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Die Oscar-Verleihung steht an und somit auch einige Filme, die sich im Fokus der Preisverleihungen befinden. Neben großartigen, im Kino gesichteten, Werke wie „Nocturnal Animals“, „Manchester by the Sea“ oder „La La Land“, konnten auch zu Hause eindrucksvolle Arbeiten wie „Toni Erdmann“ begutachtet werden. An der Serienfront war die Rückkehr von „Sherlock“ das Highlight des Monats.

Neuzugänge
Mit „Nocturnal Animals“ (2016) legt Tom Ford seinen erst zweiten Film vor, doch das Stilbewusstsein und die Handhabung der einzelnen Erzählebenen zeichnet ihn bereits als einen großen Filmemacher aus. Amy Adams als Kunstgaleristin, die von ihrem Ex-Mann (Jake Gyllenhaal) einen ihr gewidmeten brutalen Racheroman geschickt bekommt, ist eine vielschichtige Geschichte über Beziehungskonflikte, Lebensentwürfe und auch Mord, Rache und Gewalt. Toll gespielt (Aaron-Taylor Johnson und Michael Shannon sind veritable Scene Stealer), großartig in Szene gesetzt und spannend bis zur letzten Minute. Ein richtig guter Film.
Der mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence prominent besetzte Sci-Fi-Reißer „Passengers“ (2016) hat eine spannende Grundidee, die aber durch ein völlig uninspiriertes Drehbuch verschenkt wird. Die Geschichte von einem Passagier, der auf einem interstellaren Flug 90 Jahre zu früh aufwacht, hätte düster, satirisch oder auch einfach nur spannend geraten können. Stattdessen ist es eine – stellenweise unterhaltsame – Romantikkomödie im Weltall.
Damien Chazelle hat sich schon mit „Whiplash“ als veritables Hollywood-Wunderkind etabliert, doch sein schamlos altmodisch gestricktes Musical „La La Land“ (2016) etabliert ihn als einen ganz Großen der Zunft, und das mit knapp mehr als 30 Jahren. Ryan Gosling und Emma Stone sind zwei in Hollywood ihr Glück suchende Träumer, die sich über den Weg laufen und verlieben. Die Handlung ist dünn und vorhersehbar, doch Chazelle ist derart innovativ, geistreich und voller Witz bei der Inszenierung, dass man einfach nur gefangen genommen wird, von diesem wunderschönen, leichten und das Genre auf neue Weise mit klassischen Methoden in die Zukunft führenden Film.
Als Vorfilm zu „La La Land“ gab es den Kurzfilm „El ritual del color“ (2015) von Maria Luz Olivares Capelle. Ein experimenteller Film über Farbspiele, Animationen und Filmtechniken. Gut gemacht, kurzweilig, aber nicht wirklich im Gedächtnis haften bleibend.
Neben „La La Land“ als weiterer Oscar-Kandidat geltender Film zeigt Kenneth Lonergans „Manchester by the Sea“ (2016), eine überraschend ausgewogene Balance zwischen trockenem und bösem Humor – vor allem die Streitereien und Diskussionen zwischen Neo-Vormund Lee (fantastisch: Casey Affleck) und seinem Neffen Patrick (toll: Lucas Hedges) – und das Leben dieser Menschen zutiefst zerrüttende Ereignisse. Der Tod seines Bruders (Kyle Chandler) wirft Lee zurück in ein Leben, aus dem er sich absentiert hatte. Die Geheimnisse rund um seine Gefühlskälte werden von Lonergan mit Hilfe verschiedener Rückblenden aufgearbeitet. Ein großartiger und aufwühlender Film.

