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Ins Kino kam ich trotz vieler anvisierter Besuche nur ein einziges Mal, und dieser Besuch hat sich dann doch bezahlt gemacht. „A Quiet Place“ ist trotz all seiner Unsinnigkeiten, eine der angenehmen Filmüberraschungen des Jahres. Intensiviert wurde vor allem die Aufgabe, die Filme der „1001 Project“-Liste voranzutreiben. Es geht langsam vorwärts.

Neuzugänge
Mit etwas Verspätung holte ich nun auch John Krasinskis Horror-Sensation „A Quiet Place“ (2018) nach. Das großartige Szenario einer Bedrohung, die auf Geräusche reagiert, wurde technisch fantastisch umgesetzt, doch darf man nicht zu sehr über die eine oder andere Wendung nachdenken, oder über den sehr männlichen Blickpunkt der Erzählung. Im Endeffekt ist es ein Film über einen Mann, der seine Familie beschützen will.

Clint Eastwoods „The 15:17 to Paris“ (2018) ist ein spannendes Experiment. Ein Film der die drei Männer, die wirklich einen Terroranschlag im Zug von Amsterdam nach Paris verhinderten, zu den Hauptfiguren und auch Hauptdarstellern macht. Eastwood ist es hoch anzurechnen, dieses Wagnis eingegangen zu sein, doch geht die Rechnung leider nicht auf. Die drei Männer können keine Sekunde lang ihre Nervosität verbergen, und die Dialoge die ihnen noch dazu in den Mund gelegt werden, würden wohl selbst aus den Mündern talentierter Mimen furchtbar klingen.
In meinem Verlangen wieder einige Filme der „1001“-Liste durchzunehmen, fiel mir die DVD zu „Ai no borei“ (1978) in die Hände. Nagisa Oshimas weniger bekannter Thriller, in dem ein junger Mann eine Affäre mit einer älteren Frau hat. Den Ehemann der Frau ermorden die beiden, und so beginnt das Versteckspiel. Ein konzentrierter und am Ende auch überraschend brutaler Film, der mich aber nie so wirklich fesseln konnte.
Die Grundidee von „Batman Ninja“ (2018) ist ebenso einfach wie wahnwitzig: Batman in Zeiten der Samurai im alten feudal geprägten Japan. Durch eine Storytechnische Fügung, landen Batman und seine Widersacher (und Mitstreiter) im alten Japan und dort spielt der Film dann alle möglichen und unmöglichen Anspielungen und Querverweise durch. Das ist unterhaltsam, hat aber inhaltlich absolut nichts zu bieten. Des reinen Spaßes und der schönen Animation wegen, aber dennoch keine völlig verschwendete Zeit.
Als Peter Kern seine Polit-Satire „1. April 2021 – Haider lebt“ (2002) in die Kinos brachte, war die erste schwarz-blaue Regierung bereits „angekommen“ im heimischen politischen Spektrum. Kern erzählt deshalb auch von einer Zukunft, in der Jörg Haider die Kanzlerschaft übernimmt, doch durch die Annexion Österreichs durch die USA wieder verliert. Haider ist mittlerweile verstorben, oder auch nicht. August Diehl als halb-seidener Reporter geht diesem Gerücht hinterher und bietet dabei ein paar gelungene Szenen (vor allem die Verknüpfung des Haider-Kults mit dem Kreisky-Kult), aber ansonsten bleibt der trashige Film viel zu sehr an der Oberfläche.
Wolfgang Glück darf sich die Ehre zuschreiben, mit der Friedrich Torberg-Verfilmung „38 – Auch das war Wien“ (1986) für die erste Oscar-Nominierung eines österreichischen Films (in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film) gesorgt zu haben. Vor allem handelt es sich bei „38“ um einen Aufklärungsfilm, für eine Gesellschaft, die sich inmitten der Waldheim-Diskussionen befand. Ein ehrbarer aber auch sehr steifer und „gediegen inszenierter“ (ergo: langsam) Film.
