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Der Viennale sei Dank, habe ich mit „Beo-ning“ einen der einprägsamsten Filme des Jahres gesehen. Das in einem Monat, in dem auch die Dokumentation „Waldheims Walzer“ frisch in den Kinos zu sehen war, und ich eine ganze Reihe von Filmen aus der „1001 Movies“-Liste gesehen habe. Weniger ertragreich war diesmal der Serien-Monat, doch konnte die 4. Staffel von „Better Call Saul“ dafür umso mehr begeistern.

Neuzugänge
Mit dem rein aus Archivmaterial zusammengesetzten Dokumentarfilm „Waldheims Walzer“ (2018), hat Ruth Beckermann einen ausführlichen Blick auf ein Österreich geworfen, in dem die Lüge des „1. Opfers der Nazis“ rund um die Präsidentschaftskandidatur von Kurt Waldheim kulminierte. Es ist in seiner Fremdheit und Aggression ebenso erstaunlich, wie in seinen Parallelen. So sehr sich Waldheim selbst und die Öffentlichkeit belügt, um mit größter Geschmeidigkeit Karriere zu machen, so erscheinen viele seiner Erben der aktuellen Polit-Kaste im selben Geiste zu agieren. Für Kenner der Materie zwar nicht von größtem Neuigkeitswert, doch die Fülle an Material macht „Waldheims Walzer“ zu einem wichtigen Film.
Mit vielen Vorschusslorbeeren und medialen Getöse wurde die von Regie-Debütant Bradley Cooper inszenierte neue Fassung von „A Star is Born“ (2018) begleitet. Zu sehen gibt es die altbekannte Geschichte eines ausgebrannten Stars (Cooper als Alkohol- und Tablettensüchtiger Country-Sänger), der zufällig auf ein unentdecktes Juwel (Lady Gaga) trifft. Zu sehen bekommt man ein bizarr kalkuliertes und doch hilflos wirkendes eitles Starprojekt, in dem Bradley Cooper die Sucht seines Hauptcharakters für billige Scherze nutzt, und zugleich jede Gelegenheit nutzt, um sich selbst in bester Anti-Helden-Pose zu inszenieren. Lady Gaga ist sehenswert in der Rolle der langsam um Star aufsteigenden Sängerin, doch bleibt unklar, ob die immer schlimmer werdende Kommerzialisierung ihrer Musik nun Kritik oder Parodie oder doch keines von beidem sein soll. Ein in seiner Mischung aus Unbeholfenheit und Kalkulation extrem ärgerlicher Film.
Beim Filmfestival in Cannes wurde die Haruki Murakami-Adaption „Beo-ning“ (2018) von Chang-dong Lee mit Begeisterung aufgenommen, und ebenso verwirrt war die Weltpresse, als es keinen einzigen Preis für diesen ruhigen und sich langsam an sein Publikum heranschleichenden Thriller gab. Alles beginnt relativ unspektakulär, als Hae-mi (Jun Jong-seo) auf der Straße zufällig ihren alten Schulkollegen Jong-su (Yoo Ah-in) trifft. Die beiden verbringen Zeit miteinander und auch eine Nacht. Doch während Jong-su sich verliebt, lernt Hae-mi auf einem Afrika-Trip den weltgewandten Ben (Steven Yeun) kennen. Das emotional aufgeladene Dreieck, löst sich in unerwarteter Weise und auch wenn die 140 Minuten für meinen Geschmack ein wenig gestrafft hätten werden können, so beschäftigt dieser Film einen auch noch Tage später, und lässt einen nicht los. Von der famosen Musik von Mowg, über den hypnotischen Inszenierungsstil, bis hin zu den Darstellern, wobei vor allem Steven Yeun zeigt, dass er mehr ist, als der Quoten-Asiate aus „The Walking Dead“. Ein hypnotischer Film.

Seit seinem Oscar-Triumph mit „The Artist“ hat Michel Hazanavicius sowohl den Vorteil seine Traumprojekte umsetzen zu können, als auch den Ballast, einen Oscar-Gewinn zu wiederholen. Das mit Meta-Humor und Betonung auf einen eher verspielten Charakter angelegte Godard-Biopic „Le Redoutable“ (2018) ist wohl das perfekte Hazanavicius-Projekt, welches derzeit zu erwarten ist. Ein Thema (Jean-Luc Godard inmitten der Umwälzungen die mit dem Jahr 1968 kommen sollen, seine eigene kreative Wandlung und seine Auseinandersetzung mit den französischen Kommunisten) mit dem Versprechen auf Tiefgang und Einsicht, aber verbunden mit dem teilweise etwas zu oberflächlich angesetzten Humor, der eher in den „OSS“-Filmen gepasst hat. Louis Garrel gefiel mir als Godard relativ gut, auch wenn seine Beziehung zur jungen Schauspielerin Anne Wiazemsky (Stacy Martin) eigentlich nur als Vorlage für reichlich unmotiviert wirkende Nacktszenen wirkte. Ein interessantes Thema, in einer leider zu holprigen Umsetzung.
Die älteste noch erhaltene Stummfilm-Version zu King Lear gibt es mit dem italienischen „Re Lear“ (1910) von Gerolamo Lo Sanio. In den knapp 10 Minuten wird überraschend klar die grundlegende Handlung erzählt, auch wenn diese dann abrupt abbricht. Ob dabei Material fehlt oder schlicht abgebrochen wurde, ist ungeklärt. Die „King Lear“-Version von Richard Eyre (2018) versetzt Anthony Hopkins in einer faszinierenden Performance (umgeben von Größen des britischen Film- und Fernsehens) in das London der Gegenwart. Der langsam irre werdende Lear, der durch die Aufteilung seines Reichs seine eigenen Geschicke in die Hände ihm missgünstiger Töchter (Emma Thompson und Emily Watson) gibt, während die einzige ihn aufrichtig liebende Tochter (Florence Puigh) verstoßen wird. Die Modernisierung funktioniert, sogar wenn Martial Arts-Kampfszenen eingearbeitet werden, und der Wahnsinn sich inmitten von Autobahnabfahrten zuträgt. Gerade dort, wirken die einstigen Mächtigen in Lumpenkleidern erschreckend nachvollziehbar. Eine extrem starke Adaption eines ewig gültigen Theaterstücks.