Nocturnal Animals / http://fattongue.com/wp-content/uploads/2016/07/jake-gyllenhall-nocturnal-animals.jpg

Kirby Dick hat sich in den letzten Jahren dem Thema der sexuellen Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft angenommen. Nach dem US-Militär in „The Invisible War“ zeigt er nun die bekannten aber ungeahndeten Vorgänge an US-Unis auf. „The Hunting Ground“ (2014) geht inszenatorisch keine Risiken ein, sondern verlässt sich auf die Aussagen der Studentinnen und der Mittel und Wege die sie auf sich genommen haben. Die Hürden die in den Weg gelegt werden, erinnern an mafiöse Strukturen…oder an die katholische Kirche. Ein starker Appell an die Verantwortlichen, endlich etwas zu ändern.
Andrea Arnolds „American Honey“ (2016) wurde nach seiner Premiere beim Filmfestival von Cannes als moderner Klassiker in den Himmel gelobt. Die Geschichte um die junge Star (Sasha Lane), die auf den charismatischen Jake (Shia LaBeouf) trifft, und mit ihm durchs Land zieht, hat wenig Handlung, aber sehr viel Einblick in die Lebenswelt einer sich selbst suchenden Jugend zu bieten. 2,5 Stunden lässt Arnold die Charaktere durch die Gegend ziehen, trinken, feiern, singen, ver- und entliehen. Das ist fantastisch gespielt, spannend inszeniert, aber auf Dauer doch ein wenig anstrengend.
Die Landkrimi-Reihe wurde diesmal mit einem Wiener Beitrag abgeschlossen. Ende 2016 strahlte der ORF David Schalkos Thriller-Farce „Höhenstraße“ (2016) aus. Nicholas Ofczarek und Raimund Walfisch brillieren als Gauner, die als Polizisten auftreten, um auf der Höhenstraße Autofahrer auszunehmen. Schalko ist am Krimiplot kaum interessiert, und lässt seine Charaktere in absurde Situationen hinein laufen. Das wäre zu „Pulp Fiction“-Zeiten interessant gewesen. Heute wirkt es ausgelutscht und fade. In Wiederholung laufen nun auch die ersten „Landkrimi“-Filme und so konnte ich den Wolfgang-Murnberger-Beitrag „Steirerblut“ (2014) nachholen. In St. Anna – in der Nähe von Leoben – wird eine Journalistin tot aufgefunden. Eine junge Ermittlern (Miriam Stein) muss in ihren Heimatort zurückkehren und unter den Augen ihres zynischen Vorgesetzten (Hary Prinz) ihre Vergangenheit mitaufarbeiten, zusätzlich zum Fall. Der Fall ist vorhersehbar, der Ort trägt viel zu viele Geheimnisse mit sich, und so wirkt alles ein bisschen zu aufgesetzt. Insgesamt ein solider Krimi, aber nicht aus der Masse herausragend, was gerade bei einer Murnberger-Produktion überrascht.
Zum zweiten Mal schlüpft Rowan Atkinson in die Rolle des französischen Ermittlers Maigret. In „Maigret’s Dead Man“ (2016) wirkt die gesamte Produktion bereits ein wenig gefestigter, denn im ersten Film. Atkinson ist richtig gut in der Rolle, doch der Film lässt sich ein wenig zu viel Zeit um Spannung in die Handlung zu bringen. So bleibt auch der zweite Atkinson-Auftritt ein wenig hinter den Erwartungen zurück, was aber nichts mit Atkinson selbst zu tun hat.
Kassenrekorde schlug der neueste japanische Auftritt von Godzilla. In „Shin Godzilla“ (2016) werden alle möglichen modernen Kommunikations- und Inszenierungsmittel in den Film hinein geworfen, um das Auftauchen eines merkwürdigen Ungetüms im Großraum Tokio spannend zu gestalten. Die Vielzahl an uninteressanten militärischen und politischen Entscheidungsträgern sorgt dafür, dass man sich immer wieder in langwierigen und frustrierenden Diskussionen wieder findet, während die Actionszenen begeistern. Das Design von Godzilla wird erst cool, wenn er sich auf seinen beiden Beinen aufgerichtet hat – davor sieht es furchtbar lächerlich aus – doch dann kann Japans bekanntester Filmexport mit der Hollywood-Konkurrenz ganz klar mithalten und sie auch ausstechen.
