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Nur ein einziges Mal ging es in diesem Monat ins Kino, doch war die Sichtung von „Avengers: Endgame“ der Schlusspunkt unter gut 10 Jahre und doppelt so viele Marvel-Filme, die sich hier summierten. Immerhin war es besser und mitreißender, denn das kaum zu ertragende „Infinity War“. Das zweite große Medienereignis war die 8. und finale Staffel von „Game of Thrones“, und zusätzlich hatte ich die Gelegenheit viele Filme der „1001“-Liste zu sehen, darunter das imposante „Sweet Smell of Success“.

Neuzugänge
Es hat eine Weile gedauert, aber schlußendlich habe ich es doch geschafft, den größten Blockbuster aller Blockbuster zu sehen. Der finale Film der großen „Avengers“-Reihe mit dem Titel „Avengers: Endgame“ (2019) war eine Verbesserung zum bedrohlich ausgearteten und unübersichtlichen „Infinity War“. „Endgame“ ist ein zu gleichen Teilen melancholisch-introspektiver Abschied, ein gewaltiger Action-Reißer mit finaler Endlosschlacht, eine amüsante Puzzlejagd und eine selbst eingebaute Parodie auf Superheldenfilme. Dies alles ist ambitioniert und funktioniert stellenweise hervorragend. Robert Downey Jr. bekommt ebenso großartige Momente wie Scarlett Johansson und Chris Hemsworth. Dagegen stehen ein niemals wirklich Sinn machender Plot, oder das Wissen, viele Anspielungen nicht zu verstehen, da ich nicht alle Marvel-Filme gesehen habe. Es ist ebenso überlebensgroß wie Risikolos.

Wenn man etwas auf Netflix mit ziemlich großer Gewissheit erwarten kann, dann sind das interessante aber nicht zu komplexe Polit-Dokumentationen. So ist es auch bei „Knock Down the House“ (2019) in dem die Wahlkämpfe von demokratischen Einzelkämpferinnen thematisiert werden, darunter natürlich vor allem die mittlerweile weltweit populäre Alexandria Ocasio-Cortez, die sich in ihrem Wahlbezirk gegen ein demokratisches Urgewicht durchgesetzt hat. Der von Rachel Lear kompetent gemachte Film folgt auch weniger erfolgreichen Frauen, die das Unmögliche versuchten und manchmal auch scheiterten. Es ist ein Aufruf an alle Polit-Interessierten, sich nicht mit dem Status Quo zufrieden zu geben, sondern Veränderungen zu fordern. Weshalb vor allem AOC aber überhaupt von der Kellnerin zur Abgeordneten mutieren wollte, beantwortet die Doku kaum.

Vor mittlerweile über 20 Jahren, sorgte der ohne jede Narration auskommende Dokumentarfilm „Microcosmos“ (1996) von Claude Nuridsany und Marie Pérennou für Schlagzeilen. In wunderschönen Detailaufnahmen und Super-Zeitlupen-Studien, porträtierten sie das Insektenleben. Was heute in so gut wie jeder Natur-Doku zu sehen ist, war damals eine neue Filmerfahrung.
Nachdem er für Netflix das Leben von Serienmörder Ted Bundy in einer mehrteiligen Dokumentation akribisch dargestellt hatte, ging Joe Berlinger daran, in dem Spielfilm „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ (2019) daran, aus Sicht von Bundys Freundin Liz Kendall (Lily Collins) seine Taten darzustellen. Zac Efron ist als Bundy perfekt besetzt, da er die eigenartige Mischung aus Charmeur und gestörter Psyche darzustellen vermag. Doch der Film selbst ist eine merkwürdig zerfahrene Suche nach Erlösung für Liz Kendall, um die sich am Ende der Film dreht.
Der Found Footage-Film „Dawson City: Frozen Time“ (2016) von Bill Morrison ist eine hervorragende Kompilation von zufällig entdecktem Filmmaterial, welches das Leben in und um die Stadt Dawson City zeigt. Die dort angesiedelte kleine Filmindustrie und der Alltag werden mit der Geschichte des Films an sich verbunden, und sorgen für interessante Einblicke in verloren geglaubte Lebenswelten.
Die australische Romantikkomödie „Muriel’s Wedding“ (1994) wurde vor mittlerweile 25 Jahren zum Sensationshit, da der Film durchzogen ist von ABBA-Songs, die sich die unglückliche Muriel (Toni Collette) immer wieder anhört. Was man wie in einer Zeitkapsel heute zu sehen bekommt, ist auch ein von 90er-Stil durchzogenes Universum, welches wie ein Fiebertraum wirkt. Muriel, die von Familie und Freunden wie Dreck behandelt wird, und durch Lügen und Schwindeleien zu Glück gelangen will. Nicht minder unterhaltsam ist dabei Rhonda (Rachel Griffiths), die mit Muriel aus dem Nest Portpoise Spit will und in Sydney ein eigenes Leben aufbaut. P.J. Hogan hat seine Komödie mit absurden Gags und überraschend ernsten Themen versehen. Ein Film, der auch 25 Jahre nach seiner Ur-Aufführung funktioniert und zeigt, was Romantikkomödie kann.
Judi Dench, Maggie Smith, Eileen Atkins und Joan Plowright laden zum Tee. In dem Dokumentarfilm „Nothing Like a Dame“ (2018) geben die vier Freundinnen gut gelaunt und manchmal auch ein wenig widerwillig, Einblick in ihr Leben, ihre Karriere und ihre Freundschaft. Ein nicht ganz so geschwätziger Film, wie man meinen mag, doch charmant genug, um gut unterhalten zu sein.
