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Im Kino kam es diesmal zu vor allem überraschenden Filmerlebnissen. Sowohl der neue Film von Gus Van Sant, als auch die RomCom „Crazy Rich Asians“ als auch die Doku „Zu ebener Erde“, hatte ich überhaupt nicht auf meinem Filmradar. Sehr wohl im Visier hatte ich die Vielzahl an „1001 Movies“, die ich in diesem Monat, zum Teil, durcharbeitete. Gekrönt wurde das Monat aber vor allem von zwei Serien: der spät nachgeholten 1. Staffel von „The Deuce“ und der neuesten Staffel von „BoJack Horseman“.

Neuzugänge
Gus Van Sant wagt sich mit dem Biopic „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ (2018) wieder zurück zu seinem bewähren Erfolgsmuster, welches er schon in Hits wie „Good Will Hunting“ oder „Milk“ gezeigt hat. Die Lebens- und Leidensgeschichte des nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselten Cartoonisten und schweren Alkoholikers John Callahan (famos wie immer, aber nicht so intensiv bei der Darstellung eines Alkoholikers wie in „The Master“: Joaquin Phoenix) ist kritisch genug, was die Sucht von Callahan angeht, und zeigt seinen schweren Weg mit der Sucht und der Behinderung umzugehen. Doch Van Sant ist viel zu unkritisch was die geradezu Sektenartig organisierten AA-Treffen (geleitet von einem unglaublich gut aufspielenden Jonah Hill) angeht und auch belässt er die Nebencharaktere als reine Stichwortgeber. Ganz dramatisch fällt dies bei der von Rooney Mara dargestellten Freundin Callahans auf.
Der Überraschungshit dieses Jahres aus den USA ist die in Singapur spielende Romantikkomödie „Crazy Rich Asians“ (2018). Rachel (Constance Wu), Tochter einer chinesischen Einwanderin, hat in New York den charmanten Nick (Henry Golding) kennen und lieben gelernt. Nun will er sie bie einer Hochzeit seiner Familie vorstellen. Was sie nicht ahnt, ist dass Nicks Familie zum „alten Geldadel“ von Singapur gehört, was zu irrwitzig dekadenten Settings und Verwirrungen führt. Keiner der Charaktere ist wirklich zugänglich oder sympathisch, aber Jon M. Chu inszeniert mit sehr viel Witz und lässt die recht simple zwei Stunden lange Komödie regelrecht vorbei fliegen.
Die Dokumentation „Zu ebener Erde“ (2018) vom Trio Birgit Bergmann, Steffi Franz und Oliver Werani, ist ein sehr mitfühlendes Portrait von Menschen, die auf der Straße oder in betreuten Wohneinrichtungen leben. Dabei verfließen die Grenzen zwischen Obdach- und Wohnungslosigkeit und im Fall einer dargestellten Frau, kann man auch vom Aussteigertum ausgehen. Was der engagierten Doku aber fehlt, ist ein wenig komplexer Hintergrund. Während die Personen großartige ins Zentrum gerückt werden, verschwimmen die Institutionen an die sie sich wenden, völlig, und dies obwohl jeder einen anderen Weg einschlägt. Dies klar darzulegen, hat ein wenig gefehlt.

Mit ganz viel Sinn für Melodramatik und auf ein leicht Bibliophiles Publikum ausgerichtet, ist die Romanze „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ (2018) von Mike Newell vor allem die Geschichte einer erfolgreichen jungen Frau, die sich aus den Zwängen einer vorgegebenen Karriere und Ehe befreien will, und die Möglichkeit bei einem eigenwilligen Buchclub auf der britischen Insel Guernsey findet. Die Insel war im Zweiten Weltkrieg von den Nazis besetzt und aus einer Notlüge heraus, gründeten fünf Inselbewohner den Buchclub. Vermischt wird hier WW2 mit Bücherwissen (welches aber sich vor allem auf Jane Austen und die Bronte-Schwestern beschränkt) und zwei „unmöglichen“ Liebschaften. Kompetent gespielt (neben Lily James sind viele bekannte britische Fernseh-Gesichter zu sehen) und schön fotografiert, aber insgesamt doch ein wenig oberflächlich.
Nach Jahren kam ich nun doch auch dazu, mir den Disney-Megahit „Frozen“ (2013) anzusehen. Was wurde dieser Film nicht für seine Darstellung der weiblichen Perspektive gelobt, den Verzicht auf den männlichen Retter (was genau genommen gar nicht stimmt, aber egal) und natürlich der Song „Let it Go“. Zu sehen bekam ich dann einen innerlich und äußerlich kühlen und kühl kalkulierten Animationsfilm, der alle Klischees der Disney-Historie abarbeitet, und mit dem finalen Akt der schwesterlichen Aufopferung, offenbar der Meinung ist, alle Konventionen durchbrochen zu haben. Stattdessen war mir „Frozen“ zu kalt, zu langatmig und die Songs zu banal. Dann doch lieber „Tangled“.