Überraschend vergessen scheint heute „Postcards from the Edge“ (1990), nach dem Roman von Carrie Fisher. Meryl Streep glänzt als Drogensüchtige Schauspielerin, die vor allem unter der „Fürsorge“ ihrer noch berühmteren Mutter (grandios: Shirley MacLaine) leidet. Die Wortgefechte zwischen den beiden Schauspielgranden sind fantastisch, während die „Hinter-den-Kulissen“-Szenen von Mike Nichols mit viel Aufwand lustig gestaltet werden, was aber leider nur den Eindruck verstärkt, dass sie nun einmal nicht lustig sind. Fishers Drehbuch sprüht nur vor großartigen Dialogen, doch der Plot ist hin und wieder allzu bieder.
Michael Moore ist spätestens seit „Fahrenheit 9/11“ ein wenig von der internationalen Bildfläche verschwunden. Als politischer Kommentator ist er noch immer relevant, doch seine Dokumentarfilme (ob „Sicko“ oder „Capitalism – A Love Story“) wissen nicht mehr so umfassend zu begeistern. Mit „Where to Invade Next“ (2015) ist er in Hochform, doch seine nahe am Propagandastück dahin reitende Dokumentarsatire wurde wieder weitestgehend ignoriert. Das ist schade, denn Moore zeigt herrlich unterhaltsam die Missstände in der US-Gesellschaft auf und bleibt dabei doch immer auch optimistisch.
André Ovredal überrascht mit dem Horrorfilm „The Autopsy of Jane Doe“ (2016), in dem er Emile Hirsch und Brian Cox als Vater-Sohn-Gerichtsmediziner-Duo eine unbekannte Leiche obduzieren lässt. Schnell wird daraus ein Mysteryfilm rund um Hexerei und übernatürliche Kräfte. Das Finale ist zwar zu sehr in Horrorklischees ertrinkend, doch Ovredal weiß sehr gut die grundlegend uninteressante Handlung mitreißend zu gestalten.
Als Maren Ade mit „Toni Erdmann“ (2016) in Cannes antrat, war die internationale Presse begeistert. Auch die US-Kritik konnte sich vor Begeisterung kaum halten, und so winkt nun auch ein Oscar als bester fremdsprachiger Film. Am heimischen TV-Schirm ist die etwa zweieinhalb Stunden lange Auseinandersetzung zwischen Vater (Peter Simonischek) und der erfolgreichen Manager-Tochter (Sandra Hüller) nicht immer leicht zu konsumieren. Bei „Toni Erdmann“ handelt es sich nicht um eine Komödie mit hoher Gagdichte, sondern um eine bitterböse Analyse von kapitalistischer Lebenswelt und Generationenkonflikten. Großartig gespielt und schmerzhaft konsequent inszeniert.
In Vorbereitung auf den letzten Wolverine-Film „Logan“, sah ich mir nun endlich auch die ersten beiden Solo-Filme mit Hugh Jackman an. „X-Men Origins: Wolverine“ (2009) von Gavin Hood, wirkt wie ein halbfertiges Actionvehikel mit nicht zu Ende geschriebenem Drehbuch und lausigen Special Effects. Jackman und Liev Schreiber als sein Bruder (und Bösewicht Sabretooth) sind unterhaltsam, doch der Rest ist nicht der Rede wert. In „The Wolverine“ (2013) von James Mangold, ist das Abenteuer in Japan ein willkommener Wechsel der Stimmung und des Settings. Zwar sind auch hier überlange und langweilige Passagen nicht zu vermeiden, doch wirkt das Japan-Abenteuer viel stimmiger und lohnender.