Die Dokumentation „Anvil! The Story of Anvil“ (2008) geisterte schon eine Weile durch verschiedene Empfehlungslisten und nach Ansicht des amüsanten, aber auch relativ oberflächlichen Porträts über die Metal-Band Anvil, die den Durchbruch nie wirklich schaffte, und immer noch in kleinen miesen Hallen vor kleinem Publikum spielen, kann ich die Empfehlungen durchaus verstehen. Es ist sehr unterhaltsam diesen Künstlern bei der Verwirklichung ihres Traums zuzusehen, auch wenn Gervasi – der einst als Roadie für Anvil arbeitete – nur selten wirklich unter die Oberfläche gräbt.
Ein kleiner Überraschungshit war damals die Kärntner Krimikomödie „Bad Luck“ (2015), in der Thomas Woschitz drei Geschichten erzählte, die auf Lokal-Zeitungsmeldungen basierten, und diese am Ende miteinander verband. Eine lakonische und zuweilen etwas zäh erzählte Episodenkomödie, die vor allem vom Charme der Laiendarsteller zehrt.
Aleksandr Sokurov ist als großer Künstler anerkannt, umso weniger überrascht es also, dass er im Auftrag des Louvre, eine Dokumentation erstellt hat, in der er einerseits der Geschichte des Museums huldigt, und gleichzeitig auf innovative Weise diese zum Leben erweckt. „Francofonia“ (2015) ist wie ein lebendig gewordener Spaziergang durch die Hallen des Louvre. Nicht so imposant und innovativ wie „Russian Ark“, aber doch gut genug, um im Gedächtnis zu bleiben und den etwas unangenehmen Hauch der Gefälligkeitsarbeit abzustreifen.
Dass „War Horse“ (2011) von Steven Spielberg auf einem bekannten Theaterstück basierte, war mir bewusst, aber dass das Stück auf einem Roman aufbaute, wieder nicht. Das ist auch schon die interessanteste Beobachtung, die ich bei diesem oberflächlichen und voller Klischees durchzogenem „Ein Bub und sein Pferd“-Film anstellen konnte. Der Erste Weltkrieg reißt die Beiden auseinander und das Pferd landet immer wieder an verschiedenen Orten, beim arroganten Briten, der verträumten Französin und dem korrekten Deutschen. Natürlich sind sie unter ihren Klischeebildern ein wenig anders, aber Spielberg begnügt sich mit Sepiatönen und einfachen Zuschreibungen. Einer seiner melodramatischsten und kitschigsten Filme.
Gavin Hood konnte mit dem Gangsterfilm „Tsotsi“ (2005) den Oscar für Südafrika sichern und sich selbst eine Hollywood-Karriere. Der kompetent gemachte Film um den Slum-Bewohner Tsotsi und seine eher zufällige Vaterrolle, nachdem er ein Auto mit einem Kind darin gestohlen hat, ist ansprechend umgesetzt, aber auch nicht viel anspruchsvoller, als jeder Fernsehfilm. Hood lässt wenig Gefühl für die Townhoods in Südafrika aufkommen und nur selten ein Verständnis für den Handlungsort erkennen. „District 9“ war hier trotz Sci-Fi-Settings erfolgreicher.
Regisseur Radu Mihaileanu fiel mir zuerst mit dem Holocaust-Drama „Zug des Lebens“ auf, doch achtete nicht danach nicht weiter auf seine Karriere. Ein Fehler, denn der tiefgründige, aufwühlende und auch humorvolle „Va, vis et deviens“ (2005), ist ein viel besserer und ambitionierterer Film. Eine israelische Familie adoptiert einen äthiopischen Flüchtling, der als Jude ausgegeben wird, um in Sicherheit zu gelangen. Mihaileanu zeigt die israelische Gesellschaft im Wandel, durch die Augen des Buben Schlomo, und wie schließlich auch in Israel die Rechte den Diskurs zu bestimmen droht. Manchmal zu pathetisch (wie schon „Zug des Lebens“), aber immer emotional packend.
Die Hamlet-Bearbeitung „Hamlet liikemaailmassa“ (1987) war zu meiner eigenen Überraschung mein allererster Film von Aki Kaurismäki und was für ein Ereignis. Ein lakonischer, moderner und zutiefst packender Hamlet, in dem Gummienten ebenso eine wichtige Rolle spielen wie versehentlicher Tod durch vergiftete Brathendl. Ein Genuss!
Etwas weniger beeindruckt war ich dann von seinem gesellschaftskritischem „Le Havre“ (2011), in dem sich Kaurismäki bereits Jahre vor der großen Flüchtlingskrise, mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Ein wieder mal lakonisch-humorvoller Film, der aber seine Thematik für meine Begriffe nur in einigen wenigen Schlüsselszenen konsequent durchargumentieren konnte.
Arte hat wieder einmal mit einer Reihe von Kurzfilmen auf sich aufmerksam gemacht. Der Animationsfilm „Fest“ (2018) zeigt angeblich, wie sich Drogen und ein Rave anfühlt, langweilte mich allerdings und stieß mich mit seiner Animation ab. „Pussy“ (2016) war ein amüsanter Animationsfilm zum Thema weibliche Masturbation, während der 20-Minüter „After School Knife Fight“ (2017) den Verlust von Jugend-Freunden thematisierte und dies auf überraschend nachdenkliche Weise bewerkstelligte.
