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Drei Kinobesuche, einige Filme mit der großartigen Ann Dvorak und noch ein paar Serien-Staffeln – darunter das beeindruckende „L’amica geniale“ – standen am Programm für den Jahresabschluss 2018. Ein guter Querschnitt für das restliche Jahr, und ein Monat in dem wirklich alles breit gestreut zu finden war, von der tollen Doku „RBG“ über den Kritikerhit „Manbiki kazoku“ bis zuFernsehware wie „Das Wunder von Wörgl“.

Neuzugänge
Mit der Roman-Adaption „A Simple Favor“ (2018) präsentiert Paul Feig eine etwas dunklere Seite seines Könnens. Doch bevor man zu sehr an einen finsteren Thriller denkt, wirft Feig ein paar Comedy-Momente hinein, und lockert das absurde Geschehen um eine wunderschöne junge Frau (Blake Lively) die sich mit einer eher unscheinbaren jungen Frau (Anna Kendrick) aufgrund der Freundschaft ihrer Söhne befreundet, ein wenig auf. Der Entführungs-Identitäts-Thriller ist Material wie aus „Gone Girl“, doch scheint Feig dem nicht ganz zu vertrauen und vermischt dies zu einer schwarzhumorigen Groteske, in der Lively und Kendrick glänzen.
In den letzten Jahren wurde die Richterin Ruth Bader Ginsberg zu einer Ikone der Linken in den USA. Die Richterin am Supreme Court zeigt immer wieder mit Einzelbegründungen zu Urteilen, denen sie widerspricht, auf und ist eine Art moralischer Kompass geworden. In der unterhaltsamen aber auch ein wenig unkritischen Dokumentation „RBG“ (2018) wird ihr beeindruckender Werdegang nachgezeichnet. Von den Widerständen an den US-Colleges und in der Juristerei, die man gegenüber Frauen hatte, über ihre Kämpfe für Gleichberechtigung bis hin zu ihrer Ernennung als Richterin am Supreme Court. Es ist ein auch bewegendes Zeugnis zum Leben einer imposanten Frau.
Das japanische Drama „Manbiki kazoku“ (2018) war der abschließende Kinobesuch des Jahres. Der Gewinnerfilm der Filmfestspiele von Cannes, ist ein ruhiger, konzentriert und zuweilen auch sehr humorvoller Blick auf eine „Familie“, die mit Diebstählen, Schwindeleien und einem eigenwilligen Moralempfinden sich über Wasser hält. Als sie die kleine Yuri, die von ihren Eltern misshandelt wird, zu sich nehmen, beginnt eine Dynamik, die ihr Schicksal bestimmen wird. Die Struktur des Familienclans war mir nicht immer ganz klar, und die Erklärungen am Ende behandelten doch nur das Offensichtliche, doch bis dahin, ist es ein sehr schöner und sehr kluger Film über Familie und Überlebenswillen.

Etwas zufällig stieß ich wieder auf eine Reihe von Filmen mit Ann Dvorak, und diese Gelegenheit durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. In der Kleinstadt-Komödie „Stranger In Town“ (1931) gehört die Handlung ganz dem von Bühnenkomiker Charles „Chic“ Sale dargestellten Postbeamten/Ladenbesitzer Ulysses Crickle. Mit viel Selbstsicherheit liefert der Mit-Vierziger Sale die überzeugendste Darstellung eines „old geezer“, die ich in einem Film aus dieser Zeit sehen konnte. Daneben hat es Ann Dvorak als dessen Enkelin recht schwer, zu glänzen. Sie ist die zwischen ihrem Opa und ihrem Mann hin und her gerissene Frau, da ihr Mann in der Stadt ebenfalls einen Laden eröffnet. Das moralische Dilemma spielt sie gut aus, doch gehört der Film eindeutig „Chic“ Sale.
Besser gefiel mir da ihre Darstellung als Geliebte eines Rennfahrers in „The Crowd Roars“ (1932). Unter der Regie von Howard Hawks liefert James Cagney als Joe Greer eine solide aber nicht aufregende Darbietung, als Rennfahrer, und Hawks zeigt großartiges Material zum Rennsport des beginnenden 20. Jahrhunderts. Dvorak hat eine Handvoll Szenen, mit teilweise schwach geschriebenen Dialogen, und doch glänzt sie und holt alles mögliche aus diesen wenigen Dialogzeilen heraus. Selten war sie koketter als in ihrem ersten Dialog mit Cagney und zeigt sie großartig Mitgefühl, bei ihrer erneuten Begegnung. Ein solides Melodram, aufgewertet durch die Rennszenen und Dvorak.
Weniger beeindruckt war ich von dem etwas eigenwilligen Film Noir „Midnight Alibi“ (1934). Darin spielt Richard Barthelmess einen Gangster, der bei einer älteren Dame Unterschlupf findet und die ihm ein Alibi liefert. Dvorak zeigt als Schwester eines Gangsters, eine Variation ihrer „Scarface“-Leistung.
Viel stärker ist dagegen ihr Auftritt in dem Western „The Return of Jesse James“ (1950), in dem ein Cowboy als Double des wenige Monate zuvor erschossenen Jesse James wieder gemeinsam mit der alten James-Gang reitet und Banken überfällt. Es ist ein überraschend post-modernes Konzept und kann auch stellenweise richtiggehend fesseln, auch wenn die Handlung doch immer wieder sehr vorhersehbare Wege einschlägt. Die Charaktere sind allesamt solide, aber ein wenig eindimensional, was Ann Dvorak nicht daran hindert, eine einprägsame Leistung als Freundin des Outlaws zu bieten, die immer wieder für Unfrieden (und damit Dynamik in der Handlung) sorgt. Mehr ein Film Noir im Westerngewand, denn ein Western.