Mit viel Jubel wurde „The Birth of a Nation“ (2016) von und mit Nate Parker beim Sundance Filmfestival 2016 empfangen. Mittlerweile hat sich der Jubel gelegt (auch durch Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Nate Turner) und man kann den Film ohne jeden „Oscar-Ballast“ betrachten. Die hierzulande unbekannte Geschichte von Nat Turner, der eine wenig erfolgreiche Revolution gegen die weißen Herren anführte, ist stellenweise äußerst kraftvoll, doch meist folgt er einer gewissen „Revolutionsfilmlogik“, in der sich beinahe alles so ereignet, wie man es sich vorstellt. Die Botschaft ist lobenswert, aber sie überlagert die Form völlig.
Verfilmungen von John le Carré-Büchern sind in den letzten Jahren wieder populärer geworden. Der unfassbar langweilige Thriller „Our Kind of Traitor“ (2016) von Susanna White, mit Ewan McGregor als Lehrer/Spion wider Willen und Stellan Skarsgard als russischem Mafioso, ist eine Aneinanderreihung von Klischees und langweiligen Spionagebausätzen.
In dem Western „The Fighting Kentuckian“ (1949) sieht man all die Klischees aus Western die in den 1940ern möglich waren. Der raue aber edle Held (John Wayne), der um die Hand einer feinen Dame kämpft, während ihr versprochener Ehemann sich als schnöseliger Widerling entpuppt. Hinzu kommt auch noch die Geschichte der französischen Revolution und der braven Männer aus Kentucky und ihres Kampfes um Freiheit, sowie die Staatswerdung Alabamas. Das klingt interessant, ist aber nur Staffage für ein paar Kampfszenen und Faustkämpfe in Saloons. Wirklich gelungen ist das ungewohnte Auftreten von John Wayne mit Oliver Hardy als seinem Sidekick. Die Charakter- und Slapstick-Einlagen der beiden Stars sind herrlich und man wünscht, es wäre mehr auf die Zwei eingegangen worden.
Basierend auf dem überraschend effektivem Zombie-Roman, die Adaptioin „The Girl with All the Gifts“ (2016) versucht genau dieselben Aspekte zu transferieren, die das Buch so interessant machten. Die betont „schmutzige“ Kameraarbeit, verstärkt die triste Zukunftsatmosphäre, während vor allem Sennia Nanua in der Hauptrolle für Interesse sorgt. Glenn Close und Paddy Considine geben solide Darbietungen, doch fehlt es den Charakteren an starken Verbindungen, wie sie im Buch spürbar waren.
Der belgische Thriller „De Zaak Alzheimer“ (2003) wirkt wie eine Variation eines Michael-Mann-Films. Ein alternder Profikiller soll einen Auftrag erledigen, leidet aber an seiner fortschreitenden Demenz. Als Psychogram sehr effektiv, als Thriller von minderer Qualität.
Stärker ist hingegen das Psychogram der Journalistin Christine Chubbuck (fantastisch: Rebecca Hall). In „Christine“ (2016) wird der Weg hin zu ihrem berüchtigten Selbstmord beschrieben, den sie live in einer Nachrichtensendung begang. Hall zeigt Chrstine als idealistische aber auch ein wenig neurotische Frau, die sich für ihre Ansichten einsetzt, was gerade im Rahmen eines lokalen und defizitären Fernsehsenders eine tragischkomische Note hat.
Die Fortsetzung zu seinem berühmten „Dr. Mabuse“ zeigt Fritz Lang bereits ganz im Element des Tonfilms. „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) benötigt eine gute halbe Stunde, um in die Gänge zu kommen – viele Sequenzen, die noch wie aus einem Stummfilm wirken, bauen die Charaktere und die Atmosphäre auf – doch dann ist die Hetzjagd auf den Meisterverbrecher intensiv und interessant.