Vince Vaughn hat in den vergangenen Jahren mehrere Versuche unternommen, sein Leinwand-Image zu ändern. Der populärste Versuch war sein Auftritt in der missratenen 2. Staffel von „True Detective“. All das ist nun vergessen, denn mit seiner Darbietung als Neo-Nazi-Ex-Boxer-Drogenschmuggler in „Brawl in Cell Block 99“ (2018) von S. Craig Zahler wird er im Gedächtnis bleiben. Wie schon bei „Bone Tomahawk“ lässt sich Zahler viel Zeit bei der Erzählung, und gibt damit seinem B-Movie einen unerwartet dichten Spannungsbogen. Natürlich ist das auch ein sehr einfacher Film, in dem das Körperliche und dessen Vernichtung im Vordergrund steht. Dies gelingt im Gefängnissetting für mich auch besser als in „Bone Tomahawk“, wobei das Gejammer auf hohem Niveau ist. In Zahler hat das US-Genrekino einen neuen spannenden Erzähler gefunden.
Christopher Lambert als gallischer Volksheld und Widerstandskämpfer Vercingétorix in schlecht sitzender Perücke und mit falschem Bart, ist bereits ein erbarmungswürdiger Anblick. Wenn dann Klaus Maria Brandauer als Julius Cäsar mal gut und mal völlig jenseitig spielt und auch Max von Sydow als Druide so wirkt, als würde er nur schnell nach Hause wollen, ist eigentlich schon alles gesagt. „Vercingétorix“ (2001) von Jacques Dorfmann hat den traurigen Ruf, einer der schlechtesten französischen Filme aller Zeiten zu sein. Das billig wirkende Historien-Spektakel ist auch nicht so schlecht, dass es wieder lustig ist, sondern unglaublich langweilig.
Mit „Manhunt“ (2017) ist John Woo wieder dort, wo ihn seine Fans sehen wollen. Wenn ein chinesischer Anwalt in Japan in einem Hotelzimmer neben einer toten Frau aufwacht, wird er sofort des Mordes beschuldigt. Woo lässt dieses Hitchcock-Szenario natürlich nicht ungenutzt und jagt den vermeintlichen Mörder und einen Polizisten auf eine wilde Jagd quer durch verschiedene Verschwörungsszenarien, und endet in einem Geheimlabor, in dem eine Droge für Supersoldaten gezüchtet wird. Es ist im Grunde völlig nebensächlich was hier passiert, denn Woo erzählt seine Bromance-Action-Melodramen mit großartigen Actionsequenzen. Das geringere Budget und die billige CGi-Effekte hindern ihn nur wenig. So lachhaft das Szenario auch ist, so unterhaltsam ist es schließlich auch.
Nach seinem Überraschungshit „Train to Busan“ – den ich noch immer nicht gesehen habe – überraschte der südkoreanische Regisseur Yeon Sang-ho mit der Superhelden-Parodie „Psychokinesis“ (2018). Ein leider nur stellenweise zum Schmunzeln anregender Film, der die nette Absicht verfolgt einen Allerwelts-Typen zum Helden zu machen. Die Langeweile wird aber erst im großen Finale durchbrochen. Bis dahin bleibt es bei oberflächlichen Albernheiten.
Der irisch-südafrikanische Netflix-Film „The Siege of Jadotville“ (2016) ist einerseits ein gutes Beispiel dafür, dass er durch die „Fifty Shades“-Trilogie ein wenig in seinem Ruf beschäfigte Jamie Dornan ein guter Schauspieler ist, und andererseits ein ansehnlich gemachter Kriegsfilm, der ein für mich unbekanntes Kapitel irischer und afrikanischer Militärgeschichte behandelt. Einigen Klischees des Militärfilm-Genres folgend, aber dabei unterhaltsam genug, um die knapp 100 Minuten nicht langweilig zu gestalten.
Das japanische Melodram „An“ (2015) ist eines jener Kulinarik-Dramen, die ihren Reiz daraus beziehen, dass scheinbar nicht zueinander passende Charaktere durch die Kraft eines Gerichts zu Freunden/Liebhabern/Vertrauten werden. Naomi Kawase versucht dies auch noch mit einer Zustandsbeschreibung der japanischen Gesellschaft und ihres Umgangs mit kranken Menschen zu verbinden. Doch bei mir blieb nach dem zähen Beginn hauptsächlich ein Gefühl der Langeweile haften.
