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Vier Kinobesuche, eine Reihe toller Serien und natürlich wieder einige zu Hause gesichtete Filme, waren das Programm des Monats August. Highlights gab es dabei einige und neben dem neuen Meisterwerk von Christopher Nolan, blieb vor allem der französische Gangsterklassiker „Du rififi chez les hommes“ länger im Gedächtnis hängen.

Neuzugänge
Ein Weltkriegs-Epos als smarter Sommer-Blockbuster? Christopher Nolan zeigt mit „Dunkirk“, dass das möglich ist und er zeigt nicht nur einen intelligenten Thriller im Gewand eines WWII-Films, sondern eine weitere Abhandlung zum Thema Narrativ und Zeit. Die auf ihre Rettung wartenden britischen und französischen Soldaten am Strand von Dunkirk werden von Nolan in all ihren Facetten gezeigt. Einfache Männer, die verzweifeln, um ihre Rettung kämpfen oder traumatisiert sind von den Ereignissen. Die drei Zeitebenen überlagert er dabei so geschickt, dass die dargestellten Zeiträume (Tage bis Stunden) wie ein einziger Fluss wirken. Ein famoser Film.
Etwas mehr als acht Jahre arbeitete Karl-Martin Pold an seiner Fan-Doku über Bud Spencer. Am Ende erreicht mit dem knapp zweistündigem „Sie nannten ihn Spencer“ eine sympathische Liebeserklärung die Kinos. Offensichtlich passen nicht alle Interviews zusammen, und deuten sowohl auf die lange Produktionszeit, als auch auf mögliches zugekauftes Material hin. Pold ist es hoch anzurechnen aus den schwierigen Bedingungen eine runde Erzählung um zwei Fans, auf der Suche nach ihrem Kindheitsidol, zu erschaffen. Doch während Bud Spencer ein wenig sehr kritiklos abgefeiert wird, werden seine negativen Seiten zu wenig beleuchtet und Terence Hill lieblos abgefertigt. Für Spencer-Fans ein Fest, für Spencer/Hill-Fans eine kleine Enttäuschung.
Edgar Wright präsentiert mit „Baby Driver“ sein Traumprojekt, an dem er schon seit Jahrzehnten arbeitet. Der Actionfilm um den Fluchtfahrer Baby (Ansel Elgort), der im Auftrag von Doc (Kevin Spacey) bei Banküberfällen die Täter in Sicherheit fährt, ist ein Fest für Musikfreunde (Baby unterdrückt einen Tinnitus mit ständig abgespielter Musik – welche den klassischen Soundtrack ersetzt) und zeigt einen unterhaltsamen Actionfilm, dessen größtes Manko die schwache und unglaubwürdige Liebesgeschichte ist.
„Die göttliche Ordnung“ ist einer der wenigen Filme aus der Schweiz, die auch ein größeres internationales Publikum erreichen. Das liegt wohl auch am Thema, denn Regisseurin Petra Biondina Volpe erzählt zwar kompetent aber auch etwas bieder vom Kampf der Schweizerinnen um das Wahlrecht, welches erst in den 1970ern per Volksabstimmung eingeführt wurde. Ein amüsanter Film, der sich des Gewichts seines Themas sehr bewusst ist, und dieses auch, ganz wie die britische Prestige-Produktion „Suffragette“, mit einigen etwas vorhersehbaren Konfrontationen untermalt. Wie auch „Suffragette“ fehlt aber auch „Die göttliche Ordnung“ ein wenig vom Esprit und Witz eines thematisch ähnlich gelagerten Films wie „Pride“.