Zehn Jahre ist es nunmehr her, seitdem Jörg Haider bei einem Autounfall starb. Mit „Fang den Haider“ (2015) versuchte schon einige Jahre vor diesem „Jubiläum“ die aus Belgien stammende Dokumentarfilmemacherin Nathalie Borgers einen Blick auf das Leben und (Nach-)Wirken Haiders zu werfen. Ihr sehr persönlicher Blick auf die Spurensuche (Gespräche vor allem mit alt gewordenen Weggefährten, die alles in rosarotem Licht sehen) ist interessant, aber führt leider auch dazu, dass alles relativ oberflächlich bleibt.
Man kann es drehen und wenden wie man will, aber dass Zoe Saldana in „Nina“ (2016) eine enorme Menge an Makeup im Gesicht trägt, um den dunkleren Hautton von Nina Simone widerspiegeln zu können, ist derart irritierend, dass es eine Weile dauert, um zu bemerken, dass der Film an sich ein einziges Debakel ist. Nicht nur wurden viele historische Daten völlig frei umgearbeitet oder verzerrt dargestellt, sondern präsentiert Cynthia Mort in ihrem Biopic auch eine sehr unsympathische Person, ohne einen Anhaltspunkt dafür zu geben, weshalb man sich für sie und ihre mit Filmende zu erhoffende/erwartende Katharsis interessieren soll.
Mit Spannung erwartete ich den neuesten Streich von Jeremy Saulnier, der mich zuletzt mit „Green Room“ begeistern konnte. Seine Netflix-Produktion „Hold the Dark“ (2018) ist auch deutlich ambitionierter und besser budgetiert, denn seine Vorgängerwerke, doch scheint er dabei mit den verschiedenen ERzählebenen und -stilen nicht ganz zurecht zu kommen. Dabei beginnt alles recht simpel. Eine Frau (Riley Keough) meldet sich bei einem erfahrenen Jäger (Jeffrey Wright), der in den Weiten Alaskas den Wolf finden soll, der ihr Kind entführt hat. Daraus entspinnt sich eine geradezu mystisch aufgeladene Saga um Wolfskult, Kriegs-Geschehnisse und Traumata. Mittendrin findet ein blutiges Massaker an Polizisten statt, die bei einem Schusswechsel ihren bis an die Zähne gerüsteten Gegner unterschätzen. Es ist alles etwas wirr gestaltet, doch blitzen immer wieder Szenen voller Spannung und brutaler Schönheit durch.
Stefan Lukacs‘ Kurzfilm „Void“ (2012) basiert auf den Vorfällen rund um die Folterung durch Bakaray J. durch Polizisten und weckt Erinnerungen an dem Tod von Marcus Omofuma. Es ist ein harter und stellenweise schwer erträglicher Blick auf falsch verstandenem Korpsgeist (Laurence Rupp ist als junger Polizist zwischen den Fronten), der in der Folterung eines Aslywerbers mündet, ausgelöst durch Rassismus und Menschenhass inmitten der Exekutive, die ihre Macht aufs äußerste missbraucht.
Debra Granik konnte mit „Winter’s Bone“ einen Markstein im US-Indiekino setzen. Ihr später Nachfolgefilm „Leave No Trace“ (2018) wurde zwar über alle Maßen gelobt, doch zeigt er im Grunde erneut dasselbe Setting. Die Wälder in den Tiefen des amerikanischen Herzens, in welchen sich ein Veteran (Ben Foster) mit seiner Tochter zurückgezogen hat. Als sie dazu gezwungen werden, ein normales Leben zu führen, brechen ihre Vorstellungen von Zivilisation mit jenen der Mehrheitsgesellschaft aufeinander. Diese Art von Geschichte wurde in den letzten Jahren derart oft erzählt, dass die Überraschung auf der Strecke bleibt und man sich an den schönen Bildern und den tollen Darstellern versucht satt zu sehen.
Bei Filmen über den Zweiten Weltkrieg glaubt man mittlerweile ja, bereits alles gesehen zu haben. Die Geschichte in „Anthropoid“ (2016) rund um das Attentat auf Reinhard Heydrich durch zwei tschechoslowakische Widerstandskämpfer (kompetent gespielt von Cillian Murphy und Jamie Dornan) war mir aber völlig unbekannt. Es ist auch die Neugier, was passierte, die das Interesse hoch hält, auch wenn Sean Ellis‘ Inszenierung wenig Innovatives wagt oder Neues zu erzählen hat, was das Genre betrifft.
Schon etwas besser kannte ich die Geschichte um die Entführung von Adolf Eichmann nach Israel und wie er der Gerechtigkeit zugeführt wurde. In „Operation Finale“ (2018) vermischt Chris Weitz den Glamour von Hollywood-Stars (Kingsley als Eichmann, Oscar Isaac und Melanie Laurent sind unter anderem im israelischen Agententeam zu sehen) mit dem etwas schnoddrigen Tonfall von B-Movies aus den 1940ern, in denen die Ermordung Hitlers durch Mafiosi fantasiert wurde. Diese Mischung funktioniert leider eher schlecht denn recht.
Nicole Holofcener hat sich einen Namen als Chronistin der Leben von Menschen, die in ihren „besten Jahren“ sind stehen. Doch während eine Perle wie „Enough Said“ eine zärtliche Liebesgeschichte erzählte, zeigt „the Land of Steady Habits“ (2018) doch wieder nur den x-ten Midlife Crisis-Fall eines relativ wohlhabenden Mannes (Ben Mendelsohn), der seinen Job aus Gewissensgründen hinwarf, seine Ehe aus Langeweile scheiden ließ und nun mit dem Single-Dasein als Mit-Vierziger nicht zurecht kommt. So weit, so vorhersehbar. Holofcener lässt ihren Hautdarsteller groß aufspielen, auch wenn die Konflikte (selbst die Drogensucht eines Nachbarskindes wirkt relativ harmlos) niemals bedrohlich scheinen. Ein ruhiger Film, der vor allem so manchen guten Dialog und einen tollen Darsteller zeigt.