Ein weiterer großer Film des großen Aki Kaurismäki. In „Toivon tuolla puolen“ (2017) behandelt Kaurismäki erneut die prekäre Situation von Einwanderern, vor allem aus dem arabischen Raum, und dem immer mehr um sich greifenden Rassismus in der finnischen Gesellschaft. Ein natürlich wieder einmal lakonisch inszenierter Film, der sich in seinen politischen Beobachtungen erstaunlich gelassen gibt, und doch viele große Dinge anspricht, ohne wie eine Predigt zu klingen.
Viel weniger anspruchsvoll war der Skin Flick „The Girls on F Street“ (1966), der auf bynwr.com unter dem Titel „Maidens of Flesh Street“ lief, in dem mehrere erotische Episoden zu sehen sind, die sich ein geradezu lächerlich schwächlicher Möchtegern-Freier vorstellt. Die Frauen scheinen alle aus einem Russ Meyer-Film zu stammen und die knapp 60 Minuten sind geprägt von Softcore-Szenen die alle ins Nirgendwo führen.
Die gut gemeinte aber unfassbar oberflächliche und im Endeffekt sich selbst widersprechende Komödie „Dumplin'“ (2018) von Anne Fletcher, basierend auf einem Roman, hat zwei Dinge die für ein Gelingen sprechen. Die Dolly-Parton-Obsession von Hauptfigur Willowdean (Danielle Macdonald) und Jennifer Aniston als ihre Mutter und eitle Ex-Schönheitskönigin in einer Nebenrolle. Der Versuch die Schönheitskonkurrenzen satirisch zu unterwandern, indem die übergewichtige Willowdean an dem von ihrer Mutter organisierten Spektakel teilnimmt (gemeinsam mit einer Freundin und zwei Schulkolleginnen), wird am Ende ins Gegenteil verdreht und jedes Mädchen als Möchtegern-Beauty-Queen dargestellt.
Der chinesische Sci-Fi-Megahit „Liu lang di qiu“ (2019) von Frank Zwo, hat es hierzulande zwar nur per Netflix in die Öffentlichkeit geschafft, doch immerhin wird das Spektakel überhaupt vertrieben. Die Handlung um eine sterbende Sonne, der die Erde durch komplizierte Antriebsmechanismen entfliehen will, um in einem neuen Sternsystem weiter zu leben, wäre absurd genug, um einen amüsanten Film zu liefern. Stattdessen ist es ein Rückgriff auf albernste 1990er-Hollywood-Klischees, die schon damals eher für Heiterkeit sorgten. Heute löst der knapp zwei Stunden lange Film vor allem Verwirrung und Langeweile aus. Immerhin wird ein Maschinengewehr auf den Jupiter abgefeuert.
Die Ausgangslage für den britischen „The Man in the White Suit“ (1951) klang für mich immer schon unterhaltsam merkwürdig. Ein Chemiker (Alec Guinness) entwickelt einen blütenweißen Stoff, der reißfest und Schmutzabweisend ist. Was Alexander Mackendrick daraus macht, ist eine absurde Farce über kapitalistische Handlungsweisen und die Interessen von Großindustriellen versus den arbeitenden Massen. Leider klingt das alles in der Theorie spannender, als es im fertigen Film dann präsentiert wurde.
Der Italiener Paolo Sorrentino hat es geschafft, mit seinen Werken in den letzten gut 15 Jahren, sich als eine der wichtigsten Stimmen im europäischen Autorenkino zu etablieren. Sein mir bis dahin unbekannter Psychothriller „Le Conseguenze dell’amore“ (2004) baut auf seinem Stammdarsteller Toni Servillo auf, der als schweigsamer Mann in einer Hotelbar die Aufmerksamkeit der jungen Kellnerin Sofia (Olivia Magnani) erregt. Die einfach wirkende Ausgangslage verdichtet Sorrentino zu einem Thriller um Mafia-Geschäfte und Verrat, und setzt dabei auf großartige Kameraarbeit und fein ausgewählte Musik. Mir wäre eine Konzentration auf die Liebesgeschichte aber lieber gewesen, statt eines sich übernehmenden Mafia-Plots.
Der Animationsfilm „Ruben Brandt, Collector“ (2018) des in Slowenien geborenen Milorad Krstic ist ein wundersamer Bilderwirbel, voller Anspielungen und Verweise auf die Kunstgeschichte, bis hin zum Charakterdesign. Der ungarische Film ist in seinem Aufbau derart intelligent und vielfältig, dass man kaum in der Lage ist, alle Bilder auf einmal aufzunehmen, vor allem da Krstic noch dazu eine mit Freud’schen Motiven unterlegte Kunstraub-Geschichte erzählt. Das ist alles auf einmal dann doch vielleicht etwas zu viel, macht aber sehr viel Spaß.
Das historische Drama „The Professor and the Madman“ (2019) war ein Herzensprojekt von Mel Gibson. Die Entstehungsgeschichte des Oxford Dictionary, welches durch die Unterstützung eines verurteilten Mörders (Sean Penn) entstand, hätte das Zeug zu einem kurios unterhaltsamen Film gehabt. Doch während Gibson als Professor versucht seine Reichweite zu zeigen, outriert Sean Penn in schlimmster barocker Art und Weise. Die Inszenierung ist so anonym, dass kaum ersichtlich ist, weshalb es hinter den Kulissen zu Streitigkeiten um Locations ging. So wie dieser Film fotografiert wurde, hätte er auch auf einer Bühne abgefilmt werden können.
