Home

Der österreichische Film war in diesem Monat im Mittelpunkt des Kino-Geschehens, auch wenn das Highlight dann mein einziger Viennale-Besuch war. „The Florida Project“ hat das Zeug zu einem Allzeit-Klassiker zu werden. Halloween hat mich nicht fesseln können und so blieb der jährliche #Horroctober diesmal aus, was mir aber genügend Zeit ließ, um andere Filmperlen zu sichten.

Neuzugänge
Adrian Goigingers Regiedebüt „Die beste aller Welten“ ist ein sehr persönliches Werk, in dem Goiginger seine Kindheit in Salzburg und vor allem die Drogensucht seiner Mutter (Verena Altenberger) thematisiert. Aus der Sicht des 6 Jahre alten Adrian, sind viele Momente von einnehmender Unschuld und es ist berührend, wie sehr sich das Kind in der Umgebung von Drogensüchtigen und Dealern zurecht findet. Doch natürlich zeigt Goiginger auch eine „Genre-typischen“ Szenen, wie den Entzug seiner Mutter, und den geradezu logischen Rückfall. Erst mit dem, etwas holprig inszeniertem und nicht ganz schlüssig erklärtem, Ende verliert „Die beste aller Welten“ ein wenig von seiner Stärke.
Michael Haneke scheint mit „Happy End“ noch einmal alle Themen und Muster seiner Karriere aufzugreifen und diesmal in einer überraschend boshaft-humorvollen Art und Weise zu bearbeiten. Eine gut bürgerliche französische Familie, deren Wohlstand an einer Baufirma hängt, zerbricht langsam. Haneke lässt wie in Zeitlupe die einzelnen Personen ihre persönlichen Tragödien sich zu einem Gesamtfamiliären Autounfall vermengen, wobei vor allem Georges (Jean-Louis Trintignant) die humorvollsten wie auch boshaftesten Szenen der Selbstzerstörung erhält, wenn er versucht sich das Leben zu nehmen. Haneke lässt sich Zeit und das Publikum benötigt ein wenig Geduld, um all die Fäden aufzunehmen, doch wenn das Bild endgültig klar wird, dann zeigt sich ein facettenreicher, intelligenter und hintergründiger Film.
Der einzige Viennale-Besuch in diesem Jahr qualifiziert sich auch sogleich für den Titel „Bester Film des Jahres“. Sean Bakers „The Florida Project“ ist ein wunderschönes Kindheitsporträt inmitten unsteter Lebensverhältnisse. Die kleine Mooney (Brooklyn Prince) lebt mit ihrer arbeitslosen Mutter in einem heruntergekommenen Motel, in dem der herzensgute Manager Bobby (in der sympathischsten Rolle seiner Karriere: Willem Dafoe) versucht, alles im Guten enden zu lassen. Baker, der mit seinem iPhone-Film „Tangerine“ für Aufsehen sorgte, blickt mit viel Sympathie auf seine Charaktere, lässt sie aber auch ihre negativen Seiten ausleben, und schwächt keineswegs die unsympathischen Charakterzüge der Kinder oder ihrer Mütter ab.

Die australische Filmemacherin Cate Shortland hat sich in Berlin die Atmosphäre der Stadt zu eigen gemacht und mit dem Thriller „Berlin Syndrome“ (2017) einen ebenso beklemmenden wie düsteren Entführungsfilm gedreht. Als eine australische Rucksacktouristin (Teresa Palmer) in Berlin einem Englischlehrer (Max Riemelt) in die Arme läuft und mit ihm eine leidenschaftliche Nacht verbringt, scheint alles auf einen Urlaubs-One-Night-Stand hinauszulaufen. Doch der Englischlehrer lässt sie nicht mehr aus der Wohnung. Riemelt gibt eine gute Darbietung, wie auch Palmer, doch der Film strotzt nur so vor vorhersehbaren Wendungen und so kann die tolle Atmosphäre diese Vorhersehbarkeit nicht ausgleichen.
Basierend auf einem eher unbekannten Buch von Stephen King, ist das Psycho-Spiel „Gerald’s Game“ (2017) ein äußerst unterhaltsamer Schlagabtausch zwischen Carla Gugino und Bruce Greenwood. Nach einem schief gegangem Liebesabenteuer im Ferienhaus, muss sich Jessie (Gugino) mit der Ausweglosigkeit ihrer Situation und ihrer langsam in sich zusammenbrechen Psyche auseinander setzen. Darstellerisch ein famoser Film, der inszenatorisch von Mike Flanagan (bislang als Horrorspezialist aufgefallen) gut umgesetzt wird, allerdings durch einen furchtbaren Schluss viel von seiner Wirkung verliert.