Mit viel Spannung wartete ich auf „Mary Magdalene“ (2018), mit Rooney Mara in der Titelrolle und Joaquin Phoenix als Jesus. Die Besetzung und die Aussicht auf die Jesus-Geschichte aus Sicht von Maria Magdalena erzählt, klang spannend, doch Garth Davis zeigt einen sehr konservativen Film. Abgesehen von der Perspektive, könnte „Mary Magdalene“ auch als erbaulicher Bibelfilm in einer Kirche gespielt werden. Nichts wird infrage gestellt, nichts wird auch nur zu irgendeinem Zeitpunkt angezweifelt. Es ist eine konservative Predigt, über die Wunder Jesu.
Weshalb der 1980er-Klassiker „Predator“ über Jahrzehnte immer versucht wird, Fortsetzungen und Neuauflagen zu produzieren, erschließt sich mir nicht. Spätestens mit Shane Blacks „The Predator“ (2018) sollte diesem Unterfangen endlich ein Ende gesetzt werden. Ein ins amerikanische Vorort-Milieu versetzter, derber Sci-Fi-Horror mit nur manchmal zündenden Gags, langweilt das Geschehen über die gesamte Laufzeit. Einzig Sterling K. Brown kann manch amüsanten Moment für eine gute Darbietung nutzen.
Die Adaption des Tschechov-Klassikers „The Seagull“ (2018) ist unter Michael Mayer fantastisch besetzt, doch auch starr und leblos. Annette Benning und Saiorse Ronan glänzen im Liebes-Dreieck um den berühmten Autor (dargestellt von Corey Stoll), doch bleibt es bei Elisabeth Moss, die besten Szenen zu bieten.
Bitterböse und tiefschwarz, ein Thriller der mehr an eine Höllenfahrt erinnert. „Ang-ma-reul bo-at-da“ (2010) zeigt den südkoreanischen Filmemacher Kim Jee-woon in Hochform, auch wenn manche Entscheidung mehr als fragwürdig erscheint. Als seine Verlobte von einem Serienkiller brutal ermordet wird, entschließt sich der Hinterbliebene (Lee Byung-hun) dazu, den Täter aufzustöbern und zu quälen. Dass dabei der Psychopath Kyung-chul (Choi Min-sik) weiter sein Unwesen treiben und Frauen misshandeln kann, oder dass eine Kannibalen-Sippe plötzlich im Geschehen auftaucht, sind Dinge, die den Film noch bitterer wirken lassen, als er nicht ohnehin schon ist.
Weiter im Ann-Dvorak-Marathon, erscheint mit der satirischen Musik-Komödie „Crooner“ (1932) von Lloyd Bacon, ein überraschend unterhaltsames Kleinod, welches zwar von einer fragwürdigen Moral durchzogen ist, aber David Manners als vom Ruhm verzogenen Sänger und Ann Dvorak als seine ihn stets unterstützende Freundin zeigt. Kurzweilig, aber auch ein wenig konservativ.
In „College Coach“ (1933) hat William A. Wellman ganz andere Moralvorstellungen. In bester Pre-Code-Manier zeigt er das Treiben des Football-Trainers Gore Pat O’Brien, und wie er mit fragwürdigen Vorstellungen, sein Team zur Spitze führt. Damit seine Star-Spieler, wie etwa Buck Weaver (ein exzellent aufgelegter Lyle Talbot), auch teilnehmen dürfen, wird bei Schulnoten getrickst und interne Rivalitäten angeheizt. Wie nebenbei läuft das Ehe-Drama von Coach Gore und seiner Frau (Ann Dvorak), die immer wieder von Buck Weaver umgarnt wird. Ein überraschend moderner Film, der nur zum Ende hin, einem etwas konventionellen Happy Ende den Weg frei macht.
In dem Historiendrama „Das Wunder von Wörgl“ (2018), basierend auf einer wahren Begebenheit, zeigt Karl Markovics als besonnener und dem Wohl der Menschen verpflichteter Bürgermeister wider Willen, seine ganze Souveränität und spielt sein Charisma gekonnt aus. Das Drehbuch von Thomas Reider ist ein wenig zu offensichtlich in seinen Bezügen zur Gegenwart, doch funktioniert das unterhaltsam inszenierte Drama trotz der etwas zu platten Dramaturgie durchaus.
Zwischendrin wieder ein Film mit Ann Dvorak, und diesmal eine versteckte Perle der Unsinnigkeit. In dem Thriller „Blind Alley“ (1939) ist sie die Gangsterbraut, die auch nicht vor Gewalt und Einschüchterung zurückschreckt, als sie gemeinsam mit ihrem Freund Hal (Chester Morris) im Haus des Psychologen Dr. Shelby (Ralph Bellamy) landet. Als Hal mit seiner Crew die Familie des Psychologen als Geisel nimmt, kommt es zum unerwarteten Psycho-Duell zwischen Dr. Shelby und Hal. Es ist Amateur-Freudianisches Kino, mit Klischee-Gangstern und einem hanebüchen präsentierten Ödipus-Komplex, doch zugleich sind fantastisch gefilmte Sequenzen vorhanden und vor allem Ann Dvorak darf in ihrer etwas undankbaren Rolle, großartig aufspielen.
