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Österreichische Filme wie Stefan Ruzowitzkys Actionreißer „Die Hölle“ und das Regiedebüt von Josef Hader, „Wilde Maus“ sowie einige Oscar-Beiträge und etliche Serien-Staffeln standen im Zentrum dieses Monats. Highlight des Monats war aber der jüngste Streich von Jim Jarmusch, das wunderschöne „Paterson“.

Neuzugänge
Drei afro-amerikanische Frauen und die NASA. „Hidden Figures“ (2016) ist ein Feel-Good-Historienfilm, in dem die bislang nicht beleuchtete Rolle der Rassenfrage innerhalb der NASA beleuchtet wird. Der Wettlauf im All zwischen den USA und der UdSSR ist mehr ein attraktiver Hintergrund für die Geschichte um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Taraj P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe spielen hervorragend und erhalten dabei tolle Unterstützung durch fein aufspielende Mimen wie Kevin Costner, Jim Parsons oder Kirsten Dunst, auch wenn deren Charaktere weniger gut ausgearbeitet wurden. Unterhaltsam und historisch interessant.
Österreichische Genrearbeiten sind eine Seltenheit und wenn sie die Kinos erreichen, sind sie nur selten erfolgreich. Stefan Ruzowitzky versucht sich mit „Die Hölle“ an einem Actionthriller, der Wien fernab touristischer Klischees präsentiert. Violetta Schuralow ist als stoische Taxifahrerin Özge die Heldin, die zufällig einen Serienmörder bei der Arbeit beobachtet. Viel Spaß macht auch der von Tobias Moretti dargestellte dauerfluchende Kommissar. Ruzowitzky ist mehr an Milieu interessiert, wodurch der ohnehin recht unglaubwürdige Plot in den Hintergrund tritt. Die Actionszenen sind gut inszeniert, und lassen die Einflüsse der „Bourne“-Filme deutlich erkennen. Ein solider Actionfilm, der dem heimischen Kino nur gut tun kann.
Das Regiedebüt von Josef Hader ist eine der ganz großen positiven Überraschungen des jungen Filmjahres. „Wilde Maus“, in der ein Musikkritiker (Hader) seine Stelle verliert und mit diesem Verlust nicht umzugehen weiß, ist eine beißend-komische Sozialsatire, die nie zu sehr dem Bourgeois-Milieu entflieht und somit die Charaktere auch immer als sehr realistische – wenngleich leicht überzeichnete – Personen zeichnet. Speziell Pia Hierzegger als beruflich und privat frustrierte Ehefrau Haders und Georg Friedrich als Schlawiner mit Geschäftssinn, sind hervorragend. Je tiefer sich die Krise abzeichnet, desto folgenschwerer werden die Konsequenzen und desto böser werden die Witze.
„Fences“ (2016) ist einer jener Filme, die nicht verbergen können oder wollen, dass ihre eigentliche Heimat, die Theaterbühne ist. Denzel Washington (der auch Regie führte) und Viola Davis brillieren als Ehepaar in den 1950er-Jahren, die mit Alltags-Rassismus, ökologischen und privaten Zwängen kämpfen. Washington lässt die Szenen theaterhaft und bietet somit sich selbst und Davis eine hervorragende Bühne, doch als Film funktioniert „Fences“ weniger“.
Auch wenn Paul Verhoeven seinen Weltruf vor allem Reißern wie „Total Recall“ und „Basic Instinct“ zu verdanken hat, so übersieht man, dass auch diese Thriller auch mit komplexen Ideen hantierten. So überrascht es nicht, dass „Elle“ (2016) einen ungewöhnlichen Blick auf eine Vergewaltigung wirft, sondern dass Verhoeven es schaffte, Isabelle Huppert zu ihrer ersten Oscar-Nominierung zu verhelfen. Huppert ist fantastisch als Vergewaltigungsopfer, die sich keineswegs in die Opferrolle drängen lässt. Es fällt zwar schwer, sich mit einem der unsympathischen Charaktere verbunden zu fühlen, doch Verhoeven hat sichtlich Spaß an dem Spiel mit den Erwartungen.

Elle / http://www.boomtownrap.com/wp-content/uploads/2016/10/Elle-movie.jpg

Der Kurzfilm „Hopptornet“ (2016) erhielt dank seiner Aufführung beim Sundance Festival und der Veröffentlichung durch die New York Times ein überraschend großes Publikum und dies zurecht. Der verspielte Blick auf Freiwillige, die von einem Zehn-Meter-Turm springen sollen, ist so simpel, wie unterhaltsam.
