmen will, mit den schlimmsten Kritiken in der Geschichte des Festivals konfrontiert. Nun gerät das missglückte Werk auf Umwegen in die DVD-Regale und markiert vor allem einen Tiefpunkt im Werk Van Sants. Während McConaughey und Ken Watanabe als Gefährten im Wald den einen oder anderen interessanten Moment haben, zieht sich die stellenweise unfreiwillig komische Sinnsuche wie ein Strudelteig.
Der Thriller „Eye in the Sky“ (2015) ist einer der letzten Filme mit dem viel zu früh verstorbenen Alan Rickman. Dieser brilliert in einer feinen Nebenrolle als britischer Militär, der neben einem Luftschlag gegen einen Terroristen, auch noch die richtige Spielzeugpuppe besorgen muss. Diese Kleinigkeiten sind es, die das sehr fokussierte Projekt beleben.Die starke Besetzung (Helen Mirren, Aaron Paul, Rickman) und das intelligente und spannende Drehbuch, sorgen für einen nachdenklichen Film, rund um die logistischen, rechtlichen und moralischen Folgen eines Drohnenangriffs auf zwei Selbstmord-Bomber. Die moralische Seite wird aber zu sehr mit dem Vorschlaghammer vermittelt, was „Eye in the Sky“ ein wenig schadet.
Die etwa einstündige TV-Dokumentation „120 ans d’inventions au cinéma“ (2016) von Stan Neumann, ist ein feiner Überblick, über die Entwicklungsschritte in der Kinogeschichte. Informativ und kurzweilig. Dazu passte dann auch die erstmalige Sichtung von Edwin S. Porters legendärem „Life of an American Fireman“ (1903). Ein Werk, welches schon zu Uni-Zeiten im Lehrplan herum schwirrte, aber erst jetzt wirklich gesehen werden konnte. Bahnbrechendes Stummfilmkino, der ganz frühen Generation.
Apropos Stummfilmpioniere. G.W. Papst zeigte mit „Tagebuch einer Verlorenen“ (1929) einen recht kontroversen Film – basierend auf einem ebenso kontroversen Bestseller – in dem sich zwar viel um die Vergewaltigung einer Angestellten einer Apotheke und die Folgen (vor allem das nicht anerkannte Kind) dreht, doch in Wirklichkeit ist es die Louise-Brooks-Show. Brooks beherrscht den Film, doch fehl sowohl die inhaltliche Schärfe als auch die Konsequenz aus „Die Büchse der Pandora“.
Filme wie „The Alchemist Cookbook“ (2016) gehören zu jenen kuriosen Werken, die irgendwann aus unbestimmten Gründen (ein cooles Poster, ein toller Trailer, eine interessante Logline) auf der „To-Do-Liste“ landete. In diesem Fall bleibt das Gefühl der Enttäuschung. Der langsame Ritt in den Wahnsinn seiner Hauptfigur, alleine inmitten des Waldes, ist eine 90-minütige Tour de Force von Hauptdarsteller Ty Hickson und die Konzentration auf dessen Geschichte ist bewundernswert, doch leider nicht sonderlich sehenswert.
Ebenso auf der „To-Do-Liste“ landete aufgrund der einen oder anderen guten Kritik der Neo-Western „High or Hell Water“ (2016) des schottischen Regisseurs David Mackenzie. Chris Pine und Ben Foster sind zwei Brüder, die Banken überfallen, um ihre elterliche Farm zu retten bzw. um Geld für die Kinder aus einer gescheiterten Ehe zusammen zu kratzen. Jeff Bridges als gealterter Texas Ranger und Gil Birmingham als sein Partner, sind das ihnen gegenüber stehende Männer-Paar. Mackenzie zeigt einen ebenso nüchtern inszenierten, wie grandios gespielten Western inmitten der USA, voll mit gesellschaftspolitischen Betrachtungen und Anspielungen. Ein imposantes Werk, ebenso reif und nachdenklich wie Actiongeladen und mitreißend.