Es ist irgendwie unglaublich festzustellen, dass ich bislang noch nie einen Film mit dem legendären Rudolph Valentino gesehen habe. In neueren Editionen der „1001 Movies“ taucht dann auch sein Abenteuer-Film „The Eagle“ (1925) auf, und es ist auch verständlich warum. Der verboten gut aussehende Valentino, ist als Adeliger, der sich hinter der Maske des „Black Eagle“ verbirgt, nachdem sein Vater für die verschmähten Avancen der Zarin bezahlen musste. Es gibt viele großartige Momente, wie jener, in dem die Zarin (Vilma Banky) den Leutnant (Valentino) mit ihrer Hand nach unten drückt. Die angedeutete sexuelle Handlung und ihr befriedigter Gesichtsausdruck sagen hier alles. Im Grunde ist „The Eagle“ – basierend auf einer Geschichte von Alexander Puschkin – vor allem ein Robin-Hood-artiger Abenteuer-Film, mit viel Spannung und guten Darstellern.
Der vor allem in Großbritannien bekannte Kinderbuch-Figur Paddington, erlebte mit dem überaus erfolgreichen Realfilm „Paddington“ (2014) seine Premiere auf der großen Leinwand. Während die Stimmarbeit von Ben Whishaw sehr sympathisch wirkt, und auch Hugh Bonneville und Sally Hawkins als Quasi-Adoptiveltern mit viel Charme arbeiten, ist der Plot für das kindliche Publikum sehr simpel gehalten. Nicole Kidman hat sichtlich Spaß daran, eine wenig komplexe Bösewicht-Rolle zu übernehmen. Sympathisch, mit manch tollem Gag, aber viel zu oberflächlich und simpel.
Drei Jahre später sollte Paul King, der auch den ersten Teil inszenierte, mit „Paddington 2“ (2017) die Filmwelt jedoch völlig überraschen. Es ist in vielen Elementen nur eine Wiederholung der Gags und Mechanismen des ersten Films, und doch ist „Paddington 2“ (2017) ein überraschender, spannender und extrem lustiger Kinderfilm, der alles richtig macht, um auch das erwachsene Publikum zu begeistern. Nicht nur kommen zum britischen All-Star-Cast auch noch famose Darsteller wie Ben Miller, Noah Taylor und Brendan Gleeson hinzu, sondern darf Hugh Grant in der wohl besten Performance seiner Karriere einen eitlen Bösewicht geben, der so viel besser und interessanter ist, als es ein Film wie „Paddington 2“ haben soll, doch auch der Film ist besser als zu erwarten war. Natürlich folgt auch „Paddington 2“ den Formeln des Kinderfilms, doch weiß Paul King immer wieder mit großartigen Gags zu überraschen, und schließlich ist Hugh Grant einfach fantastisch.
Die erfolgreiche Landkrimi-Reihe des ORF wird mit Ende des Jahres wieder fortgesetzt und die beiden bislang veröffentlichten Arbeiten zeigen ein solides Niveau. Die erste Arbeit ist diesmal der Wien-Beitrag „Achterbahn“ (2018) von Wolfgang Murnberger, mit einem gut aufspielenden Tobias Moretti in der Hauptrolle als Major Vilser, der im Drogen- und Rotlichtmilieu für Ordnung sorgen soll. Dass Vilser jedoch selbst enge Verknüpfungen in diese Szene hat, macht seine Aufgabe nicht einfacher. Abgesehen von Moretti, kann einzig Christopher Schärf als Kleinkrimineller überzeugen. Murnberger zeigt das Milieu ohne jeden falschen Glamour und als überraschend alltägliche Angelegenheit.
Der Beitrag aus Oberösterreich ist mit Nikolaus Leytners „Der Tote im See“ (2018) eine Fortsetzung zum Publikumshit „Der Tote am See“. Erneut ermittelt Maria Hofstätter, diesmal den Mord an einem Mann (Fritz Karl), der mit Fortdauer der Ermittlungen immer deutlichere Verbindungen zum Ex-Polizisten Sepp Ahorner (Josef Hader) zu haben scheint. Im Vergleich zum ersten Film, sind die Rückblenden und die Dramaturgie etwas zu platt geraten, doch gefallen vor allem die stark ausgearbeiteten Charaktere. Vor allem Maria Hofstätter nutzt die Gelegenheit, um eine starke Ermittlerin zu spielen.
Der Kurzfilm „The Back Room“ (2011) von Mirjam Baker und Michael Kren, ist eine technisch feine Arbeit, um einen Mann, der in einem Zimmer eingesperrt erkennt, dass er mit einer kleinen Box ein ganzes Zimmer einrichten kann. Der Stop-Motion-Animationsfilm ist amüsant und kurzweilig, und hat auch eine nette Pointe zu bieten.
Die Regisseurin Mia Hansen-Love scheint mir immer wieder in Filmmagazinen zu begegnen, und doch ist „L’avenir“ (2016) die erste Arbeit von ihr, die ich zu sehen bekomme. Isabelle Huppert glänzt in der Hauptrolle als Philosophie-Professorin, die von privaten Turbulenzen zu immer neuen Richtungsentscheidungen in ihrem Leben getrieben wird. Hansen-Love zeigt dies alles sehr nüchtern, ohne dramatische Wendungen. Wenn etwas passiert, dann bricht dies über die Charaktere herein, und diese arrangieren sich mit den neuen Gegebenheiten. Diese Nüchternheit führt leider zur Gefahr, dass alles nur dahin plätschert. Hupperts fantastische Leistung ist jedoch Grund genug um bis zum Ende gebannt zuzusehen.
