Home

Langsam häufen sich die Monate in denen ich es trotz ansprechenden Filmen, nicht ins Kino schaffe. Dafür gab es wieder ein paar Netflix-Produktionen zu besichtigen. Wirklich Eindruck machten aber vor allem die Filme der „1001 Movies“-Liste, die erneute Sichtung der „Archer“-Staffeln und das Wiedersehen mit dem nunmehr 20-Jahr-Jubiläum feiernden „The Matrix“.

Neuzugänge
Der Thriller „Triple Frontier“ (2019) ist eines jener Projekte, bei denen offenbar die halbe A-Liga Hollywoods an irgendeinem Punkt beteiligt war. Schlussendlich landete das mehrfach überarbeitete Drehbuch von Mark Boal bei Netflix und J.C. Chandor, der mit einem großartigen Ensemble (Ben Affleck, Oscar Isaac, Garrett Hedlung, Chris Hunnam, Pedro Pascal) zumindest den Versuch eines gesellschaftskritisch unterfütterten Heist-Films unternimmt. Leider gelingt es nicht, die Charaktere nachvollziehbar zu gestalten, stattdessen bleiben sie eher Archetypen, wie aus einem Computerspiel. Die Ex-Soldaten, die Drogengeld stehlen, um sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen, ist intelligent inszeniert, und hat auch eine gewisse fatalistische (an „The Italian Job“ erinnernde) Ader, die aber leider, wie die Charaktere, unterentwickelt bleibt.
Weder war mir die Bandgeschichte noch die Musik von Mötley Crüe wirklich ein Begriff. Natürlich kannte ich so manchen Song und hatte eine gewisse Ahnung vom Ruf der Band, doch was mir Jeff Tremaine in „The Dirt“ (2019) präsentierte, war dann doch ein wenig überraschend. Völlig überdreht und bar jeder Konvention, scheint sich das Rockstar-Dasein der Bandmitglieder dargestellt zu haben. Das ist auch alles brav und unterhaltsam präsentiert, doch während der Trick mit dem Bruch der „Fourth Wall“ offenbar vor allem bei Netflix-Biopics gern zum Einsatz kommt, ermüdet diese Methode recht schnell den Zuseher. Nicht gut, nicht schlecht, aber auch nicht wirklich auffällig genug, um länger im Gedächtnis zu bleiben, trotz all der dargestellten Exzesse.
Der melancholisch durchzogene moderne Western „The Highwaymen“ (2019) zeigt sich als interessante Variation der Bonnie-und-Clyde-Geschichte, indem nicht die Outlaws gefeiert, sondern deren Gewalt und Brutalität ins Zentrum gerückt werden. Sie erscheinen als Gesichtslose Gewalttäter, die vor allem deshalb Unterstützung in der von der Großen Depression geschlauchten Bevölkerung erhalten, da sie Banken ausrauben und Polizisten töten. Frank Hamer (großartig: Kevin Costner) und Manny Gault (kongenial: Woody Harrelson) werden rekrutiert, um die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Ein besserer Regisseur hätte daraus einen vielschichtigen Film über das Image von Outlaws und die Undankbarkeit von Recht und Ordnung gemacht, sowie aufgezeigt, dass auch Männer wie Hamer und Gault unter der Depression litten. Doch John Lee Hancock deutet dies immer nur an. Costner ist in seiner stoischen Zielstrebigkeit gemeinsam mit Harrelson der Grund, weshalb man sich den etwas langatmigen „The Highwaymen“ ansehen soll.

Wieder zeigt bynwr.com der Welt einen vergessen geglaubten B-Movie, in diesem Fall den als Dokumentarfilm getarnten Softcore-Porno „Chained Girls“ (1965) von Joseph P. Marwa und produziert von George Weiss, der auch Ed Woods „Glen or Glenad“ finanzierte. „Chained Girls“ ist ein unfreiwillig komischer Film über lesbische Frauen, der von Schulunterrichtstonfall und billigen Nacktszenen durchzogen ist.
Michael Sturmingers „Der Hurensohn“ (2004) ist ein bemühtes Porträt zu dem jungen Ohren und seiner als Prostituierten arbeitenden Mutter. Nach einem vielversprechenden Beginn, der sich auch mit Rassismus in Wien auseinandersetzt, kippt das Geschehen aber ins Melodramatische und vorhersehbar Langweilige.
Ein Oscar und so viel Kritikerlob, wie schon lange nicht mehr für eine Marvel-Produktion, erhielt der Animationshit „Spider-Man: Into the Spider-Verse“ (2018). Die beeindruckenden Animationen und Action-Sequenzen können aber einen völlig überdrehten Handlungsverlauf, mit einem nervigen Teenager, der Spider-Man wird, und vielen verschiedenen Versionen aus anderen Universen (inklusive einer sehr amüsanten Noir-Version gesprochen von Nicolas Cage), nicht retten.
Von der ersten Szene an ist zu sehen, wie interessant Jason Reitman die Handlung von „The Front Runner“ (2018) findet. Darin zeigt er den an einem Sex-Skandal zerbrochenen Präsidentschaft-Vorwahlkampf bei den Demokraten, von Hoffnungsträger Gary Hart (Hugh Jackman). Nach einigen sehr schwungvoll und unterhaltsam inszenierten Sequenzen, beginnt aber der Film an Fahrt zu verlieren. Den Skandal lässt Reitman eher gemächlich vor sich hin plätschern, ehe die Kandidatur von Hart darunter zerbricht. Intern wie öffentlich. Ein lobenswert offener Zugang zu Politik, doch Reitman hätte eine andere Form wählen sollen, um diesen besser zu vermitteln.
Einen offenen und sympathischen Blick versucht Greg Whiteley in seiner Dokumentation „Mitt“ (2014) auf den Präsidentschaftswahlkampf von Mitt Romney zu werfen. Angefangen von Szenen familiärer Idylle beim Toben im Schnee über den ersten Versuch für die Republikaner zu kandidieren (er scheiterte an John McCain) und schließlich hin zu seiner Kandidatur beim Wahlkampf 2012 gegen Barack Obama, wird Romney als sympathischer Familienmann präsentiert. Whiteley übt keine Kritik, lässt Grautöne ausgespart und zeigt vor allem eine dem Vater und seinen Ambitionen treu zur Seite stehende Familie, auch wenn manchmal durchbricht, dass offenbar Mitt selbst, gar keine so große Freude mit dem Wahlkampf hat.
Die auf einer wahren Geschichte basierende Tragikomödie „Can You Ever Forgive Me?“ (2018) von Marielle Heller, ist ein humorvoller und sensibler Blick auf die kriminellen Aktivitäten, der aus finanzieller Not in die Illegalität getriebene Autorin Lee Israel (Melissa McCarthy). McCarthy bietet hier die beste Performance ihrer Karriere, als kantige, selbstbewusste und reflektierte Autorin, die Beziehungen verabscheut und doch sucht, die ihre Biografien schreiben will und doch keinen Leser dafür findet, und schließlich per Zufall dabei landet, Briefe berühmte Persönlichkeiten zu fälschen. Unterstützt wird sie dabei vom Kleinkriminellen Jack Hock (großartig und sich mit McCarthy famos ergänzend: Richard E. Grant), der aber schließlich doch mehr Ärger verursacht, als dass er seiner Trinkkumpanin Hilfestellung anbieten kann. Marielle Heller verwandelt die Geschichte von Lee Israel nicht in eine Saulus-zu-Paulus-Selbstfindung, sondern zeigt sie inmitten wirtschaftlicher Zwangslagen ihre Wege finden, wobei sie sehr wohl um die kriminelle Natur wissen. Auch wenn „Can You Ever Forgive Me?“ einige Punkte etwas zu leichtgewichtig abtut (Lee Israels Beziehungsleben, Jack Hocks Hintergrund), hat man es hier mit zwei tollen Performern auf der Höhe ihrer Kunst zu tun, die in einem sympathischen und kantigen Film agieren, der ein größeres Publikum verdient.