In Tamara Jenkins‘ ebenso humorvollen wie nachdenklichen „Private Life“ (2018) steht ein Paar Mitte 40 (Kathryn Hahn und Paul Giamatti) langsam am Ende seiner Kräfte, beim Versuch Eltern zu werden. Die verschiedenen Mittel und Wege, mit denen sie geradezu verzweifelt versuchen ein Kind in ihr Leben zu holen, gipfeln schließlich in der Beziehung zur jungen Sadi (Kayli Carter). Jenkins hat ihren bitterbösen Film eine Spur zu lang angelegt, doch sind sowohl Humor als auch Drama schön ausbalanciert. Niemand wirkt hier wie eine Karikatur, alles klingt und fühlt sich echt an.
Seit ihrem Überraschungs-Kultfilm „The Room“, leben Tommy Wiseau und Greg Sestero vom Ruhm dieser einen Arbeit. Umso gespannter wurde nun „Best F(r)iends: Volume 1“ (2018) erwartet. Nach einem Drehbuch von Greg Sestero und unter Regie seines Freundes Justin MacGregor, wird die Geschichte eines mysteriösen Obdachlosen (Sestero) erzählt, der die Bekanntschaft mit einem exzentrischen Leichenbestatter (Wiseau) macht. Der viel zu lange Film weiß zunächst einmal offenbar nicht, was er will. Ist es eine Geschichte um Freundschaft und Loyalität? Handelt es von miesen Geschäftspraktiken? Geht es um Gier? Ist es doch eine Meta-Abhandlung über „The Room“? Es ist von allem ein wenig, was zu einem sehr unrhyhtmischen Film führt, der plötzlich Wiseaus Exzentrik für Meta-Comedy nutzt und dann immer wieder in melodramatische Soap-Opera-Logik abgleitet.
In ihrem Dokumentarfilm „Sud“ (1999) porträtiert Chantal Akerman eine Gemeinde in Texas, die mit dem brutalen Mord an einem schwarzen Mann umgehen muss, der von drei weißen Männern zu Tode gefoltert wurde. Akerman lässt private Momente und beobachtende Aufnahmen mit kurzen Interviews verschmelzen. Der interessante Versuch, eine Gemeinde in Trauer zu zeigen.
Der Thriller „Night Tide“ (1961) besticht vor allem dadurch, das ein junger Dennis Hopper hier die Hauptrolle spielt. Als junge Matrose verliebt er sich während eines Jahrmarkts in Mora (Linda Lawson), die als Meerjungfrau auftritt. Der von Curtis Harrington wie ein MIx aus Albtraum und Thriller inszenierte Film, verwischt die Grenzen zwischen Fantasie und Realität immer wieder, bis am Ende nur schwer zu sagen ist, was wahr ist und was nicht. Ein überraschend effektiver Film von der bynwr-Seite.
Bizarr. Der knapp 50 Miuten lange christliche Propagandafilm „If Footmen Tire You, What Will Horses Do?“ (1971) von Ron Ormond, mit Prediger Estus Perkle als kreativem Kopf des Unternehmens und als Erzähler, der siene Predigten hier vorträgt, ist ein schlicht bizarres Werk. Ein blutiger Reigen von Schreckensbildern, die Amerika heimsuchen würden, wenn man sich nicht schnell wieder Gott zuwendet (sonst verzieht sich Jesus auf die Philippinen oder so – denn Jesus wirkt ja nur in den USA). Kommunistische Vergewaltigungs- und Mordkommandos, Cartoons die zu Massenmord führen, Lehrer die Kinder mit kommunistischer/atheistischer Propaganda den Geist zerstören würden. Man muss es sehen um es zu glauben. Ein merkwürdiges „Juwel“(?) auf bynwr.
Mit der High School-Komödie „Easy A“ (2010) feierte Emma Stone ihren Durchbruch. Die gut gelaunte und überraschend unterhaltsame Geschichte um eine 17 Jahre alte Schülerin, die durch ein Missverständnis von der unbeachteten Jungfrau zur berühmt-berüchtigten Schulmatratze wird, lebt von Stones Charisma und auch einer Reihe an routinierten Darstellern (Stanley Tucci, Patricia Clarkson, Lisa Kudrow, Thomas Haden Church), die sichtlich viel Spaß an den Rollen hatten.
Im Gegensatz zum Rest der Film-Welt, war ich von Gareth Evans Martial-Arts-Reißer „The Raid“ nicht so hingerissen. Es war ein unterhaltsamer, aber auch recht stumpfer Film. Dagegen zeigt er in „Apostle“ (2018) seine ganze filmische Bandbreite. Ein sich in der ersten Hälfte wie eine „The Wicker Man“-Hommage ausnehmende Geschichte um einen einstigen Missionar (großartig: Dan Stevens), der seine auf einer verschlossenen Insel-Gemeinschaft vermutete Schwester sucht. Dort entdeckt er zunächst eine von einem fanatischen Priester (ebenso famos: Michael Sheen) geleitete Gemeinde. Doch was sich scheinbar sicher in typischen Religions-Fanatiker-Horror-Bahnen abzuzeichnen scheint, wird durch die Enthüllung eines blutigen Geheimnisses auf den Kopf gestellt. Evans schafft es, in der zweiten Hälfte einen völlig neuen Film erstehen zu lassen und diesen doch geradezu logisch mit der ersten Hälfte zu verbinden. Das blutige Spektakel mit all seinen übernatürlichen Elementen mag nicht für jeden Zuseher geeignet sein, doch für Freunde des Genres ist es ein Genuss.
Mit sehr viel Lob überschüttet wurde der Horror-Thriller „Mandy“ (2018), in dem Nicolas Cage die brutale Ermordung seiner Frau (Andrea Riseborough) rächt. Regisseur Panos Cosmatos lässt einen überstilisierten visuellen Albtraum auf den Zuseher los und ertränkt diesen in Reizüberflutung. So soll auch die Aufmerksamkeit von der einigermaßen unsinnig aufgebauten Handlung abgelenkt werden. Wer sich auf das Spektakel einlässt, bekommt so auch viel geboten, wer jedoch beginnt die Handlung zu hinterfragen, kann sich zumindest an einem wie immer sehr motiviert aufspielenden Nicolas Cage (der aber in anderen Werken der jüngeren Vergangenheit schon besser auftrat) satt sehen.