Aktuell ist jeder Film mit Johnny Depp ein Fall für die Klatschpresse. Seine Dramedy „The Professor“ (2019) zeigt ihn als eitlen College-Professor, dem sein naher Tod durch Krebs diagnostiziert wird. Die Reise zum inneren Selbst und zur Erkenntnis, das Leben in vollen Zügen zu genießen, ist leider derart mit Klischees gespickt, dass auch die adäquat aufspielenden Depp oder Danny Huston kaum Leben in das Projekt hauchen können.
Basierend auf einem Buch von Max Frisch, versucht sich Volker Schlöndorff mit „Return to Montauk“ (2017) an einer komplexen Romanadaption. Zwar sind Stellan Skarsgard als Literat und Nina Hoss als seine einstige Geliebte, fantastisch in ihren Rollen, doch erstarrt der Film vor Ehrfurcht und weiß nicht tiefer zu schürfen. So bleibt eine klischeehafte Deutung des genialen Schriftstellers und seines Umfelds.
Der ägyptische Thriller „Clash“ (2016) ist ein spannender und sehr spannender Einblick in das Ägypten des Jahres 2013, als der Langzeit-Herrscher Morsi aus dem Amt gejagt wurde. Eingesperrt in einen Polizeitransporter  zeigt Regisseur Mohamed Diab einen Querschnitt durch die Gesellschaft und die Trennlinien der vielfältigen Konflikte. Nicht immer einfach zu folgen, aber stets spannend.
Nuri Bilge Ceylan ist einer der wichtigsten europäischen Filmemacher der Gegenwart. Der türkische Regisseur konnte mich mit seinem Festival-Hit „Winter Sleep“ begeistern und auch sein früheres Werk „Three Monkeys“ war formal beeindruckend. Das gefeierte noch früher entstandene „Uzak“ (2002) behandelt in geradezu typischer Slow-Cinema-Weise die Frage nach Distanz und Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen, doch kam ich dabei keinem der Charaktere wirklich nahe.
Mit „Shoplifters“ konnte Hirokazu Kore-eda endlich die lange erwartete Goldene Palme von Cannes einheimsen und auch eine Oscar-Nominierung verbuchen. Doch schon zuvor sorgte er international für Aufsehen. Etwa mit dem ruhigen und zugleich mitreißenden Familiendrama „Soshite chichi ni naru“ (2013), in dem zwei Familien aus unterschiedlichen Schichten erfahren, dass ihre Babys vertauscht wurden. Die emotionale Bürde auf den Familien, als auch die vielfältigen Entscheidungen, die sie zu treffen haben, werden von Kore-eda in einfachen aber effektiven Einstellungen eingefangen. Ein Szenario welches zu Kitsch und Pathos und Melodram einladen hätte können, wird von ihm simpel und reif umgesetzt.
Während ich das hier schreibe, freut sich Joon-ho Bong als erster Südkoreaner über die Goldene Palme für seinen neuesten Film „Parasite“. Bereits mit Werken wie „Memories of Murder“ oder „Okja“ konnte mich Joon-ho Bong begeistern, und auch sein Thriller „Madeo“ (2009) ist ein komplexer und intelligenter Film, der mich aber nicht ganz so mitreißen konnte. Die Geschichte eines Mordes, und der Mutter die ihren beschuldigten Sohn um jeden Preis in Freiheit sehen will, folgt einigen sehr vorhersehbaren Bahnen und gewinnt vor allem durch die straffe Inszenierung, ist aber weit nicht so intelligent oder vielschichtig wie andere Arbeiten des Südkoreaners.
Es ist schon eine Weile her, seit Filme von Neil Jordan für Begeisterung sorgten, und auch sein an 90er-Jahre-Thriller erinnerndes Werk „Greta“ (2018) wird eher nicht als Meilenstein der Filmgeschichte in Erinnerung bleiben. Isabelle Huppert spielt die auf den ersten Blick merkwürdig wirkende Greta, deren Handtasche von der gutmütigen Frances in der U-Bahn gefunden und retourniert wird. Was folgt ist schmerzhaft offensichtlich, aber dank Huppert und Chloe Grace Moretz dennoch unterhaltsam anzusehen.
Ernst Lubitsch feierte – unter Mithilfe eines nicht genannten Raoul Walsh – mit der Kostümklamotte „Rosita“ (1923) sein Hollywood-Debüt und durfte dabei auch gleich Mary Pickford in einer ihrer besten Rollen inszenieren. Das in Spanien spielende Lustspiel ist aber kein sonderlich herausragendes Werk in Lubitschs Filmografie, eher ein Beweis für seine bereits vorhandene Routine.
Mit knapp 60 Jahren startete die internationale Karriere von Judi Dench richtig durch. Grund dafür war die Darstellung von Königin Victoria in dem Überraschungshit „Mrs. Brown“ (1997). Darin spielt sie die um ihren Ehemann trauernde Witwe, die erst durch den kantigen Charme des schottischen Bediensteten John Brown (Billy Connolly) langsam wieder Freude am Leben findet. John Madden inszeniert einen überraschend umglamourösen royalen Film, mit wunderschönen Aufnahmen der schottischen Highlands und zwei zurecht gefeierten Darbietungen.
Verkehrt herum gesichtet, aber das macht bei der geplanten Neuausrichtung Marvel ja überhaupt nichts. „Captain Marvel“ (2019) von Ryan Fleck und Anna Boden, ist eine passabel inszenierte Origin-Story für diese neue Heldin im Film-Kanon. Brie Larson brilliert als Carol Danvers, die sich ihrer neuen Bestimmung bewusst wird, und dabei in den 1990er-Jahren mit Nick Fury (ein Computer-verjüngter und großartig aufgelegter Samuel L. Jackson) die Grundlagen für den Film „Avengers: Endgame“ legt. Inhaltlich eine etwas zu routiniert herunter gehetzte Variante von „Green Lantern“ und „Masters of the Universe“, aber unterhaltsam genug, für einen Filmnachmittag.