Nachdem Spike Lee mit „BlacKkKlansman“ einen unerwarteten Kinohit vorlegen konnte, war es wieder mal an der Zeit einen noch nicht gesehen Film aus seinem reichhaltigen Oeuvre zu sichten. Der Blick fiel dabei auf die autobiografisch gefärbte Familien-Komödie „Crooklyn“ (1994), welches das Leben der Familie Lee bzw. einer fiktionalisierten Version im Brooklyn der 1970er-Jahre porträtiert. Alfre Woodard und Delroy Lindo überzeugen als in Eheprobleme verstrickte Eltern, und man merkt den Einfluss von Lees Schwester Joie, da sich die Handlung mit Fortdauer immer mehr zu einem Mutter-Tochter-Drama hin entwickelt. Das tut dem Film im dritten Akt vor allem deshalb gut, da er bis dahin im Grunde eine etwas zusammenhanglose Sammlung von Anekdoten ist. Ein sehr unterhaltsamer und herzlicher Film, voller lauter Dialogduelle und kindlicher Energie.
Der Dokumentarfilm „Finding Vivian Maier“ (2013) behandelt die unwahrscheinliche Berühmtheit des Kindermädchens/Haushälterin/Erzieherin Vivian Maier, deren Fotografien nach ihrem Tod von John Maloof (der den Film gemeinsam mit Charlie Siskel drehte) ersteigert und veröffentlicht wurden. Die Arbeiten von Maier sind beeindruckend, doch ebenso interessant ist das Leben dieser verschlossenen Frau. Nur ganz selten gelingt es Maloof und Siskel von ihrer Heldenverehrung abzulassen, und die Person Maier etwas zu hinterfragen. Vor allem bleibt auch der schale Nachgeschmack, dass hier das Werk eines Menschen ausgeschlachtet wird, der sich um größtmögliche Privatheit bemühte. Die Welt kann sich glücklich schätzen, dass die Fotografien entdeckt wurden, doch die moralische Grauzone der Ermittlung rund um ihr Leben, bleibt ein wenig unausgesprochen.
Keanu Reeves und Winona Ryder wieder mal gemeinsam in einem Film zu sehen, ist Grund genug um sich die Romantik-Komödie „Destination Wedding“ (2018) anzusehen. Die Geschichte von zwei Narzissten, die sich auf einer Hochzeit mitten im Nirgendwo einfinden, ist von Regisseur/Autor Victor Levin rein aus der Perspektive der zwei selbstbezogenen Charaktere erzählt, und lebt dennoch rein vom Charisma und Charme der beiden gut aufgelegten Hauptdarsteller. Vor allem Keanu Reeves erscheint mittlerweile in einer Phase seiner Karriere, in welcher er Qualitätszuschreibungen zu seinen Darstellungen längst drübersteht.
Der Tod von Burt Reynolds führte dazu, dass ich früher als gedacht, eine seiner letzten Hauptrollen sichtete. In der leichtgewichtigen Komödie „The Last Movie Star“ (2017) spielt Reynolds die nur ganz leicht fiktionale Version seiner Selbst, mit dem Namen Vic Edwards. Als ausgebrannter Superstar der 1970er, sitzt er jetzt einsam und verlassen herum, betrauert den Verlust seines Hundes und nimmt die Einladung zu einem merkwürdigen Nashville Film Festival an, welches ihn für sein Lebenswerk ehren will. Vor Ort trifft er auf jugendliche Filmenthusiasten und beginnt seine Lebens- und Karrierewege zu hinterfragen. Es ist schamlos sentimental und ruht rein auf Reynolds‘ Schultern, doch der alt gewordene Star einer vergangenen Ära, ist dabei so vielschichtig und wahrhaftig, wie sonst nur in „Boogie Nights“. Ein großer Darsteller in einem kleinen und schönen Film.
Das Dokumentar-Duo Ken Burns und Lynn Novick hat sich im amerikanischen Film- und Fernsehbereich einen exzellenten Ruf als Chronisten der Geschichte und des Lebens der USA gemacht. Ihre in drei Teilen präsentierte „Prohibition“ (2011) ist ein ebenso detail- wie facettenreiches Porträt eines Landes, welches sich von wenigen motivierten Vertretern einer Minderheitenidee verführen lässt, um ein reales Problem (den um sich greifenden Alkoholmissbrauch) zu bekämpfen. Die Prohibition ist schließlich auch der Grund für den Aufstieg so unterschiedlicher Gangster wie Al Capone oder Meyer Lansky. Burns und Novick zeigen aber auch, wie sich Politiker und Anwälte arrangierten oder im Glauben an das Gesetz kämpften. Eine fantastische Arbeit, die mich erst recht angestachelt hat, noch weitere Dokumentationen des Duos zu sehen.
Jahrelang habe ich einen Bogen um die Romantikkomödie „Crazy, Stupid, Love.“ (2011) gemacht. Vor allem da mir die Aussicht auf Ryan Gosling als Womanizer eher Sorge bereitete. Doch jetzt bin ich froh, endlich wieder eine gut gemachte romantische Komödie gesehen zu haben. Als Cal (Steve Carrell) und Emily (Julianne Moore) sich überraschend trennen, trifft Cal in einer Bar auf den selbstbewussten Aufreiß-König Jacob (Gosling), der sich Cal annimmt und ihn zu einem Frauenmagneten ummodeln will. Zugleich ist Jacob selbst an der Eroberung der angehenden Anwältin Hannah (Emma Stone) interessiert. Es ist ein ebenso herzlicher wie amüsanter Film, in dem am Ende die „Familienwerte“ siegen, aber auch wenn es im Kern sehr konservativ zugeht, ist der Weg dorthin einfach toll anzusehen. Das Ensemble (noch ergänzt um Gastauftritte von Marisa Tomei, Kevin Bacon und John Carroll Lynch) erhebt eine leichtgewichtige Story zu einem Genre-Highlight.