Der neueste Film in der DC-Reihe animierter Filme, trägt den Titel „Justice League Dark“ (2017) und beginnt mit Verbrechen, die verstörte Bürger begehen, da sie ihre Umgebung für Dämonen halten: Auftritt John Constantine. Ein derart cooler Charakter, dass er selbst in diesem furchtbar überladenen und zugleich langweiligem Film positiv heraussticht. Typische Helden wie Batman sind nur Stichwortgeber.
Ganz im Stil von „Bridesmaids“ und „Hangover“, präsentiert sich „Bad Moms“ (2016) als betont rüde Komödie, die in einem gutbürgerlichen Umfeld spielt. Diesmal geht es um überforderte Mütter (Mila Kunis, Kristen Bell und Kathryn Hahn), die sich nicht länger dem Mutter-Terror stellen wollen. Einige amüsante Momente gleichen das grundsätzlich uninspirierte Drehbuch inklusive scheinheiligen Wendungen zum Finale leider nicht aus. Zumindest haben die drei Stars offensichtlich jede Menge Spaß.
Nach ihrem erfolgreichen Spielfilmdebüt mit „Immer nie am Meer“, schien eine erneute Arbeit von Antonin Svoboda mit Dirk Stermann, Christoph Grisseman und Heinz Strunk erneut den Weg zu einem Hit zu liefern. Allerdings ist der mit Männerbildern spielende „Drei Eier im Glas“ (2015) eine unglaublich langweilige Abfolge einzelner Sketche, die nur mit viel Mühe zusammengehalten werden.
Der britische Animationsfilm „Watership Down“ (1978) war immer schon ein Muss für mich, nachdem er mir als Kind, als zu „intensiv“ vorenthalten wurde. Heute kann ich geradezu gelassen darauf blicken, doch die Fabel um ein Rudel Hasen, welches vor einer Katastrophe fliehen und eine neue Heimat finden muss, ist tatsächlich ebenso intensiv wie mitreißend. Doch der geradezu deprimierende Tonfall, erschwert es hin und wieder, sich in dem Film fallen zu lassen. Die Animation ist heute noch beeindruckend, während der von Art Garfunkel gesungene Hitsong „Bright Eyes“ mittlerweile wie ein Fremdkörper wirkt.
Pierre Schoellers Politdrama „L’exercice de l’Etat“ (2011) ist eine großartige Bühne für Dardenne-Star Olivier Gourmet, um als Verkehrsminister Bertrand Saint-Jean sein Können zu zeigen. Schoeller zeigt mal mysteriös-verspielt und dann wieder überraschend nüchtern-geradlinig, eine Staatskrise rund um die Privatisierung der französischen Bahn. Schoeller geht manchmal zu offensichtliche Wege – etwa die Diskussion zwischen Betrand und der Lebensgefährtin seines Chauffeurs – aber überrascht auch immer, mit geradezu explosiven Szenen, wie einem Autounfall.
Es mag heute merkwürdig erscheinen, dass die Schriften von Hannah Arendt zum Prozess von Adolf Eichmann dereinst für solche Kontroversen sorgten, doch die Nazi-Schergen als geradezu lächerliche Täter darzustellen, passte nicht in die Zeit. Barbara Sukowa beeindruckt in der Titelrolle in Margarethe von Trottas Biopic, in dem sie die Kontroverse rund um den Prozess und ihre Schriften dazu nachzeichnet. „Hannah Arendt“ (2012) ist ein gut gemachter Film, der nicht nur die Persönlichkeit Arendts im Auge hat, sondern sich auch mit der Frage, nach der Natur von Mördern und Hörigkeitsdenken widmet.
Robert Zemeckis‘ „Allied“ (2016) ist in seinen besten Momenten, ein betont altmodischer Spionagereißer, in dem vor allem die Chemie zwischen Brad Pitt und Marion Cotillard über den nicht sonderlich interessanten Plot hinweg rettet. Sobald aber das Paar seinen Auftrag beendet hat und sich in London wieder findet, beginnt ein sehr öde inszeniertes Melodram, welches viel mehr Spannung bieten sollte. Doch Zemeckis behält ein geradezu einschläferndes Tempo bei, in dem weder die nötige Spannung noch Paranoia aufkommen.