Die Filme von Peter Nestler werden mir dank mubi.com näher gebracht. Dabei zeigen Kurzfilme wie „Von Griechenland“ (1966) – mit seiner politischen Analyse der Lage vor Ort – und „Rheinstrom“ (1966), die Mechanismen mit denen Nestler arbeitet. Dagegen ist „Tod und Teufel“ (2009), eine Dokumentation zur Familiengeschichte Nestlers, die beste Arbeit, wohl auch, da Nestler tief und ohne falsche Zurückhaltung die Familienhistorie mit der deutschen Kolonisationsgeschichte aufarbeitet.
Claude Chabrol war nie einer meiner Favoriten, deshalb waren meine Erwartungen an sein Frühwerk „Les Cousins“ (1959) auch gering. Zwei Cousins die sich in Paris treffen, der eine ein Junge vom Land, der andere ein dekadenter Stadtmensch. Als sich Charlie (der Junge vom Land) in Florence verliebt, kann dies sein Cousin nicht auf sich beruhen lassen. Die Dreiecksgeschichte ist hübsch erzählt, konnte mich aber – wie so viele Filme Chabrols – einfach nicht packen.
Der Avantgardekurzfilm „Prehistoric Cabaret“ (2014) von Bertrand Mandico ist spannend aufgrund seines Herstellungsort. Gefilmt in Island scheinen die Möglichkeiten für ein fantastisches Setting gegeben, doch der wirre Kurzfilm zeigt eine Abfolge kaum zusammenhängender Szenen in psychedelischer Färbung.
Ebenfalls dank mubi.com, konnte ich einige Filme von Chris Marker erstmals sichten. Sein dokumentarischer Essay „Dimanche a Pekin“ (1956), hat bereits all die Merkmale eines Marker-Films. Per Voice Over wird vom Alltag in der Stadt erzählt, untermalt von ausladenden Bildern. Ein Muster, welches er in „Lettre de Sibèrie“ (1957) und seinem Preisgekrönten Israel-Film „Description d’un combat“ (1960) wiederholte. Vor allem Letzterer muss sich heute den Vorwurf einseitiger Propaganda gefallen lassen. Doch Marker zeigt vor allem das Leben einfacher Menschen und wie der Alltag von großen Ereignissen oftmals bis in kleinste Details hin bestimmt wird.
In der Dokumentation „Three Cheers for the Whale“ (1972) zeichnet Marker, gemeinsam mit Mario Ruspoli, die Geschichte der Walfängerei und des Status der Wale für die Menschen nach, und klagt dabei unmissverständlich die Jagd auf Wale an. Ein poetischer und doch sehr direkter Aufruf gegen Walfang.
Der Dokumentarfilm „The Lovers and the Despot“ (2016) handelt von der unglaublichen Geschichte eines südkoreanischen Filmemachers und seiner Frau, die beide von Nordkoreas Regime entführt und zur Herstellung von Filmen gezwungen wurden. Während die Doku zumindest an der Darstellung der Ereignisse kleine Zweifel erhebt, vermisst man eine Einbindung der filmischen Werke, und ihrer Qualitäten. Stattdessen werden kuriose Fakten wiederholt. Kurzweilig und teilweise erstaunlich reich bebildert, aber ein wenig oberflächlich.
Der filmische Essay „Sobytie“ (2015) von Sergey Loznitsa versucht den Zusammenbruch der UdSSR nachzuerzählen, und zeigt erneut die Schauplätze eines gescheiterten Putschversuchs im Jahr 1991. Für politisch interessierte Menschen ein sehr lohnenswerter Film.
Norbert Pfaffenbichler gehört zwar nicht zu den bekanntesten Avantgarde-Filmemachern des Landes, doch seine filmhistorisch aufgeladenen Werke, sind auf jeden Fall einen Blick wert. Vor allem sein in Spielfilmlänge vorliegender „Messenger from the Shadow (Notes on Film 06A/Monologue 01)“ (2013), der mehr oder minder eine Liebeserklärung an den großartigen Lon Chaney darstellt, fasziniert, auch wenn der Versuch einer übergeordneten Handlung ein wenig misslingt. In Kurzfilmform gab es auch noch „Notes on Film 01“ (2002) – in aufgesplitteten Bildern wird das Gesicht von „Else“ dekonstruiert – und „Conference (Notes on Film 05)“ (2011) – ein filmischer Essay zur Darstellung Adolf Hitlers in Film und Fernsehen – zu sehen. Beide wirken wie Proben für größere Werke.
Ein Rettungsanker in kreativer wie finanzieller Form, stellt „Wonder Woman“ (2017) von Patty Jenkins, für das DC Universe dar. Gal Gadot ist hervorragend in der Titelrolle – welche sie schon im übermotivierten „Batman v. Superman“ präsentierte – und kann zu großen Teilen darüber hinwegtäuschen, dass „Wonder Woman“ im Endeffekt doch wieder nur ein weiterer, wenngleich sehr gut inszenierter, Origin-Film ist. Chris Pine als Love-Interest ist klug gewählt, und das Weltkriegs-Setting verleiht gerade der Kollision der fantastischen Comic-Welt und den realen Gefahren einen gewissen Reiz.
Die von Ivan Reitman inszenierte Army-Komödie „Stripes“ (1981) war ein riesiger Hit für Bill Murray, und zeigte seinen damaligen Kumpel Harold Ramis in Hochform, doch der Reiz dieser Gags erschließt sich mir heute nicht mehr ganz. Achtzigerjahre-Humor, der zu großen Teilen nur wegen Murray, Ramis und John Candy funktioniert.