Basierend auf seinem eigenen Roman adaptierte Ian McEwan „The Children Act“ (2017), und heraus kam eine merkwürdig schwach ausbalancierte Geschichte zu Recht und Moral. Emma Thompson glänzt als Richterin, die sich vor allem mit Fragen familiärer Streitigkeiten oder medizinischer Behandlungen auseinandersetzen muss. Der Fall eines 17 Jahre alten Zeugen Jehovas, der eine Bluttransfusion verweigert, stürzt sie tief in eine Krise, gerade als ihr Mann (solide wie immer: Stanley Tucci) ihr verkündet, keine lieblose Ehe mehr leben zu wollen. Es wäre viel möglich gewesen, doch wird Thompsons Richterin in viel zu melodramatische Wirren gestürzt, was den interessanten moralischen Kern der Geschichte schwächt.
Die vom dänischen Filmemacher Nicolas Winding Refn betriebene Gratis-Streaming-Seite bynwr.com ist ein kurioser Sammelpunkt für verschollen geglaubte und nie gekannte Low Budget und B-Movies. Der erste Film in der immer in drei Filme (und viel Zusatzmaterial) unterteilte Volumes, ist die in Florida angesiedelte Horror-Story „The Nest of the Cuckoo Birds“ (1965). Bert Williams als Star, Autor, Produzent und Regisseur ist als Polizist auf der Jagd nach Schnapsschmugglern und landet mitten im Sumpf von Florida in einem herunter gekommenen Motel, in dem ein merkwürdiges altes Paar das Sagen hat. Es ist eine Billigproduktion mit merkwürdigen Twists, inzestuösen Verwirrungen und einer stellenweise etwas zu langatmigen Inszenierung, doch hat dieser Streifen überraschend viel Charme unter all seinen Unzulänglichkeiten zu bieten.
Der zweite Film war die nur durch Softcore-Erotik und Gogo-Dance-Einlagen zusammengehaltene Räuberpistole „Hot Thrills and Warm Chills“ (1967), rund um drei Frauen, die einen großen Coup planen. Der Film ist so aufreizend Inhaltsfrei, dass man davon ausgehen muss, dass er für irgendein Porno-Kino gedreht wurde.
Im Gegensatz dazu ist „Shanty Tramp“ (1967) geradezu überambitioniert. Emily (Eleanor Vaill) lebt ein sehr freizügiges Leben, doch als sie die Avancen eines fahrenden Priesters ablehnt, löst dieser einen Sturm auf sie und ihre Beziehung mit dem jungen schwarzen Daniel (Lewis Galen) aus. Die moralische Biegsamkeit aller Beteiligter, denn Emily behauptet schließlich von Daniel mißhandelt worden zu sein, nur um dann zu Hause von ihrem Vater mißbraucht zu werden, ist das Zentrum von „Shanty Tramp“. Eine Welt in der alle Menschen aus niederen Motiven agieren. Ein Exploitation-Film, der Mitleidlos auf die Welt blickt.
Die Fortsetzung zu „Sicario“ mit dem Titel „Sicario: Day of the Soldado“ (2018) existiert nur aus zwei Gründen. Darstellung von Gewalt und Benicio del Toro. Während im ersten Film Denis Villeneuve die etwas altbackene Cartel-Geschichte um neue stilistische Facetten erweitern konnte, und er mit Emily Blunt, Josh Brolin und del Toro famose Darsteller zur Hand hatte, zeigt sich die von Stefano Sollima inszenierte Fortsetzung als recht zynische Angelegenheit. Terroranschläge lösen Gewaltakte gegen Drogenkartelle aus, die zu Gegenschlägen führen. Mittendrin zeigen del Toro und Brolin routiniert ihr Können, doch langweilen die gebotenen Vorgänge und stumpft die Gewalt ab.
Jakob M. Erwa gehört zu einer Riege junger heimischer Regisseure, deren neueste Filme ich immer mit Spannung erwarte. Deshalb war ich von seinem an Xavier Dolan angelehnten Liebesfilm „Die Mitte der Welt“ (2016) umso enttäuschter. Platte und unsympathische Charaktere in einer überstilisierten Inszenierung, die dennoch merkwürdig bieder wirkt.
Die Komödie „A New Leaf“ (1971) markierte das Regiedebüt von Schauspielerin und Autorin Elaine May. In ihrer sehr an Woody Allen erinnernde Romanze wider Willen, brilliert Walter Matthau als Playboy, der sein Vermögen verschleudert hat und auf Anraten seines Butlers nun zwischen Selbstmord und Ehe mit einer reichen Frau wählen muss. Elaine May ist die verschrobene reiche Frau, die von einer botanischen Errungenschaft träumt, um unsterblich zu werden. Die Charaktere sind sehr bissige Karikaturen, die Dialoge fein vorgetragen, doch der knapp zwei Stunden lange Film leidet unter einigen weniger gut ausgearbeiteten Neben-Plots und ihren entsprechend weniger gut ausgearbeiteten Charakteren. Eine feine Entdeckung, aber mit Verbesserungspotential.