Die Merchant-Ivory-Produktionen sind an mir großteils vorüber gegangen und zwar trotz des großartigen „A Room with a View“, welches ich heute noch hoch schätze. Ihr für acht Oscars nominiertes Meisterwerk „The Remains of the Day“ (1993) entdeckte ich mit großer Verspätung und bin umso glücklicher diesen Film nun endlich gesehen zu haben. Anthony Hopkins und Emma Thompson sind schlicht fantastisch als Diener in einer von Regeln so streng festgezurrten Welt. Vor allem Hopkins‘ Butler Mr. Stevens erstickt jegliche persönliche Regung unter seinem Pflichtgefühl, und es ist nur in kleinen Regungen zu erkennen, was dieser Mann wirklich denkt. Daneben begräbt Emma Thompson als Miss Kenton ihre Gefühle für einen Mann, der diese nicht erwidert. Eingebettet ist dies in die Wirren des langsam am Horizont erscheinenden Zweiten Weltkriegs. Ein großartiger Film voller Gefühl, Intellekt und Herzenswärme.
Basierend auf ihrem eigenen Kurzfilm, erarbeitet das Regie-Duo Ben Howling und Yolanda Ramke in „Cargo“ (2018) ein Zombie-Szenario, in dem es vor allem um die verzweifelte Suche eines Vaters (toll: Martin Freeman) um den Schutz für sein Baby geht. Nachdem seine Frau „verwandelt wurde“, und er nur noch 48 Stunden nach einem Biss hat, ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Merkwürdigerweise ist dies aber sehr gemächlich und ohne das Gefühl eines Countdowns inszeniert. Das sorgt für tolle Momente mit Freeman, aber nimmt dem Film die Spannung. Zudem ist die „Menschen sind die wahren Monster“-Botschaft mittlerweile auch nicht mehr ganz neu.
Nachdem ich das Buch „Die Welt ohne Uns“ gelesen hatte, träumte ich von einem Film, der dieses Sci-Fi-Szenario auch adäquat umsetzen würde. Nikolaus Geyrhalter geht mit „Homo Sapiens“ (2016) noch einen Schritt weiter und zeigt in seinem Film-Essay kein Zukunftsszenario, sondern bereits heute von Menschen verlassene Orte. Bauwerke, Industriegebiete, alte Wohnviertel und vieles mehr, welche der Gleichgültigkeit der Natur ausgesetzt sind und so von der Natur zurückerobert werden. Ein wunderschöner Film!
Als es um die Restaurierung und Rettung des Stummfilms „Die Stadt ohne Juden“ (1924) ging, investierte auch ich ein paar Euro per Crowdfunding und siehe da. Die Öffentlichkeit konnte genügend Geld auftreiben und die Rettung unterstützen. Jetzt gibt es – neben der großartigen Ausstellung im Filmarchiv Metro Kino – den Film endlich in seiner (beinahe) ursprünglichen Form. Eine ebenso naive, wie auch erschreckend prophetische Geschichte über Amok laufenden Antisemitismus in einer Stadt (die ganz klar Wien sein soll), wo „die Juden“ für alle Probleme im Leben verantwortlich gemacht werden. In Breslauers Filmadaption führt dies zu einer Läuterung der Öffentlichkeit, nachdem das Leben nach der Verbannung der Juden zusammenzubrechen droht. Ein naiver aber auch engagierter Appell an die Menschen, der leider, wie wir heute wissen, schlicht nur die geringsten Verbrechen vorweg nahm, die da noch kommen sollten.
Aaron Sorkins Regiedebüt „Molly’s Game“ (2017) hätte wohl davon profitiert, wenn ein anderer Regisseur das Drehbuch Sorkins verfilmt hätte. Die großartigen Dialoge sind natürlich das Herzstück der Geschichte von Molly Bloom (Jessica Chastain), die mit einem „High Stakes“ Pokerring die Prominenz der USA (und auch weltweit) um ihre Pokertische scharen konnte. Es ist ein stellenweise mitreißender und unterhaltsamer Film von Aufstieg und Fall in einer Szene, in der die Kenntnis von Pokerregeln von Vorteil ist, ansonsten ist man in diesem Film ein wenig verloren. Engagierte Leistungen von Idris Elba, Kevin Costner und Michael Cera werden von Regisseur Sorkin ein wenig untergraben, da er seine Darsteller offenbar zum Outrieren antrieb. Einzig Jessica Chastain findet die nötige Balance.
Zu jeder royalen Hochzeit muss mittlerweile ein dazu passender Fernsehfilm produziert werden. So ist auch „Harry & Meghan: A Royal Romance“ (2018) quasi ein Highlight-Video der Yellow Press-Berichte, und präsentiert das frisch vermählte Paar, als beste Versionen ihres öffentlichen Images‘. Ein lachhafter Schmalzstreifen, ohne jedes Gefühl für Rhythmus und realistisch wirkende Szenerie (jede Szene in „Botswana“ wirkt wie Schmierentheater).