Mit einem David Michod-Doppel konnte ich endlich eine filmische Lücke schließen. Sein Debüt, der Mafia-Thriller „Animal Kingdom“ (2010), ist das australische Gegenstück zu „Goodfellas“ und fasziniert vor allem durch ein imposantes Ensemble (Ben Mendelsohn, Joel Edgerton, Guy Pearce, Jackie Weaver). Michod erfindet das Genre nicht neu, weiß aber seine Geschichte einer Gangster-Familie gut umzusetzen. Der darauffolgende dystopische Sci-Fi-Western „The Rover“ (2014) ist eine sehr spezielle Art von Film, die vor allem in Australien möglich zu sein scheint. Guy Pearce als Mann auf der Jagd nach seinem Wagen, der sich schließlich mit einem jungen Mann (Robert Pattinson) zusammenschließt. Die Atmosphäre ist toll, aber der viel zu lang ausgewalzte Rachefeldzug gegen die Diebe seines Wagens, wirkt auf Dauer ermüdend.
Robert Redford und Jane Fonda bekommen im Netflix-Drama „Our Souls at Night“ (2017) die Möglichkeit eine Streaming-Variante von „On Golden Pond“ zu spielen. Als alleinstehende Pensionisten, die einfach nur nach Gesellschaft suchen, geben die beiden Veteranen ihr Bestes und erheben diesen süßen und berührenden Film auf ein höheres Niveau, denn die vorhersehbare Handlung es erlauben soll.
Salma Hayek bekommt selten die Gelegenheit gegen das Klischee der feurigen Latina anzuspielen, gerade weil sie dies meist sehr effektiv macht. In der bitterbösen Satire „Beatriz at Dinner“ (2017) ist Hayek in ihrer vielleicht besten Rolle zu sehen, gerade da sie als Heilmasseurin Beatriz inmitten eingebildeter Snobs bei einem Dinner nur selten in einen wortreichen Furor verfällt. Ihr Gegenüber ist John Lithgow als krimineller Firmenboss. Die Dialoge sind traumhaft und die fein ausbalancierten Darbietungen erlauben es auch die etwas platteren Gags von Autor Mike White und Regisseur Miguel Arteta effektiv zu gestalten.
Das Konzert von Johnny Cash im Folsom Gefängnis gehört zu den legendärsten Aufnahmen in der Musikgeschichte. Die Dokumentation „Johnny Cash at Folsom Prison“ (2008) hat jedoch mit der Problematik zu kämpfen, dass es keinerlei Filmaufnahmen dazu gibt. So erstellt Regisseur Bestor Cram aus Fotos, archivierten Aufnahmen für die Schallplatte und Interviews mit Weggefährten ein schönes Porträt eines einzigartigen Konzerts.
Basierend auf den erfolgreichen Büchern von Stephen King, wartete die Filmwelt gespannt auf den ersten Film, der angeblich ein Film-Universum eröffnen sollte. Doch „The Dark Tower“ (2017) ist ein derart langweiliger, zusammenhangloser und einfach nur schlecht geschriebener Film (mit Anklängen an „Last Action Hero“), dass man sich verwundert fragt, ob die Bücher besser sind. Zumindest sind Iris Elba als Gunslinger und Matthew McConaughey als böser Man in Black spaßig.
Angelina Jolie hätte es sich viel einfacher machen können und Actionfilme rund um ihre eigene Person inszenieren, doch stattdessen wählt sie thematisch interessante aber auch komplexe Arbeiten. Dies führte in der Vergangenheit zu mal schwachen („In the Land of Blood and Honey“, „By the Sea“) und mal gut gemeinten („Unbroken“) Ergebnissen. Mit „First They Killed My Father A Daughter of Cambodia Remembers“ (2017) schafft sie erstmals einen richtig guten Film, der seinem gewichtigen Thema auch gerecht wird. Aus Sicht der kleinen Loung wirkt die Machtübernahme der Roten Khmer in Kambodscha vor allem wie der langsame Zerfall ihrer Familie, die sich aufgrund ihr unbekannter Mächte in den Wirren von Krieg und Arbeitslagern verliert. Jolie kann so auch den großen politischen Fragen ein wenig ausweichen und sich auf die Emotionen konzentrieren, was zwar einen komplexen Konflikt ein wenig simplifiziert, aber gerade durch die konzentrierte Regie zu einem sehr emotionalen und mitreißenden Film führt.