Der mit viel Produktionsdrama und beißender Kritik in den Kinos landende „Solo: A Star Wars Story“ (2018) ist der jüngste Beweis dafür, dass das von George Lucas entworfene Star Wars-Universum womöglich nicht genügend Material zur Verfügung hat, um Spin-off-Filme zu rechtfertigen. Von Vorteil ist, dass der von Ron Howard fertiggestellte Blockbuster, sich nicht zu ernst nimmt und vor allem den Spaß an der Sache im Blick hat. Alden Ehrenreich kann natürlich nicht in die Fußstapfen von Harrison Ford treten, dafür war seine Darstellung zu einflussreich. Doch wäre es ein sehr unterhaltsamer TV-Film oder Auftakt zu einer leicht gewichtigen TV-Serie. Als Kino-Blockbuster scheint auch einfach das Format, die falsche Wahl gewesen zu sein, um diese Geschichte zu erzählen.
In der Dokumentation „Whitney“ (2018) arbeitet sich Kevin Macdonald durch unzähliges Archivmaterial, um Aufstieg und Fall von Whitney Houston zu dokumentieren, und es gelingt Macdonald streckenweise hervorragend, das Elternhaus und den Einfluss dieser Beziehungen auf die Entwicklung von Houston aufzuarbeiten. Auch die Verbindung mit der Zeit, in der sie ihren Aufstieg hatte, arbeitet er gut ein, doch – im geringeren Maße als bei „Whitney: Can I Be Me“ – scheint es einfach nicht genug Zeit zu geben, um alle Punkte abzuarbeiten, die nötig wären. So bleibt ein sehr gut gemachter, aber dennoch ein wenig lückenhaft wirkender Dokumentarfilm, der aber der Person und dem Phänomen Whitney Houston näher kommt, als alle Arbeiten zuvor.
Paul Greengrass versucht sich in „22 July“ (2018) an einer Aufarbeitung der Anschläge von Anders Breivik auf die Regierung in Oslo und auf ein Jugendcamp in Utoya. Dabei teilt er bei seiner Adaption eines Sachbuchs, den Film in drei Teile. Auf die Anschläge, die er aus der Sicht Breiviks und der Opfer zeigt, folgen Verhaftung und sowohl psychische als auch juristische Aufarbeitung. Greengrass inszeniert kühl und ohne manipulative Emotionalisierung, doch bleibt am Ende die Frage, inwieweit der Film nicht doch eher den Zielen Breiviks entspricht und weniger einer Aufklärung der Hintergründe seines Handelns.
Auf bynwr.com wird mit „The Burning Hell“ (1974) schließlich auch die zweite Zusammenarbeit von Ron Ormond und Estus Perkle. Mit viel Blut und Polemik wird dabei eine lächerlich-reißerische Höllenvision dargestellt, in der jeder Mensch landet, der nicht dem moralisch-ethischen Wirken Perkles folgt. Nicht ganz so unfreiwillig komisch wie „If Footmen…“, aber kurios genug um einen Blick darauf zu werfen.
Der auf Baskisch gedrehte Horrorfilm „Errementari“ (2017) basiert auf einer baskischen Legende und zeigt mit viel Liebe zum Detail, wie Dämonen mit sehr althergebrachtem Design (Teufelshörner, Pferdehuf) die Menschen in Verführung bringen. Visuell ist das sehr ansprechend und die Grundlage der alten Sage verleiht dem Film einen gewissen Charme. Leider ist das Ringen um die Seelen, die in der Hölle schmoren, leider zu langatmig inszeniert.
„American Animals“ (2018) von Bart Layton erzählt die wahre Geschichte eines Überfalls auf eine Uni-Bibliothek im Jahr 2004. Layton zeigt nicht nur in Spielfilmszenen, wie sich vier Studenten zum Raub wertvoller Bücher zusammentun, sondern auch in Interviewszenen die dem Film zugrunde liegenden Vorbilder und deren Eltern und Professoren. Es ist ein stilistisch sehr interessanter Mix aus Spiel- und Dokumentarfilm, der noch dazu den Einfluss aufarbeitet, den Heist-Filme wie „Ocean’s 11“ auf die Studenten hatten. Bei den zwei Stunden verliert sich Layton hin und wieder ein wenig zu sehr in den Genre-Konventionen, doch bleibt der Mix immer interessant genug.
Der aus einigen völlig unzusammenhängenden Sketchen bestehende „The Kentucky Fried Movie“ (1977) ist heute vor allem deshalb bekannt, da er den Durchbruch für die Filmemacher John Landis (Regie) und David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker (Autoren) bedeutete. Die Sketche sind teilweise noch heute sehr lustig, doch einige Teile des Films (etwa die viel zu lange Bruce Lee-Parodie) können heute nicht einmal mehr ein Schmunzeln erzwingen.
Ein Film wie „The Spy Who Dumped Me“ (2018) ist die perfekte Ausrede, um an einem verregneten Sonntagnachmittag zu Hause auf der Couch zu bleiben. Mila Kunis und Kate McKinnon sind unterhaltsam als beste Freundinnen, die unversehens in einem internationalen Spionage-Komplott landen. Solide Actionszenen, ein paar Lacher und schon sind zwei Stunden rum. Filmisches Junk Food.
Das US-Remake des israelischen Films „The Kindergarten Teacher“ (2018) ist vor allem die Maggie Gyllenhaal-Show. Sie steht als vom Leben und ihrer Familie frustrierte Kindergarten-Pädagogin im Zentrum, und sie vermag es, die unter ihrer Oberfläche brodelnden Frustrationen und enttäuschten Hoffnungen auszudrücken. Als sie auf ein vermeintliches Poesie-Wunderkind trifft, nutzt sie die spontan entstehenden Gedichte des fünf Jahre alten Buben, und trägt sie in ihrem Abendkurs (Gael Garcia Bernal tritt dabei als Lehrer auf) vor. Der unaufdringlich inszenierte Film nimmt eine unerwartete Wendung, nur um schlussendlich doch einen Weg einzuschlagen, der bereits nach wenigen Minuten zu erahnen war.