Der Thriller „Serenity“ (2019) ist eine Anomalie im Filmuniversum. Ein Hochglanz-Hollywood-Produkt, besetzt mit Stars wie Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Diane Lane, Djimon Hounsou und Jason Clarke, erzählt Steven Knight einen abstrusen B-Movie-Plot um eine Computerspiel-Simulation, in der ein klischeebeladener Neo-Noir abläuft. Dieser ist nur die Oberfläche für ein Kind, welches seinen gewalttätigen Stiefvater aus dem Weg räumen will, und zugleich erfährt Hauptcharakter Dill (McConaughey) im Spiel, dass er sich in einem Spiel befindet. Es ist so merkwürdig wie schwachsinnig, und dabei immer wieder sehr unterhaltsam auf einer Trass-Ebene. Alle Beteiligten stürzen sich mit Verve ins Geschehen und spielen ihre Klischeecharaktere, als handele es sich tatsächlich um einen Oscar-Kandidaten (als welcher „Serenity“ auch geplant war).
Erstmals drehte der iranische Zweifach-Oscar-Preisträger Asghar Farhadi in Spanien, und lässt mit seinem Familien-Entführungsthriller „Todos lo saben“ (2018) eine von Intrigen durchsetzte Geschichte auf die Welt los, die womöglich in einem iranischen Setting etwas besser funktioniert hätte. Es ist wie bei seinem französischsprachigen Werk „Le passé“, dass man Farhadi den Stilwillen und die Könnerschaft in jedem Bild ansieht, und zudem noch mit tollen Darbietungen der Stars (hier: Ricardo Darín, Penélope Cruz, Javier Bardem), belohnt wird, doch zugleich stolpert er über Klischees, die ihm in seinen großen iranischen Werken nicht passieren. So holpert der Entführungsplot ein wenig zu melodramatisch dahin, ehe es zu den Enthüllungen innerhalb der Familie und schlussendlich zur Auflösung kommt. Es ist alles hervorragend anzusehen, aber auf inhaltlicher Ebner ein wenig leer.
Peter Jacksons Dokumentarfilm „They Shall Not Grow Old“ (2018) ist ein ebenso persönlicher wie auch kontroverser Beitrag zum Ersten Weltkrieg. Jackson zeigt anhand von Archivmaterial und eingesprochener Stimmen der Soldaten, wie aus Sicht britischer Soldaten, der Kriegsverlauf sich gestaltete. Sowohl der Ausbruch des Krieges, der Alltag in den Schützengräben und schließlich die Rückkehr ins Zivilleben. Ein fantastisch aufbereiteter Film, der aber vor allem dafür in die Kritik geriet, dass Archivmaterial kolonisiert und mit Toneffekten bearbeitet wurde. Die dadurch entstandene Diskussion ist aus filmhistorischer und archivarischer Sicht hochinteressant, doch gewinnt für mich hier das Argument Jacksons, das Material zugänglicher zu gestalten. Er verändert nichts an der Botschaft, nichts am inhaltlichen Gehalt, sondern fügt zusammen, was aus technischer Sicht damals nicht möglich war: Farbe, Ton und Bild. Dadurch wirkt der Alltag der britischen Soldaten, umso bedrückender.
Der türkisch-französische Kurz-Animationsfilm „Kötü Kiz“ (2017) von Ayce Kartal beginnt unschuldig und harmlos, doch die Erzählungen eines kleinen Kindes, werden immer mehr zu einem verstörenden Bekenntnis von Missbrauch und Schmerz. Ein Film, der sich in seiner kurzen Zeit, tief ins Gedächtnis eingräbt.
Steve McQueen adaptierte gemeinsam mit Gillian Flynn die britische 80er-Mini-Serie „Widows“, und machte daraus einen ebenso intelligenten wie vielschichtigen Thriller. In seiner 2018er-Version, spielt das Geschehen um einen missglückten Diebstahl, und die Frauen, die sich nun gezwungen sehen, die kriminellen Machenschaften fortzuführen, um zu überleben, in einem von Gewalt und Korruption durchsetzten Chicago. Ds Ensemble, vor allem Viola Davis und Elizabeth Debicki sowie Daniel Kaluuya, glänzt in seinen archetypischen Rollen, und versieht diese mit ungeahnter Tiefe. McQueen derweil, nutzt subtile Tricks, um den Genre-Film mit politischer Dimension zu versehen, auch wenn die eine oder andere etwas offensichtlichere Rede nicht fehlen darf (so klingt eine Predigt eines korrupten Priesters nicht viel anders, wie Al Pacino in „City Hall“).
Die wahre Geschichte der Kriegsberichterstatterin Marie Colvin, erzählt Regisseur Matthew Heineman in seinem nüchternen Kriegsfilm „A Private War“ (2018) anhand ausgewählter Episoden. Diese dienen vor allem dazu, den Wahnsinn des Krieges aufzuzeigen, und um Rosamund Pike eine Gelegenheit zu bieten, ihr Können zu präsentieren, was ihr seit „Gone Girl“ nicht so ganz vergönnt war. An ihrer Seite glänzt Jamie Dornan in einer kleinen aber feinen Nebenrolle als ihr Fotograf Paul Conroy und auch Stanley Tucci und Tom Hollander haben gute Auftritte. Doch Heineman gestaltet seinen Film zu eintönig.
Die in zwei jeweils zwei Stunden langen Teilen präsentierte Dokumentation „Leaving Neverland“ (2019) ist ein erbarmungsloser und ebenso nüchterner wie aufwühlender Beleg, für die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson. Wade Robson und Jimmy Safechcuck erzählen in ruhigen aber sehr bestimmt vorgetragenen Details, wie sie als Kinder den größten Pop-Star der Welt kennenlernten, dieser sich das Vertrauen ihrer Familien erwarb und schließlich über Jahre missbrauchte. Dan Reeds Dokumentation bietet die Vorwürfe der heute erwachsenen Männer und ihrer Familien, ihre Eindrücke und Erinnerungen. Es ist kaum möglich, dies schlicht als gemeine Vorwürfe Geldgieriger Menschen abzutun, sondern erweckt bereits Jahrzehntealte Vorwürfe wieder zum Leben, die einst mit viel Geld aus dem Weg geschafft wurden. Reed hätte seine beiden Filme wohl etwas straffer gestalten können, denn die Stärke hier ist das nüchterne Gespräch, und wird immer wieder durch Luftaufnahmen unterbrochen.
Schriftstellerin Delphine (Emmanuelle Seigner) lernt auf einer Lesetour für ihren letzten Roman, die verführerische Elle (Eva Green) kennen, die sich langsam in ihr Leben schleicht und die Kontrolle darüber übernimmt. In „D’apres und historie vraie“ (2017) zeigt Roman Polanski den Konflikt von Künstler und Ghostwriter, und auf einer symbolisch überhöhten und auch etwas überfrachteten Ebene, den Kampf des Kreativen. Seigner und Green ergänzen sich toll, und vor allem Eva Green bekommt die Gelegenheit in vielen verschiedenen Situationen mit überraschenden Stimmungswechseln zu glänzen, doch Polanski (und Co-Autor Olivier Assayas) ist mehr an der Dekonstruktion des kreativen Prozesses interessiert, was ihm hier nur zum Teil gelingt.
