Home

Ein neuer Film von Steven Spielberg und eine erstmalige Sichtung eines Klassikers des heimischen Fernsehens, standen auf meinem Kinoprogramm. Daneben gab es eine ganze Reihe an Sichtungen im Heimkino, und auch einige Prestigeträchtige Serien, die endlich einer Prüfung unterzogen werden konnten.

Neuzugänge
Steven Spielbergs Adaption des Romans „Ready Player One“ (2018), ist einer der amüsantesten und gelungensten „leichten“ Blockbuster, der letzten Zeit. Trotz der angedeuteten Schwere einer dystopischen Welt, gefangen und beseelt zugleich von der VR-Welt „OASIS“, zeigt Spielberg vor allem eine nostalgisch aufgeladene Schatzsuche, mit betont klassischem Bösewicht (Ben Mendelsohn). Die Charaktere sind allesamt sehr dünn geraten, doch Schauspieler wie Mark Rylance oder Simon Pegg können sie dennoch zum Leben erwecken. Die jugendlichen Hauptdarsteller bekommen zu oft zu viel Pathos aufgeladen, und Spielberg versinkt dann zu oft in Bedeutungsschwere und Action-Bombast. Dennoch ein Blockbuster, den ich mir sicher wieder ansehen werde, was ich von vielen anderen (teilweise gelungeneren Actionfilmen) nicht sagen kann.
Die Fernsehadaption von Arthur Schnitzers „Traumnovelle“ (1969) durch Wolfgang Glück, ist eine Sternstunde des heimischen Fernsehens. Ein wunderbar durchkomponierter Film, der die Enge des Fernsehens und die budgetär geringeren Möglichkeiten nutzt, um ein ebenso beengendes wie träumerisches Werk entstehen zu lassen. Karlheinz Böhm glänzt als Arzt, der durch das Geständnis seiner Frau, die einer romantischen Träumerei nachhängt, in einen Strudel wilder Ereignisse gezogen wird, bis hin zum berühmten Maskenball. Stanley Kubrick nutzte das große Budget, um all das auszuspielen, was hier nur angedeutet wird. Glück ist dennoch ein toller Film gelungen, der vielleicht ein wenig unter dem sehr ruhigen Erzählrhythmus leidet.

Der Dokumentarfilm „Trouble No More“ (2017) nutzt Konzertaufnahmen aus Bob Dylans „religiöser Phase“ und verbindet dies mit einem Auftritt Michael Shannons als zornigem Prediger. Es ist ein kreativer und unterhaltsamer Weg um Dylans Schaffensphase zu beschreiben. Die Songs verbinden sich auf interessante Weise mit einer geradezu alttestamentarischen Predigt. Auch wenn ich dadurch weiterhin kein Fan dieser Schaffenszeit sein werde, so kann dieser Film doch neue Facetten frei legen.
Annette Benning als einstige Hollywood-Diva Gloria Grahame und Jamie Bell als junger arbeitsloser britischer Schauspieler sind die Hauptgründe, um sich das etwas vorhersehbare Melodram „Film Stars Don’t Die in Liverpool“ (2017) anzusehen. Die Chemie zwischen dem unkonventionellen Liebespaar ist fantastisch und Regisseur Paul McGuigan versucht die Zeit und das Milieu nachzustellen, doch im Endeffekt bleibt man doch nur wegen Benning und Bell.
Fritz Lehners Magnum Opus „Jedermanns Fest“ (2002) verarbeitet die Motive des „Jedermann“-Stücks von Hugo von Hofmannsthal und zeigt Klaus Maria Brandauer als erfolgreichen und arroganten Modeschöpfer Jan Jedermann. Lehner zeigt eine ebenso hohle und von materiellen Dingen besessene Welt, und während Jedermann nach einem Autounfall auf sein Leben zurückblickt, verbringt der Zuseher drei Stunden in der Gesellschaft selbstverliebter Models, Modeschöpfer und Profi-Society-Sternchen, die allesamt nur verlieren können, gegen Brandauers ebenso intensives wie überbordendes Spiel. Ein filmhistorisches Kuriosum der österreichischen Filmgeschichte, mit einer spannenden Entstehungsgeschichte.