Der für mich beste Film in der leider vorzeitig abgebrochenen Regie-Karriere von Elaine May, ist die mit Humor durchtränkte Geschichte einer verzwickten Männerfreundschaft: „Mikey and Nicky“ (1976). John Cassavetes spielt den Kleinkriminellen Nicky, der einen Mordauftrag der Mafia fürchtet, nachdem er Geld gestohlen hat. Sein bester Freund Mikey (Peter Falk) soll ihm aus der Patsche helfen, doch die nächtliche Odyssee zerrüttet nicht nur ihre Freundschaft sondern mehrere Beziehungen in ihrem Umfeld. Hier kommen Mays böser Sinn für Humor und ihr Gespür für Zwischenmenschliches hervorragend zur Geltung. Getragen von zwei faszinierenden Darstellern, ist dies ein leider kaum gekanntes Juwel.
Die Dokumentation „Bayang Ina Mo“ (2017) porträtiert das Treiben auf der größten Geburtenstation in Manila. Ein eindringlicher aber auch etwas zu kurz geratener Einblick in das Leben der ärmeren Menschen der Philippinen und sowohl ihren Zugang zu Schwangerschaft wie auch zu Mutterschaft.
Und dann war da noch „Ishtar“ (1987). Der Film, von dem ich schon so viel gelesen hatte. Der legendäre Flop mit Warren Beatty und Dustin Hoffman, als Möchtegern-Sänger, die auf unklaren Wegen inmitten einer Revolution in Nordafrika landen. Es ist nicht so furchtbar schlecht, wie befürchtet, doch vor allem ist es langweilig. „Ishtar“ hat wenige Momente, in denen das Duo Beatty/Hoffman ganz in seiner Dumpfheit aufgeht, doch bleibt unklar, weshalb man den beiden Helden wider Willen überhaupt zusehen soll.
Der Trailer für die Viennale 2018 wurde diesmal von Lav Diaz erstellt. In „The Boy Who Chose the Earth“ (2018) behält er in den knapp zwei Minuten seinen typisch elegischen schwarzweiß-Stil bei, was aber gerade bei dieser kurzen Abfolge von Momenten völlig gegen die für Diaz so typischen Stilmittel läuft. Ein schöner, aber ein wenig schaler Trailer.

The 1001 Project
Fünf Ingmar-Bergman-Filme am Stück, und damit auch die letzten Arbeiten, mit der er in der „1001 Liste“ vertreten ist gesichtet. Das war vor allem ein Auf und Ab der Emotionen. Zunächst überzeugte mich „Nattvardsgästerna“ (1963) mit seiner strikten und sehr konzentrierten Darstellung eines Priesters in der Sinnkrise. Die Einflüsse, die Bergmans Arbeit auf den von mir so hoch geschätzten „First Reformed“ von Paul Schrader hat, sind nicht zu übersehen. Klar und deutlich ist aber Bergmans Ziel zu erkennen, eine Auseinandersetzung mit Glaubensfragen anzustoßen, während Schrader mehr am Typus des einsamen Kämpfers (wenngleich auch mit sich selbst) interessiert war.
Weniger begeistern konnte mich dann jedoch „Sommarnattens Leende“ (1955), der von Woody Allen als Sommernachts-Sexkomödie adaptiert wurde und in vielen verschiedenen Versionen auf Leinwänden und Theaterbühnen auftaucht. Die Irrungen und Wirrungen beim Partnertausch unterstreicht Bergman mit manch sarkastischem Dialog, doch konnte ich mit der Handlung (wie schon bei Woody Allens Version) eher wenig anfangen.
Sehr intensiv war dann wieder „Sasom i en Spegel“ (1961), in welchem sich Bergman mit der Hilfe geradezu hypnotischer Bilder mit Geisteskrankheit und der familiären Akzeptanz dieser auseinandersetzt. Harriet Andersson gibt hier ihre wohl beste Leistung, wenn sie nach anfänglichem Optimismus immer tiefer in Visionen und Wahnsinn verfällt.
Auch eine Form von Geisteskrankheit stellt der Krieg in „Skammen“ (1968) dar, der zunächst von einem Ehepaar (Liv Ullman und Max von Sydow) ignoriert wird und dann mit aller Gewalt ihr Leben bestimmt. Bergman ist hier in seiner wütendsten Form zu sehen. Die Bombeneinschläge und Erschießungskommandos sind inspiriert von den Aufnahmen des Vietnam-Kriegs und das Ehepaar dient ihm als Symbol für die zerstörerische Kraft des Krieges. Das ist alles derart hoffnungslos und tragisch, dass man kaum hinsehen kann, und sich schließlich emotional abschottet.
Ebenfalls voller Wut, Trauer und Angst ist der wunderschöne „Viskningar och Rop“ (1972), in dem Agnes (Harriet Anderson) langsam an Krebs stirbt und ihre Schwestern um sie herum wandern und im Grunde nur auf ihr Ableben warten. In dem Landsitz, in dem das Geschehen spielt, lässt Bergman die Wände zum Teil der Handlung werden, und die rote Farbe als dramatisches Element einfließen.