Reinhold Bilgeris Regiedebüt nach seinem eigenen Roman, war einer der Überraschungshits des Kinojahres 2010 und auch ein Quotenhit im ORF. So kam ich dann auch schlussendlich nicht an „Der Atem des Himmels“ (2010) herum, und bin geneigt, von einer hoch budgetierten Amateurproduktion zu sprechen, die aufgrund der heimeligen Inszenierung (Vorarlbergs Landschaft wird in schönsten Bildern präsentiert) und des geradezu glorifiziernden Themas (die Geschichte von Bilgeris Mutter, die den Adel hinter sich ließ und als Lehrerin am Land arbeitete, wird wie eine Heiligenverehrung dargeboten) sein Publikum fand.
Der britisch-iranisch finanzierte Horrorfilm „Under the Shadow“ (2016) zählt laut Kritikern zu den besten britischen Filmen des vergangenen Jahres. Babak Anvari zeigt jedoch eine Hälfte lang beinahe ausschließlich ein Porträt des vom Iran-Irak-Krieg mitgenommenen Teherans. Shideh (Narges Rashidi) und ihre kleine Tochter Dorsa (Avin Manshadi) bleiben in ihrer Wohnung in Teheran zurück, während ihr Mann (Bobby Naderi) an die Front berufen wird. Was folgt ist eine Mischung aus häuslichem Paranoia-Drama und schließlich imposant inszeniertem Horrorthriller. Die Mischung aus alltäglichen Problemen zu Kriegszeiten und dem übernatürlichen Horror, machen aus dem fast ausschließlich in der Wohnung und dem Gebäude spielenden Film, eine kleine Besonderheit.
Die Verfilmung eines Jugendbuches, ist bei Billy O’Brien die Vorlage zu einem herrlichen Katz-und-Maus-Spiel. Max Records als sozial unangepasster Teenager mit Mordgelüsten, stößt bei einer unheimlichen Mordserie auf den Urheber: sein schrulliger Nachbar (Christoper Lloyd). In „I Am Not a Serial Killer“ (2016) ist die Handlung oft überlagert durch Atmosphäre und großartiges Schauspiel, vor allem von Lloyd. Ein stellenweise etwas anstrengendes Sehvergnügen.
Ken Loach hatte sich offiziell in den Ruhestand begeben, doch mit „I, Daniel Blake“ (2016) kehrte er noch einmal zurück. Der Lohn war einer seiner größten Publikums- und Kritikerhits. Die wütend erzählte Geschichte des arbeitslosen Daniel Blake (Dave Johns), der sich durch den Behördendschungel kämpft, ist aufwühlend und manipulativ-mitreißend. Ein Plädoyer für eine menschliche Behandlung, der von der Arbeitswelt verratenen Menschen.
Mel Gibson feiert mit „Hacksaw Ridge“ (2016) ein Oscar-Comeback, doch wie schon bei seinem Gewinnerfilm „Braveheart“, irritiert mich eher das umfassende Lob für seine Inszenierung. Die Geschichte des 7-Tage-Adventisten Desmond Doss (toll: Andrew Garfield), der keine Waffe in die Hand nehmen, aber seinem Land dienen will, ist voller moralischer Fallstricke. Ein guter Film, würde das Spannungsfeld von Krieg und Pazifismus ausloten, doch Gibson zeigt eine Hälfte lang eine Mischung aus Familienmelodram und Full-Metal-Jacket-Kopie und in der zweiten Hälfte einen B-Action-Film mit übertriebenem Blutgehalt. Weshalb es dafür Lob und Preise regnet, ist mir ein Rätsel.
Barack Obama ist nach zwei Amtszeiten aus dem Amt geschieden. Nun beginnt der Reigen an Filmen über sein Leben. In „Barry“ (2016) erzählt Vikram Gandhi von einem jungen Obama (Devon Terrell) und seinen ersten Gehversuchen an der Universität. Ein sympathischer Film über einen für Großes bestimmten Mann, der mit Rassismus in vielen Lebenslagen konfrontiert war.