Houshang Allahyari zeigt in „Fleischwolf“ (1990) den Alltag in einem österreichischen Gefängnis, durch die Augen eines einfachen Bauernbuben, der für fünf Monate inhaftiert wird. Im Gefängnis wird er schnell mit der harten Realität des Gefängnisalltags konfrontiert. Allahyari versucht dies in harten und eindringlichen Bildern zu zeigen, doch mich ließ diese Darstellung hauptsächlich kalt.
Abel Ferraras „Pasolini“ (2014) ist der perfekte Film zu den letzten Stunden des großen italienischen Filmemachers, der hier fantastisch von Willem Dafoe verkörpert wird. Ferrara stellt nicht nur die letzten Stunden nach, sondern lässt auch noch ein unvollendetes Projekt auferstehen. Dieser Wechsel aus Fantasie, Fakt und Spekulation sorgt für einige eindringliche Momente, die schließlich im brutalen Tod Pasolinis enden. Darin liegt auch eine Schwäche, denn Ferrara kann keine wirklich gesicherten Fakten anbieten und verleiht somit auch Alltagsszenen einen zu träumerischen Charakter.
Der Sci-Fi-Film „Robot Monster“ (1953) gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten, doch ich fand die Mission eines Roboman(!) zur Auslöschung der Menschheit hauptsächlich langweilig. Trashig aber ohne den nötigen Charme, für ein wirkliches Camp-Erlebnis.
Ein Camp-Erlebnis der ungewollten Art war der letzte Teil der „Fifty Shades“-Trilogie. James Foley inszenierte „Fifty Shades Freed“ (2018) mit dem Charme eines missratenen Softpornos, durch welchen sich Dakota Johnson lustlos hindurch murmelt und Jamie Dornan mit gestähltem Körper bewegt. Der Film ist das reinste Debakel, voller unsinniger Logiklöcher (eine langweilig inszenierte Entführung, Beförderung während der Flitterwochen, etc.) und grauenvoller musikalischer Untermalung. Mögen Johnson und Dornan nun Filme die ihres Talents würdig sind finden.
Anlässlich des Osterfests strahlte arte den Stummfilmklassiker „The King of Kings“ (1927) von Cecil B. DeMille aus. Auch wenn ich jeden Stummfilm mit Freude betrachte und diese Phase der Filmkunst generell genieße, so ist mir der religiöse Bombast hier einfach zu viel. Heute wäre DeMille wohl der einflussreichste „Glaubensfilmemacher“ der Welt, was aber seine opulente (und betont seriöse) Inszenierung aber nicht besser macht.
Die Dokumentarfilme von Nikolaus Geyrhalter sind ruhige und stille Meditationen über unsere Welt. Das gelingt mal hervorragend („Unser täglich Brot“) und mal weniger, wie bei „Abendland“ (2011), ein Film, auf den ich mit Spannung gewartet hatte. Leider versammelt Geyrhalter mit seinem Team hier „nur“ eine Vielzahl an Vignetten, die das Leben in verschiedensten Teilen der Welt zu nächtlicher Stunde beschreiben. Eine wirkliche dramaturgische Klammer bietet der Film dabei jedoch nicht, weshalb eher Einzeleindrücke bleiben, statt eines ganzen Filmes.
