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Von Superhelden-Filmen im Kino habe ich mittlerweile die Nase ein wenig voll, doch um das globale kulturelle Phänomen „Black Panther“ kam dann auch ich nicht herum und wurde nicht enttäuscht, auch wenn ich den Hype nicht so ganz verstand. Im Heimkino dominierten österreichische Filme und vor allem der direkt auf Netflix präsentierte Sci-Fi-Horror-Trip „Annihilation“.

Neuzugänge
Als der erste Superhelden-Film, in dem afrikanische Charaktere im Mittelpunkt stehen, wurde Marvels „Black Panther“ (2018) nicht nur ein Kassenhit, sondern auch ein kulturelles Phänomen. So sehr und so schnell heizte sich der Hype um diesen gut gemachten, aber im Kern doch recht biederen Actionfilm, an, dass es kaum noch möglich ist, Film und Hype getrennt voneinander zu betrachten. Wer dies versucht, wird zumindest mit einem der besten Marvel-Filme belohnt, der selbstbewusst eine afro-futuristische Gesellschaft ins Zentrum rückt, die sich von der Welt abgeschottet hat. Ryan Coogler liefert einige hervorragende Actionsequenzen und seine Charaktere haben allesamt gut definierte Persönlichkeiten, doch das Zusammenspiel funktioniert nicht immer so wie geplant. So knistert es noch am ehesten zwischen T’Challa (Chadwick Bozeman, seit „Get on Up“ für mich ein kommender Superstar mit Oscar-Potential) und seiner Schwester Shuri (Letitia Wright). Das Ensemble (Angela Bassett, Lupita Nyong’o, Michael B. Jordan, Daniel Kaluuya, uvm.) ist sehr gut ausgewählt, doch die Handlung ist wieder einmal reichlich banal, auch wenn sie für sich selbst stehen kann, ohne die in vielen Marvel-Filmen zwingenden Verweise zu den anderen Avengers-Abenteuern. Gutes, vom Hype jedoch etwas erschlagenes, Blockbuster-Kino.
Basierend auf einem mir bis dahin unbekannten Roman, erzählt „Red Sparrow“ (2018) von Francis Lawrence eine nostalgisch verklärte und dennoch moderne (da in der Gegenwart angesiedelte) Kalte-Kriegs-Geschichte. Ballerina Dominika (Jennifer Lawrence) wird nach einem Unfall, der ihre Karriere beendet, von ihrem zwielichtigen Onkel (mit seiner muskulösen Statur immer ein wenig ablenkend von seinem eindrucksvollen Spiel: Matthias Schoenaerts) für die Spezial-Spionageeinheit Sparrows rekrutiert. Dominika übersteht die erniedrigende Ausbildung und wird auf die Suche nach einem Maulwurf angesetzt, was sie zum CIA-Spion Nate Nash (Joel Edgerton) führt. Lawrence gefällt sich in langgezogenen und verworrenen Handlungssträngen, doch fehlt es dem stellenweise merkwürdig brutalen Thriller an Intensität und Schwung. Die 140 Minuten ziehen sich teilweise sehr, auch wenn Lawrence und Edgerton passabel ihre Rollen füllen.

Der georgische Kurz-Dokumentarfilm „Sovdagari“ (2018) folgt einem fahrenden Händler durch die georgische Einöde, durch arme Dörfer und von der Moderne vergessenen Gegenden. So ist es ein Ereignis für Kinder, wenn Seifenblasen geblasen werden, und bezahlt wird in Kartoffeln. Ein interessanter Blick in eine so mir nicht bekannte Gegend, doch inhaltlich dann doch zu dünn, um länger für Interesse zu sorgen.
In „One of Us“ (2017) blicken Heidi Ewing und Rachel Grady hinter die Abgründe, die im Leben streng orthodoxer jüdischer Gemeinden lauern. Es sind Erzählungen von Kindesmissbrauch, Gewalt in der Ehe und der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung. Eine Welt, die wie eine rückwärtsgewandte Sekte wirkt und auch wenn Ewing und Grady die Gegenseite nicht oder nur selten zu Wort kommen lassen, so hat man das Gefühl, bereits zu verstehen.
Der früh verstorbene Jörg Kalt hat nur eine Handvoll Filme (und viele interessante Filmtexte) hinterlassen, doch seine asynchrone Liebesgeschichte „Richtung Zukunft durch die Nacht“ (2002) hat so etwas wie Kultstatus erlangt. Der Koch Nick (Simon Schwarz) und die asynchron lebende Filmstudentin Anna (Kathrin Resetarits) verlieben sich ineinander und erleben wilde Abenteuer, bei denen so mancher künftiger heimischer Schauspielstar (Georg Friedrich, Nicholas Ofczarek) zu sehen ist. Im Kern ein Studentenfilm, hoch motiviert und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Ein Kleinod des österreichischen Films.
Basierend auf dem Roman von Friedrich Torberg, ist die Fernsehverfilmung von „Der Schüler Gerber“ (1981) durch Wolfgang Glück, sowohl dem Geist des damaligen Fernsehpublikums angepasst, und zugleich eine Prestigeträchtige Literaturverfilmung. Die tyrannische Herrschaft des Professors Kupfer (Werner Kreindl) über seine Klasse, darunter Klassensprecher Gerber (Gabriel Barylli), führt zu Tragödien und der ehrlich entfachten Wut des Zusehers.
