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Das fünfte Kapitel in der „Pirates of the Caribbean“-Franchise war mein einziger Kinobesuch in diesem Monat. Die meisten neuen Filme konnten dank der Streaming-Dienste Mubi und Netflix gesichtet werden. Zudem lieferten das Finale von „The Leftovers“ sowie die ersten Staffeln von „The Handmaid’s Tale“, „American Gods“ und „GLOW“ ohnehin genügend Material, um mich auf Trab zu halten.

Neuzugänge
Mit „Pirates of the Caribbean: Dead Man Tell No Tales“ liefert Disney eine Fortsetzung, nach der im Grunde niemand verlangt hat. Das fünfte Abenteuer von Captain Jack Sparrow (routiniert: Johnny Depp) kann diesmal einen herrlichen Bösewicht präsentieren. Javier Bardem ist als untoter Kapitän Salazar, der einst bei der Jagd nach Jack zu Tode kam und nun nach Rache sinnt, ein Genuss, auch wenn ihm natürlich Material und Umstände für eine Darbietung wie in „No Country for Old Men“ oder „Skyfall“ hier fehlen. Die Liebesgeschichte – quasi ein Will & Elizabeth-Ersatz für ein jüngeres Publikum – hätte man gut und gerne einsparen können, doch es hätte sich wohl auch so ein Gefühl der Müdigkeit und Routine eingeschlichen. Das fünfte Pirates-Abenteuer ist in etwa auf der Höhe von Teil 3, doch es ist eben auch ein Film, der zwar einige großartige Sequenzen zu bieten hat, insgesamt aber schlicht nicht notwendig erschien.

Wim Wenders hat in den letzten Jahren eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie Werner Herzog. Ihre Dokumentarfilme sind fantastisch, doch ihre Spielfilme wirken wie müde Alibi-Arbeiten. So auch Wenders‘ „Every Thing Will Be Fine“ (2015) in dem James Franco einen Autor spielt, der mit seinem Wagen ein Kind überfährt, welches dann stirbt. Die Konsequenzen für die Charaktere spielt Wenders in der langweiligsten aller möglichen Formen aus, und lässt so eine Reihe an talentierten Darstellern vor der Kamera geradezu erstarren.
Der türkische Filmemacher Nuri Bilge Ceylan konnte mit „Winter Sleep“ für Furore sorgen, doch schon zuvor war sein spezieller Stil positiv aufgefallen. In „Üc maymun“ (2008) übernimmt der Chauffeur eines Politikers, dessen Strafe für einen Autounfall. Die Familie des Chauffeurs leidet unter der Gefängnisstrafe, auch wenn sie finanziell entschädigt wird. Auch wenn Ceylan wunderschöne Bilder aneinander reiht, so kann keiner der Charaktere wirklich packen und es bleibt ein interessantes, hübsch anzusehendes filmisches Planspiel.
In Vorbereitung auf die erneute Sichtung von „Alien: Covenant“, sah ich mir die von Ridley und Luke Scott gedrehten Prolog-Filme an. Sowohl „The Crossing“ (2017) als auch „Last Supper“ (2017) wären hervorragendes DVD-Bonusmaterial. Als Online veröffentlichte Prologe wirken sie überflüssig.
Kirsten Johnson hat in ihrer langen Karriere für viele Dokumentarfilme gedreht und ihr Material nun als filmisch-biografisches Essay präsentiert. „Cameraperson“ (2016) ist ein faszinierender Einblick in die Arbeit Johnsons und in die vielfältigen Leben, die sie beobachten konnte. Ein lose zusammengehaltener Dokumentarfilm, der gerade aufgrund des Fehlens eines übergeordneten Handlungsbogens funktioniert.
„We’re the Millers“ (2013) hätte im Grunde viel viel lustiger sein müssen. Doch Jason Sudeikis als Dope-Schmuggler und Jennifer Aniston als Stripperin, die sich für seine Frau ausgibt, können das etwas uninspirierte Drehbuch selten zu neuen Höhen führen. Stattdessen entwickelt sich der von Rawson Marshall Thurber gedrehte Film sehr vorhersehbar, aber auch unterhaltsam.