Zum jährlichen Event sind mittlerweile die Sharknado-Filme mutiert und der fünfte Teil „Global Swarming“ (2017) macht exakt das, was die vorangegangenen Fortsetzungen auch taten. Eine Fülle an Gaststars von schwankendem Status, eine geradezu lächerliche Rahmenhandlung – diesmal ist Großbritannien zunächst im Zentrum des Sharknado – und natürlich die Aussicht auf eine weitere Fortsetzung. Der Charme des ersten Filmes ist längst vergangen und ohne David Hasselhoff fehlt ein gewisser Trash-Charme, der dies auszugleichen wusste, doch als plumpe und selbstreferentiell-dumme Unterhaltung, ist es dennoch wieder genau das, was man erwartet hat.
Mit großer Vorfreude hatte ich die Verfilmung des Bestsellers „The Circle“ (2017) erwartet, doch James Ponsoldt verhob sich leider an den verschiedenen Aspekten und vergaß dabei ein wenig, die Charaktere über ihre papierenen Dialoge hinaus auszubauen. Emma Watson ist eine gute Besetzung für die Heldin, die im Konzern „Circle“ ihr berufliches und privates Glück zu finden scheint, und Tom Hanks als charismatischer Konzernboss ist perfekt gewählt. Doch während die Kritik an der allumfassenden Datenkrake FacebookGoogleAppleundCo im Buch funktionierte, konzentriert sich Ponsoldt auf Schlüsselmomente und lässt dafür die Entwicklung ganzer Charaktere links liegen, die das ganze Szenario erst glaubhaft gemacht hätte. Eine vergebene Chance.
Der kolumbianische Kurzfilm „La impresión de una guerra“ (2015) wirkt wie eine Collage aus Erinnerungen an den Terror der FARC und die Unmöglichkeit der Bevölkerung, diesen nach 70 Jahren einfach abzuschütteln und in ein normales Leben zu wechseln. Die Geschichte des Konflikts ist einfach zu komplex und kaum zu durchbrechen.
Ein Meisterwerk. „Du rififi chez les hommes“ (1955) von Jules Dassin ist nicht ohne Grund einer der einflussreichsten Krimis aller Zeiten. Eine fein erstellte Erzählung um Gangster, die nach einem geglückten Banküberfall, in ihr Verderben laufen. Natürlich ist die ohne Musikuntermalung und Dialog gefilmte Einbruchssequenz das berühmte Herzstück, doch sind auch das Finden der Crew und die tödlichen Konsequenzen des Überfalls, genau so wichtig und exzellent ausgearbeitet. Nachdem man Dassins Werk gesehen hat, sind die Verbindungen zu modernen Thrillern kaum zu übersehen.
Der Franzose Jacques Audiard konnte mich mit seinen Arbeiten wie „Un prophéte“ oder „De rouille et d’os“ begeistern. Etwas was sein Frühwerk „Regarde les hommes tomber“ (1994) nicht schaffte. Die Geschichte um die Aufklärung eines Anschlags auf einen Polizisten, bringt eine Reihe an nicht sonderlich interessanten Charakteren zusammen, deren Schicksal mich (trotz der prominenten Darsteller) nicht fesseln konnte.
Der Kinderbuchklassiker „Lord of the Flies“ ist in der Verfilmung aus 1963 ein kraftvolles Ereignis, betont geschmackvoll in Schwarzweiß und mit der Wichtigkeit seiner Botschaft ausgestattet. Die Kinderdarsteller sind leider nicht immer in der Lage, dem gewichtigen Thema gerecht zu werden, doch Regisseur Peter Brook schafft es dennoch, die Botschaft des Films interessant und eindrücklich zu vermitteln.
Die Adaption des populären Mangas „Death Note“ war von vornherein ein riskantes Unterfangen. Das weit gefasste Universum, in dem die Geschichte des Teenies Light und des Dämons Ryuk spielt, hätte Stoff für eine Mini-Serie oder einen ambitionierten Film-Zyklus gegeben. So rattern Regisseur Adam Wingard und sein Drehbuch-Autoren-Team durch viele Möglichkeiten und liefern nebenbei eine „Final Destination“-artige Todesmaschinerie mit leicht infantilem Gore-Humor.
Der deutsche Symbolhorror „Wild“ (2016) von Nicolette Krebitz, nimmt das altbekannte Motiv des Wolfes als Mittel zur Befreiung einer verstockten Persönlichkeit, die sich dadurch befreit und – nun ja – wild wird. Hier ist es die junge Ania (Lilith Stangenberg), die zwischen ihrem Assistenz-Job (unter ihrem Boss Georg Friedrich) und der Pflege ihres Großvaters im Krankenhaus, scheinbar keinen Lebenswillen mehr zu haben scheint. Die Aufnahme eines Wolfes bei sich zu Hause, führt zu neuem Selbstbewusstsein. Krebitz inszeniert mit gedeckten Farben und ernstem Tonfall. Das gibt dem Film eine gewisse Schwere und teilweise auch Zähigkeit, doch zeigt sich am Ende, dass es erst recht, die Befreiung von Ania auf diese Weise unterstützt und zu einem interessanten Ereignis macht. der Weg dorthin ist allerdings nicht immer einfach.
Die Kurzfilme „Children“ (2017) von Paul Mas und „I Made You, I Kill You“ (2016) von Alexandru Petru Badelita, handeln von Kindern und den Wunden die ihnen zugefügt wurden, und die sie mit sich herum schleppen. In Stop-Motion Form wird dies in „Children“ erzählt, wobei die Gewalt unter Kindern Gegenstand des thematisch interessanten, aber nicht stimmig umgesetzten Kurzfilms ist. „I Made You, I Kill You“ ist ein autobiografischer Essay, der geradezu deprimierend eindringlich die häusliche Gewalt thematisiert.