Der engagierte Dokumentarfilm „Bauer Unser“ (2016) von Robert Schabus wirft einen genauen Blick auf die heimische Landwirtschaft, und wie sich diese in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Das ist interessant und für jene, die sich mit dem Thema beschäftigen wohl auch mehr eine Bestätigung dessen, was man schon wusste. Für Neueinsteiger und nur oberflächlich Interessierte, kann der Schwung an „Talking Heads“ schnell eintönig werden.
Das Re-Boot von „Tomb Raider“ (2018) folgt denselben Vorgaben, wie der Re-Boot der PC- und Konsolen-Spiele. Lara Croft (gut besetzt mit Alicia Vikander) muss sich erst beweisen und viele Rückschläge erleiden, ehe sie zu jener Action-Heldin wird, die man mit ihr verbindet. Für Gamer ist das sicher durchaus unterhaltsam, wenn Spielszenen auf der großen Leinwand in neuem Glanz zu sehen sind. Als Film leidet „Tomb Raider“ aber nach einer guten halben Stunde an einem etwas lustlos runterspulten Adventure-Plot. Da kann auch Walter Goggins als Bösewicht nichts dagegen ausrichten.
Wenn Jim Carrey in jüngster Zeit auf der Leinwand erscheint, dann versucht er etwas „anderes“. Sei es als überzogener Bösewicht in „The Incredible Burt Wonderstone“ oder in dem unfassbar langweiligen „Thriller“ „Dark Crimes“ (2018). Angeblich basierend auf einer wahren Geschichte, untersucht Carrey als stoischer Detective einen Mordfall. Schnell landet man bei Vergewaltigung, Verschwörung und vor allem einem Osteuropa-Bild in Klischee-Grau. Carreys Darbietung ist dabei ebenso eintönig und fade wie der Film. Ein Jammer.
Auf Basis einer Empfehlung landete der aufgeblasen-arrogante Thriller „The Philosophers“ (2013) auf dem TV-Schirm. Am Abschlusstag ist eine Klasse von Philosophen (die ohne Angabe von Gründen in Indonesien stattfindet, bevölkert von amerikanischen und britischen Schülern) mit einem Gedankenexperiment konfrontiert, welches ihr Professor (James D’Arcy) ihnen aufträgt. Die Welt versinkt im Atomkrieg, und in einem Bunker ist Platz für 10 Personen, doch es sind 21 Studenten. Was spaßig beginnt, versinkt sehr schnell in einem lachhaften und schlecht gespielten „Thriller“ der den Alternativtitel „Philosophie für Dummies“ verdient hätte.

The 1001 Project
Nagisa Oshima ist weltweit vor allem für seine Erotik-Studie „Ai no korida“ (1976) bekannt. Der mit echten Sexszenen versehene Film, um die leidenschaftliche und schließlich zerstörerische Beziehung einer Dienerin mit ihrem Herrn, lebt vor allem von dieser Erwartungshaltung. Als Zuseher muss es vor nunmehr 40 Jahren fast noch mehr rein um die Sexszenen gegangen sein, als heute, da man genau weiß, was einen erwartet. Doch zeichnet „Ai no korida“ nicht nur diese Skandalisieren aus, sondern auch die sehr dicht gezeichnete Beziehung zwischen Dienerin und Herrn. Das Ende wirkt wie eine Steilvorlage für Takashi Miike und sein Filmverständnis.
Sein letzter Film wurde ebenso ein Triumph für Oshima, wenngleich mit weniger Skandalisierung versehen. Das Samurai-Melodram „Gohatto“ (1999) um einen überaus schönen Samurai in Ausbildung, der die Blicke, das Begehren und schließlich auch die Wut seiner Ausbildner und Mitstreiter auf sich zieht, ist eine interessante Erzählung rund um Homoerotik und Macht innerhalb des männlich dominierten Militärs. Spontan fällt mir vor allem Claire Denis‘ „Beau travail“ ein, welches dieses Thema besser erzählte, doch Oshima belässt seinen Film in einer derart träumerischen Atmosphäre, dass man sich einfach hineinfallen lassen kann, und genießen. Beinahe wie in das hübsche Gesicht von Kano (Ryuhei Matsuda).