Der großartige Stanley Tucci führt in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal auch Regie. In dem kompakten und wie ein Kammerspiel angelegten „Final Portrait“ (2017) zeigt er Geoffrey Rush als Alberto Giacometti und Armie Hammer als Journalisten James Lord, dessen Porträt er malen möchte. Doch was als kurze und flotte Arbeit gedacht war, wird aufgrund der Zweifel Giacomettis zu einer einzigen Tortur für alle Beteiligten. Tony Shaloub darf in einer Nebenrolle als Giacomettis Bruder kleine Glanzpunkte setzen und Sylvie Testud und Clémence Poésy sorgen für emotionale Verwirrungen. Es ist kein großer oder einprägrsamer Film, doch Tucci bringt eine charmante Leichtigkeit in das Spiel großer Akteure hinein und zeigt die Selbstzweifel eines Künstlers mit Ernst aber auch Humor.
Wieder einmal kann ich mich bei arte bedanken, dass ich eine Reihe interessanter Kurzfilme zu Gesicht bekam. Die Arbeit der deutschen Anne Isensee mit „Megatrick“ (2017) ist eine knappe und amüsante Zeichentrick-Leistung, die an alte Clips aus den 1930ern erinnert. Animations-Routinier Daniel Greaves hat seinen Spaß in „Big Bag“ (2017) damit, einen jungen Mann mit einem übergroßen Rucksack auf Urlaub zu schicken, was bereits bei der Abreise im Zimmer zu scheitern scheint. Der portugiesische Beitrag „Água mole“ (2017) ist eine poetische Betrachtung der Landflucht, während der russische Film „Neputovanja“ (2018) eine von der Außenwelt abgeschottete Gesellschaft zeichnet, die beinahe in Angst vor der Welt außerhalb der nationalen Grenzen lebt.
Als Disney seine „Dschungelbuch“-Realverfilmung in die Kinos brachte, war diese ein derart durchschlagender Erfolg, dass jedes Konkurrenzprojekt nur unter dem Vergleich leiden konnte. So ist es kein Wunder, dass Warner Bros. die Verleihrechte an „Mowgli: Legend of the Jungle“ (2018) an Netflix verkaufte, und der Film eher wenig beachtet beim Streaming-Dienst seine Premiere feierte. Die betont dunklere Version der Rudyard Kipling-Geschichte, zeigt einige neue Facetten, die in der Disney-Version aus Rücksicht auf ein betont familiäres Publikum fehlen. Andy Serkis zeigt hinter der Kamera sein Können, doch funktioniert auch seine Version für mich nicht wirklich. Bei der Disney- als auch der Warner Bros./Netflix-Version stellt sich mir die Frage, weshalb diese Filme überhaupt existieren. Denn was sie zeigen, sind großteils nur aufgewärmte Ideen, die schon längst besser verarbeitet wurden.
Die Netflix-Dokumentation „Shirkers“ (2018) wäre wohl an mir vorüber gegangen, hätte nicht das Sight & Sound einen großen Beitrag dazu und seiner Hintergrundgeschichte gehabt. Die aufregende wahre Geschichte von drei taiwanesischen Teenies – darunter Regisseurin Sandi Tan – und ihrem Traum, Filme zu drehen, nur um von ihrem Lehrer und Mentor betrogen zu werden, ist der Stoff für eine Dokumentation, die den Vorkomnissen von vor fast 20 Jahren auf den Grund geht. Denn als die verschwundenen Filmrollen ihrer Arbeit plötzlich wieder auftauchen, kann Sandi Tan nicht anders, als ihre Vergangenheit und die Arbeit an ihrem Film neu zu ergründen. Das ist stellenweise ein wenig arg egozentrisch geraten, doch ist diese Geschichte einfach zu spannend, um sie nicht anzusehen.
David Robert Mitchell konnte mit seinem Horrorfilm „It Follows“ eine treue Anhängerschaft hinter sich scharen. Sein Nachfolgefilm, der Neo-Noir „Under the Silver Lake“ (2018) ist dann auch genau das, was man sich von einem über-hypten Filmemacher, der alle Möglichkeiten bekommt, im negativen Fall erwartet. Die Handlung um einen jungen Mann (Andrew Garfield), der das Verschwinden einer jungen Frau (Riley Keough) untersucht, ist konfus, unzusammenhängend und voller filmisch interessanter Ideen, die aber keinen ganzen Film ergeben. Immerhin sieht man Garfield zugedröhnt zu „What’s The Frequency, Kenneth?“ tanzen, doch das ist auch schon das Highlight eines wirren Films, der glaubt viel intelligenter zu sein, als er wirklich ist. David Robert Mitchell geht hier denselben Weg, wie einst Richard Kelly nach „Donnie Darko“.