The 1001 Project
Der chinesische Filmemacher Zhang Yimou konnte mit „Da hong deng long gao gao gua“ (1991) in der westlichen Filmwelt für Furore sorgen. Die Geschichte einer jungen Frau, die in den 1920ern die vierte Frau eines wohlhabenden Adeligen wird, nimmt mit seinem Blick fürs exotische Detail und die Konzentration auf das Zusammenspiel von Dekors und Emotionen ein. Der in China erhobene Vorwurf, Zhang Yimou würde damit vor allem dem westlichen Wunsch nach Exotik nachkommen, muss man ein wenig beipflichten. So hübsch der Film auch anzusehen ist, wirkt er in seiner Versessenheit auf die Ausstattung wie ein fetischisiertes China und weniger wie ein realistisches Abbild damaliger Lebensumstände.
Das Historien-Epos „Queen Christina“ (1933) von Rouben Mamoulian ist zuallererst eine Gelegenheit für die große Greta Garbo, sich in einer komplexen Rolle, als schwedische Monarchin, zu präsentieren. Mamoulian belässt es bei einem Theaterhaften Film, dessen Inszenierung sich an Kostümen und Charisma der Garbo ergötzt, während Garbo selbst mit ihrem ohnehin akzentuiertem Englisch. perfekt in die Rolle der schwedischen Königin passt, die aus Liebe dem Thron entsagen muss. Ein nicht sonderlich anspruchsvolles Melodram, aus einer Zeit, in der Hollywood-Epen noch etwas steifer inszeniert wurden.

