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Ein Film über die Entstehung des angeblich schlechtesten Films aller Zeiten. „The Disaster Artist“ war nicht nur mein einziger Kino-Besuch des Monats, sondern sorgte auch für so viel Gelächter, wie schon lange kein Film mehr. Daneben blieben noch einige Netflix-Dokumentation, die Oscar-Kandidaten „The Shape of Water“, „Lady Bird“, „Darkest Hour“ und „The Post“ sowie Harry Dean Stantons finale Rolle in „Lucky“ in Erinnerung. Zudem hatte ich endlich die Gelegenheit die neueste DVD-Ausgabe einiger Filme von Peter Tscherkassky zu sichten.

Neuzugänge
„The Disaster Artist“ (2017), die Entstehungsgeschichte des legendär-schlechten Machwerks „The Room“ wurde unter der Federführung von James Franco als Regisseur und Hauptdarsteller (eine meisterhafte Darbietung als Tommy Wiseau) zu einem ungemein humorvollen und auch liebevollen Plädoyer für den Film. Eine etwas abseitige Bromance (mit Dave Franco als Greg Sestero) die zwar nie ganz die die Höhen des nicht unähnlichen „Ed Wood“ von Tim Burton erreicht, aber so amüsant und mitreißend bleibt, dass man dem Team rund um Wiseau einfach bei ihrem inkompetenten Treiben zusehen will.

Will Smith hat es in letzter Zeit nicht leicht. Nachdem „Suicide Squad“ zwar finanziell Schadensbegrenzung betrieb, aber ein Kritiker-Flop war, schien der Fantasy-Action-Reißer „Bright“ (2017) auf Netflix eine neue frische Wendung aufzuzeigen. Stattdessen gibt es von David Ayer einen Cop-Thriller verknüpft mit ein paar putzigen Ideen, die aber insgesamt zu platt ausfallen. Rassismus-Kritik auf oberflächlichste und noch dazu langweilige Art.
Der Kurzfilm „Schattenboxer“ (2015) folgt einem jungen Mann während seiner Bewährung und Therapie, um nach einem tätlichen Angriff wieder auf den rechten Weg zu finden. Jannis Lenz zeigt im Stil einer Dokumentation die Starrköpfigkeit seines Protagonisten, der nicht einsehen will oder kann, weshalb seine Taten und groben Sprüche keine Zukunft darstellen.
Der träumerische Spielfilm „Le Bohneur“ (1965) ist meine erste Begegnung mit dem filmischen Schaffen der großen Agnès Varda. Sie macht es dem Publikum aber hier nicht leicht, denn zunächst zeigt sie die Familie rund um Handwerker Francois (Jean-Claude Drouot) als beinahe unerträglich idyllisches Dasein, bis Francois auf eine junge Postbeamtin trifft und sich in sie verliebt. Eine Affäre, deren Konsequenzen Francois bis zum Ende nicht völlig bewusst zu sein scheinen und Varda vermeidet auch jegliche Wertung. Sehr gut gemacht, aber nicht immer einfach nachzuvollziehen.
Luc Besson ist mittlerweile ein wenig zum Produzenten seiner eigenen Kopien geworden und selbst seine eigenen Regiearbeiten wirken mitunter wie Kopien seiner alten Filme. Umso erstaunlicher ist es, wenn man mit „Subway“ (1985) ein Frühwerk Bessons zu sehen bekommt. Einen Blick in ein Paralleluniversum, in welchem das Leben scheinbar nur in den U-Bahnschächten Paris stattfindet. Kapitalismus- und Klassenkritik vermengen sich mit betont schrägen Momenten, was eine wirkliche Handlung gar nicht erst aufkommen lässt. Exzentrischer Mix aus Auteurkino und B-Movie.
Mit Verspätung schaffte ich es nun auch das Superhelden-Epos „Justice League“ (2017) zu sichten, und während ich bei „Suicide Squad“ zumindest ein wenig Spaß am zerfahrenen Geschehen hatte, so wollte sich in „Justice League“ kaum die Langweile vertreiben lassen. Die Handlung mit der Zusammenkunft der Helden ist langatmig inszeniert, manche Charaktere (wie Batman) scheinen eine 180-Grad-Drehung genommen zu haben, und selbst die Wiederauferstehung von Superman wirkt eigenartig uninspiriert. Das DC-Universe wirkt unrettbar.