Als Scarlett Johanssons Kurzfilm „These Vagabond Shoes“ (2009) für den Omnibus-Film „New York, I Love You“ nicht ausgewählt wurde, gab es großes mediales Geschrei. Mittlerweile kann man sich auf YouTube das sympathische Kleinod, um einen Mann (Kevin Bacon), der sich auf den Weg nach Coney Island begibt, um ein Meatball-Sandwich zu essen. Es ist in seiner Schlichtheit ebenso rührend wie schön, und Johansson versteht es, diese simple Geschichte zu inszenieren. Womöglich war das für den kompletten Omnibus-Film auch einfach zu ruhig und in sich ruhend, denn schließlich passiert hier sehr wenig.
Dominik Hartl hat es wieder getan. Nach „Attack of the Lederhosen Zombies“, versucht er sich nun im Slasherfilm. Sein Maturafeier-Horror „Die letzte Party deines Lebens“ (2018) ist aber ein Desaster auf der ganzen Linie. Furchtbares Sound Mixing verbunden mit schlecht inszenierten Tötungsszenen und einer hanebüchenen Handlung (gut, der letzte Punkt würde gar nicht so stören, wäre alles andere passabel), getragen von ununterscheidbaren Charakteren. Einzig Elisabeth Wabitsch als Julia ist erkennbar, und hat den undankbaren Job, die Fäden zusammenzuführen. 90 Minuten vergeudete Zeit.
Zum Abschluss des Monats gab es dann eine richtige Überraschung. Olivia Wilde zeigt mit ihrem Regiedebüt „Booksmart“ (2019), wie zwei Freundinnen, die nur für die Schule lebten, sich in der Nacht vor der Abschlussfeier darum bemühen, den Spaß einer ganzen Schulzeit hinein zu packen. Natürlich gibt es auch genügend Klischees und äußerst unlogische Handlungswendungen, aber Wilde inszeniert dies mit einem Auge für die Charaktere, und kreiert eine nachvollziehbare Schulwelt.

The 1001 Project
Mit „David Holzman’s Diary“ (1967) nimmt Jim McBride bereits Vlogs und YouTube-Videos vorweg, auch wenn sein Quasi-Dokumentarfilm um den jungen Filmemacher David (L.M. Kit Carson), der ein Video-Tagebuch beginnt, mehr mit der Zugänglichkeit zu Heimvideo-Equipment zu tun hat. Das Ergebnis ist dann auch genauso interessant wie eine Reihe von YouTube-Videos.
Samuel Fullers „Pickup on South Street“ (1953) fällt schön in die Reihe von Noir-Filmen, in denen kein einziger Charakter vertrauenswürdig wirkt. Ein Taschendiebstahl führt zu einer Reihe von Verwicklungen, und zieht weite Kreise, sodass Fullers knapper und straff inszenierter Film, ganz nebenbei auch noch die Furcht vor dem Kommunismus aufgreift. Ein Noir-Reigen.
Immer wieder fiel mit „Juyuso seubgyuksageun“ (1999) in dem „1001 Movies“-Buch auf. Eine mir bis dahin völlig unbekannte südkoreanische Action-Komödie um den Überfall auf eine Tankstelle? Das klang einfach schräg. Tatsächlich ist der rasante Film auch so schräg, wie erhofft. Vier gelangweilte Teenager überfallen zwei Mal in Folge dieselbe Tankstelle, und erhalten beim zweiten Mal kein Geld. Mitarbeiter und Leiter werden als Geisel genommen, während sie versuchen, mit Tricks den Kunden mehr Geld abzuknöpfen, was nur zu noch mehr Geiseln und Verirrungen führt. Eine Action-Komödie, die auch zugleich Gesellschaftsportrait ist. Viele Eigenheiten der Gags sind an mir vorüber gegangen, viele wurden schön erläutert. Interessant auf seine absichtsvoll oberflächliche Art.
Der Dokumentarfilm „Les maitres fous“ (1955) von Jean Rouch zeigt die Hauka-Rituale, die darauf abzielten, Rituale und Handlungsweisen der französischen Kolonialherren zu kopieren. Ein etwas angestaubter anthropologischer Blick auf Afrika.
„Salt of the Earth“ (1954) ist im Grunde die Kommunisten-Variante von „Grapes of Wrath“. Herbert J. Biberman und sein Team, welche der Pro-Kommunisten-Propaganda bezichtigt wurden, drehten mit mexikanischen Darstellern einen pro-kommunistischen Film (geradezu aus Trotz) um Arbeitsrechte und Solidarität der ArbeiterInnen. Viel Platz für subtile Zwischentöne gibt es hier zwar nicht, aber das macht auch nichts, denn die Botschaft ist mit so viel Leidenschaft und zornigem Furor präsentiert, dass sie einfach verfängt und wirkt.
Heute ist das Kriegs-Melodram „Hill 24 Doesn’t Answer“ (1955) vor allem dafür bekannt, der erste israelische Film zu sein. Die Darstellung des Kampfes um Unabhängigkeit 1947 folgt etlichen Kriegsfilm-Klischees seiner Zeit und hebt sich wirklich nur durch die Entstehungsgeschichte und den Handlungsort hervor. Edward Mulhare (der mir später in „Knight Rider“ ein Begriff werden sollte) zu sehen, war aber schon erfreulich.