Die wahre Geschichte des Models Waris Dirie, die als Kind der somalischen Tradition, der Infibulation erleiden musste. „Desert Flower“ (2009), die britisch-österreichisch-deutsche Produktion, erzählt von Diries Flucht aus Somalia nach Europa, und ihrem Weg zum Supermodel und schließlich zur Kämpferin gegen Genitalverstümmelung. Die Geschichte von Waris Dirie ist auch inspirierend und erschütternd, doch zeigt Regisseurin/Autorin Sherry Hormann dies auf die biederste Art und Weise, voller melodramatischer Sequenzen.
Der Animationskurzfilm „Sry Bsy“ (2015) von Verena Westphal will den Stress der PC-Arbeit bildlich darstellen, doch die Intention ist schon nach wenigen Sekunden klar, und so werden selbst drei Minuten zu einer zu langen Zeit.
Die junge Filmemacherin Brenda Lien präsentiert in ihrer Kurzfilm-Trilogie drei Ansichten zu Schönheit – „Call of Beauty“ (2016) – Tierleid – „Call of Cuteness“ (2017) – und dem digitalen Ich – „Call of Comfort“ (2018). Allen drei Filmen ist eine klare Stimme der Filmemacherin eins, eine sehr selbstbewusste Präsentation und ein mit den Stilmitteln (YouTube, Animation, VFX) arbeitende Filmemacherin, auf deren künftige Arbeiten man gespannt sein kann.
Der australische Animation-Kurzfilm „Habits“ (2016) ist ein humorvoller Blick auf das Leben einer jungen Frau, die fit werden will, zu viel Online bestellt und nicht mehr in ihre Lieblingskleidungsstücke passt. Ein amüsanter Film über Eitelkeit.
Quasi ein Mike-Leigh-Doppel gönnte ich mir an einem Nachmittag. Der lange im Blick befindliche „Naked“ (1993) machte nicht nur aus Leigh einen Preisgekrönten Filmemacher und Szene-Star, sondern aus seinem Hauptdarsteller David Thewlis ein bekanntes und gefragtes Gesicht. Der mit einem Minimum an Handlung ausgestattete Trip Johnny (Thewlis) flüchtet nach einer Vergewaltigung von Manchester mit einem gestohlenen Wagen nach London, wo er sich in der WG seiner Ex-Freundin Louise (Lesley Sharp) einquartiert. In London kreuzt sich der Weg des durch die Stadt irrenden und Fremde mit seiner „Philosophie“ vom Weltuntergang 1999 zuquatschende Johnny, mit dem arroganten Jeremy (Gregg Cruttwell), der seine Aggressionen gegen Frauen auslebt. Leigh zeigt eine „nackte“ Welt, ohne sympathische Charaktere, ohne Hintergrundgeräusche und scheinbar ohne Hoffnung. Es ist ein ebenso schwieriger wie faszinierender Film.
Schwierig und faszinierend war dann auch „Peterloo“ (2018), wenngleich auch eher, da Leigh hier das Massaker von Peterloo, welches sich 1818 in Manchester zutrug, mit historischer Akribie nachstellt. Eine Vielzahl an Charakteren, politischen Diskussionen und vorausahnendem bösen Omen, zeigt Leigh, und verwehrt dabei den Zugang zu nachvollziehbaren Protagonisten. Einzig Rory Kinnear kann als Orator Hunt, der die Menge bei einer friedlichen Demonstration aufheizt, sich ein wenig aus dem unüberschaubaren Ensemble herausheben.
Schon lange wollte ich Kirk Douglas Ausflug in den italienischen Sandalenfilm „Ulisse“ (1954) sehen, doch erst jetzt kam es eher zufällig dazu. Douglas ist der legendäre Held Odysseus, dessen Abenteuer in Troja und seine Irrfahrt nach Hause, in der allerschönsten Form des damaligen italienischen Abenteuerkinos (ungenannter Ko-Regisseur war Mario Bava!) erzählt wird. Das von Ben Hecht mitgeschriebene Drehbuch strafft die Handlung, verschiebt ein wenig die Chronologie und erschafft dabei geradezu nebenbei einen perfekt-lockeren und auch etwas oberflächlichen Antik-Abenteuerfilm. Farbenfroh und von Kirk Douglas großartig gespielt, sodass selbst Anthony Quinn in einer Nebenrolle fast untergeht.
Barry Jenkins konnte für „Moonlight“ einen wohlverdienten Oscar für den besten Film im Jahr 2017 abholen, doch sein ebenso elegischer wie offenbar auch vor Ehrfurcht erstarrender Nachfolgefilm „If Beale Street Could Talk“ (2018) ist vor allem ein Beispiel dafür, wie ein Herzensprojekt vor Furcht erstarrt. Den zu Grunde liegenden Roman des zu neuer Popularität emporsteigenden James Baldwin kenne ich leider nicht, und es wäre wohl hoch an der Zeit mir einige seiner Arbeiten durchzulesen, doch Jenkins‘ Adaption scheint ehrfürchtig vor dem Text zu erstarren. Der Stilwillen und die technische Meisterschaft von Jenkins sind klar zu sehen, die SchauspielerInnenführung deutlich zu erkennen (Stephan James und KiKi Layne sind hervorragend, während die Oscar-gekrönte Regina King mir eher weniger in Erinnerung blieb) und die Farbgebung dem romantischen Tonfall bestens entsprechend. Dennoch ist dies hier ein Film, der einen ermüdet und erschlägt und am Ende eher mit einem Gefühl der vergebenen Chancen zurücklässt.
Ludwig Wüst erfährt bei der diesjährigen Diagonale eine lang erarbeitete Würdigung. Der große und wichtige Außenseiter des heimischen Filmbetriebs, konnte über die Jahre mit (Kurz-)Filmen, Installationen und Avantgarde-Projekten sich einen Namen machen. Der gemeinsam mit Darstellerin Claudia Martini erarbeitete „Abschied“ (2014) ist aber zugleich ein Beispiel dafür, weshalb ich Wüst im musealen Setting besser verarbeiten kann. Zwei Frauen die sich zu einem Plausch treffen, allerlei Dialogfetzen austauschen, die einer gehobeneren bürgerlichen Schicht entsprechen, nur um nach einem schockierenden Geständnis am Ende in einen ebenso sinn- wie ziellosen Rausch zu versinken. Als Kurzfilm im musealen Umfeld könnte ich damit mehr anfangen, als Spielfilm bleibe ich unberührt.
Werner Herzog hat in den letzten Jahren vor allem mit seinen Dokumentarfilmen für Furore gesorgt, und 2009 für „Encounters at the End of the World“ seine lang überfällige erste Oscar-Nominierung einheimsen. Noch größer war die Begeisterung für „Cave of Forgotten Dreams“ (2010), wo Herzog Einblick in die Chauvet Höhlen erhält, wo die ersten dokumentierten Malereien entdeckt wurden. Wie üblich bei Herzog, ist es hier nicht nur eine Dokumentation der Arbeit an und in den Höhlen, sondern vor allem auch eine Meditation über das menschliche Wesen und ihren Platz in der Welt.