Dennis Lehane hat sich mit seinen Romanen als großer Krimi-Autor der Gegenwart etabliert. Die Verfilmungen zu „Mystic River“ und „Gone Baby Gone“ waren Hits. Ben Affleck nahm sich „Live by Night“ (2016) an. Als Joe Coughlin ist Affleck auch der Star dieses in der Prohibitionszeit angesetzten Gangsterfilms. Coughlin hat das Ende der Prohibition und die mögliche Zukunft mit Glücksspiel im Auge. Möglicherweise ist der Roman von Lehane ein komplexes Gesellschaftsportrait, doch in der Inszenierung von Affleck türmen sich verschiedene Charaktere und ihre Handlungsstränge (inkl. einer merkwürdigen Prediger-Handlung rund um Elle Fanning) übereinander, bis kaum noch auseinander zu halten ist, was wirklich von Interesse sein soll. Dass Affleck noch dazu eine missglückte Darbietung liefert, hilft natürlich nicht.
In „Der Bau“ (2015), nach einer unvollendeten Erzählung von Franz Kafka, spielt Axel Prahl einen Mann, der langsam immer mehr aus der Gesellschaft ausscheidet. Was zunächst mit einer neuen Wohnung und damit verbundenen Sicherheitsbedenken beginnt, endet schließlich in Mord und Obdachlosigkeit. Da ich die Kurzgeschichte von Kafka nicht kenne, ist mir auch nicht klar, wie weit sich der Film daran hielt. Im Film ist die Paranoia klar ausgearbeitet und auch der damit verbundene, langsame Abstieg, doch weshalb dies alles schließlich in Obdachlosigkeit und Verfall mündet, ist zu dick aufgetragen und dennoch zu unklar.
Das Boston Bombenattentat auf den Marathon im April 2013, zählt zu den schwerwiegendsten Anschlägen in den USA. Peter Berg machte mit „Patriots Day“ (2016) eine Art Doku-Thriller daraus. Während bei vielen Abläufen und Besetzungen (J.K. Simmons, John Goodman, Kevin Bacon) auf Authentizität geachtet wurde, spielt Hauptdarsteller Mark Wahlberg einen fiktionalen Polizisten, der wie zufällig immer am Ort der wichtigsten Ereignisse ist. Berg inszeniert mitreißend und auf der Höhe moderner Actionthriller, doch der mitschwingende „Selbstjustiz“-Gestus (auf beiden Seiten) macht den Film problematisch.
In Frankreich war „Intouchables“ (2011) der zweiterfolgreichste heimische Film aller Zeiten. Weltweit zog die Geschichte eines Querschnittsgelähmten (Francois Cluzet) und seines unkonventionellen Pflegers wider Willen (Omar Sy) die Menschen in den Bann. Strukturell unterscheidet diese „True Story“ nichts von einem erbaulichen Fernsehfilm, doch das Zusammenspiel von Cluzet und dem unwiderstehlichem Omar Sy, sowie die gekonnt flotte Inszenierung von Eric Toledano und Olivier Nakache, heben „Intouchables“ aus dem Mittelmaß heraus. Zurecht ein Publikumshit.
Die Marvel-Filme sind mittlerweile bei den Charakteren angekommen, die sich nicht länger mit weltlichen Problemen herum schlagen müssen. In „Doctor Strange“ (2016) ist Benedict Cumberbatch auf großartige Weise, der arrogante Neurologe Stephen Strange, der nach einem Autounfall auf der Suche nach einer Heilung ist. Er stößt auf „The Ancient One“ (Tilda Swinton) und lernt die Kraft der Magie kennen. Benedict Wong und Chiwetel Eijofor stehen Cumberbatch zur Seite, während Mads Mikkelsen den Standard-Bösewicht geben darf. Überraschend locker geht der Film mit seinem esoterischem Grundthema um und unterhält mit fantastisch servierten Witzen, die in einem schwächeren Film nicht funktioniert hätten. Ein überraschend gelungener neuer Origin-Film von Marvel, obwohl er ganz der gewohnten Formel folgt.
Basierend auf dem Briefroman „Lady Susan“ entwickelt Whit Stillman in „Love & Friendship“ (2016) eine amüsante Komödie der Irrungen. Kate Beckinsale und Chloe Sevigny brillieren in diesem Spiel der falschen Fährten und brieflich mitgeteilten Boshaftigkeiten. Die Dialoge waren mir aber, wie auch schon im Roman, oftmals einfach zu fremd und die Konflikte nicht dramatisch genug. Ein hübscher, amüsanter aber auch leichtgewichtiger Film.