Noah Baumbach hat sich einen Ruf als Woody Allen-esker Filmemacher erarbeitet. Sein Fokus auf die neurotischen New Yorker – und hier vor allem Intellektuelle – lässt dies nur allzu deutlich werden. In „The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ (2017) verbindet er dies, mit dem Anspruch aus in ihrer Kreativität stecken gebliebenen Schauspielern neue Herausforderungen zu bieten. Adam Sandler und Ben Stiller bekommen diese Möglichkeit als Söhne eines exzentrischen Kunstprofessors der einer Karriere hinterher trauert (Dustin Hoffman). Die Familiendynamik wird von Baumbach in seinem bewährten Stil eingefangen, doch es sind die großen Dialogduelle, die im Gedächtnis bleiben. Vor allem Sandler wurde seit Ewigkeiten nicht mehr so gesehen, während Stiller und Hoffman erneut unter Beweis stellen, wie gut sie sein können. Ein leiser und bittersüßer Film, mit herzlich komischen Momenten.
Herzlich komisch, aber auch manchmal sehr derb, ist das Programm „This Filthy World“ von und mit John Waters. Der legendäre Filmemacher war zu Gast in Wien, doch leider war es mir nicht möglich, seinen Auftritt live zu erleben. So blieb mir nur die Aufzeichnung einer Performance aus dem Jahr 2006 und es ist einfach köstlich, wie sich Waters mit seiner Autobiographie auseinander setzt und zugleich die Gesellschaft und den Zeitgeist veralbert und herausfordert. Ein Genuss.
Der Independent-Filmemacher Michael Almereyda ist für viele Kinogänger wohl noch immer der Regisseur dieser modernen „Hamlet“-Version mit Ethan Hawke. Doch in jüngster Zeit, wagt er sich vermehrt an kreative Filme, und nach dem Biopic „Experimenter“ ist dies der Sci-Fi-Film „Marjorie Prime“ (2017). Jon Hamm spielt Walter, die etwa 40-Jahre alte holographische Version des Ehemannes von Marjorie (Lois Smith), die sich damit ein wenig Gesellschaft verschafft und mit Walter in Erinnerungen schwelgt. Almereyda erarbeitet einen Sci-Fi-Film, im Geist von „Her“. Die Technologie wird einerseits hinterfragt, ist aber doch „nur“ dazu da, um Fragen nach Liebe, Tod und Erinnerung zu stellen. Ein kluger, ruhiger – und dadurch manchmal etwas zu unterkühlt wirkender – spannender Film.
Barry Levinson hat für HBO bereits mit Al Pacino zusammengearbeitet, nun zeigt er Robert De Niro als Bernie Madoff und Michelle Pfeiffer als seine Frau. In „The Wizard of Lies“ (2017) wird der Fall Madoff behandelt, und wie ein charismatischer Mann mit Geschick hunderte Millionen von Dollar verspekulieren konnte. Erst als mit der Krise 2008 die Entwicklungen nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden konnten, begann das Kartenhaus zusammenzufallen, und Madoff wurde verhaftet. Levinson zeigt dies in einem etwas zu langem und rund um ein Gefängnisinterview konfus ausgebautem Film, in dem vor allem die Darbietungen der Hauptdarsteller faszinieren. De Niro kann nach langer Zeit wieder einmal sein Talent zeigen, und spielt Madoff wie einen Mafiapaten, dem jedes Verständnis für seine Verbrechen fehlt.
Karl Merkatz ist „Der Blunzenkönig“ (2015). Damit ist schon erklärt, weshalb dieses seichte Lustspiel überhaupt produziert wurde. Ein 90 Minuten langer Reigen an Klischees, der genau zwei lustige Szenen bietet, sich aber sonst in Langeweile ergeht.
Österreichische Thriller sind eine Seltenheit, vor allem im Kino. Deshalb erschien Michael Ramsauers Debüt „Mein Fleisch und Blut“ (2016) auch wie eine willkommene Abwechslung. Leider lässt er in seinem Thriller kaum ein Thrillerklischee aus. So versinkt das Geschehen um einen Boulevard-Journalisten (Andreas Kiendl) und seine Familie, die von zunächst freundlichen jungen Nachbarn heimgesucht werden, in Langeweile und Vorhersehbarkeit.