Das Team zum Dokumentarfilm „The Final Year“ (2017) erhielt Zugang zum Team von Präsident Barack Obama, der in seinem letzten Amtsjahr darauf bedacht war, so viel wie möglich zu schaffen. Vor allem die Außenpolitik rund um John Kerry und seinen Stab, stehen im Zentrum des sehr nachsichtigen Films, der im Angesicht der drohenden Trump-Wahl immer mehr, zu einer Hymne auf die Amtszeit von Barack Obama wird. Das ist hoch interessant, aufgrund des Zugangs zu Menschen, die ansonsten nie vor der Kamera zu sehen sind, aber die inhaltliche und politische Analyse entfällt hierbei.
Duncan Jones‘ Quasi-Fortsetzung zu seinem Sci-Fi-Hit „Moon“, sollte für Netflix ein Riesenhit sein. Doch „Mute“ (2018) entpuppte sich als völlig zusammenhangloses Desaster. Der nach einem Unfall in seiner Kindheit stumme Barkeeper Leo (Alexander Skarsgaard), gerät bei den Ermittlungen zum Schicksal seiner Freundin Naadirah (Seyneb Saleh) in die Fänge des bizarren Gangsters Cactus Bill (Paul Rudd). Was auch immer Jones vorschwebte – wohl eine Variation des Sci-Fi-Noir á la „Blade Runner“ – es funktioniert hier einfach nicht. Die Krimi-Handlung ist so rasch gelöst, dass man recht gelangweilt den Wegen der einzelnen Figuren folgt, ohne jemals das Gefühl für Gefahr zu bekommen. Nichts in dieser künstlichen Welt scheint von Belang zu sein, und so ist es ein Cameo von Sam Rockwell, der seinen Charakter aus „Moon“ in 156-facher Ausführung spielt, der noch am meisten Interesse erweckt.
Armando Iannucci konnte mich vor einigen Jahren mit seinem Oscar-nominierten „In the Loop“ zwar überzeugen, aber ein Fan seines Humors wurde ich nicht. Das hat sich mit „The Death of Stalin“ (2017) gründlich geändert. Seine absurd-komische Aufarbeitung der Nachwehen des Todes von Josef Stalin, ist eine brillante Mischung aus Farce und Polit-Thriller. Top-Mimen wie Simon Russell Beale, Steve Buscemi, Jason Clarke, Jeffrey Tambor oder Michael Palin intrigieren, schleimen und denunzieren im Kampf um die Macht. Iannucci zeigt nicht nur den im Kern ebenso fürchterlichen wie lächerlichen Personenkult rund um Stalin, sondern auch, wie schnell man mit einer Kugel im Kopf enden konnte.
Andreas Lust als finanziell ruinierter Studentenabbrecher und Lukas Resetarits als Wiener Schlawiner, der sich mit allerlei Aktionen über Wasser hält. Nikolaus Leytners „Schwarzfahrer“ (1996) lebt von diesem Duo, denn seine Inszenierung und auch die Handlung sind recht Ambitionslos geraten.
Mit „Dogtooth“ landete Yorgos Lanthimos auf der Cineasten-Filmkarte (und mit ihm gleich das ganze griechische Kino), und mit „The Lobster“ wurde er zum Oscar-nominierten Auteur. So war die Vorfreude auf „The Killing of a Sacred Deer“ (2017) entsprechend groß. in betont gestelzt vorgetragenen Dialogen rollt er die Tragödie rund um die Familie des Chirurgen Steven (in Lanthimos‘ Filmen immer in Hochform: Colin Farrell) auf, die unter seinem tödlichen Fehler zu leiden hat. Der Teenager Martin (Barry Keoghan) will, dass Steven entscheidet, welches seiner Familienmitglieder sterben muss, um die offene Rechnung für den Tod seines Vaters auf Stevens Operationstisch zu bezahlen. Das wird sehr früh offenbart und auch nicht unbedingt auf die eleganteste Art und Weise. Generell geht Lanthimos diesmal mit viel weniger schwarzen Humor, denn gewohnt vor. Beinahe wirkt es so, als hätte er einen Film drehen wollen, für Menschen, denen Michael Haneke zu fröhlich ist. Das sorgt für viel Beklemmung, aber lässt im Endeffekt wenig übrig. Es bleibt das Gefühl, große Momente ohne wirklichen Tiefgang miterlebt zu haben.
Das Konzept von „Downsizing“ (2017) – um die Welt-Ökonomie und die Umwelt zu retten, lassen sich Menschen schrumpfen – klingt wie ein Drehbuch-Entwurf von Charlie Kaufman. Womöglich wäre unter seiner Regie daraus auch wirklich ein guter Film geworden. Bei Alexander Payne, dessen Herzensprojekt „Downsizing“ war, wird daraus eine recht halb-gare Gesellschaftssatire, in der Matt Damon wie ein tumber Tor von Erkenntnis zu Erkenntnis stolpert, während das Publikum dieselben Fragen für sich selbst schon längst beantwortet hat. Ein Film der trotz seines futuristischen Settings, immer einen Schritt hinter seinem Publikum hinterher hinkt.