Zum insgesamt vierten Mal tritt Rowan Atkinson als Kriminalbeamter Maigret auf. In „Maigret in Montmartre“ (2017) scheint man aber wieder einem schwachen und nur stellenweise unterhaltsamen Beitrag beizuwohnen, wie bei der Premiere von Atkinson in der Rolle. Es ist schon bezeichnend, wenn sich die Konzentration fast ausschließlich auf Darstellung und Ausstattung ziehen lassen, da die Handlung kaum von Interesse ist.
Noch viel schlimmer geriet jedoch die Agatha Christie-Adaption „Crooked House“ (2017). Während Glenn Close, Gillian Anderson und Christian McKay sichtlichen Spaß an den Klischeefiguren haben, ruht der Film ausgerechnet auf einem Privatdetektiv, der völlig ohne Charme von Max Irons gespielt wird.So gestalten sich die Ermittlungen um einen Todesfall und das damit verbundene Erbe sagenhaft langweilig und uninteressant.
„Rebel in the Rye“ (2017) ist Nicholas Hoults Möglichkeit als ein junger JD Salinger zu glänzen, der mit der Entstehung von „Catcher in the Rye“ hadert. Es ist auch das Regiedebüt von Danny Strong. Doch mittlerweile ist es vor allem der erste Film mit Kevin Spacey, den ich zu sehen bekomme, seitdem die Enthüllungen rund um seine Person an die Öffentlichkeit traten. Dadurch verschiebt sich der Fokus, sosehr man auch dagegen ankämpft. Hoult ist gut als Salinger, doch Strong inszeniert mit größtmöglicher Biederkeit einen Film um ein junges Genie, das mit sich selbst hadert. Spacey ist als Mentor gut wie immer, doch so ganz kann man nicht verdrängen weshalb er mittlerweile eine Persona non grata ist.
Als Persona non grata galt nach dem Angriff auf die Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan ihre Rivalin Tonya Harding. In dem eher lustigen denn tiefgründigen Biopic „I, Tonya“ (2017) von Craig Gillespie glänzen vor allem Margot Robbie als Tonya Harding, Allison Janney als ihre Rabenmutter und Sebastian Stan als Schlägerehemann. Es ist ein Drahtseilakt, die Tat von Harding bzw. ihrem Umfeld nicht zu sehr ins Lächerliche zu ziehen und zugleich auch die Menschen hinter der Geschichte nicht zu dämonisieren. Gillespie tappt hin und wieder ein wenig in die Romantisierungsfalle. Darstellerisch großartig, aber dann doch mehr Komödie mit Hang zur Ironisierung des Geschehens, denn ernsthaftes Drama.
Mit ganz viel Hype kam Greta Gerwigs Regiedebüt „Lady Bird“ (2017) an und es ist einer der schönsten und besten Filme des vergangenen Jahres bzw. der aktuellen Oscar-Saison. Ein fantastisch gespielter Coming-of-Age-Film, rund um die 17 Jahre alte Lady Bird (Saiorse Ronan), die ein wenig arg krampfhaft versucht, anders und alternativ zu sein, und dann doch genau jene Fehler und Erfahrungen macht, wie alle anderen Teenies in ihrem Alter. Ein glänzender, sympathischer, gut gelaunter Film, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Im Zuge des mubi-Schwerpunkts konnte ich einige Filme des US-Filmemachers Jay Rosenblatt begutachten. Diese scheinen stärker zu werden, je persönlicher ihn selbst die Themen betreffen. So ist die Auseinandersetzung mit dem Selbstmord einer ihm bekannten Krankenschwester in „The Darkness of Day“ (2009) hervorragend und auch seine 5-Minuten-Elegie „The D Train“ (2011) um das Älterwerden ist grandios. Dagegen fällt der politisch aufgeladene „I Just Wanted to Be Somebody“ (2007) ein klein wenig ab.
Zu sehen bekam ich auch eine Reihe an interessanten Dokumentarfilmen. Den Beginn machte der auf der Oscar-Shortlist stehende „Icarus“ (2017) von Bryan Fogel. Ursprünglich ein Film als Selbstversuch eines Radrennfahrers um mit Doping besser zu werden, wird schließlich zu einer Aufarbeitung des staatlichen Doping-Systems in Russland. Zerfahren, zu lang und trotz brisanter Thematik zu wenig fokussiert. Ein guter aber nicht großartiger Film.