Der Kunstthriller „Am Abend aller Tage“ (2017) von Dominik Graf, hätte laut Kritik ein spannender und vielschichtiger Film über die menschliche Natur im Angesicht der Kunstfälschung sein sollen. Ich bin beinahe eingeschlafen.
Es war der Film, der Michael Keaton zum Star machte, und weshalb sein Batman-Auftritt mit so viel Skepsis begutachtet wurde. „Mr. Mom“ (1983), nach einem Drehbuch von John Huston, zeigt Keaton in Hochform, als Autoingenieur in Detroit, der seinen Job verliert (wann waren die Zeiten dort je gut?) und fortan gezwungen ist, das Haus zu hüten, während seine Frau sich in die Arbeitswelt begibt. „Mr. Mom“ funktioniert sowohl als Keaton-Vehkel als auch als Zeitkapsel, was Moden und Werte angeht. Doch beides zusammen, noch dazu mit Hustons großartigen Dialogen gewürzt, ergibt einen überraschend unterhaltsamen Familienfilm.
Der südkoreanische Thriller „Lucid Dream“ (2017) versuchte das „Inception“-Szenario der erlebbaren Träume auf einen Entführungsthriller umzumünzen. Dies gelang aber in keiner Sekunde. Stattdessen vergleicht man den ganzen Film lang Nolans Meisterwerk und diesen schwachen Thriller, dessen Spannungsgehalt schon nach wenigen Minuten drastisch sinkt.
Takashi Milke ist ein Vielarbeiter des japanischen Kinos. Mit „Aku no kyoten“ (2012) – basierend auf einem Roman – kann er auch in Europa wieder einmal für Aufsehen sorgen. Dabei ist Milke aber sehr bewusst einen kontroversen Weg gegangen, als er die Geschichte eines Schulprofessors erzählt, dessen kranke Natur ihn zum Morden führt. In einem wahren Blutbad massakriert er Schulkind um Schulkind. Es bleibt die Frage, ob dies satirisch überhöht ist, oder einfach nur geschmacklos. Der Schockfaktor ist jedenfalls riesig und Milke weiß sein Publikum in den Bann zu ziehen.
Nach seinem Überraschungserfolg mit „John Wick“, war eine Fortsetzung so gut wie fix. Dass aber „John Wick: Chapter 2“ (2017) sowohl bei Kritikern als auch Publikum noch viel besser ankommen sollte, denn Teil 1, war keineswegs sicher. Reeves begibt sich dabei auf eine zwielichtige Mission, um seinen Hals zu retten, und sieht sich schließlich in einem familiären Zwist eingekesselt. Die Actionszenen sind erneut großartig und Reeves kann als John Wick so stoisch agieren wie er will, es passt nicht nur zum Charakter, sondern schmeichelt auch seinem etwas eingeschränktem schauspielerischem Repertoire. Der angekündigte Abschluss der „John Wick“-Trilogie könnte den Abschluss eines ebenso unerwarteten wie unterhaltsamen Action-Meisterwerks bedeuten.
Die deutsche Dokumentation „Hollywoods Spaßfabrik – Als die Bilder Lachen lernten“ (2014) von Andreas Baum zeigt auf routinierte Art, den Aufstieg von Hal Roach und der Stars, die er förderte. Informativ und stellenweise auch unterhaltsam, aber insgesamt eher ein netter Fernsehbeitrag, der im Hintergrund läuft.
Der katalanische Film „Les amigues de l’Agata“ (2015) entstand unter der Regie von vier Frauen, die vier Freundinnen zeigen, deren Freundschaft durch den Wechsel von der Schule an die Universität auf die Probe gestellt wird. Nichts ist sonderlich aufregend oder herausragend, doch sind die Darbietungen der vier Darstellerinnen gut, und die Konflikte der jungen Frauen stets nachvollziehbar gestaltet.
Ellen Barkin bekommt im avantgardistischen „Shit Year“ (2010) von Cam Archer, die wohl beste Rolle ihrer ganzen Karriere. Doch während sie glänzt, gelingt es Archer nur selten so etwas wie Interesse für den Absturz in die Depression einer in die Pension getretene Schauspielerin zu erzeugen. Vor allem die Gespräche zwischen Barkin und ihrem Filmbruder sorgen für Interesse und hätten gerne ausführlicher gestaltet werden können.