Auf die Filme von Ingmar Bergman, folgten dann die Filme von Luis Bunuel. Wie bei Bergman, waren mir einige Filme von Bunuel bekannt, doch während ich bei Bergman mich bereits ein wenig in seine Filmografie und sein Leben eingearbeitet hatte, blieb mir Bunuel immer ein wenig fremd. Das änderte sich auch nicht durch die vier gesichteten Werke. Zunächst sein einzig ganz auf Englisch produzierter satirischer Thriller „La joven“ (1960), in dem Rassismus und sexuelle Begierde thematisiert werden. Der knapp 90 Minuten lange Film pendelt zwischen den beiden Männern und der jungen Frau im Zentrum hin und her, und endet schließlich mit der Zurschaustellung weißen Rassenhasses. Bunuel bleibt dabei aber erstaunlich unnahbar, und die Charaktere allesamt unzugänglich und unsympathisch.
Etwas interessanter, wenngleich nicht unbedingt mit sympathischeren Charakteren versehen, war „Tristana“ (1970) mit Catherine Deneuve als Mündel und späterer Ehefrau von Don Lope (Fernando Rey). Vor allem die vielen strikten Moral- und Gesellschaftsvorstellungen von Don Lope (über seine Ablehnung der Katholischen Kirche bis hin zum Verhalten einer Frau) stehen im Zentrum, doch es ist die von Deneuve gespielte Tristana, die sich trotz der Verstrickungen mit ihrem Vormund, der verunmöglichten Liebe zu einem anderen Mann und einer Krebserkrankung als Heldin entpuppt. Bunuel ist bei seinem Plädoyer für die Rechte der Frau aber alles andere als subtil und so mancher Dialogfetzen, den er am Rande einwebt, ist alles andere als gelungen. Das nicht unähnliche „Viridiana“ ist in dieser Hinsicht viel gelungener.
Der am italienischen Neo-Realismus orientierte Dokumentar-Spielfilm „Los Olvidados“ (1950) ist das Gegenstück zu den reichlich surrealen Erkundungen bürgerlicher Existenzen, und bietet einen schmerzhaft-realistischen Blick auf die Slums und ihre Bewohner in Mexiko City. Auch wenn Bunuel nicht ganz an vergleichbare Arbeiten aus Italien rankommt, ist dies ein großer und wichtiger Film.
Der letzte Film in meiner Bunuel-Reihe war sein immens erfolgreicher und auch Oscar-gekrönter „Le Charme Discret de la Bourgeoisie“ (1972). Die gesellschaftskritische Farce, die sich um eine Dinner-Gesellschaft dreht, die immer wieder zum Abendessen zusammenfindet, aber niemals zum Essen kommt (unterbrochen durch eine nicht abgeholte Leiche im Nebenraum, eine Militärübung, einen Mord) ist extrem komisch, aber auch zutiefst politisch. Die von Bunuel vorgeführten feinen Herren und Damen sind Würden- und Entscheidungsträger und verhalten sich in den Traumsequenzen, die den Film durchziehen, arrogant und ungehobelt, barbarisch und hinterhältig. Ein feiner absurder Klassiker.
Das britische Filmemacherduo Michael Powell und Emeric Pressburger hat mit ihren „Archers“-Filmen die britische Filmlandschaft geprägt, doch trotz vieler Artikel und Essays die deren Werk bewunderten, hatte ich noch recht wenig von ihnen gesehen. Die Romanze „I Know Where I’m Going!“ (1945) bestätigte meine erste Befürchtung. Im Gegensatz zum träumerischen „A Matter of Life and Death“ und dem wild-satirischen „The Life and Death of Colonel Blimp“, ist „I Know Where I’m Going!“ eine zutiefst bieder und melodramatische Romanze um eine junge Frau, die sich auf den Weg macht um einen reichen Industriemagnaten zu heiraten, und schließlich auf einer schottischen Insel einen bodenständigen und kernigen Mann kennen und lieben lernt. 1945 womöglich noch eine unterhaltsame Formel, aber heute hat dieser Film sehr viel Staub angesetzt.
Sehr gespalten war ich auch bei „Black Narcissus“ (1947), in welchem mit famosem Technicolor Deborah Kerr als Nonne ihr bestes gibt, um in einem Kloster im Himalaya-Gebirge, den Glauben zu verbreiten. Dass die Nonnen einem kernigen und bodenständigen Mann (David Farrar) hinterher schmachten, wirkt reichlich bizarr, doch ist „Black Narcissus“ ein großartiges visuelles Werk und die Darbietung von Kerr ist so gut, dass man die nichtssagenden oder nervenden Nebencharaktere glatt vergisst.
Zum Abschluss der Powell & Pressburger-Reihe, gab es mit dem Ballett-Film „The Red Shoes“ (1948) ihr bekanntestes Werk und es ist ein visuelles Fest. Die „A Star is Born“-Variation in der Ballett-Welt konnte mich aber inhaltlich ganz und gar nicht überzeugen. Die Intrigen und melodramatischen Volten in der Handlung fesselten mich gar nicht, während die knapp 15 Minuten lange Tanzaufführung den emotionalen und künstlerischen Kern des Films zeigt. Ein Film, der den Hype seinen Tanz- und Technikleistungen verdankt.
Der japanische Kultfilm „Tampopo“ (1985) um eine Rhamen-Köchin, auf der Suche nach dem perfekten Rezept, ist ein wilder Szenenreigen, der stellenweise kaum zusammenhängen zu scheint, und gerade deshalb begeistern kann. Seinem japanischen Publikum so zugewandt, dass man als dieser Kultur Fremder sicher hunderte Anspielungen nicht verstanden hat, und gerade deshalb fasziniert darin eintaucht.