Viel besser war dagegen „AlphaGo“ (2017), welcher die Entwicklung eines Computerprogramms behandelt, der schließlich sogar gegen den Weltbesten Go-Spieler gewinnt. Themen die mir zuvor nur am Rande bekannt waren, wurden auf unterhaltsame und leicht zugängliche Weise aufbereitet. Sehr empfehlenswert.
Etwas nostalgischer nahm sich die Liebeserklärung an die Schreibmaschine „California Typewriter“ (2016) aus. Unterstützt von allerlei Prominenz (darunter Schreibmaschinen-Liebhaber Tom Hanks) taucht man in die wunderschöne Welt einer womöglich bald in Vergessenheit geratenen Form der Kommunikation, Arbeit und auch Kunst ein. Vor allem für Freunde schöner Schreibmaschinen ein Genuss.
Ebenfalls stark gemacht war auch „Freeway: Crack in the System“ (2017), der den Aufstieg und Fall des Kokain- und Crack-Dealers Freeway Rick Ross nachzeichnet. Regisseur Marc Levin zeigt gut auf, wie die US-Regierung unter Ronald Reagan den Drogenhandel zumindest tolerierte um im Kampf gegen den Kommunismus Geld zu verdienen, was zu fürchterlichen Folgen für die schwarze Community führte. Doch er romantisiert ein wenig den echten Rick Ross und seine Taten.
Die Duplass-Brüder gelten als Großmeister des Mumblecore-Kinos. Ihre (Horror-Thriller-)Komödie „Baghead“ (2008) ist vor allem wegen der Darbietung von Greta Gerwig empfehlenswert. Wie viele Filme des so genannten Mumblecore-Kinos, ist auch „Baghead“ vor allem aufgrund seiner Ideen interessant, weiß diese aber nicht wirklich umzusetzen.
Es stellt sich langsam die Frage, was Jake Gyllenhaal machen muss, um wieder für einen Oscar (und erstmals als Best Actor) nominiert zu werden. In dem gut gemeinten aber etwas eindimensionalen „Stronger“ (2017) von David Gordon Green ist Gyllenhaal faszinierend als junger Mann, der beim Bombenanschlag auf den Boston Marathon beide Beine verliert und zur Aufklärung des Verbrechens beiträgt. Seine privaten Kämpfe werden von Green gut in Szene gesetzt, doch es ist vor allem die Leistung Gyllenhaals (und auch jene von Tatiana Maslany als dessen Freundin) die den Film sehenswert machen.
Goldener Löwe von Venedig und angekündigter Oscar-Favorit: „The Shape of Water“ (2017) von Guillermo Del Toro ist der seltene Fall eines Genrefilms, der alle Grenzen bricht und auch ein weniger an Monstern und Fabeln interessiertes Publikum anspricht. Del Toro zeigt in wunderschönen Farben eine sensible Liebesgeschichte zwischen einem Fabelwesen aus Südamerika (welches auch sehr an die Kreatur aus „Creature from the Black Lagoon“ erinnert) und der stummen Putzfrau Elisa (Sally Hawkins), untermalt von einem Kalten Kriegs-Thriller in dem sich Michael Shannon, Michael Stuhlbarg und Octavia Spencer auszeichnen dürfen. Ganz nebenbei fasziniert auch noch Richard Jenkins als Elisas bester Freund und arbeitsloser Werbegrafiker mit einer sensiblen Darbietung. Ein einfach schön gemachter Film, mit ganz vielen Facetten zum Bewundern.
Der deutsche Filmemacher Julian Radlmaier verlegt sich ganz explizit auf politisch aufgeladenes Kino. Seine Gesellschaftskomödien, deren abseitiger Humor ein wenig von Bunuel zu haben scheinen, lassen privilegierte Gesellschaftsschichten und (meist osteuropäische) Arbeiter aufeinander prallen. In „Ein Gespenst geht um in Europa“ (2013) passiert dies in Form von Filmdreharbeiten und dem plötzlichen Erscheinen eines russischen Dichters. In „Ein proletarisches Wintermärchen“ (2014) verfeinert Radlmaier seine visuelle Präsentation und lässt ein schwarzes Loch und seltsame Wolken eine Festlichkeit stören. Auch wenn ich mir nicht immer sicher bin, alle Anspielungen verstanden zu haben, bleiben diese Filme (speziell Letzterer) länger hängen.