Wer hätte vor einigen Jahren noch gedacht, dass der beste Film des Jahres und der emotional aufgeladenste und persönlichste Film eines zum internationalen Film-Auteur aufgestiegenen Regisseurs von Netflix stammen würde? Alfonso Cuarón zeigt mit „Roma“ (2018) eine sehr persönliche Geschichte über seine Kindheit in Mexiko, erzählt aus der Sicht des Dienstmädchens Cleo (Yalitza Aparicio), die sich um den Haushalt und die Kinder einer gutbürgerlichen mexikanischen Familie kümmert. Es ist eine Ansammlung kleiner Momente, die sich vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Umbrüche ereignen, und nach gut 70 Minuten bricht dieser große gesellschaftliche Rahmen in das „einfache Leben“ von Cleo und der Familie ein. Cuarón kann mit „Roma“ Vergleiche mit Ingmar Bergman oder Luis Bunuel für sich in Anspruch nehmen, so elegant ist das Schwarzweiß-Drama, so mitfühlend ist die Darstellung von Cleo und so unschuldig und doch voller Andeutungen auf die Zukunft hin, sind die Handlungen der Kinder. Schwangerschaften, unglückliche Liebschaften, Natur- und Politkatastrophen. „Roma“ ist ein ungemein komplexer und ebenso großer wie auch intimer Film. Ein Meisterwerk von welchem noch in vielen vielen Jahren gesprochen werden wird, und das Cuarón endgültig zu einem der ganz Großen seiner Generation empor hebt.
Wie üblich bei österreichischen Produktionen, nehme ich mir vor, diese im Kino zu sehen, schaffe es meist doch nicht, und hole sie zu Hause nach. Dies ist oft genug schade, denn ein Film wie Barbara Alberts „Licht“ (2017) hat sich viel Publikum im Kino und ein entsprechend hohes Einspielergebnis verdient. Maria Dragus spielt die von Kindheit an blinde Pianistin Maria Theresia Paradis, die durch die Lande zieht und ihr Talent einem höfischen Publikum präsentiert. Als sie zur Behandlung ihrer Blindheit beim fortschrittlich denkenden Dr. Mesmer (Devid Striesow) landet, sind die Umwälzungen im Leben für „Resi“ beinahe zu viel. Barbara Albert zeigt, wie schon Jessica Hausner im fantastischen „Amour Fou“, ein mit viel Wissen zur Historie ausgestattetes Kostümdrama, welches aber vor allem in den Räumlichkeiten stattfindet. Albert hat aber auch viel Mut, indem sie keinerlei Sympathieträger zulässt, denn selbst „Resi“ kann missgünstig und arrogant sein, von der höfischen Gemeinde und dem adeligen Publikum ganz zu schweigen.
Zwei weitere Filme mit Ann Dvorak haben es gegen Ende des Jahres noch zu mir geschafft. Zunächst mit Dvorak in einer seltenen Hauptrolle in „Racing Lady“ (1937) in der sie eine Pferdetrainerin spielt, die den merkwürdigen Avancen eines Millionärs widerstehen will, und am Ende ja doch nachgibt. Ein simpler aber vergnüglicher Film, der Dvorak in guter Form zeigt, auch wenn die Handlung selbst kaum zu Begeisterungsstürmen anregt.
In „Gentlemen Are Born“ (1934) hat sie zwar nur eine Nebenrolle, doch ist die nüchterne und ernüchternde Darstellung einer Gesellschaft, die ihre Jugend an die Colleges drängt, nur am Arbeitsmarkt keine Verwendung für sie zu haben, ein leider allzu aktuelles Thema. Beinahe zu nüchtern und kalt, aber mit einer interessanten Handlung.
Der apokalyptische Thriller „Bird Box“ (2018) zeigt Susanne Bier erstmals als Regisseurin abseits melodramatischer Kost. Umso gespannter war ich darauf, wie sie Horror inszeniert, noch dazu mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Doch auch wenn die Quasi-Zombie-Handlung (ohne Zombies, aber auch mit Anklängen an „The Mist“) sehr vertraut wirkt, gelingt es Bier die zwei Stunden flott zu inszenieren und Bullock (sowie in einer Nebenrolle John Malkovich) spielen gut auf. Ein unterhaltsamer Horrorfilm, der aber nichts neu erfindet.
Paul Schraders Regiedebüt „Blue Collar“ (1978) ist ein prototypisches Beispiel für den New Hollywood-Stil. Am Beispiel einer Autofabrik (angelehnt an General Motors und Ford) zeigt Schrader, wie sich die Gewerkschaft, Geschäftsführung und die Arbeiter gegenseitig aufhetzen. Drei Kollegen (Richard Pryor, Harvey Keitel und Yaphet Koto) beschließen, aus Geldsorgen, den Safe der Gewerkschaft zu knacken. Doch die Beute sorgt nur für weitere Verwicklungen in Erpressung und politischen Machtspielen. Ein wütender und auch traurig stimmender Film.
Der indisch-britische Stummfilm „Prapancha Pash“ (1929) ist alleine deshalb bekannt, da er prototypisch für die indische Filmproduktion steht. Ein weitschweifiges und schön ausgestattetes Märchen, dessen Inhalt mich aber keine Sekunde lang fesseln konnte.
Die Action-Komödie „Bad Times at the El Royale“ (2018) ist mehr oder weniger eine alternative Version von Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“. Ende der 1960er finden sich im heruntergekommenen Motel „El Royale“ einige zwielichtige Gestalten (Jeff Bridges, Dakota Johnson Jon Hamm, Chris Hemsworth) ein, und liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel um falsche Identitäten, geheime Vergangenheiten und viel viel Geld. Drew Goddard macht daraus eine amüsante Kammerspiel-Show in der immer wieder überraschende Highlights auftauchen. Bei knapp 140 Minuten Länge aber bei allem guten Willen doch viel zu lang geraten.