Bei den Filmfestspielen von Venedig erhielt Lag Diaz für seinen fast vierstündigen Rache-Thriller „Ang Babaeng Humayo“ (2016) den Hauptpreis des Goldenen Löwen. In den letzten Jahren hat sich Diaz auf eine knapp vier Stunden lange Spielform seiner Inszenierung eingependelt, was immer noch für sorgsam inszenierte und langsam und behutsam ausgespielte Szenen sorgt. Eine 30 Jahre fälschlich des Mordes wegen eingesperrte Frau wird aus dem Gefängnis entlassen und will nun Rache. Doch dabei gerät sie mehr in persönliche Existenzkrisen (ihre Tochter kennt sie kaum, ihr Sohn ist verschwunden, ihr Mann verstorben) und beginnt mehr das ihr fremd gewordene Land (der Film spielt im Jahr 1997, als Hongkong zurück an China gegeben wird und eine Entführungswelle die Philippinen heimsucht) zu untersuchen. Diaz zeigt ein Porträt vergessener und verlorener Existenzen. Ein für Diaz sehr typischer und deshalb auch wieder einmal lohnender (wenngleich anstrengender) Film.
Marcus J. Carney untersucht in seinem Dokumentarfilm „The End of the Neubacher Project“ (2007) seine Familiengeschichte und das Erbe des Dritten Reichs. Die unausgesprochenen Erinnerungen und Wahrheiten sorgen für viele Konflikte, und es ist Carney hoch anzurechnen, dass er die Auseinandersetzung mit seiner Familie suchte. Doch auf Dauer wirkt es ein wenig wie eine familiäre Nabelschau.
Der noch nicht vollendete „You Were Never Really Here“ (2017) wurde zum großen Ereignis der Filmfestspiele von Cannes im Vorjahr. Vor allem Joaquin Phoenix in der Rolle als traumarisierter Veteran, der nun als Mann fürs Grobe arbeitet, fasziniert mit seiner beängstigend intensiven Darstellung. Ramsay zeigt einen klassischen B-Movie-Rachefilm, und taucht tief in die Psychen seiner Charaktere ein. Noch Tage später trägt man Bilder dieses intensiven Meisterwerks mit sich herum, und denkt an Joe (Phoenix) und seine suizidale Reise durch die Nacht.
Der Missbrauchsskandal an der Penn State rund um den einstigen Football-Coach Jerry Sandusky und seinen Mentor und Football-Coach-Legende Joe Paterno erschütterte die amerikanische Gesellschaft. HBO und Barry Levinson zeigen in dem soliden und konzentrierten, aber auch ein wenig zu zurückhaltenden „Paterno“ (2018), wie sich der Skandal von einem unauffälligen Regional-Zeitungsartikel hin zu einer landesweiten Krise entwickelte. Al Pacino bietet als Joe Paterno eine meisterhafte Darbietung und erinnert ein vor allem in den letzten Jahren hauptsächlich skeptisch auf ihn blickendes Publikum daran, was für ein großartiger Schauspieler er ist. Riley Keough kann ebenso bestehen, auch wenn sie als Jungjournalistin weniger zu tun bekommt, und mehr als Anker für das Publikum dient. HBO und Pacino, eine tolle Kombination.
Michael Glawoggers Spielfilmdebüt „Die Ameisenstraße“ (1995) ist der prototypische Erstling eines talentierten Filmemachers, der allerdings viel zu viele Ideen jongliert und doch keine stringente Handlung zuwege bringt. Ein Film voller einzelner amüsanter Episoden, unterbrochen weniger amüsanten und schließlich durch eine kaum vorhandene Rahmenhandlung zusammengehalten.
Klaus Händl dramatisierte den Dreifach-Selbstmord dreier Freunde in Tirol bereits mit einem Kurzfilm, doch in seinem Spielfilmdebüt „März“ (2008) ist Händl mehr an den Auswirkungen auf die Gemeinschaft interessiert. Dabei bleibt er nahe an den Menschen dran, doch das führt auch dazu, dass er oft reichlich banale Szenen einbaut, die scheinbar kein Ziel haben. Nur langsam verknüpfen sich die einzelnen Episoden zu einem Kaleidoskop der Ratlosigkeit. Ambitioniert, aber mich nicht immer ganz für sich einnehmend.
