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Eine neue NT Live-Übertragung, zwei sehr unterschiedliche Horror-Erzählungen und ein ganzer Schwung an Filmen aus der „1001 Movies“-Liste, prägten das Ostermonat. Während Netflix in diesem Monat mich nicht erreichte, hatte ich das Vergnügen, erneut „Amadeus“ und „Fight Club“ zu sichten, und an der Serienfront beeindruckte vor allem die 2. Staffel von „Star Trek: Discovery“.

Neuzugänge
Es war schon viel zu viel Zeit vergangen, seitdem ich das letzte Mal eine Übertragung eines National Theatre Live-Stücks gesehen habe. Zum 10-Jahres-Jubiläum kommt deshalb endlich auch einmal die Möglichkeit, Gillian Anderson auf der Bühne (bzw. per Übertragung) zu sehen, wie gerufen. In der von Ivo van Hove inszenierten Adaption des Klassikers „All About Eve“ (2019) ist Anderson die alternde Theater-Diva Margo Channing, die von einem besonders fanatischen Fan (Lilly James) langsam aber unmerklich von ihrem Podest und aus ihrem Habitat gedrängt wird. van Hove lässt die Bühne als Backstage-Bereich und Wohnzimmer inszenieren und baut Live-Videos ein, um versteckte und intime Details (etwa Partyszenen im Hintergrund oder Gespräche am Schminktisch) kenntlich zu machen. Zudem befreit ihn dies ein wenig vom großartigen Text, und er kann ein paar Eigenheiten ausarbeiten, die in Mankiewicz‘ Film mit den Mitteln des Schnitts vorgebracht wurden. Die DarstellerInnen sind allesamt großartig, und vor allem Gillian Anderson und Lilly James überzeugen. Ein sehr gelungener Live-Theaterfilm-Abend, der einerseits Lust auf mehr macht und andererseits mich die vergebene Chance, Anderson in „A Streetcar Named Desire“ zu sehen, bereuen lässt.
Nur zwei Jahre nach seinem fantastischen „Get Out“, überrascht der nunmehr mit einem Oscar gekrönte Jordan Peele mit der Horror-Metapher „Us“ (2019) das Publikum. Angeführt von Lupita Nyong’o in einer großartigen Doppelrolle, erzählt Peele von einem System der Unterdrückung, welches sich in Form von mörderischen aber kaum der Artikulation mächtigen Doppelgängern zur Revolte erhebt. Es ist die Stärke von Peeles Film, dass man in ihn so viele Bedeutungen hinein lesen kann, und somit die eigentlich sehr unlogische Handlung darüber hinweg vergisst. Auch ist das Ensemble (in einer effektiven Nebenrolle: Elisabeth Moss) so gut gewählt, wie auch das Set-Design. Eine gruselige und unheilvolle Atmosphäre, die schließlich von geradezu absurdem Horror durchbrochen wird. Ein toller Film, der so wie „Get Out“ zumindest nach einer zweiten Sichtung verlangt.
Ein auf Super 8 gedrehter 90 Minuten langer Stummfilm, mit Laiendarstellern, auf Basis des knapp 700 Seiten langen Monumentalromans von Elfriede Jelinek, erstellt von einem Künstlerduo, welches seinen Namen einem unvollendeten Kafka-Roman entnahm und das Werk von Jelinek nur nacherzählt bekam. „Die Kinder der Toten“ (2019) ist exakt so durchgedreht und unterhaltsam, wie seine Entstehungsgeschichte. Eine Zombie-Farce um Nationalsozialismus, Heimattümmelei und Massentourismus. Ein Film, der sicher nicht den Geschmack aller Zuseher trifft, aber für mich, eines der prägenden Filmerlebnisse des Jahres zu sein scheint, so lange begleiten mich die Gedanken daran seit dem Kinobesuch.

Ein Film über das Leben von Romy Schneider ist selbstverständlich immer wieder ein Projekt, welches für Aufsehen sorgt. Die großartige Marie Bäumer in „3 Tage in Quiberon“ (2018) passt perfekt für die Rolle der komplexen und im öffentlichen Bild komplizierten Romy Schneider. Emily Atef nutzt einen Kuraufenthalt, bei welchem sie dem Stern ein Interview gibt, um ihr Leben zu umreißen. Dabei helfen die Interviewszenen ebenso wie die Gespräche mit ihrer besten Freundin Hilde (Birgit Minichmayr). Der in Schwarzweiß gedrehte Film setzt auf Bäumer und weiß darüber hinaus ästhetisch zu überzeugen, doch bleibt die psychologische Ebene, die angestrebt wird, merkwürdiger schal und leer.
Der mittlerweile mit Fernsehdokumentationen beschäftigte Michael Cencig, inszenierte sein mit dem Thomas-Pluch-Preis ausgezeichnetes Drehbuch „Giulia Super“ (1991) als sympathisches Roadmovie um eine Gruppe Menschen, die in einem Auto durch die Lande zieht. Zumindest ist es in der Theorie sympathisch, doch keiner der Charaktere weiß zu überzeugen und die Handlung ist kaum wahrnehmbar.
Der vor einigen Jahren verstorbene Peter Falk bekommt in der kurzen Dokumentation „Peter Falk versus Columbo“ (2019) ein schönes Denkmal gesetzt, welches nicht nur seinen Einfluss auf die Fernsehhistorie aufzeigt, sondern auch seine vielseitige Kinokarriere behandelt. Aufgrund der nur etwa 60 Minuten Länge, bleiben einige Themen leider unausgesprochen. Falk hätte sich eine umfassende Dokumentation verdient.