Mit dem auf einer wahren Geschichte basierendem „The Mule“ (2018) präsentiert sich Clint Eastwood wohl zum allerletzten Mal in einer Hauptrolle. Eastwood spielt den Blumenzüchter Earl Stone, der aufgrund finanzieller Probleme mit beinahe 90 Jahren plötzlich als Drogenkurier für mexikanische Drogenkartelle arbeitet. Der ebenfalls inszenierende Eastwood zeigt wieder einmal, weshalb er der wohl effizienteste Filmemacher Hollywoods ist, und sowohl er als auch sein Team vor und hinter der Kamera haben sichtlich Spaß an der Arbeit, trotz des ernsten Themas. Es gibt viel, was an „The Mule“ nicht passt. Seien es die überbordenden sexuellen Anspielungen – der 90-Jährige, der mit Frauen, die seine Enkelkinder sein könnten, Orgien feiert – oder dass sich so gut wie jede Szene (selbst am Totenbett seiner Ex-Frau, gespielt von Dianne Wiest) alles um Earl dreht. Es ist ein egozentrischer, aber gutherziger Film, um einen ebenso egozentrischen aber gutherzigen Mann, dessen Ende im Film trotz allem idyllisch dargestellt wird. Kein kleines Meisterwerk á la „Gran Torino“, aber ein sehr feiner Film, mit dem Eastwood auch darstellerisch noch einmal seine besten Seiten zeigt.
Der spanische Sci-Fi-Thriller „Durante la tormenta“ (2018) nimmt eine schon vor über einem Jahrzehnt im Thriller „Frequency“ erprobte Geschichte, rund um einen Sturm und die Verbindung von zwei Zeitebenen, die dazu führen, dass ein Verbrechen geklärt wird, und spinnt daraus einen unterhaltsamen Film. Getragen wird dieser von Adriana Ugarte als Vera, die zwar das Leben eines kleinen Buben in der Vergangenheit rettet, dadurch aber ihre eigene Gegenwart dramatisch verändert. Es mag ein wenig zu lange dauern, und auch nicht gerade sonderlich überraschen, aber Oriol Paulo weiß sein Publikum zu unterhalten.
Die Richterin des Obersten Gerichtshofs Ruth Bader Ginsburg, ist eine Heldin des liberalen Amerikas. In der Biografie „On the Basis of Sex“ (2018) zeigt Mimi Leder ihren Kampf um Gleichberechtigung, nicht nur vor Gericht sondern auch im Berufsleben. Felicity Jones und Armie Hammer sind ein tolles Paar und spielen das Ehepaar mit viel Sympathie, auch ist der Kampf um Gleichberechtigung von Mann und Frau ein gerechter und wichtiger Kampf. Doch Leders Film setzt einige merkwürdige Entscheidungen beim Schnitt und im Erzählrhythmus. Eher gut gemeint denn gut.

The 1001 Project
Die Filme von und mit Jerry Lewis, waren noch nie mein Fall. Der Komiker und Regisseur, hatte einen Stil, der mir schlicht auf die Nerven ging. Auch seine Arbeiten mit Dean Martin waren nie etwas, worauf ich mich stürzte. Umso erstaunter bin ich, ihren Blockbuster „Artists and Models“ (1955) in dieser Liste zu finden. Eine Aneinanderreihung merkwürdiger Gags, umrahmt von einer hanebüchenen Comic-Spionage-Geschichte und ausgefettet durch Lewis‘ Mimik und Martins Songs. Pure Langeweile.
Besser, da unter der Regie von Jerry Lewis entstanden, sind da schon „The Ladies Man“ (1961), wo er einen jungen Mann spielt, der Junggeselle bleiben will und in einem Haus voller Frauen einen Job beginnt, und „The Nutty Professor“ (1963), einer stilistisch famosen Jekyll & Hyde-Parodie. In „The Ladies Man“ ist es eher der Stilwillen von Lewis, der beeindruckt, das Setdesign und Lewis Meisterschaft in dem Quasi-Puppenhaus einen Film zu inszenieren. In „The Nutty Professor“ sind es die poppigen Farben und die gerade surreal-bunten Sets, in denen sich die Geschichte abspielt, die faszinieren. Zudem zeigt Lewis eine Meisterschaft über seine Kunst, auch wenn diese nicht dem Geschmack aller Filmfreunde entspricht.
Der chinesische Horrorfilm „Ye ban ge shoeing“ (1937) gilt als die erste entsprechende Genre-Produktion Chinas. Die Bearbeitung der „Phantom der Oper“-Geschichte wird hier zu einer eher romantischen Abhandlung über das Monster, welches mit seiner Entstellung hadert. Interessant aus filmhistorischer Sicht und mit einer ansprechend gruseligen Atmosphäre.
„Le roman d’un tricheur“ (1936) ist eine extrem amüsante und kurzweilige Geschichte um einen Schwindler (Regisseur und Autor Sacha Guitry erzählt die Handlung per Voice-Over und tritt in Szenen als älteres Ich auf), der nach dem kuriosen Gifttod seiner gesamten Familie lernt, dass Schwindeleien vom Schicksal belohnt werden. Die inhaltlich quer durch alle Stationen eines Schelmenromans springende Handlung ist derart kurzweilig erzählt, dass man mit Genuss an der Narration von Guitry hängt, auch wenn die dargestellten Charaktere keinerlei Dialog erhalten.
Marlon Brando als Gangster der keine Wette abschlagen kann, sich den Weg in das Herz einer guten Samariterin singt und am Ende eine Version von „Luck be a Lady“ zum Besten gibt. In „Guys and Dolls“ (1955), einer Filmadaption des Bühnenhits, ist Brando ein ebenso kurioser wie unterhaltsamer Fremdkörper. Alles deutet darauf hin, dass der nur in der zweiten Hauptrolle auftretende Frank Sinatra die bessere und logischere Wahl gewesen wäre, und so spielt es Sinatra auch. Als wäre er der Star. Das führt zu einem merkwürdig schlecht ausbalanciertem Werk, in dem die in der Geschichte mit drin hängenden Frauen (Jean Simmons und Vivian Blaine) die wenigen Momente zum Glänzen auch nutzen.
Basierend auf dem Roman von Alexandre Dumas, ist die Tragödie „Camille“ (1936) in der Version von George Cukor vor allem eine große Show für die legendäre Greta Garbo. Sie dominiert den Film mit all ihrem Charisma, während Cukor sie mit einem reich ausgestatteten Kostümfilm ausstattet, der allen Ansprüchen eines klassischen Hollywood-Schinkens entspricht.
Überraschend leichtgewichtig und romantisch präsentierte sich die Geister-Romanze „The Ghost and Mrs. Muir“ (1947), in dem Gene Tierney als Witwe Lucy Muir zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in ein altes Cottage zieht, und dort auf den Geist des vorhergehenden Besitzes (Rex Harrison) trifft. Allerlei romantische und geschäftliche (sie schreiben gemeinsam ein Buch) Verwirrungen durchziehen den Film, der auf sympathische Art, ein erwachsenes Märchen erzählt.
William Wylers „The Heiress“ (1949) ist vor allem ein großartiger Film für Hauptdarstellerin Olivia de Havilland, die in der Hauptrolle als vom Leben mit wenig Freude beschlagene Catherine, eine fantastische und auch Oscar-gekrönte Performance darbietet. Als Erbin des Vermögens ihres Vaters Dr. Austin Sloper (ebenfalls toll: Ralph Richardson) wird sie zum Objekt der Begierde des charmanten Schwindlers Morris (Montgomery Clift). Doch ehe dieser sich als zwielichtiger Charakter entpuppt, schwebt Catherine auf Wolken und die Kraft der Darbietung und des Filmes, liegen in der Wandlung vom naiven Mädchen zur vom Leben zur Zynikerin gewandelten Frau.