Nach seinem Überraschungserfolg mit „Der Atem des Himmels“, bekam Reinhold Bilgeri den Auftrag den Vorarlberger Landkrimi „Alles Fleisch ist Gras“ (2014) zu verfilmen. Die betont schräge Geschichte von einem Polizisten (Tobias Moretti) auf Selbstjustiz-Trip, zeigt Bilgeri in Hochform. Zumindest in seiner Hochform. Inszenatorische Mätzchen verbunden mit einem spielfreudigen Ensemble. Ein unrund laufender Krimi.
Der frei verfügbare Sci-Fi-Film „Cat-Women of the Moon“ (1953) reizt vor allem durch seinen Titel. Die Qualität des Films ist nämlich unterirdisch schlecht und langweilig.
„Jackie“ (2016) wirkt auf den ersten Blick wie ein Prestigefilm, doch Pablo Larrain zeigt auf Basis eines ambitionierten Drehbuchs von Noah Oppenheimer, die spannende Beziehung zwischen dem Mythos Kennedy und den Machenschaften, die sich dahinter zutrugen. Natalie Portman ist großartig als Jackie Kennedy und dominiert den gesamten Film, sodass die Nahaufnahmen ihres Gesichts zum Hauptmerkmal des Filmes werden. Der Rest wird zur Staffage, was auch ein wenig das Problem von Larrains Inszenierung ist. Neben Portman ist kaum Platz für mehr.
Ethan Hawke war nach „The Magnificent Seven“ wohl in Western-Laune und seine charismatische Darstellung im Italo-Western-beeinflussten „In a Valley of Violence“ (2016) hilft, über diverse langsame und schwache Passagen hinweg. Der Film ist grundsätzlich recht sparsam inszeniert, die Stadt nur von der Handvoll Charakteren (darunter ein toller John Travolta als Marshal) belebt und die Actionsequenzen kurz und prägnant. Eine unterhaltsame Fingerübung und Hommage.

Toni Erdmann / http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/kulturwelt/toni-erdmann-filmbild-144~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647.jpg?version=0a208

The 1001 Project
Der Film Noir „The Big Heat“ (1953) von Fritz Lang, hat eine geradezu erdrückend boshafte Atmosphäre. Als der harte Polizist Dave Bannion (Glenn Ford) ein Verbrechen mit politischen Verknüpfungen aufklären will, muss er auch schwere private Verluste tragen. Lang zeigt eine unbarmherzige US-Welt, in der Gerechtigkeit nur mit hohen Verlusten zu bekommen ist. Am Ende irritiert das etwas zu positive Happy End, doch der Weg dorthin ist finster und brutal.
Japanische Filme sind eine anstrengende Angelegenheit. Synchronfassungen sind schwer zu finden, oder derart schlecht produziert, dass sie den Film kaum repräsentieren. Originalfassungen sind schwerer zu konsumieren, da mir die Sprache so komplett fremd ist. Zudem zeigen sich Geschichten wie jene in dem beeindruckend -träumerischem „Ugetsu monogatari“ (1953) voller doppelter Böden und versteckter Botschaften, die es erst zu entschlüssen gilt. In diesem Fall lohnt es sich, die Arbeit auf sich zu nehmen. Der Weg zweier Männer durch das kriegerische Japan, und der (scheinbaren) Erfüllung ihrer Träume, ist großartiges Kino für geduldige Cineasten.
Der Thriller „I Am a Fugitive from a Chain Gang“ (1934) basiert auf einer wahren Geschichte. Dies ist zwar für den Erfolg des Filmes nicht wichtig, doch im Nachhinein erscheint die Geschichte von James Allen (Paul Muni) noch fantastischer. Vom 1. Weltkrieg über ein Verbrechen, in das er hineinschlittert, bis hin zur Flucht aus dem Gefängnis und gesellschaftlichen Aufstieg, zeigt Mervyn LeRoy ein Amerika in der Depression, geprägt von Korruption und Gewalt. Ein großartiger und mitreißender Film.