Neben „Barry“ ist „Southside with You“ (2016) der zweite Independent-Film, der die jungen Jahre Barack Obamas porträtiert. Im letzteren Fall ist das erste Rendezvous zwischen Barack und Michelle Hauptthema. Im Stil der „Before“-Filme von Richard Linklater, folgt man dem künftigen Präsidentenpaar, bei den ersten Annäherungsversuchen. Ein sympathischer, leichtgewichtiger Film, der aber das Konzept nicht halb so komplex umzusetzen weiß, wie Linklater es tat.
Im Vorjahr war ich ganz aufgeregt, da mit „Paterson“ (2016) ein neuer Film von Jim Jarmusch in die Kinos kam. Leider schaffte ich es nicht ins Kino, doch auch zu Hause begeisterte mich die einfache aber faszinierende Geschichte des Busfahrers Paterson (Adam Driver) der seine Route durch die gleichnamige Stadt zieht. Jarmusch zeigt einen in sich ruhenden Menschen, der seine Gedichte für sich schreibt, während seine etwas schrullige aber nicht minder sympathische Frau (Golshifteh Farahani) ihre künstlerische Ader der Welt zeigen will. Jarmusch lässt Paterson eine Woche seines Lebens verleben, ohne großen Plot, ohne große Dramatik. Schlicht ein wunderschöner Film.
Als Film-Noir-Klassiker stand „D.O.A.“ (1950) schon lange auf meiner Wunschliste. Die erste Sequenz, in der eine lange Kamerafahrt unseren „Helden“ Frank Bigelow (Edmond O’Brien) begleitet, wie er in das Polizeirevier marschiert und dort verkündet, dass er am Vortag ermordet wurde, ist faszinierend und zieht sofort in den Bann. Die Geschichte um eine mögliche Vergiftung Bigelows ist zwar interessant aufgebaut, doch verheddert sie sich ein wenig zu sehr in schmierigen Geschäftspraktiken, die schlussendlich doch keinen Zuseher interessieren.
Ebenfalls auf den Kinostart im Vorjahr freute ich mich bei der Spiele-Adaption „Assassin’s Creed“ (2016). Das Team rund um den großartigen „MacBeth“ – Regisseur Justin Kurzel und seine Stars Michael Fassbender und Marion Cotillard – versprach eine anspruchsvollere Action-Adaption zu liefern. Geliefert haben sie aber einen geradezu merkwürdig anonymen Action-Reißer, rund um viel zu ernst aufgebaute Action-Unsinnigkeiten (Maschinen die Menschen in ihre früheren Leben versetzen, um dort Geheimnisse zu entdecken), der auch noch dazu langweilige Action liefert. Unfassbar langweiliger Unsinn.
Werner Boote wurde durch seine mitreißende Dokumentation „Plastic Planet“ eine Art Doku-Star in Österreich. Sein Nachfolgefilm „Population Boom“ fiel schon mehr durch inszenatorische Ungereimtheiten auf, bot aber immer noch eine gut vermittelte These. In „Alles unter Kontrolle“ (2015) versucht sich Boote am großen Daten-Thema und verheddert sich in dutzenden Geschichten, die alle ein Bild einer überwachten Gesellschaft ergeben sollen. Doch während Boote als sein eigener Hauptdarsteller wieder gut funktioniert, sind die einzelnen Gedankengänge zu der Thematik weder überraschend noch sonderlich tiefsinnig.
Wenn die belgischen Dardenne-Brüder wieder einen neuen Film präsentieren, ist die Erwartung auf ein neues Meisterwerk groß. Umso ernüchterter fällt das Fazit nach dem ambitionierten Sozialkrimi „La Fille inconnue“ (2016) aus, in dem eine Ärztin (Adèle Haenel) die Identität einer unbekannten Toten aufklären will, die kurz vor ihrem Ableben versuchte, in die Praxis der Ärztin zu gelangen. Haenel spielt die immer obsessiver wirkende Suche nach dem Namen der jungen Frau zurückhaltend, während die Dardennes ihren gewohnten Fokus auf soziale Probleme diesmal etwas weniger scharf eingestellt haben. Es ist nicht ganz Krimi und nicht ganz Sozialstudie. Weder Fisch noch Fleisch.