Basierend auf demselben Manga, der auch schon dem Anime „Jin-roh“ zu Grunde lag, zeigt „Illang: The Wolf Brigade“ (2018) eine nahe Zukunft, in der sich die beiden Koreas aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen wieder vereinen wollen. Doch das will eine Gruppierung namens „Die Sekte“ verhindern und schon tritt ihnen die „Wolf Brigade“ entgegen. Während im Anime noch ein Atomschlag Japan in eine faschistoide Gesellschaft verwandelte, sind es im völlig überladenen Szenario von Kim Jee-woon, verschiedenste politische Einflüsse, die schlussendlich doch nur dazu dienen, einige coole Action-Sequenzen zu bieten. Bei 140 Minuten bieten aber die Action und die tollen Kostüme viel zu wenig Schauwerte, um über die viel zu verworrene und auch langweilige Handlung zu täuschen.
Ang Lee erschuf mit „Eat Drink Man Woman“ (1994) seinen zweiten Hit nach „Xi yan“ und wurde erneut für den Besten Fremdsprachigen Oscar nominiert. Dennoch ist die Geschichte von einem Koch und seinen drei Töchtern der einzige in Lees Heimat Taiwan angesiedelte Film. Im Gegensatz zu anderer seiner Werke, plätschert diese Familiengeschichte ein wenig zu oberflächlich dahin.
Heidi Ewing und Rachel Grady sind immer für eine spannende Dokumentation gut, umso überraschter war ich zu entdecken, dass ich ihre Oscar-nominierte Evangelikalen-Analyse „Jesus Camp“ (2006) noch nicht gesehen hatte. Das Duo bekommt überraschend intimen Zugang zu einem Camp für Kinder und Jugendliche, welches evangelikale Ansichten verbreitet, und dabei so schockierende, wie auch vorhersehbare Dinge zeigt, wie die Anbetung von George W. Bush (der immer wieder von seiner „Wiedergeburt“ als Evangelikaler sprach), der Indoktrination von Kindern, die in Trance in Tränen ausbrechen, und die jegliche Toleranz gegenüber Nicht-Evangelikalen vermissen lassen. Dennoch bleibt ein wenig der Eindruck, dass hier mehr möglich gewesen wäre. Es ist deutlich, welchen Standpunkt Ewing und Grady vertreten, doch bohren sie nicht weiter nach, was bei dem Zugang den sie erhielten, etwas schade ist.
Die im Kabuki-Stil gedrehte Geschichte um eine alte Frau die mit 70 Jahren auf den Narayama-Berg will um dort zu sterben, konnte mich trotz ihres emotional packenden Kerns nicht ganz für sich gewinnen. „Narayana bushiko“ (1958) ist wunderschön inszeniert und hat geradezu träumerische Sequenzen, doch der Gesang ist nicht gerade ein persönlicher Favorit und lässt mich immer wieder aus dem Film hinaus fallen.

The 1001 Project
Mit „Madame de…“ (1953) bin ich nun doch wieder bei dem Max Ophüls gelandet, den ich eher erwartet hatte, ehe mich „The Reckless Moment“ mit einer anderen Seite Ophüls‘ konfrontierte. In „Madame de…“ löst Comtesse Louise (Danielle Darrieux) durch den Verkauf eines Paars Ohrringe, welche ein Hochzeitsgeschenk ihres Mannes (Charles Boyer) waren, eine ganze Reihe an gesellschaftlichen Wirrnissen aus, die einzig in diesem Setting militärisch-adeliger Formen des ausgehenden 19. Jahrhunderts Sinn ergeben. Wie schon bei dem von mir hoch geschätzten „Liebelei“ ist Ophüls großartig im Austarieren dieser Art von Beziehungen und es sieht auch alles wunderbar aus, doch sind weder die Comtesse noch ihr Mann komplex oder interessant genug, um länger an deren Schicksal interessiert zu sein.
Eine neue Version von „A Star is Born“ kommt ins Kino, also war es auch mal an der Zeit die wohl bekannteste Version von George Cukor aus dem Jahr 1954 zu betrachten. Judy Garland erhielt als Varieté-Sängerin Esther Blodget, die als Vicki Lester schließlich zum Superstar wird, eine Oscar-Nominierung aber keinen Oscar, was damals als Skandal angesehen wurde. Da ich die anderen Darbietungen des Jahres nicht gesehen habe, bleibt mir nur festzustellen, dass Garland tatsächlich großartig war, doch auch James Mason als Schauspieler mit Alkoholproblem, der sie entdeckt, heiratet und schließlich im Schatten ihres Erfolges endgültig absteigt, ist perfekt besetzt. Weniger angetan war ich jedoch von dem eher altmodisch aufgebauten Musical, welches mit pompösen Einlagen vor allem Garlands Talente unterstrich.
Apropos altmodische Musicals. Mit „My Fair Lady“ (1964) feierte George Cukor einen späten (und letzten) Oscar-Triumph, indem er das populäre Broadway-Musical auf die Leinwand brachte. In drei langen und schweren Stunden bildet ein hochnäsiger Philologe (Rex Harrison) das einfache Blumenmädchen Eliza (Audrey Hepburn) zu einer Gesellschaftsdame mit perfekten Manieren aus, und obwohl er von Beginn an seinen Junggesellenstatus verteidigt, verliebt er sich natürlich in Eliza und sie in ihn. Das ist umso überraschender als der Hauptteil der Handlung damit verbracht wird, dass Eliza von Professor Higgins geradezu gedemütigt wird. In „50 Shades of Grey“ gab es mehr Übereinkunft über die Grenzen der Demütigung denn hier. Überraschend auch die Mischung aus altmodischem Musical (inkl. Sound Stages, Tanzchoreographien und synchronisiertem Gesang) sowie geradezu post-modernen Techniken, wie etwa Harrisons gesprochenem Gesang, der perfekt auf seine Figur abgestimmt ist. Klassiker hin oder her, aber heute mehr eine Kuriosität einer zu Ende gehenden Filmära.