Basierend auf dem tragischen Tod eines Teenagers, der beim Einbruch in einen Supermarkt erschossen wurde, erzählt Stephan Richter in „Einer von Uns“ (2015) vom langweiligen Leben am Land. Jugendliche ohne Perspektive, die sich für einfache Jobs im Supermarkt erniedrigen müssen während sie in ihrer Freizeit auf Parkplätzen abhängen, herrische Filialleiter (großartig: Markus Schleinzer) und Polizisten zwischen Routine und Depression (Andreas Lust als prominentestes Gesicht). Richter geht bewusst ein langsames Tempo und verweigert sich einer einfachen Schuldzuweisung.
Die Dokumentation „78/52“ (2017) behandelt vor allem die berühmte Duschszene in Alfred Hitchcocks „Psycho“. Um zu dieser zu gelangen, werden natürlich die Entstehungsgeschichte und Einflüsse auch miteinbezogen, doch hauptsächlich handelt es sich tatsächlich um eine Anatomie einer einzigen Szene, die Filmgeschichte geschrieben hat. Nicht ohne Grund ist Janet Leigh in ihrer Duschszene auf dem Cover der ersten „1001 Filme…“ abgedruckt. Für Hitchcock-Liebhaber bietet die Doku kaum Neuigkeiten, aber ist immerhin derart enthusiastisch gestaltet, dass man sich begierig wieder auf den Klassiker stürzt.
Vincent Lindon ist der Hauptgrund, um sich den ruhigen und einprägsamen „La Loi du marché“ (2015) anzusehen. Die Regie von Stéphane Brizé ist keineswegs dazu geeignet Begeisterungsstürme zu erzeugen, doch Lindons stille und voller Würde getragene Darbietung eines arbeitslosen Arbeiters, auf der Suche nach einer neuen Anstellung, ist herzzerreißend. Ob der Kritik seiner KollegInnen in Bewerbungskursen ausgesetzt, oder bei seiner Arbeit als Security in einem Supermarkt. Er trägt den Film.
Mirjam Ungers Adaption von Christine Nöstlingers autobiografischem Roman „Maikäfer flieg“ (2016) beginnt sehr vielversprechend, doch verliert sich das Geschehen in allzu konstruiert wirkenden Begegnungen, die womöglich stattgefunden haben, aber in der Form wie sie der Film darstellt, einfach nur unrealistisch wirken (und auch klingen).
Mit viel Vorfreude erwartete ich Thomas Jane in der Stephen-King-Adaption „1922“ (2017). Die Netflix-Produktion basiert auf einer Novelle, in der ein einfacher Farmer (Jane) sich gegen die (finanziellen) Begehrlichkeiten seiner Frau (Molly Parker) durchsetzen muss. Ihr Wunsch die Farm zu verkaufen, sich scheiden zu lassen und in die Stadt zu ziehen sind aber ihrem Mann und ihrem Sohn (Dylan Schmid) ein Gräuel und so scheint ihre Ermordung der einzig logische Weg. Eine gute Ausgangslage für einen unterhaltsamen Thriller, der nach einer halben Stunde nur noch von Janes tollem Spiel zusammengehalten wird und erst gegen Ende wieder ein paar visuelle Ideen einbringt. Grundsätzlich leider eine herbe Enttäuschung.
John Carpenters „In the Mouth of Madness“ (1994) bekam in den letzten Jahren eine Neu-Betrachtung, nachdem die Geschichte um einen verschwundenen Autor und die Suche des Privatdetektivs John Trent (Sam Neill) nach seinem Verbleib, beim Kinostart verrissen und ignoriert wurde. Trotz der vielen neuen Liebhaber konnte mich die Mischung aus Wahn und Realität nicht überzeugen. Viel zu lange zieht Carpenter das Geschehen in die Länge und erweckt für die an Lovecraft gemahnten Wahnwelten zu wenig Interesse. Die humorvollen Spitzen gegen Stephen King wirken in diesem Zusammenhang auch nicht hilfreich.
Als vor gut 20 Jahren der kanadische Film „Kissed“ (1996) die Runde machte, war allein der Pitch „Frau liebt tote Menschen“ Grund genug für meine Aufmerksamkeit. Nun war es mir endlich möglich Lynne Stopkewichs Debüt und Molly Parkers Durchbruch zu betrachten. Zu sehen bekam ich dann aber einen überraschend feinfühligen und sensiblen Film rund um Begierde und Liebe, die sich in verschiedenen Formen zeigen kann, und somit weit weg war, von der sensationalistisch aufgeheizten Berichterstattung, die einen etwas abstrusen Nekrophilie-Schocker vermittelte und ich war sehr angetan.