Zwar habe ich die Filme gesehen und die Bücher gelesen, aber ein großer Fan der „Harry Potter“-Reihe war ich dennoch nie. Deshalb ist wohl auch meine Begeisterung für die Prequel-Reihe (angeblich aus fünf Filmen bestehen) „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ (2016) auch eher gering. Dass dann der fertige Film von David Yates, nach einem Drehbuch von J.K. Rowling, mit schwacher CGI, farblosen Charakteren und einer langweiligen Handlung – die mehr als Einführung zur Geschichte des großen Bösewichts Grindelwald (Johnny Depp) dient – war nicht gerade hilfreich. Ein äußerst verzichtbarer Film, den man auf zehn Minuten runterbrechen hätte können.
Comedy-Specials auf Netflix sehe ich mir recht selten an. Zumeist muss es sich dabei um einen Comedian handeln, den ich persönlich sympathisch finde. So wie Patton Oswalt. In „Patton Oswalt: Annihilation“ (2017) bekommt man einen kondensierten Ausschnitt aus seinem aktuellen Programm zu sehen, in dem er Donald Trump behandelt und vor allem sich mit dem Tod seiner Frau auseinander setzt. Ein überraschend einfühlsames Programm, welches auch ein wenig eine Therapie für Oswalt zu sein schein.
Chris Rock zeigt in „Chris Rock: Tamborine“ (2018) derweil, weshalb mich sein Stand-Up-Act nie so ganz einnehmen konnte. Rock erzählt von seiner Scheidung, seinen Gedanken zu Donald Trump und „Black Lives Matter“, doch im Endeffekt ist sein von Schimpfworten gespicktes Programm zwar unterhaltsam aber doch inhatlich ein wenig dünn.
Ein Wiedersehen gab es unerwarteterweise mit den Stand-Up-Sketchen von und mit Rowan Atkinson in „Rowan Atkinson – Live“ (1992), welche eine Zusammenstellung aus zwei Auftritten in Boston sind. Zu diesem Zeitpunkt war er dem US-Publikum vor allem als „Blackadder“ bekannt, und so sind einige Mr. Bean-Nummern hier auch noch neu und frisch. Für Atkinson-Fans, die mit Mr. Bean sozialisiert wurden, bieten diese Nummern vor allem die Gelegenheit zu sehen, wie etliche Sketche auch auf der Bühne funktionieren. Großartig hingegen ist es, ihn als Teufel Toby oder als mies gelaunten schlechten Verlierer einer Preisverleihung zu erleben. Ein Comedy-Talent, welches viel zu oft nur auf den einen oder den anderen Charakter reduziert wird.
Die Filmemacherin Lois Weber wurde von Arte mit zwei Arbeiten ins Rampenlicht gerückt. Ihr Kurzfilm „Suspense“ (1913) ist inhaltlich eine sehr dünne Angelegenheit, eine Frau ist allein zu Hause und fürchtet um ihr Leben, als ein Landstreicher ins Haus eindringt, doch technisch zeigt Weber mit Split-Screen und Parallel-Montagen faszinierende Möglichkeiten, um eine einfache Geschichte spannend zu erzählen. Ein großartiger Kurzfilm aus der Frühzeit des Films. Ihr etwa 50 Minuten langes Moralstück „Shoes“ (1916) sagt per Texttafel bereits zu Beginn, dass man einer Frau zusehen wird, die sich für ein Paar Schuhe verkauft, doch Weber geht es hier nicht um Spannung, sondern um einen genauen und Vorurteilsfreien Blick auf die Wünsche und Nöte arbeitender Frauen um die Jahrhundertwende.
Gustave Flauberts „Madame Bovary“ zählt zu jenen Literaturklassikern, die ich trotz mehrere Anläufe, niemals geschafft habe fertig zu lesen. So überrascht es vermutlich nicht, dass mich auch Sophie Barthes‘ Verfilmung (2014) großteils langweilte. Vor allem Mia Wasikowska in der Titelrolle und Rhys Ifans als doppelzüngiger Händler, spielen großartig, doch Barthes zutiefst ernsthafte rund langweiliger Film, schläfert regelrecht ein.
Der Netflix-Thriller „The Outsider“ (2018) von Martin Zandvliet – der im Vorjahr noch mit dem Kriegsfilm „Land of Mine“ für Furore sorgte – zeigt Jared Leto als Amerikaner im Japan der 1950er, der seinen Weg in die Yakuza findet. Damit hat sich der Reiz dieses langweiligen Films auch schon erledigt. Leto spielt einen kaum Japanisch sprechenden Ex-Soldaten, der ohne erkennbare Anstrengung nicht nur zu einem Meister-Killer sondern auch fließend Japanisch sprechenden Wunderknaben der Yakuza wird. Unlogisch und einfach nur langweilig.