In Paul Schraders Thriller „Dog Eat Dog“ (2016) bieten Nicolas Cage und Willem Dafoe glänzende Darbietungen als Gangster, die bei einem Kidnapping, alles falsch machen, was sie nur falsch machen können. Dafoe mag eine extreme Rolle als psychotischer Gangster, wogegen Nicolas Cage geradezu zurückgenommen wirkt, doch es ist vor allem Schraders wilde Inszenierung, die fasziniert. Inhaltlich nicht so mitreißend, aber auf inszenatorischer Ebene ein beeindruckendes Werk.
Der britische Stummfilm „A Cottage on Dartmoor“ (1929) zeigt in stilistisch hervorragenden Rückblenden, wie ein entflohener Sträfling überhaupt im Gefängnis landete. Es ist eine, anfangs recht zähe, Eifersuchtsgeschichte, in der ein Kinobesuch im Zentrum steht. Während eine Kollegin mit einem anderen Mann ins Kino geht, durchbohrt er mit seinen Blicken das Paar. Am Ende steht ein ebenso grausiges wie tragisches Verbrechen. Anthony Asquith schreckt vor der großen melodramatischen Geste nicht zurück, aber es dauert ein wenig zu lange, bis der Film in die Gänge kommt.
Die auf einer wahren Geschichte basierende Überlebensgeschichte „Djúpid“ (2012) von Baltasar Kormákur, erzählt von einem untergegangenen Boot, dessen Besatzung bis auf einen Mann ertrank. Der Überlebende legte eine geradezu unglaubliche Strecke im Meer zurück, ehe er an Land Rettung fand. Kormákur zeigt dies in einer geradezu auffälligen Simplizität.
Virgil Widrichs Spielfilmdebüt „Heller als der Mond“ (2000) war einer jener Filme, die ich schon lange sehen wollte. Basierend auf seinen Preisgekrönten Kurzfilmen war ich sehr gespannt und Widrich zeigt die Geschichte von zwei Bankräubern und einem Paar welches über ein Lokal in eine Bank einsteigen will, mit vielen visuellen Spielereien. Doch die kuriosen Eigenheiten der Charaktere (auch der ermittelnden Polizisten) verlieren sich in einer langweiligen Handlung.
Mit Verspätung sah ich auch den Trailer für die Viennale 2016. „Cinéma Vérité“ (2016) von Klaus Wyborny ist eine sehr gut gemachte, und effektive Ansammlung von Kinomomenten, mit Besuchern im Kino. Als Werbefilm sehr gut, als eigenständiger Kurzfilm etwas zu dünn.
Oliver Stone als Regisseur der Biografie von Edward Snowden? Es scheint keine bessere Paarung zu geben, und so überrascht es umso mehr, dass Stone in „Snowden“ (2016) mit sehr viel Ruhe ans Werk geht. Der Privatmann Edward Snowden (toll: Joseph Gordon-Levitt) wird in Kontrast zum NSA-Agenten gestellt. Diese beiden Ansätze balanciert Stone so aus, als dass er sie ohne jede Aufgeregtheit präsentiert. Erst wenn Snowden geheime Daten aus der NSA hinausschmuggelt und an die Presse weiter gibt, gelangt etwas Hektik in den Film.
Der Independent-Thriller „Baby Blues“ (2008) baut auf der Idee auf, dass eine Mutter im postnatalen Depressionszustand in einen Blutrausch verfällt und ihre Kinder ermorden will. Eines nach dem anderen fällt ihr zum Opfer, nur der älteste Sohn kann sich retten. Nette Idee für einen Slasher, doch in dieser Billigaufmachung hätte es auch ein Kurzfilm getan.