„Shimmer Lake“ (2017), das Debüt von Oren Uziel, kann mittlerweile als der prototypische Netflix-Film angesehen werden. Ein recht amüsanter und nicht uninteressanter Thriller mit Comedy-Stars, die deshalb auch immer wieder in „Fargo“-ähnlich-komische Situationen geraten. In chronologisch umgedrehter Reihenfolge erzählt, zeigt Uziel den Ausgangspunkt für den Tod einiger Männer und wie das mit einer Tasche voll Geld zusammenhängt. Nicht sonderlich innovativ, aber gut genug für einen Fernsehnachmittag.
Natalie Portmans Regiedebüt „A Tale of Love and Darkness“ (2015) ist die autobiografische Sicht auf das Leben von Amos Oz‘ Mutter in den Tagen der noch unter britischem Protektorat stehenden Palästina. Die Spannungen zwischen Juden und Arabern, finden ihren Weg in das Heim des jungen Amos und seiner Eltern. Natalie Portman hat hier sichtlich ein Herzensprojekt erschaffen, weshalb manche Szenen ein wenig zu schwerfällig geraten, um wohl einfach einen Punkt auszuformulieren, obwohl dies gar nicht nötig wäre. Abgesehen von einigen zu kitschigen Momenten, ein gut gemachtes Drama über eine Familie im jungen Staat Israel.
International hat sich Lag Diaz einen Namen als Schöpfer sehr langer Filme gemacht. Kaum unter vier Stunden sind seine Arbeiten, und seine bekanntesten Werke gehen meist über fünf Stunden hinaus. Seine fünfeinhalb Stunden lange Marcos-Parabel „Mula sa kung ano ang noon“ (2014) zeigt ein Dorf, welches unter der langsam eintretenden Militär-Diktatur, zu zerbrechen scheint. Diaz stellt jedoch, in seinen typischen langen Einstellungen, die Frage, ob die Dorfgemeinschaft nicht bereits zuvor längst zerbrochen war. Ähnlichkeiten mit Michael Hanekes  Meisterwerk „Das weiße Band“ sind offensichtlich, doch liefern die beiden großartigen Filmemacher äußerst unterschiedliche Sichtweisen auf die Frage nach autoritären Entwicklungen.
„Twinni“ (2003), das Regiedebüt von Ulrike Schweiger, zeigt die Teenagerin Jana (Diana Latzko) im ländlichen Österreich der 1980er. Frisch aus Wien kommend, hat sie Probleme ins Dorfleben hinein zu finden. Schweiger hat viel Konzentration auf die nostalgische Atmosphäre verwandt, doch die Erzählung entblättert sich im schlimmsten TV-Film-der-Woche-Stil.
Der Animationsfilm „Piano no mori“ (2007) versucht auf sensible und verträumte Weise, Klassik und Klaviermusik einem kindlichen Publikum näher zu bringen. Auf dieser Ebene funktioniert der Film auch ganz gut, doch für ein bereits „erleuchtetes“ erwachsenes (oder kindliches) Publikum, bleibt eine etwas oberflächliche Abfolge hübsch gemachter Szenen.
Die Adaption von Daniel Clowes „Wilson“ (2017) hat in Woody Harrelson den perfekten Titelstar, doch während Clowes seinen Comic als lose Abfolge von knappen Ereignissen organisierte (teilweise mit vielen Jahren Pause dazwischen), ist der Film ein Versuch einer „Saulus zu Paulus“-Geschichte, die nicht funktioniert, da Wilson sich gar nicht wirklich ändern soll und auch nicht ändern will. Harrelson und auch Laura Dern sind großartig, doch insgesamt kommt die Adaption nicht an den Comic heran.