Spontan lautete die Frage meiner Freundin zu „Annihilation“ (2018): Ist der Film so schlecht, dass er auf Netflix landete? Darin zeigt sich das ganze Drama um Qualitätsfilm. Während Amazon Werke wie „Manchester by the Sea“ in die Kinos bringt und den bekannten Lauf hinter sich bringt, ehe es auf das Streaming-Portal geht, landen viele Netflix-Filme ohne viel Werbung auf dem Streaming-Dienst und es benötigt viel Aufmerksamkeit um im Wust an Material die Perle nicht zu übersehen. „Okja“, „Mudbound“, „The Meyerowitz Stories“ oder Dokus wie „The 13th“ und „Jim & Andy“ sind ausgewählte Glanzstücke. Alex Garlands Sci-Fi-Horrorwerk „Annihilation“ ist eindeutig dazu zu zählen, auch wenn es sich technisch gesehen um einen Paramount-Film mit Netflix-Verleihrechten handelt. Forscherin Lena (Natalie Portman) trauert um ihren seit einem Jahr verschollenen Mann (Oscar Isaac). Als dieser plötzlich in ihrem Haus auftaucht, stößt sie auf „The Shimmer“. Garland lässt eine Expeditionsgruppe (darunter die fantastische Jennifer Jason Leigh) eine an die Werke von Tarkovski oder Kubrick erinnernde Tour durchleben, in der vor allem der Weg das Ziel ist. Zwar ist das Finale sehr gelungen, doch sind es die Fragen zur Natur des außerirdischen Shimmer, die faszinieren und weniger die am Ende stehende Antwort. Nach „Ex Machina“ ein weiteres Genre-Juwel von Alex Garland.
Der Netflix-Thriller „Girlfriend’s Day“ (2017) von und mit Bob Odenkirk (Hauptrolle und Drehbuch) spielt in einer reichlich absurden Welt, in der Grußkarten-Autoren wie Promis verehrt werden. Inmitten dieses Szenarios baut sich ein Noir-Thriller-Plot auf, der allerdings über die 70 Minuten kurze Handlungsdauer so derart langweilig und zäh ausgebreitet wird, dass man am Ende ohnehin nicht mehr völlig konzentriert dem Geschehen nur noch im halb wachen Zustand beiwohnt. Zumindest Odenkirk beweist seine Fähigkeiten als Leading Man, wenngleich er vielleicht doch andere die Drehbücher schreiben lassen soll.
Michael Kehlmanns zweiteiliger Fernsehfilm „Radetzkymarsch“ (1965) ist eine selbstbewusste und stilistisch strenge Adaption des einflussreichen Romans von Joseph Roth. In engen und kalten schwarzweiß Bildern ist Kehlmanns Adaption wie auch der Roman von Roth, sowohl eine Auseinandersetzung der Generationen (im Schatten ruhmreicher Vorfahren) als auch ein Psychogram der untergehenden Monarchie. Bei dreieinhalb Stunden, ein nicht immer kurzweiliges Vergnügen, doch immer fordernd und lohnend.
Michael Kreihsls „Heimkehr der Jäger“ (2000) geisterte auf meiner „To Do List“ nun schon fast 15 Jahre herum, und doch kam ich nie dazu, mir den stillen Film um das Verschwinden eines ebenso stillen Kopisten – der Kopien von Gemälden aus dem KHM anfertigt – anzusehen. Ulrich Tukur ist fantastisch und lässt sowohl die Ängste als auch den Zorn seines Protagonisten nachvollziehbar werden. Von Familienstreitigkeiten und einer immer unpersönlicher werdenden Umgebung geplagt, läuft er langsam aber sicher Amok. Dieser Amoklauf ist aber mit rabenschwarzem Humor unterlegt und wirkt höchst inkonsequent und inkompetent.
„Gangster Girls“ (2009) von Tina Leisch ist ein gewagtes Experiment. Die Insassinnen der Justizanstalt Gerasdorf spielen einerseits übersteigerte Rollen ihrer selbst (versteckt hinter Masken als auch sich selbst. Somit bewegt sich Leisch irgendwo zwischen Essayyfilm und Dokumentation.
Ruben Östlund hat mit Force Majeure den internationalen Durchbruch gefeiert und mit dem famosen „The Square“ seine erste Oscar-Nominierung (als bester fremdsprachiger Film für Schweden) eingeheimst. Mit „Play“ (2011) war er bereits ein Feuilleton-Liebling, auch wenn ich hier eher auf Seiten seiner Kritiker stehe. Die distanzierte CCTV-Art der Inszenierung eines Tages, an dem eine Jugendbande andere Kinder terrorisiert und durch die Gegend schleift bei ihren „Spielen“, vermeidet zwar eine hysterische Verurteilung, aber bleibt auch derart vage und schwarzhumorig, dass der Film ins Absurde zu kippen droht.
Der Piratenfilm „Il corsare nero“ (1971) zählt zu den frühesten Arbeiten mit Terence Hill und Bud Spencer. Hier sind sie jedoch als Gegenspieler zu sehen und Spencer noch dazu in einer ausgebauten Gastrolle. Der viel zu ernst inszenierte Film kann niemals wirklich Interesse für seine Charaktere oder die Handlung aufbauen, sondern hangelt sich von Schlägerei zu Schlägerei. Etwas, das in den besten Spencer-Hill-Filmen großartig funktionierte. Hier jedoch nur langweilt.