Basierend auf dem wahren Fall, der Ermordung des idealistischen Anwalts und politischen Kandidaten Albert Patterson (hier gespielt von John McIntire) in Phenix City, zeigt Phil Karlson in „The Phenix City Story“ (1955) in harten und brutalen Bildern, wie sich eine Gesellschaft unter der harten Hand des organisierten Verbrechens befindet. Das ist nicht immer schön anzusehen, vor allem der kaltblütige Mord an einem kleinen schwarzen Mädchen schockiert, aber ist – nicht unähnlich „Salt of the Earth“ – mit unbändigem Zorn inszeniert.
Tony Curtis war nie einer meiner Leinwand-Favoriten und dennoch war er immer wieder zur Stelle, um mit tollen Darbietungen („The Boston Strangler“) in großartigen Filmen („Some Like It Hot“) zu überzeugen. In Alexander Mackendricks dunklem und zutiefst pessimistischem Film Noir „Sweet Smell of Success“ (1957) ist er als Presseagent Sidney Falco in der besten Darbietung seiner Karriere zu sehen. Falco ist im Auftrag des mächtigen Broadway-Kolumnisten J.J. Hunsecker (ein eisig kalter Burt Lancaster) dabei, die Beziehung von Hunseckers Schwester Susan zu einem jungen Musiker zu sabotieren. Sein Weg durch die Hinterhöfe des Broadway, und die schummrigen Bars in New York, ist geprägt von schneidenden Dialogen und aufs Wesentliche reduzierten Momentaufnahmen. Ein Meisterwerk, welches viel bekannter sein sollte.
Guy Maddin ist mit seinen träumerischen Arbeiten, zu einem Hohepriester des Avantgardefilms geworden, auch wenn seine Werke immer am Rande des Essayfilms operieren. In „Archangel“ (1990) begegne ich nun jenem Werk, welches mir am wenigsten zusagte, und doch den Platz in der „1001“-Liste zugewiesen bekam. Die ohne Zuhilfenahme von Sekundärliteratur kaum zu entschlüsselnde Geschichte um eine Gruppe russischer Individuen in den Wirren von Krieg und Liebe, werden in Stummfilmästhetik präsentiert und dürfen reichlich stilisierte Dialoge von sich geben. Dabei imponierten mir die Traumwelten hier weniger als etwa in seiner „Dracula“-Adaption.
Gemeinsam mit seiner Frau Marceline, filmte der damals 90 Jahre alte Dokumentarfilmemacher Joris Ivens, einen sehr persönlichen und zugleich geradezu alles umspannenden Film, um den Versuch, den Wind filmisch einzufangen. „Une histoire de vent“ (1988) ist ein sehr persönliches Fazit zu seinem Filmschaffen, und eine Meditation rund um die Möglichkeiten des Mediums Film. Ein wunderschönes Werk.
Der Mysterythriller „Jacob’s Ladder“ (1990) geisterte schon länger in meiner To-Do-Liste herum. Adrian Lynes Arbeit über einen Mann (Tim Robbins) der von Albträumen zu seinem blutigen Einsatz in Vietnam geplagt wird, ist eine doppelbödige Reise in die Psyche seines Charakters und es ist bis zur Schlussszene nicht klar, welche Realität nun die für den Film bestimmende ist. Das Ende ist dann ebenso simpel, wie effektiv.
John Woo hat sich mit einer Reihe ebenso gewalttätiger wie auch brillant inszenierter Actionfilme einen Namen gemacht. Zu seinen berühmtesten Filmen gehört „Dip huet seung hung“ (1989) – englischer Titel: „The Killer“ – in dem Chow Yun-Fat einen Auftragskiller Jeff spielt, der bei einem seiner Aufträge versehentlich einer Kellnerin das Augenlicht beinahe völlig raubt. Während ein Inspektor der Polizei von Hongkong Jagd auf ihn macht, versucht Jeff mit einem letzten Auftrag genügend Geld zu verdienen, um der Kellnerin eine Operation zu ermöglichen, um ihr Augenlicht wiederherzustellen. John Woo vermengt seine berühmten Action-Choreografien mit einer ins Homoerotische tendierenden Jagd zwischen dem Killer und dem Inspektor. Die Frau in der Mitte des Ganzen, wirkt wie ein Hindernis, zwischen der Anziehung der beiden Männer. Zurecht ein gefeiertes Meisterwerk.
Der Avantgardefilm „Flaming Creatures“ (1963) von Jack Smith, ist eine wilde Fahrt durch ein Panoptikum wüster Charaktere. Vampire unbestimmten Geschlechts tummeln sich vor der Kamera, wobei eine Handlung kaum zu erkennen ist.
Im Stil der Nouvelle Vague präsentieren Jean-Pierre Pollet und Volker Schlöndorff ihren Essayfilm „Méditerranée“ (1963). In schönen Bildern zeigen sie Natur- und Kunsteindrücke des mediterranen Raums. Ein ins Meditative kippende Film, vor allem aufgrund seiner vielen Wiederholungen.
Ken Jacobs‘ „Blonde Cobra“ (1963) ist mir schlicht unzugänglich geblieben. Ein lauter, wilder und auch anstrengender Avantgardefilm, dessen Eintrag in die „1001“-Liste eher dem Status von Ken Jacobs‘ Gesamtwerk zuzuschreiben ist.
Jean Renoirs „Le carrosse d’or“ (1952) war ein überaus und überraschend anstrengender Blick hinter die Kulissen einer Theatertruppe, und der Darstellerin um deren Gunst mehrere Männer kämpfen. Ein bunter und reich ausgestatteter Film, der aber keine Sekunde lang Interesse bei mir erwecken konnte.