Der chinesische Stummfilm „Shen nu“ (1934) ist vor allem aufgrund seiner Hauptdarstellerin Lingyu Ruan, die in ihrer kurzen Karriere in 29 Stummfilmen mitgespielt hat und in ihrer Heimat ein von Skandalen umwehter Star war. Hier spielt sie eine Prositutierte, die versucht, für ihren Sohn, ein erträgliches Leben zu schaffen. Es ist ein effektives, wenngleich etwas vorhersehbares Melodram, mit einer starken Leistung in der Hauptrolle, unterstützt von adäquat aufspielenden Nebendarstellern, die ihre nicht sonderlich komplexen Charaktere in den Dienst der Geschichte stellen.
Von der ersten Minute an, fürchtet man das Schlimmste in der TV-Komödie „Nichts zu verlieren“ (2018). Doch Regisseur Wolfgang Murnberger kann sich auf Georg Friedrich verlassen, der gemeinsam mit Christopher Schärf auf der missglückten Flucht nach einem leidlich erfolgreichen Einbruch einen Reisebus mit Trauernden kapert. Schwache Dialoge, merkwürdig platte Dramaturgie und doch sehenswert, allein des Spiels einzelner Akteure (allen voran Friedrich) wegen.
Mit Spannung erwartet und viel Lob bedacht wurde Jacques Audiards englischsprachiges Debüt „The Sisters Brothers“ (2018). Joaquin Phoenix und John C. Reilly sind die titelgebenden Brüder, deren Broterwerb die Menschenjagd ist. Im Oregon der 1850er, suchen sie Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed), doch Eli (fantastisch hier: John C. Reilly) hinterfragt die Berufswahl und die Partnerschaft mit seinem Bruder. Audiard geht nicht die erwarteten Wege und gewisse Handlungsstränge verlieren sich auch ein wenig im Nichts, während die Darsteller (darunter auch noch Jake Gyllenhaal) allesamt großartig aufspielen. Die Intensität seiner französischen Filme fehlt Audiard hier ein wenig, da die Handlung etwas zu zerfahren wirkt.
Zwei Stummfilme von Alfred Hitchcock kamen noch unverhofft zur Ansicht. Sein Boxer-Melodram „The Ring“ (1927) war dabei noch dazu ein überraschendes Kleinod, in dem er mit vielen technischen Tricks und Kniffen den Kampf zweier Boxer um die Liebe einer Frau darstellt. Noch dazu hatte Hitchcock hier selbst das Drehbuch verfasst und man merkt, dass ihm Dialoge nicht sonderlich wichtig waren. Ein überraschend einprägsames Frühwerk.
Das kann man von „The Manxman“ (1929), seinem letzten reinen Stummfilm, leider nicht sagen. Auch hier geht es um die Liebe zweier Männer zu einer Frau, diesmal verknüpft mit falschen Todesnachrichten und Kuckuckskindern. Ein Film den Hitchcock selbst auch nicht sonderlich hoch in Ehren hielt.
Robert Redford kündigte an, mit seiner Rolle in „The Old Man & the Gun“ (2018) seine Schauspielerkarriere zu beenden. Es wäre ein sehr würdevoller und sympathischer Abschluss, als Gentleman-Bankräuber Forrest Tucker, der mit MItte 60 eine Flut an Banküberfällen erledigte, und vor allem durch sein charmantes Auftreten beeindruckte. In David Lowerys Nacherzählung dieser wahren Geschichte, liegt der Fokus auch auf der Liebesgeschichte mit Jewel (Sissy Spacek) und der Midlife-Crisis des Polizisten John Hunt (Casey Affleck). Diese Nebenstränge verdichten das humorvolle Drama zu einem nostalgisch-sympathischen Film.

The 1001 Project
Weshalb der französische Film „Loulou“ (1980) von Maurice Pialat zu den „1001“-Filmen zählt, ist mir nicht klar. Nelly (Isabelle Huppert) verlässt ihre gutbürgerliche Existenz, um mit dem wilden aber unsteten Loulou (Gerard Depardieu) zusammen zu sein. Pialat zeigt diese Liebe, die auch von Misstrauen, Verrat und Verlustängsten geprägt ist, als Gegenentwurf zu einer spießigen Bürgerlichkeit. Doch es liegt vor allem an Depardieu und Huppert, die das Paar realistisch wirken lassen. Der Rest des Ensembles und die ganze Geschichte, wirken unglaubwürdig und nerven mit der Zeit auch unsagbar.
Ein Musical über Musicals. Die Meta-Ebene wurde, nachdem sich der Tonfilm durchgesetzt hatte, sehr früh bearbeitet. Lloyd Bacon zeigt in dem hoch geschätzten „42nd Street“ (1933) die chaotische Entstehung einer Broadway-Show. Das ist so interessant, wie man die Szene nun einmal interessant findet. Während die Choreografie beeindruckt, ist es inhaltlich keine sonderliche Offenbarung.
Die Musikkomödie „Footlight Parade“ (1933) von Lloyd Bacon konnte mich mehr beeindrucken als das zuvor gesehene „42nd Street“, was wohl auch mit der Darbietung von James Cagney als Show-Impressario auf der Suche nach einer guten Vaudeville-Show zu tun hat. Cagney bietet überdrehte und spielfreudige Energie, während das Geschehen hinter den Kulissen und auf der Bühne am Broadway für Heiterkeit sorgt. Die großen von Busby Berkley choerografierten Einlagen sind zwar nicht ganz mein Fall, doch ist der um sie gebaute Film eine Augenweide.