Ernst Gossner fiel mir erstmals mit seinem US-Film „South of Pico“ auf. Mit „Der stille Berg“ (2014) geht er einen Schritt weiter und wagt sich in historische Gefilde. Aufwändige Bergdrehs mit Kampfszenen und einer zweisprachigen Crew, sollen den Konflikt zwischen Österreich und Italien im 1. Weltkrieg zeigen. Gossner verliert sich aber in dem familiär aufgeladenen Konflikt in „Fackeln im Sturm“-Klischees.
Die französische Schauspielerin Maïwenn hat sich in den letzten Jahren zur Filmemacherin gewandelt. Mit ihrem in Cannes ausgezeichneten „Polisse“ (2011) sorgte sie aber weniger für Jubelstürme, denn für hitzige Diskussionen. Basierend auf echten Fällen, folgt sie einer Einheit der Jugendschutzabteilung der Pariser Polizei. Maïwenn spielt eine Fotografin, die für PR-Zwecke die Arbeit aufzeichnen soll. Was folgt ist eine lose Aneinanderreihung verschiedenster Szenen, die nur durch das stets zusammenhängende Ensemble verbunden werden. Dabei wechseln sich schockierende und markerschütternde Fälle mit banaler und ärgerlicher Melodramatik ab. Auch outrieren alle Darsteller_innen derart, dass man kaum einen Dialog ernst nehmen kann. Verschiedenste Szenen (Party nach Kindsrettung, Karaoke-Party, lautstarke Diskussionen zwischen den Polizisten, eine Blowjob-Smartphone-Diskussion mit einem Mädchen und dann das grausam aufgesetzte Finale) sorgen regelrecht für Verärgerung. Ein ambitioniert und ausuferndes Werk, welches viel zu oft den Ton nicht trifft.
Viel besser gelingt ihr das Beziehungsdrama „Mon roi“ (2015), in dem Vincent Cassel und Emmanuelle Bercot als Liebespaar im Gefühlstaumel ihr Bestes geben. Das Hin und Her geht mir gefühlt 15 bis 20 Minuten zu lange und wiederholt schließlich ein paar Punkte, die bereits ausreichend geklärt waren, aber es ist ein imposanter Film, der ein nur oberflächlich einfaches und banales Thema behandelt.
Scott Cooper hat eine bislang eigenwillige Karriere hingelegt. Filme mit Star-Besetzung, die auch meist hoch gelobt wurde. Von „Crazy Hearts“ über „Out of the Furnace“ und „Black Mass“ nun also „Hostiles“ (2017). Christian Bale spielt einen Army-Captain, der den im Sterben liegenden Cheyenne Chief Yellow Hawk (Wes Studi) auf sein Heimatland bringen soll, wo er gemäß seinen Traditionen beerdigt werden kann. Der gesamte Film ergeht sich in zwei Dingen: sporadisch auftretende exzessiver Gewalt und furchtbarer Langeweile. Bale versucht sein Bestes, den rassistischen Captain langsam sympathischer und nachvollziehbarer zu gestalten, doch die Wandlung während der Reise ist derart vorhersehbar und oberflächlich, dass man geneigt ist zu glauben, dass Scott Cooper abgesehen von dieser Wandlung keinerlei Ideen für den Film hatte.
Ein wenig anders nimmt sich da schon der Independent-Western „Bone Tomahawk“ (2015) von S. Craig Zahler aus. Die Mischung aus Western und Kannibalen-Horror trifft selbst informierte Zuseher unerwartet, da Zahler sich Zeit nimmt und mit viel Geduld zunächst eine überraschend ruhig verlaufende Menschenjagd quer durch die Prärie inszeniert, nur um diese schließlich in einem blutigen Horror-Schlachtfest einzutauchen. Es ist ein film ohne wirkliche Helden, auch wenn ein imposantes Ensemble (Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox, Richard Jenkins) sich andient diese Heldenrollen zu übernehmen. Zahler ist unbarmherzig, doch wirkt bei ihm die Gewalt logisch und unverzichtbar, ganz im Gegensatz zum aufgesetzten „Hostiles“.