Mein erste Erinnerung an einen Laurel & Hardy-Film, war eine Produktionsnotiz, die Robbie Coltrane und Robert Carlyle für die Titelrollen besetzt sah. Es sollte aber viele Jahre dauern, bis das britische Biopic „Stan & Ollie“ (2018), welches die Varietee-Tour des Duos, in den 1950er-Jahren behandelt, Realität wurde. Steven Coogan und John C. Reilly bieten fantastische Darbietungen als das alt gewordene Komiker-Duo, welches durch Großbritannien zieht, um Geld zu verdienen und Aufmerksamkeit bei möglichen Produzenten für ein Filmcomeback zu erheischen. Doch ist die Tour von logistischen und gesundheitlichen Problemen geplagt. Jon S. Baird lässt seinen beiden Stars viel Raum, für ihre herzerwärmende Interpretation und auch die gekränkten Egos nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit werden aufgearbeitet. Es ist ein etwas leichtgewichtiger und den Biopik-Formeln folgender Film, doch ist er genau von jener sympathischen und herzlichen Art, die auch die Filme des Duos ausmachte.
Die Künstlerin Annja Krautgasser zeigt in ihrem imposanten Kurzfilm „Waldszenen“ (2015) eine Quasi-Interview-Situation im Wald, in der eine junge Frau (Julianne Zöllner) von einem Reporter (Alexander Ebert) mit Ja und Nein auf gesellschaftliche Fragen antwortet. Verbunden wird dies von Krautgasser mit poetisch anmutenden Waldaufnahmen. Ein etwas sperriger, aber vielschichtiger Film.
Die Website bynwr.com zeigt wieder einen restaurierten Trash-Klassiker, doch mit „Satan in High Heels“ (1962) wird die Geduld des Publikums ordentlich auf die Probe gestellt. Meg Myles spielt die Hauptroller einer Burleske-Tänzerin, die ihren Boss beraubt und nach New York zieht. Dort gerät sie an einen Mann, der ihr eine Arbeit in einem Nobelclub anbietet. Es ist ein zäher 90-Minuten-Trip hin zu einem vorhersehbaren Finale.
Der Werwolf-Horror „Sieben Monde“ (1998) – ursprünglich fürs Fernsehen gedreht aber dann im Kino ausgewertet – ist ein ambitionierter Genre-Beitrag aus Deutschland, der die lokalen Märchen mit einem Serienmörder verbinden will. Dass sich der Film auch nicht wahnsinnig ernst nimmt, sieht man an der Darstellung von Jan Josef Liefers, als Möchtegern-Autor, der glaubt von einem Werwolf gebissen worden zu sein, und nun mordend durch die Stadt zu ziehen. An seiner Seite zu sehen sind Marie Bäumer als seine Freundin, sowie Peter Lohmeyer, Ulrich Mühe und Christoph Waltz. Die humorvollen Momente werden allerdings konterkariert von plakativem Einsatz von Blut und Gewalt. Eine wirkliche Form findet „Sieben Monde“ deshalb nicht und pendelt zwischen Abklatsch von US-Vorbildern und amüsanter Komödie.
S. Craig Zahler macht keine angenehmen Filme. „Dragged Across Concrete“ (2018) ist seine insgesamt dritte Arbeit, und sein ausufernster und vielschichtigster Film. Waren „Bone Tomahawk“ und „Brawl in Cell Block 99“ vor allem Porträts von gebrochenen Männern und ihren Umgebungen, vollzieht Zahler hier den Schwenk, und betrachtet gleich mehrere Seiten gleichzeitig. Zwei Polizisten (Mel Gibson und Vince Vaughn) sehen sich nach dem Einsatz übertriebener Gewalt bei einer Festnahme, mit ihrer Suspendierung konfrontiert und wagen den Schritt auf die andere Seite des Gesetzes. Doch was sich als leichte Aushebung einer Räuberbande darstellt, entpuppt sich als geradezu sadistische Tour de Force. Zahler lässt seine Figuren politisch nicht korrekte Dinge sagen, lässt ihnen wenig Spielraum für Charme und Sympathie, und doch fiebert man mit ihnen mit. Mit den korrupten Polizisten, mit den Kleingangstern die in eine zu große Sache stolpern und den unschuldigen Opfern in einer Bank, die auf grausame Weise ins Kreuzfeuer geraten. Ein kantiger, schmutziger, intelligenter Film.
Der zweiteilige Fernsehfilm „Brecht“ (2019) von Heinrich Breloer folgt dem Doku-Spielfilm-Modus, den der Filmemacher schon in Filmen wie „Todesspiel“ oder „Speer und Er“ so hervorragend eingesetzt hat. Die Lebensgeschichte von Brecht als aufstrebender junger Dichter (Tom Schilling) und in der DDR am Ende seines Lebensweges (Burghart Klaußner), ist vor allem darstellerisch brillant, doch überrascht Breloer mit einem etwas zu braven Erzählryhthmus, der sich zu sehr auf die Kraft der Archivinterviews verlässt.