Den Beginn einer Filmära zeigt eher Laurence Oliviers als Kriegspropaganda geplante Shakespeare-Adaption
„The Chronicle History of King Henry the Fifth with His Battell Fought at Agincourt in France“ (1944). Olivier beginnt seinen „Henry V.“ auf der Theaterbühne, führt das Publikum schließlich in eine Kinowelt in der die spektakulären Schlachten mit den Franzosen möglich sind und führt wieder zurück auf die Bühne. Die Darbietungen sind für die Theaterhäuser als auch für die CinemaScope-Leinwände perfekt abgestimmt und die Textstraffungen machen meist Sinn (auch wenn sie eher aus propagandistischen Zweck erfolgten). Einzig nach der erfolgten Schlacht, hätten sich die einen oder anderen einzusparenden Minuten noch angeboten.
Jacques Tourneur ist der unbesungene Held des B-Movies und des Film Noir. Noch unbekannt war mir aber sein erstaunlich unterhaltsamer und bitterböser Thriller „Out of the Past“ (1947), in dem Robert Mitchum als Privatdetektiv Jeff Bailey vom Gangster Whit (ein junger und glänzend aufspielender Kirk Douglas) auf die Suche nach Kathie (Jane Greer) geschickt wird. Diese hat Whit angeschossen und ihm 40.000 Dollar gestohlen. Doch kaum hat Jeff Kathie entdeckt, denkt er gar nicht an Rückkehr. Tourneur verpackt hier alles, was den Film Noir groß macht: einen verdammten Anti-Helden, eine gefährliche Femme Fatale, schnelles aber nicht leichtes Geld und das Fehlen eines Moralkompasses aber doch ein Ehrgefühl. Natürlich unterstrichen von fantastischer Schwarzweiß-Fotografie (hier: Nicholas Musuraca). Die Handlung ist aufgrund vieler Schauplatzwechsel, Morde und Komplotte nicht immer leicht nachvollziehbar, und doch bleibt man gebannt hängen und wartet mit Spannung auf das Unvermeidliche.
Nicht erst seit Paul Auster in „First Reformed“ deutliche Anleihen daran genommen hat, gilt Robert Bressons „Journal d’un curé de campagne“ (1951) als einer der besten Filme rund um Glaube und Einkehr. In einem Tagebuch hält der Priester einer kleinen Landgemeinde (Claude Leydou) seinen Alltag fest. Sein körperliches Leiden (welches schließlich bis zum Tod geht) und seine Zweifel, wie er die Herzen seiner Gemeinde gewinnen soll, wenn er von der Obrigkeit Pflicht und Strenge vorexerziert bekommt. Bresson fängt das ländliche Frankreich in der Nachkriegszeit und seine moralischen Zwänge und Fragen hervorragend ein.
Um Moral geht es auch in dem knapp 90 Minuten langen „L’Argent“ (1983), der so wirkt, als hätte Michael Haneke davon geträumt. Eine gefälschte 500-Francs-Note setzt Betrug und Mord in Bewegung, doch bleibt dies bei Bresson merkwürdig beliebig und verfängt nicht so recht. Eine kleine Enttäuschung.
Howard Hawks‘ „The Big Sky“ (1952) ist einer jener „großen“ Western, bei denen ich mich heute frage, weshalb sie im Filmkanon vertreten sind. Hawks will die Pioniere der Eroberung des Westens – in diesem Fall: Missouri in den 1830er-Jahren – zeigen, und bietet dabei so manch einprägsames und schönes Setting ins Bild. Doch die Charaktere sind selbst für 1950er-Verhältnisse die reinsten Genre-Blaupausen, und während die Darstellung von Indianern einen relativ liberalen (für 1950er-Verhältnisse) Touch hat, lässt auch Hawks immer wieder die als Nebendarsteller auftretenden Indianer für Slapstick-Szenen heranziehen. Kirk Douglas kann als Trapper auch nicht so recht überzeugen.
Der überraschend minimalistisch in Szene gesetzte Western „Johnny Guitar“ (1954) ist ein wahres Ereignis. Nicht nur der Sinne – die Farbgebung der Kostüme, der Sets – sondern auch darstellerisch wie inhaltlich. Joanne Crawford ist als Saloon-Besitzerin Vienna im Blickfeld der sie mit Hass verfolgenden Emma (Mercedes McCambridge). Emma vermutet, dass Vienna gemeinsame Sache mit dem Gangster „The Dancing Kid“ und dessen Gang macht. Als dann wie von Zauberhand Viennas einstige Liebe Johnny (Sterling Hayden) auftaucht, kennen die sexuellen Verwirrungen keine Grenzen mehr. Natürlich folgt Ray den Western-Gesetzen, inklusive Überfällen, Shoot Outs und einem wunderschön inszenierten, dramatischen Saloon-Brand. Doch stehen viel mehr die Zu- und Abneigung, die Liebe und der Hass zwischen den Charakteren im Mittelpunkt und Crawford und McCambridge sind großartig in ihrem Duell.
In sechs Episoden zeigt der Nachkriegs-Film „Paisa“ (1946) von Robert Rossellini (mit Co-Autor Federico Fellini), wie sich Italien während des Zweiten Weltkrieges, während der Landung der Alliierten darstellte. Es ist ein Beitrag des Neo-Realismus und versucht mit Laien, die Lebenswirklichkeit und das Sprachengewirr aufzuzeigen. Das funktioniert zum Teil, da die Laiendarsteller und das Sprachengewirr glaubhaft dargestellt werden, doch führt es ebenso zu einer niedriger werdenden Aufmerksamkeit, da die sechs Episoden an Qualität sehr unterschiedlich gestaltet sind.
Gary Cooper konnte mit „Sergeant York“ (1941) seine Karriere in eine neue Richtung drehen. Fortan war er als Charakterdarsteller eine feste Größe und der erste Oscar war der Lohn dafür, dass er so einprägsam den Trinker der zum religiösen Pazifisten wird und im 1. Weltkrieg zum Kriegshelden Alvin York. Der von Howard Hawks (der hier seine einzige Oscar-Nominierung als Bester Regisseur erhielt) als romantisierter Wald-und-Wiesen-Romantik-Schinken inszenierte Kriegspropaganda-Film (der als Mobilisierungsmaterial im Zweiten Weltkrieg gesehen wurde) scheut einzig in der Darstellung des Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg nicht vor grimmigem Realismus zurück. Doch auch hier versieht Hawks die Szenerie mit genügend patriotischem Glanz, dass das Opfer im Krieg als edel und gut erscheint. Ein „Hacksaw Ridge“ der 1940er, einzig inmitten des Zweiten Weltkrieges als Großer Film denkbar. Heute wirkt „Sergeant York“ wie ein aus der Zeit gefallenes Relikt.