Ein Produkt der legendären Ealing Studios, ist die Komödie „Whisky Galore!“ (1949) ein schamlos boshafter Spaß, um den Whisky-Mangel inmitten des Zweiten Weltkrieges in Schottland. Basierend auf einer wahren Geschichte, macht Alexander Mackendrick daraus eine Feier der Schotten und ihres Landes. Inhaltlich nicht sonderlich interessant, aber unterhaltsam.
Der französische Gangsterfilm „Pépé le Moko“ (1937) von Julien Duvivier zeigt ein abenteuerlich-romantisches Marokko, in dem sich der charmante Gangster Pépé (Jean Gabin in der Rolle, die ihn zum Star machte) versteckt, ehe er sich unversehens in die schöne Gaby (Mireille Balin) verliebt. Die Liebesbeziehung zwischen den beiden, wird zu seinem Untergang führen. Duvivier inszeniert dies mit viel beißendem Witz aber auch romantisierten Gangsterklischees, die 1937 wohl noch frisch wirkten. Von den HauptdarstellerInnen toll gespielt (manch Nebenrolle glänzt eher mit unfreiwilliger Komik) und mit einer tollen Atmosphäre.
Ein legendärer Filmklassiker, um den ich, auch aufgrund der Thematik, immer einen großen Bogen machte. Roberto Rossellini zeigt in seinem berühmtesten Film „Roma cittá aperta“ (1945) die Zeit unter den Faschisten und der Nazi-Besatzung. Wie schon in seinem Episodenfilm „Paisan“, ist das Ergebnis ein tiefgreifender Bericht über das Leben zu dieser Zeit.
Das Theaterstück „Gaslight“ war derart populär, dass innerhalb weniger Jahre gleich zwei Mal verfilmt wurde. Die US-Version von George Cukor aus dem Jahr 1944 konnte sich als die bekanntere schließlich durchsetzen, was wohl auch an Ingrid Bergmans Oscar-gekrönter Darbietung als Paula Alquist liegen mag. Als sie mit ihrem Mann (Charles Boyer) in das Haus ihrer ermordeten Tante einzieht, beginnt sich ihr psychischer Zustand zu verschlechtern und ihr Mann manipuliert und erniedrigt sie bei jeder Gelegenheit. Erst als ein wohlmeinender Fremder (Joseph Cotten) in ihr Leben tritt, beginnt sich alles langsam zu wandeln und die Geheimnisse um den Tod ihrer Tante und ihren Mann zu lüften. Wirklich überraschend ist all das nicht, was in „Gaslight“ passiert, denn Cukor inszeniert die Manipulationen des Ehemannes derart oberflächlich, dass schon beim ersten Blick auf ihn, sofort klar wird, wie die nächsten zwei Stunden verlaufen werden. Toll gespielt, vor allem von Ingrid Bergman, aber kein gut gealterter Klassiker.
Mit „Sans toit ni loi“ (1985) konnte sich die große (und kurz nachdem ich diesen Film gesehen habe leiderem Alter von 90 Jahren verstorbene) Agnès Varda den Goldenen Löwen von Venedig und einen Platz in der Filmhistorie sichern. Der in seiner Machart stark an ihre späteren Dokumentarfilme erinnernde Bericht über den Tod der Landstreicherin Mona (perfekt unsympathisch: Sandrine Bonnaire), ist ebenso Kommentar zu wirtschaftlichen Zwängen, als auch das Porträt einer unabhängigen und starken, aber auch unsympathischen und unzugänglichen jungen Frau. Es ist deshalb nicht immer leicht, Mona auf ihren Wegen zu folgen, doch lohnt es sich. Allein auch schon für die Szenen mit der großartigen Yolande Moreau.
Der britische Kostümfilm „The Man in Grey“ (1943) ist ein Paradebeispiel für einen langweiligen, starren und mich in den Schlaf treibenden Film. Leslie Arliss hat ein Auge für das Dekor, aber die Charaktere bleiben oberflächlich und werden entsprechend gespielt. Die Handlung um zwei jugne Damen habe ich bereits wieder vergessen.
Preston Sturges hat intelligente und humorvolle Filme voller großartig konstruierter Gags und feiner Dialoge gedreht, doch wirklich begeistert war ich noch von keinem seiner Werke, und auch sein bekanntester Film „Sullivan’s Travels“ (1941) änderte dies nicht. Joel McCrea ist perfekt als Komödien-Regisseur, der von einem großen Drama mit dem Titel „O Brother, Where Art Thou?“ träumt, doch um die Tragik der menschlichen Existenz zu verstehen, müsse er diese erst einmal selbst erleben. So schickt ihn Preston Sturges auf eine Reise als Landstreicher, wo er auf eine junge Frau (Veronica Lake) trifft und nach vielen Umwegen im Gefängnis landet. Am Ende steht das Fazit, dass die Tragödie nichts verändere, und deshalb die Komödie die Oberhand behalte. Das ist eine von Sturges kreierte Botschaft, die hauptsächlich sein eigenes Werk bejubelt, garniert mit gefühligen Szenen bei Obdachlosen. So groß der Ruhm des Films, so verlogen erscheint mir die Botschaft.
Der in Echtzeit ablaufende Wester „Silver Lode“ (1954) von Allan Dwan ist ein schönes Beispiel für einen Anti-McCarthy-Film, der nur leicht verkleidet, die Kommunisten-Hexenjagd des berüchtigten US-Senators kritisiert. In seiner „High Noon“-Stilistik (allerdings in wunderschönem Technicolor) ist der Film ebenso packend wie kurzweilig, auch wenn die dahinter stehende politische Thematik die Handlung übertrumpft.
Die Westernkomödie „The Paleface“ (1948) ist vor allem ein tolles Beispiel für Bob Hopes Stil, den er später als TV-Moderator perfektionieren soll. Als Zahnarzt heiratet er ohne sein eigenes Zutun die legendäre Calamity Jane (Jane Russell), und wird durch einige Zufälle zu einem Western-Helden. Hope und Russell spielen großartig, doch die Gags sind nach ein paar Minuten bereits durchgekaut und die Handlung viel zu dünn.
Der Roman „The Postman Always Rings Twice“ von James M. Cain wurde insgesamt vier Mal verfilmt, und die dritte Version (zugleich die erste US-amerikanische) aus dem Jahr 1946 von Tay Garnett mit John Garfield und Lana Turner, gilt als die einflussreichste und beste. Obgleich ich auch die italienische Variante „Osessione“ großartig fand, sind es hier vor allem Garfield und Turner, die umwerfend agieren und deren Chemie unübersehbar ist. Inhaltlich störte mich zwar schon immer, dass nach dem Mord am Ehemann, ein Großteil der Handlung sich mit Gerichtsverhandlung und Doppel-Komplott auseinandersetzt, doch ist dies bei Tay Garnett mit so vielen überdeutlich sexuellen Anspielungen versehen, dass das Geschehen dadurch wieder interessant wirkt.
Film Nummer 2 mit John Garfield in Folge, und hier ist er als Winkel-Advokat zu sehen, der die kleinen Geschäfte in ein großes „Kartell“ (ohne den Namen zu nutzen) vereinen will, doch sein Bruder (Thomas Gomez) wehrt sich dagegen, was zu einigen Verwicklungen mit dem organisierten Verbrechen führt. „Force of Evil“ (1948) hat angeblich eine in sich liegende links gerichtete Kritik am Kapitalismus vergraben, doch funktioniert der Film Noir auch schlicht als Thriller um moralische Zwänge.