Die kürzlich verstorbene Agnès Varda, war immer eine sehr persönliche Filmemacherin. In der herzlichen und extrem unterhaltsamen Dokumentation „Les plages d’Agnès“ (2008), richtete sie die Kamera auf ihr eigenes Leben und erstellt ein filmisch spannendes und humorvolles Fazit (auch wenn sie noch zwei weitere Filme später kreieren sollte).
Nicolas Winding Refn ist nicht ohne Grund ein Liebling der Cineasten-Szene, doch sein Stil kann auch abstoßen, wie etwa in „Bleeder“ (1999). Die Geschichte von Lenny (Mads Mikkelsen), dessen Leben sich nur um seinen Job in der Videothek und Filme dreht, sowie von Leo (Kim Bodnia), der sich unverhofft Vaterfreuden gegenüber sieht, ist zu Beginn ein unterhaltsamer Film über männliche Nerd- und Streitkultur, kippt dann aber in einen oberflächlichen Thriller, der sich nie wirklich logisch nachvollziehen lässt.
Matthew Holness hat sich einen Platz in der Comedy-Historie gesichert, als er seine Horror-Satire „Garth Marenghi’s Darkplace“ auf die Welt losließ. Seitdem wurde es aber relativ still um ihn, und dass er ausgerechnet als Regisseur/Autor des symbolisch aufgeladenen Thrillers „Possum“ (2018) wieder in Erscheinung treten würde, war nicht zu erwarten. Sean Harris spielt in körperlich und psychisch ausgemergelter Form, einen in Schimpf und Schande versunkenen Puppenspieler, der sich einer bizarren, an einen Kafka-Roman gemahnenden Figur, entledigen will. Doch vor allem die Begegnung mit seinem Stiefvater, lässt allerlei Dämonen erneut auferstehen. Holness führt sein Publikum in dunkle Orte, wörtlich als auch im übertragenen Sinne.
Mit allerlei Oscar-Hoffnungen beladen war das Drogen-Drama „Ben Is Back“ (2018) in dem Lucas Hedges als der Drogensüchtige Sohn zu Weihnachten zu seiner Familie zurückkehrt, was seine Mutter (Julia Roberts) in allerlei Gefühlswirrungen stürzt. Peter Hedges, der etwa mit „Pieces of April“ eine dysfunktionale Familie hervorragend analysiert hat, scheitert hier an einem angestrengten Plot, der sich auch für billige Drogen-Thriller-Klischees nicht zu schade ist. Zumindest sind Lucas Hedges und Julia Roberts toll in ihren Rollen.
Als am Ende des Überraschungshits „Split“ M. Night Shyamalan zu erkennen gab, dass der Film ein verstecktes Sequel zu seinem bewunderten Comic-Film „Unbreakable“ war, war die Aufregung groß. Die Freude auf „Glass“ erschlägt Shyamalan aber bereits nach wenigen Minuten. Der geplant großartige Abschluss einer eigenwilligen aber selbstbewussten Trilogie rund um Comic-Mechanismen, erstarrt in langen und ruhigen Einstellungen, langweiligen Dialogen, die alles zu Tode erklären und findet auch im großen Finale schließlich keinen zufriedenstellenden Abschluss. Ein langweiliger und zutiefst enttäuschender Film.
Nachdem ich zumindest einen Band von „Barbarella“ gelesen habe, war ich neugierig genug, um mir den berüchtigten Film von Roger Vadim mit Jane Fonda in der Titelrolle anzusehen. Doch wie schon im Comic, ist auch der Film „Barbarella“ (1968) nicht nur voller schwach ausgearbeiteter Charaktere, sondern sieht seine Heldin vor allem als Sex-Gespielin, die aus Notsituationen von anderen gerettet werden muss. Kurios aber im Endeffekt stumpfsinnig.
Ausgezeichnet mit dem Großen Preis in Locarno, ist „A Land Imagined“ (2018) dankenswerterweise über Netflix ins heimische Wohnzimmer gelangt. Der Film aus Singapur ist ein schräger Neo-Noir, in dem zwei Polizisten, das Verschwinden eines Arbeiters untersuchen. Erzählt wird dies mittels einer langen Rückblende, in der vor allem das Verschwinden auf geistiger Ebene thematisiert wird und wie nebenbei die Arbeitsbedingungen für (migrantische) Arbeiter diskutiert wird. In Net-Cafés versinken die jungen Männer in Spielen á la Counterstrike, und vergessen die Welt um sich herum, während sie zugleich auf der Baustelle ausgebeutet werden. Der allzu ruhige Erzählrhythmus arbeitet manchmal gegen die Erzählung, sorgt aber dafür, dass man mit verstärkter Aufmerksamkeit dabei bleibt.
Der Horrorfilm „The Silence“ (2019) ist vor allem der Beweis, dass „A Quiet Place“ und „Bird Box“ gar nicht so schlecht gemacht waren. Derart formelhaft und unsinnig, wird hier eine außergewöhnliche Bedrohung (mutierte Tiere aus Urzeiten werden frei gesetzt und die Menschen überleben nur, wenn sie still sind) herunter gearbeitet, dass es vor allem Stanley Tucci und Kiernan Shipka zu verdanken ist, dass man nicht sofort aus Frust geistig abdriftet.