Andreas Prochaska ist der erfolgreichste Genre-Filmemacher, den Österreich in den letzten Jahrzehnten gesehen hat. So ist es auch nicht überraschend, dass er auch schon in TV-Filmen wie „Ausgeliefert“ (2003) sich an Hollywood-Vorbildern abgearbeitet hat. In einer Quasi-Version von „Eine verhängnisvolle Affäre“, wird Harald Krassnitzer als Gefängnispsychologe zum Opfer seiner Klientin Maria Köstlinger. Darin liegt auch schon das Problem. Krassnitzers Psychologe ist viel zu sehr einfach nur Opfer einer psychopathischen Frau und somit unschuldig für seinen Fehltritt. Noch dazu wird, wieder einmal, weibliches Verlangen als Quelle von Mord und Zerstörung der Familienidylle betrachtet.
Ulrich Seidls „Der Busenfreund“ (1997) ist eine knapp einstündige Betrachtung des Lebens und der Philosophie eines ehemaligen Mathematikprofessors. Seidl lässt René Rupnik von seiner Faszination für Senta Berger berichten und davon, wie er die Gemälde Rubens‘ aus einem sexuellen Blickwinkel für missglückt hält. Ein gut gemachter und überraschend vielschichtiger Dokumentarfilm, der sich so gut wie nie von Rupnik abwendet.
Dank arte gab es wieder eine Reihe von Kurzfilmen zu betrachten. Doch aus dem Trio „Diane Wellington“ (2010), „La route du bojt du Monde“ (2015) und „Petite Mort“ (2016), stach nur Ersterer heraus. Eine Zusammenstellung von Archivmaterial aus den 1930ern, verbunden mit der Geschichte von Diane, die als 15-jähriges Mädchen verschwand und erst heute wieder gefunden wurde. Arnaud des Pallières macht daraus einen sehr einnehmenden Thriller, in dem außer den Texttafeln und Archivbildern kaum etwas zu sehen ist, und sich vieles somit in den Köpfen der Zuseher abspielt.
Wie lustig hätte es doch sein können. „Attack of the Lederhosen Zombies“ (2016) von Dominik Hart, schien der perfekte Versuch zu sein, das Zombiegenre im Heimatfilm zu verankern. Auf einen internationalen Markt abzielend, wurde der Film auf Englisch gedreht, was gerade im österreichisch gefärbten Englisch eine amüsante Note mitschwingen lässt. Doch der Plot ist uninspiriert und abgesehen von ein paar tollen Snowboard-Stunts, sind vor allem die Zombieszenen langweilig. Wie man Horror und die Berge miteinander in Verbindung bringt, zeigte „Blutgletscher“ viel effektiver.
Hell or High Water / https://pmcdeadline2.files.wordpress.com/2016/05/hell-or-high-water-1.jpg

The 1001 Project
Nach der Ansicht einer Paul-Verhoeven-Dokumentation, schien mir die Zeit reif, auch mal auf einen seiner niederländischen Filme einen Blick zu werfen. „Turks Fruit“ (1973) gilt als der beste niederländische Film aller Zeiten, doch für mein Empfinden, hat das ebenso obszöne und lustige wie auch gefühlvolle und nachdenkliche Melodram zu sehr Staub angesetzt. Rutger Hauer ist der promiskuitive Künstler Erik, der sich nach vielen sexuellen Abenteuern in die Teenagerin Olga (Monique van de Ven) verliebt. Auf die Hochzeit und stürmische Liebe, folgt aber schnell das Ende der Beziehung. Verhoeven dokumentiert seine Generation und die den bürgerlichen Werten gegenüber stehenden Lebensentwürfe. Filmhistorisch interessant.
Turks Fruit / http://s3.amazonaws.com/auteurs_production/images/film/turkish-delight/w448/turkish-delight.jpg

Re-Visited
Irgendwie erhielt Pedro Almodóvars „La piel que habito“ (2011) nicht das Lob, welches er sich verdient. Antonio Banderas ist fantastisch als Schönheitschirurg der eine Frau (meint man zumindest) gefangen hält und sie mit Operationen zu neuer Schönheit bringt. Zwar ist manch melodramatische Volte (der Halbbruder, der nach einem Banküberfall ins Haus gelangt) etwas zu dick aufgetragen, doch der Grundkonflikt rund um Banderas ist fantastisch und auf gruselige Weise faszinierend.