The 1001 Project
Das Duo Powell/Pressburger war das talentierteste Duo der britischen Filmgeschichte. Mit ihrer träumerischen Weltkriegs-Nachwelt-Fantasie „A Matter of Life and Death“ (1946) zeigen sie nur ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, zum Einen die schrecklichen Seiten dieses Kriegs und zum Anderen verbreiten sie Hoffnung und den Glauben an ein schöneres Leben durch die Kraft der Liebe. Dass sie dabei so gut wie nie in banalen Kitsch abgleiten, ist ein kleines Wunder, und liegt auch an der Chemie zwischen David Niven und Kim Hunter, die ein Liebespaar wider allen Umständen spielen.

Re-Visited
Mit „Gosford Park“ (2001) bemerkte ich als Teenager erstmals wirklich die tolle Arbeit von Robert Altman und nach so vielen Jahren hat der Quasi-Vorläufer zu „Downton Abbey“ nichts von seiner beißend-satirischen Wirkung verloren. Die feine Gesellschaft und die Diener in den dunklen Gängen, der aufzuklärende Mord, die Leichen im Keller der handelnden Personen und ein Scotland Yard-Detektiv, der wie eine Karikatur wirkt. Es ist ein Fest sich in „Gosford Park“ aufzuhalten. Das luxuriöse Ensemble ist vollgestopft mit tollen Darstellern und tollen Darbietungen, weshalb es beinahe kriminell wirkt, nur eine oder zwei herauszuheben. Ein großartiger Film, dessen einzige Schwäche womöglich jene ist, dass der tolle Aufbau der ersten Hälfte durch einen etwas zu platten Krimiplot in der zweiten Hälfte abgelöst wird.
„Coco avant Chanel“ (2009) wurde nach dem Prinzip aufgebaut, nach welchem auch „La vie en rose“ funktionierte. So sieht man Audrey Tautou auf ihrer Reise von Revue-Girl bis hin zur selbstständigen Modemacherin, dazwischen auch die eine oder andere Liebschaft und vor allem ihr Eigensinn. Tautou ist auch der einzige Grund um sich das sehr bieder inszenierte Werk anzusehen, und es spricht nicht unbedingt für die Regie von Anne Fontaine, dass mir erst während der Sichtung auffiel, dass ich den Film tatsächlich damals im Kino gesehen hatte. Tautou ist großartig, der Film wirkt hingegen wie ein „TV-Film der Woche“.
Nach Ansicht von „78/52“ war der Weg zu „Psycho“ (1960) nur logisch und womöglich lag es an dieser Doku, dass meine Konzentration vor allem auf die Duschszene gelenkt war. „Psycho“ kann auch noch über 50 Jahre nach seinem ersten Erscheinen begeistern, und zählt zu meinen liebsten Filmen des britischen Großmeisters.

Serien-Überblick
Eine Serie die mir zunächst auffiel, als sie ihre Premiere feierte, aber dann irgendwie in Vergessenheit geriet, ist „The Girlfriend Experience“. Basierend auf dem Film von Steven Soderbergh, erschaffen Lodge Kerrigan und Amy Seimetz in der 1. Staffel (2016) die nicht immer angenehme Geschichte der Jus-Studentin Christina (großartig: Riley Keough), die als Escort-Girl Chelsea nicht nur Geld verdient, sondern auch langsam ihre eigenen Vorlieben erkundet. „The Girlfriend Experience“ hat dabei aber nicht nur die Darstellung der High-Class-Prostitution im Sinn, sondern zeigt Christina auch inmitten eines Anwalts-Komplotts in ihrer Firma und ist vor allem daran interessiert, die zwei Seiten ihres Charakters zu erforschen. Eine Serie, die den Stil und Ton von Soderberghs Film großartig nutzt und zu einer eigenen Identität ausarbeitet. Keough ist nicht immer sympathisch als Christina/Chelsea, doch gerade darin liegt ein großer Reiz. Dieser Frau auch an dunkle Orte zu folgen, vor denen man selbst zurückschrecken würde und dabei keinerlei Wertung vornimmt.