Nachdem ich die ersten beiden Teile wieder einmal gesichtet hatte, musste ich natürlich den Abschluss der Trilogie auch sehen. „Toy Story 3“ (2010) wurde diesmal von Lee Unkrich inszeniert, kam gut zehn Jahre nach dem zweiten Teil ins Kino, hat sich einen Platz in den neuen „1001 Movies“-Bänden gesichert, und war doch kein Abschluss, da Teil 4 demnächst ins Haus steht. Dabei wäre dieser bittersüße und überraschend düstere Film, ein würdiger Abschluss der Toy Story-Saga. Der bevorstehende Wechsel von Andy ans College, sorgt für Existenzängste, bei den seit Jahren nicht mehr benutzten und bis auf wenige Altbestände aussortierten Spielzeugen. Ihr eher zufälliger Wechsel ins Kindertageszentrum Sunnyside, ist eine schöne Allegorie auf Altersheime und die Befürchtungen und Wünsche, die damit einher gehen. Im Gegensatz zum überladenen zweiten Teil, ein Film, der auch wieder etwas zu sagen hat.
Wenn sich eine so interessante Regisseurin wie Claire Denis, erstmals ins Sci-Fi-Genre wagt, dann wird man aufmerksam. Ihr Möchtegern-philosophischer Gerne-Ausflug „High Life“ (2018) ist zwar mit manch ansehnlicher Bilddramaturgie versehen, doch plätschert das Geschehen von einer Vergewaltigungs-Szene zur nächsten wirren Selbstfriedigungs-Szene und weiß nie, seine Ideen zu einer kohärenten Geschichte zu verknüpfen.
Im L.A.-Neo-Noir „Destroyer“ (2018) darf Nicole Kidman nach längerer Zeit wieder einmal ihre etwas experimentellere Seite zeigen, und brilliert als vom Leben und Alkohol gezeichnete Polizistin. Karyn Kusama erzählt in etwas zu verschachtelter Form, eine recht geradlinige Geschichte um Korruption und enttäuschte Lebensentwürfe, aus denen Kidman mit ihrer (per Makeup) betont ungepflegten Erscheinung heraus sticht. Kidman ist hier eine ebenso sture wie beeindruckende Frau, die ihren Willen durchsetzen will. Dass sie dabei kriminelle Umwege geht, liegt dem Genre inne, und sorgt deshalb eher für weniger Überraschungen.
Der brasilianische Stummfilm „Limite“ (1931) wäre ohne „1001 Movies“-Auflagen wohl nicht auf meinem Radar gelandet, doch so war es mir vergönnt, den wunderschönen und immer wieder mal in geradezu träumerisch Murnau-hafte Sequenzen kippenden Film von Mário Peixoto zu sehen. Wie drei Personen in einem kleinen Boot stranden, wird hier in Rückblenden erzählt, und es ist so verschachtelt, dass ich oftmals den Faden verlor. Dabei wäre es wohl auch dem Film zugute gekommen, wäre es noch experimenteller und lyrischer geworden. So stehen diese einzelnen wunderschönen Sequenzen, einer ambitionierten Erzählung entgegen.
Ebenfalls aufgrund der „1001 Movies“-Neuauflagen (die ich hier nicht neu eintrage), ist der Horrorhit „Paranormal Activity“ (2007) nun doch einmal gesichtet worden. Ähnlich dem „Blair Witch Project“, hat Oren Peli mit seinem Überraschungshit, eine ganze Welle an Nachahmern (und auch Fortsetzungen) losgetreten, die allesamt die günstige und direkte Art der Eigenaufzeichnung für Horror einsetzen. Leider erreicht „Paranormal Activity“ nicht einmal ansatzweise die bedrückende Intensität des „Blair Witch Project“, und so sieht man – abgesehen von einigen einzelnen Sequenzen (wie jene mit dem Ouija-Brett) – wenig von Interesse und schon gar nichts, was gruselig sein könnte.

The 1001 Project
Das Melodram „Senso“ (1954) ist erneut ein Film von Luchino Visconti, in dem er sich mit der adeligen Klasse Italiens auseinander setzt. In „Il Gattopardo“ betrachtete Visconti dies mit mehr Anteilnahme und erzählerischer Raffinesse. Doch in „Senso“ ist die tragische Liebesgeschichte der Contessa Serpieri (Alida Valli) und des österreichischen Offiziers Mahler (Farley Granger) vom ersten Moment an durchschaubar. Wunderschön gefilmt, aber überraschend oberflächlich.
Basierend auf den Erfahrungen von Mary Jane Ward, erzählt „The Snake Pit“ (1948) die Geschichte von Virginia Cunningham, die sich ohne jede Erinnerung in einer psychiatrischen Anstalt wieder findet. Olivia de Havilland ist fantastisch in der Hauptrolle, als Frau, die durch ihre Traumata arbeitet um den Kern ihrer psychischen Probleme zu entdecken. Die Regie von Anatole Litvak ist darauf ausgerichtet, den Horror darzustellen, wirkt aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt.
Ausgezeichnet als einer der allerbesten chinesischen Filme aller Zeiten, ist das knappe und doch komplexe Melodram „Xiao check zhi chun“ (1948). Der von Fei Mu inszenierte Film, erzählt eine relativ einfache Liebesgeschichte um den Wiederaufbau einer Person und eines Dorfes, nach dem Krieg. Die Emotionen die plötzlich hoch kochen sind auch symbolisch für den Wiederaufbau der Psyche der Menschen nach einem Krieg.