Keanu Reeves gab es diesmal im Doppelpack. Zum einen in seinem Action-Comeback „John Wick“ (2014), und zum anderen im Sci-Fi-Meisterwerk „The Matrix“ (1999). In beiden Filmen ist Reeves nicht gerade für seine darstellerischen Variationen bekannt, doch die großartig choreografierten Actionszenen in beiden Filmen, sowie die hintergründige Handlung (in Matrix) sind immer noch Garanten für wunderbare und Actiongeladene Filmstunden.
Bei der ersten Ansicht war ich wohl ebenso begeistert von „Love Story“ (1970) wie die damalige Kritik. Bei der erneuten Ansicht hat der Zauber des klassischen Melodrams ein wenig von seinem Glanz eingebüßt und vor allem die damals Oscar-nominierte Ali MacGraw wirkt heute nicht mehr ganz so authentisch, sondern eher eintönig. Diese Kritikpunkte zum Trotz, ist Arthur Hillers Film ein Meisterwerk, voller schmerzhafter Augenblicke. Sei es die Beziehung zwischen Oliver (Ryan O’Neal) und Jennifer oder auch die Zeichen der Entfremdung zwischen Oliver und seinem Vater (fantastisch: Ray Milland).
Im Dezember geht es nach New York, da ist ein Film, der die Stadt quasi zum Hauptdarsteller kürt, geradezu Pflicht. In „Manhattan“ (1979) variiert Woody Allen im Grunde die Motive aus „Annie Hall“, ohne dabei jedoch eine humorvolle und intelligente Geschichte zu vergessen. Die wunderschöne Schwarzweiß-Fotografie verbunden mit einer nicht im Happy End aufgelösten Liebesgeschichte mit einer überspannten Journalistin (Diane Keaton) bzw. einer Teenagerin (Mariel Hemingway), sind die Zutaten zu einem der bekanntesten und besten Filme Allens.
David Lynchs „The Elephant Man“ (1980) wirkt auch heute noch ein wenig wie eine Anomalie im Hollywood-Biopic. Der Regisseur von „Eraserhead“ verbindet die Geschichte von John Merrick (großartig: John Hurt), aufgrund seiner Deformationen als „The Elephant Man“ bekannt, mit Ansichten zum Leben von Außenseitern und Ausgestoßenen. Bei Lynch ist „The Elephant Man“ eine Analyse zum Wesen von Außenseitern und der Behandlung durch die Gesellschaft (auch durch den wohlmeinenden Arzt: Anthony Hopkins). Sensibel, fantastisch fotografiert, mit tollem Make-up und voller Schönheit.
Ein Film über Baseball ist entweder eine unterhaltsame Komödie oder ein pathetisches Heldenepos, manchmal beides. „Moneyball“ (2011) von Bennett Miller hingegen, ist ein Nerdfilm, der auf Basis eines statistischen Modells, die unwahrscheinlich wirkende aber statistisch eben mehr als wahrscheinliche Geschichte der Oakland Atheltics und ihres General Managers Billy Beane (Brad Pitt) erzählt. Die Klischees des Sportfilms – der Underdog, der zum Liebling der Massen empor steigt und nach den Sternen greift – werden von Miller als Basis für einen Film über das Wesen des Baseball benutzt. Zugute kommt ihm dabei die Sicht von Beane und seinem Assistenten (Jonah Hill). Bei zweiter Sicht, mit mehr Geduld auch für die Mechanismen von Baseball, ein sehr starker und lohnenswerter Film.