Re-Visited
Während seiner Kino-Auswertung wurde „Ghost in the Shell“ (2017) geradezu schmählich vom Publikum und Kritikern abgestraft. Schon beim Kinobesuch war zwar die etwas schwerfällige Handlungsführung von Regisseur Rupert Sanders ein Problem, doch stand dieses hinter der visuellen Brillanz und auch der ambitionierten Thematik hintan. Wie auch schon beim Anime. Die erneute Sicht auf die Realverfilmung, bestätigt nur das Potential, welches hier zu Grunde liegt. Nicht nur, dass ein besserer Regisseur wohl mehr herausgeholt hätte, sondern, dass sich hier eine potentielle Trilogie entspann, die nur auf Fortführung wartet.
Der „Photo-Roman“ „La Jetée“ (1962) von Chris Marker, ist einer der bekanntesten und besten Kurzfilme, der auch größere Bekanntheit erlangte, dank der „12 Monkeys“-Adaption. Marker schafft es, in 30 Minuten eine ganze Welt zu erschaffen, in der ein 3. Weltkrieg stattfand, die Zukunft versucht durch die Vergangenheit zu existieren und ein Zeit-Paradox zu philosophischen Beobachtungen über Liebe und Schicksal führt. Die Voice Over erklärt zwar einen Tick zu viel vom Geschehen, doch das schmälert die Kraft von „La Jetée“ nur bedingt.