John Hustons Kriegsdokumentation „San Pietro“ (1945) wurde als Propagandamaterial für die US-Truppen hergestellt, doch sein realistischer und brutaler Blick auf den Krieg und die Opfer, die dieser fordert, lässt den Propaganda-Teil schnell vergessen. Eine kurze aber intensive Dokumentation über die Wirren und die Brutalität des Zweiten Weltkrieges am Schauplatz Italien.
Viel träumerischer in seinem Tonfall ist Robert J. Flahertys Quasi-dokumentarischer „Louisiana Story“ (1948), in dem ein Junge (Joseph Boudreaux) die Auswirkungen eines Ölunfalls in der unberührten Wildnis Louisianas miterleben muss. Flaherty ist weniger an einer stringenten Handlung, als an einem Zustandsbericht interessiert, und erstellt deshalb diese Katastrophengeschichte, in der er durch kindliche Augen und in wunderschöner Schwarzweiß-Kameraarbeit, die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur zeigen kann.
David Lean und Charles Dickens. Eine offenbar perfekte Kombination, so erfolgreich wie Lean den großen britischen Autoren adaptierte. Mit „Great Expectations“ (1946) erstellte er eine definitive Version der Geschichte um den jungen Pip, der von der eigenwilligen Miss Havisham „erzogen“ wird, und die Liebe der kalten und unnahbaren Estella erlangen will. Wunderschön in Kameraarbeit und Set-Design, von geradezu klassischer britischer Eleganz (Alec Guiness ist auch in einer Nebenrolle zu sehen).
John Hustons „The Asphalt Jungle“ (1950) ist ein sehr detaillierter und intelligenter Gangsterfilm, der sich vor allem für das logistische und ideologische Umfeld eines Coups interessiert. Das ist zum Teil derart genau und ins Detail getrieben, dass die Handlung keinen Zentimeter voran kommt. Nachdem man heutzutage schon ein viel zu oft bedientes Sub-Genre damit gefüllt hat, fällt es „The Asphalt Jungle“ auch ein wenig schwer, aus der Riege an großartigen Gangster-Filmen herauszustechen.
In Mark Robsons „The Seventh Victim“ (1943) untersucht eine junge Frau das plötzliche Verschwinden ihrer Schwester und landet bei einem satanischen Kult. Das klingt nach einer spannenden Story oder nach einem billigen Horrorfilm. Merkwürdigerweise ist Robsons Film keines von beiden. Weder ist „The Seventh Victim“ blutiger Horror noch spannender Thriller, sondern ein wohl erzogener düsterer Krimi, mit manch einprägsamer Szene, aber viel zu sanft wirkenden Bösewichten. Nichts wirkt hier bedrohlich, alles wie eine schlichte Unannehmlichkeit.
Dick Powell ist ein passabler Philippe Marlowe in „Murder, My Sweet“ (1944), doch hauptsächlich funktioniert dieser sehr klassisch gehaltene Film Noir aufgrund der guten Arbeit von Regisseur Edward Dmytryk, der es versteht, die Handlungswirren nachvollziehbar zu gestalten. Wo „The Maltese Falcon“ seinen labyrinthischen Plot wie ein Abzeichen vor sich trug, versucht Dmytryk das Publikum nicht mehr als nötig zu verwirren.
Wann immer die Ealing Studios mit einem Film in dieser Liste auftauchen, dann kann von einem Meisterwerk ausgegangen werden. „The Lavender Hill Mob“ (1951) von Charles Crichton ist ein extrem lustiger und wunderbar verschroben-unterhaltsamer Krimi, in dem Alec Guiness als „Dutch“ Holland und Stanley Holloway als Albert Pendlebury sich zusammentun, um Goldbarren zu stehlen und schließlich außer Landes zu schmuggeln. Natürlich gibt es dabei allerlei Hindernisse, die nicht immer ganz orthodox genommen werden, und das Handlungstempo ist erfrischend rasant. Der Plan mag detailliert sein und doch hat man das Gefühl, viel mehr Zeit mit den Charakteren und ihren verschrobenen Dialogen verbracht zu haben.
Der indische Blockbuster „Mother India“ (1957) von Mehboob Khan, stellte mich vor enorme Probleme. Schließlich bin ich kein Kenner oder Freund des typischen Bollywood-Kinos, und kann mit der etwas manierierten Art der in diesen Melodramen vorhandenen Darstellungen wenig anfangen. Eher gefallen mir (nach meinen westlichen Maßstäben) realistisch gehaltene indische Filme. Da mag viel Vorurteil drinnen stecken, und doch, fällt es mir deshalb schwer, einen Film wie „Mother India“ – eine über viele Jahrzehnte sich ausdehnende Chronik des Lebens und Leids einer armen indischen Frau vom Land, die stellvertretend für die armen Kasten steht – zu beurteilen. Dass Khan einen Blick auf die ärmeren Schichten wirft, macht dieses Bollywood-Melodram schon deshalb zu etwas Besonderem.
Der japanische Anti-Kriegsfilm „Biruma no tategoto“ (1956) basiert auf einem populären zeitgenössischen Roman und wurde eher als groß angelegte Fantasie über das Ende des Krieges angesehen. Kon Ichikawa hatte da andere Pläne und machte aus der Mönch-Werdung eines Soldaten, dessen Kameraden sein Schicksal in Rätsel stürzt, zu einem Appell gegen Kriegstreiberei und falsch verstandenen Nationalismus, der mitten ins Verderben führt. Der stumme buddhistische Mönch und seine Harfe, stehen für ein friedfertiges Leben, fernab der Kriege. Es ist etwas idealisiert, aber von einer beeindruckend klaren humanistischen Botschaft.