Comic-Legende René Goscinny hat bei einer Handvoll Animationsfilmen selbst Regie geführt. Sein bestes Werk war sehr wahrscheinlich „Asterix und Kleopatra“, aber auch bei den „Lucky Luke“-Filmen, hat den wohl besten Zeichentrickfilm abgeliefert. „Daisy Town“ (1971) ist eine meiner Lieblingsgeschichten der Lucky Luke-Reihe und auch der Film wird immer wieder gerne gesichtet. Goscinny hatte aber ganz offensichtlich nicht das Budget amerikanischer oder japanischer Großproduktionen zur Verfügung. Stattdessen verließ er sich auf Wiederholungen, um Zeit und Geld zu sparen, was aber in der Handlung selbst humoristisch aufgearbeitet wird. Die Lucky Luke-Filme waren nie großartige Projekte, aber „Daisy Town“ zeigt, wie unterhaltsam sie sein konnten und passend zum Besuch von Achdé bei der Comic Con lohnt sich so ein Wiedersehen mit alten Kindheitshelden natürlich immer.
Wenn es um Oscar-nominierte Filme geht, dann ist in der „Fremdsprachen“-Kategorie aus Europa meist ein Weltkriegs- oder Holocaust-Thema eine gute Möglichkeit, um eine Nominierung zu landen. Götz Spielmanns „Revanche“ (2008) nimmt sich gerade deshalb wie eine Anomalie aus, da es sich hierbei um eine Kleinstadttragödie handelt. Ein Schläger aus dem Rotlichtmilieu (Johannes Krisch) und seine als Prostituierte arbeitende Freundin (Irina Popatenko), kreuzen nach einem Banküberfall in der Provinz, die Wege eines Polizisten (Andreas Lust) und dessen in Hausfrauenlangeweile lebender Ehefrau (Ursula Strauss). Die Verbindungen ergeben sich zufällig, und scheinen die Frage nach der Rolle des Schicksal zu stellen. Spielmann lässt sich Zeit und den Charakteren Raum, ehe er sie zueinander führt, und hier auch nicht die offensichtlichen Konsequenzen zieht, sondern jeden seine eigene Schlüsse ziehen lässt. Ein starker Film, ein noch überraschenderer Oscar-Kandidat aus 2008.
The Elephant Man / http://cdn.thedailybeast.com/content/dailybeast/articles/2014/11/03/the-true-story-of-the-elephant-man/jcr:content/image.crop.800.500.jpg/47170768.cached.jpg

Serien-Überblick
Staffel 3 (2016) der Erfolgsserie „Black Mirror“ hat den Weg zu Netflix gefunden und die sechs (nicht zusammenhängenden) Episoden zeigen sich mit Starbesetzung und inhaltlich ambitioniert, doch im Gegensatz zu den zuvor produzierten Folgen (inkl. dem großartigen Weihnachtsspecial „White Christmas“) wirken die Konzepte weniger gut durchdacht. Schock- und Horrormomente wechseln sich mit manch großartiger Darbietung (Bryce Dallas Howard in „Nosedive“ etwa), doch zumeist bleiben gute Ideen mit mittelmäßiger Ausführung.
Nachdem der Lifetime-Film „Lizzie Borden Took an Ax“ (2014) überraschend erfolgreich war, wurde mit der Mini-Serie „The Lizzie Borden Chronicles“ (2015) eine Fortsetzung produziert, in der Christina Ricci ihr ganzes Können erneut aufzeigen kann. Nach ihrem Freispruch versucht Lizzie gemeinsam mit ihrer Schwester Emma (Clea DuVall) ein normales Leben zu führen, doch die Stadt lässt sie nicht vergessen. Die von Ricci mitproduzierte Show hat einige tolle Darbietungen (Jonathan Banks als Zuhälter ist eine Freude zuzuschauen) zu bieten, doch wie schon der Film, nimmt die Serie extrem viele historische Freiheiten und leidet unter dem geringen Budget. Umso überraschender, dass die acht Episoden dennoch einen flotten Rhythmus haben und als „guilty pleasure“-Fernsehen funktionieren.