Als eine Art Tennis-Version des großartigen „Rush“, schien der schwedische „Borg vs McEnroe“ (2017) wie gemacht für ein Sportaffines Publikum. Doch während Sverrir Gunason als Björn Borg und Shia LaBeouf als John McEnroe glänzen, zerfällt der Film in die gängigsten Genreklischees. Einzig wenn sich der Film mehr zu einem Borg-Biopic hin entwickelt, steigt das Interesse. Ansonsten versinkt das Geschehen in platt inszeniertem Psycho-Geplänkel.
Laut mubi.com waren die Filme von Barbara Hammer Bahnbrechend. Heute sehen für mich Werke wie „Superdyke Meets Madame X“ (1976) oder „Dyketactics“ (1974) wie Einbrüche in sehr private Bereiche aus.
Allan Dwans „Brewster’s Millions“ (1945) rund um eine Erbschaft, die der Herzensgute Brewster nur dann erhält, wenn er eine Million Dollar davon auch gleich wieder ausgibt, gilt als die beste filmische Version des 1902 erschienen Romans von George Barr McCutcheon. Herzlich altmodisch und gut gelaunt, aber derart oberflächlich inszeniert, dass man die „Konflikte“ (wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen will) kaum registriert. Feines Kino für einen regnerischen Nachmittag, aber nicht mehr.
Jack Black als Polka-König Jan Lewan, der unbedingt dem amerikanischen Traum folgen und reich werden will. „The Polka King“ (2017) von Maya Forbes ist derart absurd, dass es nicht überrascht, dass es sich dabei um eine wahre Geschichte handelt. Black ist fantastisch in der Hauptrolle und an seiner Seite glänzen auch Jenny Slate als seine Frau, Jackie Weaver als boshafte Schwiegermutter und Jason Schwarzman als Bandmitglied. Immer wieder steht Forbes vor dem Problem, dass die Erzählung gewisse Wendungen nimmt, die sich nur schwer in etwa 100 Minuten Film unterbringen lassen, und Lewan nicht in einem Umfeld tätig war, welches á la „The Wolf of Wall Street“ zu glamourösen Exzessen einlädt. Stattdessen versucht Forbes die Balance zwischen Tragödie und Farce zu halten, was allerdings Black oft besser gelingt (ganz im „Bernie“-Modus). Ein kleines Schmuckstück mit Kratzern.
Die Dokumentation „Manolo: The Boy Who Made Shoes for Lizards“ (2017) hatte alle Voraussetzungen, ein unterhaltsamer Blick in Leben und Werk von Schuhdesigner Manolo Blahnik zu werden. Allerdings wagt sich Regisseur Michael Roberts kaum unter die Oberfläche zu blicken. Ein paar biographische Notizen, Anmerkungen von populären Weggefährten und viele luftige Aussagen von Blahnik müssen genügen. So weiß man am Ende des Films genauso viel über den Schuh-Designer und sein Werk als zuvor.
In seinem letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Film, ist Harry Dean Stanton nicht nur in der Hauptrolle zu sehen, sondern auch noch derart gut, dass man eine posthume Oscar-Nominierung verlangen möchte. „Lucky“ (2017) von John Carroll Lynch, ist ein feinfühliger Blick auf einen Mann und seine Sterblichkeit, sein Umfeld, seine Freunde und die kleinen Dinge des Alltags. Jim Jarmusch hätte daraus wohl ein poetisches Meisterwerk gemacht. Lynch bietet in seinem Regie-Debüt Stanton eine Bühne für sein exzellentes Spiel und liefert zudem famose Auftritte für Legenden wie David Lynch (der beinahe ausschließlich über seine Schildkröte President Roosevelt faselt), Beth Grant oder Tom Skerritt.