Alain Resnais ist einer jener großen Filmemacher, deren Werke ich schon lange sehen wollte, und doch viel zu lange links liegen ließ. Mit der Holocaust-Dokumentation „Nuit et brouillard“ (1955) wählte ich den denkbar schwersten Einstieg. Resnais stützt sich auf ein Drehbuch des das KZ Auschwitz überlebenden Jean Cayrol (die deutschen Fassung übernahm Paul Celan), und vermengt Archivaufnahmen, die teilweise an grausamer Deutlichkeit den Zorn, die Wut und den Ekel kaum zu bändigend zusammenfassen, mit merkwürdig harmonischen Farbaufnahmen der Gegenwart. Es spricht für die Stärke des Films, dass er auch heute noch wie ein Schlag in die Magengrube wirkt und dennoch nicht nur Wut sondern auch Nachdenklichkeit befördert.
Das komplette Gegenteil war dagegen die reichlich eitle Hollywood-Nabelschau „The Barefoot Contessa“ (1954). Humphrey Bogart ist der Regisseur Harry Dawes, der in Rückblicken die kurze und tragische Karriere der spanischen Tänzerin Maria Vargas (Ava Gardner) erzählt. Es ist eine Ansammlung aller möglicher Hinter-den-Kulissen-Klischees und weiß sich schlicht nur durch die beiden Stars ein wenig abzusetzen.
Jean-Pierre Melville, der Großmeister des Gangsterfilms, konnte mit einem seiner frühen Werke bereits viel Aufmerksamkeit und auch Jahrzehnte später noch viel Lob auf sich ziehen. „Bob le Flambeur“ (1956) ist einer dieser durchgestylten Filme, die beinahe zu gelackt sind, um nahe zu gehen (was ein wenig bei allen Melville-Filmen mein Problem scheint), doch werden sie getragen von einem großartigen zentralen Charakter (Roger Duchesne als Robert) und einer Vielzahl an Konflikten, die sich rund um einen geplanten Raub in einem Casino zutragen. Es ist Gangsterkino wie man es sich wünscht, voller zwielichtiger Gestalten und schwerer Entscheidungen.
Nachdem ich von „Nuit et brouillard“ so beeindruckt war, konnte ich seine beiden anderen Filme dieser Liste kaum erwarten. In „Hiroshima Mon Amour“ (1959) lässt Resnais in den ersten 15 Minuten einen essayistischen Bilderreihen auf den Zuseher herein prasseln, durchzogen vom Gespräch eines Liebespaares (Emanuelle Riva und Eiji Okada), die sich danach noch weiter unterhalten und durch die Stadt ziehen. So wild und lyrisch die ersten 15 Minuten, so ruhig und doch tiefgründig sind die darauffolgenden 75 Minuten, in denen das Paar sich weiter über den Krieg und das Leben unterhält. Ein wunderschöner Film.
Rätselhafter und auch schwerer zugänglich war dagegen „L’Année dernière à Marienbad“ (1961). Mehrere Menschen – darunter ein Paar, welches versucht herauszufinden, ob es sich schon einmal getroffen hat oder nicht und wenn ja, wo – irrt durch die weiten Gänge eines wunderschönen Anwesens. Resnais wird hier wieder etwas verwirrender und symbolischer, doch kann man sich dem Sog des rätselhaften Liebesfilms nicht entziehen, auch wenn er sich mir nie ganz erschlossen hat.
Wunderschön und gleichzeitig voller schrecklicher Ansichten, ist der sowjetische Kriegsfilm „Letyat zhuravli“ (1957), der mit dem Treffen von Veronika und Boris beginnt, die sich kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kennenlernen. Ihre Suche nach einem Weg durch diesen Krieg – am Schlachtfeld und in den unsicheren und schweren Zeiten zu Hause – stehen im Zentrum dieses mit wunderschöner Kameraarbeit veredeltem Werks.
Der Brite Humphrey Jennings hat mit seinen Pseudo-Dokumentationen in England einen hervorragenden Ruf, während er mir kein Begriff war. Sein gefeierter „Fires Were Started“ (1943) erzählt mit echten Feuerwehrmännern, wie diese im Zweiten Weltkrieg ihrer Arbeit nachgingen. Ein ehrlicher und direkter Film, mit viel Respekt vor den Männern die er porträtiert.
Rückwärts hatte ich mich durch die Filmgeschichte gearbeitet, und bin nun bei der allerersten Version von „Invasion of the Body Snatchers“ (1956) gelandet. Don Siegel erzählt in typischer 50er-Jahre-Ästhetik von Paranoia und unsichtbaren Feinden. Es zeigt sich hier auch, weshalb diese Geschichte so kraftvoll ist, da sie für jede Zeit immer neu interpretiert werden und ausgelegt werden kann, und Siegel wie auch später Philipp Kaufmann zeigten, wie dies zu einem spannenden und packenden Horrorthriller führen kann.