Der Taiwanese Tsai Ming-liang ist einer der frühen Meister, was heute „Slow Cinema“ genannt werden kann. In „Ni na bian ji dian“ (2001) lässt er zwei einsame Menschen durch die Welt treiben, ausgehend von einem Uhrenkauf, und der Frage, ob die Uhr zwei Zeitzonen abbilden kann. Tsai Ming-liang lässt das Leben des jungen Mannes und der jungen Frau durch Sequenzen prägen, in denen so gut wie gar nichts passiert.
Hsiao-Hsien Hou ist einer der wichtigsten Filmemacher Asiens, und seine epischen Arbeiten sind immer auch große Untersuchungen zur Geschichte der Region. „Beiqing chengshi“ (1989) zeigt die Wirren unter denen Taiwan nach dem Zweiten Weltkrieg zu leiden hatte, am Beispiel der Lebenswege von vier Brüdern. An ihren Leben lässt sich auch die turbulente Geschichte von Taiwan nachlesen. Komplex und vielfältig, auch wenn ich bei der Vielzahl an Charakteren mir immer wieder mal eine Konzentration auf weniger Charaktere gewünscht hätte.
Der große John Huston erfuhr zum Lebensende hin noch zwei Mal große, wenn auch etwas überraschende, Erfolge. Zunächst wurde das selbst vom Studio für nicht sonderlich interessant gehaltene „Prizzi’s Honor“ (1985) zu einem achtfach Oscar-nominierten Triumph. Die Geschichte um den nicht sonderlich intelligenten Mafia-Killer Charley (großartig: Jack Nicholson), der sich in die Killern Irene (Kathleen Turner) verliebt, während die beiden aufeinander angesetzt sind, hat viele unterhaltsame und überraschende Momente. Ein Film, der nicht davor zurückscheut, der Logik der Handlung statt der Logik des Happy Ends zu folgen.
Aufbauend darauf, war es Huston möglich, die Kurzgeschichte „The Dead“ (1987) von James Joyce zu verfilmen. Huston, der während der Dreharbeiten bereits im Rollstuhl saß und nur wenige Monate nach Fertigstellung des Films verstarb, belässt die Handlung und die Dialoge wie sie bei Joyce sind, und zeigt vor allem ein Stimmungsbild einer Festgemeinschaft, in dem der Tod allumfassend erscheint. Weniger interessant dafür, wie Huston die Kurzgeschichte bearbeitete oder für die Handlung, sondern vor allem auch als Spiegelung dessen, was der kurz vor seinem Tod stehende John Huston hier vermittelte.

Re-Visited
Wie üblich, ist die erneute Ansicht eines Films von und mit Buster Keaton, immer eine Freude. Doch „Our Hospitality“ (1923) ist bei aller Wertschätzung keiner meiner Favoriten und so neige ich mittlerweile dazu, mich eher auf einzelne Abschnitte zu konzentrieren und den Film über mich hinwegspülen zu lassen.
Quasi als Vorbereitung für eine Aufführung im Volkstheater, war es wieder mal an der Zeit, sich Elia Kazans Version von „A Streetcar Named Desire“ (1951) anzusehen. Die ebenso kraftvolle wie leidenschaftliche Interpretation von Tennessee Williams‘ unsterblichem Stück, war nicht nur Marlon Brandos ganz großer Auftritt, sondern zeigte auch die Charaktere in all ihren Schattierungen. Karl Malden als Junggeselle Mitch, Kim Hunter als von Stanley misshandelte Frau Stella, und natürlich Vivien Leigh als das Alter und die Armut fürchtende Südstaatenschönheit Blanche. Das Psychodrama lebt von einer Balance zwischen tollem Schauspiel und packendem Erzählrhythmus, der in dieser Filmversion so gut wie immer getroffen wird.
Immer wieder mal ist die Zeit, wenn mir nach einem lustigen Trash-Film der Sinn steht und in den Jahren habe ich eine Handvoll Favoriten in diesem Segment identifiziert. Einer davon ist „Werewolf in a Women’s Prison“ (2006), der in seiner billigen Ästhetik und an Softpornos angelehnten Handlung, jeglichen Anspruch über Bord wirft und exakt das liefert, was versprochen wird. Ebenso zu den Favoriten zählt der aus dem SyFy-Wust herausstechende „Boa vs. Python“ (2004), der mit ehemaligen Playboy-Models und kaum bekannten B-Movie-Schauspielern, einen mit furchtbaren Spezialeffekten inszenierten Kampf zwischen einer monströsen Boa und einer nicht minder absurden Python zeigt. Es ist immer wieder ein Riesenspaß!
Ebenfalls absurd aber auf eine viel komplexere Art unterhaltsam, ist der kanadische „Rubber“ (2010), in dem ein Autoreifen mit telekinetischen Fähigkeiten auf eine Mordtour geht. Quentin Dupieux zeigt in seinem Regiedebüt eine unbändige Lust an Querverweisen und cleveren Ansichten zu Film und Voyeurismus.
Jean-Luc Godards berühmtes Debüt „À bout de souffle“ (1960) – das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit Francois Truffaut – muss von jedem ernsthaften Filmliebhaber zumindest einmal gesehen werden. Es immer wieder zu sehen, empfiehlt sich aber auch, da man über die Jahre auch entdeckt, wie sich die Sympathien für die Charaktere verändern, und die Ansichten zu den Lebensentwürfen. Ein vielschichtiger und doch überraschend sich leicht und frisch anfühlender Filmgenuss.