Der Erwerb einer neuen DVD des index Verlags, der die Filme von Peter Tscherkassky vertreibt, ist an sich schon ein Ereignis. So habe ich im Zuge einer erneuten Sichtung vieler seiner Filme, auch endlich einige Frühwerke zu Gesicht bekommen. „Aderlaß“ (1981), sein Debüt, ist noch am wenigsten ausgereift und besticht vor allem durch eine Schnittfolge, die bereits auf spätere Arbeiten verweist. „Liebesfilm“ (1982), in dem er acht Minuten lang einen einen Kuss durch einen einzelnen fehlenden Kader immer wieder kurz vor seiner Vollendung unterbricht und von vorne ablaufen lässt, ist ebenso ironisch wie boshaft-witzig und ein frühes Highlight. „Urlaubsfilm“ (1983) hingegen ist wieder etwas schwächer, auch da mir das Bildmaterial weniger zusagte. „tabula rasa“ (1989) gilt derweil als der Höhepunkt seiner Schaffensphase, bevor er mit der „CinemaScope Trilogie“ internationalen Avantgarde-Ruhm erlangen sollte.
Der immer ein wenig mit tiefschwarzem Humor flirtende Thriller „Small Town Crime“ (2017) von den Nelms-Brüdern ist vor allem aufgrund der Präsenz des großartigen John Hawkes sehenswert.  Als Ex-Cop mit Alkoholproblemen, findet er eine neue Bestimmung, als er den Mord an einer jungen Frau aufklären will, die er zufällig am Straßenrand entdeckt. Die Noir-artige Handlung ist hauptsächlich verworren aber nicht komplex, und die extra-blutigen Todesszenen sollen wohl die Coen- und Tarantino-Mischung unterstreichen. Ohne Hawkes wäre das alles aber nicht der Rede wert.
In „Shell“ (2012) zeigt Scott Graham das Dasein einer jungen Teenagerin namens Shell (Chloe Pirrie), die in einer abgelegenen Tankstelle mit ihrem todkranken Vater lebt und sich um ihn kümmert. „Shell“ besticht durch sein Sounddesign und die karge schottische Landschaft, die sinnbildlich für die Einsamkeit der jungen Frau steht. Inhaltlich ist aber wenig von Interesse zu finden.
„Gojira: Kaiju Wakusei“ (2017) ist der erste Teil einer Film-Trilogie die nicht nur Godzilla zu Netflix führt, sondern noch dazu ins Weltall und erstmals in Anime-Gefilde. Die CGI-Animation passt gut zum Sci-Fi-Setting, in dem die Menschen die Erde verlassen mussten, und Godzilla weichten. Nach einer erfolglosen Suche nach einem neuen Planeten, kehren sie zurück, doch selbst tausende Jahre später ist das Monster noch am Leben. Als Einstieg in eine große Anime-Saga sehr gut gemacht, als alleinstehender Film passabel, wenngleich die menschlichen Charaktere recht nichtssagend bleiben.
Für seine Darstellung des sozial unangepassten Anwalts Roman Israel wurde Denzel Washington für einen Oscar nominiert. Das schädigt diesen gut gemeinten aber in der Konzeption seiner „Vom Paulus zum Saulus und zurück zum Paulus“-Geschichte völlig missratenen Film von Dan Gilroy. Washington ist überzeugend, jedoch ist der Hauptcharakter in „Roman J. Israel, Esq.“ (2017) ein furchtbar schlechter Anwalt, egal in welcher Phase des Films. Das unbekannte Genie, als welches er gezeigt wird, ist keineswegs nachvollziehbar und die Oscar-Nominierung betont nur wie wenig das Drehbuch zu überzeugen vermag.
In „Please Stand By“ (2017) darf Dakota Fanning als autistischer Star Trek-Fan auf einen Road Trip der Selbsterkenntnis gehen. Dass dies unterlegt ist mit ganz viel Nerd-Wissen über das Star Trek-Universum (vor allem die Original Series) gefällt mir grundsätzlich, aber ist das Geschehen zu herzensgut und wenig tiefgründig. Ein Film, der seine Charaktere mit Respekt behandelt und dennoch kein tiefergehendes Interesse an ihren Motivationen hat.