Aus Gründen die mir ganz und gar nicht klar sind, zählt der von Cameron Crowe geschriebene und Amy Heckerling inszenierte High-School-Streifen „Fast Times at Ridgemont High“ (1982) zu den 1001 Filmen die man gesehen haben muss. Warum auch immer. Nicht nur zeigte Richard Linklater in „Dazed and Confused“ viel einprägsamer diese Phase im Leben von Teenagern, sondern verschwenden Crowe und Heckerling regelrecht eine ganze Riege junger aufstrebender Talente wie Sean Penn oder Jennifer Jason Leigh, in wenig ausgefeilten Rollen. So ist Penns Surfer ein einziger Gag, der in einem Sketch funktionieren könnte. Im Genre der High School Filme gibt es bessere Arbeiten.
Sein zweiter Spielfilm und sein erster großer internationaler Erfolg. „Xi yan“ (1993) ist ein etwas zu vorhersehbares, und mit kaum erprobten Darstellern inszeniertes Lustspiel um ein schwules Paar und ihre Mitbewohnerin. Als die konservativen Eltern von Wai-Tung (Winston Chao) ihn in New York besuchen wollen, gibt er vor die um eine Green Card bangenden Wei-Wei (May Chin) zu lieben und zu heiraten, was sie schließlich auch tun. Während Simon (Mitchell Lichtenstein) so tut, als wäre er der freundliche Vermieter, bieten sich Ang Lee genügend Gelegenheiten um eine hübsche, amüsante und dezidiert auf ein bürgerliches Mainstream-Publikum zielende Komödie zu inszenieren, in der Familienwerte und Geheimnisse im Zentrum stehen. Lee sollte die Familienstrukturen in späteren Filmen noch besser ausarbeiten, doch hier ist er schon früh in Form.
Samuel Fullers „The Big Red One“ (1980) ist genau die Art von Film, mit der ich schwer etwas anfangen kann. Ein episodischer Kriegsfilm. Das funktioniert wirklich nur, wenn dies auch mit einer Aussage oder filmischem Anspruch (wie etwa bei „The Thin Red Line“) verbunden wird. Ansonsten bin ich doch mehr ein Anhänger der geradlinigen Erzählung, auch wenn ich Fullers Idee, die Episoden ohne Verbindung oder Handlungsbogen zu erzählen mehr als sympathisch finde. Das Leben und der Krieg haben dies schlicht nicht, doch in „The Big Red One“ verliert man sich dann, ohne zu wissen, worauf man sich eigentlich konzentrieren soll.
Wes Cravens „The Hills Have Eyes“ (1977) ist aus Gründen, die mir nicht ganz klar erscheinen, ein „1001 Movies“-Film. Der Low Budget-Horror um eine Familie, die von Mutanten (Original)/Aliens (Synchronisation) gefoltert und ermordet wird, ist ein Sonnendurchtränkter Trash-Traum, da er nie vorgibt etwas anderes zu sein. Doch ist das gerade mal genug, für einen anspruchslosen Abend, nicht unbedingt für die „1001 Movies“-Liste.
Spike Lees Debüt „She’s Gotta Have It“ (1986) ist ein frecher und teilweise sehr sexy inszenierter Beziehungsreigen, rund um die selbstbewusste Nola Darling (Tracy Camilla Johns) und ihre wechselnden Beziehungen. Man möchte sagen, dass sei ein sehr studentischer Film, denn er die Schwarzweiß-Komödie ist roh und kantig inszeniert, und die „Wizard of Oz“-Passage ist geradezu typisch für einen Filmstudenten, der sein Wissen auf Meta-Ebene unbedingt einbauen will. Lee sollte aber im Laufe seiner Karriere bessere Filme drehen.
Lawrence Kasdans „The Big Chill“ (1983) hat den nostalgischen Rückblicksfilm ins Leben gerufen. Dafür gebührt der luftig-leichten Komödie um eine Gruppe ehemaliger High-School-Schulkollegen, die sich zur Beerdigung eines per Selbstmord aus dieser Welt begebenden Freundes (Kevin Costners Arm als Leiche ist zu sehen, doch seine Rückblicks-Szenen wurden gestrichen) einfinden, auch Respekt. Mein Problem ist jedoch, dass ich mit diesen Menschen keinerlei Verbindung während des Films finden konnte. Es sind Männer und Frauen, die eine Verbindung während ihrer Schulzeit aufbauten, etwas das ich nicht erlebt habe. Es liegt deshalb wohl auch am erzählerischen Rahmen, wann für mich so eine nostalgische Schau funktioniert. Bei „Peter’s Friends“ von Kenneth Branagh, passiert im Grunde dasselbe wie hier und doch schätze ich Branaghs Film mehr. Einen Blick ist „The Big Chill“ aber wert, sei es nur wegen dem tollen Ensemble (u.a. Kevin Kline, Meg Tilly, Glenn Close, William Hurt, Jeff Goldblum) und des feinen Soundtracks.
Mit „A Passage to India“ (1984) hat der große David Lean nicht nur einen Comeback-Film hingelegt, sondern auch noch das letzte Werk seiner langen und schillernden Karriere. Standesgemäß musste es natürlich schon wieder ein Epos sein, diesmal angesiedelt zu den Tagen des Viceroy in Indien. Getragen von einem guten Ensemble (wobei Judy Davis und Peggy Ashcroft – letztere Oscar-gekrönt – herausragen, Alec Guinness erinnert etwas zu sehr an Peter Sellers‘ „The Jerk“) und einer betont humanistisch geprägten Geschichte um Respekt und Toleranz, vermag es leise Anklänge an die ganz großen Werke von Lean hervor zaubern, doch insgesamt war das ein bleiern schwerer Historienschinken, wie er gerade in den 1980ern in Mode war.