Serien-Überblick
Ganz im Stil von „Making a Murderer“, erscheint die Krimi-Dokumentar-Serie „The Keepers“ (2017). Der ungeklärte Mord an der Nonne und Lehrerin Cathy Cesnik steht zwar im Zentrum, doch interessiert sich die sieben Episoden umfassende Ermittlung, auch vor allem für die Vorgänge in der katholischen Keough High School, in der Fälle von sexuellen Missbrauch stattfanden, und wie die Kirche dies versuchte zu vertuschen. Persönlich wünschte ich mir immer wieder mal eine Rückkehr zum Fall Cathy Cesnik, doch ist es den Filmemachern hoch anzurechnen, sich der komplexen Geschichte anzunehmen und sie in ihren vielen Facetten aufzuarbeiten, auch auf die Gefahr hin, keine zufriedenstellende Lösung und ein Ergebnis zu finden.
Auf den ersten Blick wirkt die ORF-Produktion „Vorstadtweiber“ wie eine billige heimische Kopie der „Desperate Housewives“. Tatsächlich lassen sich viele Parallelen ziehen, doch gelingt es Autor Uli Brée, einen sehr klaren lokalen Touch zu vermitteln. Vier Wiener Schickeria-Damen und ihre Probleme mit ihren Männern, die von privaten Dramen hin bis zur Krönung des nächsten Bundeskanzlers führen, stehen im Zentrum der ersten beiden Staffeln. Staffel 1 (2015) konzentriert sich vor allem auf die verschiedenen Affären, die sich ereignen und bietet die erste Gelegenheit die großartige Gerti Drassl zu bewundern. Staffel 2 (2016) dreht die Absurditätenschraube ein wenig an, und lässt vor allem die Bundespolitik als Hort der Korruption und des Ekels (in Form eines Kanzlerkandidaten der auch vor Mord nicht zurückschreckt) erscheinen. Gerade diese Absurditäten sorgen dafür, dass man doch immer wieder von Folge zu Folge hängen bleibt.
„Doctor Who“ ist DIE Produktion aus Großbritannien, die man mit britischer Sci-Fi verbindet. Seit Jahrzehnten ist sie fester Bestandteil der BBC und 2005 wurde nach einigen gescheiterten Versuchen, ein Neustart gewagt. Christopher Ecclestone war für die 1. Staffel (2005) der Doctor, und wirkte ein wenig, wie ein Probelauf, um auszutesten, ob es immer noch ein Publikum für die Abenteuer des Time Lords gab. Auch wenn einige Episoden ein klein wenig zu billig und trashig wirken, so ist klar, dass diese 1. Staffel die Lage erkundete und ihr Erfolg gab ihr recht.
Viel zu lange musste ich auf die neuesten Folgen der Animationsserie „Archer“ warten. Staffel 8 (2017) umfasst zudem nur noch acht Episoden und ist der Auftakt zum Finale, welches mit Staffel 10 an ihren Endpunkt gelangen soll. Am Ende von Staffel 7 lag Sterling Archer offenbar tot im Swimming Pool einer Hollywoodschönheit, betrauert von seiner Mutter und Freunden. Nun liegt er im Koma im Krankenhaus und findet sich in der mit „Dreamland“ übertitelten Komafantasie wieder. Ein famoser Mix aus Film Noir, Agentenparodie und Sci-Fi (Cyborg Barry darf nicht fehlen), hat sich „Archer“ neu erfunden und ist nun eine Anthologie-Serie, deren Auflösung alle losen Fäden wohl verbinden wird, doch genügt es fürs Erste, dass die Mischung diesmal funktioniert. Was in Staffel 5 mit „Archer Vice“ noch ein wenig bemüht wirkte, ist jetzt eine einzige Freude. Auch wenn ich mir noch ein paar Episoden hinzu gewünscht hätte.
Die Adaption von Philip K. Dicks Roman „The Man in the High Castle“ war lange ein Wunschprojekt vieler Studios in Hollywood. Amazon gelang schließlich das Unterfangen und dies auch noch in Serienform. Staffel 1 (2015) zeigt eine Welt, in der Japan und die Nazis die Welt unter sich aufteilen. Das Geschehen konzentriert sich in der 1. Staffel darauf, die unterschiedlichen Unterdrückungsmechanismen der Japaner im Westen der USA und der Nazis im Osten der USA aufzuzeigen. Hinzu kommen Abschnitte in der Neutralen Zone, die wie ein Gesetzloser Ort für Widerstandskämpfer wirkt. Dabei faszinieren vor allem die Szenen, in denen der Alltag dargestellt wird am meisten. Die Filme des „Man in the High Castle“ bleiben ebenso mysteriös wie unklar in ihrer Wirkung. Staffel 2 (2016) gräbt ein wenig tiefer in dieses Mysterium und bleibt dennoch eine logische Erklärung schuldig. Kein Wunder, da auch Dick weniger an der Erklärung interessiert war. Durch verschiedene Komplotte, wird der Thrilleraspekt in Staffel 2 verstärkt und kulminiert sowohl in einem Umsturz im Dritten Reich, als auch in einem spektakulären Anschlag im japanisch kontrollierten San Francisco. Alles wirkt darauf aufgebaut, dass am Ende die alternative Realität und die Wirklichkeit (in die hin und wieder der japanische Handelsminister – und ohne wirklich logische Erklärung – wechselt) sich irgendwie miteinander verbinden. Mit dem Buch hat das zwar alles kaum mehr was zu tun, doch als Sci-Fi-Unterhaltung ist dies sehr gelungen.
Apropos sehr gelungen. „The Affair“ von Sarah Treem und Hagai Levi ist dies. Eine sehr gelungene und clever aufgebaute Serie rund um eine Sommeraffäre, die aus den Blickwinkeln beider Partner gezeigt wird. Der vierfache Familienvater und angehende Autor Noah (Dominic West) beginnt eine Affäre mit der Kellnerin Alison (Ruth Wilson), während des Sommeraufenthalts bei den Schwiegereltern in Montauk. Daraus entsteht eine vielschichtige Beziehung, die vor allem die persönlichen Dramen beinhaltet. So beschränkt sich die 1. Staffel (2015) nicht nur auf die Affäre und ihre Auswirkungen, sondern zeigt auch die komplizierten Innenwelten der Charaktere. Dabei kommen zwar die jeweiligen Partner (Maura Tierney und Joshua Jackson) etwas zu kurz, doch scheinen diese in Staffel 2 bereits mehr Raum zu bekommen.
Es ist das Netflix-Event des Jahres. Die acht Episoden umfassende Mini-Serie „The Defenders“ (2017) vereint die auf Netflix zu sehenden Marvel-Helden Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist. wer nicht alle vier Serien bis dato gesehen hat, wird in den acht Folgen der 1. Staffel (ob es eine zweite Staffel geben wird, ist noch unklar) immer wieder ein wenig frustriert sein. Zwar erklären die Charaktere immer wieder ihre Hintergründe, doch hilft das nicht, wenn unbekannte Nebenfiguren auftauchen, von denen angenommen wird, dass das Publikum sie ohnehin kennt. Abgesehen davon, ist dies aber eine gut gemachte Comic-Serie, mit einigen spannenden Momenten, interessanten Kämpfen und mit Sigourney Weaver auch noch einem tollen und würdevollem Bösewicht. Die Handlung erinnert zwar ein wenig an „Batman Begins“, aber für oberflächlichen Spaß, eignet sich „The Defenders“ durchaus.
Die 7. Staffel (2017) des Serienphänomens „Game of Thrones“ ist der Auftakt zum großen Finale. Die ersten sieben Episoden zeigen bereits, dass die Autoren sich nicht länger an eine Romanvorlage halten, schlicht da sie George R.R. Martin bereits überholt haben, und erhöhen die Schlagzahl in dramatischer Sicht. So ist Danaerys viel aktiver denn zuvor, entwickeln sich Komplotte der Lannisters nicht über mehrere Staffeln hinweg, und ist generell mehr Action vorhanden. Dies führt aber auch dazu, dass viele interessante Aspekte zu kurz kommen. Etwa die Beziehung zwischen Sansa und Arya. Im Grunde funktioniert aber die 7. Staffel, wie auch die erste Filmhälfte des „Harry Potter“-Finales, oder die ersten Hälften der finalen Staffeln von „Breaking Bad“ und „Mad Men“: ein Teaser der das Finale ein wenig hinauszögert.
Zur Vorbereitung auf die kommende zweite Staffel von „Top of the Lake“, sah ich mir nun zum mittlerweile dritten Mal die 1. Staffel (2013) an, und war beinahe noch faszinierter denn bei meiner erstmaligen Sichtung. Das nuancierte Spiel von Elisabeth Moss, die unter den Macho-Attitüden ihres Chefs (erst bei mehrmaliger Sichtung fantastisch: David Wenham) und des Gangster-Bosses Matt (auffälliger, aber natürlich großartig: Peter Mullan) bestehen muss, und die Suche nach der 12 Jahre alten Tui zu organisieren hat, ist beeindruckend. Noch beeindruckender ist der Blick von Jane Campion auf die neuseeländische Weite, und wie sie diese in einen Ort des Verbrechens und der Trostlosigkeit verwandelt. Vor allem das Frauen-Camp „Paradise“, geführt von GJ (exzellent: Holly Hunter), wirkt wie ein Stich ins Macho-Herz dieser Gesellschaft. Eine Serie die von Mal zu Mal an Qualität zu gewinnen scheint.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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5 Kommentare zu “Monatliches Update: August 2017