Eine Reihe von Film-Musicals beschließt diesen Monat. Dabei trieb mich Stanley Donens „Seven Brides for Seven Brothers“ (1954) an die Grenzen meiner Belastung. Sieben Trapper-Brüder wollen heiraten, entführen sieben Frauen und am Ende gibt es eine klassische Shotgun-Hochzeit. Durchzogen von schönen Choreografien und nervig-schmalzigen Gesangsnummern, ist dies eines jener Musicals, bei denen jede Minute mir eine Qual ist.
Ganz im Gegensatz zu „The Band Wagon“ (1953) in dem Fred Astaire als alternder Revuestar mit einem Has-Been-Filmstart (Cyd Charisse) eine Broadway-Show auf die Beine stellen soll. Komplettiert wird das Trio von Oscar Levant und unter der Regie von Vincente Minnelli bekommt man großartige Revue-Nummern geboten, in denen vor allem Fred Astaire sein ganzes Können aufbietet. Es mag sich inhaltlich wenig von „Singin‘ in the Rain“ unterscheiden, doch funktioniert das Trio auf der Bühne und der Leinwand und Minnelli liefert genügend Leichtigkeit, um zu unterhalten.
Regisseurin Dorothy Arzner unterlegte „Dance, Girl, Dance“ (1940) mit einem klar ersichtlichen feministischen Unterton. Der Kampf zweier Entertainerinnen, eine Ballerina (Maureen O’Hara) und eine Tänzerin (Lucille Ball), auf und neben der Bühne, ist vor allem auch ein Kommentar zum „Male Gaze“, dem die Künstlerinnen ausgesetzt sind. Arzner lässt ihre Charaktere auf der Bühne durch eine wüste Beschimpfungsorgie waten und setzt sie der Lächerlichkeit aus, was die Botschaft gegen männliche Herablassung und Herabwürdigung umso mehr verstärkt, doch sind die beiden miteinander konkurrierenden Frauen viel zu überzeichnet und ihr Zickenkrieg – bis hin vor Gericht – eine zu überzogene Persiflage.
Das Musical „High Society“ (1956) ist der wenig sinnvolle Versuch den Klassiker „The Philadelphia Story“ neu aufzulegen, doch was dem Original an Charme, Witz und Intelligenz innewohnte, findet man bei dem vor allem von guter Musik geprägten Remake nicht. Frank Sinatra und Bing Crosby haben einige schöne Nummern zu singen, und Louis Armstrong als er selbst, darf den unwiderstehlichen Titelsong singen und immer wieder mal als Quasi-Erzähler auftauchen. Dass dabei mittendrin Grace Kelly in ihrem letzten Film als hilfslose Frau in Not agiert, fällt schon gar nicht weiter auf.

Re-Visited
Mittlerweile ist Anthony Weiner, ehemaliger Kongressabgeordneter und Kandidat für das New Yorker Bürgermeister-Amt, eine etwas verschwommene Erinnerung. Doch der Aufstieg, Fall, Aufstieg und erneute Fall von Weiner, wie er in der unterhaltsamen Dokumentation „Weiner“ (2016) porträtiert wird, zeigt vor allem einen Mann und seinen Drang zur Politik. Die persönlichen Beweggründe für seinen Hang zu Sexting werden nicht näher erläutert, jedoch viel mehr, wie sie ihn selbst, seine Familie und sein Wahlkampfteam beschädigen.
Eine der meist unterschätzten Leistungen in seiner Karriere, lieferte Jack Nicholson als getriebener und langsam dem Wahnsinn anheim fallender pensionierter Detective, in Sean Penns Dürrenmatt-Adaption „The Pledge“ (2001). Die wohl bekannte Geschichte um ein ermordetes Kind, für dessen Tod der falsche Täter (in diesem Fall ein als geistig behinderter Ureinwohner auftretender Benicio Del Toro) büßen muss, nur um den pensionierten Jerry Black (Nicholson) auf die Jagd zu schicken, ist ein konzentrierter und voller großartiger DarstellerInnen angereicherter Psychothriller. Nicholsons kontrollierter Rutsch in den Abgrund, ist beeindruckend und eine Abkehr von den sonst bekannten Darbietungen des Oscar-Preisträgers. Zudem verzichtet Sean Penn in der Regie auf allzu platte Showeffekte, sondern überlässt dem Ensemble das Feld.
Der von Wayne Wang und Paul Auster gemeinschaftlich erarbeitete New-York-Film „Smoke“ (1995) ist ein ebenso herzlicher wie auch nostalgischer Blick auf ein New York, welches so womöglich nie existiert hat. Rund um den Tabakladen des gutherzigen aber etwas raubeinigen Augie Wren (famos: Harvey Keitel), entspinnt sich ein Familiendrama. Der verlorene Sohn auf der Suche nach seinem Vater, und ein Schriftsteller, der nach dem Tod seiner Frau über diesen verlorenen Sohn zu neuer Stärke findet. Alles verknüpft durch Tabakrauch. Ein schöner, sehr auf die Kraft der Worte setzender Film. Beinahe wie ein Theaterstück inszeniert.
Zufällig stolperte ich wieder einmal über den Möchtegern-Blockbuster „Der Fall des Lemming“ (2009) von Nikolaus Leytner, basierend auf dem Roman von Stefan Slupetzky. Fritz Karl bekommt die Gelegenheit als Ex-Polizist/Detektiv Leopold „Lemming“ Wallisch, seine Qualitäten als Star zu zeigen. Leider wird er von Pseudo-kantigen Dialogen, klischeehaften Handlungsverläufen und platten Charakteren (Roland Düringer spielt einfach das, was er hundertmal schon auf Bühne und Leinwand zeigen durfte) umgeben, in eine langweilige und furchtbar inszenierte Handlung gezwängt. Als TV-Krimi kaum hinzunehmen, als Kino-Produktion geradezu ärgerlich.
Als der Thriller „Ich seh, ich seh“ (2014) in den USA in die Kinos kam, sorgte er als Nervenzerfetzender Horrorfilm für Furore, was mehr oder weniger als irreführende Werbung bezeichnet werden darf. Severin Fiala und Veronika Franz bieten hier einen sehr ruhigen und konzentrierten Psycho-Thriller, um Zwillinge, die nach einer Operation der Mutter, davon überzeugt sind, dass sie ausgetauscht wurde und dies mit allen Mitteln beweisen wollen. Was noch mit Andeutungen und beginnt, steigert sich immer mehr, bis hin zu einem im feurigen Wahnsinn versinkenden Horror. Wer den etwas zu ruhigen Beginn übersteht, wird mit einem großartigen Film belohnt.
Nachdem mir „Beo-ning“ (2018) über Wochen und Wochen nicht aus dem Kopf ging, war die Zeit nun reif, mich erneut davon zu überzeugen, ob es sich bei der losen Murakami-Adaption auch tatsächlich um so einen starken Film handelt, wie ich mir das einbilde. Tatsächlich erschien mir diesmal die Geschichte des Möchtegern-Schriftstellers Jong-su (Yoo Ah-in), der sich nach einem One-Night-Stand in seine einstige Schulkollegin Hae-mi (Jun Jong-seo) verliebt, nur um zu sehen, wie diese nach einem Urlaub mit dem mysteriösen und reichen Ben (Oscar-würdig: Steven Yeun) zurückkehrt. Gesellschaftskritischer Romantik-Thriller ist eine Hilfskonstellation dafür, wie der von Lee Chang-dong inszenierte Film funktioniert. Vielschichtig und sich ins Gehirn einbrennend. Einer der besten Filme der letzten Jahre.