Die legendäre Hedy Lamarr wurde in den vergangenen Jahren immer mehr ins Zentrum der Hollywood-Aufmerksamkeit gerückt. Die toll gemachte Dokumentation „Bombshell: The Hedy Lamarr Story“ (2017) von Alexandra Dean ist eine spannend gemachte Biografie, die sich den vielen Leben und Interessen der Schauspielerin/Erfinderin widmet. Nun bleibt mir nur abzuwarten, bis auch endlich die nicht minder interessante Ann Dvorak eine entsprechend gut gemachte Dokumentation gewidmet bekommt.
Arthur Schnitzlers „Leutnant Gustl“ ist einer jener Texte, die ich für die Schule lesen musste, die mir hängen geblieben sind. Der als innerer Monolog aufgebaute Weg des Leutnants von einer Streitigkeit mit einem unter ihm stehenden Bäckermeister, hin zu Selbstzweifeln, Verzweiflung, Selbstmordgedanken und unvermuteten Happy-End (wobei Schnitzler ein künftiges Unglück deutlich anklingen lässt) wird von John Olden in der TV-Adaption (1963) mit Peter Weck als Gustl und Hans Moser als Bäckermeister adäquat umgesetzt. Doch Olden ändert Schlüsselszenen und lässt den inneren Monolog zu großen Teilen als Gerichtsverhandlung ausspielen, um die Themen und Motive der Novelle zu behandeln. Das ist interessant, aber nicht immer völlig geglückt.

Re-Visited
Der vierte und womöglich letzte Teil der „Brenner-Saga“ ist eine ausgesucht nostalgische und wehmütige Angelegenheit. In „Das ewige Leben“ (2015) kehrt Brenner (Josef Hader in Bestform) zurück in seine Heimatstadt Graz, wo er geplagt von Geldsorgen und Kopfschmerzen schließlich mit einem Kopfschuss im Krankenhaus landet. Ob es sich dabei um einen verunglückten Selbstmordversuch oder doch einen verunglückten Mordversuch handelte, lässt Wolfgang Murnberger sich langsam entblättern. Die Thrillerhandlung wird mit sommerlich-sonnigen Rückblicken in die Jugend Brenners untermalt, und läuft der tollen grauen Graz-Atmosphäre immer ein wenig zuwider. Dennoch ist dies erneut ein äußerst gelungener Mix aus Thriller und Komödie, in dem diesmal Tobias Moratti einen tragischen Bösewicht geben darf.
Julie Delpys Fortsetzung zu ihrem Überraschungshit „2 Days in Paris“ konnte in der erneuten Ansicht leider nicht mehr ganz überzeugen. „2 Days in New York“ (2012) transportiert Marion (Delpy) mit ihrem Kind nach New York, wo sie mit Mingus (Chris Rock) zusammenlebt. Der Besuch ihrer Familie sorgt für allerlei Turbulenzen und vorhersehbare Culture Clash-Comedy. Delpy fühlt sich in der Rolle sichtlich wohl und ist auch der Hauptaspekt an dem Film, der funktioniert. Unterhaltsam aber etwas zu vorhersehbar und zurückhaltend.
Heinz Rühmann als Dr. Matthäi auf der obsessiven Jagd nach einem Kindermörder. Das ist heute noch so intensiv und spannend, wie 1958. In „Es geschah am helllichten Tag“ (1958) hat sich Rühmann weit von seinem Film- und Fernseh-Image entfernt und versinkt richtig in den Charakter, der von Friedrich Dürrenmatt erschaffen wurde. Ein heute noch spannender Thriller, der auch von der Darstellung des Mörders durch Gert Fröbe profitiert.
Die bitterböse Finanzkomödie „The Big Short“ (2015) war einer jener Filme, die sich mir richtig ins Gedächtnis brannten. Abgesehen von einer auch jetzt noch recht unpassend wirkenden Einarbeitung eines familiären Selbstmordes und der Diskussion zwischen den Hinterbliebenen, beschäftigt sich die Sachbuch-Adaption auf äußerst unterhaltsame Weise mit den Ursprüngen der großen Finanz- und Immobilien-Krise, die sich zu einer weltweiten Krise auswuchs. Fantastisch inszeniert und gespielt, kurzweilig und doch informativ.
Es ist zwar sicher gut 20 Jahre her, aber dunkel konnte ich mich an Bud Spencer in „Banana Joe“ (1982) erinnern. Der von ihm selbst mitverfasste Film um den gutmütigen Bananenhändler im Dschungel Südamerikas und seines Kampfes gegen Bürokratie und Korruption, ist klassisches Spencer-Hill-Kino, nur diesmal in Form eines Spencer-Solo-Filmes, der nicht zu meinen absoluten Favoriten zählt.
Der Tod von Stephen Hawking hat die Welt erneut mit der Arbeit des brillanten Physikers in Kontakt gebracht. Der Popstar unter den Wissenschaftlern, mag kein Newton oder Einstein gewesen sein, doch sind seine Leistungen für das Verständnis des Universums derart prägend, dass auch Menschen ohne jede Ahnung von Kosmologie und Astronomie wissen, wer Stephen Hawking ist und manchmal sogar, was seine größten Errungenschaften waren. Dies führt zum Beziehungs-Melodram „The Theory of Everything“ (2014), welches mir schon bei erstmaliger Ansicht nicht sonderlich gut gefiel und auch bei erneuter Sichtung sind zwei gute Hauptdarsteller (Eddie Redmayne und Felicity Jones) und eine biedere Inszenierung prägend für den Oscar-gekrönten braven Film.