Raúl Ruiz durfte ich im Rahmen seiner Interview-Tour für den österreichischen Film „Klimt“ interviewen, und sein Film- und Kunstverständnis imponieren mir bis heute. Deshalb war ich auch froh, endlich einmal seine Proust-Adaption „Le temps retrouve“ (1999) zu sehen. Ein Film der ebenso dem Kino Ruiz‘ nahe steht, wie auch dem (von mir bis heute noch nicht gelesenen) Werk Prousts. Eine träumerische Verknüpfung von Erinnerungen, Vor- und Rückblenden sowie Szenen die in der Gegenwart spielen könnten (Proust krank im Bett, der sich an die Vergangenheit erinnert). Ein nicht immer einfach zu verfolgender Film, mit einer Unzahl an Charakteren. Derart vielschichtig, dass mehr als eine Sichtung geradezu zwingend notwendig ist.
William Wylers Südstaaten-Saga „Jezebel“ (1938) lebt vor allem von Bette Davis‘ Ausstrahlung und Können. Ihre Darbietung wurde mit einem Oscar gekrönt und sie ist, neben der ebenfalls Oscar-gekrönten Fay Bainter und dem immer guten Henry Fonda die Hauptattraktion. Überraschend ist dabei jedoch die Darstellung von New Orleans und dem Süden der USA. Keine Sklaven- und Plantagen-Romantik, stattdessen das Porträt einer seinen Eitelkeiten gefangenen Gesellschaft.
Aleksandr Sokurovs träumerische Ode an die Beziehung zwischen Mutter und Sohn – mit dem einfachen aber treffenden Titel „Mat i syn“ (1997) – handelt von einem Sohn, der seine kranke Mutter pflegt. Auf einem Spaziergang durch eine (mittels spezieller Linsen und Spiegel verfremdeter Landschaft) einsame Wald- und Wiesen-Gegend trägt er sie, spricht mit ihr, tauscht sich aus. Im Grunde passiert hier wenig bis gar nichts, doch die träumerische Atmosphäre verleiht Sokurovs Film eine eigene nachhaltige Qualität.
Ich bin kein Martial-Arts-Fan, doch wenn ein Film mit Bruce Lee auf der „1001“-Liste steht, muss das wohl einen Grund haben. „Enter the Dragon“ (1973) von Robert Clouse, ist ein großartiges Produkt seiner Zeit. Lee zeigt all sein Können, seine Agilität und auch sein Charisma. Die Handlung um ein illegales Kampf-Turnier auf einer abgeschiedenen Insel, ist nicht mehr als ein Vorwand, um coole Martial-Arts-Choreografien zu zeigen und diese machen auch enorm viel Spaß.
Hal Hartleys „The Unbelievable Truth“ (1989) gilt als erstes Ausrufezeichen in der interessanten Karriere dieses mir nicht so bekannten Filmemachers, von dem ich bisher nur einen Film gesehen hatte. Das Szenario eines Mörders, der nach seiner Gefängniszeit wieder zurück in seinen Heimatort kommt, wo sich keiner mehr erinnern kann, was er denn so Furchtbares getan habe, ist amüsant, verliert sich aber in einzelnen netten Vignetten. Ein Debütfilm, der Gefühl für die Kleinstadtatmosphäre und einen gewissen morbiden Witz verspricht, aber eben mehr ein Versprechen denn ein kompletter Film ist.
Der zweite Film von Hal Hartley – mit dem Titel „Trust“ (1990) – ist ein wenig zusammenhängender, aber konnte mich dennoch ebenso wenig überzeugen wie sein Debüt. Die Szenen ziehen ohne große Wirkung, Aufbau oder Abschluss an einem vorbei, was man innovativ oder auch einfach nur belanglos finden mag.
Jan Svankmajer ist einer jener Filmemacher, die in den Kreisen der Bildenden Kunst einen sehr hohen Bekanntheitsgrad besitzt, außerhalb jedoch leider viel zu wenig populär ist. Bislang waren mir leider nur seine Kurzfilme bekannt, doch diese bilden das Rückgrat seiner Spielfilm-Meisterwerke. Die Adaption von Lewis Carroll Alice im Wunderland als „Neco z Alenzky“ (1988) ist ein Triumph seiner unverwechselbaren Stop-Motion-Kunst, in der die viel zu oft infantiliiserte Geschichte zu einem ebenso faszinierenden wie auch verstörenden (Alb)Traum wird.
Ein Fixstern unter Cineasten und von mir bislang schmählich viel zu wenig beachtet: Abbas Kiarostami.