Für seinen experimentellen „Caravaggio“ (1986) erhielt der früh verstorbene Derek Jarman viel Lob und darf sich heute noch als Vorreiter gefeiert. Der mit vielen prominenten britischen Akteuren (darunter Tilda Swinton und Sean Bean in ihren Debutrollen) besetzte Film, ist mir aber zu verkopft erschienen. Die Biografie Caravaggios (Nigel Terry) wird in unchronologisch ablaufenden Sequenzen erzählt, eine Menage-a-trois eingeworfen und das historische Setting relativ wahllos um moderne Gegenstände erweitert. Womöglich ein Film für Kunsthistoriker, doch für einen Zuseher ohne tiefere Kenntnis zum Thema, ein recht langweiliges Schauspiel in wunderschönen Szenenbildern.
Weniger wie ein Film und mehr wie ein Trip erschien mir der als einer der einflussreichsten afrikanischen Filme angesehene „Yeelen“ (1987). Souleymane Cissé erzählt in der Wildnis von Mali eine Volkssage, die vor Magie und Schöpfungsmythen nur so strotzt. Von jungen Männern mit magischen Kräften und Stammesältesten mit fremdartig wirkenden Ritualen. Die Handlung wird von Cissé offenbar sehr wörtlich genommen und so reihen sich Ereignisse aneinander, deren Sinn sich zunächst kaum zu erkennen gibt. Als Schöpfungsgeschichte ist „Yeelen“ (übersetzt: Das Licht) eine faszinierende Reise in eine mir bis dahin unbekannte kulturelle Welt.
Die großartige Agnès Varda hat eine ganze Reihe an einflussreichen Filmen gedreht und der erste Markstein ist „Cléo de cinq à sept“ (1962), in dem sie Cléo (Corinne Marchand) durch Paris begleitet, während sie auf eine Diagnose wartet, und sich mit einer drohenden tödlichen Krankheit auseinander setzt. Varda zeigt das Paris der 1960er auf sehr direkte Art und Weise, und lässt ihre Charaktere nur oberflächlich betrachtet Planlos durch die Stadt wandern, erstellt dabei aber ein Porträt der Stadt. Da mir als Nicht-Franzose einige Bezüge (etwa zu Algerien) erst nach der Lektüre von Zusatzmaterial wirklich klar erscheinen, ist Vardas erster großer Erfolg nicht ganz so zugänglich für mich wie erhofft.
Jacques Tatis legendärer Flop „PlayTime“ (1967) ist auch ein ebenso beeindruckendes Meisterwerk, in dem die Suche nach einer Handlung oder Charakteren völlig sinnlos ist. Die für den Film erbaute Stadt Tativille ist der wirkliche Star, eine Vision einer Zukunft, die bereits Ende der 1960er ein klein wenig verstaubt wirkte, und dennoch heute noch fasziniert. Nicht da die Automatisierung so radikal wäre (derartige Ideen hatten schon Stummfilmmacher), sondern da Tati mit aller Konsequenz das Publikum völlig in diese Stadt hinein fallen und die Stadt erfahren lässt.
Der einzige Film der sträflich unterschätzten Elaine May, der es in die „1001“-Liste schaffte, ist ausgerechnet der mich weniger ansprechende Klamauk „The Heartbreak Kid“ (1972). Charles Grodin spielt sehr überzeugend einen kürzlich vermählten Mann, der am ersten Tag seiner Flitterwochen die Liebe seines Lebens (Cibyll Shepherd) kennenlernt. Auch wenn May wieder ihren bitterbösen Sinn für Humor zeigt, so lagen mir die Charaktere doch weniger am Herzen und ich sah dem Treiben mit etwas Desinteresse zu.
Der letzte in der 1001 Movies-Liste verbliebene Film, ist zugleich sein erfolgreichster. „Mon Oncle“ (1958) gewann einen Oscar als Bester Fremdsprachiger Film und gilt als der Höhepunkt von Jacques Tatis Vermengung der Person des Monsieur Hulot und seiner Gesellschaftssatire. Für mich war genau diese Mischung ein kaum einnehmender Zwiespalt. War bei Monsieur Hulots Ferienfilm eine geradezu Stummfilmartige Kreativität mit viel Humor am Werk, so bestach „PlayTime“ mit Gesellschaftskritik, die zugleich eine geradezu futuristische Fantasiewelt erschuf. „Mon Oncle“ versucht sich an beiden und ist stellenweise hoch interessant, aber konnte mich nie wirklich berühren.
Fritz Lang ist nicht unbedingt für seine in den USA entstandenen Filme berühmt, dennoch gibt es den einen oder anderen Film, der es in den Filmkanon geschafft hat. Bei dem sehr ansehnlichen, aber gegenüber sehr ähnlich gelagerten Werken von Alfred Hitchcock „Secret Beyond the Door“ (1947) vermutet eine von Joan Bennett dargestellte Frau, nach ihrer Hochzeit, dass ihr Mann sie töten will. Eine Mischung aus „Rebecca“ und „Suspicion“, vor dem Absturz ins Belanglose vor allem durch tolle Kameraarbeit und Bennetts Darbietung gerettet.