Re-Visited
Nachdem mich „The Matrix“ bei der erneuten Ansicht derart begeisterte, wagte ich mich wider besseren Wissens doch wieder an die Fortsetzungen. Doch sowohl „The Matrix Reloaded“ (2003) als auch „The Matrix Revolutions“ (2003) sind mit ihren übertriebenen Special Effects-Einsatz, dem viel zu brachialem Soundtrack und der auf den letzten Buchstaben ausdiskutierten und doch unlogischen Handlung, nicht nur schwache Fortsetzungen, sondern auch ebenso enttäuschende Sci-Fi-Werke.
Zufällig stolperte ich über das Kino-Serial „Batman and Robin“ (1949), welches in 15 Episoden den Kampf der beiden maskierten Helden gegen den mysteriösen Wizard erzählt. Dabei kann diese Adaption vor allem durch unfreiwilligen Humor punkten, denn Action, Kostüme und Handlung sind auf einem derart billigen Niveau produziert, dass man sich wundert, mit welcher Intention dies überhaupt produziert wurde.
1999 war schon ein besonderes Filmjahr, und das zeigt sich auch daran, dass ein Film wie „Fight Club“ (1999) während seines Kinolebens kaum wahr genommen wurde, dann aber zu einem Kult-Hit und kulturellen Meilenstein avancierte. Die beißende, energetische und schlicht unfassbar lustige Kapitalismus-Satire, wird bis heute von vielen als Machismo-Feier missverstanden, dabei sind Tyler Durden (Brad Pitt) und der namenlose Erzähler (Edward Norton) die perfekte Darstellung dessen, was aggressive und überbordende Männlichkeitsfantasien ausmachen. Visuell ein Fest, mit großartigen Dialogen und Sequenzen, getragen von einem famosen Soundtrack und tollen Darstellern. Einer jener Lieblingsfilme, die trotz der technischen Umwälzungen, doch nie altert.
Ebenfalls aus dem Jahr 1999 stammt Claire Denis‘ „Billy Budd“-Variation „Beau Travail“ mit einem magnetischen Denis Lavant. Ebenso wie „Fight Club“, analysiert Denis in ihrem Film, die Auswüchse eines falsch verstandenen Männlichkeitswahns, der sich vor allem in körperlicher Züchtigung zeigt. Denis platziert ihre filmische Analyse in der Fremdenlegion, und ist stilistisch das komplette Gegenteil von „Fight Club“, doch die darunter liegenden Themen sind dieselben und ebenso intensiv vorgetragen.
Die National Theater Live-Produktion von „All About Eve“, war der perfekte Anlass, um den zu Grunde liegenden Klassiker aus dem Jahr 1950 noch einmal zu sichten. So sehr mir auch Anderson und James in ihren Rollen gefallen haben, so sehr dominieren doch Bette Davis und Anne Baxter im Klassiker. Das Drehbuch von Mankiewicz ist voller intelligenter Beobachtungen und versteckten Fallen. Ein zutiefst boshaft-witziger Film, der die Schattenseiten von Ruhm und Glanz des Theaters (aber auch Filmgeschäfts) kenntlich macht.
Kürzlich erwarb ich zufällig den gedruckten Text zu Peter Shaffers „Amadeus“. Sein legendäres Stück, welches auch heute noch immer wieder inszeniert wird, war auch die Basis für den ebenso legendären Film von Milos Forman, für den Shaffer auch das Drehbuch schrieb. „Amadeus“ (1984) war einer der ersten „großen“ und „wichtigen“ Filme, die ich als Kind schon zu sehen bekam. Überwältigt von der schieren Opulenz, hegte ich die Sympathie für diesen Multi-Oscar-Gewinner, und nach vielen Jahren, in denen ich den Film aus der Ferne bewunderte, bin ich erstaunt, dass „Amadeus“ auch heute noch ein in der Tat beeindruckendes Meisterwerk ist. Ein Biopic der elegantesten, intelligentesten und vollendesten Form. Milos Forman zeigt natürlich eine modernisierte Fassung, des Genie-Kults, indem das Genie vom Sockel gestoßen wird (was in Shaffers Stück passierte), doch ist diese Deutung so intelligent ausgearbeitet, dass man ihr einfach folgen will. F. Murray Abraham hat als Antonio Salieri eine perfekte Präsenz, so nachvollziehbar gestaltet er den an Gott und dem Schicksal zweifelnder Hofkomponist, während Tom Hulce den naiv-kindlichen Mozart als Querkopf mit genialen Einfällen gibt. Ein Film, in dem man auch dank der an einigen Stellen nachgestellten Opern-Inszenierungen (vor allem „Don Giovanni“ verfolgt mich seit der Kindheit) schlicht versinkt. Famos!
Eher zufällig stieß ich auf „Das große Museum“ (2014) und wie schon bei der ersten Sichtung, war ich von den Blicken hinter die Kulissen des Kunsthistorischen Museums sehr angetan. Doch wie auch schon damals, verliert für mich der schön gemachte Dokumentarfilm an Wirkung, da teilweise zu wenig Distanz zu den Entscheidungsträgern hergestellt wird. Zudem ist die Ebene der einfacheren MitarbeiterInnen nur angeschnitten und wird eher für billige Komik hergeschenkt.