„The Post“ (2017) passt in Steven Spielbergs jüngste Schaffensphase, zu der sich auch „Bridge of Spies“ (beide mit Tom Hanks) gesellt. Ein Journalismus-Thriller, basierend auf wahren Ereignissen, mit ganz klaren politischen Botschaften für die Gegenwart. Ein humanistischer Aufruf, an gesellschaftliche und politische Verantwortung, getragen von einem imposanten Ensemble (Meryl Streep und Bob Odenkirk glänzen neben einem wie immer guten Hanks) und ohne große Schnörkel von Spielberg inszeniert. Es ist weit weg von seiner letzten wirklich fantastischen Leistung „Lincoln“, liefert aber intelligente und kurzweilige Unterhaltung.
Ungefähr für dasselbe Publikum scheint das Churchill-Porträt „Darkest Hour“ (2017) konzipiert worden zu sein. Gary Oldman liefert die Oscar-mäßigste Performance seiner langen und eindrucksvollen Karriere, als Winston Churchill, der im Angesicht des Nazi-Vorstoßes nach Frankreich, mit der Möglichkeit einer Invasion der britischen Insel und innenpolitischen Rivalen zu kämpfen hat. Wright kann sich die eine oder andere zu verspielte Szene zwischen Churchill und seiner Assistentin Elizabeth Layton (Lily James) nicht ganz verkneifen. Die Stärken liegen vor allem in Oldmans Spiel und seinen Ansprachen, welche Wright toll in Szene setzt.
Mit „Thor: Ragnarok“ (2017) scheint das Marvel Universum in der selbstreflexiven und selbstironischen Phase angekommen zu sein. Der dritte Teil der „Thor“-Reihe spielt hervorragend mit dem öffentlichen Image seiner Charaktere und scheint auch mehr an guten Witzen denn einer spannenden Handlung interessiert zu sein. So muss Thor auch die Übernahme von Asgard durch die Göttin des Todes (großartig: Cate Blanchett) mitansehen, ehe er auf einen Planeten verbannt wird, wo er ohne seinen Hammer ein Gladiator unter vielen ist, die sich zum Gaudium des Volkes (und des Herrschers Jeff Goldblum – in bestem Sitcom-Modus) prügeln. Es macht ungemein viel Spaß den Dialogduellen zuzusehen und zuzuhören. Regisseur Taika Wahiti hat einen wunderbar humorvollen und einfach nur absurd-unterhaltsamen Actionfilm geschaffen.

The 1001 Project
In ihrem Dokumentarfilm „Les Glaneurs et la Glaneuse“ (2000) untersucht Varda die Praxis der Nachlese, die in Frankreich seit Jahrhunderten gepflegt wird. Sie zelebriert dabei auch die Freiheit, mit ihrer digitalen Kamera auf einfache und direkte Art und Weise ins Gespräch mit Menschen zu kommen, die vom Sammeln leben, nicht nur auf den Feldern, sondern auch in der Stadt. Eine Praxis die heute eher unter dem Wort „Dumpstern“ bekannt ist, bei Varda aber auch als sehr traditioneller Lebensstil anerkannt wird. Varda ist dabei immer voller Sympathie für die Menschen mit denen sie in Kontakt kommt.

Re-Visited
Das neue Jahr mit einem alten Film von Ed Wood einzuläuten, hat ja schon eine gewisse Tradition. „Plan 9 from Outer Space“ (1959) war diesmal das Werk der Wahl und hat natürlich nicht enttäuscht. Einfach großartig, immer wieder!
Quasi als Vorbereitung für die neue Akte X-Staffel, wurde nun auch der zweite Kinofilm nachgeholt. „The X Files: I Want to Believe“ (2008) ist mir mittlerweile ein wenig sympathischer denn der erste Teil, da „I Want to Believe“ auch als eigenständiger Film funktioniert, was ihn aber nicht viel besser macht. Ein Film für Hardcore-Fans, aber ansonsten ohne großen Mehrwert.
Billy Wilder gilt für viele heute noch immer als Großmeister der Komödie. Dabei übersieht man sträflich Noir-Meisterwerke wie „Double Indemnity“ (1944), die Höhepunkte in dieser Filmform setzten. Die Geschichte einer verhängnisvollen Liebesaffäre, eines Versicherungsbetrugs und eines Mordes, setzt Wilder knallhart und mit wenigen Ausschweifungen um.