Ähnlich dem österreichischen Dokumentarfilm „Alles unter Kontrolle“, widmet sich „Democracy – Im Rausch der Daten“ (2015) der Frage, wie die Datenflut unser Leben bestimmt. Doch David Bernet geht in seinem ruhigen, distanzierten Film mehr auf die politische Entscheidungsebne und sieht den EU-Parlamentariern bei der Arbeit zu. Das ist mal interessant, mal sehr zäh. Wie die Politik.
Der finnische Boxerfilm „Hymyilevä mies“ (2016) galt als Oscar-Kandidat, schied aber im Vorfeld aus. Das überrascht nicht sonderlich, denn der (typisch finnische) lakonische Stil ist nicht gerade dazu gemacht, sein Publikum mitzureißen. Zudem ist die wahre Geschichte des Boxers Olli Mäki nur bedingt spannend inszeniert. Die Vorbereitungen auf einen Weltmeisterschaftskampf werden bedächtig nachverfolgt, doch wirklich einen Einblick in das Innenleben des Mannes bekommt man dabei nicht. Hübsch gemacht aber oberflächlich.
Im Rahmen der Oscar-Verleihung konnten auch einige Animationskandidaten betrachtet werden. Der von Google gesponserte VR-Film „Pearl“ (2016) mag technisch beeindruckend eine Vater-Tochter-Geschichte über die Jahre erzählen, doch im Kern ist es ein unerträglich schmalziger Film. Auf eine andere Weise unerträglich ist der zynische Bromance-Film „Pear Cider and Cigarettes“ (2016), in dem der Erzähler von seiner schwierigen Freundschaft zum selbstzerstörerischen Lebemann Techno erzählt. 30 lange Minuten.

Paterson / https://media2.fdncms.com/memphisflyer/imager/u/magnum/5203960/film_patersondriver-mag.jpg

The 1001 Project
Bislang kannte ich „Les Vacances de Monsieur Hulot“ (1954) nur als Referenz für „Mr. Bean’s Holiday“. Die Parallelen sind auch unübersehbar, doch Jacques Tati war in seinem Film viel exakter und viel simpler, denn der hübsche und unterhaltsame Mr. Bean. Tati zeigt einen Film ohne klare Handlung, ergötzt sich und das Publikum aber an wunderschönen Sketches und Alltagsbeobachtungen. Ein Film, bei dem die großen Lacher kaum zu vernehmen sind, jedoch dafür umso mehr ein wohliges Gefühl der Wärme den Zuseher umströmt, so sympathisch gestaltete Tati sein Werk.
Als erster Animationsspielfilm für Erwachsene hat „Animal Farm“ (1954) zweifelsohne seinen Platz in der Filmhistorie verdient. Die Fabel George Orwells wird auch ansehnlich umgesetzt, doch die Animation ist heute eher billig, und die Dramaturgie wirkt ein wenig sehr simpel.
Kurz vor der Oscar-Verleihung, und dem unvermeidlichen Triumph von „La La Land“, war es an der Zeit einen der Filme zu sichten, der den größten Einfluss auf das Werk von Damien Chazelle hatte: „Les parapluies de Cherbourg“ (1964) von Jacques Demy. Anfangs ist das knallbunte Setting und der experimentell wirkende Singsang noch gewöhnungsbedürftig, doch die wunderbar traurige und auch realistische Geschichte um eine Liebe, die nicht funktioniert – zwischen dem 20-jährigen Automechaniker Guy (Nino Castelnuovo) und der 17-jährigen Geneviève (Catherine Deneuve) – zieht in den Bann und weiß auch aufgrund seiner straffen Inszenierung zu packen.

Animal Farm / https://drfreex.files.wordpress.com/2014/07/ferme-des-animaux-1954-03-g.jpg

Re-Visited
Forest Whitaker als Cecil Gaines in Lee Daniels‘ „The Butler“ (2013) ist die Hauptattraktion. Durch die Historie hindurch, wandelt der von ihm dargestellte Butler im Weißen Haus, vorbei an verschiedenen Präsidenten und gesellschaftlichen Entwicklungen. Bei Daniels ist dies der Startpunkt für eine Geschichte in Bürgerkunde. Das ist dramaturgisch nicht immer sonderlich ausgefeilt, doch kann man weder die hehre Intention noch das leidenschaftliche Engagement absprechen.