Es ist schon sehr lange her, dass ich die beiden „Toy Story“-Filme von John Lasseter gesehen habe. „Toy Story“ (1995) ist auch heute noch ein wegweisender Animationsfilm, der technisch immer noch beeindruckt und im Zentrum eine so wunderschöne Geschichte um Freundschaft und die Fantasie eines Kindes stehen hat, dass er weiterhin alle Fortsetzungen überstrahlt. „Toy Story 2“ (1999) hingegen, fühlt sich ein wenig wie „Shrek 2“ an. Größer, pompöser und besser animiert, aber gleichzeitig ohne den Charme des ersten Films und trotz einiger intelligenter Ansichten zu Popkultur, merkwürdig hohl.

Serien-Überblick
Erneut sehe ich mich bei „The Expanse“ vor dem Ende. Staffel 2 (2016) der ambitionierten und vor allem zu Beginn der Serie sehr unterhaltsamen Sci-Fi-Serie, weiß zwar die vielen Handlungsstränge und Orte zu verbinden, doch fehlt mir die klare Identifikationsfigur. Stattdessen ziehen die Episoden an mir vorüber, ohne allzu große Spuren zu hinterlassen. Ob ich auf diese Art und Weise dann doch noch die 3. Staffel sichte, ist nicht klar.
Während der Staffel „Freak Show“ verlor ich das Interesse an der Anthologie-Serie „American Horror Story“, doch als bekannt wurde, dass in der 7. Staffel mit dem Titel „Cult“ (2017) eine Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps erfolgte, wollte ich doch wieder sehen, was sich Ryan Murphy und Brad Falchuck ausgedacht haben. „Cult“ ist auf jeden Fall eine beißende Satire zum aktuellen politischen Klima, eine Serie über Extremismus auf beiden Seiten, wobei der rechte Rand deutlich dämonischer dargestellt wird. Vor allem da der von Evan Peters gespielte Kai Anderson, der vom Trump-Fan zum Stadtrat und schließlich zum Guru sich wandelt, deutlich rechten Ideologien folgt, und diese im Mittelpunkt stehen. Ein gelungener Kniff ist es, radikale Ideen, wie jene von Valerie Solanas (toll besetzt mit Gaststar Lena Dunham) dem entgegen zu stellen, und am Ende die Frage zu stellen, welche Form von Personenkult gefährlicher ist. Das ist nicht immer so intelligent wie erhofft, doch überraschend unterhaltsam und eingängig, vor allem da Sarah Paulson und Allison Pill toll aufspielen, als lesbisches Liberalen-Paar am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Etwas, was an Staffel 1 von „Star Trek: Discovery“ negativ auffiel, war der betont ernste und geradezu missmutige Tonfall. Alles schien sich um Leben und Tod zu drehen und so wurde auch die Handlung immer schwerfälliger, während einzelne Episoden, mit etwas Humor, schön herausstachen. Dagegen nimmt die 2. Staffel (2019) nun ein wenig mehr Anleihen am humoristischen Tonfall und lässt, zumindest in den ersten Episoden, viel klassische „Star Trek“-Absurdität und -Unterhaltung einfließen. Sei das mit dem Auftritt von Christopher Pike (Anson Mount), der nicht nur mit viel verspieltem Macho-Charme auftritt, sondern auch einige willkommene Verbindungen zum klassischen Kanon mit sich bringt, oder Tig Notaro als Jet Reno, die mit beißendem Humor die Szenerie betritt. Immer wieder ist auch in Staffel 2, vor allem durch das Auftauchen von Michael Burnhams (Sonequa Martin-Green) Halbbruder Spock (adäquat besetzt mit Ethan Peck), eine gewisse „Dringlichkeit“ in allem zu sehen, was passiert. Die Bedrohung durch den „Red Angel“ oder die KI Control, sorgen dafür, dass auch Staffel 2 sich nicht nur um einfache Abenteuer der Discovery-Crew zu kümmern hat, sondern das ganze Universum retten muss. Zumindest der Handlungstwist am Ende der Staffel, sorgt dafür, dass sich alles sehr elegant auflöst und die Tür für spannendere neue Abenteuer öffnet, die eventuell auch einfach mal nur für sich und die Crew stehen können, anstatt immer wieder und wieder das ganze Universum als Opferpfand einzusetzen haben.
Basierend auf dem leider zu wenig beachteten Action-Märchen „Hanna“ (2011), erarbeitet Autor David Farr eine ganze Serie, rund um die mysteriösen Hintergründe der in der Wildnis zur Kämpferin ausgebildeten Teenagerin Hanna (Esme Creed-Miles). Die Serie „Hanna“ hat in der 1. Staffel (2019) aber einen etwas holprigen Start in seine acht Folgen umfassende Erzählung (die bereits eine 2. Staffel bestätigt sieht). Joel Kinnaman agiert als ihr (Ersatz-)Vater, der sie in der rumänischen Wildnis, vor unbekannten Häschern (angeführt von einer famosen Mireille Enos) beschützt. Als sie sich wieder in die Zivilisation wagen müssen, sehen sie sich mit einer Hetzjagd konfrontiert. Natürlich sind etliche Geheimnisse für den geübten Thriller-Zuseher recht schnell entschlüsselt, und so ist es schade, dass sich die Serie nicht so recht zwischen Action (wobei nur einige wenige Choreografien wirklich im Gedächtnis bleiben) und aktionsreichem Thriller-Märchen entscheiden kann. So bleiben einige Logiklöcher, die aber durch das tolle Spiel der drei Stars aufgefangen wird. Nicht ganz so gut wie erhofft, aber gut genug, um doch die 2. Staffel mit Spannung zu erwarten.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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