Zwischendurch gab es auch wieder mal die Sichtung eines Zeichentrick-Klassikers. Der Oscar-gekrönte Kurzfilm „Mouse Trouble“ (1944) zählt zu den stilbildenden Tom und Jerry-Filmen und erfreut mich einfach immer wieder, egal wie oft ich ihn schon gesehen habe.
Eine Sci-Fi-Kuriosität der 1990er stellt „Johnny Mnemonic“ (1995) dar. Kurz nach „Speed“ und ein paar Jahre vor „The Matrix“ versuchte sich Reeves in einem Film nach einem Drehbuch von Sci-Fi-Legende William Gibson, in der Rolle eines Datenkurier, der ungeheure Datenmengen in seinem Kopf transportiert, allerdings stirbt, wenn sie nicht bald runtergeladen werden. Schon damals wirkte „Johnny Mnemonic“ eher wie eine schwach verkleidete Kritik am Kapitalismus und weniger wie ein Sci-Fi-Reißer. Die eigenwilligen Darbietungen von Takeshi Kitano und speziell Dolch Lundgren als Profi-Killer mit Jesus-Komplex, sorgen immerhin für Kurzweil, auch wenn es wohl wieder 20 Jahre dauern wird, bis ich mir den Film ein weiteres Mal ansehe.
Passend zur Sichtung von „The Disaster Artist“, musste natürlich auch wieder einmal „The Room“ (2003) betrachtet werden. Das legendäre „Meisterwerk“ von Tommy Wiseau ist zwar grotesk schlecht, kann mich aber auch beim zweiten Mal nicht für sich einnehmen. Im Gegensatz zu den sympathisch-schlechten Filmen von Ed Wood, erscheint mir Wiseaus Film zu bierernst, selbst in seinen Momenten des totalen Chaos.
Eine Handvoll neue Filme auf DVD (zumindest für mich neu) führte dazu, dass ich die Werke von Peter Tscherkassky erneut betrachtete, die ich bereits öfter gesehen hatte. Darunter die Filme der „CinemaScope Trilogie“ – meine Lieblingsfilme von ihm – oder Auftragsarbeiten wie der Viennale-Trailer „Get Ready“ oder der für das Mozartjahr entstandene „Nachtstück (Nocturne)“. Die aktuell laufende „Rushes“-Reihe kann mich noch nicht ganz für sich gewinnen, doch ist der Weg von „Motion Picture“ hin zu „The Exquisite Corpus“ bemerkenswert.
Passend zur Sichtung von „Darkest Hour“, bot sich eine erneute Sichtung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (2017) an. Wie schon im Kino, fasziniert hier vor allem Nolans Gespür für die Zeitmanipulation des Geschehens. Drei Handlungsstränge aufgeteilt in drei unterschiedliche Zeitebenen, die scheinbar nahtlos ineinander verwoben werden. Es ist für manche vielleicht ein wenig zu offensichtlich, wie sehr sich Nolan hier als Meister seiner Zunft zeigt, doch wer will ihm das wirklich zum Vorwurf machen?
In seiner Noir-Form ist James Mangolds Comic-Western „Logan“ (2017) eine noch interessantere Arbeit, denn in seiner Original-Kinoform. Bei der erneuten Sichtung des für die Kategorie Best Adapted Screenplay nominierten Werkes (der erste Comic-Film der eine Drehbuch-Nominierung erhielt) wirken die Gewalt- und Todesszenen noch blutrünstiger und gewalttätiger denn in Farbe. Nachdem ich den Film schon einmal gesehen hatte, konnte ich diesmal auch noch mehr in Patrick Stewarts fantastischer Performance versinken und die Tragik des ganzen Geschehens auf mich wirken lassen. Da ich kein großer X-Men-Fan bin und manche Elemente immer noch nicht so ganz nachvollziehen kann (oder will), bin ich zwar weiterhin beeindruckt, aber noch immer nicht begeistert.