Ana Lily Amirpours neuer Film „The Bad Batch“ (2016) erhielt bei den Filmfestspielen von Venedig einen Spezialpreis der Jury. Hätte sie die Intensität ihrer ersten zehn Minuten aufrecht erhalten, dann wäre womöglich sogar der Hauptpreis drinnen gewesen. Doch so vermischt Amirpour verschiedenste Elemente zu einer Dystopie, in der eine Kannibalen-Gesellschaft in der Wüste versucht zu überleben. Vorneweg die von Suki Waterhouse hervorragend gespielte Heldin, die sich nach Amputation eines Armes und eines Beines, befreien kann. Ihre Liebesgeschichte mit einem kubanischen Einwanderer (Jason Momoa) ist etwas unausgegoren, doch dafür ist der nicht offiziell auftretende Jim Carrey als Eremit eine wahre Freude. Einzelteile faszinieren, doch als Ganzes kann „The Bad Batch“ leider nicht völlig überzeugen.
Eine Reihe von Dokumentationen wurden von Netflix Online gestellt, und die größte Enttäuschung war gleich die erste aus einem Trio. „American Anarchist“ (2016) versucht Leben und Werk von William Powell (Autor von „An Anarchist Cookbook“) nachzuzeichnen, doch Regisseur Charlie Siskel verheddert sich in einem Kampf, um ein Geständnis aus Powell heraus zu bekommen, dass er sich schuldig für Attentate und Bombenanschläge fühle. Merkwürdig engstirnig und dadurch geradezu ärgerlich. Danach konnte die intensive Doku „Do Not Resist“ (2017) sehr viel mehr überzeugen. Anlässlich der #BlackLivesMatter-Bewegung und Aufstände in Ferguson, wird vor allem die zunehmende Militarisierung der US-Polizei thematisiert. Abschließend faszinierte mich Alex Gibneys „Zero Days“ (2016) Arbeit über den Stuxnet-Virus, der iranische Atomanlagen angriff. Die Vorarbeiten und Folgen dieses Angriffs werden von Gibney auf spannende Weise aufgezeigt, auch wenn der Mangel an Blickwinkeln in den zwei Stunden ein wenig zu Wiederholungen führt. „Zero Days“ zeigt auf spannende Weise, wie die aktuellen Angriffe mit Viren wie „WannaCry“ wohl ihren Ausgang genommen haben könnten.
Ein Film aus Ruanda, von einem koreanisch-amerikanischen Jungregisseur, erstmals in der Sprache Kinyarwanda. „Munyurangabo“ (2007) ist ein intensiver Film über die Reise zweier junger Männer (einer Tutsi, einer Hutu) nach Kigali, um Gerechtigkeit zu erfahren. Die familiären Verwicklungen und nicht aufgearbeiteten Konflikte, sind Teil einer Gesellschaft, die noch immer damit ringt, wie sie mit dem Genozid umgehen soll. Ein mutiger und hervorragend gemachter Film.
Der Kurzfilm „La République des enchanteurs“ (2016) soll wohl sein Publikum verzaubern, doch mich hat er ein wenig ratlos zurück gelassen.
Der von vier Frauen gedrehte Omnibus-Horrorfilm „XX“ (2017) basiert auf der spannenden Idee, Horrorgeschichten aus weiblicher Perspektive zu erzählen. Die vier Filme wurden unabhängig voneinander produziert, und so wirken auch die Episoden sehr unterschiedlich. Qualitativ ragt keine wirklich heraus, und es bleibt das Gefühl, dass so manche Geschichte auf die Schnelle entwickelt wurde. So bleiben Logiklöcher und unausgegorene Szenarien. Schade drum.
Adam Leons neuestes Werk „Tramps“ feierte bei Netflix seine Premiere. Nun liefert Netflix seinen Vorgängerfilm „Gimme the Loot“ (2007) nach, und zeigt, dass der Independent-Filmer einen Hang zu „In den Straßen New Yorks“-Filmen zu haben scheint. Ein junges Paar will den Mets-Apple – ein Quasi-Wahrzeichen der New York Mets, welches bei einem Home Run zu sehen ist – mit einem Graffiti verschönern. Etwas, dass bislang noch nie einem Sprayer gelang. Doch um in das Stadion zu kommen, benötigen sie 500 Dollar. Die Jagd nach diesen 500 Dollar wird zunächst als spannende Reise der Rückschläge erzählt, doch nicht nur sind die beiden Hauptcharaktere nicht sonderlich sympathisch, und sie laufen auch keinem einzigen interessanten Charakter über den Weg. Am Ende hat man auch das eigentliche Ziel aus den Augen verloren und „Gimme the Loot“ endet unverfänglich in den Straßen von New York.