Peter Morgan ist spätestens seit dem Hit „The Queen“ eine Art Experte für die Innenwelt der Monarchie. In „The Crown“ erzählt er in der 1. Staffel (2016) vor allem von den ersten Jahren der Regentschaft Königin Elizabeths II. (Claire Foy) und den damit einhergehenden Problemen. So wird sie von alten Staatsmännern wie Winston Churchill (der heimliche Star: John Lithgow) nicht ernst genommen, oder von ihrer Familie zunehmend eifersüchtig auf die Probe gestellt (vor allem Matt Smith als Prinz Philipp ist fantastisch). Morgan (der jede Episode der Netflix-Produktion schrieb) lässt hin und wieder einen roten Faden vermissen, und springt von Rückblenden zu aktuellen Geschehnissen hin und her, doch die Dialoge sind großartig, die Inszenierung mitreißend und das Ensemble glänzt in jeder Rolle.
„Channel Zero: Candle Cove“ (2016) ist eine sechsteilige Mini-Serie, deren zweiter Teil im nächsten Jahr präsentiert wird, aber doch eine eigenständige Erzählung sein soll. In „Candle Cove“ kehrt der Kinderpsychologe Mike (Paul Schneider) in seinen Heimatort zurück, wo er den Ursprüngen der Serie „Candle Cove“ nachspürt, die nicht auffindbar zu sein scheint, und für den Tod einiger Kinder verantwortlich sein könnte. Großartige Atmosphäre, schöne Einzelmomente und stiller Grusel…doch die Handlung zieht sich selbst über die knapp bemessenen sechs Episoden, bis denn endlich etwas in Gang gerät.
Die acht Episoden laufende Mini-Serie „The Night Of“ (2016) von Richard Price und Steven Zaillian ist inhaltlich und formell wenig überraschende Krimi-Ware. Den Reiz machen die Details in der Inszenierung und vor allem in den Charakteren und ihren Darstellungen aus. John Turturro als herunter gekommener Anwalt und Riz Ahmed als Mordverdächtiger, sind fantastisch, während Michael Kenneth Williams seinen Part als Knastkönig sehr zurückhaltend anlegt. Eine hoch interessante Mini-Serie, in der vor allem das Innenleben der Charaktere und die Konsequenzen einer mysteriösen Nacht und weniger die Lösung des Falls im Vordergrund stehen.
Staffel 3 (2016) der unterhaltsamen Vampir-Serie „The Strain“ beginnt bereits mit den ersten Episoden, mich zu verlieren. Das aufgesplitterte Team findet sich an verschiedenen Punkten im Kampf gegen die Strigoi und ihren Meister, um New York City zu retten. Allerdings zeigt sich nicht nur, dass New York fallen wird, sondern die Welt von den Monstern in Angriff genommen wird. Obwohl es also um immer mehr zu gehen scheint, wirkt die Serie merkwürdig zerfahren, und unentschlossen zwischen den persönlichen Konflikten und dem großen Ganzen. Erst zum Ende hin, beginnt sich die Serie wieder ihrer Stärken zu bedienen und die persönlichen Konflikte mit dem Kampf zu verbinden. Der Cliffhanger zur (wohl letzten) 4. Staffel gehört aber zu den dümmsten, die ich in langer Zeit zu sehen bekam.
In der österreichischen Serienlandschaft nimmt sich so etwas wie „Schnell ermittelt“ wie ein funkelndes Juwel heraus. Dabei zeigt die 1. Staffel (2009) rund um die Arbeit der genialen Chefinspektorin Angelika Schnell (Ursula Strauss) mit ihrem Team (Wolf Bachofner, Katharina Straßer) und ihrem durcheinander gewirbelten Privatleben (ihr Ex-Mann ist gleichzeitig Chefpathologe: Andreas Lust) allzu viele Krimiklischees und bleibt in einigen Handlungen zu sehr in bekannten Plots hängen. Serienschöpferin Eva Spreitzhofer ist es aber zu verdanken, dass diese Klischeeserienwelt, von reichlich skurrilen und unterhaltsamen Charakteren belebt wird. Die heimische Serienlandschaft profitiert ungemein von „Schnell ermittelt“, auch wenn sie oft nicht ihre eigenen Unzulänglichkeiten überdecken kann.
The Crown / http://www.thewrap.com/wp-content/uploads/2016/01/The-Crown-Netflix.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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