John Hustons „Beat the Devil“ (1953) – an dessen Drehbuch auch Truman Capote mitschrieb – ist ein amüsantes Ganovenstück in Starbesetzung mit Humphrey Bogart und Peter Lorre. Doch die nur lose zusammengehaltene Handlung um einen Uranschmuggel, ist nicht mehr als eine Möglichkeit, um talentierte Darsteller in Hochform zu sehen, während John Huston sie gewähren lässt.
Der Western „Shane“ (1953) gilt als Klassiker des Genres. George Stevens‘ Inszenierung zeigt von Beginn weg glamouröse Landschaftsbilder, in denen der Western-Outlaw Shane (Alan Ladd) wie ein Fremdkörper wirkt. Er bleibt bei einer Familie und geht ihnen zur Hand, freundet sich mit dem kleinen Sohn an und verteidigt schließlich die Siedler gegen Verbrecher. Mich packte nach etwa einer halben Stunde bereits die Langeweile in diesem glattgebügelten Film. Ein Klassiker, der mich kalt ließ.

I am a Fugitive from a Chain Gang / https://assets.mubi.com/images/film/12318/image-w1280.jpg?1445947542

Re-Visited
Nachdem sich der japanische Beitrag „Shin Godzilla“ als sehr gelungener Monsterfilm entpuppte, musste die jüngste Hollywood-Kreation auch wieder einmal betrachtet werden. Gareth Edwards „Godzilla“ (2014) ist auch bei zweiter Ansicht ein überraschend mitreißender Monsterfilm, der seine reichlich unsinnige Handlung unter effektvoll eingesetzten und inszenierten Actionszenen begräbt. Der einzige Charakter von Interesse wird weiter von Bryan Cranston dargestellt, während das restliche Ensemble im Grunde nur herum steht, um Godzilla eine Bühne zu bieten.
Es war wieder einmal an der Zeit „Bride of the Monster“ (1955) zu sehen. Weshalb? Weil Ed Wood mir einfach immer eine Freude bereitet. Der Monsterfilm mit Bela Lugosi in seiner letzten Sprechrolle, ist immer wieder ein Vergnügen und womöglich Woods reifster Film. Im Kontrast dazu ist sein „populärster“ Film „Plan 9 from Outer Space“ (1959) einfach eine wundersame Ansammlung furchtbarster filmischer Fehler, die aber natürlich einfach viel zu viel Spaß machen, um Wood deshalb nun „böse“ zu sein. Immer wieder ein Vergnügen.
Ebenso immer wieder ein Vergnügen ist „Indien“ (1993). Der Erfolgsfilm von Paul Harather mit Alfred Dorfer und Josef Hader als Gaststätten-Tester, die sich langsam zusammenraufen, hat derart viele bekannte Dialogzeilen in die österreichische Populärkultur gebracht, dass man immer wieder erstaunt ist, wie ruhig und bedächtig sich das Geschehen entwickelt. Auch, dass es eine viel bitterere Komödie ist, als man noch in Erinnerung hat, überrascht und erfreut zugleich.

Serien-Überblick
In Staffel 3 (2011) von „Schnell ermittelt“, wird leider wieder einmal Angelika Schnells (Ursula Strauss) private Verstrickung mit einem Serienmörder in den Mittelpunkt gerückt. Dies führt zwar zu Verwerfungen mit ihrem langjährigen Partner (Wolf Bachofner), aber das gegen Schnell geschmiedete Komplott wirkt nicht wirklich spannend, sondern reichlich konstruiert. Die Lösung eben dieser Verstrickung ist am Ende auch noch mit der Musik von „Heat“ unterlegt, was die Provinzialität der Inszenierung nur unterstreicht. Was eine Staffel lang unterhielt, wirkt nun etwas nervig. Eine neue Front – abseits des Serienmörders – wäre wünschenswert, denn an und für sich, ist dies weiterhin eine unterhaltsame und gelungene Serie…wenn sie denn mal nicht den großen Handlungsbogen behandelt.