  1. „Stripes“ habe ich neulich auch mal wieder geguckt und ich fand den gar nicht mal so gut. Ein oder zwei Lacher waren dabei, aber für eine 80er-Comedy, die ich eigentlich sehr mag, war das doch reichlich wenig.

    Ecclestone als den Doctor mochte ich zwar, aber für mich ging die Serie dann doch erst richtig mit Staffel 2 und David Tenant los. Der haucht dem Doctor einfach wunderbar Leben ein und die Folgen selbst werden auch stärker (mit einigen Ausreißern nach unten).

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    • „Stripes“ ist auch so voller Achtziger-Klischees (zum Beispiel wie sie die Grenzbeamten überlisten, oder die Darstellung der Frauen), dass man den Film im Grunde nur dann ansehen kann, wenn man ein Making-of-Buch zur Hand hat, um das alles auch richtig einzuordnen. Lustig ist es nur sehr selten.

      Ich habe jetzt ein paar Episoden mit David Tennant gesehen. Der gibt dem Doctor wirklich einen ganz eigenen Charme und wirkt dynamischer. Ecclestone war schon ganz gut, aber im Vergleich kann er nicht mithalten.

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      • An sich habe ich kein großes Problem mit 80er Klischees und auf political correctnes geb ich eh einen Scheiß. Aber „Stripes“ ist wie du schon sagst eben auch nicht wirklich lustig und das ist gerade bei dem Cast dann einfach nix.

        Tennant ist für mich DER Doctor. Ist bisher kein anderer rangekommen. Aberich bin gespannt wie sich die erste „Doctorin“ schlagen wird.

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      • Zu „Stripes“. Na ja, Political Correctness hin oder her, aber die Schmähs müssen eben auch lustig sein. Wenn Harald Schmidt „Neger“ sagt (https://www.youtube.com/watch?v=tAdyJe13Hmc), dann ist das Humortechnisch auf einem ganz anderen Niveau als wie wenn Mario Barth solche „Witzchen“ von sich geben würde.

        Zu „Doctor Who“. Ich gebe es ja zu, ich bin ein Hype-Opfer. Erst durch die Bekanntgabe, dass die neue Inkarnation des Doctors eine Frau sein wird, konnte ich mich dazu überwinden, der Serie endlich mal eine Chance zu geben. Die Handvoll Episoden der klassischen Serie haben mich nicht wirklich überzeugt, weshalb ich der neuen Serie skeptisch gegenüber stand. Spätestens mit Tennant ist diese Skepsis Geschichte.
        Ich bin schon gespannt wie gut mir die Episoden mit Peter Capaldi gefallen werden.

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      • Deshalb sage ich ja: Der Film ist einfach nicht witzig genug, um das aufzufangen. Da gibt es gerade in den 80ern viel bessere Vertreter.

        Mit dem Doctor wirst du sicher noch viel Freude haben. Eigentlich hat jede Inkarnation so seine Stärken und ist auf seine eigene Weise sympathisch.

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