Vincent Le Ports mysteriöser Thriller „Le Gouffre“ (2015) baut eine intensive Atmosphäre auf, in der das Verschwinden eines stummen Mädchens auf einem Campingplatz, zu einer Erforschung einer unterirdischen Grabstätte führt und der Begegnung mit einem noch mysteriöseren Gegner. Neben der Atmosphäre ist allerdings wenig, was die Aufmerksamkeit aufrecht erhält.

The 1001 Project
Sam Peckinpahs „Bring Me the Head of Alfredo Garcia“ (1974) ist, wie fast alle Filme Peckinpahs, von Legenden umwoben. Der streitbare Regisseur hatte nach seiner letzten Studiodemütigung mit „Pat Garrett & Billy the Kid“ genug von Hollywood und drehte in Mexiko einen äußerst dreckigen, äußerst unsympathischen Thriller, um einen Barpianisten (Warren Oates als würde er Peckinpah imitieren), der den Kopf von Alfredo Garcia besorgen soll. Man kann sich diesen Film nicht ohne das Hintergrundwissen um den fortschreitenden Alkoholismus seines Regisseurs ansehen, denn nur so lassen sich viele Sequenzen einordnen und nur so erscheinen viele Figuren und Handlungsverläufe „logisch“. Der Mangel an einem Sympathieträger macht es aber nicht einfach, in diesen Film zu kippen, trotz aller offensichtlicher Genialität.
Luis Bunuel kehrte für „Viridiana“ (1961) ins Spanien unter der Diktatur Francos zurück. Doch die Rückkehr führte nicht zu einer Abrechnung mit Franco, auch nicht zu einer nostalgisch bejubelten Spanien-Feier. Stattdessen zeigte Bunuel mit bitterbösem Humor die Geschichte einer jungen Nonne (Silvia Pinal), die zu einem Besuch ihres verwitweten Onkels gedrängt wird. Was folgt sind Missbrauch, Mord und alle anderen Formen niedrigster menschlicher Gelüste. Bunuel hat sichtlichen Spaß keinen einzigen Berufs- und Gesellschaftsstand einfach davonkommen zu lassen und lässt dies in einem „Letzten Abendmahl“ kulminieren.

Re-Visited
Zu meiner eigenen Überraschung sah ich mir sowohl „Prometheus“ (2012) und „Alien: Covenant“ (2017) erneut an. Beide Filme sind geprägt von Michael Fassbenders fantastischem Spiel, und großartigen Effekten, doch leiden sie massiv unter der Alien-„Mythologie“, die im Grunde keiner je sehen wollte. Hätte Ridley Scott schlicht einen Sci-Fi-Film mit philosophischen Fragen zur Entstehung der Menschheit entworfen, so wäre ihm womöglich mehr Zuspruch gewiss gewesen. So jedoch, erschlägt der „Alien“-Schatten zwei Filme, die auch gut ohne die Aliens funktionieren hätten können.
Der Tod von Adam West führte zu vielen Erinnerungen an seine Darstellung des Batman in der nur drei Staffeln laufenden Serie und dem dazu gehörigen Film, der zwischen Staffel 1 und 2 lief. „Batman: The Movie“ (1966) hat auch bei der x-ten Wiederentdeckung nichts von seinem trashig-naivem Charme verloren. Man sieht sofort, weshalb West – sowohl als Bruce Wayne als auch als Batman – ein derartiger Fan-Liebling war. Doch auch die Nebendarsteller (von Cesar Romero bis Burgess Meredith) tragen zum Gelingen des Films bei, der bei genauerer Betrachtung zwar nur ein besseres TV-Special ist, deshalb auch etwas zu lange läuft, aber immer wieder das nostalgische Comic-Herz erfreut.