Nachdem mich „März“ eher enttäuscht zurückgelassen hat, war ich umso erfreuter von Klaus Händls Nachfolgewerk „Kater“ (2016). Ein glückliches und in angenehmen Verhältnissen (für meine Begriffe: Luxus) lebendes Paar (Lukas Turtur und Philipp Hochmair) genießt das Leben und die heimische Idylle, ehe ein unerwartetes Ereignis mit aller Wucht ihre Idylle zerstört und ihr Leben auf den Kopf und ihre Beziehung infrage stellt. Es ist Händl hoch anzurechnen, dass der so schockierende Moment ebenso schnell und unerwartet erfolgt, und ebenso rasch wieder vorbei zieht. Stattdessen beschäftigt er sich erneut, wie in „März“, mit den Folgen des Ereignisses. „Kater“ mag keine tieferen Wahrheiten über das Leben, Beziehungsarbeit oder die Liebe vermitteln, doch Händl präsentiert eine sensibel erzählte und einfach mitreißende Geschichte zweier Menschen und eines Moments, der alles verändert.
Joshua Marston versucht seit seinem Debut „Maria Full of Grace“ die Magie dieses Erstlingsfilms zu kopieren, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Noch nicht einmal mit Unterstützung von Netflix und einem charismatischen Chiwetel Ejiofor in der Hauptrolle als Priester Carlton Pearson. „Come Sunday“ (2018) ist ein theoretisch spannender Film rund um die Glaubenskrise eines Predigers, der dadurch auch seine Gemeinde und sein engstes Umfeld in eine Krise stürzt, doch Marston inszeniert dies alles so unverfänglich und ohne jede Spannung, dass Szenen einfach vorbei gehen. „Come Sunday“ ist kein schlechter Film, aber es bleibt auch leider nur ein gut gespielter und kompetent gemachtes Werk, das so viel mehr versprach.
Jean Vigo erschuf vor seinem Tod mit 29 Jahren vier Filme, davon zwei Kurz- und einen mittellangen Film. Die beiden Kurzfilme „À propos de Nice“ (1930) und „Taris“ (1931) sind im Sinne das komplette Werk zu sehen, von Interesse. Für sich genommen ist der erste Film, ein amüsanter aber etwas leichtgewichtiger Essay zu Ferienreisen der Franzosen, während der zweite Kurzfilm in seiner Darstellung von Schwimmtechniken mit innovativen Kameratricks beeindrucken kann.
Die DVD-Ausgabe „Female Comedy Teams“, brachte mir einige weibliche Komiker näher, die von Hal Roach zusammengespannt wurde, um ein weibliches Gegenstück zu Laurel und Hardy zu erschaffen. So wirklich funktioniert hat das leider bei keinem Duo. Vor allem der überraschende Tod von Thelma Todd, die mit der wunderbaren Patsy Kelly einige tolle Filme drehte, sorgte für ein Ende dieser Pläne. Die Filme sind, so wie auch die frühen Kurzfilme von Laurel & Hardy, nicht immer von höchster Qualität. Etliche dieser Filme verlassen sich auf eine lustige Grundidee und auf die Dynamik des Duos (Kelly/Todd oder ZaSu Pitts/Thelma Todd oder Anita Garvin/Marion Byron). Darunter sind dann so manche amüsante Szenen, aber ein wirklich großartiger und einprägsamer Film ist nicht dabei. Am ehesten blieb „Beauty and the Bus“ (1933) mit Thelma Todd und Patsy Kelly hängen.