Re-Visited
Gemeinsam mit „The Butler“, scheint für mich „The Help“ (2011) einer jener Filme zu sein, die auf einprägsame und doch unterhaltsame Weise, die Rassenproblematik in den USA aufgreifen. Tate Taylors immens erfolgreiche Erzählung rund um Dienstmädchen in den Südstaaten – mit Viola Davis und Octavia Spencer als die herausragenden Persönlichkeiten – und ihrem Verhältnis zu den Hausherrinnen – darunter eine etwas zu sehr als Karikatur auftretende Bryce Dallas Howard und Jessica Chastain – ist humorvoll und schmerzhaft, und zeigt strikt die weibliche Perspektive. Es fallen zwar auch einige Klischeemomente auf (wie etwa die Kennedy-Beerdigung), die wenig subtil eingebaut werden, doch ist es insgesamt ein sehr gelungener Film.
Während in den Kinos das Remake von Luca Guadagigno läuft, konnte ich dank arte wieder einmal das Original von Dario Argento bewundern. „Suspiria“ (1977) ist ein ästhetisch faszinierender Horrortrip, hinein in eine Welt der Hexen und dunklen Rituale, in welcher Symbolik mehr zählt als Logik. Ein großes Werk des Horror-Genres und das mitten in eine Phase, in der Argento scheinbar Nichts falsch machen konnte.
Weihnachten und Silvester sind auch die Zeit, in der liebgewonnene alte Filme von und mit Buster Keaton sowie Laurel & Hardy über die Schirme laufen. Bei arte konnte eine ganze Reihe an Kurzfilmen aus der Stummfilmzeit von und mit Keaton besichtigt werden. Neben seinen beiden Arbeiten mit Roscoe Arbuckle („The Cook“ (1918), „The Garage“ (1920)), dem ich nie so viel abgewinnen konnte, sind auch „Cops“ (1922), „The Haunted House“ (1921), „The Goat“ (1921), „The Blacksmith“ (1922), „The Paleface“ (1922), das immer wieder lustige „Neighbors“ (1920), „The Electric House“ (1922), das bei erneuter Ansicht schwächer gewordene „The Play House“ (1921) sowie „The Scarecrow“ (1920) und natürlich das großartige und alles überragende „One Week“ (1920) mit Sybil Seely zu sehen gewesen.
Laurel & Hardy waren wieder mit ihrem ersten Tonfilm, dem Kurzfilm „Unaccustomed As We Are“ (1929), wieder einmal zu sehen. Der Chaos-Reigen ist zwar noch sehr ungeschliffen und holprig inszeniert, was vor allem mit dem ungewohnten neuen Equipment zu tun hatte, war aber die Basis für den famosen Spielfilm „Block-Heads“ (1938), der immer wieder zu begeistern weiß. Irgendwo dazwischen liegt der Spielfilm „Our Relations“ (1936), bei dem die Zwillingsidee (Stan & Ollie haben eineiige Zwillinge) ganz amüsant durchgespielt wird, was für viel Tohuwabohu sorgt, doch an die großen Klassiker kommt dieses leichtgewichtige Lustspiel (immerhin mit einer guten Rolle für James Finlayson) nicht heran.
Die Fortsetzung ist demnächst in den Kinos zu sehen, also wirft man wieder mal einen Blick auf den ersten Teil. „Creed“ (2015) hat es neun Jahre nach dem sechsten (und schwer nostalgischen) Film der Reihe „Rocky Balboa“ geschafft, die Charaktere und Filmreihe mit neuem Leben zu erfüllen. Im Gegensatz zum Rest der Filmwelt bleibe ich weiter leise skeptisch, denn im Grunde bietet „Creed“ wieder all das, was man aus den vorigen „Rocky“-Filmen kennt, nur diesmal mit dem alten Boxer als Trainer und dem jungen Adonis Creed in der Aufsteiger-Rolle. Die Referenzen an „Rocky“ funktionieren kaum, die eigenständige Handlung lebt vom Charme und der Nostalgie rund um den Ursprungsfilm. Unterhaltsam, aber auch nicht mehr als ein gut gemachter Boxfilm, was ohnehin schon schwer genug ist, wie man etwa an „Southpaw“ sehen konnte.

Serien-Überblick
Zur großen Überraschung der Fernsehwelt, stellte Netflix nach der 3. Staffel (2018) seine Erfolgsserie „Daredevil“ ein. Das hat wohl auch mehr mit dem Streaming-Dienst von Disney zu tun, denn die letzte Staffel ist nicht nur erneut ein kommerzieller sondern auch ein künstlerischer Erfolg, und lässt die Tür für Staffel 4 weit offen, so offensichtlich hatten die Macher nicht mit einer Einstellung gerechnet. Man benötigt aber auch etwas Geduld, um die ersten vier oder fünf Folgen zu überstehen, so extrem langsam entrollt sich das Komplott des wieder auftauchenden Wilson „Kingpin“ Fisk (Vincent D’Onofrio), und der Rückkehr von Daredevil (Charlie Cox). Erst aber etwa der Hälfte der Staffel scheint die Handlung ihre Form gefunden zu haben, um dann mit aller Kraft loszuschlagen.
Nach der ersten Staffel, die nur aus vier Folgen bestand, hatte ich bei „Castlevania“ das Gefühl, dass hier die Basis für eine gute Animationsserie gelegt worden wäre. Nach Ansicht der folgenden acht Episoden der 2. Staffel (2018), bin ich mir nicht mehr so sicher. Es erscheint mir schon eine eigene Kunst zu sein, in acht Episoden den Kampf zwischen Vampirjägern (mit Draculas Sohn auf der Seite der Menschen) und einer von Dracula angeführten Vampir-Armee stellenweise langweilig zu gestalten, doch war ich auch nie der allergrößte Fan von Grant Morrison, der hier an den Drehbüchern mitgearbeitet hat. Es ist immer noch hübsch anzusehen, die Handlung und die Charaktere ziehen schnell ins Geschehen hinein, doch plätschern die acht Episoden so vor sich hin, ohne große Wirkung.