Mittlerweile sind es 20 Jahre, seitdem „The Matrix“ (1999) die Welt eroberte. Andy & Larry Wachowski revolutionierten mit ihrem philosophisch unterlegtem Sci-Fi-Actionreißer das Mainstream-Kino und werden diesen Filmhistorischen Meilenstein wohl auch nie mehr übertreffen. Auch wenn die Fortsetzungen dem Original vieles von seiner Faszination genommen haben, funktioniert der Film um Neo (Keanu Reeves) und seine Erlöser-Rolle, die ihm von Morpheus (famos: Laurence Fishburne) auferlegt wird, auch heute noch. Einige technische Details sind zwar veraltet und das eine oder andere Handlungsdetail wurde in vielen Videos zerlegt, doch bin ich immer noch so begeistert wie damals, beim ersten Kinobesuch.

Serien-Überblick
Die 8. Staffel (2019) von „Death in Paradise“ hat mit vielen unangenehmen Hürden zu kämpfen. Der letzte Staffel vollzogene Abgang von Fan-Liebling Dwayne (Danny John-Jules) war auch der Abschied des letzten Originalmitglieds des Serienstarts. Als wäre das nicht genug, wird er auch noch durch einen unfassbar nervig geschriebenen Charakter ersetzt. Shyko Amos gibt alles, um die junge Polizistin Ruby sympathisch zu machen, doch konnte sie das bis Ende der Staffel nicht. Hinzu kommt der überraschende Abschied von Josephine Jobert, deren Florence nach einem Mord-Komplott rund um ihren Verlobten, die Insel nicht länger erträgt. Das ist alles zusammen sehr gezwungen und hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Die Fälle stolpern ein wenig vor sich hin, die Inszenierung geht oftmals merkwürdige stilistische Wege, und so kann Ardal O’Hanlon als Jack Mooney nur wenig zum Gelingen beitragen. Ob die bereits fixierten Staffeln 9 und 10 ebenfalls gesichtet werden, bleibt für mich nunmehr offen.
4 Jahre nach dem Desaster mit Staffel 2, wagt sich „True Detective“ an eine 3. Staffel (2019). Darin wird auf verschiedenen Zeitebenen das Verschwinden zweier Kinder untersucht. Das Ermittlerduo Wayne Hays (Mahershala Ali) und Robert West (Stephen Dorff) scheint zunächst einen Routinefall vor sich zu haben, der schlussendlich ihr ganzes Leben bestimmen wird. Vor allem Ali bekommt die Gelegenheit sein ganzes Können zu zeigen, als aggressiver aber intelligenter Ermittler, als gebrochener Mann ohne Karriere und als der Demenz anheimfallender Greis. Neben ihm kann einzig Carmen Ejogo als dessen Freundin und spätere Frau Amelia bestehen. Was die 3. Staffel ein wenig beschädigt, ist der offensichtliche Wille, sich an Staffel 1 anzuhängen und Staffel 2 zu ignorieren. Der verworren inszenierte Plot sorgt aber eher für Langeweile, denn für Spannung.
Die aus drei Episoden bestehende Mini-Serie „Thanksgiving“ (2018) versucht Industriespionage und Beziehungsgeheimnisse miteinander zu verbinden, doch während die Struktur der Serie ansprechend wirkt, kann Nicolas Saada das wechselhafte Intrigenspiel zwischen Informatiker Vincent und seiner Frau Louise, die sich inmitten verschiedener geheimdienstlicher Intrigen rund um ein Virenprogramm finden, nicht über die etwa drei Stunden ansprechend gestalten. So driftet man trotz Nebendarsteller wie Stephen Rea ab, und auch Grégoire Colin und Evelyn Brochu können nicht wirklich fesseln.
Mit niedrigen Erwartungen startete die 1. Staffel (2019) der ORF-Serie „Walking on Sunshine“. Heftig beworben wurde der Umstand, dass Robert Palfrader als in Ungnade gefallener ZiB-Moderator Otto Czerny-Hohenburg, der ein Comeback als Wettermoderator wagt, die Hauptrolle spielt. Doch eigentlich dreht sich die Serie um Abteilungsleiterin Tilia Konstantin (Proschat Madani) und ihren ständigen Konflikt mit Praktikant Lukas (Aaron Karl), der sich im Laufe der 1. Staffel vom einfachen Praktikanten hin zum Millionenerben und Senderbetreiber wandelt. Genau diese Art von absurder und nicht sonderlich subtiler Unterhaltung, prägt „Walking on Sunshine“, und dennoch bleibt die oberflächlich-unterhaltsame Unterhaltung immer genau das: Unterhaltung. So dumpf kann kein Scherz sein, als dass ich nicht doch auf die nächste Folge wartete, um mich berieseln zu lassen. Das lag einerseits an den mit Verve aufspielenden Palfrader und Madani, aber auch an JungdarstellerInnen wie Aaron Karl, Miriam Fussenegger, Sophie Stockinger und vor allem Tanja Raunig. Raunig tauchte als neue Praktikantin auf, und durfte in ihrer wortwörtlich mausgrauen Rolle nur selten Glanzpunkte setzen, und dennoch schaffte sie es, von der ersten Sekunde weg ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, sobald sie im Bild war. Die Handlungsstränge sind vorhersehbar und platt, die Dialoge oft genug ohne Inspiration, und dennoch warte ich gespannt auf Staffel 2.
Die 6. Staffel (2015) von „Archer“ ist eine Quasi-Rückkehr zum bekannten Spionage-Setting, und ist für viele Fans der Punkt, an dem die Serie sich zum Schlechten hin entwickelte. Das erscheint mir relativ albern, da Adam Reed hier versucht, das alte Szenario in frischer Form umzusetzen und zudem die Möglichkeit neuer Wege offenbart. Dennoch ist diese Staffel in der Wiederansicht mehr eine Zwischenstation, hin zu interessanteren und kreativ neuen Wegen.
In Staffel 7 (2016) geht ISIS endgültig neue Wege und erfindet sich als Detektei „Figgis Agency“ neu. Während Hardcore-Fans den Zeiten der Spionage-Handlungen hinterher trauern, bin ich immer wieder davon begeistert, wie sich Adam Reed langsam in ein Anthologie-Muster hinein arbeitet, und von allen inhaltlichen Zwängen befreit.  Die quasi als Neo-Noir inszenierte 7. Staffel ist nicht nur ein Bruch mit bekannten Mustern, sondern ebnet auch den Weg hin zu den Koma-Staffeln, die für viel Aufregung (positiv wie negativ) sorgen.
In „Dreamland“, der 8. Staffel (2017), wagt „Archer“ dann schließlich endgültig den Sprung in die Anthologieform und unterstreicht mit dem Zusatztitel, auch noch die Wichtigkeit, die Staffel 5 (Vice) für Adam Reed hatte. In einem Noir-Koma-Traum, sieht sich Archer mit der Ermittlung zum Tod seines Partners Woodhouse konfrontiert. Natürlich führen diese im Endeffekt überall hin, nur nicht zur Lösung des Rätsel, welches am Ende eher zufällig gelöst wird, doch ist Reed hier mit der freien Form sichtlich in Bereichen angelangt, in denen er nicht immer dieselbe Spionage-Geschichte erzählen muss, und dennoch die Charaktere humorvoll weiter führt. Dass „Dreamland“ auch an den zuvor verstorbenen Schauspieler George Coe (der Woodhouse gesprochen hat), verleiht der Staffel eine melancholische Note, die für diese Serie recht ungewohnt ist.