Der katalanische Action-Regisseur Jaume Collet-Serra hat sich in den letzten Jahren zum Haus-Regisseur von Liam Neeson entwickelt. Der ebenso absurde wie amüsant inszenierte „The Commuter“ (2018) ist mein bisheriger Favorit ihrer Zusammenarbeit. Nicht nur ist Neeson ein Actionheld wider Willen, sondern ist diesmal auch ein 60 Jahre alter (wenngleich äußerst fitter) Mann, der in ein wildes Komplott hineingezogen wird, nachdem er seinen Job verlor und auf das Geld, das ihm angeboten wird, angewiesen ist. Spätestens wenn der Zug zu Entgleisen droht, und die Speed-Anleihen mit billig wirkendem CGI versetzt werden, wirkt „The Commuter“ angestrengt und eher lächerlich, denn amüsant, doch bis dahin ist das ein viel besserer Film, als es denn zu erwarten war.
Mit „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (2015) erzählt Regisseur Lars Kraume die hierzulande wohl kaum bekannte Geschichte, des Staatsanwalts Fritz Bauer (fantastisch: Burghart Klaußner) und seines Kampfes gegen die Kriegsgewinnler der Nazi-Herrschaft. Sein Streben, den untergetauchten Schlächter Adolf Eichmann zu fassen, stellt Kraume in ein Gesellschaftsporträt, in der seine Homosexualität bei Strafdrohung geheim bleiben muss, und Alt-Nazis und Nazi-Sympathisanten an den höchsten Stellen der Macht sitzen. Ein geradliniger Film zu einem interessanten und offenbar auch etwas schwierigen Menschen.
Art Garfunkel als Psychologe, der in eine anstrengende und fordernde Beziehung stolpert. „Bad Timing“ (1980) von Nicolas Roeg hat viel an interessanten Dingen zu bieten. Den Schauplatz Wien, Harvey Keitel als Wiener(!) Krimineser mit langen Haaren und einen schönen Soundtrack, der aber derart platt eingesetzt wird („Who are you?“ von The Who gar mehrmals), dass man eher verärgert ist. Weshalb dieser langweilige, konfus geschnittene und schwach gespielte Erotik-Psycho-Thriller heute eine Art Wiederentdeckung erfährt, ist mir nicht ganz klar.

The 1001 Project
„L’Atalante“
(1934) war Jean Vigos erster Spielfilm und zugleich sein letztes Werk. Der voller absurden und sympathischen Humor versehene Film um ein jung verheiratetes Paar, welches auf dem Schiff „L’Atalante“ auf der Seine herum schippert und dabei in allerlei Alltagsprobleme schlittert, hat wenig Handlung aber umso mehr Charme. Ein „kleiner“ Film um die Mühen und Freuden einer Beziehung und (schräger) Freunde.
Kenji Mizoguchis knapp zwei Stunden langes „Zangiku monogatari“ (1939) ist ein sehr zähes Melodram um einen Schauspieler, der erkennt, dass sein Ruhm, auf falschen Vorstellungen basiert. Die langen Dialoge brachten mir die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander nicht näher. Technisch ist das sehr gut gemacht, aber ich konnte mich nicht in diese Erzählung hinein fühlen.

Re-Visited
Die erneute Sichtung von Max Ophüls‘ „Letter from an Unknown Woman“ (1948) hat mir vor allem gezeigt, dass das verkitschte Bild eines vergangenen Wiens, mit immer größerem Abstand auch immer mehr an Reiz gewinnt. Die K.u.K.-Fantasie die Ophüls erzählt, ist spannender, denn die Adaption des Romans von Stefan Zweig, auch wenn Joan Fontaine großartig agiert.
Es gibt keinen falschen Zeitpunkt für einen Ed-Wood-Film. So war ein Abend mit „Glen or Glenda“ (1953) und „Jail Bait“ (1954) natürlich wieder ein willkommenes Vergnügen. Zwei Werke, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber in ihrer Unvollkommenheit die wunderschön-inkompetente aber immer motivierte Arbeitsweise von Ed Wood aufzeigt.