Etwas unerwartet kam es zu einem Wiedersehen mit dem Oscar-Gewinner „Birdman: or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“ (2014). Zwar bin ich immer noch der Meinung, dass Richard Linklaters „Boyhood“ der bessere Film in dem Oscar-Jahr war, doch hat sich „Birdman“ ebenfalls die Preise redlich verdient. Alejandro González Inárritus Inszenierungsstil, der einen einzigen kontinuierlichen Take immitiert, ist hervorragend und durch die glänzende Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki perfekt unterstützt. Zudem ist das „Hinter den Kulissen“-Drama einer Broadway-Produktion, rund um einen ehemaligen Superhelden-Darsteller, der im Angesicht seiner letzten ernsthaften Chance mental zusammenbricht, einfach herrlich anzusehen. Michael Keaton und Edward Norton brillieren in ihren Rollen, doch auch rund um sie herum glänzen Naomit Watts, Zach Galifianakis und Emma Stone. Ein großartig gemachter Film, der auch den traditionellen Oscar-Backlash verdaut.
Harper Lees „To Kill a Mockingbird“ zählt zu den einflussreichsten Büchern in den USA, ja weltweit. Ihr Debütroman um eine Kindheit in den Südstaaten in den 1930er-Jahren, aus der Sicht der rebellischen Scout, ist ein facettenreiches Porträt einer kleinstädtischen Gesellschaft, die mit Rasenhass ringt. Der 1962 entstandene Film, zeigt das Geschehen mehr aus der Sicht von Scouts Vater Atticus Finch (Gregory Peck in der Rolle seines Lebens), was zwar die Gerichtsszenen etwas dramatischer gestaltet, aber auch ein wenig von dem Wunder der kindlichen Blickwinkel nimmt. So ist das Mysterium um den Nachbarn Boo Radley (in seinem Filmdebüt: Robert Duvall) am Ende eine gar nicht so dramatische Wendung, wie im Buch.

Serien-Überblick
Nur drei Episoden macht die 6. Staffel (2016) des famosen „Der Tatortreiniger“ aus. Terminliche Hindernisse verhinderten eine vollständig wirkende Staffel. So haben die drei Episoden ein wenig den Charakter eines „Specials“, weshalb ich sie wohl auch so lange auf Netflix übersah. Bjarne Mädel ist natürlich wieder famos als Heiko Schotte, und die Tatorte die er aufsuchen muss, sind wieder bevölkert von schrägen und interessanten Charakteren (etwa Sandra Hüllet als hochschwangerer Gesellschaftskritikerin). Es bleibt zu hoffen, dass „Der Tatortreiniger“ noch mindestens eine weitere Staffel erhält.
Staffel 3 (2016) der überraschend düster werdenden Piraten-Serie „Black Sails“ – was wirklich etwas heißt, denn immerhin hat sich die Serie von Beginn an mit viel Blut und Gewalt von der Atmosphäre eines „Pirates of the Caribbean“ losgesagt – führt immer näher an den Roman „Die Schatzinsel“ ran. So tauchen am Rande wichtige Charaktere und Orte auf, während die Haupthandlung um Captain Flint, den nunmehr mit Holzbein herumlaufenden John Silver oder den langsam immer mehr in Bedrängnis geratenen Charles Vane in den Hintergrund. Ray Stevenson darf als Blackbeard den wohl legendärsten Piraten der Geschichte spielen, und macht dies recht ordentlich (auch wenn mir Ian McShane im vierten „Pirates“-Film besser gefiel). Wirklich interessant gestalten sich aber die Entwicklungen von Jack Rackham und auch das Ende von Charles Vane. Eine Staffel, die ein wenig wie das pompöse Intro zum großen Finale wirkt.
Ein wenig aus dem Nichts erschien die Adaption des Romans „The Handmaid’s Tale“ am Fernsehhimmel. Staffel 1 (2017) ist voller aufwühlender Momente, fassungslos machender Visionen aus einer bizarr wirkenden Dystopie, in der Frauen alle Rechte verlieren und von Gottesfürchtigen(!) Männern gelenkt werden. Elisabeth Moss dominiert als Offred die Handlung, und schwankt zwischen völliger Verzweiflung und unbändigem Willen ihre Tochter wieder zu finden. Um sie herum geben Joseph Fiennes als Commander, Yvonne Strahovski als dessen Frau, Ann Dowd als autoritäre Aufseherin und Samira Wiley als beste Freundin großartige Darbietungen. Die feministische Lesart bietet sich natürlich an, und ist der wichtigste Aspekt unter der wunderbar gemachten Oberfläche, doch man wechsle nur das Unterdrückungsszenario aus, und erkennt, den universalen Charakter der Handlung. Ein Serien-Juwel!