Das Martial Arts-Kino ist mir im Grund immer ein wenig fremd geblieben, dabei zeigen die Filme mit Bruce Lee oder Werke wie „Wu du“ (1978) weshalb die Mischung aus Kampfchoreografie und amüsant-billigen Produktionsumständen (falsche Bärte, knallrotes Kunstblut, simpelste Synchronisation) ihren ganz eigenen Reiz ausströmt. „Wu du“ ist im Grunde ein Krimi im Stil von Agatha Christie, nur dass es eben um fünf tödliche Kung Fu-Kämpfer geht, und ein Mörder enttarnt werden muss. Etwas trashig, aber sehr unterhaltsam.
Im Gegensatz zum etwas trashigen „Wu du“ wirkt das fast zweistündige „Shao Lin san shi liu fang“ (1978) viel ausgereifter und auch politischer. Nach einer brutalen Attacke der Manchu, flieht Liu (Gordon Liu Chia-Hui) in ein Shaolin-Kloster, um dort die Kampftechniken zu erlernen, die er benötigt um Rache zu üben. Ein simpler Plot, der aber angetrieben wird von exzessiv durchgestylten Trainingssequenzen und Selbstfindungsphasen, ehe es zum großen Showdown geht, der überraschend mild ausfällt, im Vergleich zur Intensität der Ereignisse davor. Ein extrem unterhaltsamer und spannender Film, mit großartigem Set-Design, der mit Sicherheit auch Quentin Tarantinos „Kill Bill“-Saga beeinflusst hat.

Re-Visited
Die Romantik-Komödie „Say Anything …“ (1989) von Cameron Crowe ist einer jener Filme, von dem mir Schlüsselszenen (Lily Taylor Liebeslieder auf einer Party singend, John Cusack und die Boom-Box) im Gedächtnis geblieben sind, aber sonst nicht viel mehr. Bei der erneuten Ansicht schien auch, dass abgesehen von diesen Szenen der Film nicht so viel zu bieten hat. Ein sympathischer Film, der aber mehr als Zeitreise in die 1980er funktioniert.
Bei erneuter Ansicht der sehr unterhaltsamen Doku „Bombshell: The Hedy Lamarr Story“ (2017) imponiert zwar wieder die Lebensgeschichte von Hedy Lamarr, doch fällt diesmal doch auch auf, dass die technischen Hintergründe zu ihren Erfindungen sehr vage gehalten werden. Eine in diesem Kernaspekt doch etwas zu oberflächlich gehaltene Doku, weshalb beim zweiten Durchlauf der Gesamteindruck etwas schwächer ausfällt als zuvor.

Serien-Überblick
Es wird langsam dunkel rund um Jimmy McGill (Bob Odenkirk). In Staffel 4 (2018) der auf merkwürdige Weise immer süchtiger machenden Spin-off-Serie „Better Call Saul“, bewegt sich McGill immer deutlicher in Richtung seines Alter Egos Saul Goodman. Während Jimmy und Kim (Rhea Seehorn) sich auch immer weiter voneinander entfernen, was in einem bitteren, verletzenden und eindringlichen Streit in der 9. Episode gipfelt, scheint der Weg von Mike (Jonathan Banks) in Diensten von Gustavo Fring (Giancarlo Esposito) immer deutlicher vorgezeichnet. Es ist eine nach vier Staffeln langsam aber immer deutlicher eintretende Erkenntnis, dass diese Serie viel mehr davon handelt, dass gute Menschen nicht belohnt werden, sondern erst recht mit schlechten Taten die Dinge für sich zu regeln versuchen.
Ein wenig war für mich „The Man in the High Castle“ nach Staffel 2 vom Radar verschwunden. Umso überraschter war ich, als ich nun Staffel 3 (2018) innerhalb kürzester Zeit konsumierte. Das hohe Niveau der 1. Staffel scheint zwar unerreichbar, doch haben sich die Macher viele interessante Kniffe und Wendungen einfallen lassen, um das Paralleluniversum, in dem die Faschisten die Welt beherrschen, eindringlich und nachvollziehbar zu gestalten. So macht es auch gar nichts, dass man die persönlichen Wege der einzelnen Charaktere seit Staffel1 nicht mehr im Detail im Kopf hat, denn wichtiger ist, was nun und jetzt passiert. Eine unterhaltsame Sci-Fi-Serie, die sich ein wenig vom Ursprungsroman lösen konnte, und nun Spaß mit den möglichen Szenarien hat. Auch wenn diese oft genug bereits ein wenig bekannt klingen.
Zur Einstimmung auf Staffel 2, habe ich mir Staffel 1 (2017) von „Castlevania“ erneut angesehen. Beim zweiten Durchlauf ging es mir vor allem darum, völlig verdrängte Handlungselemente (oder auch ganze Handlungsstränge) wieder zu entdecken. Das Potential ist da, doch dafür muss Staffel 2 etwas mehr in seine Animation investieren, ansonsten wirken die großen Action-Sequenzen mit den Vampiren eher betulich und behäbig.
Ricky Gervais zählt nicht zu meinen Lieblingskomikern und Stephen Merchant kenne ich hauptsächlich als amüsanten Gast aus US-Talk Shows. Dass beide in England Berühmtheiten sind, war mir klar, doch dass sie mit der Reise-Doku-Serie „An Idiot Abroad“ einen veritablen Comedy-Klassiker erschufen, war mir unbekannt. Der von ihnen immer wieder für seine simple Lebenssicht veralberte Karl Pilkington wird in der 1. Staffel (2010) zu den sieben Weltwundern geschickt, und dabei auch noch mit einigen unangenehmen und für Karl unapettitlichen Momenten und Beobachtungen konfrontiert. Ob exotische Küche, Schlafsituationen oder Toiletten. Nichts scheint ihm Spaß zu machen. Auch wenn immer der leise Zweifel bleibt, wie viel hier gespielt ist und wie viel tatsächlich der Person Karls geschuldet, ist dies stellenweise eine unfassbar lustige Reise-Doku, fernab glänzender PR-Bilder. In Ägypten steht er quasi auf einer Müllhalde und sieht die Pyramiden als Quasi-Parkplatz, Machu Piccu lässt er per Archiv-Material in Voice Over präsentieren, da ihm der weg zu anstrengend ist (die Peru-Ausgabe ist ohnehin das Highlight der Staffel) und in Brasilien wird seine ganze Sexualität in Frage gestellt, ehe er zu Cristo Redentor gelangt. Ein sehr amüsantes Kleinod britischer Unterhaltung.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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