Serien-Überblick
Die deutsche Serie „4Blocks“ konnte mit ihrer 1. Staffel (2017) für sehr viel Aufsehen sorgen, da sie sich mit Gang-Kriminalität in Berlin auseinander setzte. Wortwörtlich nur vier Häuserblocks beherrscht der libanesische Hamada-Clan, doch Regisseur Marvin Kren lässt diese vier Häuserblocks sinnbildlich für eine ganze Kriminalitätsszene stehen. Dass er sich dabei relativ ungeniert bei großen Vorbildern, wie den Arbeiten von Martin Scorsese bedient, mag für einige Klischees sorgen, beschädigt aber das Gesamtwerk nicht. Herausragend sind vor allem die beiden Hauptdarsteller Kida Khor Ramadan als Clan-Oberhaupt wider Willen (quasi Michael Corleone) und Frederick Lau als Untercover-Polizist Vince (quasi Donnie Brasco). Das Finale der 1. Staffel überrascht mit seiner Gnadenlosigkeit, und genau das ist dieser Serie hoch anzurechnen, allen Klischees und eindimensionalen Charakteren (vor allem rund um den Clan) zum Trotz.
Die britische Mini-Serie „Requiem“ (2018) ist eine eigenwillige Mischung aus Thriller und Horror. Als die Mutter der erfolgreichen Cellistin Matilda (Lydia Wilson) auf merkwürdige Unstimmigkeiten in der Vergangenheit ihrer Mutter stößt, begibt sie sich in einen kleinen Ort in Wales und erfährt dort viel über ihr Leben und vor allem über die Gemeinschaft dieses Ortes. Die Horrorelemente sind sehr dezent eingearbeitet und übernehmen nie das gesamte Geschehen, bis es schließlich beim Finale unumgänglich scheint. Lydia Wilson ist toll in der Hauptrolle und die auf knappe sechs Episoden reduzierte Serie (mit der Möglichkeit auf eine 2. Staffel) erzählt ihre Geschichte ebenso ausführlich wie schwungvoll. Keine Neuerfindung, aber ein unterhaltsames Serien-Erlebnis.
Die 3. Staffel (2017) der Animationsserie „Rick and Morty“ arbeitet sich in derart absurde und amüsante Höhen, dass man geneigt ist, diese Serie zu einem der Highlights der aktuellen Serienlandschaft zu erklären. Doch dann versucht man sich erneut in Erinnerung zu rufen, was genau so großartig an der neuesten Staffel war, und bleibt doch „nur“ bei einzelnen Momenten und grundlegenden Ideen hängen. Dies ist mein Hauptproblem mit „Rick and Morty“. So absurd, witzig und aberwitzig kreativ diese Serie auch ist, sie scheint mir nur selten im großen Zusammenhang zu funktionieren. Die Episoden sind oft derart wirr, dass man sich einfach nur aufgrund der absurden Witze darin verliert. Das ist herrlich gemacht, aber an Favoriten wie „The Simpsons“ (zu ihren besten Zeiten) oder „Archer“ kommen sie dennoch nicht heran.
Die 4. Staffel (2017) der britischen Gangster-Serie „Peaky Blinders“ – die diesmal nur wenige Monate nach der 3. Staffel erschien – knüpft bei der Massenverhaftung am Ende der 3. Staffel an. Von dort geht es Schlag auf Schlag.  Die Peaky Blinders sind gezwungenermaßen in alle Winder zerstreut und von Misstrauen durchzogen. Doch die Ankunft des New Yorker Mafiosi Luca Changretta (fantastisch: Adrien Brody) schweißt den Clan zu neuer Tatkraft zusammen. Cillian Murphy ist erneut großartig als Tommy Shelby und darf bis zum Ende der Staffel eine schmerzhafte Entwicklung durchgehen, die Murphy ganz in seinem Element zeigt. Helen McCrory als Polly und Paul Anderson als Arthur sind ebenso großartig. Doch die Serie lebt natürlich von der Gangster-Atmosphäre und den tollen Auftritten von „Gast“stars wie Brody oder Tom Hardy.