Die dritte und finale Staffel (2017) von „The Leftovers“ setzt einige Jahre nach den Ereignissen aus Staffel 2 an und bietet damit auch die Möglichkeit, dass die Charaktere an völlig neuen Punkten in ihrem Leben sind. Was „The Leftovers“ im Endeffekt so effektiv macht, ist auch das Finale, in dem eine plausible aber nicht zu deutlich ausformulierte Erklärung für das Verschwinden der Menschen geboten wird. Manche Episoden wirken wie unnötige Wiederholungen (Kevins Abtauchen in die Parallelwelt), doch gibt es dafür genügend andere starke Auftritte, wie etwa Scott Glenn, der ein überraschendes Highlight der 3. Staffel darstellt. Keine leichte aber lohnende Kost.
„Better Call Saul“ lässt sich Zeit. Das ist ein Leitmotiv dieser Serie, die als Vorgeschichte zu „Breaking Bad“ ganz langsam immer näher an Saul Goodman – der in dieser Staffel seinen ersten Auftritt hat – und natürlich an Gus Fring und somit auch an das Schicksal von Walter White gerät. Staffel 3 (2017) ist aber vor allem mit dem Konflikt zwischen Chuck (fantastisch in dieser Staffel zwischen verschiedensten psychischen Zuständen schwankend: Michael McKean) und Jimmy (weiterhin perfekt: Bob Odenkirk) beschäftigt. Da gerät auch der Auftritt von Gus Fring (Giancarlo Esposito) ein wenig in den Hintergrund, obwohl sein Konflikt mit Don Hector viel zur Klärung des bösen Blutes in „Breaking Bad“ beiträgt. Der Cliffhanger ist gelungen und so bleibt die Vorfreude auf eine weitere Staffel.
Die Adaption des Romans „American Gods“ von Neil Gaiman, wurde mit sehr viel Werbeaufwand begleitet. Der Roman war mir bislang nur dem Namen nach bekannt, und ich freue mich nach Ansicht der 1. Staffel (2017) auch auf die Lektüre. Doch wenn diese ersten acht Folgen ein Vorgeschmack auf den Roman sind, dann ist die Handlung nicht nur ein wenig undurchschaubar, sondern auch völlig nebensächlich. Die Schlacht der alten und der neuen Götter (mit famos aufspielenden Stars wie Ian McShane, Gillian Anderson und Crispin Glover in Schlüsselrollen) ist immer im Hintergrund präsent, doch hauptsächlich ist Shadow Moon (Ricky Whittle) und sein Schmerz nach dem Tod seiner Frau (Emily Browning) – die dann als Untote zurückkehrt – das Hauptelement der Serie. Dass gerade dieses nicht wirklich zu packen vermag, liegt wohl am betont zerfahrenen Inszenierungsstil, mit großartigen visuellen Effekten und sehr vielen Nebenschauplätzen. Mal sehen wie das Buch ist.
Die Handlung der in den 1980ern angesiedelten Serie „GLOW“ ist schon interessant und schräg genug, um zumindest die Pilotfolge zu riskieren. Die strauchelnde Schauspielerin Ruth (Alison Brie) landet bei einem Casting für eine Frauen-Wrestling-TV-Show und im Laufe der 1. Staffel (2017) versucht sie nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre zerstörte Freundschaft zum ehemaligen Soap-Star Debbie (Betty Gilpin) wieder zu kippen. Nicht immer funktionieren die Gags und rettet sich die Serie mit einem Auge für die Details der 1980er. Auch sind die Auftritte von Marc Maron als B-Movie-Regisseur Sam Sylvia immer wieder ein Genuss. Für eine zweite Staffel hat sich die – klugerweise auf nur zehn 30-Minuten-Episoden limitierte – Serie genügend Konfliktstoffe offen gelassen, um den Ursprungswitz „Trash-Wrestling-TV-Show in den 1980ern“ nicht als solchen enden zu lassen.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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