Passend zum Karfreitag, musste wieder einmal der Monty-Python-Klassiker „Life of Brian“ (1979) gesichtet werden. Die grandiose Religions-, Kult- und Historienfilm-Parodie ist fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen so aktuell und frisch wie damals. Selbst der reichlich absurde Ausflug ins Weltall erscheint nach vielen Sichtungen wie ein integraler Bestandteil der Handlung, gerade da er mit der Handlung gar nichts zu tun hat. Ein Juwel der Filmgeschichte.
Ein filmisches Dreigespann mit Bud Spencer und Terence Hill gelangte der Oster-Feiertage wegen auf meinen TV-Schirm. Während die Verwechslungs-Komödie „Non c’è due senza quattro“ (1984) von Enzo Barboni mit ihrem brasilianischen Setting und der Spiellaune des Duos besticht und als bester ihrer 1980er-Filme herausragt, muss ihr letzter gemeinsamer Film (abgesehen vom 1994er-Trauerspiel „The Troublemakers“) „Miami Supercops“ (1985) als ein Tiefpunkt ihrer Filmografie angesehen werden. Eine lustlos runtergespulte Polizeikomödie, die Hill ohne Schwung und Spencer geradezu gelangweilt zeigt. Dagegen wirkt „I due superpiedi quasi piatti“ (1977) von Enzo Barboni um zwei gutmütige Möchtegern-Gauner, die unversehens bei der Polizei von Miami landen (die Polizeifilme spielten merkwürdigerweise allesamt in Florida, selbst Hills Solo-Auftritt in „Der Supercop“) wie ein Höhepunkt ihrer späten Phase, auch wenn sie auch hier bereits über formelhafte Hanldungen stolpern und sich im Western- oder Dschungel-Setting sichtlich wohler fühlen.

Serien-Überblick
Die finnische Krimiserie „Sorjonen“ zeigt in seinen elf Folgen der 1. Staffel (2016), die Arbeit des leicht an Sherlock Holmes angelehnten Ermittlers Kari Sorjonen (Ville Virtanen). Er lässt sich aus der Großstadt ins finnisch-russische Grenzgebiet versetzen, und hofft dort, mit seiner Familie zur Ruhe zu kommen. Doch natürlich ist das Grenzgebiet doch viel anstrengender und aufregender als gedacht. Die auf zwei Episoden á eine Stunde aufgerollten Fälle (der Pilotfilm dauert drei Folgen lang) nehmen oft sehr komplexe Wendungen und fordern die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Verbindungen an der Grenze sorgen für sehr viel kriminalistischen Stoff und auch wenn das in zwei Stunden pro Fall zu Längen führt, ist es ein willkommener Ausflug in eine andere Weltregion, und eine andere Form der TV-Unterhaltung.
Es fasziniert mich immer wieder. Die Animationsserie „Archer“ wird auch beim x-ten Durchlauf nicht schwächer oder langweiliger. Stattdessen ist der dreiteilige Auftakt „Heart of Archness“ das perfekte Beispiel, für einen möglichen Archer-Animationsfilm in Spielfilmlänge. Der Verlust seiner Frau Katya lässt Archer völlig aus den Fugen geraten. Erst nach seiner Rückkehr, gehen die Dinge ihren „gewohnten“ Lauf. Das bedeutet einen Gastauftritt von Burt Reynolds, die Rekrutierung von Cyril als Agent oder auch eine Mission im Weltall. Die Dichte an großartigen Episoden in der 3. Staffel (2011) ist beeindruckend.
Staffel 4 (2013) ist erstmals so etwas wie ein kleiner Qualitätsrückschlag. Zwar sind einzelne Episoden (Staffelauftakt „Fugue and Riffs“ mit einem Amnesie-geplagten Archer oder „The Wind Cries Mary“ mit Timothy Olyphant als Gaststar) großartig, doch kann sich die Qualität nicht mehr wie in gewohntem Maße halten. Immer wieder sind es ausgerechnet die ansonsten immer famosen Charakterentwicklungen, die der Staffel ein wenig den Saft nehmen (Phrasing!).
Staffel 5 (2014) hat die beste Auftaktepisode aller bisherigen Staffeln. Der träumerische Eintritt Archers ins ISIS-Büro mit darauffolgendem Angriff durch das FBI, sind komödiantische Highlights. Die mit „Archer Vice“ betitelte Staffel, lässt die nunmehr als Drogendealer ihr Glück versuchende Gang leider zu oft in der Luft hängen. Absurde Plots (Country-Sängerin Cherlene, ein an die Contra-Affäre gemahnender Handel mit dem Diktator des fiktiven San Marcos, ein Auftritt von Kenny Loggins, usw.) türmen sich übereinander, doch während man die Kreativität des Teams um Adam Reed bewundern muss, funktioniert leider nicht jede Idee hier. Im Rückblick nimmt sich „Archer Vice“ wie eine Generalprobe für die finalen Stafflen aus.