Die aus vier Episoden bestehende Mini-Serie „Deep Water“ (2016) basiert auf einer Mordserie, der etwa 30 schwule Männer zum Opfer fielen. In diese Bearbeitung konzentrieren sich die Macher vor allem auf Detective Tori Lustigman (Yael Stone), die den Mord an einem jungen Mann nicht nur einer Mordserie in den 1980er und 1990ern zuordnen kann, sondern auch eine persönliche Verbindung findet. Neben ihr agiert der wie immer tolle Noah Taylor als grummeliger Detective Nick Manning und wie in solchen Serien üblich, sind sie natürlich zu Beginn beinahe spinnefeind, ehe es am Ende eine amikale Partnerschaft gibt. Die australische Serie erfindet den Serien-Krimi nicht neu, weiß aber sehr wohl Interesse für die Charaktere zu erzeugen, sodass man auch an dem Film hängen bleibt.
Die dritte und überraschenderweise letzte Staffel (2018) von „Ash vs. Evil Dead“ hat für mich dieselben Probleme wie schon die Staffeln davor. Es dauert eine Weile, bis ich mich ins Szenario richtig einleben konnte und wenn dann der Spaß losging, war die Staffel auch schon wieder vorbei. Bruce Campbell ist mittlerweile derart mit der Rolle von Ash verwachsen, dass er sie wohl auch im Schlaf spielen könnte, doch natürlich gibt er auch hier wieder sein Bestes. Die Auswirkungen der Ereignisse werden immer umfassender und so bleibt auch ein Trip in ein Zwischenreich nicht erspart, um die „geparkten“ Seelen seiner Tochter (oh ja, die kommt auch vor) und Kelly zu retten. Das Ende zeigt eine Zukunft voller Post-Apokalyptischer Möglichkeiten und womöglich ergibt sich noch ein „Finale“ auf Netflix, doch im Grunde ist die „Evil Dead“-Welt ohne Ende. Ohne Ash macht es allerdings nur halb so viel Spaß.
Die deutsche Produktion „Babylon Berlin“, basierend auf dem Roman „Der nasse Fisch“, hatte die nicht geringe Aufgabe (und auch selbst gewählten Anspruch) den Serien-Boom hoher Qualität auch nach Deutschland zu holen. Unter der Führung von Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten zeigen Staffel 1 und Staffel 2 (2017) – die ich beide in einem Schwung gesehen habe – ein spannendes Porträt von Berlin in den wilden 1920ern. Politische Unruhen, sowjetische Dissidenten, Erpressungen, Morde und Hypnose. All dies wird in 16 spannenden, aber nicht immer überzeugenden, Episoden hinein gepackt. Nicht immer überzeugend, da einige Handlungsstränge ein wenig im Nichts verlaufen oder zu lange unbearbeitet liegen bleiben, einige Charaktere nach vielen wichtigen Episoden wie von der Bildfläche verschwinden (Severija Janusauskaité als Gräfin Sorokina zum Beispiel). Doch fasziniert vor allem das Trio der wirklich wichtigen Charaktere. Der aus Köln nach Berlin gezogene Polizist Gereon Rath (Volker Bruch), der aber nicht gerade durch Ermittlungsfindigkeiten besticht, die starrköpfige Charlotte (Liv Lisa Fries) oder der undurchsichtige Kommissar Wolter (Peter Kurth). Die beiden Staffeln sind wunderschön gemacht, und auf der Maxime der größtmöglichen Spannung aufgebaut, dabei bleibt die Identifikation mit den Charakteren ein wenig auf der Strecke. Eine weitere Doppelstaffel würde mich aber sehr freuen.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s