Sein semi-dokumentarischer Film „Nema-ye Nazdik“ (1990) ist ein brillanter Essay zu Kunst, Identität und gesellschaftliche Verantwortung. Der arbeitslose Cineast Hossain Sabzian gab sich als der iranische Filmemacher Moshen Makhmalbaf aus. Dies führt bei Kiarostami zu nachgestellten Szenen, Interviews und Interviews mit vertauschten Identitäten. Ein faszinierender Film, der vor allem die Kunst selbst in den Mittelpunkt rückt und dennoch viel über die iranische Gesellschaft auszusagen versteht.

Re-Visited
Ich wollte dem Sci-Fi-Klassiker „Things to Come“ (1936) in seiner „restaurierten“ Fassung – inklusive Texttafeln, die verschollene Szenen beschreiben, noch eine Chance geben, nachdem ich bei der ersten Sichtung nicht realisierte, dass es sich um einen Film der „1001 Project“-Liste handelte. Doch mein Ersteindruck blieb bestehen. Eine fade und teilweise furchtbar platte Sci-Fi-Vision, deren Voraussagen zum Zweiten Weltkrieg zwar beeindruckend erscheinen, aber filmisch wenig hergeben.
Billy Wilders bitterböser Hollywood Noir „Sunset Blvd.“ (1950) ist einer von vielen fantastischen Filmen in der Karriere Wilders, der zwar dessen Witz in sich trägt, aber keineswegs „lustig“ ist. Zwar ist Wilder heute noch vor allem für seine Komödien bekannt, doch zeigt sich in der tragischen Geschichte einer Obsession (Gloria Swanson ist famos als von ihrem Comeback besessene Hollywood-Stummfilm-Diva Norma Desmond) sein ganzes Können für die menschlichen Abgründe. Ein Werk, das die Zeit überdauert hat und heute noch frisch und mitreißend wirkt.
„The Talented Mr. Ripley“ (1999) war zum Zeitpunkt seines Erscheinens vor allem dem Vorwurf ausgesetzt, kein weiteres „The English Patient“ zu sein, und im Vergleich mit „Plein soleil“ nicht mithalten zu können. Beide Filme funktionieren für sich genommen aber sehr gut, und das Darstellerensemble ist bei Minghella großartig. Sein Sinn für die Szenerie macht aus einem tiefgründigen Thriller noch dazu ein Seherlebnis, wenngleich das letzte Filmdrittel in der Qualität nachlässt.
Der Grund, weshalb ich mir „Sunset Blvd.“ und „The Talented Mr. Ripley“ wieder einmal angesehen habe, war die Lektüre des Buches „The Disaster Artist“, in welchem der Einfluss der beiden Filme betont wird. Natürlich musste ich dann auch die Film-Adapation des Buches (2017) von James Franco erneute sichten. Dabei zeigt sich zwar, dass es sich um einen extrem unterhaltsamen und lustigen Film handelt, der aber zu sehr damit beschäftigt ist, die Umstände der Entstehung von „The Room“ als romantisch verbrämtes Chaos zu inszenieren. Gerade deshalb ist dies ein lockerer und toller Film, aber hängt etwa in der Qualität hinter einem Film wie „Ed Wood“ doch eindeutig hinterher.
Der Hass der Rian Johnsons „Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi“ (2018) von Fan-Seite entgegenschlug ist mir bis heute unbegreiflich. Auch bei der erneuten Sicht, ist dies eine ambitionierte und vor allem hinterrotzig-lustige Fortsetzung des nostalgischen Crowd-Pleasers „A Force Awakens“, mit dem das Star Wars-Universum in neue Sphären geführt wurde. Johnson setzt in seiner Arbeit eben nicht auf fortgesetzte Nostalgie, sondern unterläuft diese. Niemals hatte Mark Hamill wohl so viel Spaß mit Luke Skywalker wie in diesem Film, und die Konfrontationen zwischen Snoke, Kylo Ren und Rey sind gerade deshalb so ein Genuss, da sie den Fan-Erwartungen völlig entgegenlaufen. Einzig die „Todesszene“ von Leia und ihr Wiedererwachen haben mich auch diesmal nicht überzeugt. Die Fantasy-Elemente von „Star Wars“ waren immer schon jene, die mich weniger begeisterten.