Staffel 6 (2015) sieht die Spione mehr oder weniger wieder zurück im Spionagegeschäft, auch wenn die Aufträge von der CIA zumeist im Chaos oder Misserfolg enden. Dies ist denn auch das Grundthema dieser Staffel. So sehr sich die einstige ISIS-Spionage-Gang darum bemüht, an alte Zeiten anzuschließen, so sehr versagen sie unter der Führung der CIA und landen schließlich am Ende wortwörtlich auf der Straße. Im Rückblick ein cleverer Weg um die alteingesessenen Fans nach der Drogeneskapade in Staffel 5 zu besänftigen und sie zugleich davon zu überzeugen, dass die Rückkehr zu alten Mustern nur Stillstand zur Folge hätte.
Staffel 7 (2017) geht deshalb wieder neue Wege und erfindet die Charaktere als Neo-Privatdetektive in Los Angeles von Grund auf neu. „The Figgis Agency“ sieht Archer und Co. inmitten von Hollywood-Sternchen und konfrontiert mit Problemen wie der richtigen Vorschule für Tochter Abbiejean. Dass in Folge dessen Sterling Archer auch noch auf zwei Bullies aus seiner Internatszeit trifft, macht diesen Teil der Staffel noch viel unterhaltsamer. Der große Bogen der in Staffel 8 (und, so zumindest angekündigt, zum Ende der Serie hin) zieht, erscheint auf den ersten Blick ein wenig verkrampft, könnte aber – wenn man die etwas klischeehafte Hollywood-Diva Veronica Dean außen vor lässt – ein Finale Furioso vorbereiten.
Staffel 8 (2017) beginnt mit der Beerdigung des treuen und von Sterling Archer immer wieder gedemütigten Dieners Woodhouse. Ein Tribut an George Coe, der im Juli 2015 starb. In den Staffeln zuvor wusste das Team rund um Adam Reed offensichtlich nicht, wie damit umgehen, doch die Staffel „Dreamland“, welche als Noir-Komaphantasie angelegt ist, dreht sich vor allem um Archers Ermittlungen um den Mord an seinem Partner Woodhouse. Mit der Komaphantasie umgeht Adam Reed das Problem, dieselbe Geschichte erzählen zu müssen, oder die nur scheinbar tödlichen Schüsse auf Archer erklären zu müssen. Stattdessen versinkt die auf acht Episoden verkürzte Staffel in Noir-Klischees, die mit viel Liebe zum Detail ausgespielt werden. So mancher Charakter bekommt dabei leider nicht genügend zu tun (Ray Gillette ist mehr oder minder ein Gaststar), doch wird mit ganz vielen Insider-Gags gearbeitet, die bei der zweiten Sichtung noch besser funktionieren und der Staffel eine herrliche Eigenständigkeit verleihen, die dennoch ins Gesamtkonzept der Serie passt.
Die ZDF-arte-Ko-Produktion „Bad Banks“ (2018) erzählt in sechs Episoden von Aufstieg und Fall eines deutschen Finanzunternehmens. Erzählt wird die Geschichte durch die Augen der aufstrebenenden Jana Liekam (Paula Beer), die hinabsteigt in die abstrusen Mechanismen der Finanzwelt. Edel besetzt (Tobias Moretti, Jean-Marc Barr und Désirée Nosbusch veredlen ein junges Ensemble rund um Paula Beer) und schwungvoll inszeniert, hat die Mini-Serie Binge-Potential. Dabei erzählt Regisseur Christian Schwochow keineswegs eine neue Geschichte. In den letzten Jahren hat vor allem Hollywood mit Filmen wie „The Big Short“ oder „The Wolf of Wall Street“ einen aktualisierten Blick auf diese Welt geworfen. Deshalb ist es angenehm, dass diesmal eine Frau ins Zentrum gestellt wird, auch wenn die Erlebnisse rund um sie nicht viele Überraschungen in sich bergen.
Die vierteilige Mini-Serie „National Treasure“ (2016) ist eine willkommene Gelegenheit für drei Ausnahme-Darsteller, ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen. Robbie Coltrane als einst erfolgreicher und heute noch immer geliebter Teil eines Comedy-Duos, wird der Vergewaltigung beschuldigt. Julie Walters spielt seine religiöse Ehefrau, die seine Untreue akzeptierte, oder zumindest für sich verarbeitete und Andrea Riseborough brilliert als von Drogen und einer Überfamilie erdrückten Tochter. In Paul Finchley (Coltrane) und seinem Fall, sind deutliche Echos von Jimmy Savile zu erkennen, was auch früh angesprochen wird. Vor allem einem britischen Publikum muss dies wie eine (willkommene?) fiktionale Auseinandersetzung mit den Untaten eines Monsters erschienen sein, doch „National Treasure“ ist mehr als ein platter Savile-Prozess, sondern lässt seine Charaktere komplex und widersprüchlich erscheinen. Auch wenn die Auflösung des Falls nicht so überraschend ist, so sind die aufgedeckten Facetten der einzelnen Personen (vor allem Julie Walters darf als Ehefrau Marie ihren Charakter mit unverhofft viel Leben erfüllen) umso spannender.