Überraschend ein weiteres Mal begegnete mir Joan Bennett in Max Ophüls‘ „The Reckless Moment“ (1949). Hier ist sie eine Mutter, die der Beziehung zwischen ihrer 17 Jahre alten Tochter und einem viel älteren Mann einen Riegel vorschieben will. Als der Mann nach einer Aussprache mit der Tochter zu Tode kommt, versucht die von Bennett gespielte Mutter alles um ihre Familie zu schützen. Verkompliziert wird dies durch die Erpressungsversuche eines von James Mason gespielten Gauners. Die Charakternamen sind wirklich unwichtig, denn Ophüls zeigt hier Archetypen des Film Noir und erinnert mit seinem unterhaltsamen, wenngleich nicht völlig überzeugenden Thriller, einen an „Mildred Pierce“ gemahnenden Streifen. Doch das Zusammenspiel von Ophüls sehr europäischem Filmverständnis und dem amerikanischen Starkino inmitten eines düsteren und untypisch auf die Frau zugeschnittenen Noir, macht ungemein viel Spaß.

Re-Visited
Die Dokumentation „The True Cost“ (2015) landete eher zufällig wieder am Fernsehschirm. Andrew Morgans Plädoyer für nachhaltige Mode und bessere Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter, vor allem in Bangladesch, ist ein ernst gemeinter, aber doch etwas einseitiger Aufschrei.
„Smokey and the Bandit“ (1977) musste zum Ableben von Burt Reynolds einfach wieder gesichtet werden. Eine Auto-Action-Komödie, die zu meinen ersten Filmerinnerungen zählt, und die bereits in den 1980ern recht eindimensional auf mich als Kind wirkte. Dennoch machte der Film Spaß und man konnte sich dem Charme von Reynolds nur schwer entziehen. Die Stunts sind ansehnlich und Jackie Gleason ist als Sherrif ein einziger Spaß, in seiner überdrehten Darbietung.
Das famose Melodram „The Way We Were“ (1973) zeigt Barbra Streisand in Höchstform (weshalb sie auch für den Oscar nominiert wurde) und Regisseur Sydney Pollack bei dem Versuch, Gesellschaftskritik mit einer traurigen Liebesgeschichte zu verbinden. Die Anti-Kommunisten-Umtriebe zeigen sich hier anhand der Hochs und Tiefs der Liebesgeschichte von Aktivistin Katie (Streisand) und Autor Hubbell (Robert Redford). Es ist nicht immer subtil und der Einsatz des Titelsongs würde heute so kaum noch akzeptiert werden, doch funktioniert der Film aufgrund der so starken Einzelaspekte, auch wenn es stellenweise schamlos auf die Tränendrüse drückt.
Zwei Jahre nachdem ich im Kino nicht ganz dem überschäumenden Lob für „Arrival“ (2016) folgen konnte, bin ich bei der Sichtung zu Hause viel positiver gestimmt. Denis Villeneuve hat sehr viel Stilwillen eingesetzt, um eine optisch imposant erzählte Geschichte über den Erstkontakt zu erzählen. Doch darunter verbirgt sich ein komplexer Film über Kommunikation, Moral und Trauer. Amy Adams ist als Linguistik-Expertin fantastisch und der ruhig sich entwickelnde Film, folgt zwar Genre-Erwartungen in gewissen Aspekten (die feindselige Haltung gegenüber den Aliens, die militärische Kurzsicht), aber bleibt immer seiner eigenen Geschichte selbstbewusst genug verhaftet.
Die Stummfilmversion von „Hamlet“ (1921) mit Asta Nielsen in der Rolle des dänischen Prinzen, ist eine faszinierende Variation, in der Hamlet eine Frau ist, die als Mann leben muss. Die dadurch neu definierten Konflikte mit Ophelia und Laertes sind großartig, das Spiel von Nielsen ein Muss für jeden Filmfan, doch die Inszenierung verlässt sich ein wenig zu sehr auf die Strahkraft seines Stars und die Kraft der Idee. Das genügt für einen guten Film, aber es hätte großartig werden sollen, werden müssen.

Serien-Überblick
Immer wieder und wieder wird „Tom Clancy’s Jack Ryan“ neu aufgelegt. Diesmal in Form einer Serie für Amazon, wo die 1. Staffel (2018) mit viel Werbung angekündigt wurde. Geboten wird mit John Krasinski der nächste All-American-Hero-Darsteller, der verfügbar war und Krasinski macht eine bessere Figur als Ben Affleck oder Chris Pine vor ihm. Dies wohl auch, da er acht Folgen lang Zeit hat, um sein Heldentum zu beweisen. Sein Charakter bleibt aber trotz allem ein Mysterium, selbst über seinen Vorgesetzten – den zur Strafe versetzten James Greer (Wendell Pierce) – meint man mehr zu wissen. Interessanter ist dann auch die Geschichte von Hanin (Dinan Shihabi), die mit ihren Kindern vor ihrem Mann – dem im Zentrum der Staffel stehenden Terroristen Suleiman (Ali Suliman) – und dessen diabolischen Plänen flüchten will. Es ist 08/15-Agentenaction mit einer Handlung, die man etwa in jeder „Homeland“-Staffel besser und komplexer umgesetzt serviert bekommen hat.