Produziert von David Fincher und Charlize Theron, ist die 1. Staffel (2017) der neuen Netflix-Serie „Mindhunter“ von den bewussten und unterbewussten Quer-Verbindungen zu Fincher-Filmen wie „Zodiac“ und auch „Se7en“. Doch schafft es die Serie von Joe Penhall, basierend auf einem Buch über die Entwicklung der FBI-Abteilung für Verhaltensgestörte Verbrecher, eine eigene Identität zu erschaffen. Das ungleiche Duo (Jonathan Groff & Holt McCallany) erfährt in seinen Gesprächen mit inhaftierten Serienmördern (eine Bezeichnung die im Laufe der Serie entwickelt wird) mehr über die Psyche von Mördern, aber muss sich dabei auch mit sich selbst auseinander setzen. Eine fürs Binge-Watching geradezu prädestinierte Serie, die schwächelt, sobald es um die Liebesbeziehung des jungen Holden (Groff) geht.
Die 4. Staffel (2008) von „Doctor Who“ ist leider auch die letzte mit dem großartigen David Tennant als Doctor. Dass es nun zu einem Wechsel kommt, lässt mich mit wenig Begeisterung auf die kommenden Staffeln blicken, denn Tennant hat das Bild des Doctors für mich stark geprägt und geradezu einzementiert. Dass es auch noch die Staffel mit der höchsten Dichte an starken Episoden war (herausragend waren nicht nur das Finale mit allen Companions, sondern auch „The Doctor’s Daughter“, „Silence in the Library“, „Midnight“ und „The Fires of Pompeii“), verstärkt natürlich den Abschiedsschmerz. Selbst an Catherine Tate als Donna habe ich mich dann doch noch gewöhnt, da sie im Zusammenspiel mit Tennant einen tollen Kontrast bot. Der Wechsel zu Matt Smith war überaus humorvoll gestaltet, doch noch bin ich skeptisch was nun auf mich (und den Doctor) zukommt.
Spionage in Berlin und das ganz ohne Kalten Krieg. Nun gut, in der 1. Staffel (2016) von „Berlin Station“ wird viel Zeit dafür aufgewandt, die Charaktere zu etablieren (Richard Armitage, Rhys Ifans, Michelle Forbes, Leland Orser und Richard Jenkins sind das imposante Kern-Ensemble, hinzu kommt Sabin Tambrea als zwielichtiger Agent), was auf Kosten der Spannung geht. So gibt es gefühlt viel zu viele Dialoge, die das offensichtliche erläutern, und die Jagd auf den Whistleblower Thomas Shaw nicht gerade spannend gestalten. Doch die von Olen Steinhauer kreierte Serie erschafft sich zum Ende hin doch eine eigene Identität, selbst wenn der Vergleich mit der 5. Staffel von „Homeland“ (die in Berlin spielte) nicht gerade positiv ausfällt.
Die 4. und finale Staffel (2017) der zu Beginn sehr unterhaltsamen aber mit Fortdauer immer anstrengenderen Vampir-Serie „The Strain“ habe ich rechtzeitig vor Halloween noch zu Ende gesichtet. Es war allerdings nur mehr wenig Freude dabei. Corey Stoll ist immer noch ein charmanter Hauptdarsteller, aber nach dem blödsinnigen Cliffhanger von Staffel 3, war es mir relativ egal, was sich dann zum Ende hin noch zutrug. Der zeitliche Sprung half ein wenig, das Interesse in den ersten paar Folgen zu erhalten, flachte dann aber sehr rasch wieder ab.
Die 2. Staffel (2016) des Animes „Ansatsu kyoshitsu“ entpuppte sich als ein hartes Stück Arbeit. Das lag vor allem daran, dass die Erzählweise immer wieder ins Melodramatische und – man mag das bei einem Anime über ein gelbes Oktopus-artiges Monster, welches die Erde zerstören will und eine Schulklasse unterrichtet, die es innerhalb eines Jahres töten soll nicht glauben – Unrealistische. Waren die Ausgangsszenarien in Staffel 1 innerhalb des Erzählkonstrukts noch amüsant und nachvollziehbar, so übernahmen in Staffel 2 eher langweilige Hintergrundgeschichten und schließlich absurde Missionen (der Gipfel die Weltraummission). Dass es insgesamt dennoch Spaß macht, liegt vor allem am Charakter des Koro-sensei. Dennoch hätte nach Staffel 1 ein knapperer Abschluss der Serie besser zu Gesicht gestanden.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s