Eine Serie basierend auf dem Roman „The Exorcist“ scheint aufgrund des berühmten Filmes zunächst keine gute Idee. Doch Jeremy Slater macht zumindest in Staffel 1 (2016) einen spannenden und vor allem eigenständigen Beitrag daraus, obwohl Mitte der Staffel die Verbindung zu den Filmen gemacht wird. Geena Davis darf ihr ganzes Können zeigen, als Familienvorstand, der überzeugt ist, dass ein Dämon in die Familie Einzug hält. Ben Daniels als aus der Kirche ausgeschlossener Exorzist und Alfonso Herrera als aufstrebender und im Glauben geprüfter junger Pfarrer, eilen zur Hilfe. Doch Slater hat mehr im Sinn, als eine Serie um eine einfache Dämonen-Heimsuchung. Bei ihm wird daraus eine regelrechte satanische Verschwörung, die in Chicago bis ins Herz der katholischen Kirche vorzudringen droht. Spannend, wenngleich nicht immer logisch.
Basierend auf den Dirk Gently-Romanen von Douglas Adams, ist „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ eine betont absurde Angelegenheit. In Staffel 1 (2016) ist das Geheimnis um Seelen-Wechsel, Zeitreisen und den Willen des Universums eine acht Episoden lange Odyssee durch verschiedene Handlungstwists, die streng genommen oft schlicht keinen Sinn ergeben, während Samuel Barnett als Dirk Gently und Elijah Wood als sein Assistent-wider-Willen Todd sich in aberwitzigen Situationen versuchen zurechtzufinden. Unterhaltsam, witzig, aber nicht immer wirklich logisch nachvollziehbar.
Die 4. Staffel (2017) der BBC-Erfolgsserie „Sherlock“ scheint nun am Ende des Weges angekommen zu sein. Die drei 90-Minuten Episoden umfassende Staffel, vereint alles was gut und was schlecht an dem modernisierten Sherlock ist. Einerseits umfasst das Spiel von Cumberbatch als Holmes und Martin Freeman als Watson jede mögliche humoristische Höhe wie auch dramatische Tiefe, doch übertreiben es die Macher Mark Gatiss und Steven Moffat auch immer wieder mal. Die Episoden wechseln permanent von „sehr clever“ zu „völlig übertrieben“ und sind auch immer wieder mit endlosen Twists und aberwitzigen Fallen und Spielen beschäftigt. Dass Toby Jones den gruseligsten Bösewicht der Serie mimt, Andrew Scott als Moriarty den coolsten Auftritt aller Zeiten hinlegt und mit einigen neuen Charakteren auch noch weitere dramatische Facetten hinzugefügt werden, ist sowohl interessant, als auch Folge des immer mehr in die Höhe geschraubten Overkills. Das Ende wirkt denn auch, wie das Ende der Serie, und es wäre ein passender Abschluss. Im Gegensatz zu den ersten beiden Staffeln, haben Gatiss und Moffat einiges an Kredit bei Kritikern und Publikum verspielt. Auch wenn ich mich gut unterhalten fühlte, den Charme und die Konsequenz der ersten Episoden, war einfach nicht mehr zu erreichen.
Dass „The Good Wife“ ein Hit ist, war mir schon bewusst, dennoch war ich nie versucht, mir die Serie mit Julianna Margulies als betrogener Ehefrau eines Staatsanwalts (Chris Noth) mal anzusehen. Doch kaum dank Netflix in Staffel 1 (2009) hineingestolpert, entwickelte die Serie einen Sog. Die Fälle sind mal mehr und mal weniger von Interesse, doch das Privatleben von Alicia Florrick (Margulies) sorgt dafür für Spannung, wie auch die juristischen und auch beruflichen Entwicklungen in ihrem Leben und jenem ihres Mannes.

Dirk Gently's Holistic Detective Agency / http://i1.wp.com/pmcvariety.files.wordpress.com/2016/10/dirk-gently-first-look.jpg?crop=0px%2C0px%2C5760px%2C3206px&resize=670%2C377&ssl=1

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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