Als ich „Shirley: Visions of Reality“ (2013) erstmals im Kino sah, war ich gefesselt von den wunderschön arrangierten Szenerien, die Gemälde von Edward Hopper zum Leben erweckten. Bei der erneuten Ansicht, versuchte ich mehr auf die aufgebaute Handlung zu achten, doch erschien mir diese erneut zu schwach ausgearbeitet. Gustav Deutsch hat wunderschöne filmische Gemälde erschaffen, deren Handlung leider dahinter zurücktritt.
Es ist sicher gut über zehn Jahre her, seitdem ich zuletzt „Lust for Life“ (1956) von Vincente Minnelli gesehen habe. Das konservativ aufgebaute Biopic, ist eine großartige Bühne für Kirk Douglas, um als Vincent Van Gogh seine Bandbreite zu zeigen. Doch es sind vor allem die gemeinsamen Szenen mit einem faszinierend aufspielenden Anthony Quinn als Paul Gauguin, die den Film erst richtig zum Leben erwecken. Der Rest des Filmes funktioniert auch heute noch, was zeigt, wie wenig sich an diesem Genre in den letzten 60 Jahren verändert hat, und wie gut Minnelli in seiner Arbeit war.
Nachdem Denzel Washington in „Fences“ mit seiner großen Schauspielkunst begeisterte, musste ich mir auch wieder einmal seine zuletzt mit dem Oscar gekrönte Darbietung im Polizei-Thriller „Training Day“ (2001) ansehen. Der von ihm gespielte korrupte Cop Alonzo Harris ist geradezu magnetisch, und der an seiner Seite an seinem „Trainingstag“ arbeitende Detective Hoyt (mit Washington auf einer Stufe stehend: Ethan Hawke) versucht sich mit allen Mitteln gegen ihn zu stemmen, und schafft es zunächst doch nicht. So faszinierend auch die Darsteller sind, so wenig weiß – so wie einst – der Film selbst zu überzeugen. Antoine Fuqua inszenierte einen wenig überraschenden „Korrupter Bulle“-Film. Alles in allem, ein Film der vom Charisma und Können seiner Darsteller lebt.
Christopher Noland wunderschöner Sci-Fi-Blockbuster „Interstellar“ (2014) wurde bei seinem Erscheinen mit sehr viel böser Kritik konfrontiert. In der erneuten Ansicht begeistern die wunderschönen Bilder und auch der Wille, eine wissenschaftlich gut recherchierte Sci-Fi-Geschichte zu erzählen. So wird dem Publikum gar nicht so wenig wissenschaftliche Theorie zugemutet. Dass Nolan dies mit einem Übermaß an Gefühl ausbalancieren will, ist der Kritikpunkt, der auch bei mir haften blieb. Ambitioniert, wunderschön und nachdenklich machend.

Lust for Life / http://silverscreenmodes.com/wp-content/uploads/2014/08/Lust-for-LIfe-vanGogh-.png

Serien-Überblick
Zwischen 1976 und 1980 entstand die sechsteilige Serie „Alpensaga“ von Peter Turrini unter der Regie von Dieter Berner. Heute ist dies als zweiteiliger Film verfügbar und die Komprimierung auf zwei Filme, erlaubt es, die Handlungen genauer zu betrachten. Vor allem der Bruch zwischen der Geschichte um 1899 und jener zu Beginn des 1. Weltkrieges, ist dadurch deutlich sichtbar. Helmut Qualtinger als mächtiger Alt-Bauer dominiert mit seinem Charisma. Auch wenn die Produktion deutlich an gewissen Budgetmängeln leidet, überzeugt die Dramaturgie. Ein interessantes und vielschichtiges Zeitzeugnis, das heute so wohl gar nicht mehr entstehen könnte.
Die zweite Staffel der erfolgreichen Shakespeare-Adaption „The Hollow Clown“ folgt „The Wars of the Rosés“ (2016). In den ersten beiden Filmen „Henry VI – Part 1“ und „Henry VI – Part II“ folgt man dem langsamen Fall des Königs, durch die Hand der Plantagenets. Die ersten beiden Teile steigern sich in ihrer Qualität, passend zur ansteigenden Intensität der Ereignisse. Umso logischer ist es, dass der Abschluss mit „Richard III“ – mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle – geradezu bombastisch ausfällt. Nicht nur, ist es das bekannteste der Stücke aus diesem Werkzyklus, sondern es ist auch noch das bestgeschriebene. Cumberbatch spielt seinen Richard langsam in herrischen Wahnsinn verfallend.