Umso gespannter wartete die Welt auf Staffel 9 (2018), die mit dem Zusatztitel „Danger Island“ und einem Setting inmitten eines 1940er-Flieger-Abenteuerfilms, viele Fans verstörte. Keine Auflösung des Cliffhangers aus Staffel 7, mit Archer im Koma verbleibend, war hier in Sicht, und die obskuren Referenzen, waren ganz ohne Spionage-Setting für viele ZuseherInnen wohl doch zu viel des Guten. Als Teil der Koma-Fantasien, ist es ein sehr amüsanter Zugang, doch sticht „Danger Island“ dann doch ein wenig heraus, da es so gar nicht in den Rest der Serien-Chronologie passen will. Wie die 10. und letzte Staffel mit ihrem angeteasten Weltraum-Setting dies alles nun aufklären will (genügend Hinweise auf den Tod Sterling Archers wurden vor allem in Staffel 9 gegeben), bleibt abzuwarten.
Die aus sechs Episoden bestehende Doku-Serie „Surviving R. Kelly“ (2019) bearbeitet wie auch der zweiteilige Film „Leaving Neverland“, die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs, gegen einen Musik-Star. Im Fall von R. Kelly kommen jedoch nicht nur Kinderpornographie-Vorwürfe hinzu, sondern auch häusliche Gewalt und Kidnapping. Der R&B-Star muss sich ebenso wie Jackson seit Jahrzehnten mit den Anschuldigungen auseinander setzen und hat vor Gericht bereits sich verteidigen müssen und ging frei. Die etwas zu lang andauernde Serie, stützt sich auf erschütternde und tief ins Gehirn eingrabende Zeugenaussagen von Opfern, einstigen Mitarbeitern und Journalisten, die einen Kontext zum musikalischen Wirken R. Kellys liefern. Wie bei Michael Jackson, fällt es schwer, an die Unschuld R. Kellys zu glauben. Viel mehr scheint seine Schuld kaum widerlegbar.
Die neue Doku-Serie „Formula 1: Drive to Survive“ geht 2019 in seine 1. Staffel und liefert einen interessanten, aber für F1-Fans womöglich ein wenig zu oberflächlichen Blick hinter die Kulissen der Teams, während der Saison 2018. Auffällig ist hier vor allem das Fehlen von Mercedes und Ferrari, was allerdings dazu führt, dass vor allem Haas mehr Zeit bekommt, sich zu präsentieren. In den zehn Episoden bekommt der interessierte Beobachter ein Gefühl für die Dynamik innerhalb eines Teams (man beachte vor allem die sich wandelnde Sicht der Red-Bull-Verantwortlichen auf Daniel Ricciardo, nach seiner Bekanntgabe des Renault-Wechsels). Ein schöner Anheizen für die neue Saison.
Nachdem ich von der 3. Staffel von „True Detective“ und seiner ein wenig angestrengten Labyrinth-Struktur etwas erschöpft war, konnte ich die Mini-Noir-Serie „I Am the Night“ (2019) kaum erwarten. Erschaffen von Sam Sheridan und inszeniert von Patty Jenkins, Victoria Mahoney und Carl Franklin (je 2 Episoden), zeigt der geradlinige Handungsverlauf die wahre Geschichte (so wird behauptet) von Fauna Hodel (India Eisley), die auf der Suche nach ihrer wahren Identität, in Los Angeles mitten in ein Wespennest sticht. Der Black Dahlia-Mord ist hier ebenso Thema wie andere rituell begangene Morde, die der ausgebrannte Journalist Jay Singletary (großartig: Chris Pine) dem Arzt George Hodel (Faunas Großvater) zur Last legt, aber nicht beweisen kann. „I Am the Night“ wäre womöglich ein spannender Noir-Spielfilm geworden, doch ausgewalzt auf sechs Episoden, läuft sich das Geschehen schnell tot, und ist der Handlungsverlauf klar zu sehen, noch ehe es auch nur Andeutungen gibt. Am Ende dann doch etwas enttäuschend.
In der Netflix-Serie „After Life“ präsentiert in sechs Episoden Autor/Regisseur/Star Ricky Gervais eine bislang unbekannte Facette seines Könnens. Die 1. Staffel (2019) ist eine Mischung aus Trauerarbeit und tiefschwarzem Humor, denn Lokaljournalist Tony (Gervais) ist nach Monaten noch immer nicht über den Krebs-Tod seiner geliebten Ehefrau hinweg, und sieht sich ihre Video-Abschiedsbotschaft immer wieder an, während er in der „echten Welt“ Kollegen, Freunde und ihm völlig Unbekannte verbal attackiert. Gervais der Schauspieler bekommt großartige Momente, auch wenn Gervais der Autor und Regisseur nicht immer ganz genau den Ton zwischen Trauer und Komik zu treffen vermag, und am Ende der Staffel ein wenig zu sehr ins Rührselige abgleitet.
Eine wenig betrachtete Seite des Sports, zeigt die Sport-Doku-Serie „Losers“ in seiner 1. Staffel (2019) auf Netflix. Vom Boxer der von seinem Vater zum Sport gedrängt wurde, über ein Eiskunstlauf-Wunderkind hin zum Ausdauer-Rennen in Alaska, reicht Mickey Duzyjs Fokus. Dass er sich nicht auf Stars oder allzu bekannte Geschichten stürzt, macht die immer ein wenig leichtgewichtige Serie so sympathisch. Ein schöner Appell an die Kraft des Sports und die mentale Stärke eines jeden Dargestellten, der auch nach Niederlagen weiter die Sportart liebt und ausübt.
Die von „Deadpool“-Regisseur Tim Miller ersonnene und David Fincher produzierte Anthologie-Animationsserie „Love, Death + Robots“ ist ein ebenso spannendes wie nervtötendes Experiment in Sachen serieller Unterhaltung. Staffel 1 (2019) zeigt miteinander nicht zusammenhängende Kurzfilme von 7 bis 16 Minuten Länge, die thematisch manchmal den Titel zu wörtlich nehmen, und andere, die sich einen Spaß aus der völlig freien Form machen. Die Episode mit der Machtübernahme durch ein Joghurt ist das absolute Highlight, während andere Episoden nicht nur kaum Sinn ergeben, sondern auch nur in Kurzform zeigen, was man in Horror- oder Sci-Fi- und Fantasy-Filmen schon x-Mal gesehen hat.
Mit Staffel 7 (2018) geht die wunderbare Dramedy-Serie „Der Tatortreiniger“ zu Ende, und nimmt sich vor allem in den letzten drei der insgesamt vier Episoden umfassenden Staffel, Zeit für surreale Momente und das Innenleben seines Hauptcharakters. Während Episode 1 mit einem Tatort in einer Kunstgalerie noch recht konventionell, aber auch sehr amüsant ist, muss Heiko Schotte (Bjarne Mädel) am Ende in den Kopf eines Komapatienten, unterhält sich mit seinen Freunden über verlorene Träume und ist in der letzten Episode in einem „Haus das Verrückte macht“, um sein eigenes Ende zu erleben. Nicht nur wird so eine wunderbare Serie auf den ungewöhnlichsten Weg zu Grabe getragen, sondern auch noch die Möglichkeit geboten, die vergangenen Staffeln Revue passieren zu lassen.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s