Eine der schönsten Überraschungen des zu Ende gehenden Serien-Jahres, ist die italienisch-amerikanische Ko-Produktion „L’amica geniale“. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Elena Ferrante – Teil von einer vierteiligen Buchreihe – zeigt in Staffel 1 (2018) den Showrunner Saverio Costanzo in einer Mischung aus nostalgischem und neo-realistischem Modus. Die Freundschaft der beiden Mädchen Lenú (Margherita Mazzucco) und Lila (Gaia Girace) ist auch die Darstellung der italienischen Lebensverhältnisse in einem ärmlichen Vorort von Neapel in den 1950ern. Die schon als Volksschulkinder sich anfreundenten Kinder, durchleben die Gewalt und Zwänge, denen vor allem Frauen und Mädchen in dieser Zeit unterlagen. Sei das der Kampf um Schulbildung oder die Frage der freien Entscheidung zur Eheschließung. Getragen von einem Willen zum Realismus, fällt das völlige Fehlen der staatlichen Gewalt auf, abgesehen Lehrern, die eine gewisse moralische Macht besitzen. Doch weder Polizei noch Kirche haben in dieser Welt etwas zu sagen. Es sind Kleinkriminelle die das Leben bestimmen, und am Ende kulminiert alles in einer wunderschön inszenierten Hochzeitsfeier, die in ihrer Einfachheit besticht, und mit einer bittersüßen Note endet, die einfach nur Vorfreude auf die kommende zweite Staffel erweckt.
Staffel 22 (2018) der langlebigen und aufgrund seiner seit längeren Zeit auf zehn Episoden/Staffel reduzierten Animationsserie „South Park“ hat wieder einmal gesellschaftspolitische Themen auf dem Radar, und bearbeitet diese mit beißendem Humor. Seien es Schulmassaker, die lästig werden, weil man ja „Red Dead Redemption 2“ spielen will, oder der Klimawandel, der in Form von Man-Bear-Pig auftaucht. Der immer wieder geradezu als Slogan eingeblendete Hastag #cancelsouthpark ist eine der bitterbösen Botschaften, die von den Machern eingebaut werden, und zugleich als Warnung an fade und teilweise problematisch gewordenen Serien wie „The Simpsons“ gerichtet sind. Es mag schon lange nicht mehr Klassiker-Momente geben, wie zuallerletzt bei der „The Coon“-Saga, doch funktioniert die Serie weiterhin in ihrer kurzweiligen und derb-bösen Haltung.
Die vierteilige Mini-Serie „The Fourth Estate“ (2018) von Liz Garbus, porträtiert das erste Jahr der Trump-Präsidentschaft aus Sicht der Redaktion der von Trump immer wieder attackierten New York Times. Vor allem das Washington-Büro der NYT steht im Zentrum der Doku-Serie. Interessant ist hier vor allem, wie sich auch innerhalb der Redaktion Geschichten entwickeln und Ansichten hervor treten, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Und so sieht man auch Dinge, die man als Medienkonsument der vergangenen Monate durchaus auch immer schon vermutet hatte. Die Scheinheiligkeit eines Stephen Bannon, die Skrupellosigkeit einiger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Trump-Administration und die egozentrische Unberechenbarkeit des US-Präsidenten selbst. Während auch noch, wie nebenbei, die #MeToo-Skandale nicht nur der NYT eine großartige Geschichte bieten, sondern diese auch noch erreichen, prägen die 12 Monate Trump das Geschäft des Hauses ungemein. Garbus zeigt nicht nur die Politik im Wandel, sondern auch, wie eine der prestigeträchtigsten Zeitungen der Welt sich wandelt, um darauf zu reagieren.
Die dreiteilige Mini-Serie „Death and Nightingales“ (2018) von Allan Cubitt, nach einem Roman von Eugene McCabe, ist die Wiedervereinigung des Regisseurs mit seinem „The Fall“-Star Jamie Dornan. Dornan spielt hier den einfachen Landarbeiter Liam Ward, der mit Beth (Ann Skelly) eine Affäre hat. Beth ist die Tochter des grausamen Landherren Billy Winters (Matthew Rhys), dem das Kind nach einer Affäre von seiner Frau untergeschoben wurde, was er mit inzestuösem Begehren und Gewalt gegenüber Beth beantwortet. Das langsam voranschreitende Melodram vermengt familiäre und romantische Wirren, mit den politischen Turbulenzen eines nach Unabhängigkeit strebenden Irlands. Die Andeutungen oder Verknüpfungen dürften einem mit der Thematik nicht vertrauten Publikum oftmals wohl einfach nur Kopfzerbrechen bereiten, während Rhys und Skelly sich in tollen Dialogduellen gegenüberstehen. Dornan hat eine etwas undankbarere Aufgabe, da seine Rolle auch als ominöser Schatten, der über der Beziehung von Vater und Tochter liegt, angelegt ist. Cubitt behält sein Erzähltempo aus „The Fall“ bei, was vor allem in Episode 2 zu mancher Länge führt, um dann im Finale geradezu überraschend intensiv zu werden.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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