Serien-Überblick
Die in den 1890er-Jahren in New York angesiedelte Thriller-Serie „The Alienist“, Staffel 1 (2018) basierend auf dem Roman und entwickelt von Caleb Carr, hat schon einmal einen Startvorteil, da Daniel Brühl in der Hauptrolle des Psychologen Laszlo Kreizler einfach fantastisch ist. Die Morde an jungen, männlichen Prositutierten bilden im Grunde auch nur das Gerüst, um Kreizler bei seiner Arbeit zuzusehen und wie sich rund um ihn herum seine MitarbeiterInnen (Luke Evans, Dakota Fanning) weiterentwickeln und wie sich das Leben von Kreizler selbst verändert. Das Mordkomplott und die Korruption innerhalb der New Yorker Polizei (sehr schön personifiziert durch Ted Levine) wirken da manchesmal etwas Spannungsarm. Doch taucht man dank der Charaktere gerne in diese schmutzige Atmosphäre ein.
Die 11. Staffel (2018) der nun doch schon einige Staffeln zu lang laufenden „The Big Bang Theory“ weiß immer noch seine hartgesottene Fangemeinde zu unterhalten, doch sind die Überraschungen schon längst nicht mehr zu erwarten. Die Charaktere entwickeln sich nicht weiter, die Geschichten wirken auserzählt. So gibt es nur noch Detailveränderungen im Comicbuchladen von Stuart, der Ehe und den Kindern von Howard und Bernadette oder den Turbulenzen von Raj. Sheldon und Amy bereiten sich auf ihre Hochzeit vor (was zu einer großartigen letzten Folge führt, dank der Gaststars Wil Wheaton und Mark Hammil) und die Ehe von Leonard und Penny wird gar für einen gelungenen „Nichts entwickelt sich“-Gag genutzt. Doch hat diese Serie, die vormals eine der lustigsten Gag-Maschinen war, sich zu einer Schmunzel-Arena entwickelt.
Die beliebte Doku-Serie „Chef’s Table“ gelangte bei mir erst durch die 4. Staffel (2018) auf den Tisch. Vier Episoden lang werden die verschiedenen Seiten der Süßspeisenzubereitung dokumentiert, und es ist nicht nur interessant, sondern auch spannend, lustig und mitreißend. Eine unerwartete Überraschung, in einem Bereich der Dokumentararbeit, die ich völlig abgeschrieben hatte.
Staffel 1 (2015) zeigt den sich bereits festsetzenden Stil der Serie. Ein Porträt eines prominenten oder innovativen Kochs (Frauen sind hier tatsächlich extrem unterrepräsentiert, was sehr viel über die Geschlechterparität in diesem Bereich aussagt), welches mal mehr oder mal weniger begeistert.
Viel lustiger, aber auch viel blutiger, geht es in der 1. Staffel (2017) von „Happy!“ zu. Die nach einem Comic von Grant Morrison entwickelte Serie, lebt vor allem von der Dynamik zwischen dem einstigen Polizisten und nunmehrigen Auftragskiller Nick (Christopher Meloni) und dem imaginären Freund seiner Tochter: dem blauen Einhorn Happy (perfekt: Patton Oswalt). Die Suche nach der entführten Tochter Haley ist zwar der Hauptstrang, doch verirrt sich die 1. Staffel auch immer wieder in hauptsächlich schrägen Seitenarmen der Handlung (etwa einer Orgie unter der Führung des ominösen Mr. Bug), die dann doch ins Nirgendwo führen. Wenn Nick und Happy sich gegenseitig reizen und anleiten, dann ist dies eine sehr unterhaltsame Serie. An anderen Stellen kann es jedoch sehr nervig und prätentiös wirken.
Die australische dramatische Comedy-Serie „The Letdown“ ist ein frischer und frecher, aber auch manchmal nachdenklicher Blick, auf die Schwierigkeiten denen junge Eltern ausgesetzt sind. Sarah Scheller und Hauptdarstellerin Alison Bell erschufen in der 1. Staffel (2016) eine voller spannender und lustiger Momente gefüllte Serie, die sich vor allem mit den falschen Idealen auseinandersetzt, denen vor allem Mütter ausgesetzt sind.