Handelt es sich bei „Wormwood“ (2017) um eine Netflix-Doku-Mini-Serie in sechs Teilen, oder um einen knapp vier Stunden langen Dokumentarfilm? Errol Morris bedient beide Möglichkeiten. Es existiert eine Kinofassung und diese ist auch in sechs Kapiteln für Netflix unterteilt. Die Sprünge von Kapitel zu Kapitel sind derart fließend gestaltet, dass man sie kaum bemerkt, wenn man eine Sekunde lang nicht richtig hinsieht. Doch es ist nicht ratsam, unaufmerksam zu sein, denn Morris erzählt den mysteriösen Todesfall des für die CIA arbeitenden Wissenschaftlers Frank Olsen (in fiktionalen Szenen von Peter Sarsgaard gespielt) in verschobenen Zeitperspektiven und mittels Interviews und Spielszenen (welche großartig besetzt sind). Dies sorgt sowohl für aufregende Gedankenspiele, da immer wieder neue Enthüllungen über die Jahrzehnte auftauchen, aber auch für Frust, wenn die Spielfilmszenen die Dokumentation scheinbar unterbrechen und ein wenig außer Tritt geraten lassen.
Die Netflix-Dokumentarserie „Wild Wild Country“ (2018) thematisiert den bizarren Fall der Rajneesh-Sekte rund um ihren Guru, der von einstigen Kommunenbewohnern und Gläubigen mal Bhagwan oder auch Osho genannt wird. Die in Indien entstandene Gemeinde, stark bevölkert von reichen Amerikanern, findet einen Flecken Erde in Oregon, um dort ihre Planstadt aufzubauen. Die Regisseure Maclain und Chapman Way machen es sich und dem Publikum in den sechs Episoden nicht einfach und lassen beide Seiten ausführlich zu Wort kommen. Bei all den Untaten (darunter ein Mordkomplott und der größte Gift-Anschlag (per Salmonellen) der je in den USA stattfand) wundert es, weshalb die Sekte heute noch so kultisch verehrt wird und der Fall nicht bekannter ist. Auch kippt die Ausgewogenheit gegen Ende, wenn die einstige Sprecherin des Gurus (die unter anderem in das Mordkomplott verwickelt war) übermäßig viel Zeit und Raum erhält, um ihre Seite darzustellen und ihr nie widersprochen wird. Ein schaler Nachgeschmack im Abschluss, einer starken aber anstrengenden Doku-Serie, die wohl auch als zwei oder dreistündiger Film wohl besser funktioniert hätte.
Die zweite Staffel (2018) der Sarah-Jessica-Parker-Dramedy „Divorce“ ist eine gelungene Erweiterung der Kampfzone, indem das getrennte Paar (Thomas Haden Church ist großartig als ihr Ex-Mann) sich in neuen Beziehungen und Streitigkeiten wieder findet. Weniger gelungen ist der Erzählrhythmus der acht (dass diese Staffel um zwei Episoden kürzer ist, als Staffel eins, bemerkte ich erst nach Wochen, als keine neuen Folgen mehr ausgestrahlt wurden) Episoden, die nur selten mit gelungenen Cliffhangern agieren und die lustigsten Wendungen werden für das befreundete Snob-Paar (Tracy Letts und Molly Shannon haben größten Spaß an ihren Rollen) verwendet. Eine kurzweilige aber nicht sonderlich komplexe Serie.
Die zweite Staffel von „American Crime Story“ mit dem Titel „The Assasination of Gianni Versace“ (2018) bewegt sich weg von der so erfolgreichen Gerichtsthriller-Formel der 1. Staffel (rund um den Fall O.J. Simpson), und zeichnet hingegen ein Porträt des Serienmörders Andrew Cunanan (großartig: Darren Criss) und wie er schlußendlich den scheinbar wahllosen Mord an Gianni Versace (leider zu kurz zu sehen: Edgar Ramirez) durchführen konnte. Es ist eine neun Episoden lang durchgeführte Analyse von Homophobie in der amerikanischen Gesellschaft und den Polizeibehörden, wie auch ein Psychogram eines Serienmörders, der vor allem erfolgreich und berühmt sein wollte. Die attraktiveren Aspekte wären wohl das Leben Gianni Versaces (mit Ricky Martin als seinem Lebensgefährten und Penelope Cruz als Schwester Donatella), doch ist dies kein Versace-Biopic, sondern ein komplexer Thriller mit einigen großartigen Szenen (etwa die Bondage-Szene zu den Klängen von Phil Collins‘ „Easy Lover“) und vielen offenen Fragen zum Charakter Cunanans, der trotz allem ein wenig ein Enigma bleibt.
Die französische Netflix-Polit-Serie „Marseille“ arbeitet sich in Staffel 2 (2018) weiter am Konfllikt zwischen Robert Taro (Gerard Depardieu) und seinem Ziehsohn und nicht anerkannten Sohn Lucas Barres (Benoit Magimel) ab. Da dies aber natürlich nicht eine weitere Staffel prägen kann, wird vor allem der Aufstieg der extremen Rechten thematisiert und auch Terrorismus und der Überwachungsstaat sind Themen der zweiten Staffel. Diese funktioniert vor allem, wenn Depardieu und Magimel mit- und gegeneinander spielen dürfen, doch sobald die Prestige-Produktion versucht, eine komplexere Analyse der gesellschaftspolitischen Zustände in Marseille (und somit stellvertretend für Frankreich) zu erstellen, versinkt die Handlung in Seifenoper-Logik. Kurzweilig und an der Oberfläche auch spannend, sofern man nicht zu tief in die Thematik eintaucht.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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