Die indische Mini-Serie „Ghoul“ (2018) unter der Regie von Patrick Graham, war als Horrorfilm geplant, wurde aber schließlich in drei 45-Minuten-Episoden zerteilt. Damit ist der gesamte Reiz dieses Projekts, um ein totalitäres Indien in der nahen Zukunft und eine Zombie-artige Gefahr im Militärkomplex auch schon erzählt. Ansonsten ein aufreizend langweiliges Projekt.
Ein Klassiker der Fernsehgeschichte und in unregelmäßigen Abständen immer wieder bei mir am Schirm, ist „Golden Girls“. Staffel 1 (1985) ist bereits eine vollständig ausgereifte Sitcom-Produktion, mit wenigen Ecken und Kanten, die schon nach wenigen Folgen abgeschliffen wurden. Die vier Charaktere, famos gespielt von Bea Arthur, Betty White, Rue McClanahan und Estelle Getty, brauchen nur wenige Minuten, um ihr Publikum an die Serie zu fesseln. Die von Susan Harris entwickelte Serie ist in manchen Folgen eher schlecht gealtert, doch sind 30 Jahre alte Witze mit kulturellen Anspielungen auf „Miami Vice“ und Punk-Frisuren schon auch damals nicht unbedingt die besten Gags der Autoren gewesen.
Ohne Kompromisse geht „The Good Fight“ in seine 2. Staffel (2018). Im Intro deklariert man sich noch klarer gegen US-Präsident Trump und seine Umtriebe, und zerstört neben den Bürogegenständen nun auch Fernsehschirme mit dem Aufmarsch von Charlottesville, Putin und Trump darauf. Die Autoren konnten aber kaum voraussehen, in welches Chaos die US-Präsidentschaft das Land (und auch die Welt) stürzen würde, und so werden Ersatzbedrohungen erschaffen, die merkwürdig real klingen. Anschläge auf Anwälte, Intrigen um Richterbesetzungen, steigender Einfluss von rechten Medien und der NRA, sowie gezielte Schläge gegen das Anwaltsbüro. Rose Leslie, die in der 1. Staffel noch viel mehr im Zentrum stand, tritt nach dem Ende ihres Handlungsstrangs rund um ihre von einem Finanzskandal zerrütete Familie, mehr in den Hintergrund des Ensembles. Dafür bekommt Hauptdarstellerin Christine Baranski viel mehr zu tun und auch Cush Jumbo darf eine unerwartete neue Rolle erfüllen. Eine unterhaltsame Serie mit klarer politischer Schlagrichtung.
Die 1. Staffel der Animationsserie „Paradise PD“ (2018) auf Netflix, überraschte mich in den ersten Folgen mit ebenso derben wie unterhaltsamen Humor. Doch die Abenteuer der Polizeistation und ihrer überdrehten Mannschaft verlieren nach wenigen weiteren Folgen ihren Reiz. Family Guy-artiger Humor, der hin und wieder Popkulturelle Verweise hinein wirft, ist nicht genug um die Serie zu Leben zu erwecken. Stattdessen bleiben einzelne ebenso absurde wie lustige Gags hängen. Eine 2. Staffel werde ich aber auslassen.
Mittlerweile ist „The Deuce“ mehr durch die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Hauptdarsteller James Franco in den Schlagzeilen und weniger wegen des Inhalts selbst. Dabei zeigt Staffel 1 (2017) nicht nur großartige Charaktere (Franco als Zwillingsbrüder-Paar, welches eher zufällig Geschäfte mit einem Mafiosi beginnt, Maggie Gyllenhaal als Straßenprostituierte mit dem Wunsch ihr Leben dem Film zu widmen und eine ganze Reihe an Prostituierten, Zuhältern und damit verknüpften Menschen) sondern auch ein lebendiges Porträt von New York in den 1970ern, in denen der Straßenstrich und die Zuhälter scheinbar das Straßenbild dominieren. In den acht Folgen können George Pelecanos und David Simon zwar manchem Kniff nicht widerstehen – etwa die Wandlung von Eileen/Candy (Gyllenhaal) zu sehr in die Länge zu ziehen und als „Katharsis“ im Finale zu präsentieren, obwohl es sich schon zur Staffel-Mitte deutlich zeigt, welchen Weg sie einschlagen wird – doch sind die Episoden komplex und unterhaltsam gestaltet. Hier warte ich mit Spannung auf die 2. Staffel.
Von Jahr zu Jahr scheint sich die Netflix-Serie „BoJack Horseman“ immer tiefer in die Psyche seines Hauptcharakters zu graben. Staffel 5 (2018) hat, nachdem bereits zuvor etliche persönliche Dramen im Leben des Titelcharakters (gesprochen von Will Arnett) aufgearbeitet wurden, nun eine Saisonhandlung, in der es sowohl um den Weg BoJacks zur Besserung geht, der von Beginn an verdammt zu sein scheint. #MeToo, Drogensucht, persönliche Tragödien wie der Verlust der Mutter, und Attacken gegen Kolleginnen an einem Fernsehset, sind die Eckpunkte in der neuesten Staffel einer Animationsserie, die schon lange über ihren Ursprungsgag der Mensch-Tier-Welt hinaus gewachsen ist. Dass dabei auch noch Zeit bleibt, um die Scheidung von Diane (Alison Brie) und Mr. Peanutbutter (Paul F. Thompkins) einzuarbeiten, sowie neue Facetten von Princess Carolyn und Slacker Todd (Aaron Paul), ist geradezu unfassbar.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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