Serien-Überblick
Unverhofft kommt oft und so stieß ich durch eine Anregung, auf die britisch-irische Serie „Father Ted“. In der 1. Staffel (1995) der von „The IT Crowd“-Autor erschaffenen Graham Linehan, lernt man rasch die drei Hauptfiguren kennen. Vor allem Father Ted Crilly und sein Kompagnon Dougal (der mir aus „Death in Paradise“ bekannte Adal O’Hanlon), sind auf ihrer abgeschiedenen Insel nicht gerade mit großen Fragen der Welt beschäftigt. Alltags-Querelen und Alltags-Streitigkeiten dominieren, während der alte und dem Alkohol zugetane Father Jack vor sich hin brabbelt. Es ist in etwas abstoßender 90er-Jahre Ästhetik gehalten und zeigt die Priester, Nonnen und Kirchgänger in amüsanter Weise, was im katholischen Irland für Aufsehen sorgte.
James Cordon ist durch seine „Late Late Show“ mittlerweile ein internationaler Star, weshalb seine britische Serie „The Wrong Mans“ heute immer wieder neu ausgestrahlt wird. Gemeinsam mit seinem Kumpan Matthew Baynton, zeigt er darin die zufälligen Verwicklungen eines Bürohengstes (Baynton) und seines Kollegen (Cordon), die durch einen irren Autounfall mitten in einem Spionage- und Kidnapping-Komplott landen. Die 1. Staffel (2013) ist eine kurzweilig und flott inszenierte Sache, die zwar nicht wirklich im Gedächtnis hängen bleibt, aber für kurzweilige Stunden sorgt.
Eine Serie, die man unter der Kategorie „Gut gemeint“ abheften kann, ist die von Dominik Moll inszenierte Mini-Serie „Eden“ (2019). Die deutsch-französische Co-Produktion, erzählt an unterschiedlichen Fronten, von den Flüchtlingsbewegungen (ausgehend von 2015). Ob ein privat geführtes Lager (unter der Leitung der von Sylvie Testud gespielten Managerin), afrikanische Flüchtlinge die nach England wollen um Fußball zu spielen, überforderte Wächter, oder auch die familiären und politischen Verstrickungen von Flüchtlingen in Frankreich oder Deutschland. Es ist sehr viel, was erzählt werden will, und vieles, was deshalb auch gar nicht wirklich auserzählt werden kann. Stattdessen dominieren mancherorst Klischeebilder (der zickige Teenie-Sohn der deutschen Familie, die einen Flüchtling aufnimmt, ist derart platt geraten, dass es schmerzt), was der gesamten Serie etwas schadet.
Nun ist es also vorbei. Mit der 12. Staffel (2019) von „The Big Bang Theory“ geht eine der erfolgreichsten Sitcoms der Fernsehgeschichte zu Ende, und das Ende kommt zudem wie gerufen. Schon länger hatte sich der Reiz an den Abenteuern von Sheldon, Leonard, Penny und Co. verloren, und man sah sich die Episoden aus Gewohnheit an. Die letzte Staffel zeigte dann auch wieder die nun schon gewohnte Mischung aus routiniert-gutem Schauspiel, Promi-Gastauftritten und bekannten Gags. Das Ende kam dann auch mit einer ebenso amüsanten und routinierten Doppelfolge, die einige Handlungsstränge zu einem zufrieden stellenden Ende führte, und Raum für Weiterentwicklungen ließ.
Die 8. und letzte Staffel (2019) von „Game of Thrones“ wurde in etwa so gespannt erwartet, wie der finale „Avengers“-Film, doch während die Mehrheit bei „Avengers: Endgame“ begeistert war, mehrten sich bei der finalen Staffel hier die kritischen bis Hasserfüllten Stimmen. Keine Frage, die sechs Episoden hatten viele Schwächen, waren stellenweise zu lang, und mussten mit einigen Logiklöchern zurecht kommen. Der Unterschied zu den Staffeln ab Nummer 5? Die gestiegene Erwartungshaltung im Angesicht eines pompösen Finales (noch dazu, ohne Bücher als Vorlage, da George R.R. Martin diese noch immer nicht publiziert hat), welches alle und jeden begeistern sollte. Stattdessen gab es Kritik an fehlendem Rhythmus, oder untypischen Handlungen der Charaktere. Ohne zu tief in die Serie hineingeheimnist zu haben oder zu viel Energie darin investiert zu haben, hat mich die finale Staffel nicht enttäuscht, sondern geliefert, was ich erwartet hatte. Einige sehr schöne Momente (vor allem Aryas Auftritt im Kampf gegen die Armee des Night King), einige zu Diskussion anregenden Momente (der Angriff auf King’s Landing und die Entscheidung von Danaerys, die im Einklang mit ihrer Wandlung stand, vielen aber zu plötzlich erschien) und natürlich ein Finale, welches mit seiner Ruhe und Ambivalenz gefiel. Die Stärke der ersten Episoden und Staffeln, konnte schon sehr lange nicht mehr gehalten werden, doch der geradezu überbordende Hass gegen die letzten Episoden, ist in etwa so unsinnig, wie gegen den jüngsten „Star Wars“-Film.

Das monatliche Update bietet einen knappen Überblick über alle Filme, die ich im Laufe eines Monats gesichtet habe. Darunter fallen Werke aus den hier publizierten Listen sowie Kino-Neustarts und Filme die ich nach längerer Zeit wieder einmal sichte. Im Update werden diese in verschiedene Kategorien unterteilt.

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