Als die 2. Staffel (2017) von „Bill Nye Saves the World“ auf Netflix erschien, war ich mir sicher, dass es sich nur um die erste Hälfte der Staffel hielt. Deshalb wartete ich mit meinem Eintrag bis die 2. Hälfte der Staffel zu sehen war. Zu meiner Überraschung war dies nun aber Staffel 3 (2018). Anstatt der 13 Episoden in der 1. Staffel, sind es nun je sechs Episoden. Das Format blieb dasselbe, aber es wurde der Comedyfaktor nicht unbedingt zurückgefahren, sondern verändert. Der Wissenschafter der es verdient hat, wütend zu sein, kann schon mal eine heitere Auflockerung und Bereicherung sein. Hinzu kommt, dass Nye ein toller Gastgeber ist, sich aber vor allem bei seinen Panel-Diskussionen oft zu sehr von einem bestimmten Gast vereinnahmen lässt. Die Show ist auch dezidiert auf ein junges/jugendliches Publikum zugeschnitten, was bei mir immer wieder dazu führte, dass ich geistig abdriftete. Dennoch eine unterhaltsame und einnehmende Wissenschafts-Sketch-Show, deren Comedy-Inhalte zwar nicht immer zünden, aber deren wissenschaftliche Inhalte immer interessant sind.
Die vierteilige Mini-Serie „Robert Kennedy for President“ (2018) von Dawn Porter, erzählt sehr akribisch das Leben und die Karriere des „kleinen Kennedy“ nach, der zunächst im Schatten seiner Brüder stand, nur in dem Moment, in dem er sich selbst und seine Rolle gefunden zu haben schien, ermordet wurde. Dieser vielschichtige Mann, wird durch Zeitzeugen das eine oder andere Mal auf seine Widersprüchlichkeiten heruntergebrochen (Harry Belafonte gibt immer wieder faszinierende Einblicke in die gesellschaftspolitischen Umwälzungen der 1960er-Jahre), doch zu oft herrscht das Gefühl, einer unkritischen Hagiographie zuzusehen. Vor allem seine Zeit als Senator von New York (vor allem in Episode 3) wird kaum kritisch hinterfragt. Das ist schade, denn bis dahin werden die positiven wie negativen Aspekte seines Lebens sehr wohl kritisch beäugt.
So schnell kann es gehen. Nachdem die 10. Staffel (2018) von „Roseanne“ nicht nur eine gelungene Neuauflage des Sitcom-Klassikers rund um Roseanne Barr schaffte, wurde die Serie auch schon wieder abgesetzt. Die neun Episoden waren durchzogen von der Zerrissenheit der US-amerikanischen Gesellschaft, zwischen Trump und Hillary, Rechts und Liberal (links ist in der Serie aber wirklich niemand) und vor allem den guten Absichten von Sara Gilbert (die Darlene spielt und als Produzentin die Neuauflage ins Rollen brachte) und dem öffentlichen Gehabe von Barr selbst. Nach einem rassistischen Tweet zu viel hat Trump-Unterstützerin Barr nicht nur die Serie zerstört, sondern auch ihre Karriere (fürs Erste) geschädigt. Dabei war vieles an der 10. Staffel von „Roseanne“ sehr unterhaltsam und funktionierte, obwohl es gar nicht hätte funktionieren dürfen. Die Charaktere fühlten sich geerdet und ehrlich an, die Konflikte (für eine Sitcom) realitätsnah und wann immer John Goodman mehr Raum bekam, wusste man, weshalb nicht nur diese Serie richtig gut ist, sondern weshalb Goodman einer der ganz Großen unterschätzten US-Darsteller ist. Einige Dinge blieben unklar. So wurden Sohn DJ und seine afro-amerikanische Tochter Mary am Rande belassen und die Trennlinie zwischen der öffentlichen Roseanne und dem Serien-Charakter Roseanne nicht immer klar ausgearbeitet. Deshalb ist diese Serie nun auch nicht mehr wiederzubeleben. Der Jubel über die Serie von rechter und konservativer Seite mag mir nicht gefallen, doch richtete sich diese Serie nicht nur an sie und bespielte nicht nur ihre Vorurteile, sondern brach sie mitunter. Das alles ist nun überschattet.
Steven Soderberghs Mini-Serien-Experiment „Mosaic“ (2018) erschien zuerst als App und ich habe nach Ansicht der sechs Episoden das Gefühl, dass ich beim Erkunden der eigenen Wege auf der App, wohl mehr Spaß an dem Mysterium rund um den Mord an Autorin Olivia Lake (großartig: Sharon Stone) gehabt hätte. So schleppt sich so mancher Handlungsstrang unentschlossen dahin, während Soderbergh in gewohnt kühler und präziser Ästhetik ein Gefühl für die vielen „verlorenen“ Charaktere aufkommen lässt. Keine Thriller-Serie, die am Ende alles zu einem Ende führt, aber die vielen (losen) Enden hätten mich bei einer App-Konsumation wohl besser zufrieden gestellt.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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