Nach langer Wartezeit habe ich nun auch die 3. Staffel (2015) von „Ray Donovan“ nachgeholt. Nachdem die Donovan-Familie in Staffel 2 durch die Ermittlungen des FBI (in Person von Hank Azaria) bedroht war, sieht sich Ray mit neuen Geschäftsmöglichkeiten konfrontiert. Ian McShane und Katie Holmes als einflussreiche Los Angeles-Geschäftsfamilie, bieten Ray (fantastisch: Liev Schreiber) sowohl finanzielle Gelegenheiten, als auch Abhängigkeiten. Auf familiärere Seite wird noch tiefer in die Charaktere von Bunchy (Dash Mihok) und Terry (Eddie Marsan) vorgedrungen, während auch Rays Tochter Bridget (Kerris Dorsey) einprägsame Momente erhält. Ein wenig kann die Serie den Thriller-Konventionen wieder nicht entgehen (vor allem der Subplot um die armenische Mafia und Mickey (Jon Voight) droht in Klischees zu versinken), doch die starken Darsteller und noch besseren zwischenmenschlichen Momente, entschädigen dafür.
Die 4. Staffel (2012) von „Schnell ermittelt“ hat alle Aspekte einer abschließenden Erzählung. Angelika Schnell (Ursula Strauss), die mit ihren Kräften und ihrem Können hadert, Inspektorin Maja (Katharina Straßer) die einer Schwangerschaft entgegen blickt und Franitschek (Wolf Bachofner), der mit mehr Verantwortung umzugehen hat. Die Fälle sind mal mehr und mal weniger spannend, doch am Ende fühlt es sich ein wenig wie ein runder Abschluss an. Umso merkwürdiger wirkt die angesetzte Rückkehr in Staffel 5 in diesem Jahr. Es wirkt nach Ende dieser Staffel nicht unbedingt, als ob es noch genug zu erzählen gäbe.
Die kanadische Serie „Being Erica“ um eine junge Frau (Erin Karpluk), die vor den Trümmern ihres beruflichen und privaten Lebens steht, ist das perfekte Feel-Good-Programm. Als sie an den mysteriösen Dr. Tom (Michael Riley) gerät, wird ihr wahrhaftig die Möglichkeit gegeben, in ihrer Vergangenheit begangene Fehler auszubessern. Staffel 1 (2009) ist eine sympathische Romantikkomödie, die immer wieder zum Fazit gelangt, dass es weniger darum geht, Fehler auszubessern, sondern den für sich richtigen Weg zu wählen. Nach dem Ende der 1. Staffel stellt sich aber die Frage, was es hier noch zu erzählen gibt.
Vor etwas mehr als einem Jahr präsentierte Amazon eine Pilotfolge für „Z: The Beginning of Everything“. Die turbulente Liebesgeschichte zwischen Zelda Sayre (Christina Ricci) und F. Scott Fitzgerald (David Hoflin) ist das Thema der aufwändig produzierten und hübsch anzusehenden Serie. Staffel 1 (2017) zeigt die ersten Jahre, inklusive dem Erfolg des ersten Romans von Fitzgerald. Das gut dokumentierte Auf und Ab in der Beziehung wird dabei immer wieder ins Zentrum gestellt und Zelda ist dabei der unumschränkte Star. Für Literaturfans eine gelungene aber nicht sonderlich komplexe Serie.
Die 6. Staffel (2017) von „Death in Paradise“ schien das erprobte Muster schlicht zu wiederholen. Kris Marshall als Humphrey Goodman hatte sich zum Fan-Liebling empor gearbeitet, und eine Sommerromanze, die in die Serie eingebaut wurde, schien nicht mehr, als eine Abwechslung im Handlungstrott zu sein. Doch dies erwies sich als Irrtum. Das Ende der 6. Staffel überraschte das Publikum mit dem Abschied Humphreys und dem Auftritt seines Nachfolgers Jack Mooney (Areal O’Hanlon). Es bleibt abzuwarten, ob durch den neuen Hauptdarsteller, die Serie weiterhin den Charme der zuvor gesendeten Folgen halten kann. Denn das Format funktioniert weiterhin exzellent, als sympathische Krimiunterhaltung, die ihren Reiz vor allem aus dem karibischen Flair zieht.

Death in Paradise / http://cuandolaliberacion.com/uploads/posts/2016/4/death-in-paradise-season-6-release-date_1.jpg

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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