Serien-Überblick
Es hat ein wenig gedauert, doch nun habe ich Staffel 7 von „Doctor Who“ (2012) endlich zu Ende gebracht, inklusive des fantastischen 50-Jahre-Specials „The Day of the Doctor“ in welchem Matt Smith, David Tennant und John Hurt zusammen als verschiedene Doctor-Varianten zu sehen sind. Ein wenig getrübt wurde das Vergnügen an Staffel 7 durch den Abschied von Rory und Amy, was von den Serienmachern auf mitreißende Art umgesetzt wurde. Man fühlte sich danach auch ein klein wenig wie der Doctor, der ziellos durch die Folgen schweifte, ehe ihn eine neue Companion (Jenna Coleman als Clara) antrifft. Die zweite Hälfte von Staffel 7 fühlt sich deshalb auch ein wenig, wie ein Zusatz an, der nötig war, um einerseits den neuen Doctor (Peter Capaldi als größtmöglicher Kontrast zu Matt Smith) einzuführen und andererseits um die Beziehung zu Clara zu festigen. Die Hochgefühle von Staffel 6 wichen deshalb auch ein wenig ein wenig dem Überdruss. Entweder lasse ich Capaldi nun ganz aus, oder gönne mir eine Pause vom Doctor.
Mittlerweile hat die 4. Staffel (2017) von „Black Mirror“ die Gestade von Netflix erreicht, und mit dem Wechsel vom britischen Channel 4 hin zum Streaming-Giganten, kam auch die Amerikanisierung nun spürbar ins Geschehen hinein. Schon die erste Folge, der wie ein Spielfilm anmutende „USS Callister“, zeigt deutlich, wie weit sich Charlie Brooker dann doch von seinen ersten Episoden entfernt hat. Das ist nicht zwingend schlecht, denn das höhere Budget sorgt eben auch für glänzend ausgestattete Episoden wie diese, und gibt dem Team auch die Möglichkeit auf sechs Episoden zu produzieren. Doch gibt es diesmal zwei Episoden die mir weniger gefielen und auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Das bereits in den ersten Augenblicken in seinem eigenen Konzept versandende „Arkangel“ (Regie Jodie Foster) und die Abschlussfolge „Black Museum“ (Regie Colt McCarthy), die wie eine Anthologie-Folge wirkte und deshalb auch selbst ein wenig schwächelte. Auf Staffel 5 kann ich jedoch wieder kaum warten, so sehr packen diese Geschichten dieser modernen „Twilight Zone“-Variante einen.
Basierend auf einem mir unbekannten Comic, ist die 1. Staffel (2017) der britischen Serie „The End of the F***ing World“ ein ungemein amüsantes Kennenlernen eines eigenwilligen Teenie-Paares. Der selbst ernannte Psychopath James (Alex Lawther) und seine Schulkollegin Alyssa (Jessica Barden), entfliehen ihren verhassten Elternhäusern. Sie ziehen (eher unfreiwillig) mordend und raubend durchs Land, ehe sie bei Alyssas Vater auftauchen. Die Mischung aus Serienkiller-Ästhetik und Sitcom funktioniert überraschend gut, auch wenn vor allem James etwas zu schnell eine vollständige Wendung seines Charakters zugemutet wird. Das hätte auch langsamer staffinden können, zum Beispiel in Staffel 2.
Die 1. Staffel (2016) der neuen HBO-Serie „Divorce“ wurde mit viel Aufregung aufgenommen, da es die Rückkehr von Sarah Jessica Parker bedeutete. Nach ihrem Mega-Hit „Sex and the City“, konnte die neue Serie natürlich nur eine Art Fortsetzung sein, oder? Dass dies nicht so ist, wurde als Enttäuschung registriert, während ich gerade deshalb Gefallen an den zehn Episoden dieser Dramedy fand. Parker spielt Frances DuFresne, die nach einer völlig missglückten Party bei Freunden den Entschluss fasst, sich von ihrem Mann Robert (Thomas Haden Church) zu trennen. Dadurch wird eine Reihe an Enthüllungen und Entwicklungen in Gang gesetzt, die das Paar immer weiter auseinander treiben lässt. Staffel 1 hat seinen Spaß daran dem Paar auch noch Chancen auf einen Neuanfang einzuräumen, nur um am Ende endgültig alle Zweifel zu beseitigen. Die Inszenierung ist viel zu oberflächlich und vermag auch nicht immer zwischen ernsten Themen und Sitcom-Logik trennen zu können, doch Parker und Church spielen toll, und die 30 Minuten sind perfekt für diese Art von Serie geeignet.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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